(19)
(11) EP 0 296 114 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
21.12.1988  Patentblatt  1988/51

(21) Anmeldenummer: 88810390.0

(22) Anmeldetag:  10.06.1988
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D03J 1/00, D02H 13/38, B65H 16/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE CH DE FR IT LI

(30) Priorität: 16.06.1987 CH 2270/87

(71) Anmelder: GEBRÜDER SULZER AKTIENGESELLSCHAFT
CH-8401 Winterthur (CH)

(72) Erfinder:
  • Schilling, Hugo
    CH-8405 Winterthur (CH)
  • Veith, Günter
    D-7420 Münsingen-Dottingen (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zum Anwickeln eines Warenbaumes in einem Transportgerät und Transportgerät dafür in der Weberei


    (57) In einem Transportgerät (102) für eine Weberei wird nach Entnahme des Warenbaums aus einer Webmaschine (500) das Gewebe (510) mittels eines Anwickelbaums (70) in einer Schlaufe über einen neuen Warenbaum (51) gelegt. An­schliessend wird das Gewebe durch eine Schneidvorrichtung (10) abgeschnitten und mittels einer Tuchfaltvorrichtung (11) an den Umfang des neuen Warenbaums (51) angepresst. Mit Hilfe der Tuchfaltvorrichtung und des an sie ange­pressten Anwickelbaums (70) wird der Gewebeabschnitt (510) zwischen der Webmaschine (500a) und dem neuen Warenbaum (51) so an den neuen Warenbaum (51) herange­führt, dass das Anwickeln des Gewebes (510) nach dem Abschneiden auch bei glatten Geweben sicher und ohne Rutschen des Gewebes auf dem Warenbaum (51) erfolgt.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anwickeln eines Warenbaums in einem Transportgerät für eine Weberei. Das Anwickeln eines neuen Warenbaums ist beim Warenbaumwech­sel an einer Webmaschine nötig, da das Gewebe zwischen dem vollen Warenbaum und der Webmaschine durchtrennt werden muss, wenn der Warenbaum durch das Transportgerät von der Webmaschine weggebracht werden soll.

    [0002] Aus der japanischen Patentpublikation Nr. 61 023059 ist ein Verfahren zum Anwickeln eines neuen Warenbaums bekannt, bei dem das freie Ende der Gewebebahn durch Druckluft zum Anliegen an den neuen Warenbaum gebracht wird, wobei gleichzeitig durch Saugluft, welche durch Bohrungen im Warenbaum in diesen einströmt, das freie Ende der Gewebebahn an der Oberfläche des Warenbaums gehalten werden soll. Bei grösseren Gewebebreiten führt dies zu starken Luftströmungen, wenn gleichzeitig aus einer grösseren Anzahl von Düsen Luft ausgeblasen bzw. durch eine grosse Anzahl von Saugöffnungen Luft angesaugt wird. Dabei kann es zur Aufwirbelung von Textilfasern in der Maschine kommen, wodurch die Gewebequalität und die Maschinenfunktion beeinträchtigt werden können. Die Funktion des Anwickelns ist möglicherweise nicht bei allen Gewebearten, insbesondere bei glatten Geweben, gewährleistet.

    [0003] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, das Anwickeln ohne Druck- bzw. Saugluft zu bewerkstelligen und dabei eine hohe Funktionssicherheit zu erreichen.

    [0004] Die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
    - dass das freie Ende des Gewebes über den neuen Waren­baum in dessen Drehrichtung gelegt wird,
    - dass eine blattförmige Faltvorrichtung für das Gewebe auf der Seite des freien Gewebeendes tangential an den neuen Warenbaum heranbewegt wird, wobei das freie Ende der Vorrichtung in Drehrichtung des Warenbaums beim Anwickeln an diesem anliegt,
    - dass der Anwickelbaum entgegen der Drehrichtung des Warenbaums um diesen herumgeführt wird, wobei er die aufzuwickelnde Gewebebahn so weit um den neuen Waren­baum legt, bis dieser völlig durch das Gewebe umhüllt ist, und bis das freie Ende der Gewebebahn mit der aufzuwickelnden Gewebebahn an der dem Warenbaum abgewandten Seite der Faltvorrichtung anliegt.
    - dass der neue Warenbaum dann angewickelt wird, indem über das anliegende freie Gewebeende 510′ eine neue Gewebelage 510 gewickelt wird.

