[0001] Die Erfindung betrifft einen Verschluß für einen auslaufsicheren Kryobehälter nach
dem Oberbegriff des An spruches 1.
[0002] Auslaufsichere Kryobehälter sind vakuumisolierte doppelwandige Behälter, die im
Innern eine Kammer zur Aufnahme der zu kühlenden Materialproben besitzen. Diese Kammer
ist vom Kühlmedium, in der Regel flüssiger Stickstoff, umgeben. Das flüssige Kühlmedium
ist in einer porösen Masse gespeichert, die also beispielsweise mit flüssigem Stickstoff
vollgesogen ist. Der flüssige Stickstoff kann daher nicht ausfließen, wenn der Behälter
umfällt oder auf dem Kopf steht. Der doppelwandige Behälter wird durch einen Stopfen
verschlossen, der mit dem Behälterhals einen Abgasspalt bildet.
[0003] Durch diesen Abgasspalt entweicht das durch Wärmeeinfall verdampfte Kühlmittel,
also beispielsweise gasförmiger kalter Stickstoff. In derartigen Behältern können
die zu kühlenden Materialproben versandt werden.
[0004] Wenn derartige Behälter auf dem Kopf stehen, beispielsweise infolge eines Unfalles,
erfüllen sie ihre Kühlfunktion nicht mehr einwandfrei. Dies gilt insbesondere für
große Behälter. Große Behälter, in denen z.B. Tierkadaver wie Ziegen in tiefkaltem
Zustand aufbewahrt und versandt werden sollen, sind zwar ebenfalls auslaufsicher,
sie erfüllen aber ihre Kühlfunktion bei Kopfstand nur noch sehr schlecht. Die Ursache
hierfür ist, daß bei derartigen Behältern konstruktionsbedingt der Abgasspalt einen
wesentlich größeren Strömungsquerschnitt aufweist als bei einem kleinen Behälter.
Wenn ein solcher großer Behälter auf dem Kopf steht, dringt durch den großen Abgasspalt
Umgebungsluft in das Behälterinnere und bewirkt eine Verdampfung des flüssigen Stickstoffs,
der in Form von gasförmigem kalten Stickstoff durch den Abgasspalt nach unten abfließt.
Man kann die Verhältnisse direkt mit freier Konvektion beschreiben, da das spezifische
Gewicht des kalten Stickstoffes etwa viermal größer ist als Luft.
[0005] Das Eindringen der warmen Umgebungsluft in das Behälterinnere bewirkt eine schnelle
Verdampfung des flüssigen Stickstoffs, so daß der Behälter seine Kühlfunktion nur
kurze Zeit aufrechterhalten kann. Außerdem kann es hierbei im Falle der großen Behälter
zu gefährlichen Sauerstoffanreicherungen im Behälterinnern kommen. Zudem gelangt
mit der Luft Wasser in das Behälterinnere, welches das Speichermaterial verunreinigt.
[0006] Eine Verbesserung läßt sich erreichen, wenn man den Verschlußstopfen als Abschlußdeckel
ausbildet, der den Behälterhals außen umfaßt. Der Abschlußdeckel übernimmt dann bei
einem Kopfstand des Behälters die Funktion eines Siphons. Das Eindringen von Umgebungsluft
in den Behälter kann dann nicht mehr stattfinden. Wenn der Behälter aber auf der Seite
liegt, schützt ein solcher Siphon nicht gegen das Eindringen von Luft in den Behälter.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Verschluß für auslaufsichere Kryobehälter
beliebiger Größe zu schaffen, der in jeder Lage des Kryobehälters das Eindringen
von Umgebungsluft in das Behälterinnere verhindert.
[0008] Ausgehend von dem im Oberbegriff des Anspruches 1 berücksichtigten Stand der Technik
ist diese Aufgabe erfindungsgemäß gelöst mit den im kennzeichnenden Teil des Anspruches
1 angegebenen Merkmalen.
[0009] Eine vorteilhafte Ausbildung der Erfindung ist im Unteranspruch angegeben.
[0010] Der Polyimid-Schaum, mit dem gemäß der Erfindung der Abgasspalt ausgefüllt wird,
ist ein beispielsweise in der Luftfahrtindustrie gebräuchliches Isorliermittel, welches
hochfeuerfest ist. Es ist porös und elastisch und behält seine Elastizität auch bei
Temperaturen des flüssigen Stickstoffs bei.
