(19)
(11) EP 0 291 547 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
23.11.1988  Patentblatt  1988/47

(21) Anmeldenummer: 87107252.6

(22) Anmeldetag:  19.05.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D01G 1/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE ES FR GB IT

(71) Anmelder: Seydel Vermögensverwaltungsgesellschaft mit beschränkter Haftung
D-33617 Bielefeld (DE)

(72) Erfinder:
  • Gilhaus, Konrad,F, Dr.-Ing.
    D-4800 Bielefeld 14 (DE)

(74) Vertreter: Stenger, Watzke & Ring Patentanwälte 
Kaiser-Friedrich-Ring 70
40547 Düsseldorf
40547 Düsseldorf (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Reissmaschine


    (57) Gegenstand der Erfindung ist eine Reißmaschine zum Reißkonver­tieren von Chemiefaserkabeln 1 oder Chemiefaserbändern mit einer oder mehreren Verzugszonen I, von denen gegebenenfalls eine als Heizzone ausgebildet ist, und einer oder mehreren Reißzonen II bis V, wobei die Verzugs- und Reißzonen I bis V gegebenenfalls in mehreren übereinanderliegenden Etagen E1, E2 angeordnet sind, mit einem Kabeleinzug sowie mit einer Abliefereinrichtung 29 der reißkonvertierten Faserbänder. Um die bekannte Reißmaschine zum Reißkonvertieren von Chemiefaserkabeln oder Chemiefaserbändern derart weiterzuentwickeln, daß Kabel mit einem höheren Gesamtka­belgewicht verarbeitet werden können, so daß gegebenenfalls die Möglichkeit besteht, mehrere Kabel niedrigen Gewichts gleichzei­tig zu verarbeiten, wird mit der Erfindung vorgeschlagen, daß der Kabeleinzug für die Verarbeitung von Kabeln hohen Längenge­wichts verbreitert bzw. für die parallele Führung mehrerer Kabel 1 getrennt und unabhängig voneinander einzeln nebeneinander und/oder übereinander ausgebildet ist und daß die Breite der Verzugs- und/oder Reißelemente der Verzugs- und/oder Reißzonen I bis IV > 270 mm beträgt.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Reißmaschine zum Reißkonvertieren von Chemiefaserkabeln oder Chemiefaserbändern mit einer oder mehreren Verzugszonen, von denen gegebenenfalls eine als Heizzo­ne ausgebildet ist, und einer oder mehreren Reißzonen, wobei die Verzugs- und Reißzonen gegebenenfalls in mehreren übereinander­liegenden Etagen angeordnet sind, mit einem Einzugsgestell für die Kabel sowie mit einer Abliefereinrichtung der reißkonver­tierten Faserbänder.

    [0002] Stapelfasergarne aus Chemiefasern werden primär als endlose Fi­lamente aus Düsen gepreßt. Insbesondere zur Herstellung von Kurzstapelgarnen in der sogenannten Baumwollspinnerei werden die Filamente beim Chemiefaserhersteller auf endliche Längen von beispielsweise 40 mm geschnitten und dann zu Ballen verpackt. Schließlich werden sie dem Spinnereibetrieb der Textilindustrie angeliefert, wo die losen, wirren Fasern über Ballenöffner, Karden bzw. Krempeln und Strecken zu Faserbändern geordnet und den Spinnmaschinen zur Herstellung von Garnen zugeführt werden. Dieser an der Baumwoll- und Wollverarbeitung orientierte tradi­tionelle Prozeß ist für längere feine Fasern aus Qualitätsgrün­den ungeeignet.

    [0003] Auch die Anwendung von Schneidkonvertiermaschinen, bei denen vom Chemiefaserhersteller gelieferte Filamentkabel zwischen Schneid­elementen in Faserpakete definierter Länge übergeführt und an­schließend in Bänderform zusammengefaßt werden, ist aus Quali­tätsgründen auf bestimmte Rohstoffe und gröbere Fasern be­schränkt.

    [0004] Beim Reißkonvertierprozeß werden die vom Chemiefaserhersteller bereitgestellten endlosen Filamentkabel durch stufenweise Deh­nung zerrissen. Der Bandzusammenhalt bleibt dabei uneinge­ schränkt erhalten, ebenso die ausgezeichnete Faserparallelität der Filamentkabel. Faserverknotungen, wie Noppen und Nissen wer­den vermieden. Die hohe Qualität der reißkonvertierten Bänder hat neben der Möglichkeit, den insbesondere bei Polyacrylfasern aus der Faserdehnung resultierenden Faserschrumpf gezielt für die Erzeugung besonders voluminöser Garne zu nutzen, zur weite­ren Verbreitung des Reißkonvertierprozesses beigetragen.