    [0005] Nachdem das Umfahren des neuen Warenbaums durch den Anwickelbaum beendet ist, werden Warenbaum und Anwickel­baum unter Zwischenlage der Faltvorrichtung und des aufzuwickelnden Gewebes gegeneinander gepresst. Während das freie Ende V-förmig gefaltet ist, wobei die V-Form innen durch die Faltvorrichtung und aussen durch Waren­baum und Anwickelbaum gebildet wird, geht die aufzu­wickelnde Gewebebahn beim freien Ende der Faltvorrichtung tangential vom Anwickelbaum auf den neuen Warenbaum über.

    [0006] Durch Drehen des neuen Warenbaums in Richtung des freien Endes der anliegenden Faltvorrichtung wird das V-förmig gelegte freie Ende der Gewebebahn zwischen der Oberfläche des neuen Warenbaums und der nächsten Gewebelage von der Faltvorrichtung abgezogen und fest an den Umfang des Warenbaums gedrückt. Dadurch wird ein rutschfreies Anwickeln des abgeschnittenen Gewebes auf dem neuen Gewebebaum erreicht. Das Anwickeln kann auch ohne V-Falte durchgeführt werden, wenn das freie Ende der Faltvorrich­tung praktisch deckungsgleich mit dem freien Ende der Gewebebahn am neuen Warenbaum aufliegt, so dass keine Faltenbildung eintritt.

    [0007] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren im Detail beschrieben.

    [0008] Es zeigen:

    Fig. 1 eine Uebersichtszeichnung des Transportgerätes,

    Fig. 2 eine Ansicht des Transportgerätes in Längsrich­tung des Gerätes neben einer Webmaschine,

    Fig. 3a - 3h den Anwickelvorgang des Gewebes an einen neuen Warenbaum,

    Fig. 4 die konstruktive Ausführung der Anwickelvor­richtung,

    Fig. 5 die konstruktive Ausführung der Tuchfaltvor­richtung,

    Fig. 6 die Schneideinrichtung und

    Fig. 7 ein Ausführungsbeispiel des Anwickelbaums.



    [0009] In Fig. 1 ist der Aufbau des Transportgerätes 102 zum Teil schematisch dargestellt. Es ist in Fahreinheiten 1a und 1b mit Rädern zum Tragen des ganzen Gerätes und eine dazwischen angeordnete Trageinheit 2 gegliedert. Die Fahreinheiten enthalten je einen Fahrantrieb, der das Transportgerät entlang einer Fahrspur im Websaalboden durch die Weberei führt. Die Trageinheit ist mit einem vollen Warenbaum 50, einem leeren Warenbaum 51, einem Anwickelbaum 70 und mit Greifarmen 40a, 40b gezeichnet. Weiterhin ist eine Schneidvorrichtung 10 angedeutet, welche in Längsrichtung des Transportgerätes 102 bewegbar ist. Eine Traverse 21 verbindet den rechten Seitenteil 20a mit dem linken Seitenteil 20b, wobei die Traverse 21 gegenüber dem Seitenteil 20b verschiebbar ist. Zwischen den Seitenteilen 20a und 20b befinden sich mehrere Teleskopstangen 225, mit welchen die Länge des Transport­gerätes für den jeweils zu bedienenden Webmaschinentyp angepasst werden kann. Unten an den Seitenteilen 20a und 20b befinden sich ausfahrbare Stützen 30a, 30b, über welche die Trageinheit 2 auf dem Websaalboden abgestützt wird, während der Warenbaumwechsel stattfindet.

