[0001] Die Erfindung betrifft neue Riechstofe. Es handelt sich dabei um die Verbindungen
der Formel

worin X für

steht.
[0002] Die Formel I beinhaltet also das 5-Nitro-6-äthyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan (Ia)
und das 6-Nitro-7-äthyl-1,1,4,4-tetramethyl-1,2,3,4-tetrahydro-naphthalin (Ib).
[0003] Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung der Verbindungen I.
[0004] Dieses Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass man eine Verbindung der Formel

worin X obige Bedeutung besitzt, nitriert.
[0005] Die Nitrierung der Verbindungen der Formel II kann in an sich bekannter Weise mit
einem Gemisch von ca. 40 bis 100%iger Salpetersäure und konz. Schwefelsäure bewerkstelligt
werden (siehe z.B. Organikum, Organisch-chemisches Grundpraktikum, 13. Auflage, VEB
Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1974: S. 332 seq., und zwar dort insbesondere
die Angaben betreffend den Aromaten "mittlerer Reaktivität).
[0006] Es hat sich zudem im vorliegenden Fall als zweckmässig erwiesen, die Verbindung II
in einem organischen Lösungsmittel, beispielsweise einem halogenierten Kohlenwasserstoff
wie Dichlormethan, Dichloräthan, etc. oder aber auch in Essigsäure gelöst, vorzulegen.
[0007] Der zweckmässige Temperaturbereich ist derjenige von ca. 0°C bis ca. 30°C und hängt
insbesondere von der Konzentration der Salpetersäure und der Menge der konz. Schwefelsäure
ab.
[0008] Zur Aufarbeitung wird das Reaktionsgemisch zweckmässigerweise entweder a) auf genügend
Wasser gegossen und die auskristallisierten Nitrokörper abgenutscht, oder b) in ein
mit Wasser nicht mischbaren Lösungsmittel aufgenommen, die Lösung neutral gewaschen,
und das Lösungsmittel entfernt. Die so isolierten Nitrokörper können durch Umkristallisieren
gereinigt werden.
[0009] Die Verbindungen der Formel I zeichnen sich durch kräftige, diffusive und sehr natürlich-warme
Noten in Richtung Moschus, mit süssen und pudrigen Geruchsaspekten aus.
[0010] Die Erfindung betrifft demgemäss auch die Verwendung der Verbindungen I als Riechstoffe.
[0011] Die Verbindungen der Formel I eignen sich aufgrund ihrer natürlichen Geruchsnoten
insbesondere zur Modifizierung von bekannten Kompositionen. Hervorgehoben werden soll
insbesondere ihre ausserordentliche Geruchsstärke: Der Geruchsschwellenwert beträgt
0,29 bzw. 0,57 ng/l, der Geruchswert 2983 bzw. 2139. Bezüglich Definition von Geruchswert
und Geruchsschwellenwert siehe z.B. Ulrich A. Huber, Seifen - Oele - Fette - Wachse
110, Nr. 15 (1984) 448-451.
[0012] Die Verbindungen I verbinden sich mit zahlreichen bekannten Riechstoffingredientien
natürlichen oder synthetischen Ursprungs, wobei die Palette der natürlichen Rohstoffe
sowohl leicht- als auch mittel- und schwer-flüchtige Komponenten, und diejenige der
Synthetika Vertreter aus praktisch allen Stoffklassen umfassen kann, wie dies aus
der folgenden Zusammenstellung ersichtlich ist:
-
Naturprodukte, wie Baummoos-Absolue, Basilikumöl, Agrumenöle (wie Bergamotteöl, Mandarinenöl, etc.),
Mastix-Absolue, Myrtenöl, Palmarosaöl, Patchouliöl, Petitgrainöl, Paraguay, Wermutöl,
-
Alkohole, wie Farnesol, Geraniol, Linalool, Nerol, Phenyläthylalkohol, Rhodinol, Zimtalkohol,
-
Aldehyde, wie Citral, Helional®, α-Hexylzimtaldehyd, Hydroxycitronellal, Lilial® (p-tert.Butyl-α-methyl-dihydrozimtaldehyd),
Methylnonylacetaldehyd,
-
Ketone, wie Allyljonon, α-Jonon, β-Jonon, Isoraldein (Isomethyl-α-ionon), Methyljonon,
-
Ester, wie Allyl-phenoxyacetat, Benzyl-salicylat, Cinnamylpropionat, Citronellyl-acetat,
Citronellyl-äthoxolat (Citronellyl . O - CO -CO . OC₂H₅) Decyl-acetat, Dimethylbenzylcarbinyl-acetat,
Dimethylbenzylcarbinyl-butyrat, Aethyl-acetoacetat, Aethyl-acetylacetat, Hexenyl-isobutyrat,
Linalylacetat, Methyl-dihydrojasmonat, Styrallylacetat, Vetiverylacetat,
-
Lactone, wie γ-Undecalacton,
-
verschiedene, in der Parfümerie oft benützte Komponenten, wie Ketonmoschus, Indol, p-Methan-8-thiol-3-on, Methyleugenol.
[0013] Bemerkenswert ist ferner die Art und Weise, wie die Verbindungen I die Geruchsnoten
bekannter Kompositionen abrunden und harmonisieren, ohne aber in unangenehmer Weise
zu dominieren.
[0014] Und bemerkenswert ist schliesslich die ausgezeichnete Löslichkeit der Verbindungen
I, wodurch sich applikatorische Vorteile ergeben.
[0015] Die Verbindungen der Formel I (bzw. deren Gemische) lassen sich in weiten Grenzen
einsetzen, die beispielsweise von 0,1 (Detergentien) - 20% (alkoholische Lösungen)
in Kompositionen reichen können, ohne das diese Werte jedoch Grenzwerte darstellen
sollen, da der erfahrene Parfümeur auch mit noch geringeren Konzentrationen Effekte
erzielen oder aber mit noch höheren Dosierungen neuartige Komplexe aufbauen kann.
Die bevorzugten Konzentrationen bewegen sich zwischen ca. 1 und ca. 10%. Die mit I
hergestellten Kompositionen lassen sich für alle Arten von parfümierten Verbrauchsgütern
einsetzen (Eaux de Cologne, Eaux de Toilette, Extraits, Lotionen, Crèmes, Shampoos,
Seifen, Salben, Puder, Zahnpasten, Mundwässer, Desodorantien, Detergentien, Tabak,
etc.).
[0016] Die Verbindungen I können demgemäss bei der Herstellung von Kompositionen und - wie
obige Zusammenstellung zeigt - unter Verwendung einer breiten Palette bekannter Riechstoffe
bzw. Riechstoffgemische, verwendet werden. Bei der Herstellung solcher Kompositionen
können die oben aufgeführtne bekannten Riechstoffe nach (dem Parfümeur bekannter)
Art und Weise verwendet werden, wie z.B. aus W.A. Poucher, Perfumes, Cosmetics and
Soaps
2, 7. Auflage, Chapman und Hall, London, 1974 hervorgehend.
Beispiel 1
6-Nitro-7-äthyl-1,1,4,4-tetramethyl-1,2,3,4-tetrahydronaphthalin
[0017] 10.8 g 7-Aethyl-1,1,4,4-tetramethyl-1,2,3,4-tetrahydronaphthalin werden in 10 ml
Dichlormethan gelöst und während 70 Minuten bei 3-5°C mit einem Gemisch von 9,3 ml
96%iger Schwefelsäure und 7,7 ml 65%iger Salpetersäure versetzt. Nach 6 Stunden wird
auf Eis gegossen und mit Kochsalzlösung neutral gewaschen. Nach Trocknung und Einengen
des Lösungsmittels verbleiben 12,7 g Kristalle, welche aus Hexan umkristallisiert
werden. Man erhält so 6,63 g 6-Nitro-7-äthyl-1,1,4,4-tetramethyl-1,2,3,4-tetrahydronaphthalin
vom Smp. 51-53°C.
IR (CHCl₃): 1510, 1340 cm⁻¹;
¹H-NMR (400 MHz, CDCl₃): δ (ppm) 1,27 (t,3H); 1,30 (s,12H); 1,70 (s,4H); 2,89 (q,2H);
7,23 (s,1H); 7,87 (s,1H); MS (m/e): 261 (M⁺), 246, 244, 216, 204, 190, 171, 158, 144,
128, 115, 105
Geruch: Moschus-artig, süss, pudrig.
Schwellenwert: 0,57 ng/l,
Geruchswert: 2′139.
Beispiel 2
5-Nitro-6-äthyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan
[0018] 48,0 g Aluminiumchlorid in 150 ml 1,2-Dichloräthan werden bei 20-25°C während 1,5
Stunden mit 56,4 g 1,1,2,3,3-Pentamethylindan und 25,9 g Acetylchlorid versetzt.
Nach 1,5 Stunden wird auf Eis und konz. Salzsäure gegossen und mit Kochsalzlösung
neutral gewaschen. Nach Einengen des Lösungsmittels verbleiben 80,5 g Rohprodukt.
Nach der Destillation (Sdp. 102°C bei 0,05 mbar) erhält man 48,6 g 5-Acetyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan.
IR (CHCl₃): 1675, 1600, 1570 cm⁻¹,
¹H-NMR (400 MHz, CDCl₃): δ (ppm) 1,01 (d,3H); 1,08 (s,3H); 1,09 (s,3H); 1,29 (s,3H);
1,32 (s,3H); 1,90 (q,1H); 2,59, (s,3H); 7,23 (d,1H); 7,78 (s,1H); 7,82 (d,1H);
MS (m/e): 230 (M⁺), 215, 201, 185, 173, 159, 141, 128, 115, 105
[0019] 30 g 5-Acetyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan werden in 150 ml Aethanol gelöst und mit
3,0 g 5% Palladium/Kohle bei Raumtemperatur und Normaldruck hydriert. Man erhält so
28,0 g Rohprodukt, welche nach Destillation (Sdp. 72°C bei 0,18 mbar) 27,5 g 5-Aethyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan
ergeben.
¹H-NMR (400 MHz, CDCl₃): δ (ppm) 0,99 (d,3H); 1,06 (s,3H); 1,07 (s,3H); 1,27 (s,3H);
1,28 (s,3H); 1,25 (t,3H); 1,87 (q,1H); 2,65 (q,2H); 6,98 (s,1H); 7,04 (d,1H); 7,08
(d,1H);
MS (M/e): 216 (M⁺), 201, 187, 173, 159, 145, 131, 117, 105
10,8 g 5-Aethyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan werden in 10 ml Dichlormethan gelöst
und während 45 Minuten bei einer Temperatur von 3-5°C mit einem Gemisch von 9,3 ml
96%iger Schwefelsäure und 7,7 ml 65%iger Salpetersäure versetzt. Nach 7 Stunden wird
auf Eis gegossen und mit Kochsalzlösung neutral gewaschen. Nach Trocknung und Einengen
des Lösungsmittels verbleiben 13,3 g Kristalle, welche aus Hexan umkristallisiert
werden. Man erhält so 5,5 g 5-Nitro-6-äthyl-1,1,2,3,3-pentamethylindan vom Smp. 63-66°C.
IR (CHCl₃): 1515, 1350 cm⁻¹,
¹H-NMR (400 MHz, CDCl₃): δ (ppm) 1,02 (d,3H); 1,09 (s,6H); 1,28 (t,3H); 1,29 (s,6H);
1,90 (q,1H); 2,90 (q,2H); 7,07 (s,1H); 7,67 (s,1H);
MS (m/e): 261 (M⁺), 246, 244, 232, 216, 200, 185, 174, 158, 144, 129, 115, 105
Geruch: moschus-artig,
Schwellenwert: 0,29 ng/l,
Geruchswert: 2′983.
Beispiel 3