    [0005] Zum Reißkonvertieren werden Reißmaschinen verwendet, wie sie beispielsweise aus der DE-OS 34 00 949 bekannt sind und die in Transportrichtung hintereinander verschiedene Verzugs- und Reiß­zonen für das Verstrecken und das Reißen der Fasern aufweisen. Das Fasermeterial wird dabei auf die gewünschte Länge sowie auf die für die Folgeprozesse erforderliche Faserlängenverteilung gerissen. Zusätzlich sind Heizzonen vorgesehen, die den Faser­schrumpf erhöhen. Über ein Einzugsgestell werden die vom Chemie­faserhersteller in Kartons oder Baller angelieferten Filamentka­bel in die Reißmaschine transportiert. Eine Abliefereinrichtung legt die reißkonvertierten Faserbänder in Kannen ab. Da im Fol­geprozeß häufig schrumpffähige und ausgeschrumpfte Faserbänder kombiniert werden, besteht die Möglichkeit, die Faserbänder vor der Kannenablage entweder zur Bewahrung des Schrumpfes zu kühlen oder zur Eliminierung des Schrumpfes kontinuierlich einer Satt­dampfbehandlung zu unterziehen. Um Platz zu sparen, wird bei der bekannten Reißkonvertiermaschine die Verarbeitungsfolge platz­sparend in mehreren Etagen vorgenommen.

    [0006] Die bekannte Reißkonvertiermaschine ist in der Lage, Polyacryl­kabel mit Filamenttitern von 3,3 dtex bis zu einem Gesamtvorla­gegewicht von 120 ktex sicher zu verarbeiten. Höhere Kabelge­wichte sind nur beim Einsatz gröberer Filamenttiter verarbeit­bar. Da gröbere Filamenttiter nur für begrenzte Anwendungsbe­reiche in Frage kommen, ist somit die bekannte Reißkonvertierma­schine generell nicht für die Verarbeitung höherer Kabelgewichte einsetzbar. Dies verhindert aber Rationalisierungsbestrebungen in der Chemiefaserindustrie, die auf die Erhöhung der Kabelge­wichte zielen. Insbesondere bei der Herstellung von Polyacryl­nitril-Filamentkabeln nach dem Naßspinnverfahren können dagegen mit relativ geringem technischem Aufwand die Anlagen auf die kostengünstigere Ablieferung größerer Kabelgewichte umgerüstet werden.

    [0007] Davon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, die bekannte Reißmaschine zum Reißkonvertieren von Chemiefaserkabeln oder Chemiefaserbändern derart weiterzuentwickeln, daß Kabel mit einem höheren Gesamtkabelgewicht verarbeitet werden können, so daß gegebenenfalls die Möglichkeit besteht, mehrere Kabel nied­rigen Gewichts gleichzeitig zu verarbeiten.

    [0008] Die Aufgabe ist erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Kabel­einzug für die Verarbeitung von Kabeln hohen Längengewichts ver­breitert bzw. für die parallele Führung mehrerer Kabel getrennt und unabhängig voneinander einzeln nebeneinander und/oder über­einander ausgebildet ist und daß die Breite der Verzugs- und/oder Reißelemente der Verzugs- und/oder Reißzonen > 270 mm beträgt. Hierdurch können höhere Klemmkräfte der Druckwalzen in den Verzugs- und Reißzonen zur Anwendung kommen und die Kabel bzw. Bänder auf einer größeren Breite als bisher durch die Ver­arbeitungselemente geführt werden. Durchgeführte Versuche zeigten, daß sich überraschenderweise eine Kombinationswirkung einstellt, die es ermöglicht, Kabelgewichte im Bereich von 120 bis 240 ktex für eine Filamentfeinheit von 3,3 dtex und gegebe­nenfalls noch höhere Kabelgewichte störungsfrei zu verarbeiten, ohne auf eine kompakte Bauweise der Reißmaschine zu verzichten.

