(19)
(11) EP 0 292 585 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
30.11.1988  Patentblatt  1988/48

(21) Anmeldenummer: 87107597.4

(22) Anmeldetag:  25.05.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D04H 1/42
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE ES FR IT SE

(71) Anmelder: CARL SCHENCK AG
D-64273 Darmstadt (DE)

(72) Erfinder:
  • Henschel, Walter
    D-6111 Otzberg (DE)
  • Kunstmann, Uwe, Dr.
    D-6101 Rossdorf 1 (DE)
  • Melzer, Gerhard
    D-6147 Lautertal 1 (DE)

(74) Vertreter: Dallhammer, Herbert, Dipl.-Ing. 
Carl Schenck AG Patentabteilung
64273 Darmstadt
64273 Darmstadt (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Erzeugung eines Faservlieses


    (57) Bei einem Verfahren zur Erzeugung eines Faservlieses auf einem einen beweglichen gasdurchlässigen Boden ei­ner Verteilkammer (18) bildenden mit Unterdruck beaufschlag­ten endlosen Ablageband (21), wobei nach mechanischem Auflö­sen der Fasern der Faserstrom mittels Luftströmung in die Verteilkammer geführt wird und wobei noch weitere Luftströme der Verteilkammer zugeführt werden, wird zum Zwecke eine Verklumpung aufgelösten Fasermaterials (16) bis zur Ablage im Vlies zu vermeiden, ein zusätzlicher Luftstrom (22) in die Verteilkammer eingeführt, während der Tragluftstrom in einem düsenförmig ausgebildeten Schacht (19) der Verteilkammer zugeführt wird und wobei nach Ablage der Fasern in einem Vlies eine Vorpressung (27) des Vlieses unter Mithilfe regelbaren Unterdrucks (29) durchge­führt wird.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung ei­nes Faservlieses auf einem beweglichen gasdurchlässigen Boden einer verteilkammerbildenden mit Unterdruck be­aufschlagten endlosen Ablageband, wobei nach mechani­schem Auflösen der Fasern der Faserstrom mittels Luft­strömung in die Verteilkammer geführt wird und wobei noch weitere Luftströme der Verteilkammer zugeführt werden.

    [0002] Zur Herstellung von Faservliesen ist durch die deutsche Offenlegungsschrift Nr. 2l 49 892 ein Verfahren der eingangs genannten Art bekannt geworden, bei dem trok­kene Fasern auf ein gasdurchlässiges, eine Verteilkam­mer nach unten abschließendes Ablageband aufgebracht werden. Hierbei werden zur Ablenkung des mit Fasern beladenen Stroms zusätzlich Luftströme in die Ver­teilkammer eingeleitet. Diese zusätzlichen Luftströme dienen dazu, eine unkontrollierbare Ablagerung von Fa­sern vorzubeugen dergestalt, daß der faserführende senkrechte Gasstrom beim Eintritt in das Innere der Verteilungskammer und im weiteren Verlauf der Bewegung in Richtung des Ablagebandes einer Bahn folgt, die ei­ner ballistischen Kurve oder Wurfbahn ähnlich ist. Hiermit soll eine Separierung der eingetragenen Fasern nach ihrer Größe bewirkt werden dergestalt, daß die gröberen und schwereren Fasern weiter ausgestoßen wer­den, während die feineren und leichteren Fasern auf dem kürzesten Wege in Richtung des Ablagebandes abgelegt werden. Durch eine derartige Verfahrensweise ist eine Auflösung von Fasern nicht möglich, da durch die ver­schieden gerichteten Luftströme eine Zusammenballen größerer Faserteilchen aneinander oder ein Anlagern kleinerer Faserteilchen an größere Faserteilchen nicht auszuschließen ist. Werden derartige Bündel verfaserter Lignozelluloseteilchen im Vlies abgelegt, so ergibt sich ein ungleichförmiges Vlies, welches bei der Wei­terverarbeitung zu plattenförmigen Werkstücken im Hin­blick auf seine Festigkeit und seine Dichte zu Ausschuß führt.

