[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Minderung des Ammoniakgehaltes des
Flugstaubes von Verbrennungsanlagen mit im Rauchgasstrom vor der Staubabscheideranlage
installierter Denox-Anlage, bei der das in einer Ausheizstufe für den abgeschiedenen
Flugstaub zurückgewonnene Ammoniak dem Rauchgas vor der Denox-Anlage wieder zugeführt
wird.
[0002] Bei bekannten Anlagen zur Minderung der Stickoxide in Rauchgasen - sogenannten Denox-Anlagen
- wird Ammoniak dem Rauchgas als Reduktionsmittel zugemischt und wird das Ammoniak-Rauchgas-Gemisch
an beispielsweise titanoxid- und vanadiumoxidhaltigen Katalystoren vorbeigeleitet.
Bei diesen bekannten Anlagen wird das Ammoniak aufgespalten und der Wasserstoff des
Ammoniaks zur Reduktion der Stickoxide herangezogen. Als Reduktionsprodukte entstehen
dann Wasser in Form von Wasserdampf und Stickstoff. Bei all diesen bekannten Denox-Anlagen
wird ein mehr oder weniger großer Ammoniak-Schlupf festgestellt. Das überschüssige
Ammoniak wird zum großen Teil mit dem Flugstaub abgeschieden. Der Flugstaub wird in
der Zement- und Betonindustrie als Zuschlagstoff eingesetzt. Derzeit ist aber schon
abzusehen, daß seitens der Zement- und Betonindustrie Grenzwerte für den Ammoniakgehalt
im Flugstaub festgelegt werden.
[0003] Durch die DE-OS 30 32 927 und die DE-OS 34 25 070 ist es bereits bekannt, das im
abgeschiedenen Flugstaub enthaltene Ammoniak auf thermischem Wege zumindest teilweise
wieder zurückzugewinnen und dem Rauchgas vor der Denox-Anlage zuzumischen. Dabei
kann die Aufheizung des abgeschiedenen Flugstaubes mit dem heißen Rauchgas der Verbrennungsanlage
bzw. dem eines Hilfsheizofens erfolgen. Es ist eine Eigenart dieses Verfahrens, daß
der Ammoniakbedarf gesenkt und weitgehend ammoniakfreier Staub erzeugt wird. Dafür
ist aber der anlagentechnische Aufwand und der zusätzliche Energiebedarf für die
Wiederaufheizung des Flugstaubes nicht unbeachtlich.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, den anlagetechnischen Aufand und
den zusätzlichen Energiebedarf zu minimieren. Diese Aufgabe wird durch den Anspruch
1 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind den Ansprüchen 2 bis 10 zu entnehmen.
[0005] Der Erfindung lag die Erkenntnis zugrunde, daß an den feineren Staubpartikeln verhältnismäßig
mehr Ammoniak gebunden ist als an den gröberen Staubpartikeln. Daraus ergab sich wiederum
die Überlegung, daß der Energieeinsatz bezogen auf die rückgewonnenen Ammoniakmengen
verbessert werden kann, wenn man bevorzugt die feineren Staubpartikel ausheizt. Daher
wird erfindungsgemäß bei der Verwendung einer mehrstufigen Staubabscheideranlage
das Ammoniak nur aus weniger als der Hälfte des insgesamt anfallenden Staubes durch
Zurückführung nur des in den hinteren Stufen des Staubabscheiders anfallenden feineren
Staubes in die Ausheizstufe zurückgewonnen.
[0006] In besonders vorteilhafter Weiterbildung der Erfindung kann die Ausheizstufe nur
an den in Strömungsrichtung hinteren Stufen der Staubabscheideranlage angeschlossenen
Staubabführleitung angeschlossen sein. Dadurch läßt sich der zu treibende konstruktive
Aufwand wie auch der Energieeinsatz deutlich vermindern.
[0007] In zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung kann bei Verwendung einer mehrstufigen
elektrostatischen Staubabscheideranlage nur der an der letzten Stufe der Staubabscheideranlage
angeschlossene Zweig der Staubabführleitung mit einer solchen Ausheizanlage ausgerüstet
sein. Diese Beschränkung auf den in der letzten Stufe der Staubabscheideranlage abfgeschiedenen
Staub vermindert den Investitionsaufwand für die Ausheizstufe noch weiter und erfaßt
dennoch den größten Teil des mit dem abgeschiedenen Staub ausgeschiedenen Ammoniaks.
Es hat sich herausgestellt, daß der in der letzten Stufe einer elektrostatischen Staubabscheideranlage
vorwiegend ausgeschiedene Feinstaub den relativ größten Anteil an Ammoniak enthält.
[0008] Weitere Einzelheiten der Erfindung werden anhand eines in der Figur dargestellten
Ausführungsbeispiels erläutert. Es zeigt:
[0009] Die Figur eine schematische Darstellung einer Verbrennungsanlage mit einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung zur Abtrennung des Ammoniaks vom abgeschiedenen Staub.
[0010] In der Verbrennungsanlage der FIG 1 erkennt man eine Brennkammer 1 mit einer im
Rauchgaskanal 2 der Brennkammer 1 angeordneten Denox-Anlage 3 und einer der Denox-Anlage
nachgeschalteten Staubabscheideranlage 4. Die Staubabscheideranlage 4 des Ausführungsbeispiels
ist eine dreistufige elektrostatische Staubabscheideranlage mit je einer Staubabführleitung
5,6,7 je Stufe 8,9,10. In der Staubabführleitung 7 der dritten Stufe 10 der Staubabscheideranlage
4 ist eine Ausheizstufe 11 für den abgeschiedenen Flugstaub eingebaut. Diese Ausheizstufe
11 ist mit einer Abgasleitung 12 für das ausgeschiedene Ammoniak versehen, welche
in den Rauchgaskanal 2 hinter der Brennkammer 1 zurückführt.
