(19)
(11) EP 0 292 012 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
23.11.1988  Patentblatt  1988/47

(21) Anmeldenummer: 88108159.0

(22) Anmeldetag:  20.05.1988
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B01D 53/36, B01D 53/34, B03C 3/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE NL

(30) Priorität: 22.05.1987 DE 3717194

(71) Anmelder: SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT
80333 München (DE)

(72) Erfinder:
  • Ranly, Hans, Dr.
    D-8525 Marloffstein (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Minderung des Ammoniakgehaltes des Flugstaubes von Verbrennungsanlagen und Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens


    (57) Bei Verbrennungsanlagen, bei denen im Rauchgaskanal (2) hinter der Brennkammer (1) eine Denox-Anlage (3) und ein Staubfilter (4) installiert sind, ist der vom Staubfilter abgeschiedene Flugstaub mit Ammoniak beladen. Diese Ammoniakbeladung des Flugstaubes soll vor der weiteren Verwendung desselben abgesenkt werden.
    Hierzu sieht die Erfindung vor, daß das Ammoniak vor der Verwertung des abgeschiedenen Staubes thermisch aus dem Staub ausgeschieden wird. Des weiteren kann das aus dem Staub ausgeschiedene Ammoniak rezirkulieren.
    Die Erfindung kann bei Verbrennungsanlagen mit vor dem Staubfilter installierten Denox-Anlagen Verwendung finden.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Minderung des Ammoniakgehaltes des Flugstaubes von Verbrennungsanlagen mit im Rauchgasstrom vor der Staubabscheideranlage installierter Denox-Anlage, bei der das in einer Ausheizstufe für den abge­schiedenen Flugstaub zurückgewonnene Ammoniak dem Rauchgas vor der Denox-Anlage wieder zugeführt wird.

    [0002] Bei bekannten Anlagen zur Minderung der Stickoxide in Rauchga­sen - sogenannten Denox-Anlagen - wird Ammoniak dem Rauchgas als Reduktionsmittel zugemischt und wird das Ammoniak-Rauchgas-­Gemisch an beispielsweise titanoxid- und vanadiumoxidhaltigen Katalystoren vorbeigeleitet. Bei diesen bekannten Anlagen wird das Ammoniak aufgespalten und der Wasserstoff des Ammoniaks zur Reduktion der Stickoxide herangezogen. Als Reduktionsprodukte entstehen dann Wasser in Form von Wasserdampf und Stickstoff. Bei all diesen bekannten Denox-Anlagen wird ein mehr oder weni­ger großer Ammoniak-Schlupf festgestellt. Das überschüssige Ammoniak wird zum großen Teil mit dem Flugstaub abgeschieden. Der Flugstaub wird in der Zement- und Betonindustrie als Zu­schlagstoff eingesetzt. Derzeit ist aber schon abzusehen, daß seitens der Zement- und Betonindustrie Grenzwerte für den Ammoniakgehalt im Flugstaub festgelegt werden.

    [0003] Durch die DE-OS 30 32 927 und die DE-OS 34 25 070 ist es be­reits bekannt, das im abgeschiedenen Flugstaub enthaltene Ammoniak auf thermischem Wege zumindest teilweise wieder zu­rückzugewinnen und dem Rauchgas vor der Denox-Anlage zuzumi­schen. Dabei kann die Aufheizung des abgeschiedenen Flugstaubes mit dem heißen Rauchgas der Verbrennungsanlage bzw. dem eines Hilfsheizofens erfolgen. Es ist eine Eigenart dieses Verfah­rens, daß der Ammoniakbedarf gesenkt und weitgehend ammoniak­freier Staub erzeugt wird. Dafür ist aber der anlagentechni­sche Aufwand und der zusätzliche Energiebedarf für die Wieder­aufheizung des Flugstaubes nicht unbeachtlich.

    [0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, den anlage­technischen Aufand und den zusätzlichen Energiebedarf zu mi­nimieren. Diese Aufgabe wird durch den Anspruch 1 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind den Ansprüchen 2 bis 10 zu entnehmen.

