[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Einlagerung von Whiskern in eine metallische
Matrix zwecks Herstellung von faserverstärkten, auch kompliziert geformten Bauteilen
in einem Arbeitsgang.
[0002] Fadenförmig gewachsene perfekte Kristalle, auch Whisker genannt, erreichen oft die
theoretische Zugfestigkeit von σ
max= G/30, wobei G der Schubmodul und δ die Zugfestigkeit darstellen. β -SiC-Whisker
mit einem Durchmesser von 0,2 bis 1 µm und einer Länge bis zu 50 µm erreichen beispielsweise
eine Zugfestigkeit von 1300 kp/mm² (13 GPa). Es hat daher nicht an Versuchen gefehlt,
derartige hochfeste Fasern in eine metalische Matrix einzulagern, um damit einen
hochfesten Verbundwerkstoff herzustellen.
[0003] Die heute bekannten Verfahren zur Inkorporation von Whiskern in eine metallische
Matrix sind in der Regel pulvermetallurgische Verfahren. Bei diesen Verfahren wird
in einem ersten Schritt eine möglichst homogene Mischung aus Whiskern und einem Metallpulver
hergestellt. In einem zweiten Schritt wird diese Mischung zu einem Formkörper verpreßt
und gesintert. Das Pressen kann u.a. nach dem Verfahren des Cold Isostatic Pressing
(kurz CIP genannt) erfolgen; das Sintern kann durch Normaldrucksintern, Heißpressen
oder Heiß-Isostatisches Pressen (kurz HIP genannt) erfolgen.
[0004] Eine Orientierung der Fasern in der Matrix kann nur durch einen nachträglich durchgeführten
Umformvorgang, z.B. Ziehen, Walzen oder Strangpressen, erreicht werden.
[0005] Prinzipiell sind bei dem pulvermetallurgischen Verfahren zwei Arten von Faserbeschädigungen
zu beobachten:
- mechanische Schädigung durch die genannten Misch-, Preß- und Umformungsverfahren;
- thermochemische Schädigung bei Reaktion der Faserstoffe mit dem Matrixmaterial
bei dem Sinterprozeß, wenn eine solche Reaktion unter den Temperaturbedingungen des
Heißpressens bzw. heißisostatischen Pressens möglich ist.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, auch komplizierte Formkörper in einem
Arbeitsschritt so herstellen zu können, daß weder auf mechanischem noch auf thermischem
Wege die Gefahr einer fühlbaren Faserschädigung gegeben ist.
[0007] Erfindungsgemäß werden dazu entsprechend dem Kennzeichen von Patentanspruch 1 die
einzulagernden Whisker in der Elektrolytlösung suspendiert und Matrixwerkstoff wird
auf galvanotechnischem Wege auf einer elektrisch leitfähigen Unterlage abgeschieden,
wobei die Whisker bei der Abscheidung in die Matrix eingebaut werden.
[0008] Die Whisker werden in der Suspension durch Rühren, Einblasen von Luft, durch Umpumpen,
durch Schwerelosigkeit, durch Einwirkung von Ultraschall und/oder durch Zugabe von
Netzmitteln in Schwebe gehalten.
[0009] Durch strömungstechnische Maßnahmen läßt sich eine Orientierung der Whisker in der
Matrix erreichen, so daß gezielt eine Anisotropie auch in den mechanischen Eigenschaften
des Bauteils erreicht werden kann.
[0010] Dieses Verfahren eröffnet Möglichkeiten zur Herstellung auch kompliziert geformter
Bauteile, wobei die Form des Bauteils durch die Geometrie der Kathode vorgegeben wird.
[0011] Weiterhin eröffnet das erfindungsgemäße Verfahren die Möglichkeit der Nutzung des
Prinzips der Faserverstärkung auch für solche Whisker/Metall-Kombinationen, bei denen
unter den thermischen Bedingungen bei pulvermetallurgischer Herstellung durch chemische
Reaktion zwischen den Komponenten eine Faserschädigung und damit Abnahme der Festigkeitseigenschaften
resultieren würde.
[0012] Darüber hinaus wird bei der Herstellung von Bauteilen auf diesem Wege auch die mechansiche
Faserschädigung weitgehend vermieden.
[0013] Es ist bekannt, daß partikelförmige elektrisch nichtleitende Materialien, die in
einem galvanischen Bad suspendiert werden, bei der Abscheidung der Metallschichten
miteingebaut werden, wenn sie bestimmte Größen nicht überschreiten, in der Regel
<30 µm. Auch Agglomerate aus diesen Partikeln können - wie sich aus Untersuchungen
unter Schwerelosigkeit zur Klärung des Mechanismus dieses Einbaus ergeben hat - nicht
eingebaut und umwachsen werden. Insoweit war es aus den o.a. bekannten Tatsachen nicht
abzuleiten, daß sich Faserstoffe einbauen lassen. Diese weisen zwar Durchmesser auf,
die denen der eingelagerten Partikel vergleichbar sind, jedoch Längenabmessungen,
die nach bisherigen Erfahrungen mit Partikeln einen Einbau nicht ermöglichen.
[0014] Anders als SiC-Partikel, die eingelagert in Nickelschichten für Verschleißschutzzwecke
Anwendung finden, lassen sich SiC-Whisker (offenbar bedingt durch unterschiedliches
Verhalten hinsichtlich der elektrischen Leitfähigkeit) ohne weitere Behandlung in
Nickelschichten nur unvollkommen einlagern. Hier kann der Einbau durch Aufbringen
von sehr dünnen elektrisch isolierenden Schichten aus z.B. TiO₂ oder SiO₂ wesentlich
begünstigt werden.
