[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung und auf ein Verfahren zum Auswerten
der Betriebsdaten einer Wickelmaschine, insbesondere einer Schär- oder Zettelmaschine.
Es ist bereits bekannt, die teilweise sehr komplizierten Betriebsabläufe an derartigen
Maschinen mit Hilfe eines Prozessors zu steuern. Die Vielzahl der zu überwachenden
Daten und die notwendige Beeinflussung von Maschinenelementen kann dem Bedienungspersonal
wegen der erforderlichen Qualifikation nicht mehr zugemutet werden. Die Aufgabe des
Bedienungspersonals besteht weitgehend nur noch darin, bestimmte Steuerbefehle in
den Prozessor einzugeben und den Betriebsablauf visuell zu überwachen. Die übrigen
Aufgaben zur Steuerung der Maschine werden durch elektrische, elektronische, elektromechanische
und mechanische Mittel übernommen.
[0002] Die DE-A-34 32 276 der Anmelderin beschreibt ein Verfahren zum Steuern des Schärschlittens
einer Schärmaschine. Die Schlittenbewegung wird dabei durch einen Prozessor gesteuert,
der gleichzeitig die Aufgabe hat, die gespeicherten Soll-Daten mit den während einer
Messphase ermittelten Ist-Daten zu vergleichen und auf diese Weise eine Fehlerkorrektur
vorzunehmen.
[0003] Ein Problem bei bekannten Vorrichtungen besteht nach wie vor darin, dass Fehler auftreten
können, die vom Bedienungspersonal selbst nicht behoben werden können. Es ist daher
in diesen Fällen erforderlich, dass ein Fachmann des Lieferanten angefordert werden
muss, der den Fehler analysiert und beseitigt. Da zwischen dem Standort der Maschine
und demjenigen des Lieferanten oft beträchtliche Distanzen liegen können, muss mit
längeren Wartezeiten gerechnet werden, während denen die Maschine still steht. Ausserdem
steht qualifiziertes Fachpersonal auch beim Lieferanten nicht unbeschränkt zur Verfügung.
In vielen Fällen stellt sich zudem heraus, dass die Fehlerquelle in geringfügigen
Kleinigkeiten zu suchen ist, wie z.B. ein falsch umgelegter Schalter, ein nicht richtig
programmierter Betriebsablauf usw., was das Erscheinen des Spezialisten nicht erforderlich
gemacht hätte.
[0004] Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung bzw. ein Verfahren der
eingangs genannten Art zu schaffen, womit die Betriebsdaten der Wickelmaschine auch
über grössere Distanzen ausgewertet werden können. Die Fehlerdiagnose soll möglicherweise
für mehrere Maschinen von einem zentralen Ort aus erfolgen können, ohne dass Wartungspersonal
die Maschine überprüft. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss mit einer Vorrichtung
mit den Merkmalen von Anspruch 1 bzw. mit einem Verfahren mit den Merkmalen von Anspruch
5 gelöst. Der Ausgangsstecker an der Wickelmaschine erlaubt das Abrufen aller gemessenen
Betriebsdaten, die in der Regel in der Form von analogen Signalen anfallen. Diese
Signale können nun in der Datensender-Uebertragungseinrichtung für die Uebertragung
in der Uebertragungsleitung über grössere Distanzen aufbereitet werden. Die Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung
wandelt die empfangenen Signale um und speist sie in die beim Lieferanten vorhandene
Datenvergleichseinrichtung ein. Die Distanz zwischen dem Standort der Maschine und
demjenigen der Datenvergleichseinrichtung spielt dabei praktisch keine Rolle mehr.
Als Uebertragungsleitung kann das öffentliche Telefonnetz verwendet werden oder es
kann sich um eine fest installierte Leitung handeln, welche ausschliesslich zum Zwecke
der Datenübertragung eingesetzt wird. Die Fehlerauswertung erfolgt an der Datenvergleichseinrichtung,
indem Abweichungen von den Ist-Betriebsdaten mit den dort gespeicherten Soll-Betriebsdaten
auf geeignete Weise angezeigt werden. Der Fachmann, welcher diese Datenauswertung
an der Datenvergleichseinrichtung überwacht, ist nun in der Lage, aufgrund der angezeigten
Daten dem Bedienungspersonal bei der Maschine fernmündlich oder fernschriftlich Korrekturanweisungen
zu erteilen.