    [0009] Die erfindungsgemäße Reißmaschine hat den Vorteil, daß die Kabel bzw. Bänder auf einer größeren Breite durch die Verar­beitungselemente der Verzugs- und Reißzonen geführt werden können, ohne daß der Verfahrensablauf durch Bündelbrüche und Wickelbildungen gestört wird. Dadurch wird es möglich, ent­sprechend größere Gesamtkabelgewichte störungsfrei zu verarbei­ten, so daß grundsätzlich auch die Möglichkeit eröffnet wird, mehrere Kabel mit niedrigem Gewicht gleichzeitig zu verarbeiten. Es können dabei höhere Klemmkräfte der Druckwalzen der Verzugs- und Reißzonen zur Anwendung kommen. So ist es mittels der erfin­dungsgemäßen Reißmaschine möglich, beispielsweise die von drei nebeneinander vorgelegten Ballen abgezogenen Kabel im gewünsch­ten Abstand zueinander dem Kabeleinzug zuzuleiten. Insgesamt ge­sehen bestehen hinsichtlich des verarbeitbaren Kabellängenge­wichts keinerlei Einschränkungen der Verwertbarkeit für sämt­liche heute auf dem Markt bekannten Kabel sowie hinsichtlich der in absehbarer Zukunft zu erwartenden Kabel. Dies wird durch die erfindungsgemäße Reißmaschine ermöglicht, mit der sich je nach den gegebenen Eigenschaften ein bis vier Kabel bei paralleler oder geschichteter Zuführung verarbeiten lassen, wobei ein be­sonderer Vorzug der vorgeschlagenen Reißkonvertiermaschine in der Möglichkeit liegt, durch Variation des Gesamtverzuges sowohl Kabel mit insgesamt geringerem Vorlagegewicht als auch Kabel mit insgesamt hohem Vorlagegewicht bei hoher Produktionsleistung zu verarbeiten. Hierzu sei lediglich angemerkt, daß nach heutigem Erkenntnisstand bei konventionellen Reißkonvertiermaschinen eine Reduzierung des Verzuges unter den Wert von ca. 4,5 nur in Aus­nahmefällen möglich ist. Versuche mit der erfindungsgemäßen Reißkonvertiermaschine haben jedoch gezeigt, daß eine Reduzie­rung des Verzuges bei niedrigem Kabelvorlagegewicht möglich ist, woraus eine entsprechende Leistungssteigerung resultiert.

    [0010] In einer bevorzugten Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Reißma­schine sind die Verzugs- und Reißzonen in zwei übereinanderlie­genden Etagen angeordnet, ist die Kabelführung in den benachbar­ten Etagen gegenläufig und ist die Zuführung des Kabels zur obe­ren Etage vorgesehen, in der eine Verzugszone I angeordnet ist, während in der unteren Etage Reißzonen II bis V angeordnet sind. Hierdurch ist eine außerordentlich kompakte Maschinengestaltung erreicht.

    [0011] Vorzugsweise ist an einer derartigen Reißmaschine vorgesehen, den Kabeleinzug als Vorverzugszone durch mehrfache Umlenkung des Kabels und Anordnung eines Walzentrios mit Omega-Umschlingung aus zwei angetriebenen Unterzylindern und einer Druckwalze hinter dem Kabeleinzug vorzusehen. Zur Erreichung einer stetigen, ruckfreien Prozeßführung beim Maschinenanlauf sowie im Normalbetrieb ist es vorteilhaft, zur Umlenkung des Kabels von der oberen zur unteren Etage vorzusehen, das Kabel über eine entweder in der unteren Etage oder oberen Etage angeordnete Transportgruppe zu führen, die aus zwei Antriebszylindern und einer Druckwalze besteht, wobei die Druckwalze nur mit einem der beiden Antriebszylinder zusammenwirkt.

    [0012] An die Verzugszone einer Reißmaschine schließt sich eine erste Reißzone, die sogenannte Vorreißzone an. Diese ist vorteilhaf­terweise durch zwei Antriebszylinder mit einer obenliegenden zu­geordneten Druckwalze begrenzt, wobei die Länge der Zone auf einen Wert > 500 mm eingestellt wird. Hierdurch wird erreicht, daß der überwiegende Teil der Fasern in der Vorreißzone gerissen wird, wobei sich eine angenäherte Normalverteilung der Faserlän­gen zwischen einigen Millimetern und der Länge der Vorreißzone einstellt. Die gewählte Zonenlänge ergibt sich als Optimum unter Berücksichtigung der mit wachsender Zonenlänge reduzierten Reiß­kräfte (verbunden mit geringeren erforderlichen Klemmkräften im Bereich der die Vorreißzone begrenzenden Walzen) und des mit reduzierter Zonenlänge sich einstellenden besseren Laufverhal­ tens, d.h. insbesondere Vermeidung von Bündelbrüchen. Durch die obenliegende Anordnung der Druckwalze und die Anwendung von nur zwei Antriebszylindern wird eine besonders kompakte Anordnung erreicht. Die Druckwalze ist hydraulisch belastet. Dieser Aus­führungsform kommt aufgrund der hohen übertragbaren Zugkräfte am Ende der Vorreißzone eine zentrale Rolle zu. Wechselnde Zug­kräfte aus der Vorreißzone werden an die folgenden Reißzonen nicht weitergegeben. Dabei kann es vorteilhaft sein, eine Schrägführung der Faserbänder zwischen der Vorreißzone und den weiteren Reißzonen gegenüber der Verarbeitungsvorrichtung vorzu­nehmen, um eine größere Umschlingung der Antriebzylinder zu be­wirken und dadurch höhere übertragbare Reibungskräfte sicherzu­stellen.