[0015] Es stellte sich heraus, daß auf diese Weise bis zu 30 Vol.-% an Whiskern feindispers
in galvanisch abgeschiedenen Formkörpern eingelagert werden können. Dabei wird eine
gute Bindung der schonend eingelagerten Whisker in der metallischen Matrix erreicht,
was zu sehr guten mechanischen Eigenschaften des Verbundwerkstoffes führt. Auch lassen
sich auf diese Weise, wie schon gesagt, thermisch empfindliche Whiskermaterialien
unter Beibehaltung ihrer guten mechanischen Eigenschaften in Matrixmetalle mit höheren
Schmelztemperaturen einlagern. Ein entscheidender Vorteil dieses Verfahrens gegenüber
dem pulvermetallurgischen Verfahren besteht darin, daß man durch eine gezielte Elektrolytführung
die faserförmigen Whisker ausrichten kann, so daß sie strömungsorientiert auf die
Kathode auftreffen und haften und dann von dem abgeschiedenen Matrixmetall eingebaut
werden. Darüber hinaus lassen sich Schwachstellen in dem Verbundwerkstoff, die bei
konventioneller Herstellung durch Oxidanreicherung an den Korngrenzen auftreten können,
vermeiden.
[0016] Mit dem Verfahren gemäß der Erfindung lassen sich auf einfache Weise somit galvanoplastisch
Formkörper mit schonend und orientiert eingelagerten Whiskern herstellen.
[0017] Solche Formkörper, deren Metallmatrix aus Nickelbasislegierungen besteht, sind für
den Einsatz bei höheren Temperaturen, z.B. in Turbinen oder Abgasladern von Verbrennungsmotoren,
geeignet.
[0018] Die mannigfaltigen Anwendungsmöglichkeiten des erfindungsgemäßen Verfahrens sollen
durch die angeführten Anwendungsbeispiele nicht eingeschränkt werden.
[0019] Im folgenden sollen die Einzelheiten an Hand von Beispielen näher erläutert werden.
Beispiel 1:
[0020] In einem Elektrolyt der Zusammensetzung
300 g Nickelsulfat
37 g Nickelchlorid
20 g Borsäure
wurden 100 g/l SiC-Whisker suspendiert und bei einer Stromdichte von 3 A/dm² ein 500
µm dickes Formteil abgeschieden. Eine Analyse der Schicht ergab einen Whiskeranteil
von 12,4 Vol.-%.
Beispiel 2:
[0021] Aus einem nach Beispiel 1 abgeschieden Formkörper wurden die Whisker durch chemisches
Auflösen der Nickelmatrix wieder zurückgewonnen. Die so isolierten Whisker wurden
mit dem Whiskerausgangsmaterial verglichen. Das Ergebnis der Untersuchung ergab, daß
das Längenverteilungsspektrum der eingelagerten Whisker und das der Ausgangswhisker
völlig gleich war; bedingt durch den Einlagerungsprozeß konnten keine Whiskerbrüche
oder sonstige Schäden beobachtet werden.
Beispiel 3:
[0022] In einem Kobalt-Whisker-Suspensionselektrolyt wurde mittels einer Pumpe und einer
Schlitzdüse eine zylinderförmige rotierende Kathode gezielt angeströmt und ein 1 mm
dicker Formkörper abgeschieden. Die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung des
sukzessiv aufgelösten Formkörpers ergab, daß etwa 40 % der eingelagerten Whisker in
Strömungsrichtung bzw. etwa in Strömungsrichtung orientiert in die Kobaltmatrix eingelagert
waren.
1. Verfahren zur Einlagerung von Whiskern in eine metallische Matrix,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Whisker in einem Elektrolyten suspendiert werden und bei der galvanoplastischen
Abscheidung von Formkörpern zusammen mit dem Matrixmetall dergestalt abgeschieden
werden, daß die Whisker in der metallischen Matrix feindispers eingelagert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß Elektrolyt/Whisker-Suspensionen mit Whisker-Konzentrationen im Bereich von etwa
3 bis 8 Volumenprozent verwendet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Suspension der Whisker in dem Elektrolyt während der Elektrolyse durch Einblasen
von Luft, mit Hilfe von Ultraschall durch Umpumpen, mechanisches Rühren, durch Schwerelosigkeit
und/oder durch Zusatz von Netzmitteln gewährleistet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß durch Ausrichtung eines parallelen hydrodynamischen Strömungsfelds im Suspensionselektrolyt
die Whisker in Strömungsrichtung ausgerichtet eingelagert werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß etwa 3 - 30 Volumenprozent an Whiskern in die metallische Matrix eingelagert werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei Whiskern mit hoher elektrischer Leitfähigkeit diese vor dem Suspendieren mit
einem dünnen Überzug aus einem elektrisch isolierenden Material, wie beispielsweise
TiO₂, SiO₂ usw., überzogen werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß als metallische Matrix Nickel, Kupfer, Kobalt, Chrom, Zink, Kadmium, Silber, Blei
und/oder galvanisch abscheidbare Legierungen, wie Messing, verwendet werden und als
Whisker solche aus Karbiden, Oxiden, Nitriden, wie z.B. Siliziumkarbid SiC oder Siliziumnitrid
Si₃N₄, eingelagert werden.