[0005] Die Vorrichtung kann noch dadurch optimiert werden, dass die Datenvergleichseinrichtung
wahlweise an die Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung oder direkt an den Ausgangsstecker
anschliessbar ist. Auf diese Weise kann eine tragbare Datenvergleichseinrichtung
unter Ausschaltung der Uebertragungsleitung direkt an der Maschine angeschlossen
werden um den gleichen Vergleich zwischen Ist- und Soll-Betriebsdaten vorzunehmen.
[0006] Schliesslich kann eine weitere Datenvergleichseinrichtung sowohl an den Ausgangsstecker
als auch an die Datensender-Uebertragungseinrichtung anschliessbar sein, wobei von
der Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung die Soll-Betriebsdaten auf die weitere
Datenvergleichseinrichtung übertragbar sind. Die Uebertragungsleitung wird in diesem
Falle nur dazu verwendet, um die Soll-Betriebsdaten in die Datenvergleichseinrichtung
zu übermitteln, welche direkt am Ausgangsstecker der Maschine angeschlossen ist. Ersichtlicherweise
werden in einem derartigen Fall die Ist-Betriebsdaten nicht an der Datenvergleichseinrichtung
ausgewertet, welche am Ende der Uebertragungsleitung angeordnet ist, sondern an derjenigen,
welche direkt an der Maschine angeschlossen ist.
[0007] Weitere Einzelmerkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Zeichnungen
und aus der nachstehenden Beschreibung. Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in
den Zeichnungen dargestellt und werden nachstehend genauer erläutert. Es zeigen:
Figur 1 Die erfindungsgemässe Anordnung in schematischer Darstellung,
Figur 2 einen direkten Anschluss der Datenvergleichseinrichtung an der Maschine und
Figur 3 einen direkten Anschluss gemäss Figur 2, jedoch mit Einspeisung der Soll-Betriebsdaten
über die an sich vorhandene Uebertragungsleitung.
[0008] In Figur 1 ist eine Schäranlage 1 dargestellt, welche aus der Schärmaschine 2 und
dem Schärgatter 3 besteht. Anstelle der Schäranlage könnte es sich auch um eine andere
Wickelanlage wie z.B. um eine Zettel- oder Schlichtanlage handeln.
[0009] Von den auf dem Schärgatter 3 aufgesteckten Spulen 4 werden die Fäden 5 auf an sich
bekannte Weise durch einen Fadenspanner 6 zur Erzeugung einer definierten Fadenspannung
gezogen, gelangen anschliessend durch einen Fadenwächter 7 zum Kreuzriet 8 bzw. zum
Schärriet 9 und werden anschliessend als Schärband 10 auf der Schärtrommel 11 entlang
dem Konus 11a auf dem zylindrischen Teil 11b der Schärtrommel aufgewickelt. Dieser
Aufwickelvorgang ist beispielsweise in der eingangs erwähnten DE-A-34 32 276 beschrieben.
Das Aufwickeln einer Mehrzahl solcher Schärbänder 10 stellt bereits grosse Anforderungen
an die Maschinensteuerung um z.B. eine gleiche Länge aller Bänder, eine gleiche Fadenspannung
aller Fäden, ein gleicher Auftrag aller Bänder usw. zu erzielen.
[0010] Nach dem durchgeführten Schären folgt der Bäumprozess, in dem alle aufgewickelten
Bänder gemeinsam von der Schärtrommel 11 abgewickelt und auf den Kettbaum 12 in der
Baumvorrichtung 13 aufgewickelt werden. Auch hier sind wiederum mehrere textiltechnische
Forderungen zu erfüllen, wie z.B. gleichmässiger Bäumzug, konstante Bäumgeschwindigkeit
usw. Neben dem bereits vorhandenen Betriebsprogramm für den Ablauf des Schär- und
Bäumprozesses, werden prozessspezifische Daten an den Eingabestationen 25 und 26
über eine Tastatur in den vorhandenen Prozessor eingegeben.
[0011] Alle Betriebsdaten der Schärmaschine wie z.B. Drehzahl der Schärtrommel 11, gemessene
Fadenspannung usw. werden laufend ermittelt bzw. abgespeichert und gelangen als analoge
Signale an den Ausgangsstecker 14. An diesen Stecker kann nun eine Datensender-Uebertragungseinrichtung
15 angeschlossen werden, die im vorliegenden Fall ein als Akustikkoppler ausgebildetes
Modem ist. Mit Hilfe der kundenseitigen Telefonstation 16 wird über das öffentliche
Fernsprechnetz eine Verbindung zur lieferantenseitigen Telefonstation 18 hergestellt.