    [0003] Ausgehend hiervon liegt der Erfindung die Aufgabe zu­grunde, eine Verklumpung aufgelösten Fasermaterials bis zur Ablage im Vlies zu vermeiden und gleichzeitig ein hochverdichtetes Vlies zu erhalten. Diese Aufgabe wird mit den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs l ge­löst. Insbesondere durch die Maßnahme einen zweiten Luftstrom zu verwenden, der in derselben Richtung wie der die Auflösung und den Transport bewirkende erste Luftstrom besitzt, wird bis zur Ablage der Fasern im Vlies eine Verklumpung des aufgelösten Fasermaterials vermieden, während durch anschließendes Vorpressen des lockeren Vlieses bei aufrechterhaltenem Unterdruck ein Rückfedern der vorgepreßten Fasermatte, wie es bisher ohne das Auftreten des Unterdrucks geschah, vermieden wird.

    [0004] Durch die in Anspruch 2 unter Schutz gestellte Maßnahme wird bereits im Bereich des Eintrags von Fasermaterial ein Haften des Fasergutes an den Wänden des Eintragska­nals vermieden.

    [0005] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird ausge­hend von einer durch die Offenlegungsschrift 2l 49 892 bekannt gewordenen Vorrichtung mit den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs 3 gelöst. Durch die Anordnung eines Gleichrichterbodens wird der Luftstrom als Paral­lelstrom ausgebildet und durch die düsenförmige Ein­schnürung der Schachtwände wird evtl. noch vorhandenes verklumptes Fasermaterial restlich aufgelöst; durch die weitere Lufteintrittsöffnung vor der vorderen Umlenkung des endlosen Bandes wird vermieden, daß aufgelöstes Fa­sermaterial unkontrolliert auf dem Ablageband zufolge des dort wirkenden Unterdrucks zur Ablage kommt, wäh­rend die im Bereich einer Vorpresse vorgesehenen wei­teren polierbaren Absaugeeinheiten den Vorpreßvorgang durch Entgasen des abgelegten Faservlieses unterstüt­zen.

    [0006] Durch eine luftdurchlässige Wand zwischen dem Eintritt des Faserguts und einer weiteren Luftzufuhröffnung wie in Anspruch 4 unter Schutz gestellt, wird eindeutig ein Anbacken von aufzulösendem Fasergut an den Wänden des Eintritts vermieden.

    [0007] Durch die Anordnung mindestens einer Verwirbelungsein­richtung an der Decke der Verteilkammer wird durch die Entstehung immer neuer Wirbel Faserzusammenballungen entgegengewirkt.

    [0008] In der nachfolgenden Zeichnung wird die Erfindung an­hand einer Figur näher erläutert.

    [0009] Das in dieser Figur dargestellte Ausführungsbeispiel zeigt eine Herstellungsanlage für Spanplatten, bei de­nen auf einen Spanplattenkern eine erfindungsgemäß er­zeugte Faserdeckschicht aufgebracht wird. Es ist jedoch möglich, erfindungsgemäß hergestellte Faservliese auch ohne Spanplattenkernschicht als Faserplatten allein nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herzustellen.

    [0010] Im vorliegenden Ausführungsbeispiel wird über einen Eintrag l Fasermaterial in einen Vorratsbunker 2 über eine Verteileinrichtung 3 eingebracht. Zufolge Umlaufs eines Bodenbandes 4 entsprechend der Pfeilrichtung wird Fasermaterial 5 gegen Austragswalzen 6 transportiert und von diesen voraufgelöst über einen Austragsschacht 7 einer Auflöseeinrichtung 8 zugeführt.