    [0013] Um eine Anpassung der Maschinengröße an die jeweiligen Aufstell­gegebenheiten zu ermöglichen, kann es vorteilhaft sein, zumin­dest eine Verzugs- und/oder Reißzone vertikal anzuordnen. Dabei kann die Vertikalzone vorteilhafterweise oben und unten durch Walzengruppen definiert sein, bei denen zur Vermeidung von Wickelbildungen die Druckwalze nur einen der Unterzylinder tan­giert. Der Begriff "vertikal" umfaßt auch eine Schrägführung des Kabels zwischen zwei Etagen.

    [0014] Grundsätzlich kann der Kabeleinzug in die Reißmaschine aus be­liebiger Richtung beschickt werden. Aus räumlichen Gründen ist es jedoch vorteilhaft, auf der Reißmaschine, d.h. oberhalb der Etagen, ein Einzugsgestell zur Zuführung des Kabels mit einer zur obersten Etage gegenläufigen Kabelführung anzuordnen. Dazu kann das Einzugsgestell zu Beginn des Transportweges eine Kabel­führungseinrichtung aufweisen, mit der mehrere Kabel getrennt und unabhängig voneinander einzeln nebeneinander und/ober über­einander geführt und den Verzugs- und Reißzonen zuführbar sind.

    [0015] In einer bevorzugten Ausgestaltung der Kabelführungseinrichtung wird vorgeschlagen, daß diese aus einzelnen, quer zur Transport­richtung der Kabel sich erstreckenden gekrümmten Führungsstangen besteht, die für die Kabel jeweils ein durch die Krümmung seit­lich begrenztes Führungsbett bilden. Dadurch ist es auf tech­nisch einfache Weise möglich, die Kabel gezielt zu führen und den Verzugs- und Reißzonen zuzuführen. Insbesondere läßt sich eine derartige Kabelführungseinrichtung bei herkömmlichen Reiß­konvertiermaschinen ohne weiteres integrieren, ohne daß es eines zusätzlichen Aufwandes bedarf und ohne daß die Kompaktheit der bekannten Reißkonvertiermaschine verlorengeht.

    [0016] Vorzugsweise sind die gekrümmten Führungsstangen quer zur Trans­portrichtung der Kabel verschiebbar angeordnet. Auf diese Weise kann die Kabelführungseinrichtung den jeweiligen Bedürfnissen optimal angepaßt werden, so daß beispielsweise statt einer Füh­rung nebeneinander nach Verschieben der gekrümmten Führungsstan­gen die Kabel übereinander geführt werden können.

    [0017] Gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung wird vorgeschlagen, daß vor den gekrümmten Führungsstangen die Kabel um allen Kabeln gemeinsame Führungsstangen umgelenkt sind. Im Zusammenwirken mit den gekrümmten Führungsstangen ergibt sich eine optimale Führung der Kabel, wobei die gemeinsamen Führungsstangen eine Spannung in den Kabeln erzeugen, die sich auf die Führungseigenschaft positiv auswirkt.

    [0018] Die gemeinsamen Führungsstangen weisen vorzugsweise einen poly­gonalen Querschnitt auf, wobei sie dreieckig, viereckig oder sechseckig ausgeführt sein können.

    [0019] In einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung ist hinter der Kabelführungseinrichtung am Einzugsgestell zumindest ein Füh­rungsstangenapaar angeordnet, bei dem die eine Führungsstange ge­krümmt ausgebildet ist und für die Kabel jeweils ein durch die Krümmung seitlich begrenztes Führungsbett bildet, das die Kabel nebeneinander und/oder übereinander vereinigt. Durch das Füh­rungsstangenpaar ist es möglich, die Kabel flach nebeneinander bzw. übereinander zu führen und dabei weiter auszubreiten.