Letztere ist ebenfalls mit einer als Modem ausgebildeten Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung
19 verbunden. Das Modem 19 wiederum ist mit der Datenvergleichseinrichtung 20 verbunden,
die z.B. als tragbare Rechnereinheit ausgebildet sein kann.
[0012] Die Soll-Betriebsdaten, welche beim Kunden bei der Herstellung der Schärmaschine
2 eingegeben wurden, sind beim Lieferanten auf einem Datenträger 22 ebenfalls vorhanden.
Die in die Datenvergleichseinrichtung 20 eingespeisten Ist-Betriebsdaten 21 werden
nun mit den dort gespeicherten Soll-Betriebsdaten 23 verglichen, wobei Abweichungen
als Fehleranzeige 29 angezeigt werden. Die Fehleranzeige 29 kann beispielsweise auf
einem Bildschirm dargestellt oder auf einem Drucker ausgedruckt werden.
[0013] Die Datenvergleichseinrichtung 20 ist mit einer Eingabetastatur 28 versehen, über
welche prozessspezifische variable Grössen wie z.B. Fadenstärke, Anzahl Fäden, Kettlänge
usw. eingegeben werden können. Es handelt sich dabei um die Daten, die vor jedem Arbeitsbeginn
auch an den Eingabestationen 25 und 26 einzugeben sind. Diese Daten können vom maschinenseitigen
Bedienungspersonal über eine zweite Telefonstation 24 an der Maschine bzw. 27 beim
Lieferanten dem Fachmann mitgeteilt werden, der an der Datenvergleichseinrichtung
20 die Datenauswertung vornimmt. In einem derartigen Fall würde über die Uebertragungsleitung
17 nur die Uebertragung der nicht prozessspezifischen Daten erfolgen. Es wäre aber
auch denkbar, dass die an den Eingabestationen 25 und 26 eingegebenen prozessspezifischen
Daten ebenfalls über den Ausgangsstecker 14 abrufbar sind.
[0014] Das lieferantenseitige Fachpersonal ist nun in der Lage, aus der Fehleranzeige 29
eine Diagnose über das Maschinenverhalten zu stellen, so dass den Maschinenbedienern
mitgeteilt werden kann, welche Elemente defekt sind, ausgewechselt werden müssen
oder neu zu justieren sind. Diese Fehleranzeige bezieht sich nicht nur auf den elektronischen
Teil, sondern sie erlaubt auch die Ueberwachung von elektromechanischen Einheiten
wie Schalterfunktionen, Schalterstellungen, sowie die elektropneumatische oder elektrohydraulische
Systemüberwachung. Es kann festgestellt werden, ob Baueinheiten wie z.B. Schalter,
Relais, ganze Printplatten usw. ausgetauscht werden müssen. Ersichtlicherweise können
so sofort nach dem Auftreten einer Störung beim grössten Teil aller Störfälle ohne
grossen Kosten die richtigen Massnahmen getroffen werden.
[0015] In Figur 2 ist schematisch dargestellt, wie die Datenvergleichseinrichtung 20 unter
Umgehung der Uebertragungsleitung 17 auch direkt an den Ausgangsstecker 14 angeschlossen
werden kann. Diese Anschlussmöglichkeit erlaubt es, dem beim Kunden anwesenden lieferantenseitigen
Fachmann, die Datenauswertung unmittelbar an Ort und Stelle selbst vorzunehmen. Ohne
detaillierte Untersuchung der Schärmaschine 2 kann so die gleiche Datenauswertung
vorgenommen werden, wie über viele Kilometer mit Hilfe der Uebertragungsleitung 17.
Voraussetzung ist allerdings, dass der Datenträger 22 mit den Soll-Betriebsdaten
23 ebenfalls vorhanden ist.
[0016] Für den Fall, dass dieser Datenträger mit den Soll-Betriebsdaten an Ort und Stelle
nicht vorhanden ist, kann die am Ausgangsstecker 14 angeschlossene Datenvergleichseinrichtung
20′ auch noch mit dem maschinenseitigen Modem 15 verbunden werden, um diese Daten
von der Datenvergleichseinrichtung 20 am Ende der Uebertragungsleitung 17 abzurufen.
Diese Anschlussmöglichkeit ist in Figur 3 dargestellt. Der Vergleich der Soll-Betriebsdaten
23 mit den Ist-Betriebsdaten 21 findet in der maschinenseitig angeschlossenen Datenvergleichseinrichtung
20′ statt.
