[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Streich- oder Rollrakelgerät mit einer Einrichtung
zur Zuführung einer fließfähigen Substanz.
[0002] Rakelgeräten zum Auftragen fließfähiger Substanzen werden die aufzutragenden Substanzen
entweder von Hand aus vorgeschüttet oder durch ein Rohr, das entlang der Auftragsvorrichtung
verläuft und mit Austrittsöffnungen versehen ist, mittels einer Pumpe zugeführt.
Eine dritte Zuführmöglichkeit besteht aus einem System mehrerer über die Auftragungsbreite
verteilt angeordneter Zuführungs-Rohr- oder Schlauch-Leitungen. Eine vor dem Rakelgerät
angeordnete und parallel zu diesem mechanisch hin- und herbewegten Rohr- oder Schlauchmündung
ist eine vierte, den derzeitigen Stand der Technik kennzeichnende Zuführungsmöglichkeit.
[0003] Vorbeschriebener Stand der Technik ist mit folgenden Nachteilen behaftet: bei Zuführung
durch ein mit mehreren in Abständen angeordneten Austrittsöffnungen versehenes Rohr,
entsteht in diesem Rohr ein mengen- bzw. viskositätsabhängiger Druckabfall. Durch
diesen Druckabfall bedingt, entsteht die Gefahr einer ungleichmäßigen Substanzverteilung
vor dem Rakelgerät. Dieser Gefahr kann nur begegnet werden, in dem ein dynamisches
Gleichgewicht zwischen einem bestimmten Rohrquerschnitt, einer bestimmten Rohrlänge,
einer bestimmten Zuführungsmenge, einem bestimmten Zuführungsdruck und einer bestimmten
Anordnung und Dimensionierung der Austrittsöffnungen hergestellt wird. Veränderung
der Menge, der Viskosität oder des Druckes bewirkt Ungleichmäßigwerden der Breitenverteilung.
[0004] Bei Verwendung mehrerer über die Länge des Rakelgerätes bzw. über die Auftragungsbreite
verteilt angeordneten Zuführungsrohre kann zwar eine von Viskosität und Menge unabhängige
Breitenverteilungs-Gleichmäßigkeit erzielt werden, jedoch besteht bei einer solchen
Zuführungseinrichtung die Gefahr einer im Abstand der Zuführungsöffnungen im Auftragungsergebnis
sichtbar werdenden Streifigkeit, z.B. bedingt durch Lufteinschlüsse, die beim Auftreffen
der zulaufenden Substanz auf die vor dem Rakelgerät befindliche Substanz entstehen
können. Bei schlecht fließfähigen Substanzen kann der vor dem Rakelgerät befindliche
Substanzvorrat berg- und talförmige Ausformungen erhalten, die ebenfalls auch ein
streifiges Auftragungsergebnis bewirken können.
[0005] Die Zuführung mittels eines entlang dem Rakelgerät quer hin- und herbewegten Schlauches
oder Rohres erfordert hohen zusätzlichen Kostenaufwand und ist außerdem aufgrund eines
zu hohen Raumbedarfes bei manchen Rakelgeräten - so z.B. im Rundschablonendruck -
wegen Raummangel nicht anwendbar.
[0006] Die hiermit vorgelegte Erfindung schafft die neuartige Möglichkeit einer unabhängig
von Viskosität, Druck und Menge der Auftragungssubstanz streifenfrei völlig homogen
erfolgenden Substanzzuführung. Erfindungsgemäß wird dies erreicht durch einen parallel
oder annähernd parallel zum Rakelgerät verlaufenden Hohlraum, der als Druckkammer
ausgebildet ist, mit mindestens einer Zuführungsöffnung und einem Austrittsbereich,
der vorzugsweise schlitz- oder spaltförmig beschaffen und so ausgeformt und dimensioniert
ist, daß durch diesen Austrittsbereich ein relativ hoher Strömungswiderstand erzeugt
werden kann, der den Aufbau eines relativ hohen, quasi hydrostatischen Druckes in
der Druckkammer ermöglicht und durch gleichmäßig wirkenden Druck ein über die gesamte
Länge der Einrichtung bzw. des Rakelgerätes bzw. über die gesamte Auftragsbreite gleichmäßiges
Ausfließen der Substanz bewirkt.
