[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung spezieller Sulfonamidocarbonsäuren in Form
der Alkali- oder Alkanolaminsalze als Korrosionsinhibitoren in wäßrigen Systemen.
[0002] In technischen Prozessen, beispielsweise Reinigungs-, Druckübertragungs- und Kühlprozessen,
die sich in Gegenwart von Wasser abspielen, stellt sich immer das Problem des Korrosionsschutzes,
wenn korrosionsgefährdete Metalle, wie Kupfer, Eisen, Aluminium oder deren Legierungen
oder z.B. Weichlot, durch diese Prozesse betroffen werden. Für die Zwecke des Korrosionsschutzes
wurden in letzter Zeit zahlreiche Inhibitoren vorgeschlagen, vor allem organische
Verbindungen, wie Acylsarkoside, Amine, Alkanolamine, Amide langkettiger Fettsäuren
und auch bestimmte Sulfonamidocarbonsäuren [vgl. z.B. Seifen, Öle, Fette, Wachse,
130, Heft 6, 167 bis 168, 1979].
[0003] Weiterhin ist beispielsweise aus der DE-PS 12 98 672 bekannt, daß die Umsetzungsprodukte
von aliphatischen ω-Aminosäuren mit mehr als 3 C-Atomen in der Carboxylseitenkette
mit aromatischen Sulfonsäurechloriden, insbesondere in Form der Triethanolaminsalze,
als Korrosionsschutzmittel verwendet werden können.
[0004] Ebenso werden in der DE-A1-33 30 223 die Salze der Umsetzungsprodukte von Alkylbenzolsulfonsäurechloriden
mit Glycin oder Methylglycin als Korrosionsinhibitoren in wäßrigen Systemen beschrieben.
[0005] Die Eigenschaften der oben beschriebenen Sulfonamidocarbonsäuren als Korrosionsinhibitoren
sind nicht immer optimal. Häufig ist die eigentliche Korrosionsschutzwirkung zu niedrig,
so daß reltive große Mengen verwendet werden müssen. Teilweise ist die Schaumbildung
zu hoch und die Wasserlöslichkeit und Wasserhärteempfindlichkeit, die von erheblicher
Bedeutung sind, können unter Umständen zu wünschen übrig lassen. Auch die Toxizität
der verwendeten Substanzen kann eine wesentliche Rolle spielen.
[0006] Das Ziel der vorliegenden Erfindung besteht insbesondere darin, Stoffe aufzuzeigen,
die neben geringer Toxizität in wäßrigen Systemen neben einem guten Korrosionsschutz
Schaumarmut und niedrige Wasserhärteempfindlichkeit optimal gewährleisten.
[0007] Es wurde nun gefunden, daß man überraschenderweise zu ausgezeichneten Ergebnissen
gelangt, wenn man als Korrosionsinhibitoren in wäßrigen Systemen eine Verbindung der
Formel I