    [0020] Um diese Ausbreitung noch weiter zu verbessern, wird schließlich mit der Erfindung vorgeschlagen, daß die gekrümmte Führungs­stange des Führungsstangenpaares in ihrer Lage zum Kabelfluß drehbar ist.

    [0021] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der zugehörigen Zeichnungen, in denen eine bevorzugte Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Reiß­maschine zum Reißkonvertieren von Kabeln schematisch dargestellt ist. In den Zeichnungen zeigen:

    Fig. 1 eine erste Ausführungsform einer Reißma­schine mit einem eine Kabelführungsein­richtung aufweisenden Einzugsgestell in schematischer Seitenansicht;

    Fig. 2 eine zweite Ausführungsform einer Reiß­maschine entsprechend der in Fig. 1;

    Fig. 3 eine Ansicht der Kabelführungseinrich­tung des Einzugsgestells der Reißmaschine in Richtung des Transport­weges der Kabel;

    Fig. 4 einen Schnitt entlang der Linie IV-IV durch die Kabelführungseinrichtung in Fig. 3.



    [0022] Die in Fig. 1 dargestellte Reißmaschine dient zum Reißkonvertie­ren von Kabeln 1, die in Ballen 2 vom Chemiefaserhersteller an­ geliefert und aus diesen entnommen werden. Bei der Ausführungs­form gemäß Fig. 1 ist dargestellt, wie aus insgesamt drei Ballen 2 drei Kabel 1 abgeführt und einem Einzugsgestell 3 zugeführt werden, das oberhalb der eigentlichen Reißmaschine an der Decke hängend angeordnet ist.

    [0023] Das Einzugsgestell 3 besitzt zu Beginn des Transportweges der Kabel 1 eine Kabelführungseinrichtung 4. Diese ist in den Fig. 3 und 4 vergrößert dargestellt, so daß dort auch die Einzelheiten erkennbar sind.

    [0024] Die Kabelführungseinrichtung 4 weist zunächst zwei für sämtliche Kabel 1 gemeinsame Führungsstangen 5 mit quadratischem Quer­schnitt auf, um die herum die drei Kabel 1 gemeinsam S-förmig geführt sind. Diesen beiden Führungsstangen 5 folgen drei ge­krümmte Führungsstangen 6. Diese weisen jeweils seitlich nach oben gezogene Krümmungen 7 auf, die ein Führungsbett 8 für die Kabel 1 bilden, wobei jedes einzelne der drei Kabel 1 in einem Führungsbett 8 der gekrümmten Führungsstange 6 verläuft. Die ge­krümmten Führungsstangen 6 sind auf Hülsen 9 befestigt, die ihrerseits auf Stangen 10 quer zur Transportrichtung der Kabel 1 verschiebbar sind.

    [0025] Bei der Anordnung der gekrümmten Führungsstangen 6 gemäß Fig. 3 ist erkennbar, daß insgesamt drei gekrümmte FÜhrungsstangen 6 vorgesehen sind, wobei die untere gekrümmte Führungsstange 6 den Zwischenraum zwischen den oberen beiden gekrümmten Führungs­stangen 6 ausfüllt, so daß die abgezogenen drei Kabel 1 nach dem Weitertransport durch das Einzugsgestell 3 nebeneinander verlau­fen. Sollen beispielsweise statt dessen vier Kabel 1 der Reißma­schine zugeführt werden, so ist es denkbar, vier gekrümmte Füh­rungsstangen jeweils paarweise übereinander an der Kabelfüh­rungseinrichtung 4 vorzusehen, so daß dann die Kabel sowohl nebeneinander als auch übereinander geführt sind.

    [0026] Um die im Ausführungsbeispiel durch die drei gekrümmten Füh­rungsstangen 6 der Kabelführungseinrichtung 4 drei nebeneinander geführten Kabel 1 flach nebeneinander zu führen und dabei weiter auszubreiten, weist das Einzugsgestell 3 zwei Führungsstangen­paare 11 mit Führungsstangen 11ʹ, 11ʺ auf. Dabei ist die Füh­rungsstange 11ʹ jedes Führungsstangenpaares 11 in ähnlicher Weise wie die gekrümmten Führungsstangen 6 der Kabelführungsein­richtung 4 gekrümmt ausgeführt und in ihrer Lage zum Kabelfluß drehbar, wozu die Führungsstange 11ʹ an einem Arm 12 angeordnet ist, dessen Drehachse in der Achse der anderen Führungsstange 11ʺ des Führungsstangenpaares 11 liegt. Für eine gute Ausbrei­tung der Kabel 1 mit insgesamt hohem Längengewicht können diese Führungsstangen 11ʹ, 11ʺ eine Länge von beispielsweise 600 mm aufweisen.

