(19)
(11) EP 0 292 739 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
30.11.1988  Patentblatt  1988/48

(21) Anmeldenummer: 88107072.6

(22) Anmeldetag:  03.05.1988
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B02C 21/00, B02C 23/12
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE ES FR GB IT

(30) Priorität: 27.05.1987 DE 3717976

(71) Anmelder: KRUPP POLYSIUS AG
D-59269 Beckum (DE)

(72) Erfinder:
  • Lohnherr, Ludger, Ing. (Grad.)
    D-4740 Oelde (DE)
  • Holz, Walter, Dipl.-Ing.
    D-4720 Beckum (DE)

(74) Vertreter: Tetzner, Volkmar, Dr.-Ing. Dr. jur. 
Van-Gogh-Strasse 3
81479 München
81479 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren und Anlage zur Zerkleinerung von Mahlgut


    (57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine Anlage zur Zerkleinerung von sprödem Mahlgut un­ter Verwendung einer Rollenmühle (1) und einer Gut­bett-Walzenmühle (3) zur Zerkleinerung des über den Rand der Mahlbahn (7) der Rollenmühle (1) nach unten aus­fallenden Mahlgutes vor Aufgabe auf den Sichter (2). Durch den Einsatz einer Gutbett-Walzenmühle (2) läßt sich eine erhebliche Steigerung der Durchsatz­leistung der Anlage bzw. eine wesentliche Ener­gieeinsparung erzielen.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren (entsprechend dem Oberbegriff des Anspruches 1) sowie eine Anla­ge (gemäß dem Gattungsbegriff des Anspruches 5) zur Zerkleinerung von sprödem Mahlgut.

    [0002] Es besteht vielfach der Wunsch, bestehende Anlagen der vorstehend genannten Art (enthaltend Rollenmüh­le, Sichter und Becherwerk) in ihrer Durchsatzlei­stung erheblich zu steigern.

    [0003] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren (entsprechend dem Oberbegriff des Anspru­ches 1) sowie eine Anlage (gemäß dem Gattungsbegriff des Anspruches 5) so auszubilden, daß mit vergleichs­weise geringem anlagentechnischen Aufwand die Durch­satzleistung der Anlage erheblich vergrößert wird.

    [0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kenn­zeichnenden Merkmale der Ansprüche 1 und 5 gelöst. Zweckmäßige Ausgestaltungen der Erfindung sind Ge­genstand der Unteransprüche.

    [0005] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung veranschaulicht. Es zeigen

    Fig. 1 ein Gesamtschema einer erfindungsgemäßen Anlage,

    Fig. 2 einen Schnitt durch Rollenmühle und Sich­ter der Anlage gemäß Fig. 1.



    [0006] Die in Fig. 1 veranschaulichte Anlage zur Zerklei­nerung von sprödem Mahlgut, beispielsweise von Zementklinker, enthält eine Rollenmühle 1, einen darüber angeordneten Sichter 2, eine Gutbettwal­zenmühle 3, ein Becherwerk 4, einen Feingut-Ab­scheider 5 sowie eine Anzahl weiterer, in Zusam­menhang mit der Funktion beschriebener Anlagentei­le.

    [0007] Die in ihren Einzelheiten aus Fig. 2 ersichtliche Rollenmühle 1 besitzt eine um die vertikale Achse 6 umlaufende horizontale Mahlbahn 7, auf der sich Mahlrollen 8, 9 mit Druck abstützen.

    [0008] Der Antrieb der Mahlbahn 7 erfolgt durch einen An­triebsmotor 10 und ein nicht im einzelnen veran­schaulichtes Getriebe im Sockel der Rollenmühle 1.

    [0009] Am Umfang der Mahlbahn 7 ist ein verstellbarer Dü­senring 11 angeordnet, durch den ein Luftstrom (Pfeile 12) der Mahlbahn 7 zugeführt wird.

    [0010] Das über den Rand der Mahlbahn 7 nach unten (d. h. entgegen dem Luftstrom) ausfallende, noch nicht genügend zerkleinerte Mahlgut gelangt über eine Schurre 13 zur Walzenmühle 3 (Pfeil 14).

    [0011] Der oberhalb der Rollenmühle 1 angeordnete dynami­ sche Sichter 2 enthält einen feststehenden (zweck­mäßig einstellbaren) Leitschaufelkranz 15 sowie einen über eine Welle 16 von einem Motor 17 an­getriebenen Sichtkorb 18. Die Welle ist an ihrem unteren Ende über radiale Streben 19 gelagert.

    [0012] Die Welle 16 trägt ferner oberhalb des Sichtkorbes 18 einen Streuteller 20, dem das zu sichtende Gut über Stutzen 21, 22 vom Becherwerk 4 zugeführt wird (Pfeil 23).

