[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine modifizierte Legierung gemäß Werkstoff Nr. 1.4563
sowie deren Verwendung.
[0002] Diese bekannte Legierung weist folgende Zusammensetzung auf:
Ni 30 bis 32 %
Cr 26 bis 28 %
Mo 3 bis 4 %
Cu 0,8 bis 1,5 %
Mn bis 2,0 %
Si bis 1,0 %
Al bis 0,2 %
C bis 0,02 %
Fe Rest, einschließlich unvermeidbarer Beimengungen.
[0003] Diese Legierung ist entwickelt worden, um einen Werkstoff zur Verfügung stellen zu
können, der insbesondere gegenüber technischer Phosphorsäuren korrosionsbeständig
ist.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, diese bekannte Legierung in ihren Korrosionseigenschaften
noch weiter zu verbessern, ohne daß andere Eigenschaften negativ beeinflußt werden.
[0005] Dieses Ziel konnte überraschenderweise erreicht werden, indem man den Molybdängehalt
auf 6 bis 7 % anhebt und außerdem für einen Stickstoffzusatz von 0,10 bis 0,25 % sorgt.
Durch den erhöhten Molybdängehalt wird die Beständigkeit gegenüber Lochfraß- und Spaltkorrosion
in chloridhaltigen Medien deutlich verbessert, während der Stickstoffgehalt das austenitische
Gefüge stabilisiert und dessen Neigung zur Ausscheidung von TCP-Phasen herabsetzt.
[0006] Besonders vorteilhafte Ergebnisse werden erzielt, wenn der Stockstoffgehalt im Bereich
0,14 bis 0,22 % liegt, vorzugsweise bei 0,16 bis 0,20 % bzw. bei 0,18 %.
[0007] Die Legierung wird vorteilhafterweise verwendet als Werkstoff zur Herstellung von
Bauteilen, die einer oder mehreren der folgenden Bedingungen genügen müssen:
a) In technischer Phosphorsäure mit einer Chloridionenkonzentration bus zu 1000 ppm
soll die Abtragungsrate bei 100°C weniger als 0,20 mm/a betragen.
b) In wäßrigen neutralen Medien mit einer Chloridionenkonzentration in der Größenordnung
von 20.000 ppm soll das Lochfraßpotential bei 75°C mindestens 1000 mVH und bei 90°C mindestens 800 mVH betragen.
c) In sauren Medien mit einer Chloridionenkonzentration von 50.000 ppm und mehr, wie
z.B. in einer FeCl₃-Lösung, soll eine kritische Lochfraßtemperatur von mindestens
80°C und eine kritische Spaltkorrosionstemperatur von mindestens 50°C vorhanden sein.
d) Unter den Bedingungen gemäß ASTM G 28, Practice A, soll Beständigkeit gegen interkristalline
Korrosion vorhanden sein.
e) Unter den Bedingungen gemäß ASTM G 28, Practice B, eine Abtragungsrate von weniger
als 0,5 mm/a aufweisen müssen.
f) Unter den Bedingungen eines aggressiven Sauergas-Tests frei von Spannungsriß- und
Lochfraßkorrosion sein müssen.
[0008] Weitere Einzelheiten und Vorteile des Erfindungsgedankens werden anhand der nachfolgenden
Tabellen und Diagramme näher erläutert.
[0009] Tabelle 1 enthält Angaben zu der chemischen Zusammensetzung von 5 mal 2 Proben, die
den nachfolgend beschriebenen Prüfungen unterzogen worden sind. Die Proben 11 und
12 sind Beispiele der erfindungsgemäßen Legierung, während die Proben 21 und 22 sich
auf die Ausgangslegierung beziehen, die weniger Molybdän und keinen Stickstoff enthält.
Außerdem sind in der Tabelle je 2 Proben von 3 weiteren Versuchslegierungen aufgeführt.
Im folgenden wird zur Kennzeichnung der 5 verschiedenen Legierungen jeweils nur die
erste Ziffer der Probennummer benutzt.