    [0027] Der Einlauf der Kabel 1 in die eigentliche Reißmaschine ist durch zwei aufgrund der auftretenden Kräfte massiv ausgeführte Führungsstangen 13 gekennzeichnet. Für eine letzte Einstellung der Kabelausbreitung ist einer dieser Führungsstangen 13 eine gekrümmte und drehbar ausgeführte weitere Führungsstange 14 zu­geordnet. Nach erfolgter mehrfacher Umlenkung wird das vorge­dehnte Kabel einem Walzentrio 15 mit Omega-Umschlingung zuge­führt. Dieses Walzentrio 15 besteht aus zwei angetriebenen Un­terzylindern und einer hydraulisch belasteten Druckwalze.

    [0028] Dem Walzentrio 15 schließt sich eine Verzugs- und Heizzone I mit einer Heizeinrichtung 16 an, in der das Kabel 1 im thermo­plastisch warmen oder kalten Zustand gedehnt, jedoch nicht ge­rissen wird. Im Hinblick auf das gewünschte Schrumpfvermögen der Fasern werden materialspezifisch unterschiedliche Dehnungswerte und Temperaturen eingestellt. Diese Verzugs- und Heizzone I bildet die obere Etage E1 der Verarbeitung in der Reißmaschine.

    [0029] Zur Umlenkung in die untere Verarbeitungsebene (Etage E2) wird das Kabel 1 über den Zylinder 17 geführt und über eine Trans­ portgruppe aus zwei Zylindern 18 mit einer zugeordneten Druck­walze 19 in die umgekehrte Verarbeitungsrichtung gelenkt. Dabei sorgt die Druckwalze 19 für eine ruckfreie Prozeßführung beim Maschinenanlauf.

    [0030] Die Zylinder 18 bilden den Beginn der Vorreißzone II der unteren Etage E2, die in Förderrichtung hinten durch weitere Zylinder 20 mit der zugeordneten Druckwalze 21 begrenzt wird. In dieser Vor­reißzone II wird der überwiegende Teil der Fasern gerissen, wobei sich eine angenäherte Normalverteilung der Faserlängen zwischen wenigen Millimetern und der Länge der Vorreißzone II einstellt. Die Länge dieser Vorreißzone II beträgt zweckmäßiger­weise mindestens 500 mm. Die gewählte Zonenlänge ergibt sich als Optimum unter Berücksichtigung der mit wachsender Zonenlänge re­duzierten Reißkräfte (verbunden mit geringeren erforderlichen Kräften im Bereich der die Vorreißzone II begrenzenden Walzen) und des mit reduzierter Zonenlänge sich einstellenden besseren Laufverhaltens, d.h. insbesondere Vermeidung von Bündelbrüchen. Die Ausführungsform des den Abschluß der Vorreißzone II bilden­den Zylinderquadros (Antriebszylinder 20, Zylinder 20ʹ) mit der zugeordneten hydraulisch belasteten Druckwalze 21 kommt aufgrund der hohen übertragbaren Zugkräfte am Ende der Vorreißzone II eine zentrale Rolle zu. Wechselnde Zugkräfte aus der Vorreißzone II werden dabei an die folgende vorreißzone III nicht weiterge­geben.

    [0031] Die Vorreißzone III ist aufgrund des verzugsbedingt geringeren Faserband-Längengewichts und der bereits erfolgten Reißprozesse wesentlich kürzer gestaltet als die Vorreißzone II. Zweckmäßi­gerweise beträgt die Länge der Vorreißzone III mindestens 200 mm. Eine Schrägführung der Faserbänder gegenüber der Verarbei­tungsrichtung erlaubt eine größere Umschlingung der Zylinder 20 für höhere übertragbare Reibungskräfte.

    [0032] Der Vorreißzone III folgen zwei Reißzonen IV und V. Sie werden begrenzt durch drei Walzentrios 22 aus jeweils zwei Zylindern, denen jeweils eine Druckwalze zugeordnet ist. Die Längen der Reißzonen IV und V sowie die jeweiligen Verzüge dienen zum einen der Einstellung der mittleren Faserlänge, zum anderen der Ein­stellung der Faserlängenvariation, die gekennzeichnet ist durch den Variationskoeffizienten CV %.

