[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum elektrolytischen Beizen von chromhältigem
Edelstahl, bei dem zuerst in einer wässrigen Na
2SO
4-Lösung und anschließend in Säure, vorzugsweise Mischsäure, gegebenenfalls stromlos
gebeizt wird. Ein derartiges Verfahren wird in der AT-PS 252.685 beschrieben, wobei
als Mischsäure Flußsäure plus Salpetersäure dient. Im ersten Schritt wird der Zunder
entfernt, während im zweiten Schritt die Ablösung der unter dem Zunder gelegenen chromverarmten
Schicht erfolgt, die beim Glühvorgang entsteht. Dieses Verfahren hat sich weltweit
z.B. zum Beizen von Edelstahlbändern durchgesetzt, hat jedoch den Nachteil, daß das
Cr im Zunder durch den Strom bis zum

oxidiert wird, während Fe gelöst sofort als Fe(OH)
3ausfällt. Das gebildete CrOr bleibt dabei in Lösung und wird nur beim Entschlammen
bzw. mit dem Edelstahlband ausgeschleppt und erst dann durch Reduktionsmittel entgiftet.
Dafür hat sich hauptsächlich die Reduktion mit einer wässrigen FeSO
4-Lösung im pH-Bereich von 0-2 bzw. 7-8 durchgesetzt. In beiden Fällen muß anschließend
nochmals neutralisiert werden, um alle Metallionen in der Lösung als Hydroxide zu
fällen, Außerdem ist bei sehr großem, plötzlichem Anfall von

-hältigen Lösungen immer die Gefahr eines Durchbruches von CrO: -gegeben, das dann
in das Abwasser gelangen kann. Ein weiterer Nachteil des Verfahrens ist, daß nur ein
Bruchteil des gebildeten CrOr aus der wässrigen Lösung von Na
2S0
4 entfernt wird, der Rest jedoch die Konzentration in der Lösung erhöht und zu verstärktem
Angriff auf Kunststoffrohrleistungen und Pumpen führt.
[0002] In der Literaturstelle "Chemical Abstracts", Vol. 87, No. 14, 3.Oktober 1977, Seite
396, Abstract No 108322s, wird zwar die Bildung von Cr0
4" bzw. Cr
20
7" beschrieben, es wird aber keine Lösung dieses Problems gegeben.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung eines Verfahrens der eingangs genannten Art,
welches die genannten Nachteile vermeidet.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der wässrigen Na
2S0
4-Lösung entsprechend dem pH-Wert und Redoxpotential Säure und Reduktionsmittel zugegeben
werden, sodaß eine

-freie Beizlösung erzielt wird.
[0005] In Ausgestaltung der Erfindung ist vorgeseheen, daß der pH-Wert der Lösung kleiner
als 3, vorzugsweise 1,5 bis 2,5, zweckmäßig 2, durch Zugabe von H
2S0
4eingestellt wird. In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß das
Redoxpotential der Lösung gemessen gegen eine Kalomelelektrode durch Zugabe von Säure
und Reduktionsmittel um 50 bis 100mV verringert wird,wobei als Reduktionsmittel eine
Substanz aus der Gruppe Na
xHy S
zO
vverwendet wird, wobei x = 0 bis 2, y = 0 bis 2, z = 1 bis 6 und v = 2 bis 6 gilt,
und daß bei der Reaktion auch Na
2So
4 gebildet wird.
[0006] Für den Ablauf der Reduktion können folgende Reaktionsmechanismen formuliert werden:

Zusätzlich dazu wird auch das gelöste Fe
2(S0
4)
3 durch das Reduktionsmittel reduziert werden, wozu folgendes Beispiel dient:
[0007] Fe
2(S0
4)
3 +Na
2SO
3+H
2O → 2FeS0
4+2NaHS0
4 und das gebildete FeS0
4 weiter mit H
2Cr0
4 nach folgender Reaktionsgleichung reagieren:
[0008] 2H
2Cr0
4+ 6 FeS0
4 + 6H
2SO
4 → Cr
2(SO
4)
3 +3Fe
2(S0
4)
3+ 8H
20, womit aber in Summe wieder die Reaktion 1 beschrieben ist.
[0009] Durch die Oxidation dieser Substanzen wird auch Na
2S0
4 gebildet, das wieder als Leitsalz in der Na
2S0
4-Lösung dient und durch geeignete Wahl des pH-Werts dieser Lösung gelingt es, das
gelöste Fe
3+ nach Überschreiten der Löslichkeit als Fe(OH)
3 ausfallen zu lassen, wodurch die Lösung bei einer bestimmten Fe-Konzentration nicht
vollständig verworfen, sondern nur vom Fe(OH)
3 Schlamm befreit werden muß. Die Konzentration an Na
2S0
4 in der Lösung beträgt 10 bis 250g/l, vorzugsweise 170 bis 200g/1.
[0010] Der pH-Wert für diese Reaktionen wird erfindungsgemäß kleiner als 3, vorzugsweise
1,5 bis 2,5, zweckmäßig 2, gewählt. Bei diesem pH-Wert ist die Reaktionsgeschwindigkeit
in der Lösung hinreichend groß und das Redoxpotential gemessen gegen eine Kalomelelektrode
in der

hältigen Lösung um 50 bis 100mV größer als in der

-freien Lösung. Selbstverständlich können neben dem Redoxpotential auch andere, analyt.
Methoden zur Bestimmung des

