[0001] Die Erfindung betrifft eine Zungennadel für maschenbildende Textilmaschinen, mit
einem Nadelschaft aus Stahl, der einen angeformten Nadelhaken und einen Zungenschlitz
aufweist, sowie mit einer aus einem nichtmetallischen Material bestehenden Nadelzunge,
die in dem Zungenschlitz um eine querverlaufende Zungenachse schwenkbar gelagert ist
und in ihrer geschlossenen Stellung mit ihrem Löffel auf dem Nadelhaken sowie in ihrer
voll geöffneten Stellung mit dem Zungenrücken auf Auflageflächen im Bereiche der Nadelschaftoberkante
aufliegt.
[0002] Bei schnellaufenden maschenbildenden Textilmaschinen, bspw. Rundstrickmaschinen,
sind die Nadelzungen der Zungennadeln sehr hohen Beanspruchungen ausgesetzt. Bei einer
Verschwenkung der Nadelzunge zwischen ihrer geschlossenen und ihrer voll geöffneten
Stellung (Rücklage) mit einer Frequenz von 60 Hz und mehr, wie sie heute gebräuchlich
ist, treten an der Nadelzunge hohe Beschleunigung- und Verzögerungskräfte auf. Diese
beanspruchen die Nadelzunge nicht nur auf Biegung, sondern es sind beim Auftreffen
des Löffels auf dem Haken bzw. des Nadelzungenrückens auf den am Nadelschaft vorgesehenen
Auflageflächen erhebliche Energien durch biegeelastische Verformung aufzunehmen und
durch Reibung zu vernichten. Als Folge dieser hohen Beanspruchungen können nicht nur
der Löffel und der Haken beschädigt werden, sondern auch Zungenbrüche oder Beschädigungen
der Zungenlagerung und des Nadelschaftes auftreten.
[0003] Um solche Beschädigungen zu vermeiden, sind schon die verschiedensten Maßnahmen ergriffen
worden. So ist es z.B. aus der DE-PS 27 14 607 bekannt, durch eine besondere Gestaltung
des Nadelzungenschlitzes den Aufschlag der Nadelzunge in der Rücklage elastisch abzufangen.
Diese an sich sehr wirkungsvolle Maßnahme kann aber nicht den ungedämpften Aufschlag
des Löffels der Nadelzunge auf den Nadelhaken beeinflussen oder mildern.
[0004] Außerdem ist aus der DE-PS 33 31 031 eine Zungennadel bekannt, bei der die Nadelzunge
in dem Bereich zwischen ihrer Lagerbohrung und dem Löffel wenigstens eine durchgehende
Ausnehmung aufweist. Die dadurch erzielte Verringerung der Masse verkleinert die
bei der Schwenkbewegung der Nadelzunge auftretenden Beschleunigungs- und Verzögerungskräfte
sowie die beim Aufschlagen des Löffels auf den Haken oder des Zungenrückens auf den
zugeordneten Auflageflächen des Nadelschaftes freiwerdende Aufschlagsenergie. Das
Einbringen solcher Ausnehmungen in eine Nadelzunge ist jedoch bei feinen Nadeln wegen
der winzigen Abmessungen der Nadelzunge mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden.
[0005] Schließlich ist aus der DE-PS 1046 819 eine Zungennadel für Strickmaschinen, insbesondere
für Handstrickapparate bekannt, deren Nadelzunge aus einem nichtmagnetisierbaren
Material, bspw. Berylliumbronze oder synthetischem Preßstoff besteht. Durch die Verwendung
eines nichtmagnetisierbaren Materials für einen Teil des Nadelkopfes und insbesondere
für die Nadelzunge soll ein Kleben der Nadelzunge am Haken zufolge von remanentem
Magnetismus vermieden werden, wie es bei einer einheitlich aus magnetisierbarem Stahl
bestehenden Zungennadel bei Handstrickapparaten gelegentlich auftritt. Ein solches
Problem besteht bei Zungennadeln, die in industriell eingesetzten Strickmaschinen
arbeiten, nicht. Außerdem können Nadelzungen aus Berylliumbronze oder Preßstoff den
Belastungen, denen sie in schnelllaufenden Rundstrickmaschinen ausgesetzt sind, auf
die Dauer nicht standhalten.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, eine insbesondere für schnellaufende Maschinen geeignete
Zungenadel zu schaffen, deren Nadelzunge über lange Betriebszeiträume hinweg in der
Lage ist, die insbesondere beim Auftreffen ihres Löffels auf dem Haken und ihres Rückens
auf den Auflageflächen am Nadelschaft auftretenden Beanspruchungen unbeschadet aufzunehmen,
wobei gleichzeitig Beschädigungen des Hakens oder des Nadelschaftes selbst vermieden
sind.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe ist die eingangs genannte Zungennadel erfindungsgemäß dadurch
gekennzeichnet, daß die Nadelzunge aus einem faserverstärkten thermoplastischen homo-
oder kopolymeren Kunststoff besteht.