    [0033] Während durch Einstellung von Verzug und Reißzonenlänge in der Reißzone IV bevorzugt die mittlere Faserlänge beeinflußt wird, kann durch Einstellung der Prozeßbedingungen in der Reißzone V insbesondere die Faserlängenverteilung durch Eliminierung über­langer Fasern beeinflußt werden. Zu diesem Zweck werden in der Reißzone V mindestens doppelt so hohe Verzüge wie in der Reiß­zone IV angewendet.

    [0034] Nach Verlassen der Walzentrios 22 wird das Faserband gegebenen­falls nach Durchlaufen eines Bandverflechters 23 über Lieferwal­zen 24 einer Dämpfvorrichtung 25 zugeführt. Über ein Kühltrans­portband 26 mit angeschlossenem Ventilator 27 gelangt das Faser­band in eine Kanne 28. Diese Einrichtungen bilden eine Abliefer­einrichtung 29 der Reißmaschine.

    [0035] Die Ausführungsform der Reißmaschine gemäß Fig. 2 unterscheidet sich von der Ausführungsform gemäß Fig. 1 dadurch, daß zwischen der oberen Etage E1 und der unteren Etage E2 die erste Vorreiß­zone II nicht horizontal, sondern schräg nach unten im wesent­lichen vertikal angeordnet ist. Diese erste Vorreißzone II wird durch eine Walzengruppe 30, bestehend aus Antriebszylindern 33 und einer Druckwalze 34, in der oberen Etage E1 und durch eine Walzengruppe 31, bestehend u.a. aus Antriebszylindern 35 und einer Druckwalze 32, in der unteren Etage E2 definiert. Zur Ver­meidung von Wickelbildung tangiert die Druckwalze 32 nur einen der Unterzylinder (Antriebszylinder 35) der Walzengruppe 31.

    [0036] Auch die in Fig. 2 dargestellte Ausführungsform der Reißmaschine besitzt eine Kabelführungseinrichtung 4 entsprechend der in Fig. 1. Allerdings ist sie der Einfachheit halber nicht dargestellt.

    [0037] In einer nicht dargestellten Ausführungsform einer Reißmaschine kann die erste Vorreißzone II in einer separaten Etage zwischen der unteren Etage E2 und der oberen Etage E1 angeordnet sein.

    Bezugszeichenliste



    [0038] 

    1 Kabel

    2 Ballen

    3 Einzugsgestell

    4 Kabelführungseinrichtung

    5 Führungsstange

    6 gekrümmte Führungsstange

    7 Krümmung

    8 Führungsbett

    9 Hülse

    10 Stange

    11 Führungsstangenpaar

    11ʹ Führungsstange

    11ʺ Führungsstange

    12 Arm

    13 Führungsstange

    14 Führungsstange

    15 Walzentrio

    16 Heizeinrichtung

    17 Zylinder

    18 Zylinder

    19 Druckwalze

    20 Antriebszylinder

    20ʹ Zylinder

    21 Druckwalze

    22 Walzentrio

    23 Bandverflechter

    24 Lieferwalzen

    25 Dämpfvorrichtung

    26 Kühltransportband

    27 Ventilator

    28 Kanne

    29 Abliefereinrichtung

    30 Walzengruppe

    31 Walzengruppe

    32 Druckwalze

    33 Antriebszylinder

    34 Druckwalze

    35 Antriebszylinder

    I Verzugs- und Heizzone

    II Vorreißzone

    III Vorreißzone

    IV Reißzone

    V Reißzone

    E1 Etage

    E2 Etage




    Ansprüche

    1. Reißmaschine zum Reißkonvertieren von Chemiefasern oder Che­miefaserbändern mit einer oder mehreren Verzugszonen, von denen gegebenenfalls eine als Heizzone ausgebildet ist, und einer oder mehreren Reißzonen, wobei die Verzugs- und Reiß­zonen gegebenenfalls in mehreren übereinanderliegenden Etagen angeordnet sind, mit einem Kabeleinzug sowie mit einer Ablie­fereinrichtung für die reißkonvertierten Faserbänder,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Kabeleinzug für die Verarbeitung von Kabeln hohen Längengewichts verbreitert bzw. für die parallele Führung mehrerer Kabel (1) getrennt und unabhängig voneinander ein­zeln nebeneinander und/oder übereinander ausgebildet ist und daß die Breite der Verzugs- und/oder Reißelemente der Ver­zugs- und/oder Reißzonen (I bis IV) > 270 mm beträgt.
     
    2. Reißmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verzugs- und Reißzonen (I bis V) in zwei übereinander ange­ordneten Etagen angeordnet sind, daß die Kabelführung in den benachbarten Etagen gegenläufig und der Kabeleinzug zur obe­ren Etage vorgesehen ist, in der eine Verzugszone (I) ange­ordnet ist, während in der unteren Etage Reißzonen (II bis V) angeordnet sind.
     
