[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen glatten, schmelzgesponnenen, multifilen
Elastomerfaden aus Polyurethanen mit einer Härte von 80 bis 95° Shore sowie dessen
Verwendung.
[0002] Die Herstellung von schmelzgesponnenen elastomeren Polyurethanfäden, welche aus mindestens
85 Gew.-% segmentierten Polyurethanen bestehen, ist bekannt. Solche Fäden waren wegen
des Verklebens nach dem Spinnen jedoch praktisch nicht verwertbar. Eine Abhilfe wurde
durch chemische Abwandlung des Polyurethans erzielt.
[0003] Ein solches Verfahren, in welchem auf chemischem Weg die Verklebung von extrudierten
Endlosfäden reduziert werden konnte, ist bekannt (DE-A-22 04 470).
[0004] In dem bekannten Verfahren werden Polyimide in die Polymerkette eingebaut oder der
Polymerschmelze zugefügt. Die mit dem erhaltenen Polymer erzeugten Endlosfäden müssen
mit sehr niedrigen Geschwindigkeiten aufgewickelt und in einem zweiten Arbeitsgang
verstreckt werden. Über die Eigenschaften der erhaltenen Fäden werden keine Angaben
gemacht.
[0005] Abgesehen davon, dass die Zugabe von Additiven eine Erniedrigung des Molekulargewichtes
bewirkt, womit ein Absinken der Schmelzviskosität einhergeht, was wiederum die elastischen
Eigenschaften, die Reissdehnung und Festigkeit eines resultierenden Garnes nachteilig
beeinflusst, ist eine Produktivität mit den um 160 m/min genannten Aufspulgeschwindigkeiten
unzureichend und unwirtschaftlich.
[0006] Aus der DE-A-19 44 507 ist ein mehrstufiges Verfahren bekannt, welches die Klebrigkeit
von elastomeren Polyurethan-Fäden beim Spinnprozess vermindert. In diesem Verfahren
wird in einer ersten Stufe schmelzextrudiert, der erhaltene Faden durch Abschrecken
verfestigt und in einer zweiten Stufe um mindestens 30 % verstreckt und in einer weiteren
Stufe um mindestens 50 % vor dem Aufwickeln relaxiert. Es wird in einer theoretischen
Betrachtung ausgeführt, dass im Falle eines kleinen Entspannungsverhältnisses, d.h.
bei einer rascheren Aufwickelgeschwindigkeit die Klebrigkeit des Fadens zunimmt.
[0007] Nach diesem Verfahren wird der schmelzgesponnene Faden verdehnt und anschiessend
wieder relaxiert.-Der Verfahrensablauf deutet darauf hin, dass auf der Abzugsgalette
bereits der fertiggestellte, völlig erkaltete Elastomerfaden vorliegt. Dieser zeigt
die typischen Eigenschaften eines Polyurethanelastomeren; er lässt sich nicht mehr
im eigentlichen Sinne verstrecken, aufgrund seiner hohen Elastizität wohl aber stark
verdehnen, wobei diese Dehnung reversibel ist. Der Verdehnungsprozess gemäss DE-A-1944507,
bleibt ohne grossen Einfluss auf die Fadeneigenschaften.
[0008] Alle Versuche, elastomere Polyurethanfäden unter wirtschaftlichen Bedingungen, d.h.
bei höheren Spinngeschwindigkeiten durch Spinnen aus einer Schmelze herzustellen,
sind bisher daran gescheitert, dass die extrudierten Filamente zusammenkleben sobald
die Spinngeschwindigkeit über ein bestimmtes Mass erhöht wird.
[0009] Es wurde nun in überraschender Weise, entgegen der allgemeinen Lehre gefunden, dass
die bekannte Klebrigkeit der Fäden aufeinander und der Fibrillen untereinander vermieden
werden und ein hochmoduliger und besser verarbeitbarer Faden hergestellt werden kann,
wenn man das Polymer und die Streckbedingungen so auswählt, dass eine irreversible
Verstreckung einsetzt, und wenn man auf eine Entspannung/Relaxation ganz verzichtet,
und schliesslich die Abzugsgeschwindigkeit zusätzlich erhöht.
[0010] Ein Abschrecken der Fäden nach dem Schmelzspinnen stellt eine weiteren aufwendigen
Verfahrensschritt dar und bedingt andere Fadeneigenschaften.
[0011] Durch die hohen Aufspulgeschwindigkeiten bei hohen Spinntemperaturen kann die Wirtschaftlichkeit
stark erhöht werden. Dabei können sehr feinfibrillige Fäden hergestellt werden.