[0007] Erfindungsgemäß wird eine Vorrichtung mit einem Hohlraum vorgestellt, in welchem
ein im Verhältnis zur ausfließenden Menge und im Verhältnis zur Länge des Hohlraumes
sehr hoher Überdruck aufgebaut wird. Dieser hohe Überdruck wird ermöglicht durch einen
schmalen, vorzugsweise schlitzförmigen, allenfalls durch Stege in nebeneinanderliegend
angeordnete Strömungskanäle sehr kleinen Querschnittes aufgeteilten Austrittsbereich,
der so eng dimensioniert ist, daß dadurch der Aufbau eines relativ hohen Überdruckes
ermöglicht wird. Durch diesen vorbeschriebenen Überdruck wird gleichmäßiges Ausfließen
über die gesamte Länge der Vorrichtung bewirkt.
[0008] Der Auftragungsprozeß kann dadurch in qualitativer Hinsicht verbessert werden.
[0009] Der Austrittsbereich ist vorzugsweise schlitz- oder spaltförmig ausgebildet, die
im Spaltbereich allenfalls vorhandenen, eine Kanalbildung bewirkenden Stege haben
die Doppelfunktion einer exakten Dimensionierung des Spaltbereiches, verbunden mit
einer Vergrößerung des dem Substanzaustritt entgegenwirkenden Strömungswiderstandes.
[0010] Ein durchgehender Schlitz in der Druckkammer selbst kann bei entsprechender Dicke
der Kammerwände bereits die gewünschte Kombination von hohem Strömungswiderstand und
hinreichender Menge an insgesamt geförderter Auftragungssubstanz liefern. Die Erfindung
ist jedoch auch bei dünnwandigen Druckkammern anwendbar, ohne daß diese siebartig
durchbohrt werden müssen, was bei höherer Viskosität zur Verstopfung der Durchgangsöffnungen
führen könnte. Zu diesem Zweck wird im Inneren der Druckkammer ein Dosierstab angeordnet,
dessen Außenseite zusammen mit der Innenseite der Druckkammer den inneren Abschnitt
der Durchtrittsöffnungen definiert. In der einfachsten konstruktiven Durchführung
ist dieser Dosierstab ein mit Draht umwickeltes Rohr, wobei die aneinanderliegenden
Drahtwicklungen Durchtrittskanäle für die Auftragssubstanz bilden.
[0011] Die vorbeschriebene Charakteristik ermöglicht - es stellt dies eine weitere vorteilhafte
Eigenschaft dar - die Anordnung des Austrittsbereiches der breitenverteilend erfolgenden
Zuführungseinrichtung unmittelbar vor dem Auftragungsbereich. Die Erfindung ermöglicht
es, den Austrittsbereich der Auftragungssubstanz bis auf eine Entfernung von nur mehr
wenigen mm an die Auftragungszone der Rakeleinrichtung heranzuführen. Diesem Konstruktionsgedanken
folgend, kann die Substanzmenge vor dem Rakelgerät minimal gehalten werden, woraus
weitere Funktionsvorteile für den Auftragungsvorgang entstehen, wie z.B. verbesserte
Auftragungsgenauigkeit, Minimierung der nach Arbeitsbeendigung vor dem Rakelgerät
verbleibenden Substanzvorratsmenge, Vermeidung von Alterungserscheinungen im Substanzvorrat
usw.
[0012] Diese vorteilhaften Ausgestaltungsmöglichkeiten weiter fortsetzend, kann durch Hinzufügung
einer Begrenzungsleiste - in Bewegungsrichtung gesehen vor dem Austrittsbereich
angeordnet - ein nach außen hin zur Gänze oder zumindest annähernd geschlossener Austrittsbereich
gebildet werden. Es kann dies auch gesehen werden als Ausformung der breitenverteilend
erfolgenden Substanzzuführungs- bzw. Austritts-Schlitzes bis an die zu beauftragende
Fläche bzw. Rund- oder Flachschablone heranreichend.