[0010] In Fig. 1 sind die gegen die Normal-Wasserstoff-Elektrode gemessenen Lochfraßpotentiale
von 4 untersuchten Legierungen über der Prüftemperatur aufgetragen. Mit einem Blick
ist zu erkennen, daß die erfindungsgemäße Legierung allen anderen Legierungen im Temperaturbereich
oberhalb von 60°C deutlich überlegen ist. Die Werte wurden in belüftetem künstlichen
Meerwasser potentiostatisch bestimmt. Außerdem ist unten noch das Redoxpotential (R)
des Prüfmediums eingetragen.
[0011] Tabelle 2 enthält Angaben zu verschiedenen Eigenschaften der 5 vergleichend untersuchten
Legierungen. In Spalte 1 sind die Legierungen mit 1 bis 5 bezeichnet. Spalte 2 bezieht
sich auf die
kritische
Spalt
korrosions
temperatur, Spalte 3 auf die
kritische
Loch
fraß
temperatur, jeweils in 6 %iger FeCl₃-Lösung. Spalte 4 enthält Werte für die Korrosionsraten
in technischer Phosphorsäure (H₃PO₄, 72 %). In Spalte 5 sind die Abtragungsraten bei
Bedingungen gemäß ASTM G 28, Practice B, angegeben. In Spalte 6 sind schließlich Angaben
für die Sensibilisierungszeit im Hinblick auf die Beständigkeit gegen
interkristalline
Korrosion aufgeführt, wobei jeweils Bereiche angegeben sind, weil insoweit mit starken
Schwankungen gerechnet werden muß.
[0012] Die kritischen Spaltkorrosions- und Lochfraßtemperaturen liegen bei der erfindungsgemäßen
Legierung deutlich höher als bei der Ausgangslegierung. Es werden Temperaturen erreicht,
die bisher nur von dem wesentlich höher legierten Werkstoff Nr. 5 erreicht worden
sind. Die Korrosionsraten in technischer Phosphorsäure liegen im Bereich der für diese
Zwecke konzipierten Vergleichslegierung Nr. 2. Damit ist auch hier das gesteckte Ziel
erreicht, nämlich einen Werkstoff zu schaffen, bei dem die Verbesserung einiger Eigenschaften
nicht zu Lasten anderer Eigenschaften geht. Die Abtragungsrate gemäß Spalte 5 ist
bei dem erfindungsgemäßen Werkstoff um mehr als eine Zehnerpotenz kleiner als bei
den Vergleichswerkstoffen. Dies ist besonders bemerkenswert, weil man bisher annahm,
daß Molybdän nur die Beständigkeit eines Werkstoffs gegen Korrosion in reduzierenden
Säuren verbessert. Offenbar ist die jetzt festgestellte deutliche Verbesserung auch
in oxidierenden Säuren auf die kombinierte Wirkung des Molybdäns und des Chrom zurückzuführen.
[0013] Lediglich bei der Sensibilisierungszeit muß eine gewisse Verschlechterung der Werte
hingenommen werden. Diese insbesondere für die Schweißbarkeit maßgebliche Eigenschaft
ist aber in der Praxis nicht ernsthaft beeinträchtigt, da selbst der Werkstoff Nr.
3 mit einer Sensibilisierungszeit, die nur bei der Hälfte bzw. einem Drittel derjenigen
der erfindungsgemäßen Legierung liegt, als gut schweißbar gilt. Zusammenfassend ist
demnach festzustellen, daß mit der erfindungsgemäßen Legierung die im Vergleich zur
Ausgangslegierung angestrebte Verbesserung des Eigenschaften beim Lochfraßpotential,
bei der kritischen Spaltkorrosions- und Lochfraßtemperatur erreicht wurde, daß die
Beständigkeit gegen technische Phosphorsäure sich nicht verschlechtert hat und daß
lediglich mit einer Verkürzung der Sensibilisierungszeit hinsichtlich der IK-Beständigkeit
gerechnet werden muß, womit jedoch keine Beeinträchtigung der Schweißbarkeit verbunden
ist.
[0014] In Figur 2 sind die Abtragungsraten in Monochloressigsäure für drei verschiedene
Werkstoffe gegenübergestellt, und zwar einmal für den Grundwerkstoff und einmal für
geschweißtes Material. Der erfindungsgemäße Werkstoff 1 schneidet in allen Fällen
besser ab als die Vergleichswerkstoffe 2 und 3.