    [0010] In Fig. 2 befindet sich das Transportgerät 102 in einer Ansicht in Längsrichtung neben einer Webmaschine 500a. In der Webmaschine 500a werden Kettfäden 512 einer Weblade 503 zugeführt, wo der Schusseintrag erfolgt. Ueber einen Warenabzug 504 und Umlenkstangen 505 wird das Gewebe 510 zu einem Warenbaum 50 gelenkt und dort aufgewickelt. Die erwähnten Elemente der Webmaschine sind zwischen Wangen 506 gelagert, welche durch Rohrtraversen 507b und Winkel­traversen 508b zusammengehalten werden. Die Wangen 506 sind auf Fussschienen 509 abgestützt. Das Gewebe wird bis zu einem höchstzulässigen Durchmesses des Tuchwickels auf den Warenbaum 50 aufgewickelt. Wenn dieser Zustand erreicht ist, beordert eine logistische Steuereinrichtung der Weberei das Transportgerät 102 zur betreffenden Webmaschine 500a.

    [0011] In Fig. 2 ist der Zustand im Transportgerät 102 nach der Entnahme des vollen Warenbaums 50 aus der Webmaschine und vor dem Anwickeln eines neuen Warenbaums 51 dargestellt. Die Greifarme 40a, 40b mit den gegeneinander beweglichen Schenkeln 42 und 43 haben den vollen Warenbaum aus der Webmaschine aus der gestrichelten Position herausgenommen und in eine Tragvorrichtung 52a im Transportgerät 102 eingesetzt. Der Anwickelbaum 70 wurde aus der unteren Position 70′ angehoben und wird gerade in der ausgezoge­nen Stellung von den Greifarmen 40a und 40b freigegeben. Während des Anhebens des Anwickelbaums 70 hat das Gewebe 510 eine Schlaufe gebildet, da es vom Anwickelbaum nach oben gezogen wurde. Der Anwickelbaum wird in der gezeich­neten Position von einem Manipulator 71 übernommen. Ein Gehäuse 710 des Manipulators ist um die Achse des neuen Warenbaums 51 drehbar gelagert. Am Gehäuse 710 sitzt drehbar gelagert ein Hebel 711, dessen rechtes Ende durch eine Druckfeder 712 nach unten bzw. aussen gedrückt wird. Wenn die Rolle 713 am rechten Ende des Hebels 711 bei Drehung des Gehäuses 710 im Uhrzeigersinn auf dem Kurven­segment 714 aufläuft, wird der Hebel 711 relativ zum Gehäuse 710 entgegen dem Uhrzeigersinn um seine Achse geschwenkt. Dabei gelangt eine Mulde 715 am anderen Ende des Hebels 711 in eine Stellung, in der sie den Anwickel­baum 70 übernehmen kann. Der Manipulator 71 ist auf beiden Seiten 20a und 20b des Transportgerätes angeord­net. Nach der Uebernahme des Anwickelbaums durch den Manipulator 71 dreht dieser entgegen dem Uhrzeigersinn um die Achse des Warenbaums 51. Sobald die Rolle 713 ausser Kontakt mit dem Kurvensegment 714 ist, wird der Hebel 711 durch die Feder 712 wieder im Uhrzeigersinn bewegt. Dadurch gelangt die Oberfläche des Anwickelbaums 70 an die Oberfläche des neuen Warenbaums 51. Nun wird der Anwickelbaum 70 durch den Manipulator 71 entgegen dem Uhrzeigersinn um den Warenbaum 51 herumgeführt.

    [0012] Die Figurenfolge 3a - 3h zeigt den Anwickelvorgang. Nach Anpressen des Anwickelbaums 70 am Warenbaum 51 (Fig. 3a) wird der Warenbaum 51 kurzzeitig im Uhrzeigersinn ange­trieben, wodurch der mit ihm in Kontakt stehende An­wickelbaum eine Tuchreserve zur Webmaschine hin bildet. Dabei wird das für die Bildung der Tuchreserve benötigte Gewebe vom vollen Warenbaum 50 abgewickelt (Fig. 3b). Nachdem der Anwickelbaum 70 in eine Position oberhalb des Warenbaums 51 gelangt ist (Fig. 3c), wird eine Schneid­einrichtung 10 von rechts an das Gewebe herangeführt, Welches dann an dieser Stelle durchtrennt wird. Die Schneideinrichtung 10 wird dann wieder in ihre ursprüng­liche Position gefahren, während der Anwickelbaum 70 weiter nach links bewegt wird. Das freie Ende 510′ des Gewebes fällt dann über den neuen Warenbaum 51 herab, worauf dieser sich soweit im Uhrzeigersinn dreht, bis eine bestimmte freie Tuchlänge 510′ vom Warenbaum her­abhängt. Der Anwickelbaum 70 befindet sich nach wie vor in Kontakt mit dem Warenbaum 51, weshalb er eine Gegen­drehung vollführt (Fig. 3d). Nachdem der Warenbaum 51 wieder zum Stillstand gekommen ist, wird der Anwickelbaum 70 im Uhrzeigersinn (Fig. 3e) zurückgeschwenkt, wobei er sich auf dem Warenbaum 51 abwälzt. Eine Tuchfaltvorrich­tung 11 wird nach unten bewegt, bis das freie Ende 110 eines Schwerts an der Faltvorrichtung den Warenbaum 51 berührt und das Gewebe an dieser Stelle an den Warenbaum anpresst. Der Anwickelbaum wird nun weiter im Uhrzeiger­sinn mit Hilfe des Manipulators 71 geschwenkt, bis er das freie Ende 110 des Schwerts auf der dem Warenbaum 51 gegenüberliegenden Seite berührt (Fig. 3f) Dabei wird das freie Ende 510′ des Gewebes und das über dem Anwickelbaum 70 liegende Gewebe so angehoben, dass das freie Ende 510′ des Gewebes V-förmig zwischen Warenbaum 51, Schwert 110 und Anwickelbaum 70 liegt, und dass das Gewebe 510 im Bereich des freien Endes des Schwerts 110 tangential vom Anwickelbaum 70 auf den Warenbaum 51 übergeht (Fig. 3f′). Das Anwickeln ist auch möglich, wenn das freie Ende der Gewebebahn 510˝ nur wenig über das freie Ende der Faltvorrichtung 11 hervorragt. Durch das Umfahren des Warenbaums 51 mittels des Anwickelbaums 70 wurde eine Gewebelage auf dem Warenbaum 51 angewickelt. Nun wird der Antrieb des Warenbaums 51 wieder eingeschaltet. Er dreht sich im Gegenuhrzeigersinn (Fig. 3f′), wobei Gewebe 510 vom Anwickelbaum abgezogen und auf den Warenbaum 51 aufgewickelt wird. Bei dieser Bewegung wird das V-förmig um das Schwert 110 gelegte Ende 510′ des Gewebes nach unten gezogen und sicher an den Umfang des Warenbaums 51 angedrückt, so dass die erste Gewebelage rutschfrei auf dem Warenbaum 51 aufliegt. Durch Weiterdrehen des Waren­baums werden mehrere Lagen des Gewebes 510 auf dem Warenbaum 51 aufgewickelt, während der Anwickelbaum 70 und die Faltvorrichtung 11 in der erwähnten Position bleiben (Fig. 3g, 3g′). Nachdem die Bewicklung des neuen Warenbaums 51 vorläufig abgeschlossen ist (Fig. 3h), wird die Tuchfaltvorrichtung 11 wieder in die Ausgangslage nach oben bewegt, während der Anwickelbaum 70 nach unten geschwenkt wird und ausser Kontakt mit dem Anwickelbaum 51 gerät.

    [0013] Der angewickelte Warenbaum 51 wird dann von den Greifer­armen 40a, 40b erfasst und nach unten in die Lagerstelle in der Webmaschine gebracht. Während des Absenkens des Warenbaums im Transportgerät 102 wird der lose gewordene Teil des Gewebeabschnitts zwischen Webmaschine und dem neuen Warenbaum in einer Zwischenposition des Warenbaums gestrafft, in dem er kurzzeitig im Gegenuhrzeigersinn angetrieben wird. Nach dem Einsetzen des Warenbaums in die Webmaschine fahren die Greifarme 40a, 40b im Trans­portgerät wieder nach oben, um den Anwickelbaum 70 zu erfassen und in die ursprüngliche Position 70′ im unteren Teil des Transportgerätes gemäss Fig. 2 zu bringen. Dabei wird ein in der Folge zu beschreibender Manipulator eingesetzt.

    [0014] Fig. 4 zeigt Ausführungsbeispiele für das Verfahren des Anwickelns. Fig. 4 ist eine perspektivische Teilansicht von hinten auf den Seitenteil 20b des in Fig. 1 darge­stellten Transportgerätes. In Fig. 4 sind nur einzelne Elemente des Seitenteils 20b und der Fahreinheit 1b dargestellt. Die Fahreinheit 1b wird u.a. über Rollen 154 auf dem Websaalboden abgestützt. Während des Anwickelvor­gangs wird die sonst starre Verbindung zwischen der Fahreinheit 1b und dem Seitenteil 20b gelöst. Letzteres stützt sich in einer abgesenkten Position unter anderem über Füsse 23 auf dem Websaalboden ab. In Fig. 4 oben ist eine Axialverstellungseinrichtung 81 dargestellt, welche den Manipulator 71 für den Anwickelbaum und den Warenbaum 51 trägt. Am Seitenteil 20b sind Schwalbenschwanzführun­gen 200, an welchen eine Grundplatte 813 verschiebbar ist. Auf der Grundplatte 813 ist ein Schlitten 810 befestigt, der mit Hilfe eines Spindelantriebes 811 hin- und herbewegt werden kann, wenn eine im Seitenteil 20b eingeschraubte Gewindespindel 812 durch den Spindelan­trieb verdreht wird. Unten an der Grundplatte 813 sitzt ein Gehäuse 801 der Ankoppelvorrichtung 80 für den Warenbaum 51. Der Warenbaum wird durch den Antrieb 803 verdreht, wenn er mit der Kupplung 804 gekoppelt worden ist, wobei das Ankoppeln durch Axialverstellung des Schlittens 810 bewirkt wird. Am Gehäuse 801 sitzt ein nicht drehbares Zahnrad 802. Vor diesem Zahnrad ist das Gehäuse 710 frei drehbar auf einem Fortsatz des Gehäuses 801 gelagert. Im Gehäuse 710 ist wiederum frei drehbar ein Zahnrad 717 gelagert, das mit dem Zahnrad 802 kämmt. Das Zahnrad 717 wird von der anderen Seite des Transport­gerätes 102 aus über eine Welle 718 von einem Zahnriementrieb 719 angetrieben, dessen Antriebsrad konzentrisch mit dem Warenbaum 51 im Seitenteil 20a gelagert ist. Durch Drehen der Welle 718 wälzt sich das Zahnrad 717 auf dem fest angeordneten Zahnrad 802 ab, wodurch das Gehäuse 710 in eine Schwenkbewegung um die Achse des Warenbaums 51 versetzt wird. Eine Kurvenbahn 714 ist am Seitenteil 20b befestigt. Sie gelangt in einem bestimmten Winkelbereich des Gehäuses 710 während seiner Verdrehung in Kontakt mit der Rolle 713, die am Hebel 711 befestigt ist, der auf dem Zapfen 716 am Gehäuse 710 gelagert ist. Beim Auflaufen der Rolle 713 auf dem Kurvensegment 714 bewegt sie sich mit dem entsprechenden Teil des Hebels 711 in Richtung auf die Achse des Waren­baums 51, wobei die Druckfeder 712 mehr gespannt wird. Die Mulde 715 auf der anderen Seite des Hebels wird dabei nach aussen geschwenkt. In dieser Lage kann sie den von unten emporgehobenen Anwickelbaum 70 übernehmen. Beim Zurückschwenken des Hebels nach dem Einlegen des An­wickelbaums gerät die Mulde 715 unter einen Vorsprung 710′ des Gehäuses 710, wodurch der eingelegte Zapfen des Anwickelbaumes verriegelt ist. Die Anwickeloperation ist bereits anhand der Figuren 3a - 3h beschrieben worden. Im unteren Teil des Transportgerätes ist ein Manipulator 72 dargestellt, der den Anwickelbaum aus seiner Ruheposition in der Mulde 720′ in die Position der Mulde 720 bringt, in der der Anwickelbaum 70 durch die Greifer 40a, 40b emporgehoben wird. Das Anheben des Anwickelbaums von der Position 720′ in die Position 720 mit Hilfe des Hebelarms 721 geschieht durch Einschalten des Spindelantriebes 724, an dem ein Hebelarm 723 angelenkt ist, der über eine Welle 722 mit dem Hebelarm 721 verbunden ist.

    [0015] Der Manipulator 72 ist ebenso wie der Manipulator 71 auf beiden Seiten der Trageinheit angeordnet.

    [0016] In Fig. 5 ist die Tuchfaltvorrichtung 11 im Detail darge­stellt. An der Traverse 21 des Transportgerätes sind Lagerplatten 21′ befestigt, an welchen über eine Paralle­logrammführung 22 die Tuchfaltvorrichtung 11 geführt wird. Sie wird durch einen Spindelantrieb 23 auf- und abbewegt, der an einem Führungsschenkel 22 angelenkt ist. Das sogenannte Schwert 110, welches beim Faltvorgang mit dem Gewebe 510 in Berührung steht, ist über einen Teil der Vorrichtung durchgehend ausgeführt und über den übrigen Teil der Vorrichtung in Segmente 110′ gegliedert. Bei einer Breitenverstellung des Transportgerätes 102 mittels der Teleskopstangen 225 gemäss Fig. 1 wird die in Fig. 5 rechts gezeichnete Lagereinrichtung 21˝ mit der dazugehörigen Parallelogrammführung gegenüber der übrigen Tuchfaltvorrichtung 11 in Längsrichtung verschoben. Die Segmente 110′ des Schwerts rücken dabei näher zusammen bzw. bewegen sich voneinander weg, indem sie auf einer Schiene 111 über Rollen 112 gleiten. Der gleichmässige Abstand der einzelnen Segmente 110 wird durch ein elasti­sches Band 114 eingehalten, das an jedem Segment befe­stigt wird.

    [0017] Die Schneideinrichtung 10 ist gemäss Fig. 6 ebenfalls an der Traverse 21a befestigt. Ein Antriebsmotor 101 treibt über einen Riemen 102′ einen Antriebsriemen 102 an, der über die ganze Breite des Transportgerätes verläuft. Ueber Führungsrollen 104 ist ein Schneidschlitten 103 an der Traverse 21 geführt. Im oberen Teil des Schneid­schlittens 103 ist der Riemen 102 durch Klemmrollen 105 festgehalten. Bei Bewegung des Riemens 102 läuft der Schneidschlitten entlang der Traverse 21. Hinter den Klemmrollen sind zwei Umlenkrollen 109 für den hinteren Teil des Riemens 102a sowie eine dazwischen angeordnete Antriebsrolle 106, welche über eine Welle mit der Schneid­scheibe 107 drehfest verbunden ist. Ueber einen Teil des Umfangs der Schneidscheibe erstreckt sich eine Gewebefüh­rung 108. Das Gewebe wird geschnitten, indem der Schneid­schlitten entlang der Traverse 21a bewegt wird, während das Gewebe an der Einlauföffnung 108′ zwischen Gewebefüh­rung 108 und Schneidscheibe 107 in den Schneidschlitten 103 einläuft.