[0008] Beispiele für infragekommende Kunststoffe sind Polyurethane und Polyamide, um nur
zwei zu nennen. Diese Kunststoffe weisen gegenüber Stahl, Nichtmetallen oder Preßstoffen
eine wesentlich verbesserte Eigendämpfung auf; sie verfügen, wie festgestellt wurde,
über ein für den neuen Verwendungszweck hervorragend geeignetes Elastizitätsverhalten.
Durch die Faserverstärkung wird die Biegefestigkeit soweit erhöht, daß die Nadelzunge
den auftretenden mechanischen Belastungen auch über lange Betriebszeiträume einwandfrei
standhalten kann. Im Vergleich zu den bekannten, aus Stahl bestehenden Nadelzungen
ergibt sich eine Gewichtsersparnis von ca. 65% mit einer entsprechend herabgesetzten
Massenträgheit und damit verringerten, beim Aufschlag auf den Haken oder die Auflageflächen
auf dem Nadelschaft freiwerdenden Aufschlagenergie. Die Nadelzunge kann durch Präzisionsmikrospritzgießen
hergestellt werden, wobei eine ausgewogene Massenverteilung innerhalb der Nadelzunge
ohne weiteres möglich ist.
[0009] Um die Montage der Nadelzunge zu erleichtern, kann die Anordnung mit Vorteil derart
getroffen sein, daß die Nadelzunge einen von außen seitlich in ihre Lagerbohrung
mündenden Einführschlitz für die Zungenachse aufweist, der durch elastisch verformbare
Nadelzungenbereiche begrenzt ist. Damit ist es möglich, die Zungenachse vor der Zungenmontage
in dem Nadelschaft anzuordnen und die Nadelzunge sodann durch einfaches Aufclipsen
an der Zungenachse schwenkbar zu befestigen.
[0010] Der Einführschlitz kann zweckmäßigerweise von einer randseitigen, die Montage weiter
erleichternden Vertiefung ausgehend ausgebildet sein. Sollte insbesondere bei größeren
Nadelzungen die Gefahr bestehen, daß beim Aufstecken der Zunge auf die Zungenachse
die elastische Dehnungsgrenze der elastisch ausweichenden Nadelzungenbereiche überschritten
wird, kann die Nadelzunge außerdem wenigstens einen von der Lagerbohrung ausgehenden,
die elastisch verformbaren Nadelzungenbereiche vergrößernden Entlastungsschlitz aufweisen.
Dieser Entlastungsschlitz kann mit Vorteil endseitig in eine Ausnehmung des Nadelzungenschaftes
münden, um das Auftreten einer unerwünschten Kerbwirkung an dieser Stelle auszuschließen.
Als zweckmäßig hat es sich dabei erwiesen, wenn die Ausnehmung eine Bohrung ist.
[0011] Zumindest der Einführschlitz kann vorteilhafterweise auf der dem Löffel gegenüberliegenden
Seite, etwa in der Nadelzungenmittelebene liegend, angeordnet sein, doch sind auch
andere Anordnungen des Einführschlitzes, etwa vom Zungenrücken oder von der diesem
gegenüberliegenden Nadelzungenseite aus, denkbar.
[0012] Da die Nadelzunge, wie erwähnt, in einem Präzisionsmikrospritzgießverfahren hergestellt
wird, läßt sich nicht nur eine Lagerbohrung einwandfreier Qualität gewährleisten,
sondern es ist ohne weiteres auch möglich, an der Nadelzunge selbst Teile anzuformen,
deren Herstellung bei einem mechanischen Herstellungsverfahren, wie Stanzen etc.,
schwierig wäre. So ist es z.B. möglich, daß die Nadelzunge über angeformte, nichtzylindrische
Bereiche ihrer Lagerbohrung drehfest mit der in dem Nadelschaft drehbar gelagerten
Zungenachse gekuppelt ist.