[0013] Ebenso wie vorstehend beschrieben die in Bewegungsrichtung gesehen vordere Schlitzbegrenzung
kann auch die in Bewegungsrichtung gesehen rückwärtige Schlitzbegrenzung bis an die
zu beauftragende Fläche bzw. an die Schablone herangeführt und diese quasi berührend,
ähnlich oder gleich einer Rakel ausgebildet werden.
[0014] Die aufzutragende Substanz kann in dem Bereich zwischen Substanzaustritt aus der
breitenverteilenden Zuführungseinrichtung und Rakelleiste einem Staudruck ausgesetzt
werden, wenn der oberhalb der Substanz befindliche Raum geschlossen und die Abdeckung
nahe an den Auftragungsbereich herangeführt wird.
[0015] Anschließend werden einige Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnung
dargestellt und erklärt.
[0016] In dieser zeigt Fig. 1 ein erstes Ausführungsbeispiel im Schnitt, Fig. 2 und 3 den
Schnitt durch die erfindungswesentlichen Teile von zwei weiteren Ausführungsbeispielen.
[0017] In Fig. 1 ist ein Streichrakelgerät dargestellt, welches dazu dient, eine Fläche
11 mit einer fließfähigen Substanz 1 zu beschichten, wobei die Fläche 11 in Richtung
des Pfeiles 17 gegenüber einer stillstehend gedachten Streichrakel 8 bewegt ist. Die
Streichrakel 8 wird von einem Magnetbalken 12 angepreßt und drückt die Substanz 1
auf die bewegte Fläche 11. Anstatt die Warenbahn, welche die Fläche 11 aufweist,
zu bewegen, könnte auch die Streichrakel über einen feststehenden Tisch 10 bewegt
werden oder Streichrakel und Magnet könnten zusammen verschoben werden. In Verbindung
mit der Streichrakel 8 ist die Einrichtung zur Zuführung fließfähiger Substanz 1
gezeigt, welche im wesentlichen aus einer Druckkammer 2 besteht. Es sei ausdrücklich
betont, daß diese Druckkammer 2 abweichend von den Ausführungen nach Fig. 1 bis 3
auch von der jeweiligen Rakeleinrichtung distanziert sein könnte. Die Druckkammer
2 weist eine vordere Kammerwand 15 und eine hintere Kammerwand 16 auf, welche durch
eine schlitzförmige, sich über die ganze Länge der Druckkammer 2 erstreckende Austrittsöffnung
getrennt sind. Der Schlitz setzt sich in einzelne, um den Dosierstab 5 verlaufende
gekrümmte Kanäle fort, welche mit dem Schlitz in der Druckkammer 2 eine funktionelle
Einheit bilden. Diese Kanäle werden durch Stege 6 begrenzt, die beispielsweise durch
die Windungen eines um den Dosierstab 5 gewickelten Drahtes gebildet sein könnten.
Das Anliegen des Dosierstabes 5 an der Innenwand der Druckkammer 2 wird durch Anpreßschrauben
13 sichergestellt.
[0018] Die über mindestens eine Eintrittsöffnung 14 zugeführte fließfähige Substanz gelangt
erfindungsgemäß in einen Hohlraum 3, in welchem ein praktisch konstanter Druck herrscht,
da ein die Verteilungsgleichmäßigkeit störender partieller Druckabfall über die Länge
des Hohlraumes 3 im Hinblick auf den hohen Strömungswiderstand in den durch die Stege
6 gebildeten Kanälen nicht auftreten kann.
Im Ausführungsbeispiel nach Fig. 1 ist die hintere Kammerwand 16 derart mit der Streichrakel
8 verbunden, daß sie einen vorderen Stauraum für die Substanz 1 definiert. Das Ausführungsbeispiel
nach Fig. 2 ist insofern unterschiedlich, als dort eine magnetisch angepreßte Rollrakel
7 die Streichrakel 8 ersetzt und überdies durch die vordere Kammerwand 15 der Flüssigkeitsvorrat
nach vorne begrenzt wird.