    [0005] Der Erfindung lag die Erkenntnis zugrunde, daß an den feine­ren Staubpartikeln verhältnismäßig mehr Ammoniak gebunden ist als an den gröberen Staubpartikeln. Daraus ergab sich wiederum die Überlegung, daß der Energieeinsatz bezogen auf die rückge­wonnenen Ammoniakmengen verbessert werden kann, wenn man be­vorzugt die feineren Staubpartikel ausheizt. Daher wird erfin­dungsgemäß bei der Verwendung einer mehrstufigen Staubabschei­deranlage das Ammoniak nur aus weniger als der Hälfte des ins­gesamt anfallenden Staubes durch Zurückführung nur des in den hinteren Stufen des Staubabscheiders anfallenden feineren Stau­bes in die Ausheizstufe zurückgewonnen.

    [0006] In besonders vorteilhafter Weiterbildung der Erfindung kann die Ausheizstufe nur an den in Strömungsrichtung hinteren Stufen der Staubabscheideranlage angeschlossenen Staubabführleitung an­geschlossen sein. Dadurch läßt sich der zu treibende konstruk­tive Aufwand wie auch der Energieeinsatz deutlich vermindern.

    [0007] In zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung kann bei Verwendung einer mehrstufigen elektrostatischen Staubabscheideranlage nur der an der letzten Stufe der Staubabscheideranlage angeschlosse­ne Zweig der Staubabführleitung mit einer solchen Ausheizanlage ausgerüstet sein. Diese Beschränkung auf den in der letzten Stufe der Staubabscheideranlage abfgeschiedenen Staub vermindert den Investitionsaufwand für die Ausheizstufe noch weiter und erfaßt dennoch den größten Teil des mit dem abgeschiedenen Staub ausgeschiedenen Ammoniaks. Es hat sich herausgestellt, daß der in der letzten Stufe einer elektrostatischen Staub­abscheideranlage vorwiegend ausgeschiedene Feinstaub den re­lativ größten Anteil an Ammoniak enthält.

    [0008] Weitere Einzelheiten der Erfindung werden anhand eines in der Figur dargestellten Ausführungsbeispiels erläutert. Es zeigt:

    [0009] Die Figur eine schematische Darstellung einer Verbrennungsan­lage mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Abtrennung des Ammoniaks vom abgeschiedenen Staub.

    [0010] In der Verbrennungsanlage der FIG 1 erkennt man eine Brenn­kammer 1 mit einer im Rauchgaskanal 2 der Brennkammer 1 ange­ordneten Denox-Anlage 3 und einer der Denox-Anlage nachgeschal­teten Staubabscheideranlage 4. Die Staubabscheideranlage 4 des Ausführungsbeispiels ist eine dreistufige elektrostatische Staubabscheideranlage mit je einer Staubabführleitung 5,6,7 je Stufe 8,9,10. In der Staubabführleitung 7 der dritten Stufe 10 der Staubabscheideranlage 4 ist eine Ausheizstufe 11 für den ab­geschiedenen Flugstaub eingebaut. Diese Ausheizstufe 11 ist mit einer Abgasleitung 12 für das ausgeschiedene Ammoniak versehen, welche in den Rauchgaskanal 2 hinter der Brennkammer 1 zurückführt.

    [0011] Beim Betrieb der Verbrennungsanlage 13 werden der Brennkammer 1 Kohle und ähnliche Brennstoffe über eine Brennstoffleitung 14 und Frischluft oder Sauerstoff über eine Frischluftleitung 15 zugeführt und verbrannt. Die entstehenden Rauchgase verlassen die Brennkammer 1 über den Rauchgaskanal 2. In den Rauchgaskanal wird Ammoniak mittels einer Eindüsvorrichtung 16 dem Rauchgas beigemischt, so daß in die Denox-Anlage 3 ein Rauchgas-Ammoniak-­Gemisch einströmt. In den Katalysatoren der Denox-Anlage wird dabei das Ammoniak zu Stickstoff aufoxidiert und die Stickoxide mit dem Wasserstoff des Ammoniaks zu Wasser und Stickstoff re­duziert, so daß in die Staubabscheideranlage ein staubbeladenes, nahezu stickoxidfreies Stickstoff-Rauchgas-Gemisch einströmt. In den drei Stufen 8,9,10 der elektrostatischen Staubabscheider­anlage 4 wird zunächst der grobe, sodann der feinere und schließ­lich der ganz feine Flugstaub ausgeschieden. Weil die überwie­gende Menge des Ammoniaks an den ganz feinen Flugstaub gebunden ist, wird auch nur dieser durch die Ausheizstufe 11 hindurchge­leitet, bevor er mit dem Flugstaub der übrigen Staubabscheider­stufen 8,9 zusammengeführt wird. In der Ausheizstufe 11 wird der Flugstaub von im Gegenstrom geführtem aufgeheizter Frisch­luft durchströmt, aufgeheizt und wird das dabei ausgetriebene Ammoniak mittels der aufgeheizten Frischluft in den Rauchgaskanal 2 hinter der Brennkammer 1 zurückgeführt.