    [0013] Der Sichter 2 weist unterhalb des Leitschaufelkran­zes 15 einen Trichter 24 auf, durch den die Grieße zurück auf die Mahlbahn 7 der Rollenmühle 1 ge­führt werden können. Die Aufgabe des Rohmateria­les auf die Mahlbahn 7 erfolgt über eine Öffnung 25 (Pfeil 26).

    [0014] An das untere Ende des Trichters 24 ist weiterhin eine Grießschnecke 27 angeschlossen, die in ihrer Drehzahl regelbar ist und die einen einstellbaren Teil der Grieße direkt der Walzenmühle 3 zuführt (Pfeil 28 in Fig. 1).

    [0015] Der das Feingut führende Luftstrom wird aus dem Sichter 2 über einen Stutzen 29 abgeführt (Pfeil 30).

    [0016] Die Funktion der Anlage nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ist damit wie folgt:

    [0017] Das zu zerkleinernde Mahlgut wird der Rollenmühle 1 von einem Silo 31 über eine Dosierbandwaage 32 und ein Luftabschlußorgan 33 zugeführt. Das auf der Mahl­bahn 7 genügend zerkleinerte Mahlgut wird durch den Luftstrom zum Sichter 2 gefördert. Das den Sichter zusammen mit dem Luftstrom verlassende Feingut wird im Abscheider 5 abgeschieden.

    [0018] Die im Sichter 2 anfallenden Grieße werden teil­weise zurück zur Mahlbahn 7 der Rollenmühle 1 ge­führt. Ein weiterer, einstellbarer Anteil der Grieße gelangt über die Grießschnecke 27 direkt zur Walzenmühle 3. Dieser Gutbettwalzenmühle wird außerdem das über den Rand der Mahlbahn 7 nach unten ausfallende Mahlgut zugeführt. In der Walzenmühle 3, deren Walzen mit hohem Druck gegeneinandergepreßt wird, erfährt das Gut eine Gutbettzerkleinerung unter deutlicher Bildung von Agglomeraten.

    [0019] Das aus der Walzenmühle 3 ausgetragene Mahlgut wird über das Becherwerk 4 hochgefördert und über eine Klappe 34 entweder dem Streuteller 20 des Sichters 2 oder einem anderen Verwendungszweck (Fahrzeug 35) zugeführt (gewünschtenfalls kann dieser über das Becherwerk 4 geführte Gutstrom auch geteilt werden).

    [0020] Auf dem rotierenden Streuteller 20 des Sichters 2 erfahren die in der Walzenmühle 3 gebildeten Agglo­merate des Mahlgutes eine Desagglomeration. Die auf diese Weise aufgeschlossenen Schülpen werden auf diese Weise gleichmäßig der Sichtluft zuge­führt.

    [0021] Das nach dem Durchsetzen der Walzenmühle 3 bereits vorhandene Fertiggut wird auf diese Weise direkt gesichtet und nicht mehr erneut der Rollenmühle 1 zugeführt. Die Rollenmühle 1 wird dadurch wesent­lich entlastet. Für die Rollenmühle ergibt sich hierdurch eine erhebliche Reduzierung des Druck­verlustes, was zu einer deutlichen Energieeinspa­rung bei der pneumatischen Förderung des Mahlgu­tes führt.

    [0022] Von besonderem Vorteil ist dabei auch, daß das Be­cherwerk-Umlaufgut bereits weitgehend getrocknet ist, da in der Walzenmühle 3 das über den Rand der Mahlbahn 7 nach unten ausfallende Mahlgut zusammen mit bereits weitgehend getrockneten Grießen (zugeführt über die Grießschnecke 27) vermahlen wird.

    [0023] Die Regelung der Anlage erfolgt im wesentlichen unter Benutzung folgender Regelkreise:

    - Ein erster Regelkreis (Regler 36) regelt die über die Dosierbandwaage 32 der Rollenmühle 1 zuge­führte Aufgabemenge in Abhängigkeit von der An­triebsleistung der Rollenmühle 1.

    - Ein zweiter Regelkreis (Regler 37) hält die elektrische Stromaufnahme der Gutbettwalzen­mühle dadurch konstant, daß der Querschnitt des verstellbaren Düsenringes 11 und damit die Gas­geschwindigkeit im Düsenring entsprechend gere­gelt wird (mit der Gasgeschwindigkeit im Düsen­ring ändert sich der entgegen dem Luftstrom nach unten ausfallende Teil des Mahlgutes und damit die Becherwerks-Umlaufgutmenge).

    - Ein dritter Regelkreis (Regler 38) hält die durch die Anlage gezogene Gasmenge durch Be­einflussung der Drehzahl eines dem Feingut-Ab scheider 5 nachgeschalteten Ventilators 39 kon­stant.

    - Ein vierter Regelkreis (Regler 40) steuert eine Umluftklappe 41 und hält dadurch den im Luft­strom vor der Rollenmühle 1 herrschenden Unter­druck konstant.