    [0011] Das Fasermaterial 5 wird als Faserstrom 9 einer über die gesamte Breite des späteren Vlieses entsprechenden Auflösewalze l0 durch einen Schacht ll zugeführt. Min­destens eine Seitenwand des Schachtes ll besteht aus luftdurchlässigem Material. Im Ausführungsbeispiel be­steht das luftdurchlässige Material aus einem Siebge­webe l2. Durch eine weitere Öffnung l3 tritt Luft eben­falls in die Auflöseeinrichtung 8 ein und dringt beim Abwärtsströmen auch durch das Siebgewebe l2. Hierdurch wird ein Anbacken von voraufgelöstem Fasermaterial an den Schachtwänden ll vermieden.

    [0012] Im Bereich der Auflösewalze l0 tritt von einem nicht dargestellten Gebläse über eine Zuführleitung l4 ein Luftstrom in die Auflöseeinrichtung 8 über einen Luft­gleichrichterboden l5 ein. Diese so gleichgerichtete parallelströmende Luft nimmt voraufgelöstes Fasermate­rial l6 auf und trägt es durch einen sich düsenförmig verjüngenden Schacht l7 in eine Verteilkammer l8. Durch die sich düsenförmig sich verjüngenden und erweiternden Schacht l7 einstellende Geschwindigkeitsänderung des Luftstroms wird auch gleichzeitig das mittragende Fa­sergut restlich aufgelöst. Nachdem in diesem Bereich keine Störströmungen durch weitere Luftströme eintre­ten, wird eindeutig eine Verklumpung des aufgelösten Materials vermieden. Zwischen düsenförmiger Schachtwand l9 und Umlenkung 20 eines Ablagebandes 2l, welches sich entsprechend angegebenen Pfeilrichtungen bewegt, ist eine zusätzliche Lufteintrittsöffnung 22 vorgesehen; diese Lufteintrittsöffnung erstreckt sich ebenfalls über die gesamte Breite des aufzubauenden Faservlieses. Die durch diese Eintrittsöffnung 22 einströmende Luft kann erfindungsgemäß von einem Zusatzgebläse 23 erzeugt werden. Jedoch kann auch von dem nicht dargestellten Gebläse eine regelbare Menge aus dem Zuflußkanal l4 entnommen werden und durch die zusätzliche Luftein­trittsöffnung 22 in die Verteilkammer l8 eingeführt werden. Der zusätzliche Luftstrom verhindert ein Anbak­ken aufgelösten Fasermaterials an der Rückseite der dü­senförmigen Schachtwand l9 und vermeidet darüber hi­naus, daß aufgelöstes Fasermaterial unkontrolliert vor unter dem Ablageband 2l angeordneten Absaugeeinheiten 24 sich auf dem Ablageband 2l niederschlägt.

    [0013] Ein so erzeugtes Faservlies 25 wird auf dem Ablageband 2l unter einer Egalisiervorrichtung 26 hindurchgeführt und einer Vorpresseinrichtung 27 zugeführt. In der Vorpresseinrichtung ist eine Wandpresse 28 vorgesehen, die entsprechend dem dort angegebenen Pfeil umläuft und die eine Vorverdichtung des Faservlieses 25 bewirkt im Zusammenwirken mit weiteren regelbaren Absaugeeinrich­tungen 29. Durch die erfindungsgemäße Entlüftung des Faservlieses durch die weiteren regelbaren Absaugeein­richtungen 29 wird ein Rückfedern des vorgepreßten Fa­servlieses 25 vermieden. Anschließend wird dieses Vlies über einen Trennkeil 30 geführt und mit einem Spanplat­tenkern 3l, der in bekannter Weise hergestellt wurde an einer Vereinigungsstelle 32 zusammengeführt. Anschlies­send kann ein so gewonnener Formling in bekannter Weise aufgetrennt und zu Kunstholzplatten fertiggepreßt wer­den.

    [0014] Die Erfindung ist nicht auf die im Ausführungsbeispiel dargestellte Anordnung eingeschränkt. Es können mit ei­ner derartigen Einrichtung ebenso Faserplatten ohne Spanplattenkern hergestellt werden.