-Gehaltes der Lösung herangezogen werden, doch hat sich diese Methode als einfachste
und kostengünstigste herausgestellt.
Beispiel 1:
[0011] In einer elektrolytischen Beizanlage mit einer wässrigen Lösung von Na
2S0
4 wurde ein Edelstahlband 1000 x 6,0mm mit einer Bandgeschwindigkeit von 8.4 m/min
gebeizt und anschließend in einem Mischsäurebottich mit Salpeter-Flußsäure die unter
der Zunderschicht gelegene chromverarmte Schicht entfernt. Bei einer frisch angesetzten
wässrigen Na
2S0
4-Lösung betrug der Anstieg der Cr
6+ Konzentration 0,2 g Cr
6+/l während einer Zeitdauer von acht Stunden.
[0012] Nach Einstellen des pH-Wertes auf 2,0 durch Zugabe von H
2S0
4 96%ig wurde durch weitere Zugabe von 8,8 ml 10%iger Na
2S0
3Lösung sowie 3,7 ml 96
0/oiger H
2S0
4pro Liter der wässrigen Lösung das gesamte Cr
6+ reduziert, wobei sich das Redoxpotential der Lösung von vorher 620 mV auf 530 mV,
gemessen gegen eine Kalomelelektrode, änderte.
[0013] Während der nächsten acht Stunden wurde durch weitere, konstante Zugabe von Na
2SO
3-Lösung sowie Schwefelsäure dieses Redoxpotential konstant gehalten. Gegen Ende der
acht Stunden konnte analytisch kein Cr
6+ in der wässrigen Lösung nachgewiesen werden.
Beispiel 2:
[0014] Anschließend an das Beispiel 1 wurde die Zugabe von Reduktionsmittel gestoppt, bis
das Redoxpotential wieder auf 620mV angestiegen war.Nach etwa weiteren 4 Stunden betrug
die analyt. bestimmte Cr
6+ Konzentration 0,11 g Cr
6+/1. Durch Zugabe von festem Na
2S20sin einer Menge von 0,9 g Na
2S
2O
5(62%ig) pro Liter konnte das Redoxpotential wieder auf 520 mV, gemessen gegen eine
Kalomelelektrode, eingestellt und analytisch kein Cr
6+ mehr nachgewiesen werden. Während der Zugabe des Na
2S
20
5 sank der pH-Wert der Lösung von 2,0 auf 1,9 ab.
Beispiel 3:
[0015] Nach der Zugabe gemäß Beispiel 2 wurde in der wässrigen Lösung erneut der Zusatz
eines Reduktionsmittels unterbrochen, bis wieder eine Cr
6 +Konzentration von 0.16 g Cr
6+/I erreicht war. Durch Zugabe von 3,9 ml 100/oiger Na
2S
20
4-Lösung sowie 1,3 ml 96%iger H
2S0
4pro Liter Lösung wurde das Redoxpotential wieder auf 515 mV eingestellt und es konnte
analytisch kein Cr
6+ mehr nachgewiesen werden. Bei allen Beispielen war das Edelstahlband nach der Behandlung
mit Säure bzw. Mischsäure zunderfrei und silbrig-glänzend.
1. Verfahren zum elektrolytischen Beizen von chromhältigen Edelstahl, bei dem zuerst
in einer wässrigen Na
2S0
4-Lösung und anschließend in Säure, vorzugsweise Mischsäure, gegebenenfalls stromlos
gebeizt wird, dadurch gekennzeichnet, daß der wässrigen Na
2S0
4-Lösung entsprechend dem pH-Wert und Redoxpotential Säure und Reduktionsmittel zugegeben
werden, so daß eine

-freie Beizlösung erzielt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der pH-Wert der Lösung kleiner
als 3, vorzugsweise 1,5 bis 2,5, zweckmäßig 2, durch Zugabe von H2S04 eingestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Redoxpotential der Lösung
gemessen gegen eine Kalomelelektrode durch Zugabe von Säure und Reduktionsmittel um
50 bis 100 mV verringert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Reduktionsmittel eine
Substanz aus der Gruppe Nax Hy SzOv verwendet wird, wobei x = 0 bis 2, y = 0 bis 2, z = 1 bis 6 und v = 2 bis 6 gilt, und daß bei der Reaktion auch Na2S04 gebildet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Na2 S04- Konzentration der Lösung auf 100 bis 250 g/I, vorzugsweise 170 bis 200g/1 eingestellt
wird.