    [0024] Über die Grießschnecke 27 wird zweckmäßig nur ein Teil der im Sichter 2 anfallenden Grieße entnom­men und direkt der Gutbettwalzenmühle 3 zugeführt. Die Regelung dieser Teilmenge geschieht über die Drehzahlverstellung der als Überlaufschnecke ar­beitenden Grießschnecke 27. Die entnommene Menge kann gewogen werden und so die Drehzahl der Schnek­ke regeln.

    [0025] Der pneumatische Transport des Mahlgutes in einer herkömmlichen Mahlanlage unter Verwendung einer Rollenmühle nimmt einen verhältnismäßig großen An­teil der gesamten, zur Vermahlung aufzuwendenden Energie in Anspruch. Durch die Erfindung wird nun das durch den Düsenring 11 nach unten fallende Mahlgut mittels der Gutbett-Walzenmühle 3 einer weiteren Zerkleinerung unterzogen und über das Becherwerk 4 dem Sichter 2 zugeführt. In diesem Mahlgut, das dem Sichter direkt aufgegeben wird, sind (je nach Art des zu vermahlenden Gutes) bis zu 50 % Fertiggut enthalten. Dieser Materialan­teil wird somit dem pneumatischen Transport ent­zogen. Dadurch ergibt sich ein bis zu 40 % nied­rigerer Druckverlust der Mahlanlage, was eine ent­sprechend hohe Energieeinsparung am Mühlenventila­tor zur Folge hat.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Zerkleinerung von sprödem Mahl­gut unter Verwendung einer Mahlzone mit umlau­fender horizontaler Mahlbahn (7), wobei

    a) das über den Rand der Mahlbahn nach unten ausfallende Mahlgut mechanisch hochgeför­dert und wenigstens teilweise einer Sicht­zone zugeführt wird,

    b) und die bei der Sichtung anfallenden Grieße wenigstens teilweise erneut der Mahlzone zugeleitet werden,
    dadurch gekennzeichnet, daß

    c) das über den Rand der Mahlbahn (7) nach un­ten ausfallende Mahlgut vor der Sichtung zu­nächst im Spalt zweier mit hohem Druck ge­geneinander gepreßter Walzen einer Walzen­mühle (3) zerkleinert wird.


     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich­net, daß ein einstellbarer Teil der bei der Sichtung anfallenden Grieße zusammen mit dem über den Rand der Mahlbahn (7) nach unten aus­fallenden Mahlgut direkt der Walzenmühle (3) zur Zerkleinerung zugeführt wird.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich­ net, daß das in der Walzenmühle (3) zerklei­nerte Mahlgut vor der Sichtung desagglomeriert wird.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem der umlau­fenden horizontalen Mahlbahn (7) von unten her über einen Düsenring (11) ein regelbarer Luft­strom zugeführt wird, der auf der Mahlbahn zer­kleinertes Mahlgut pneumatisch der Sichtzone zuführt, dadurch gekennzeichnet, daß die elek­trische Stromaufnahme des Antriebs der Walzen­mühle (3) durch Änderung der Luftgeschwindig­keit im Düsenring (11) konstantgehalten wird.
     
    5. Anlage zur Zerkleinerung von sprödem Mahlgut, enthaltend

    a) eine Rollenmühle (1) mit umlaufender hori­zontaler Mahlbahn (7),

    b) einen über der Rollenmühle (1) angeordneten Sichter (2),

    c) ein Becherwerk (4), durch das das über den Rand der Mahlbahn (7) nach unten ausfallen­de Mahlgut mechanisch zum Sichter (2) hoch­gefördert wird,

    d) eine Einrichtung (39) zur Erzeugung eines Luftstromes, der auf der Mahlbahn (7) zer­kleinertes Mahlgut pneumatisch dem Sichter (2) zuführt und nach Abscheidung der Grieße das Feingut einem Abscheider (5) zuführt, während die im Sichter anfallenden Grieße wenigstens teilweise zurück zur Rollenmühle (1) geführt werden
    , gekennzeichnet durch

    e) eine Walzenmühle (3), enthaltend zwei mit hohem Druck gegeneinander gepreßte Walzen, zur Zerkleinerung des über den Rand der Mahl­bahn (7) nach unten ausfallenden Mahlgutes.


     
    6. Anlage nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzenmühle (3) zwischen der Rollenmüh­le (1) und dem Becherwerk (4) angeordnet ist.
     
    7. Anlage nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß an den die Grieße führenden Trichter (24) des Sichters (2) ein vorzugsweise als in der Drehzahl regelbare Schnecke (27) ausgebilde­tes Förderorgan angeschlossen ist, durch das ein einstellbarer Teil der Grieße direkt der Walzenmühle (3) zuführbar ist.
     
    8. Anlage nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Sichter (2) als dynamischer Sichter mit oberhalb der Sichtzone angeordnetem, rotieren­den Streuteller (20) ausgebildet ist.
     




    Zeichnung