    3. Reißmaschine nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Kabeleinzug als Vorverzugszone durch mehrfache Umlen­kung (bei 11 und 13) des Kabels (1) und Anordnung eines Wal­zentrios (15) mit Omega-Umschlingung ausgebildet ist, welches hinter dem Kabeleinzug vorgesehen ist und aus zwei ange­triebenen Unterzylindern einer obenliegenden Druckwalze be­steht.
     
    4. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch ge­kennzeichnet, daß das Kabel (1) zur Umlenkung von der oberen zur unteren Etage über eine Transportgruppe geführt ist, die aus zwei Antriebszylindern (18 bzw. 35) und einer Druckwalze (19 bzw. 34) besteht, wobei die Druckwalze (19 bzw. 34) nur mit einem der beiden Antriebszylinder (18 bzw. 33) zusammen­wirkt.
     
    5. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch ge­kennzeichnet, daß die Vorreißzone (Reißzone II) durch zwei Antriebszylinder (20 bzw. 35) mit einer obenliegend angeord­neten Druckwalze (21 bzw. 32) begrenzt ist, wobei die Länge der Vorreißzone (II) auf einen Wert > 500 mm eingestellt ist.
     
    6. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge­kennzeichnet, daß die Faserbänder zwischen der Vorreißzone (II) und den weiteren Reißzonen (III biz V) gegenüber der Verarbeitungsrichtung schräg geführt sind.
     
    7. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch ge­kennzeichnet, daß die nach der Vorreißzone (II) angeordnete Reißzone (III) mindestens 200 mm und höchstens 1000 mm be­trägt und daß die Verzüge in der abschließenden Reißzone (V) mindestens doppelt so hoch gewählt sind, wie in der vorgeord­neten Reißzone (IV).
     
    8. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch ge­kennzeichnet, daß mindestens eine Verzugs- und/oder Reißzone vertikal (Fig. 2) angeordnet ist.
     
    9. Reißmaschine nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Vertikalzone oben und unten durch Walzengruppen definiert ist, bei denen die Druckwalze (32 bzw. 34) nur einen der Un­terzylinder (35 bzw. 33) tangiert.
     
    10. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch ge­kennzeichnet, daß als Kabeleinzug oberhalb der Etagen ein Einzugsgestell zur Zuführung des Kabels (1) mit einer zur obersten Etage gegenläufigen Kabelführung angeordnet ist.
     
    11. Reißmaschine nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Einzugsgestell zu Beginn des Transportweges eine Kabel­führungseinrichtung (4) aufweist, mit der mehrere Kabel (1) getrennt und unabhängig voneinander einzeln nebeneinander und/oder übereinander geführt und den Verzugs- und Reißzonen (I bis V) zuführbar sind.
     
    12. Reißmaschine nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Kabelführungseinrichtung (4) aus einzelnen, quer zur Transportrichtung der Kabel (1) sich erstreckenden gekrümmten Führungsstangen (6) besteht, die für die Kabel (1) jeweils ein durch die Krümmung (7) seitlich begrenztes Führungsbett (8) bilden.
     
    13. Reißmaschine nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die gekrümmten Führungsstangen (6) quer zur Transportrichtung der Kabel (1) verschiebbar angeordnet sind.
     
    14. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch ge­kennzeichnet, daß vor den Führungsstangen (6) die Kabel (1) um allen Kabeln gemeinsame Führungsstangen (5) umgelenkt sind.
     
    15. Reißmaschine nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß die gemeinsamen Führungsstangen (5) einen polygonalen Quer­schnitt, vorzugsweise einen drei-, vier- oder sechseckigen Querschnitt, aufweisen.
     
    16. Reißmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch ge­kennzeichnet, daß hinter der Kabelführungseinrichtung (4) am Einzugsgestell (3) zumindest ein Führungsstangenpaar (11) angeordnet ist, bei dem die eine Führungsstange (11ʹ) ge­krümmt ausgebildet ist und für die Kabel (1) jeweils ein durch die Krümmung seitlich begrenztes Führungsbett gebildet ist, das die Kabel (1) nebeneinander und/oder übereinander vereinigt.
     
    17. Reißmaschine nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, daß die gekrümmte Führungsstange (11ʹ) des Führungsstangenpaares (11) in ihrer Lage zum Kabelfluß drehbar ist.
     




    Zeichnung













    Recherchenbericht