    [0018] Im Längsschnitt durch den Anwickelbaum 70 in Fig. 7 sind im linken Teil zwei Rohre 701 und 701′ ineinandergescho­ben und durch Stifte 702 fest verbunden. Das Rohr 701′ sitzt auf der rechten Seite in einem Rohr 707 in Gleitla­gern 708. Das Rohr 701′ weist teilweise Längsschlitze 701˝ auf, durch welche einzelne Rohrsegmente 710 mit einem elastischen Band 709 verbunden sind. Die Verbindung wird durch Schraubbolzen 720 hergestellt. Auf diese Weise kann die Länge des Anwickelbaumes an die jeweilige Arbeitsbreite einer Webmaschine 500 bzw. des Transportge­rätes 102 angepasst werden. Bei Betätigung der Verstell­vorrichtung für die Breite im Transportgerät 102 mittels der Teleskopstangen 225 verschiebt sich das Rohr 701′ gegenüber dem Rohr 707. Die Rohre 701 und 707 sowie die Rohrsegmente 710 tragen eine Oberflächenbeschichtung 706 aus weichem Kunststoff, mit dem sie sich zeitweise auf dem Warenbaum 51 abstützen. An den Bunden 703 auf beiden Seiten des Anwickelbaumes setzen die Greifarme 40a und 40b an. Der Anwickelbaum wird über Kugellager 704 in Supporten 705 abgestützt.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Anwickeln eines Warenbaums in einem Transportgerät für eine Weberei, dadurch gekennzeichnet,
    - dass das freie Ende des Gewebes (510′) über einen neuen Warenbaum (51) in dessen Drehrichtung beim Aufwickeln gelegt wird,
    - dass eine blattförmige Faltvorrichtung (11) für das Gewebe (510) auf der Seite des freien Gewebeendes (510′) tangential an den neuen Warenbaum (51) heranbe­wegt wird, wobei das freie Ende der Vorrichtung (11) in Drehrichtung des Warenbaums (51) beim Aufwickeln an diesem anliegt,
    - dass der Anwickelbaum (70) entgegen der Drehrichtung des Warenbaums (51) um diesen herumgeführt wird, wobei er die aufzuwickelnde Gewebebahn (510) so weit um den neuen Warenbaum (51) legt, bis die dieser völlig durch das Gewebe (510) umhüllt ist und bis das freie Ende (510) der Gewebebahn mit der aufzuwickelnden Gewebe­bahn (510) an der dem Warenbaum (51) abgewandten Seite der Faltvorrichtung (11) anliegt,
    - dass der neue Warenbaum dann angewickelt wird, indem über das anliegende freie Gewebeende (510′) eine neue Gewebelage (510) gewickelt wird.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Umfahren des neuen Warenbaums (51) durch den Anwickelbaum dieser unter Zwischenlage eines freien Endes (110) der Faltvorrichtung (11) und des aufzu­wickelnden Gewebes (510) gegen den Warenbaum (51) ge­presst wird, wobei das freie Ende (510′) des Gewebes V-förmig gefaltet ist, und dass durch Drehen des neuen Warenbaums (51) in Richtung des freien Endes der anlie­genden Faltvorrichtung (11) das V-förmig gelegte freie Ende der Gewebebahn (510′) zwischen der Oberfläche des neuen Warenbaums und der nächsten Gewebelage von der Faltvorrichtung (11) abgezogen und fest an den Umfang des Warenbaums (51) angelegt wird.
     
    3. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein auf der Achse des neuen Warenbaums (51) gelagerter Manipulator (71), in dem der Anwickelbaum (70) vorübergehend gelagert ist, ein antreibbares Planetenzahnrad (717) aufweist, das mit einem auf der Achse des Warenbaums (51) ortsfesten Sonnenrad (802) kämmt.
     
    4. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Faltvorrich­tung (11) zur Anpassung an verschieden lange Warenbäume (51) ein zum Teil durchgehendes Schwert (110), welches sich an den Warenbaum (51) anlegt, und in Längsrichtung des Schwertes verstellbare Einzelsegmente (110′) aufweist, welche innerhalb der Faltvorrichtung (11) verschiebbar angeordnet sind.
     
    5. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zur Anpassung an verschieden lange Warenbäume (51) der Anwickelbaum (70) teleskopartig ausgebildet ist, wobei eine dünnere Tele­skopstange (701′) in ein dickeres Teleskoprohr (701) eingeschoben ist, und wobei auf der Teleskopstange einzelne längs der Stange verschiebbare Rohrsegmente (710) vom Aussendurchmesser des dickeren Teleskoprohres sitzen.
     
    6. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Anwickelbaum (70) am äusseren Umfang, der mit dem Warenbaum (51) in Berührung kommt, eine elastische Kunststoffbeschichtung (706) aufweist.
     




    Zeichnung




























    Recherchenbericht