[0001] Die Erfindung betrifft ein Betriebsverfahren für den Warenbaumwechsel mittels eines
Transportgerätes in einer Webmaschine. Transportgeräte dieser Art werden eingesetzt,
damit voll bewickelte Warenbäume rasch und ohne Anstrengungen für das Webereipersonal
zur Weiterverarbeitung gebracht werden können.
[0002] In der japanischen Patentpublikation Nr. 60 171956 wird ein Transportwagen mit Greifarmen
zur Uebernahme des Warenbaums aus einer Webmaschine beschrieben. Nachdem der volle
Warenbaum im Transportwagen positioniert ist, wird vom Transportwagen her ein neuer
Warenbaum in die Webmaschine eingesetzt. Der neue Warenbaum muss dann mit einer Hilfsvorrichtung
in der Webmaschine angewickelt werden. Zum Anwickeln des neuen Warenbaumes ist praktisch
nur die dem Webergang zugewandte Seite des Warenbaums zugänglich. Da die Platzverhältnisse
in der Umgebung des Warenbaums im unteren Bereich einer Webmaschine normalerweise
sehr beengt sind, muss der Transportwagen genau an die Webmaschine angepasst sein.
[0003] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Transportgerät für Warenbäume zu
schaffen, das unabhängig von einer bestimmten Bauart der Webmaschinen eingesetzt werden
kann. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch ein Betriebsverfahren für ein Transportgerät
gelöst, welches folgende Schritte umfasst:
- Entnahme des vollen Warenbaums aus der Webmaschine und Lagerung im Transportgerät
mittels Greifarmen ohne Abschneiden des Gewebes,
- Bildung einer Gewebeschlaufe mit einem Anwickelbaum, welcher zwischen Warenbaum
und der Webmaschine quer zur Gewebebahn bewegt wird, wobei das Gewebe erfasst und
teilweise vom Warenbaum abgewickelt wird, während sich der Anwickelbaum vom vollen
Warenbaum 50 weg in Richtung auf einen leeren Warenbaum bewegt und die Gewebeschlaufe
um den neuen Warenbaum legt,
- Abschneiden des Gewebes zwischen neuem Warenbaum 51 und vollem Warenbaum 50,
- Umwickeln des neuen Warenbaumes mit dem einen freien Ende des auf dem Anwickelbaum
liegenden Teils der Gewebeschlaufe mit Hilfe des Anwickelbaums und Anwickeln des
neuen Warenbaums,
- Rückführung des neuen angewickelten Warenbaums in die Webmaschine unter gleichzeitigem
Aufwickeln des Gewebes.
[0004] Das Transportgerät zur Durchführung des Verfahrens muss mit einer Aufnahmevorrichtung
für den vollen Warenbaum, mindestens einem Lager für den neuen Warenbaum und einem
Anwickelbaum ausgestattet sein, weiterhin mit einer Schere zum Trennen des Gewebes.
Ein Gerät nach dem beschriebenen Verfahren kann ohne weiteres für verschiedene Webmaschinentypen
eingesetzt werden, wenn genügend Freiraum für die Greifarme des Gerätes bei den Lagerstellen
des Warenbaums in der Webmaschine vorhanden ist. Durch das Anwickeln des neuen Warenbaumes
im Transportgerät ist dieser praktisch von allen Seiten zugänglich, wodurch der Anwickelvorgang
sicher abläuft und ein Rutschen des angewickelten Gewebes vermieden wird.
[0005] Die Webmaschinen müssen für den Einsatz eines Transportgerätes nach der Erfindung
so gestaltet sein, dass die Warenbaumlagerstellen automatisch geöffnet werden können.
[0006] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren im einzelnen beschrieben:
Fig. 1a ist eine schematische Darstellung des Transportgerätes,
Fig. 1 zeigt schematisch ein Transportgerät neben einer Webmaschine,
Fig. 2 zeigt das Herausnehmen des Warenbaums aus der Webmaschine,
Fig. 3 zeigt die Manipulation des Anwickelbaums ebenso wie Fig. 4,
Fig. 5 stellt die Schlaufenbildung des Gewebes zwischen Webmaschine und Transportgerät
bzw. vollem Warenbaum dar,
Fig. 6,7 stellen das Anwickeln des neuen Warenbaums dar,
Fig. 8 zeigt die Uebergabe des neuen Warenbaums an die Webmaschine,
Fig. 9,10 zeigen das Einsetzen des neuen Warenbaums in die Webmaschine sowie die Rückführung
des Anwickelbaums in die ursprüngliche Lage,
Fig.11,12,13 zeigen die Lagerung und den Antrieb für den neuen Warenbaum bzw. den
Anwickelbaum im Transportgerät.
