[0001] Die Erfindung betrifft ein elektrisches Bauteil, insbesondere Spulenkörper, aus thermoplastischem
Kunststoff mit wenigstens einem stift- oder fahnenförmigen elektrisch leitenden Anschlußelement,
das mit seinem freien Ende aus dem Bauteilkörper ragt und mit seinem anderen Ende
im Bauteilkörper verankert ist. Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur
Herstellung eines derartigen elektrischen Bauteils.
[0002] In zahlreichen Anwendungsfällen müssen die elektrischen Bauteile einer länger währenden
hohen thermischen Belastung unterworfen werden. So müssen beispielsweise beim automatischen
Bewickeln der Spulenkörper und Anlöten der Wickelenden an die Anschlußstifte des
Spulenkörpers die Lackisolationen der Wickeldrahtenden durch hohe Lötbadtemperaturen
während des Lötvorganges abgebrannt werden, ohne daß die Anschlußstifte ihre Lage
im Spulenkörper verändern bzw. verlieren. An diese Bauteile wird daher die Forderung
gestellt, daß sie einer thermischen Belastung an den Anschlußstiften von ca. 400 bis
450°C bis zu 10 Sekunden standhalten. Da thermoplastische Bauteilkörper bei dieser
thermischen Belastung an den Anschlußstiften in dem Bereich der Anschlußstifte schmelzen,
führt zu diesem Zeitpunkt jede auf die Anschlußstifte wirkende mechanische Kraft zu
einer Verformung des Bauteilkörpers bzw. zur Lockerung der Anschlußstifte. Da die
Anschlußstifte in Bezug auf den Bauteilkörper sehr präzise ausgerichtet sein müssen,
damit sie beispielsweise in vorgefertigte Bohrungen einer Schaltungsplatte einsetzbar
sind, ist die Verwendung von Thermoplasten zur Herstellung der Bauteilkörper in diesen
Fällen nicht möglich. Diese Bauteilkörper werden daher regelmäßig aus duroplastischem
Material gefertigt. Duroplastisches Material ist nämlich nach dem Aushärten nicht
durch Wiedererwärmung verformbar und kann daher den geforderten Temperaturbelastungen
standhalten.
[0003] Duroplastisches Material besitzt jedoch eine Vielzahl von Nachteilen, die sich insbesondere
bei der Fertigung bemerkbar machen. Im Unterschied zu thermoplastischem Material ist
dessen Aushärtezeit wesentlich höher, was wiederum eine höhere Fertigungszeit pro
Bauteil bedingt. Auch erweist sich die gegenüber thermoplastischen Werkstoffen wesentlich
schwierigere Abdichtung der Verarbeitungs- d.h. Spritzeinrichtung als nachteilig,
die wiederum sehr speziell gestaltete, z.B. mit einem Kopf ausgebildete und damit
aufwendige Anschlußstifte fordert. Beim Einspritzen der Anschlußstifte in duroplastisches
Material wird nämlich der Anschlußstift, falls er nicht einen als Abdichtung wirkenden
Kopf aufweist, häufig auf seiner gesamten Länge überspritzt und es schlägt sich auf
ihn Aushärtemasse nieder, die das Anlöten der Wickelenden an den Anschlußstift unmöglich
macht.
[0004] Durch die DE-PS 33 41 304 C2 ist ein elektrisches Bauteil aus thermoplastischem Kunststoff
mit wenigstens einem aus dem Bauteilkörper ragenden elektrisch leitenden Stift bekannt,
der mit einem von duroplastischem Material umgebenen, in den Bauteilkörper eingegossenen
Verankerungsende versehen ist, das z.B. ein flanschartiger Kopf sein kann.
[0005] Zur Herstellung dieses Bauteils wird auf den in die Gießform eingebrachten Stift
zunächst eine dünne Schicht aus duroplastischem Material auf einen Bereich des Verankerungsendes
des Stifts aufgebracht und beim nächsten Arbeitstakt das thermoplastische Material
für den Bauteilkörper zugeführt.
[0006] Dieses bekannte Bauteil läßt zwar den Einsatz von thermoplastischen Kunststoffen
mit all den Vorteilen für den Hauptteil des Spulenkörpers zu, es erfordert jedoch
zur Stiftverankerung gleichfalls duroplastische Werkstoffe, womit wiederum die vorstehend
erwähnten Verarbeitungsnachteile sowie wegen der schwierigen Abdichtung nach wie
vor der Einsatz konstruktiv sehr aufwendig gestalteter Anschlußstifte nötig ist.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Bauteil zu schaffen, zu
dessen Herstellung die bei Verarbeitung von duroplastischen Werkstoffen auftretenden
Nachteile vermieden werden, das sich trotzdem durch eine hohe thermische Belastbarkeit
auszeichnet, derart, daß die Anschlußstifte auch bei hoher thermischer Belastung ihre
Lage bewahren.
[0008] Zur Lösung dieser Aufgabe sieht die Erfindung bei einem Bauteil der eingangs genannten
Art vor, daß das im Bauteilkörper verankerte Ende des Anschlußelementes unmittelbar
mit Flüssigkristall-Polymer umhüllt, d.h. bevorzugt in eine Schicht aus Flüssigkristall-Polymer
eingebettet ist.