[0011] Beim Betrieb der Verbrennungsanlage 13 werden der Brennkammer 1 Kohle und ähnliche
Brennstoffe über eine Brennstoffleitung 14 und Frischluft oder Sauerstoff über eine
Frischluftleitung 15 zugeführt und verbrannt. Die entstehenden Rauchgase verlassen
die Brennkammer 1 über den Rauchgaskanal 2. In den Rauchgaskanal wird Ammoniak mittels
einer Eindüsvorrichtung 16 dem Rauchgas beigemischt, so daß in die Denox-Anlage 3
ein Rauchgas-Ammoniak-Gemisch einströmt. In den Katalysatoren der Denox-Anlage wird
dabei das Ammoniak zu Stickstoff aufoxidiert und die Stickoxide mit dem Wasserstoff
des Ammoniaks zu Wasser und Stickstoff reduziert, so daß in die Staubabscheideranlage
ein staubbeladenes, nahezu stickoxidfreies Stickstoff-Rauchgas-Gemisch einströmt.
In den drei Stufen 8,9,10 der elektrostatischen Staubabscheideranlage 4 wird zunächst
der grobe, sodann der feinere und schließlich der ganz feine Flugstaub ausgeschieden.
Weil die überwiegende Menge des Ammoniaks an den ganz feinen Flugstaub gebunden ist,
wird auch nur dieser durch die Ausheizstufe 11 hindurchgeleitet, bevor er mit dem
Flugstaub der übrigen Staubabscheiderstufen 8,9 zusammengeführt wird. In der Ausheizstufe
11 wird der Flugstaub von im Gegenstrom geführtem aufgeheizter Frischluft durchströmt,
aufgeheizt und wird das dabei ausgetriebene Ammoniak mittels der aufgeheizten Frischluft
in den Rauchgaskanal 2 hinter der Brennkammer 1 zurückgeführt.
[0012] Der Gesamt-Ammoniakgehalt des abgezogenen Flugstaubes wird durch die bloße Ausheizung
des Feinstaubes der dritten Staubabscheiderstufe deutlich abgesenkt, so daß eventuelle
Grenzwerte für die Belastung des Flugstaubes mit Ammoniak leicht unterschritten werden
können. Der so ausgeschiedene Flugstaub kann direkt an die Zementindustrie oder Betonindustrie
zur weiteren Verwendung weitergeleitet werden.
[0013] Als Ausheizstufe 11 kann auch eine indirekt beheizte Drehtrommel verwendet werden,
die chargenweise beladen wird und dessen Gasinhalt vor der Entladung abgesaugt wird.
Dabei ist es zweckmäßig, das abgesaugte Ammoniak in einem Gasspeicher zwischenzulagern
und kontinuierlich dem in der Eindüsvorrichtung 16 eingegebenen primären Ammoniak
beizumischen.
1. Verfahren zur Minderung des Ammoniakgehaltes des Flugstaubes bei Verbrennungsanlagen
mit im Rauchgasstrom vor der Staubabscheideranlage installierter Denox-Anlage, bei
der das in einer Ausheizstufe für den abgeschiedenen Flugstaub zurückgewonnene Ammoniak
dem Rauchgas vor der Denox-Anlage wieder zugeführt sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei Verwendung einer mehrstufigen Staubabscheideranlage das Ammoniak nur aus weniger
als der Hälfte des insgesamt anfallenden Staubes durch Zuführung nur des in den hinteren
Stufen des Staubabscheiders anfallenden feineren Staubes in die Ausheizstufe zurückgewonnen
wird.
2. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 mit einer Brennkammer,
einer im Rauchgaskanal der Brennkammer eingebauten Denox-Anlage und der Denox-Anlage
nachgeschalteten Staubabscheideranlage mit mindestens einer Staubabführleitung und
mindestens einer an der Staubabführleitung angeschlossenen Ausheizstufe für den abgeschiedenen
Staub,
dadurch gekennzeichnet,
daß diese nur an den in Strömungsrichtung hinteren Stufen (10) der Staubabscheideranlage
(4) angeschlossenen Staubabführleitungen (7) angeschlossen ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei einer mehrstufigen, elektrostatischen Staubabscheideranlage (4) nur der an
der letzten Stufe (10) der Staubabscheideranlage (4) angeschlossene Zweig der Staubabführleitung
(7) mit einer solchen Ausheizstufe (11) ausgerüstet ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Ausheizstufe eine indirekte beheizte Drehtrommel ver wendet ist, die chargenweise
betrieben wird und deren Gasphase abgesaugt wird.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das abgesaugte Ammoniak über einen Zwischenspeicher geleitet wird, von dem es
dem primär in die Rauchgasleitung (2) eingespeisten Ammoniak beigemischt wird.
6. Vorrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine Abgasleitung (12) für das ausgeschiedene Ammoniak der Ausheizstufe (11) in
die Brennkammer (1) führt.
7. Vorrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine Abgasleitung für das ausgeschiedene Ammoniak der Ausheizstufe in den Rauchgaskanal
vor der Denox-Anlage führt.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Ausheizstufe von einem vorgewärmten Ausheizgas durchströmt wird, welches
das ausgeschiedene Ammoniak mitnimmt.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Ausheizgas vorgeheizte Frischluft ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Ausheizgas in einem der Ausheizvorrichtung nachgeschalteten Aschekühler vorgewärmt
wird.