[0007] In Fig. 1a ist der Aufbau des Transportgerätes 102 schematisch dargestellt. Es ist
in Fahreinheiten 1a und 1b und eine dazwischen angeordnete Trageinheit 2 gegliedert.
Die Fahreinheiten enthalten je einen Fahrantrieb.
[0008] Die Trageinheit ist mit einem vollen Warenbaum 50, einem leeren Warenbaum 51, einem
Anwickeibaum 70 und mit Greifarmen 40a,40b gezeichnet. Weiterhin ist eine Schneidvorrichtung
10 angedeutet, welche in Längsrichtung des Transportgerätes 102 bewegbar ist. Eine
Traverse 21 verbindet den rechten Seitenteil 20a mit dem linken Seitenteil 20b, wobei
die Traverse 21 gegenüber dem Seitenteil 20b verschiebbar ist. Zwischen den Seitenteilen
20a und 20b befinden sich mehrere Teleskopstangen 225, mit welchen die Länge des Transportgerätes
für den jeweils zu bedienenden Webmaschinentyp angepasst werden kann.
[0009] In Fig. 1 ist das Transportgerät 102 in einer Ansicht in Längsrichtung neben einer
Webmaschine 500a gezeigt. In der Webmaschine 500a werden Kettfäden einer Weblade 503
zugeführt, wo der Schusseintrag erfolgt. Ueber einen Warenbzug 504 und Umlenkstangen
505 wird das Gewebe 510 zu einem Warenbaum 50 gelenkt und dort aufgewickelt. Die erwähnten
Elemente der Webmaschine sind zwischen Wangen 506 gelagert, welche durch Rohrtraversen
507b und Winkeltraversen 508b zusammengehalten sind. Die Wangen 506 sind auf Fussschienen
509 abgestützt. Das Gewebe wird bis zu einem höchstzulässigen Durchmesser des Tuchwickels
auf dem Warenbaum 50 aufgewickelt. Dies kann durch einen Sensor innerhalb der Webmaschine
500a angezeigt werden. Eine logistische Steuereinrichtung der Weberei beordert dann
das Transportgerät 102 zur betreffenden Webmaschine 500a.
[0010] Im folgenden wird das Verfahren des Warenbaumwechsels beschrieben.
Fig. 1: Der Greifarm 40a bewegt sich gemäss Pfeil 40a′ senkrecht nach unten. Er schwenkt
dabei um einen Drehpunkt an seinem oberen Ende nach links und umfasst den Lagerzapfen
55 des Warenbaums 50, wehrend seine Schenkel 42,43 sich in eine Offenstellung bewegen.
Fig. 2: Der Greifarm 40a hat den Lagerzapfen 55 umfasst und seine Schenkel 42 und
43 geschlossen. Parallel zum Greifarm 40a wird der Greifarm 40b auf der anderen Seite
des Warenbaums bewegt. Anschliessend heben die Greifarme 40a,40b in einer-vertikalbewegung
und gleichzeitigen Schwenkbewegung nach rechts den Warenbaum 50 aus der Webmaschine
und setzen ihn in der strichpunktierten Position 50′ in das Transportgerät ein.
Fig. 3: Ein Manipulator 72 für den Anwickelbaum 70 hebt den Anwickelbaum 70 in einer
Schwenkbewegung nach links so weit an, dass dieser von den Greifarmen 40a,40b übernommen
werden kann.
Fig. 4: Die Greifarme 40a,40b fahren im Transportgerät 102 vertikal nach oben und
führen eine Schwenkbewegung nach rechts aus, wobei die Schlaufenbildung des Gewebes
510 beginnt. Zur Bildung der Schlaufe muss Gewebe vom Warenbaum 50 abgewickelt werden,
der sich in Richtung des eingezeichneten Pfeils dreht. Gleichzeitig dreht sich auch
der Anwickelbaum 70 in Pfeilrichtung. Während des Warenbaumwechsels muss die Webmaschine
nicht stillgesetzt werden, so dass laufend neues Gewebe in Richtung des Pfeils 510′
von der Webmaschine 500a abgeführt wird.
Fig. 5: Die Greifarme 40a,40b setzen den Anwickelbaum 70 in eine Zwischenlagerstelle
ein und geben ihn frei.