[0013] In der Zeichnung sind Ausführungsbeispiele des Gegenstandes der Erfindung dargestellt.Es
zeigen:
Fig. 1 eine Zungennadel gemäß der Erfindung, in einer Seitenansicht, teilweise aufgeschnitten
und in einer Teildarstellung,
Fig. 2 die Zungennadel nach Fig. 1, in einer abgewandelten Ausführungsform und in
einer entsprechenden Darstellung,
Fig. 3 die Nadelzunge einer Zungennadel gemäß der Erfindung,in einer weiteren abgewandelten
Ausführungsform, in einer Untersicht, teilweise im Schnitt, und
Fig. 4 die Nadelzunge nach Fig. 3, in einer Seitenansicht, mit aufgeschnittenem Löffel.
[0014] Die in den Fig. 1,2 ausschnittsweise dargestellte Zungennadel weist einen Nadelschaft
1 auf, der endseitig einen angeformten Nadelhaken 2 trägt und in dem in bekannter
Weise ein symmetrisch zu der Längsmittelebene des Nadelschaftes 1 liegender Zungenschlitz
3 ausgebildet ist. In den den Zungenschlitz 3 beidseitig begrenzenden Wangen des Nadelschaftes
1 ist eine querverlaufende zylindrische Zungenachse 4 gelagert. Die Zungenachse 4
kann einstückig oder zweiteilig ausgebildet sein. Sie kann in entsprechende Bohrungen
der den Zungenschlitz 3 begrenzenden Wangen eingesetzt oder aus diesen herausgedrückt
sein.
[0015] Auf der Zungenachse 4 ist in dem Zungenschlitz 3 eine Nadelzunge 5 schwenkbar gelagert,
die in der in den Fig. 1,2 dargestellten geschlossenen Stellung mit ihrem Löffel 6
auf dem Nadelhaken 2 aufliegt, während sie in ihrer nicht weiter veranschaulichten
vollständig geöffneten Stellung (Rücklage) mit ihrem Zungenrücken auf Auflageflächen
im Bereiche der Oberkante des Nadelschaftes 1 ruht. Die Nadelzunge 5 besteht aus
einem faserverstärkten homo- oder kopolymeren Kunststoff, bspw. Polyurethan oder
Polyamid. Die Faserverstärkung kann aus organischen oder anorganischen Fasern bestehen,
darunter auch Glasfasern und Karbonfasern. Die Fasern können dem Kunststoff beigemischt
sein, doch ist es auch möglich, eine orientierte Faseranordnung, bspw. in der Nadelzungenlängsrichtung
ausgerichtet, vorzusehen. Die Nadelzunge 5 ist durch Präzisionsmikrospritzgießen hergestellt.
[0016] An ihrem dem Löffel 6 gegenüberliegenden, als Lagerauge ausgebildeten Ende ist die
Nadelzunge 5 mit einer querverlaufenden Lagerbohrung 7 ausgebildet, die bei den Ausführungsformen
nach den Fig. 1 und 2 zylindrisch ist und mittels der die Nadelzunge 5 mit engem Spiel
auf der zylindrischen Zungenachse 4 schwenkbar gelagert ist. In die Lagerbohrung
7 mündet seitlich ein Einführschlitz 8 für die Zungenachse 4,der beidseitig durch
elastisch verformbare Nadelzungenbereiche 9 begrenzt ist. Der Einführschlitz 8 geht
von einer die Montage erleichternden randseitigen Vertiefung 10 aus und ist auf der
dem Löffel 6 gegenüberliegenden Seite, etwa in der Zungenmittelebene liegend, angeordnet.
[0017] Bei der Ausführungsform nach Fig. 2 schließt sich an den Einführschlitz 8 auf der
gegenüberliegenden Seite der Lagerbohrung 7 in der Fortsetzung des Einführschlitzes
8 ein Entlastungsschlitz 11 an, der die die Lagerbohrung 7 umgreifenden elastisch
verformbaren Nadelzungenbereiche 9 vergrößert und endseitig in einer nach Art einer
zylindrischen Bohrung 12 ausgebildeten durchgehenden Ausnehmung des Zungenschaftes
13 mündet.
[0018] Bei der Fabrikation der beschriebenen Zungennadel wird in den Nadelschaft 1 zunächst
die Zungenachse 4 eingesetzt. Anschließend wird die Nadelzunge 5 mit ihrer Vertiefung
10 auf die Zungenachse 4 aufgesetzt und durch einen leichten Druck in Richtung des
Einführschlitzes 8 auf die Zungenachse 4 aufgeclipst. Dabei weichen die beidseitig
des Einführschlitzes 8 liegenden Zungenbereiche 9 elastisch zur Seite aus; sowie
die Zungenachse 4 in der Lagerbohrung 7 liegt, schnappen sie zusammen, womit die Nadelzunge
einwandfrei schwenkbar gelagert ist.