[0011] Die Herstellung solcher Polyimid-Schäume ist beschrieben in US-Pat.No. Re. 30213
und US-Pat.No. 4 369 261.
[0012] Im Abgasspalt wirkt der Polyimid-Schaum als Strömungswiderstand. Im Behälterinnern
entsteht ein geringer Überdruck, der in allen Betriebslagen des Behälters das Einströmen
von Umgebungsluft verhindert.
[0013] Da der Polyimid-Schaum abriebfest ist, kann er um den Stopfen verklebt werden.
[0014] Die Zeichnungen veranschaulichen drei Ausführungsbeispiele der Erfindung im Schnitt.
[0015] Es zeigen:
Fig.1 einen Verschlußstopfen mit aufgeklebten Polyimid-Schaum,
Fig.2 einen Verschlußstopfen mit Deckel, bei dem der Polyimid-Schaum auf den Deckel
aufgeklebt ist,
Fig.3 ein Verschlußstopfen, der sicher gegen Vakuumbruch des Behälters ist.
[0016] In den Fig.1 und 2 ist jeweils nur der Behälterhals 1 mit eingesetztem Verschlußstopfen
2 von auf dem Kopf stehenden Behältern dargestellt. Bei der Ausführungsform gemäß
Fig.1 ist der Polyimid-Schaum 3 auf den Verschlußstopfen 2 aufgeklebt. Bei der Ausführungsform
nach Fig.2 besitzt der Verschlußstopfen 2 einen Deckel 4, der den Behälterhals 1 umfaßt.
Der Polyimid-Schaum 3 ist hierbei auf das Innere des Deckels 3 geklebt, so daß er
sich beim Einsetzen des Verschlußstopfens 2 unter leichtem Druck den Konturen des
Behälterhalses 1 anpaßt. Nicht dargestellt sind in beiden Fällen Verschaubungen, die
ein Herausfallen des Verschlußstopfens 2 verhindern.
[0017] Neben den in den Figuren 1 und 2 dargestellten Ausführungsformen sind selbstverständlich
andere konstruktive Lösungen möglich.
[0018] Wichtig ist lediglich, daß der gesamte freie Strömungsquerschnitt des Abgasspaltes
5 an irgend einem Bereich vollständig mit Polyimid-Schaum ausgefüllt ist. Aus Sicherheitsgründen
sollte auch jeder Behälter mit einem Sicherheitsventil versehen sein, welches den
Innenbehälter gegen unzulässigen Überdruck schützt.
[0019] Fig.3 zeigt eine Ausführungsform, die sicher ist gegen Vakuumbruch des Behälters.
Der aus Innenbehälter 6, Außenbehälter 7 und Behälterhals 1 bestehende Behälter ist
aufrechtstehend dargestellt. Der Verschlußstopfen 2 besitzt keilförmige Ringnuten,
in welche der Polyimid-Schaum 3 in Form von Ringen eingelegt ist. Bei Vakuumbruch
verdampft der Stickstoff rasch und strömt in Richtung des Pfeiles 8 durch den Abgaspalt
5. Da der Polyimid-Schaum 3 auch bei der Temperatur von flüssigem Stickstoff elastisch
bleibt, verformt er sich bei wachsendem Innendruck und nimmt die gestrichelt dargestellte
Position an. Somit wird der maximal mögliche Spaltquerschnitt freigemacht. Eine weitere
Funktion des Schaumes im Abgasspalt ist die Verhinderung von Diffusion, beispielsweise
durch Partialdruckunterschiede zwischen Behälterinnenraum und Umgebungsatmospäre.
[0020] Als besonderer Bedarfsfall ist die Verwendung in der Raumfahrt zu nennen.
[0021] Da im Erdumlauf die Gravikationskraft kompensiert wird entfällt der Effekt des Auftriebes,
welcher auf der Erde, durch die hohe Dichte des kalten Gases im aufrechtstehenden
Behälter ein Eindringen von Umgebungsluft verhindert.
1. Verschluß für einen auslaufsicheren Kryobehälter mit einem unter Ausbildung eines
Abgasspaltes (5) in den Behälterhals (1) einsetzbaren Verschlußstopfen (2),
dadurch gekennzeichnet,
daß der Abgasspalt zumindest teilweise auf dem gesamten Umgang durch Polyimid-Schaum
(3) ausgefüllt ist.
2. Verschluß nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyimid-Schaum auf den Verschlußstopfen aufgeklebt ist.