Fig. 6: Der Anwickelbaum 70 wurde von einem Manipulator 71 aus der Zwischenlagerstelle
entnommen und wird gegen den neuen Warenbaum 51 gepresst. Durch Weiterdrehen des Anwickelbaums
70 wird eine Tuchreserve gebildet. Der Anwickelbaum 70 beginnt nun den Warenbaum 51
im Gegenuhrzeigersinn zu umfahren, wobei er sich in Pfeilrichtung weiterdreht. Die
Schlaufe des Gewebes 510 wird dabei weiter vergrössert.
Fig. 7: In der gestrichelten Position des Anwickelbaumes 70′ wird das Gewebe durch
eine Schneideinrichtung 10 über die ganze Breite durchtrennt. Der Anwickelbaum wird
gemäss Pfeil 71′ weitergeschwenkt bis in die ausgezogene Position. Der Gewebeabschnitt
510′ hängt frei vom neuen Warenbaum 51 herab. Es kann durch eine Faltvorrichtung 11,
die in Richtung des Pfeils 11′ gegen den neuen Warenbaum 51 bewegt wird, zusammen
mit dem Gewebe 510 auf dem neuen Warenbaum 51 angewickelt werden, wenn sich dieser
gemäss Pfeil 51′ dreht. Der Gewebeabschnitt zur Webmaschine hin wird gleichzeitig
gestrafft.
Fig. 8: Die Greifarme 40a,40b haben den neuen Warenbaum 51 aus der Anwickelposition
in eine Zwischenposition gebracht, in der der Warenbaum 51 durch einen Hilfsantrieb
54 weitergedreht wird, bis der Gewebeabschnitt 510 straff ist.
Fig. 9: Die Greifarme 40a,40b setzen den neuen Warenbaum 51 in die Webmaschine 500a
ein, worauf ein Antrieb innerhalb der Webmaschine die Aufwicklung des Gewebes bewerkstelligt.
Fig. 10: Die Greifarme 40a,40b holen den Anwickelbaum 70 aus der Anwickelposition
und setzen ihn in eine Zwischenposition in Fig. 10 ein, von wo er durch den in Fig.
3 beschriebenen Manipulator 72 in die ursprüngliche Position gemäss Fig. 1 überführt
wird.
[0011] Die Ankoppelung des Warenbaums 51 im Transportgerät 102 ist in Fig. 11 dargestellt.
Je ein Adapter 804′ in Form einer Lochscheibe mit einer Nut am äusseren Umfang wird
auf beiden Seiten des Warenbaums 51 angeschraubt. Die Greifarme 40a,40b erfassen den
Warenbaum 51 über den Umfang der Adapterscheiben 804′. Im Transportgerät wird der
neue Warenbaum mittels einer Klauenkupplung 804 gehalten und angetrieben. Nach Positionieren
des Warenbaums 50 mittels der Greifarme 40a,40b wird eine Antriebseinheit 803 für
den Warenbaum 51 axial gegen diesen verschoben, indem ein mit der Antriebseinheit
803 verbundener Schlitten 810 mittels einer Vorrichtung 81, gebildet aus einem Antriebsmotor
811 und einer Spindel 812, gegenüber dem Seitenteil 20a des Transportgerätes verschoben
wird.
[0012] Die Fig. 12, 13a und 13b zeigen die Lagerung und den Antrieb des neuen Warenbaums
51 und des Anwickelbaums 70. An einer Grundplatte 813 sitzt unten ein Gehäuse 801
einer Ankuppelvorrichtung 80 für den Warenbaum 51. Der Warenbaum 51 wird durch den
Antrieb 803 verdreht, wenn er mit der Klauenkupplung 804 gekoppelt worden ist, wobei
das Ankoppeln durch Axialverstellung des Schlittens 810 bewirkt wird. Am Gehäuse 801
sitzt ein nicht drehbares Zahnrad 802. Vor diesem Zahnrad ist ein Gehäuse 710 frei
drehbar auf einem Fortsatz des Gehäuses 801 gelagert. Im Gehäuse 710 ist wiederum
frei drehbar ein Zahnrad 717 gelagert, das mit dem Zahnrad 802 kämmt. Das Zahnrad
717 wird von der anderen Seite des Transportgerätes aus über eine Welle 718 von einem
Zahnradtrieb 719 angetrieben, dessen Antriebsrad 719′ konzentrisch mit dem Warenbaum
51 gelagert ist. Durch Drehen der Welle 718 wälzt sich das Zahnrad 717 auf dem fest
angeordneten Zahnrad 802 ab, wodurch das Gehäuse 710 in eine Schwenkbewegung um die
Achse des Warenbaums 51 versetzt wird. Eine ortsfeste Kurvenbahn 714 ist am Seitenteil
20b befestigt. Sie gelangt in einem bestimmten Winkelbereich des Gehäuses 710 während
seiner Verdrehung in Kontakt mit einer Rolle 713, die an einem Hebel 711 befestigt
ist, der auf einem Zapfen 716 im Gehäuse 710 gelagert ist. Beim Auflaufen der Rolle
713 wehrend der Schwenkbewegung des Gehäuses 710 und somit des Hebels 711 auf dem
Kurvensegment 714 bewegt sich die Rolle 713 mit dem entsprechenden Teil des Hebels
711 in Richtung auf die Achse des Warenbaums 51, wobei eine Druckfeder 712 mehr gespannt
wird. Eine Mulde 715 auf der anderen Seite des Hebels wird dabei nach aussen geschwenkt.