[0017] Während der Auswertung der Betriebsdaten wird der Arbeitsprozess an der Schärmaschine
2 vorzugsweise eingestellt. Um dem Personal anzuzeigen, dass eine Datenauswertung
vorgenommen wird, kann dies beispielsweise an einem Display 30 automatisch angezeigt
werden. Störungen im Betriebsablauf können ausserdem automatisch eine Datenübermittlung
zur Datenvergleichseinrichtung 20 auslösen. Auch eine periodische Datenübermittlung
bei normalem Betriebsablauf zu bestimmten Zeiten wäre ohne weiteres denkbar, damit
die Betriebsabläufe an der Datenvergleichseinrichtung routinemässig überprüft werden
können.
1. Vorrichtung zum Auswerten der Betriebsdaten einer Wickelmaschine (2), insbesondere
einer Schär- oder Zettelmaschine, bei der eine Mehrzahl von Fäden (5) von Spulen
(4) abwickelbar und auf einen Baum (12) aufwickelbar sind, mit Mitteln (25, 26) zum
Steuern der Betriebsabläufe und mit Mitteln zum Erfassen der Betriebsdaten, welche
mit einem Ausgangsstecker (14) an der Wickelmaschine in Wirkverbindung stehen, sowie
mit einer, an den Ausgangsstecker (14) anschliessbaren Datensender-Uebertragungseinrichtung
(15) für die Eingabe der Betriebsdaten in eine Uebertragungsleitung (17) und mit einer
Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung (19) am Ende der Uebertragungsleitung für
die Eingabe der Betriebsdaten in eine Datenvergleichseinrichtung (20) in der die übermittelten
Ist-Betriebsdaten (21) mit gespeicherten Soll-Betriebsdaten (23) vergleichbar sind.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenvergleichseinrichtung
(20) wahlweise an die Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung (15) oder direkt an
den Ausgangsstecker (14) anschliessbar ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine weitere Datenvergleichseinrichtung
(20′) sowohl an den Ausgangsstecker (14) als auch an die Datensender-Uebertragungseinrichtung
(15) anschliessbar ist und dass von der Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung (19)
die Sollbetriebsdaten (23) auf die weitere Datenvergleichseinrichtung (20′) übertragbar
sind.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die
Datenübertragungseinrichtung für Sender und Empfänger Modem's sind.
5. Verfahren zum Auswerten der Betriebsdaten einer Wickelmaschine (2), insbesondere
einer Schär- oder Zettelmaschine, bei der eine Mehrzahl von Fäden (5) von Spulen
(4) abgewickelt und auf einen Baum (12) aufgewickelt werden und bei der die Betriebsabläufe
durch vorprogrammierte Mittel (25, 26) gesteuert werden, dadurch gekennzeichnet,
dass die Betriebsdaten erfasst werden und einer Datensender-Uebertragungseinrichtung
(15) zugeführt werden, und von dort mittels einer Uebertragungsleitung (17) einer
Datenempfänger-Uebertragungseinrichtung (19) übermittelt werden, welche die Betriebsdaten
in eine Datenvergleichseinrichtung (20) einspeist und dass die Datenvergleichseinrichtung
(20) die empfangenen Ist-Betriebsdaten (21) mit gespeicherten Soll-Betriebsdaten
(23) vergleicht und Abweichungen aufzeigt.
6. Verfahren zum Auswerten der Betriebsdaten einer Wickelmaschine (2), insbesondere
einer Schär- oder Zettelmaschine, bei der eine Mehrzahl von Fäden (5) von Spulen
(4) abgewickelt und auf einen Baum (12) aufgewickelt werden und bei der die Betriebsabläufe
durch vorprogrammierte Mittel (25, 26) gesteuert werden, dadurch gekennzeichnet,
dass die Betriebsdaten erfasst werden und in eine Datenvergleichseinrichtung (20)
eingespeist werden und dass die Datenvergleichseinrichtung an eine Uebertragungsleitung
angeschlossen ist und dass über die Uebertragungsleitung Soll-Betriebsdaten in die
Datenvergleichseinrichtung eingespeist werden und dass die Datenvergleichseinrichtung
(20) die von der Wickelmaschine (2) empfangenen Ist-Betriebsdaten mit den Soll-Betriebsdaten
vergleicht und Abweichungen aufzeigt.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Auswertung der
Betriebsdaten durch die Datenvergleichseinrichtung an der Wickelmaschine optisch
angezeigt wird und dass der Betriebsablauf während der Dauer der Auswertung unterbrochen
wird.