[0015] Der Test nach ASTM G 28, Practice A, wird angewandt, um Werkstoffe auf ihre Beständigkeit
gegen interkristalline Korrosion zu untersuchen. Er wird in einer siedenden Lösung
mit 50 % H₂SO₄ und 3,7 % Fe₂(SO₄)₃ durchgeführt. Solche Bedingungen treten in der
Praxis beispielsweise bei der Handhabung verunreinigter Schwefelsäuren auf.
[0016] Der Test nach ASTM G 28, Practice B, wird zur Feststellung des Korrosionsverhaltens
von Werkstoffen in stark oxidierenden, metallionenhaltigen Säuren benutzt. Dabei wird
eine siedende Lösung mit 23 % H₂SO₄, 1,2 % HCl, 1 % FeCl₃ und 1 % CuCl₂ angewandt.
Damit werden Bedingungen simuliert, wie sie beispielsweise in Beizbetrieben auftreten.
[0017] Zum Nachprüfen der Beständigkeit gegenüber Spannungsrißkorrosion unter Bedingungen,
wie sie in tiefen Bohrlöchern bei der Suche nach Erdgas und Erdöl auftreten können,
sind Sauergas-Prüf-Tests entwickelt worden. Dabei werden die Materialproben beispielsweise
in einer 25 %igen NaCl-Lösung im Autoklaven 35 Tage bei 232°C, 50 bar CO₂, 10 bar
H₂S und 10 bar H₂O in einer Dreieckbiegeprobe mit σ
B = 0,95 x R
PO,2 geprüft. Der erfindungsgemäße Werkstoff zeigte in einem solchen Test keine Schädigung
durch Spannungsrißkorrosion und keine Lochfraßkorrosion.

Legierung mit 30 bis 32 % Nickel, 26 bis 28 % Chrom, 0,5 bis 1,5 % Kupfer, max. 2
% Mangan, max. 1,0 % Silizium, max. 0,2 % Aluminium, max. 0,03 % Kohlenstoff, Rest
Eisen, einschließlich unvermeidbarer Beimengungen, dadurch gekennzeichnet, daß die
Legierung noch 6 bis 7 % Molybdän und 0,10 bis 0,25 % Stickstoff enthält.
2. Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stickstoffgehalt 0,14
bis 0,22 % beträgt.
3. Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stickstoffgehalt 0,16
bis 0,20 % beträgt.
4. Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stickstoffgehalt etwa
0,18 % beträgt.
5. Verwendung der Legierung nach den Ansprüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die in wässrigen, neutralen oder sauren Medien mit hoher Chloridionenkonzentration
eine gute Korrosionsbeständigkeit, insbesondere gegenüber Lochfraß- und/oder Spaltkorrosion
aufweisen müssen.
6. Verwendung der Legierung nach den Anspruüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die in technischer Phosphorsäure mit einer Chloridionenkonzentration
bis zu 1000 ppm bei 100°C eine Abtragungsrate von weniger als 0,20 mm/a aufweisen
müssen.
7. Verwendung der Legierung nach den Ansprüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die in wässrigen neutralen Medien mit einer Chloridionenkonzentration
in der Größenordnung von 20.000 ppm bei 75°C ein Lochfraßpotential von mindestens
1000 mVH und bei 90°C von mindestens 800 mVH aufweisen müssen.
8. Verwendung der Legierung nach den Ansprüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die in sauren Medien mit einer Chloridionenkonzentration von 50.000
ppm und mehr, wie z.B. in einer FeCl₃-Lösung eine kritische Lochfraßtemperatur von
mindestens 80°C und eine kritische Spaltkorrosionstemperatur von mindestens 50°C aufweisen
müssen.
9. Verwendung der Legierung nach den Ansprüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die unter den Bedingungen gemäß ASTM G 28, Practice A, gegenüber interkristalliner
Korrosion beständig sein müssen.
10. Verwendung der Legierung nach den Ansprüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die unter den Bedingungen gemäß ASTM G 28, Practice B, im lösungsgeglühten
Zustand eine Abtragungsrate von weniger als 0,5 mm/a aufweisen müssen.
11. Verwendung der Legierung nach den Ansprüchen 1 bis 4 als Werkstoff zur Herstellung
von Bauteilen, die unter den Bedingungen eines aggressiven Sauergas-Prüf-Tests frei
von Spannungsriß- und Lochfraßkorrosion sein müssen.