In dieser Lage kann der von unten gehobene Anwickelbaum 70 in die Mulde 715 eingelegt
werden. Beim Zurückschwenken des Hebels 711 nach dem Einlegen des Anwickelbaums 70
gerät die Mulde 715 unter einen Vorsprung 710′ des Gehäuses 710, wodurch der eingelegte
Zapfen des Anwickelbaums 70 verriegelt ist. Die Anwickeloperation ist weiter oben
bereits beschrieben worden.
[0013] Wehrend Fig. 13a die Position des Manipulators 71 in der Uebernahmestellung für den
Anwickelbaum 70 zeigt, stellt Fig. 13b eine Position während des Umfahrens des neuen
Warenbaums 51 durch den Anwickelbaum 70 dar.
[0014] Wegen der Verstellbarkeit der Länge des Transportgeräts 102 für verschiedene Webbreiten
müssen beispielsweise die Antriebswelle 718 gemäss Fig. 12 und der Anwickelbaum 70
als Teleskopstangen bzw. -rohre ausgebildet sein. Der rechte Teil des Anwickelbaums
70 in Fig. 12 bildet ein Teleskoprohr, während der linke Teil durch eine Teleskopstange
und darauf sitzende Elemente 70˝ mit gleichem Durchmesser wie das Teleskoprohr gebildet
wird. Wenn der Anwickelbaum 70 für eine neue Webbreite angepasst wird, endert sich
auch der Abstand der Segemente 70˝ am Anwickelbaum 70′ gemess Fig. 12.
1. Betriebsverfahren für den Warenbaumwechsel mittels eines Transportgerätes in einer
Weberei, gekennzeichnet durch
- Entnahme des vollen Warenbaums (50) aus der Webmaschine (500a) und Lagerung im
Transportgerät (102) ohne Abschneiden des Gewebes mittels Greifarmen (40a,40b)
- Bildung einer Gewebeschlaufe (510) mit einem Anwickelbaum (70), welcher zwischen
Warenbaum (50) und der Webmaschine (500a) quer zur Gewebebahn bewegt wird, wobei das
Gewebe erfasst und teilweise vom Warenbaum (50) abgewickelt wird, während sich der
Anwickelbaum (70) vom vollen Warenbaum (50) weg in Richtung auf einen leeren Warenbaum
(51) bewegt und die Gewebeschlaufe (510) um den neuen Warenbaum (51) legt,
- Abschneides des Gewebes zwischen dem neuen Warenbaum (51) und dem vollen Warenbaum
(50),
- Umwickeln des neuen Warenbaums (51) mit dem einen freien Ende des auf dem Anwickelbaum
(70) liegenden Teils der Gewebeschlaufe und Anwickeln des neuen Warenbaums (51),
- Rückführung des neuen angewickelten Warenbaums (51) in die Webmaschine (500a) unter
gleichzeitigem Aufwickeln des Gewebes (510).
2. Transportgerät zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, gekennzeichnet
durch eine Aufnahmevorrichtung (52a) für den vollen Warenbaum, mindestens einen antriebbaren
neuen Warenbaum (51) und einen Anwickelbaum (70), der zwischen dem vollen Warenbaum
(50) und dem leeren Warenbaum (51) mittels der Greifarme (40a,40b) bewegbar ist.
3. Transportgerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass am Warenbaum beidseits
je eine Adapterscheibe (804) angeschraubt ist, an welcher je ein Greifarm (40a,40b)
angesetzt werden kann.
4. Transportgerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Adapterscheibe
(804) Bohrungen aufweist, in welche eine im Transportgerät (102) befindliche Klauenkupplung
zum Antreiben und zum Tragen des Warenbaums einsetzbar ist.