    [0015] An der Decke der Verteilkammer l8 sind Verwirbelungs­einrichtungen 35 in Form von Stäben oder Gittern vor­gesehen, die bewirken, daß entstehende Wirbel sich nicht ausbilden können, deren Folge eine Zusammenbal­ lung aufgelösten Fasergutes würde, was zwangsläufig zu einem ungleichförmigen Faservlies führen würde.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Erzeugung eines Faservlieses auf ei­nem einen beweglichen gasdurchlässigen Boden einer verteilkammerbildenden mit Unterdruck beaufschlag­ten endlosen Ablegeband, wobei nach mechanischem Auflösen der Fasern der Faserstrom mittels Luft­strömung in die Verteilkammer geführt wird und wo­bei noch weitere Luftströme der Verteilkammer zu­geführt werden, dadurch gekennzeichnet, daß vor der Verteilkammr in der Gesamtbreite des späteren Vlieses ein aufsteigender gerichteter Luftstrom in diesen eingebrachte Fasern vor ihrer mechanischen Auflösung vorauflöst und gleichzeitig die insge­samt aufgelösten Fasern durch Änderung seiner Strömungsgeschwindigkeit über die gesamte Breite des zu erzeugenden Vlieses weiteraufgelöst der Verteilkammer zuführt, daß ein weiterer aufstei­gender regulierbarer von dem ersten getrennter Luftstrom über die Breite des zu erzeugenden Vlie­ses im Bereich der vorderen Umlenkung des endlosen Ablagebandes in die Verteilkammer eingeführt wird und daß das abgelegt Vlies bei aufrechterhaltenem Unterdruck vorgepreßt wird.
     
    2. Verfahren nach Anspruch l, dadurch gekennzeichnet, daß Luft von einem gleichsinnig mit den Fasern eintretenden, von diesen getrennten Luftstrom in den Faserstrom übertritt.
     
    3. Vorrichtung zur Bildung eines Faservlieses auf ei­nem den Boden einer verteilkammerbildenden ange­triebenen endlosen gasdurchlässigen Ablageband mit unterhalb dem Band angeordneter Absaugung mit ei­nem vor der Verteilkammer angeordneten Schacht mit einer Öffnung zur Verteilkammer und einer Ein­trittsöffnung für zu verteilendes Fasergut einer darin angeordneten Auflöseeinrichtung für das Fa­sergut und einer Luftzuführung für ein Gebläse zum Transport des aufgelösten Fasergutes durch den Schacht zum Eintritt in die Verteilkammer insbe­sondere zur Durchführung des Verfahrens nach An­spruch l, dadurch gekennzeichnet, daß der Schacht durch einen Luftgleichrichterboden für das Gebläse nach unten abgeschlossen ist, daß die Wände des Schachtes über die Breite des zu bildenden Vlieses eine verstellbare düsenförmige Einschnürung besit­zen, daß zwischen der dem Ablageband gegenüberlie­genden Schachtwand und dem Ablageband über die ge­samte Breite des abzulegenden Vlieses eine zusätz­liche Lufteintrittsöffnung vorgesehen ist, daß un­ter dem Ablageband im Bereich der Vliesbildung re­gulierbare Absaugeeinheiten und im Bereich einer Vorpreßeinrichtung weitere regulierbare Absauge­einheiten vorgesehen sind.
     
    4. Vorrichtung nach Anspruch 3 insbesondere zur Durch­führung des Verfahrens nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß parallel zum Eintritt für das Fasergut ein ebenfalls über die gesamte Vliesbrei­te sich erstreckender Lufteintritt vorgesehen ist und daß eine luftdurchlässige Zwischenwand zwi­schen beiden Eintritten vorgesehen ist.
     
    5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprü­che, dadurch gekennzeichnet, daß im Bereich der Decke der Verteilkammer über dem Ablageband min­destens eine Verwirbelungseinrichtung vorgesehen ist.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht