[0001] Dithiocarabamate von Metallen sind in großer Anzahl beschrieben, siehe Elsevier Monographs
"The Dithiocarbamates and related Compounds" von Thorn and Ludwig (1962), Tabelle
I, Seite 12 bis 34. Es sind aber keine Dithiocarbamate des Bors bekannt.
[0002] Gegenstand der Erfindung sind Bor-tris-(dialkyldithiocarbamate der allgemeinen Formel

in der R und Rʹ gleiche oder verschiedene, verzweigte oder unverzweigte, gesättigte
oder ungesättigte Alkylreste mit 1 bis 12 Kohlenstoffatomen bedeuten. Diese Alkylreste
können auch Cycloalkylreste wie z.B. Cyclohexyl sein.
[0003] Gegenstand der Erfindung sind ferner Verfahren zur Herstellung der Bordithiocarbamate
der allgemeinen Formel I. Die Herstellung dieser Verbindungen erfolgt nach den folgenden
Gleichungen:

Darin haben R und Rʹ die obige Bedeutung, X steht für Bromid, Chlorid oder Fluorid
und Me ist ein Alkali- oder Ammoniumion, vorzugsweise das Natriumion.
[0004] Die Herstellung der Alkalidialalkydithiocarbamate ist im Prinzip bekannt. Zur Herstellung
der Natriumdialkyl-dithiocarbamate wird im allgemeinen folgendermaßen verfahren:
[0005] Eine 50%-ige Natronlauge wird in Methanol eingetragen. Dazu gibt man das sekundäre
Amin und tropft Schwefelkohlenstoff zu. Alle Reaktionskomponenten werden in stöchiometrischen
Mengen eingesetzt, Schwefelkohlenstoff kann auch mit einem Überschuss eingesetzt
werden. Die Mischung wird 1 bis 3 Stunden mechanisch gerührt. Dann ist die Bildung
des Natriumdithiocarbamats beendet.
Diese Lösung kann direkt als Ausgangsprodukt für die nachfolgende Herstellung von
Bor-tris-(dialkyl-dithiocarbamaten) eingesetzt und die Reaktion im gleichen Gefäß
fortgesetzt werden, wenn man anschließend auf 3 Mol des Natriumdithiocarbamats 1 Mol
einer Lösung des Komplexes von Bortrifluorid mit Diethylether- oder Methanol in Diethylether
zutropft.
[0006] Anstelle des Methanols können auch andere mit Wasser mischbare Lösungsmittel wie
Ethylenglykolmonoalkylether, Tetrahydrofuran, Dioxan, Ethanol, Propanol oder Isopropanol
eingesetzt werden. Die Bortrifluorid-Komplexverbindungen sind zwar nicht so hydrolyseempfindlich
wie die freien Borhalogenide, so daß in wässrig-alkoholischer Lösung gearbeitet werden
kann, der Wassergehalt im Reaktionsmedium sollte aber 15 Gewichtsprozent nicht übersteigen.
[0007] Die Reaktion läuft in beiden Stufen schwach exotherm ab. Eine zusätzliche Erwärmung
oder äußere Kühlung sind daher in der Regel nicht erforderlich. Die Umsetzung wird
daher bei 0 bis 90, vorzugsweise 20 bis 70°C durchgeführt.
[0008] Nach beendeter Umsetzung mit dem Bortrifluoridkomplex wird die Mischung noch einige
Stunden nachgerührt. Dann wird vom auskristallisierten Alkalifluorid abgesaugt. Aus
dem Filtrat wird das Gemisch von Wasser und Lösungsmittel abdestilliert. Auch hierbei
sollte eine Temperatur von 70°C nicht überschritten werden. Restmengen an Lösungsmittel
werden daher zweckmäßig im Vakuum abdestilliert. Man erhält schwach gelbliche bis
bernsteinfarbene Öle, die vorzugsweise nochmals klar filtriert werden.
[0009] Wenn man anstelle des Borfluorid-Diethylether- oder -Methanol-Komplexes Bortribromid,
Bortrichlorid oder Bortrifluorid als Reaktionskomponente verwenden will, ist es erforderlich,
das entsprechende Alkali-alkyldithiocarbamat in wasserfreier Form einzusetzen. Die
zunächst erhaltene wässrige Lösung muß also zur Trockne eingeengt werden, ehe das
Alkali-alkyl-dithiocarbamat in einem wasserfreien inerten Lösungsmittel mit dem Borhalogenid
umgesetzt werden kann.
[0010] Geeignete inerte Lösungsmittel für die Umsetzung im wasserfreien Medium sind aliphatische
oder aromatische Kohlenwasserstoffe oder niedere Dialkylether. Für den Temperaturverlauf
und die einzuhaltenden Temperaturen gilt hier das gleiche wie beim Arbeiten in einem
wasserhaltigen Milieu.
[0011] In beiden Fällen kann im sogenannten "Eintopfverfahren" gearbeitet werden, d.h.
die Herstellung des Bor-tris-(dialkyl-dithiocabamats) kann in dem gleichen Reaktionsgefäß
erfolgen, in dem auch schon in der ersten Stufe aus einem entsprechenden sekundären
Amin, Schwefelkohlenstoff und Alkalihydroxid oder nach einem anderen bekannten Verfahren
das Alkali- oder Ammonium-dialkyldithiocarbamat hergestellt wurde.
[0012] Die neuen Bordithiocarbamate der allgemeinen Formel I eignen sich als Additive für
Hydrauliköle oder Getriebedaueröle.
[0013] Die Herstellung von erfindungsgemäßen Verbindungen wird an einigen Beispielen erläutert:
Beispiel 1: Bor-tris-(di-2-ethylhexyl-dithiocarbamt).
[0014] 15 kg einer 50%-igen Natronlauge werden in einer 200 Liter Glasapparatur unter mechanischem
Rühren zu 94 Liter Methanol gegeben. Dann gibt man 45 kg Di-2-ethylhexyl-amin zu.
Im Verlauf von 30 Minuten werden 15 kg Schwefelkohlenstoff zugetropft. Die Mischung
wird anschließend noch 2 Stunden lang weiter gerührt. Dann wird im Verlauf von 90
Minuten die Lösung von 7,5 kg Bortrifluorid-Diethylether-Komplex (50%-ig) in 19 Liter
Ether zugetropft. Die Mischung wird noch 3 Stunden lang weiter gerührt und bleibt
dann über Nacht verschlossen stehen. Am anderen Morgen wird vom ausgefallenen Natriumfluorid
durch eine Steingutnutsche abgesaugt. Aus dem Filtrat wird das Gemisch aus Methanol,
Wasser und Ether abdestilliert, zum Schluß im Vakuum, wobei nicht über 70°C erwärmt
wird. Nach dem Abkühlen wird das Öl noch einmal abgesaugt. Es wurden 46,6 kg eines
klaren, bernsteinfarbenen Öls erhalten, das einen Gehalt von 100,1 % hat, bezogen
auf Gesamt-Stickstoff. Die Ausbeute betrug 77,62 % der Theorie, bezogen auf BF₃.
Beispiel 2: Bor-tris-(di-2-ethylhexyl-dithiocarbamat).
[0015] 24 g einer 50%-igen Natronlauge werden zu 250 ml Wasser gegeben. Dazu gibt man 72,3
g Di-2-ethylhexylamin. Unter mechanischem Rühren werden im Verlauf von 20 Minuten
20 ml Schwefelkohlenstoff zugetropft. Die Mischung wird noch 30 Minuten lang weiter
gerührt. Dann wird im Vakuum im Rotationsverdampfer bei einer Badtemperatur von 50°C
zur Trockne eingeengt. Das staubtrockene Pulver wird mit 200 ml über Molekularsieb
getrockneten Di-isopropylether versetzt. Unter mechanischem Rühren tropft man dazu
im Verlauf von einer Stunde die Lösung von 25 g Bortribromid in 100 ml gleichfalls
über Molekularsieb getrockneten Di-isopropylether. Die Mischung wird noch 3 Stunden
lang weiter gerührt und bleibt dann über Nacht stehen. Vom Natriumbromid wird mit
schwachem Unterdruck abgesaugt. Der Di-isopropylether wird abdestilliert. Der Rückstand
wird im Vakuum bei 70°C getrocknet. Man erhält 44 g eines gelblichen Öles, das einen
Gehalt von 96,9 %, bezogen auf Stickstoff, hat.
Beispiel 3: Bor-tris-(di-2-ethylhexyl-dithiocarbamat).
[0016] 40 g Natriumhydroxid, granuliert, werden in 350 ml Methanol gelöst. Dazu gibt man
241 g Di-2-ethylhexylamin. Unter mechanischem Rühren werden dazu im Ver lauf von
20 Minuten 64 ml Schwefelkohlenstoff getropft. Die Mischung wird noch 2 Stunden lang
weiter gerührt. Dann tropft man im Verlauf von einer Stunde 171 g Bortrifluorid-Methanol-Komplex
(14 % BF₃) zu. Die Mischung wird noch 2 bis 3 Stunden lang gerührt und bleibt über
Nacht verschlossen stehen. Vom Natriumfluorid wird abgesaugt. Das Lösungsmittel wird
abdestilliert und der Rückstand im Vakuum getrocknet. Schließlich wird nochmals abgesaugt.
Man erhält 223 g eines gelblichen Öls, das einen Gehalt von 97,3 %, bezogen auf Stickstoff,
hat. Die Ausbeute betrug 69,7 % der Theorie, bezogen auf BF₃.
Beispiel 4: Bor-tris-(diamyl-dithiocarbamat).
[0017] 150 g einer 50%-igen Natronlauge werden in 940 ml Methanol eingetragen. Dazu gibt
man 293 g Diamylamin. Unter mechanischem Rühren tropft man dazu 120 ml Schwefelkohlenstoff
im Verlauf von 30 Minuten. Die Mischung wird noch 2 Stunden lang weiter gerührt. 75
g Bortrifluorid-Diethylether-Komplex werden in 190 ml Ether eingetragen. Diese Lösung
tropft man innerhalb von 90 Minuten zur Lösung des Natriumdithiocarbamats. Die Mischung
wird noch 3 Stunden lang weiter gerührt. Vom Natriumfluorid wird abgesaugt. Aus dem
Filtrat wird das Lösungsmittelgemisch abdestilliert. Der Rückstand wird im Vakuum
im Wasserbad bei 70°C eine Stunde lang getrocknet. Danach wird nochmals abgesaugt.
Man erhält 325 g eines gelblich gefärbten Öls, das einen Gehalt von 98,45 %, bezogen
auf N, hat. Die Ausbeute beträgt 83 % der Theorie, bezogen auf Bortrifluorid.
Beispiel 5: Bor-tris-(ditridecyl-dithiocarbamat)
[0018] 80 g einer 50%-igen Natronlauge werden zu 500 ml Methanol gegeben. Dazu gibt man
381 g Ditridecylamin. Unter mechanischem Rühren am Rückflußkühler werden 64 ml Schwefelkohlenstoff
im Verlauf von 30 Minuten zugetropft. Die Mischung wird noch 2 Stunden lang weiter
gerührt. Dann tropft man im Verlauf von 1 Stunde die Lösung von 45 ml Bortrifluorid-Ethylether-Komplex
in 100 ml Ether zu. Die Mischung wird noch 3 Stunden lang weiter gerührt. Sie bleibt
dann über Nacht verschlossen stehen. Vom Natriumfluorid wird abgesaugt. Aus dem Filtrat
wird das Lösungsmittelgemisch abdestilliert. Der Rückstand wird im Vakuum im Rotationsverdampfer
bei einer Badtemperatur von 70°C getrocknet. Das erhaltene Öl wird nach dem Erkalten
nochmals abgesaugt. Man erhält 393 g eines bernsteinfarbenen, viskosen Öles, das
einen Gehalt von 98,7 % hat. Die Ausbeute beträgt 85,4 % der Theorie.
1. Bor-tris-(dialkyl-dithiocarbamate) der allgemeinen Formel

in der R und Rʹ gleiche oder verschiedene, verzweigte oder unverzweigte, gesättigte
oder ungesättigte Alkylreste mit 1 bis 12 Kohlenstoffatomen bedeuten.
2. Bor-tris-(di-2-ethylhexyl-dithiocarbamat).
3. Bor-tris-(diamyl-dithiocarbamat).
4. Bor-tris-(ditridecyl-dithiocarbamat).
5. Verfahren zur Herstellung von Bor-tris-(dialkyldithiocarbamaten der allgemeinen
Formel I,
dadurch gekennzeichnet,
daß man 3 Mol eines Alkali-dialkyl-dithiocarbamats der allgemeinen Formel

in der R und Rʹ die Bedeutung des Anspruchs 1 haben und Me⁺ für Na⁺, K⁺ oder NH₄⁺
steht, mit einem Mol Bortribromid, Bortrichlorid oder Bortrifluorid in einem inerten
Medium umsetzt, das gebildete Alkali- oder Ammoniumhalogenid abtrennt und das Bor-tris-(dialkyl-dithiocarbamat)
isoliert.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß als inertes Medium aliphatische
oder aromatische Kohlenwasserstoffe oder Ether eingesetzt werden.
7. Verfahren zur Herstellung von Bor-tris-(dialkyl-dithiocarbamaten) der Formel I,
dadurch gekennzeichnet, daß man 3 Mol eines Alkali-dialkyl-dithiocarbamats der allgemeinen
Formel

in der R und Rʹ die Bedeutung des Anspruchs 1 haben und Me⁺ für Na⁺, K⁺ oder NH₄⁺
steht, mit einem Mol des Komplexes von Bortrifluorid mit Diethylether oder Methanol
in einem wasserhaltigen Medium umsetzt, das gebildete Alkalihalogenid abtrennt und
das Bor-tris-(dialkyldithiocarbamat) isoliert.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Reaktion in Methanol,
Ethanol, Propanol, Isopropanol, Ethylen-glykol-monoalkyl-ether, Tetrahydrofuran oder
Dioxan durchgeführt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Wassergehalt
des Reaktiongsmediums nicht mehr als 15 % beträgt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Reaktion
bei Temperaturen von 0 bis 90, vorzugsweise 20 bis 70°C durchgeführt wird.