[0012] Als Polyurethane zur Herstellung der erfindungsgemässen Elastomerfaser sind bevorzugt
solche geeignet, welche extrudierbar sind und aus einem aromatischen Diisocyanat,
beispielsweise 4,4′-Diphenyl-Methandiisocyanat (MDI) und einem linearen Polyether
z.B. Polytetramethylenglykol oder einem aliphatischen Polyester, beispielsweise Polybutylenadipat
oder Polycaprolactondiol. Geeignet sind auch Blockpolymere aus einem cycloaliphatischen
Diisocyanat wie Hexahydro-MDI und einem linearen segmentierten Polyether, welche bekannterweise
besonders für medizinische Einsätze geeignet sind. Der Erweichungspunkt des geeigneten
Polyurethans liegt zwischen 180 bis 130°C, die Härte beträgt 80 bis 95° Shore A und
die Dichte 1,1 bis 1,25 g/cm³. Diese Härte spielt für die Klebrigkeit des Polyurethanfadens
eine wichtige Rolle.
[0013] Verwandte PUR hie die Polyether- oder Polyetherester- oder Polyesteramin-urethane
können, sofern sie eine ausreichende Schmelzstabilität aufweisen, ebenfalls eingesetzt
und schmelzgesponnen sowie zu elastischen Fäden verarbeitet werden.
[0014] Aufgabe der Erfindung ist es, einen hochmoduligen, hochfesten, multifilen elastischen
Faden, dessen Fibrillen untereinander nicht verklebt sind, durch Schmelzspinnen wirtschaftlich
herzustellen.
[0015] Die Aufgabe wird erfindungsgemäss nach Anspruch 1 gelöst durch einen Modul von 10
- 40 cN/tex und eine Bruchdehung von 80 bis 300 %, bezogen auf die Länge des ungedehnten
Fadens.
[0016] Nach dem erfindungsgemässen Verfahren ist es in überraschender Weise gelungen, aus
einer Schmelze gesponnene, aufwickelbare, multifile Elastomerfäden mit einem hohen
Anfangsmodul herzustellen, deren Einzelfibrillen untereinander nicht verklebt sind.
Es wird in einem integrierten einstufigen Verfahren, d.h. unmittelbar nach dem Spinnen
der Fäden mit bekannten Einrichtungen verstreckt aufgespult, ohne dass ein weiterer
Verfahrensschritt wie beispielsweise Relaxieren erforderlich ist.
[0017] Der resultierende glatte, elastische Faden ist unmittelbar nach dem Aufwickeln zur
Weiterverarbeitung geeignet. Er hat gegenüber den bekannten Elastomeren den Vorteil,
dass er direkt ohne Umspinnen eingesetzt werden kann.
[0018] In einer bevorzugten Weise wird das Verfahren so ausgeführt, dass das Polyurethan-Granulat
zunächst bei 190 bis 240°C geschmolzen und extrudiert wird. Die Geschwindigkeit der
Aufspulung soll wenigstens 600 m/min, bevorzugt mehr als 900 m/min betragen, wodurch
ein Verstreckungsverhältnis von wenigstens 1,5 vorliegen soll. Da das Verstrecken
und Aufspulen unmittelbar nach dem Abzug des gesponnenen Fadens erfolgt, kann der
Vorgang praktisch als simultan, gleichzeitig oder Spinnstrecken bezeichnet werden.
[0019] Auf einem ersten Rollenpaar ist der Faden noch nicht vollständig erkaltet, was eine
tatsächliche Verstreckung in der Streckzone noch erlaubt. Diese Verstreckung und damit
auch grössere Molekülorientierung in den Fäden äussert sich dann auch durch niedrige
Bruchdehnung und hohen Kochschrumpf und insbesondere stark erhöhten Modul. Die Orientierung
der Moleküle in der Abzugszone hängt erwartungsgemäss von der Abzugsgeschwindigkeit
und aufgrund der stark temperaturabhängigen Viskosität der Polymeren auch in hohem
Mass von der Spinntemperatur ab. Ist die Vororientierung zu gering, lässt sich der
Modul nicht mehr auf höchste Werte steigen.
[0020] Das Aufspulen erfolgt vorzugsweise spannungslos.
[0021] Dieser hochmodulige, spinngestreckte Faden lässt sich gut zu einem Flächengebilde
verarbeiten. Um starke Dimensionsverluste des Flächengebildes in der Ausrüstung zu
vermeiden, ist es zweckmässig, dieses vor der Ausrüstung zu fixieren. Die Wahl der
Fixierbedingungen erlauben eine Steuerung der resultierenden Elastizität der Ware.
Aufgrund des vorliegenden Schrumpfes eignet sich der erfindungsgemässe Faden insbesondere
auch für Formfixirungen.
[0022] Das Flächengebilde kann aber auch in Wasser von höchstens 130°C, vorteilhaft jedoch
bei Temperaturen unter dem Siedepunkt des Wassers, beispielsweise 94 bis 100°C, getempert
werden.
[0023] Es ist ebenfalls zweckmässig, den verstreckten Elastomerfaden vor der Verarbeitung
zu tempern, um ihm die gewünschte Elastizität zu verleihen.
[0024] Das Tempern erfolgt bevorzugt mittels Dampf, Heisswasser oder beheizten Metallflächen.
Um eine ausreichende Dimensionsstabilität zu garantieren, soll das Tempern bei Temperaturen
>90°C erfolgen.
[0025] Vor dem Tempern weist der Elastomerfaden einen Modul von 10-40, bevorzugt >20, insbesondere
20 bis 40 cN/tex, eine Bruchdehnung von 80 bis 300 %, bevorzugt von 90 bis 200 % auf,
bezogen auf die Länge des ungedehnten Fadens. Der verstreckte Elastomerfaden weist
bis zur Bruchdehnung eine vollständig reversible Elastizität auf.
[0026] Nach dem Tempern erhält der erfindungsgemässe gummielastische Elastomerfaden je nach
Art und Temperatur der Behandlung eine Reissdehnung von 100 bis 800 %, insbesondere
von 300 bis 600 %, bevorzugt von etwa 400 %, bezogen auf die Länge des ungedehnten
Fadens auf (s. Tabelle 1 und 2).
[0027] Der spinngestreckte Elastomerfaden ist zweckmässig bis zur Reissgrenze nahezu vollständig
reversibel elastisch.
[0028] Bevorzugte Anwendungsgebiete des erfindungsgemässen gummielastischen Elastomerfadens
sind textile Flächengebilde. Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen, den erfindungsgemässen
Elastomerfaden zusammen mit wenigstens einem anderen nicht-elastischen Faden aus synthetischen
oder natürlichen Fasern zu einem elastischen Flächengebilde zu verarbeiten.
[0029] Die Erfindung soll anhand von Zeichnungen und Beispielen näher erläutert werden.
[0030] Es zeigen:
Fig. 1 ein schematisches Fliessbild des Spinn-streck-Verfahrens
Fig. 2 Kraft-Dehnungsdiagramme
Fig. 3 Hysteresekurven
[0031] In der Figur 1 ist mit dem Bezugszeichen 1 ein Spinnblock mit Spinndüsen dargestellt.
Ein Bündel von Fibrillen 2 wird an einem Ensimagestift oder einer rolle 3 zu einem
Faden 2′ zusammengefasst und über eine Galette 4 und eine Trennrolle 4′ geführt, welche
zusammen das Rollenpaar 4, 4′ bilden. Ein weiteres Rollenpaar 5, 5′ besteht aus einer
Galette 5 und einer Trennrolle 5′. Mit 6 ist eine Spule mit einer Antriebswalze 7
bezeichnet.
[0032] In Fig. 2 zeigt die Kurve 1 den kalt-spinngestreckten Faden. Kurven 2 bis 4 geben
die Kraft-Dehnung des gleichen Fadens bei verschiedenen Temperaturen getempert wieder;
Kurve 2 bei 40°C, Kurve 3 bei 60°C und Kurve 4 bei 98°C in Wasser.
[0033] In Fig. 3 wird die Hysteresekurve 1 des spinngestreckten Fadens und Hysteresekurve
2 des spinngestreckten Fadens zusätzlich bei 98°C in Wasser behandelt, wiedergegeben.
[0034] Wie aus dem Unterschied der Kurven vor und nach der thermischen Behandlung ersichtlich
ist, resultiert eine bei annähernd gleicher Reisskraft, höhere Elastizität.
[0035] Zwei Ausführungsbeispiele sollen die Erfindung weiter erläutern.
Beispiel 1
[0036] 10 kg eines thermoplastischen Polyurehtans von GOODRICH, Estane 54351 hergestellt
ab einem aromatischen Diisocyanat, einem Polycaprolactonmakrodiol und Butandiol mit
einer Härte von 84° Shore A, einem Erweichungspunkt von 185°C, einer Dichte von 1,15
g/cm³ werden zuerst bei 60°C während 8h und ca. 50 mbar, dann bei 90°C während 24h
und bei Hochvakuum auf eine Restfeuchtigkeit von 0,01 % getrocknet, wobei eine Grenzviskosität
von 1,80, gemessen in einem Lösungsmittelgemisch von 1:1 Phenol/Tetrachlorethan mit
einem Ubbelohde-Viskosimeter bei 25°C und Konzentration von 0,4 %, resultiert.
[0037] Zur Verbesserung der Lichtbeständigkeit können UV-Absorber des Typs Tinuvin® von
CIBA GEIGY einpolymerisiert oder dem Granulat aufgepudert werden. Zur Verbesserung
der elastischen Eigenschaften und des Glanzes können Füllstoffe wie TiO₂, SiO₂, eingesetzt
werden.
[0038] Zur Fadenherstellung wird das Granulat unter Sauerstoffausschluss in einem Extruder
z.B. bei 210°C aufgeschmolzen, durch ein 10 µm Filtersieb und durch den Spinnblock
1 mit einer Spinndüse mit acht Löchern bei einem Vordruck von 60 bar gepresst und
in einem Spinnstreckprozess zu einem Multifilament dtex 41 f 8 versponnen. Dazu werden
die einzelnen Filamente 2 in einem nicht gezeigten Blasschacht mit Luft von 40 mm
Wasaersäule abgekühlt und mittels Ensimagestift 3 zusammengeführt und geölt. Die Spinngeschwindigkeit,
gegeben durch die Galette 4, beträgt 600 m/min. Nach fünf Umschlingungen auf dem Rollenpaar
4, 4′ wird der Faden 2′ auf das zweite Rollenpaar 5, 5′ mit fünf Umschlingungen geführt
und 2,1 Mal kalt verstfeckt. Die kalten Rollen 4, 5 mit glatter Oberfläche werden
mit nicht gezeigten Elektromotoren und die Gegenrollen 4′ und 5′ mit Luft angetrieben.
Dadurch bleibt die Reibung resp. die Fadenspannung so niedrig, dass der Faden 2′ nicht
verzogen wird. Mittels einer angetriebenen Walze 7 wird der Faden 2˝ auf eine Spule
bei einer Aufspulgeschwindigkeit von 1250 m/min spannungslos aufgewickelt.
[0039] Die Fadenherstellung erfolgt gemäss Fig. 1 nach dem Spinn-streck-Verfahren.
Beispiel 2
[0040] 10 kg eines thermoplastischen Polyurethans ebenfalls auf Polyesterbasis von GOODRICH,
Estane 58277, welches für medizinische Einsätze geeignet ist, mit einer Härte von
93° Shore A, einem Erweichungspunkt von 185°C und einer Dichte von 1,19 g/cm³, wurde
gemäss Beispiel 1 gesponnen und gleichzeitig verstreckt.
[0041] In den folgenden Tabellen 1 und 2 sind die Fadeneigenschaften der Beispiele 1 und
2 zusammengefasst.

[0042] Der erfindungsgemässe Faden 2˝ zeigt die Eigenschaften gemäss der Tabelle, 1. Kolonne.
Seine Festigkeit beträgt 25 cN/tex, seine Bruchdehnung 145 % und der Kochschrumpf
61 % bezogen auf die Länge des ungedehnten Fadens.

[0043] Der Faden kann auch gut aufgespult werden. Er zeigt keine Verklebungstendenz. Eine
mikroskopische Queraufnahme zeigt, dass die einzelnen Filamente voneinander gut getrennt
sind und den erwünschten runden Querschnitt aufweisen.
[0044] Dieser Faden zeigt, wenn er einer Wärmebehandlung z.B. 2 min in heissem Wasser unterworfen
wird, die Eigenschaften gemäss Kolonne 2 bis 5 der Tabelle. Bei der Bruchdehnung in
siedendem Wasser (Kolonne 5) steigt die Bruchdehnung auf 490 %. Die elastischen Eigenschaften
sind mit jenen der zusammengeklebten, multifilen, kommerziell erhältlichen nassgesponnenen
Polyurethanfasern vergleichbar.
Beispiele 3 und 4
[0045] 10 kg des thermoplastischen Polyurethans von Beispiel 1 wurden nach unserem Spinnstreckverfahren
bei einem Abzug von 600 m bzw. 1600 m/min bei verschiedenen Spinntemperaturen spinngestreckt.

[0046] Wie diese Beispiele zeigen, ist die mögliche Spinngeschwindigkeit stark von der Polymerviskosität
und somit von der Spinntemperatur abhängig. Bei der höheren Temperatur von Beispiel
4 kann die Abzugsgeschwindigkeit und somit die Wirtschaftlichkeit der Fadenherstellung
stark erhöht werden.
[0047] Der spinngestreckte Originalfaden kann z.B. zusammen mit einem Polyamid dtex 33 f
10 zu einem Flächengebilde gestrickt werden. Nach dem Fixieren oder nach einer Wärmebehandlung,
z.B. Färben, dieses Gestricks kann das Erzeugnis zu einem gummielastischen Flächengebilde
in bekannter Weise verarbeitet werden.
[0048] Als besondere Anwendungsgebiete seien noch genannt medizinische Stützstrümpfe, elastische
Bänder, Sportbekleidung, Badehose, Strumpfhose (feine Titer), elastische Filter, elastische
Artikel für die Bekleidungsindustrie sowie für die Herstellung von elastischen Artikeln
für die Medizin oder Chirurgie, insbesondere für Prothesen.