[0019] Die Ausführungsform nach Fig. 1, bei der die elastisch verformbaren Bereiche 9 lediglich
bis zu der Lagerbohrung 7 reichen, ist besonders für kleinere Nadelbauarten bestimmt,
bei denen auch der Durchmesser der Zungenachse 4 entsprechend klein ist.
[0020] Bei der Ausführungsform nach Fig. 2, die insbesondere für Nadelbauformen mit größeren
Abmessungen bestimmt ist, bewirkt der Entlastungsschlitz 11 eine Verlängerung der
elastisch verformbaren Nadelzungenbereiche 9, so daß auch bei größerem Durchmesser
der Zungenachse 4 keine plastische Verformung der Zungenbereiche 9 bei der Montage
der Nadelzunge 5 zu befürchten ist.
[0021] In den Fig. 3, 4 ist die Nadelzunge 5 in leicht abgewandelter Form in ihren Details
dargestellt. Abweichend von der Ausführungsform nach den Fig.1,2 ist der Lagerbohrung
7 kein Einführschlitz 8 zugeordnet, so daß diese Nadelzunge in der herkömmlichen
Weise derart montiert wird, daß sie mit ihrem lageraugenseitigen Ende zunächst in
den Zungenschlitz 3 eingeführt wird, worauf die Zungenachse 4 eingesetzt wird.
[0022] Die Lagerbohrung 7 selbst kann, wie in den Fig.1,2, zylindrisch sein, wobei die Zungenachse
4 dann drehfest in den den Zungenschlitz 3 begrenzenden Wangen des Nadelschaftes 1
befestigt ist. Alternativ ist es aber auch denkbar, in der aus Fig.4 ersichtlichen
Weise an der Nadelzunge 5 im Bereiche der Lagerbohrung 7 einen nichtzylindrischen
Bereich, bspw. in Form einer Fläche 15, anzuformen, über den die Nadelzunge 5 drehfest
mit der entsprechend profilierten Zungenachse 4 gekuppelt ist, die dann ihrerseits
in entsprechenden Bohrungen der Wangen des Nadelschaftes 1 drehbar gelagert ist.
1. Zungennadel für maschenbildende Textilmaschinen, mit einem Nadelschaft aus Stahl,
der einen angeformten Nadelhaken und einen Zungenschlitz aufweist, sowie mit einer
aus einem nichtmetallischen Material bestehenden Nadelzunge, die in dem Zungenschlitz
um eine querverlaufende Zungenachse schwenkbar gelagert ist und in ihrer geschlossenen
Stellung mit ihrem Löffel auf den Nadelhaken sowie in ihrer voll geöffneten Stellung
mit dem Zungenrücken auf Auflageflächen im Bereiche der Nadelschaftoberkante aufliegt,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Nadelzunge (5) aus einem faserverstärkten, thermoplastischen homo- oder kopolymeren
Kunststoff besteht.
2. Zungennadel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Nadelzunge (5) einen
von außen seitlich in ihre Lagerbohrung (7) mündenden Einführschlitz (8) für die
Zungenachse (4) aufweist, der durch elastisch verformbare Nadelzungenbereiche (9)
begrenzt ist.
3. Zungennadel nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Einführschlitz (8)
von einer randseitigen, die Montage erleichternden Vertiefung (10) ausgehend ausgebildet
ist.
4. Zungennadel nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Nadelzunge
(5) wenigstens einen von der Lagerbohrung (7) ausgehenden, die elastisch verformbaren
Nadelzungenbereiche (9) vergrößernden Entlastungsschlitz (11) aufweist.
5. Zungennadel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Entlastungsschlitz
(11) endseitig in eine Ausnehmung (12) des Zungenschaftes (13) mündet.
6. Zungennadel nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausnehmung eine Bohrung
(12) ist.
7. Zungennadel nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß zumindest
der Einführschlitz (8) auf der dem Löffel (6) gegenüberliegenden Seite etwa in der
Zungenmittelebene liegend angeordnet ist.
8. Zungennadel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Nadelzunge (5) über angeformte, nichtzylindrische Bereiche (15) ihrer Lagerbohrung
(7) drehfest mit der in dem Nadelschaft (1) drehbar gelagerten Zungenachse (4) gekuppelt
ist.