[0019] Fig. 3 zeigt eine Kombination der Maßnahmen nach Fig. 1 und 2, durch welche der Flüssigkeitsvorrat
auf das geringstmögliche Ausmaß verkleinert ist. Der Druck, mit welchem die Flüssigkeit
in die Unterlage gepreßt wird, ist auch bei dieser Ausführung wesentlich durch die
mechanische oder magnetische Anpressung des Rakelgerätes bestimmt. Der Staudruck,
welcher im Keilspalt zwischen der Streichrakel und der bewegten Fläche 11 entsteht,
ist nicht zu verwechseln mit dem Druck, welcher im Hohlraum 3 besteht. Den Austritt
der Substanz 1 nach vorne verhindert dabei eine Dichtlamelle 9.
[0020] Die Erfindung läßt eine große Zahl konstruktiver Varianten zu, insbesondere auch
was die Zuführung der Substanz 1 zum Hohlraum 3 betrifft.
[0021] Um bei der dargestellten Einrichtung die Durchflußmenge zu erhöhen oder eine erhöhte
Viskosität auszugleichen, genügt es an sich, den Druck im Hohlraum 3 der Druckkammer
2 zu erhöhen. Alternativ oder ergänzend hiezu ist es jedoch auch möglich, den Dosierstab
5 gegen einen anderen Stab mit geändertem Durchmesser oder anderer Bewicklung auszutauschen.
1. Streich- oder Rollrakelgerät mit einer Einrichtung zur Zuführung einer fließfähigen
Substanz, gekennzeichnet durch einen parallel oder annähernd parallel zum Rakelgerät
verlaufenden Hohlraum, der als Druckkammer ausgebildet ist, mit mindestens einer
Zuführungsöffnung und einem Austrittsbereich, der vorzugsweise schlitz- oder spaltförmig
beschaffen und so ausgeformt und dimensioniert ist, daß durch diesen Austrittsbereich
ein relativ hoher Strömungswiderstand erzeugt werden kann, der den Aufbau eines relativ
hohen, quasi hydrostatischen Druckes in der Druckkammer ermöglicht und durch gleichmäßig
wirkenden Druck ein über die gesamte Länge der Einrichtung bzw. des Rakelgerätes bzw.
über die gesamte Auftragsbreite gleichmäßiges Ausfließen der Substanz bewirkt.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Austrittsbereich (4)
sich ununterbrochen über die ganze Länge der Druckkammer (2) erstreckt.
3. Einrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Austrittsbereich (4)
durch Stege (6) in dicht aneinanderliegende enge Kanäle unterteilt ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Ausbildung von Kanälen
mit hohem Durchflußwiderstand ein Dosierstab (5) mit annähernd in Umfangsrichtung
verlaufenden Stegen (6) in der Druckkammer (2) angeordnet ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Stege (6) durch die
Windungen eines Drahtes gebildet sind, der um den Dosierstab (5) gewickelt ist.
6. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die hintere
Wand (16) der Druckkammer (2) als Streichrakel ausgebildet ist (Fig. 3) oder eine
gesonderte Streichrakel (8) trägt (Fig. 1).
7. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die vordere
Wand (15) der Druckkammer (2) bis an die mit der Substanz (1) zu beauftragende Fläche
(11) heranreicht und gegebenenfalls dichtend daran anliegt (Fig. 2,3).
8. Einrichtung, insbesondere nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Distanz
zwischen vorderer Wand (15) und mit der Substanz (1) zu beauftragender Fläche (11)
durch eine Dichtlamelle (9) überbrückt ist.
9. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl
die vordere Wand (15) wie die hintere Wand (16) der Druckkammer (2) bis zur zu beauftragenden
Fläche (11) heranreichen oder verlängert sind, wobei das Ende der Austrittsöffnung
(4) mit der Auftragungszone zusammenfällt und die Einrichtung als Auftragungsgerät
wirkt (Fig. 3).
10. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die
Streichrakel (8) bzw. die Rollrakel (7) magnetisch angepreßt ist.
11. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie
um die Berührungslinie von Rakel (7,8) und zu beauftragender Fläche (11) schwenkbar
ist.