[0009] Durch den Einsatz dieser Flüssigkristall-Polymere, die sich durch ihre hohe Temperaturfestigkeit
auszeichnen, ist die Verwendung einfacher d.h. kopfloser Anschlußstifte möglich.
Der eigentliche Spulenkörper besteht wiederum aus leicht verarbeitbaren und preiswerten
thermoplastischen Kunststoffen. Durch die leichtere und schnellere Verarbeitung, die
nicht erforderlich Entgratung sowie durch die Verwendung einfacher und damit mit
erheblich geringeren Abdichtproblemen behafteten kopflosen Anschlußstiften sind diese
thermoplastischen Spulenkörper sehr viel weniger aufwendig herstellbar als duroplastische.
[0010] Da die Anschlußstifte zu ihrer Verankerung keine flanschförmigen Köpfe oder dergleichen
benötigen, sondern lediglich als Drahtstifte gestaltet sein können, kann man bei der
Herstellung dieser Bauteile den Draht von einer Drahtrolle abziehen und entsprechend
der gewünschten Drahtstiftlänge in Drahtstifte zerteilen und im Anschluß hieran die
einen Enden der Drahtstifte in Flüssigkristall-Polymer eindrücken oder mit diesem
umspritzen. Die so behandelten Drahtstifte werden schließlich mit ihren in Flüssigkristall-Polymer
eingebetteten Enden in eine Spritzform eingebracht und der Spulenkörper gespritzt.
[0011] Die Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt:
FIG 1 in geschnittener Darstellung ein erstes Ausführungsbeispiel des Gegenstandes
nach der Erfindung;
FIG 2 in geschnittener und teils gebrochener Ansicht ein weiteres Ausführungsbeispiel
des Gegenstandes nach der Erfindung.
[0012] Die FIG 1 zeigt ein elektrisches Bauteil, nämlich einen Spulenkörper 1 für elektrische
Spulen, dessen Hauptteil 4 einschließlich seiner Flansche 5, 6 aus thermoplastischem
Kunststoff besteht. Als Anschlußelemente 2 dienen bevorzugt von einer nicht dargestellten
Drahtrolle abgezogene und in gewünschte Drahtstiftlängen zerteilte Stifte. In ihren
im Flanschteil 6 verankerten Enden sind diese Anschlußelemente 2 in Schichten 3 aus
Flüssigkristall-Polymer eingebettet.
[0013] Beim Ausführungsbeispiel nach FIG 2 ist der Spulenkörper durch das Bezugszeichen
10 lediglich angedeutet. In seinem Flanschteil 7 sind im Unterschied zum Ausführungsbeispiel
nach FIG 1 jeweils mehrere kopflose, stiftförmige Anschlußelemente 9 in eine gemeinsame
Schicht 8 aus Flüssigkristall-Polymer eingebettet.
[0014] Die Anschlußelemente 2 bzw. 9 lassen sich, wie bereits erwähnt, von einer gemeinsamen
Drahtvorratsspule abziehen und nach Zerteilen in die gewünschte Länge jeweils in
Flüssigkristall-Polymerschichten einbetten oder mit diesen umspritzen. Die kopflose
Ausbildung der stiftförmigen Anschlußelemente ermöglicht eine denkbar einfache Verarbeitung.
1. Elektrisches Bauteil, insbesondere Spulenkörper, aus thermoplastischem Kunststoff,
mit wenigsten einem stift- oder fahnenförmigen, elektrisch leitenden Anschlußelement,
das mit seinem freien Ende aus dem Bauteilkörper ragt und mit seinem anderen Ende
im Bauteilkörper verankert ist,dadurch gekennzeichnet, daß das im Bauteilkörper (1 bzw. 10) verankerte Ende des Anschlußelements (2 bzw.
9) unmittelbar mit Flüsssigkristall-Polymer (3 bzw. 8) umhüllt ist.
2. Elektrisches Bauteil nach Anspruch 1,dadurch gekennzeichnet, daß das im Bauteilkörper (4 bzw. 10) verankerte Ende des Anschlußelements (2 bzw.
9) in eine Schicht aus Flüssigkristall-Polymer (3 bzw. 8) eingebettet ist.
3. Elektrisches Bauteil nach Anspruch 1,dadurch gekennzeichnet, daß das Anschlußelement (2 bzw. 9) ein Drahtstift ist.
4. Verfahren zur Herstellung eines elektrischen Bauteils nach Anspruch 1,dadurch gekennzeichnet, daß Draht von einer Drahvorratsrolle abgezogen und entsprechend der gewünschten Drahtstiftlänge
in Kontaktstifte zerteilt wird, daß die einen Enden der Drahtstifte in Flüssigkristall-Polymer
eingedrückt oder mit Flüssigkristall-Polymer umspritzt werden, und daß anschließend
die Kontaktstifte mit ihren in Flüssigkristall-Polymer eingebetteten Enden in eine
Spritzform eingebracht und der Spulenkörper gespritzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Stifte (9) gleichzeitig in eine gemeinsame Flüssigkristall-Polymerschicht
(8) eingedrückt oder mit dieser umspritzt werden.