in der R¹ und R² einen Phenylrest, der ggfs. ein- oder zweifach durch einen Alkylrest
mit 1 bis 6 C-Atomen substituiert ist, bedeuten und für n 0, 1 oder 2 und für m 1
oder 2 stehen, in Form eines Alkali- oder eines Alkanolaminsalzes verwendet.
[0008] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Verhinderung von Korrosion in
wäßrigen Systemen, indem man dem wäßrigen System als Korrosionsinhibitor eine Verbindung
der Formel I in Form eines Alkali- oder Alkanolaminsalzes zusetzt.
[0009] Dabei können die Salze der Formel I auch in Form ihrer Mischungen verwendet werden.
[0010] Alkylreste mit 1 bis 6 C-Atomen, durch die die Phenylreste ein- oder zweifach substituiert
sein können, sind beispielsweise Methyl, Ethyl, Propyl, i-Propyl, Butyl, Pentyl, Hexyl.
Die höheren Alkylreste mit 3 bis 6 C-Atomen kommen insbesondere bei einer einfachen
Substitution in Betracht.
[0011] Von den Verbindungen der Formel I sind solche hervorzuheben, bei denen für R¹ und
R² Phenyl oder Tolyl steht und n 0 und m 1 oder 2 bedeuten. Als Tolylreste kommen
dabei bevorzugt der o- und p-Tolylrest in Betracht.
[0012] Für die erfindungsgemäß in wäßrigen Systemen zu verwendenden Verbindungen kommen
als Alkalisalze die Natrium- und Kaliumsalze und als Alkanolammoniumsalze die Salze
von Mono-, Di- oder Tri-hydroxyalkylaminen mit 2 bis 4 C-Atomen im Hydroxyalkylrest
sowie Mono-(C₂-C₄)-hydroxyalkyl-mono- oder -dialkylamine mit 1 bis 4 C-Atomen im Alkylrest
und Di-(C₂-C₄)-hydroxyalkyl-mono-(C₁-C₄)-alkylamine in Betracht.
[0013] Bevorzugte Alkanolamine sind Mono-, Di- und Triethanolamin, Mono-, Di- und Trihydroxyisopropylamin
sowie N-Methyldiethanolamin und Dimethyl-monoethanolamin. In der Praxis handelt es
sich neben den reinen Alkanolaminen auch um ihre Gemische, wie sie bei der technischen
Herstellung anfallen.
[0014] Die Säuren der Formel I sind grundsätzlich aus der Literatur bekannt und können nach
an sich bekannten Verfahren hergestellt werden. Eine Verwendung ihrer Alkanolaminsalze
als Korrosionsschutzmittel geht keinesfalls aus der Literatur hervor.
[0015] Die Säuren der Formel I werden zweckmäßigerweise mit den o.g. Alkanolaminen im Molverhältnis
1:1 bis 1:4 in das entsprechende Salz überführt. Aus praktischen Gründen, um bei der
Anwendung zweckmäßige pH-Bereiche von 8,0 bis 8,8 zu erhalten, werden meist überschüssige
Mengen Alkanolamin verwendet.
[0016] Bei den im Stand der Technik beschriebenen Verbindungen weist das Sulfonamidstickstoffatom
ein Wasserstoffatom oder einen Alkylrest, bevorzugt Methyl, als Substituenten auf.
Die erfindungsgemäß zu verwendenden Verbindungen der Formel I tragen entsprechend
den Bedeutungen von R¹ und n einen aromatischen Rest oder aromatischen substituierten
Alkylrest am Stickstoffatom. Durch die vorliegende Erfindung werden die durch aromatische
Reste substituierte Sulfonamidocarbonsäuren erstmals technisch nutzbar gemacht. Da
Korrosionsinhibierung und Schaumverhalten sehr sensible und nicht voraussagbare Eigenschaften
sind, haben trotz relativ geringer struktureller Unterschiede die überlegenen Wirkungen
nicht nahegelegen.
[0017] Die erfindungsgemäßen Korrosionsinhibitoren können in allen wäßrigen Systemen eingesetzt
werden, die mit Eisen, dessen Legierungen (Stählen), Aluminium, dessen Legierungen,
Zink oder Kupfer und deren Legierungen in Berührung kommen. Zu nennen sind z.B. Hydraulikflüssigkeiten,
Kühlschmierstoffe, neutrale bis alkalische technische Reiniger, Kühlwasserzusätze,
Kühlerschutzmittel oder auch Grubenwässer, die besonders hart und salzreich sind
und die im Bergbau direkt als Anmischwasser z.B. für hydraulische Prozesse verwendet
werden und die besonders stark korrosiv wirken. Die wäßrigen Systeme weisen einen
zweckmäßigen pH-Bereich von 8,0 bis 8,8 auf.
[0018] Die Konzentrationen bei der praktischen Anwendung schwanken je nach Anwendungsbereich
und Art des wäßrigen Mediums sowie der zu schützenden Metalle. Im allgemeinen setzt
man - bezogen auf das wäßrige System - 0,01 bis 5 Gew.% ein. Eine Unterschreitung
dieser Grenze setzt in der Regel die Schutzwirkung herab, eine Überschreitung bewirkt
keine zusätzlichen Vorteile. Vorzugsweise beträgt die Konzentration 0,1 bis 2 Gew.%.
[0019] Im übrigen können bei der Herstellung der üblichen Formulierungen die üblichen Zusätze
verwendet werden.
[0020] Die nun folgenden Beispiele (Tab 1) erläutern die Erfindung, ohne daß der Anmeldungsgegenstand
hierauf beschränkt wäre.

[0021] Die Bestimmung der Korrosionsschutzwirkung wird nach dem DIN Test 51360, Teil 2,
vorgenommen. Die zu untersuchende Sulfonamidocarbonsäure wird mit einer solchen Menge
Triethanolamin (TEA) gemischt, daß eine 1 gew.%ige wäßrige Lösung einen pH-Wert von
8,2 ± 0,1 aufweist.
[0022] Von dieser Mischung werden 2 und 3 gew.%ige Lösungen mit einer bestimmten Wasserhärte
gemäß der DIN-Vorschrift verwendet.
[0023] In Tabelle 2 werden die erhaltenen Ergebnisse, die einen Vergleich mit N-Methyl-benzolsulfonamidocapronsäure
(handelsüblich) enthalten, angegeben.
[0024] Die Bewertungsskala lautet folgendermaßen:
4 = sehr starke Korrosion
3 = starke Korrosion
2 = mäßige Korrosion
1 = geringe Korrosion
0 = keine Korrosion

[0025] Die Ergebnisse zeigen, daß bereits mit 2 gew.%igen Lösungen eine überlegene Korrosionsinhibierung
gegenüber der im Handel befindlichen Verbindung erreicht wird.
1. Verwendung einer Verbindung der Formel I

in der R¹ und R² einen Phenylrest, der ggfs. ein- oder zweifach durch einen Alkylrest
mit 1 bis 6 C-Atomen substituiert ist, bedeuten und für n 0, 1 oder 2 und für m 1
oder 2 stehen, in Form eines Alkali- oder Alkanolaminsalzes als Korrosionsinhibitor
in wäßrigen Systemen.
2. Verwendung einer Verbindung der Formel I nach Anspruch 1, in der für R¹ und R²
Phenyl oder Tolyl steht und n 0 und m 1 oder 2 bedeuten.
3. Verwendung einer Verbindung der Formel I nach Anspruch 1 oder 2 in einer Menge
von 0,01 bis 5 Gew.%, bezogen auf das wäßrige System.
4. Verwendung einer Verbindung der Formel I nach Anspruch 1 oder 2 in einer Menge
von 0,1 bis 2 Gew.%, bezogen auf das wäßrige System.
5. Verwendung einer Verbindung der Formel I nach den Ansprüchen 1 bis 4, als Korrosionsinhibitoren
für Eisen, Aluminium, Zink, Kupfer oder deren Legierungen in wäßrigen System mit pH-Werten
von 8,0 bis 8,8.
6. Verfahren zur Verhinderung von Korrosion in wäßrigen Systemen, dadurch gekennzeichnet,
daß man dem wäßrigen System als Korrosionsinhibitor eine Verbindung der Formel I

in der R¹ und R² einen Phenylrest, der ggfs. ein- oder zweifach durch einen Alkylrest
mit 1 bis 6 C-Atomen substituiert ist, bedeuten und für n 0, 1 oder 2 und für m 1
oder 2 stehen, in Form eines Alkali- oder Alkanolaminsalzes zusetzt.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß man dem wäßrigen System
eine Verbindung der Formel I nach Anspruch 1, in der für R¹ und R² Phenyl oder Tolyl
steht und n 0 und m 1 oder 2 bedeuten, zusetzt.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Verbindung
der Formel I nach Anspruch 6 oder 7 in einer Menge von 0,01 bis 5 Gew.%, bezogen auf
das wäßrige System, zusetzt.
9. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Verbindung
der Formel I nach Anspruch 6 oder 7 in einer Menge von 0,1 bis 2 Gew.%, bezogen auf
das wäßrige System, zusetzt.
10. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindung der
Formel I als Korrosionsinhibitoren für Eisen, Aluminium, Zink, Kupfer oder deren Legierungen
dem wäßrigen System mit einem pH-Wert von 8,0 bis 8,8 zugesetzt wird.