    [0012] Der Gesamt-Ammoniakgehalt des abgezogenen Flugstaubes wird durch die bloße Ausheizung des Feinstaubes der dritten Staubab­scheiderstufe deutlich abgesenkt, so daß eventuelle Grenzwerte für die Belastung des Flugstaubes mit Ammoniak leicht unter­schritten werden können. Der so ausgeschiedene Flugstaub kann direkt an die Zementindustrie oder Betonindustrie zur weiteren Verwendung weitergeleitet werden.

    [0013] Als Ausheizstufe 11 kann auch eine indirekt beheizte Dreh­trommel verwendet werden, die chargenweise beladen wird und dessen Gasinhalt vor der Entladung abgesaugt wird. Dabei ist es zweckmäßig, das abgesaugte Ammoniak in einem Gasspeicher zwischenzulagern und kontinuierlich dem in der Eindüsvor­richtung 16 eingegebenen primären Ammoniak beizumischen.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Minderung des Ammoniakgehaltes des Flugstaubes bei Verbrennungsanlagen mit im Rauchgasstrom vor der Staubab­scheideranlage installierter Denox-Anlage, bei der das in einer Ausheizstufe für den abgeschiedenen Flugstaub zurückgewonnene Ammoniak dem Rauchgas vor der Denox-Anlage wieder zugeführt sind,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß bei Verwendung einer mehrstufigen Staubabscheideranlage das Ammoniak nur aus weniger als der Hälfte des insgesamt anfallen­den Staubes durch Zuführung nur des in den hinteren Stufen des Staubabscheiders anfallenden feineren Staubes in die Ausheizstu­fe zurückgewonnen wird.
     
    2. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 mit einer Brennkammer, einer im Rauchgaskanal der Brennkammer eingebauten Denox-Anlage und der Denox-Anlage nachgeschalteten Staubabscheideranlage mit mindestens einer Staubabführleitung und mindestens einer an der Staubabführleitung angeschlossenen Ausheizstufe für den abgeschiedenen Staub,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß diese nur an den in Strömungsrichtung hinteren Stufen (10) der Staubabscheideranlage (4) angeschlossenen Staubabführlei­tungen (7) angeschlossen ist.
     
    3. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß bei einer mehrstufigen, elektrostatischen Staubabscheider­anlage (4) nur der an der letzten Stufe (10) der Staubabschei­deranlage (4) angeschlossene Zweig der Staubabführleitung (7) mit einer solchen Ausheizstufe (11) ausgerüstet ist.
     
    4. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß als Ausheizstufe eine indirekte beheizte Drehtrommel ver­ wendet ist, die chargenweise betrieben wird und deren Gas­phase abgesaugt wird.
     
    5. Vorrichtung nach Anspruch 4,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das abgesaugte Ammoniak über einen Zwischenspeicher ge­leitet wird, von dem es dem primär in die Rauchgasleitung (2) eingespeisten Ammoniak beigemischt wird.
     
    6. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß eine Abgasleitung (12) für das ausgeschiedene Ammoniak der Ausheizstufe (11) in die Brennkammer (1) führt.
     
    7. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß eine Abgasleitung für das ausgeschiedene Ammoniak der Ausheizstufe in den Rauchgaskanal vor der Denox-Anlage führt.
     
    8. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Ausheizstufe von einem vorgewärmten Ausheizgas durch­strömt wird, welches das ausgeschiedene Ammoniak mitnimmt.
     
    9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Ausheizgas vorgeheizte Frischluft ist.
     
    10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Ausheizgas in einem der Ausheizvorrichtung nachge­schalteten Aschekühler vorgewärmt wird.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht