[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anwickeln eines Warenbaums in einem Transportgerät
für eine Weberei. Das Anwickeln eines neuen Warenbaums ist beim Warenbaumwechsel
an einer Webmaschine nötig, da das Gewebe zwischen dem vollen Warenbaum und der Webmaschine
durchtrennt werden muss, wenn der Warenbaum durch das Transportgerät von der Webmaschine
weggebracht werden soll.
[0002] Aus der japanischen Patentpublikation Nr. 61 023059 ist ein Verfahren zum Anwickeln
eines neuen Warenbaums bekannt, bei dem das freie Ende der Gewebebahn durch Druckluft
zum Anliegen an den neuen Warenbaum gebracht wird, wobei gleichzeitig durch Saugluft,
welche durch Bohrungen im Warenbaum in diesen einströmt, das freie Ende der Gewebebahn
an der Oberfläche des Warenbaums gehalten werden soll. Bei grösseren Gewebebreiten
führt dies zu starken Luftströmungen, wenn gleichzeitig aus einer grösseren Anzahl
von Düsen Luft ausgeblasen bzw. durch eine grosse Anzahl von Saugöffnungen Luft angesaugt
wird. Dabei kann es zur Aufwirbelung von Textilfasern in der Maschine kommen, wodurch
die Gewebequalität und die Maschinenfunktion beeinträchtigt werden können. Die Funktion
des Anwickelns ist möglicherweise nicht bei allen Gewebearten, insbesondere bei glatten
Geweben, gewährleistet.
[0003] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, das Anwickeln ohne Druck- bzw. Saugluft
zu bewerkstelligen und dabei eine hohe Funktionssicherheit zu erreichen.
[0004] Die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
- dass das freie Ende des Gewebes über den neuen Warenbaum in dessen Drehrichtung
gelegt wird,
- dass eine blattförmige Faltvorrichtung für das Gewebe auf der Seite des freien Gewebeendes
tangential an den neuen Warenbaum heranbewegt wird, wobei das freie Ende der Vorrichtung
in Drehrichtung des Warenbaums beim Anwickeln an diesem anliegt,
- dass der Anwickelbaum entgegen der Drehrichtung des Warenbaums um diesen herumgeführt
wird, wobei er die aufzuwickelnde Gewebebahn so weit um den neuen Warenbaum legt,
bis dieser völlig durch das Gewebe umhüllt ist, und bis das freie Ende der Gewebebahn
mit der aufzuwickelnden Gewebebahn an der dem Warenbaum abgewandten Seite der Faltvorrichtung
anliegt.
- dass der neue Warenbaum dann angewickelt wird, indem über das anliegende freie Gewebeende
510′ eine neue Gewebelage 510 gewickelt wird.
[0005] Nachdem das Umfahren des neuen Warenbaums durch den Anwickelbaum beendet ist, werden
Warenbaum und Anwickelbaum unter Zwischenlage der Faltvorrichtung und des aufzuwickelnden
Gewebes gegeneinander gepresst. Während das freie Ende V-förmig gefaltet ist, wobei
die V-Form innen durch die Faltvorrichtung und aussen durch Warenbaum und Anwickelbaum
gebildet wird, geht die aufzuwickelnde Gewebebahn beim freien Ende der Faltvorrichtung
tangential vom Anwickelbaum auf den neuen Warenbaum über.
[0006] Durch Drehen des neuen Warenbaums in Richtung des freien Endes der anliegenden Faltvorrichtung
wird das V-förmig gelegte freie Ende der Gewebebahn zwischen der Oberfläche des neuen
Warenbaums und der nächsten Gewebelage von der Faltvorrichtung abgezogen und fest
an den Umfang des Warenbaums gedrückt. Dadurch wird ein rutschfreies Anwickeln des
abgeschnittenen Gewebes auf dem neuen Gewebebaum erreicht. Das Anwickeln kann auch
ohne V-Falte durchgeführt werden, wenn das freie Ende der Faltvorrichtung praktisch
deckungsgleich mit dem freien Ende der Gewebebahn am neuen Warenbaum aufliegt, so
dass keine Faltenbildung eintritt.
[0007] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren im Detail beschrieben.
[0008] Es zeigen:
Fig. 1 eine Uebersichtszeichnung des Transportgerätes,
Fig. 2 eine Ansicht des Transportgerätes in Längsrichtung des Gerätes neben einer
Webmaschine,
Fig. 3a - 3h den Anwickelvorgang des Gewebes an einen neuen Warenbaum,
Fig. 4 die konstruktive Ausführung der Anwickelvorrichtung,
Fig. 5 die konstruktive Ausführung der Tuchfaltvorrichtung,
Fig. 6 die Schneideinrichtung und
Fig. 7 ein Ausführungsbeispiel des Anwickelbaums.
[0009] In Fig. 1 ist der Aufbau des Transportgerätes 102 zum Teil schematisch dargestellt.
Es ist in Fahreinheiten 1a und 1b mit Rädern zum Tragen des ganzen Gerätes und eine
dazwischen angeordnete Trageinheit 2 gegliedert. Die Fahreinheiten enthalten je einen
Fahrantrieb, der das Transportgerät entlang einer Fahrspur im Websaalboden durch die
Weberei führt. Die Trageinheit ist mit einem vollen Warenbaum 50, einem leeren Warenbaum
51, einem Anwickelbaum 70 und mit Greifarmen 40a, 40b gezeichnet. Weiterhin ist eine
Schneidvorrichtung 10 angedeutet, welche in Längsrichtung des Transportgerätes 102
bewegbar ist. Eine Traverse 21 verbindet den rechten Seitenteil 20a mit dem linken
Seitenteil 20b, wobei die Traverse 21 gegenüber dem Seitenteil 20b verschiebbar ist.
Zwischen den Seitenteilen 20a und 20b befinden sich mehrere Teleskopstangen 225, mit
welchen die Länge des Transportgerätes für den jeweils zu bedienenden Webmaschinentyp
angepasst werden kann. Unten an den Seitenteilen 20a und 20b befinden sich ausfahrbare
Stützen 30a, 30b, über welche die Trageinheit 2 auf dem Websaalboden abgestützt wird,
während der Warenbaumwechsel stattfindet.
[0010] In Fig. 2 befindet sich das Transportgerät 102 in einer Ansicht in Längsrichtung
neben einer Webmaschine 500a. In der Webmaschine 500a werden Kettfäden 512 einer Weblade
503 zugeführt, wo der Schusseintrag erfolgt. Ueber einen Warenabzug 504 und Umlenkstangen
505 wird das Gewebe 510 zu einem Warenbaum 50 gelenkt und dort aufgewickelt. Die erwähnten
Elemente der Webmaschine sind zwischen Wangen 506 gelagert, welche durch Rohrtraversen
507b und Winkeltraversen 508b zusammengehalten werden. Die Wangen 506 sind auf Fussschienen
509 abgestützt. Das Gewebe wird bis zu einem höchstzulässigen Durchmesses des Tuchwickels
auf den Warenbaum 50 aufgewickelt. Wenn dieser Zustand erreicht ist, beordert eine
logistische Steuereinrichtung der Weberei das Transportgerät 102 zur betreffenden
Webmaschine 500a.
[0011] In Fig. 2 ist der Zustand im Transportgerät 102 nach der Entnahme des vollen Warenbaums
50 aus der Webmaschine und vor dem Anwickeln eines neuen Warenbaums 51 dargestellt.
Die Greifarme 40a, 40b mit den gegeneinander beweglichen Schenkeln 42 und 43 haben
den vollen Warenbaum aus der Webmaschine aus der gestrichelten Position herausgenommen
und in eine Tragvorrichtung 52a im Transportgerät 102 eingesetzt. Der Anwickelbaum
70 wurde aus der unteren Position 70′ angehoben und wird gerade in der ausgezogenen
Stellung von den Greifarmen 40a und 40b freigegeben. Während des Anhebens des Anwickelbaums
70 hat das Gewebe 510 eine Schlaufe gebildet, da es vom Anwickelbaum nach oben gezogen
wurde. Der Anwickelbaum wird in der gezeichneten Position von einem Manipulator 71
übernommen. Ein Gehäuse 710 des Manipulators ist um die Achse des neuen Warenbaums
51 drehbar gelagert. Am Gehäuse 710 sitzt drehbar gelagert ein Hebel 711, dessen rechtes
Ende durch eine Druckfeder 712 nach unten bzw. aussen gedrückt wird. Wenn die Rolle
713 am rechten Ende des Hebels 711 bei Drehung des Gehäuses 710 im Uhrzeigersinn auf
dem Kurvensegment 714 aufläuft, wird der Hebel 711 relativ zum Gehäuse 710 entgegen
dem Uhrzeigersinn um seine Achse geschwenkt. Dabei gelangt eine Mulde 715 am anderen
Ende des Hebels 711 in eine Stellung, in der sie den Anwickelbaum 70 übernehmen kann.
Der Manipulator 71 ist auf beiden Seiten 20a und 20b des Transportgerätes angeordnet.
Nach der Uebernahme des Anwickelbaums durch den Manipulator 71 dreht dieser entgegen
dem Uhrzeigersinn um die Achse des Warenbaums 51. Sobald die Rolle 713 ausser Kontakt
mit dem Kurvensegment 714 ist, wird der Hebel 711 durch die Feder 712 wieder im Uhrzeigersinn
bewegt. Dadurch gelangt die Oberfläche des Anwickelbaums 70 an die Oberfläche des
neuen Warenbaums 51. Nun wird der Anwickelbaum 70 durch den Manipulator 71 entgegen
dem Uhrzeigersinn um den Warenbaum 51 herumgeführt.
[0012] Die Figurenfolge 3a - 3h zeigt den Anwickelvorgang. Nach Anpressen des Anwickelbaums
70 am Warenbaum 51 (Fig. 3a) wird der Warenbaum 51 kurzzeitig im Uhrzeigersinn angetrieben,
wodurch der mit ihm in Kontakt stehende Anwickelbaum eine Tuchreserve zur Webmaschine
hin bildet. Dabei wird das für die Bildung der Tuchreserve benötigte Gewebe vom vollen
Warenbaum 50 abgewickelt (Fig. 3b). Nachdem der Anwickelbaum 70 in eine Position oberhalb
des Warenbaums 51 gelangt ist (Fig. 3c), wird eine Schneideinrichtung 10 von rechts
an das Gewebe herangeführt, Welches dann an dieser Stelle durchtrennt wird. Die Schneideinrichtung
10 wird dann wieder in ihre ursprüngliche Position gefahren, während der Anwickelbaum
70 weiter nach links bewegt wird. Das freie Ende 510′ des Gewebes fällt dann über
den neuen Warenbaum 51 herab, worauf dieser sich soweit im Uhrzeigersinn dreht, bis
eine bestimmte freie Tuchlänge 510′ vom Warenbaum herabhängt. Der Anwickelbaum 70
befindet sich nach wie vor in Kontakt mit dem Warenbaum 51, weshalb er eine Gegendrehung
vollführt (Fig. 3d). Nachdem der Warenbaum 51 wieder zum Stillstand gekommen ist,
wird der Anwickelbaum 70 im Uhrzeigersinn (Fig. 3e) zurückgeschwenkt, wobei er sich
auf dem Warenbaum 51 abwälzt. Eine Tuchfaltvorrichtung 11 wird nach unten bewegt,
bis das freie Ende 110 eines Schwerts an der Faltvorrichtung den Warenbaum 51 berührt
und das Gewebe an dieser Stelle an den Warenbaum anpresst. Der Anwickelbaum wird nun
weiter im Uhrzeigersinn mit Hilfe des Manipulators 71 geschwenkt, bis er das freie
Ende 110 des Schwerts auf der dem Warenbaum 51 gegenüberliegenden Seite berührt (Fig.
3f) Dabei wird das freie Ende 510′ des Gewebes und das über dem Anwickelbaum 70 liegende
Gewebe so angehoben, dass das freie Ende 510′ des Gewebes V-förmig zwischen Warenbaum
51, Schwert 110 und Anwickelbaum 70 liegt, und dass das Gewebe 510 im Bereich des
freien Endes des Schwerts 110 tangential vom Anwickelbaum 70 auf den Warenbaum 51
übergeht (Fig. 3f′). Das Anwickeln ist auch möglich, wenn das freie Ende der Gewebebahn
510˝ nur wenig über das freie Ende der Faltvorrichtung 11 hervorragt. Durch das Umfahren
des Warenbaums 51 mittels des Anwickelbaums 70 wurde eine Gewebelage auf dem Warenbaum
51 angewickelt. Nun wird der Antrieb des Warenbaums 51 wieder eingeschaltet. Er dreht
sich im Gegenuhrzeigersinn (Fig. 3f′), wobei Gewebe 510 vom Anwickelbaum abgezogen
und auf den Warenbaum 51 aufgewickelt wird. Bei dieser Bewegung wird das V-förmig
um das Schwert 110 gelegte Ende 510′ des Gewebes nach unten gezogen und sicher an
den Umfang des Warenbaums 51 angedrückt, so dass die erste Gewebelage rutschfrei auf
dem Warenbaum 51 aufliegt. Durch Weiterdrehen des Warenbaums werden mehrere Lagen
des Gewebes 510 auf dem Warenbaum 51 aufgewickelt, während der Anwickelbaum 70 und
die Faltvorrichtung 11 in der erwähnten Position bleiben (Fig. 3g, 3g′). Nachdem die
Bewicklung des neuen Warenbaums 51 vorläufig abgeschlossen ist (Fig. 3h), wird die
Tuchfaltvorrichtung 11 wieder in die Ausgangslage nach oben bewegt, während der Anwickelbaum
70 nach unten geschwenkt wird und ausser Kontakt mit dem Anwickelbaum 51 gerät.
[0013] Der angewickelte Warenbaum 51 wird dann von den Greiferarmen 40a, 40b erfasst und
nach unten in die Lagerstelle in der Webmaschine gebracht. Während des Absenkens des
Warenbaums im Transportgerät 102 wird der lose gewordene Teil des Gewebeabschnitts
zwischen Webmaschine und dem neuen Warenbaum in einer Zwischenposition des Warenbaums
gestrafft, in dem er kurzzeitig im Gegenuhrzeigersinn angetrieben wird. Nach dem Einsetzen
des Warenbaums in die Webmaschine fahren die Greifarme 40a, 40b im Transportgerät
wieder nach oben, um den Anwickelbaum 70 zu erfassen und in die ursprüngliche Position
70′ im unteren Teil des Transportgerätes gemäss Fig. 2 zu bringen. Dabei wird ein
in der Folge zu beschreibender Manipulator eingesetzt.
[0014] Fig. 4 zeigt Ausführungsbeispiele für das Verfahren des Anwickelns. Fig. 4 ist eine
perspektivische Teilansicht von hinten auf den Seitenteil 20b des in Fig. 1 dargestellten
Transportgerätes. In Fig. 4 sind nur einzelne Elemente des Seitenteils 20b und der
Fahreinheit 1b dargestellt. Die Fahreinheit 1b wird u.a. über Rollen 154 auf dem Websaalboden
abgestützt. Während des Anwickelvorgangs wird die sonst starre Verbindung zwischen
der Fahreinheit 1b und dem Seitenteil 20b gelöst. Letzteres stützt sich in einer abgesenkten
Position unter anderem über Füsse 23 auf dem Websaalboden ab. In Fig. 4 oben ist eine
Axialverstellungseinrichtung 81 dargestellt, welche den Manipulator 71 für den Anwickelbaum
und den Warenbaum 51 trägt. Am Seitenteil 20b sind Schwalbenschwanzführungen 200,
an welchen eine Grundplatte 813 verschiebbar ist. Auf der Grundplatte 813 ist ein
Schlitten 810 befestigt, der mit Hilfe eines Spindelantriebes 811 hin- und herbewegt
werden kann, wenn eine im Seitenteil 20b eingeschraubte Gewindespindel 812 durch den
Spindelantrieb verdreht wird. Unten an der Grundplatte 813 sitzt ein Gehäuse 801
der Ankoppelvorrichtung 80 für den Warenbaum 51. Der Warenbaum wird durch den Antrieb
803 verdreht, wenn er mit der Kupplung 804 gekoppelt worden ist, wobei das Ankoppeln
durch Axialverstellung des Schlittens 810 bewirkt wird. Am Gehäuse 801 sitzt ein nicht
drehbares Zahnrad 802. Vor diesem Zahnrad ist das Gehäuse 710 frei drehbar auf einem
Fortsatz des Gehäuses 801 gelagert. Im Gehäuse 710 ist wiederum frei drehbar ein Zahnrad
717 gelagert, das mit dem Zahnrad 802 kämmt. Das Zahnrad 717 wird von der anderen
Seite des Transportgerätes 102 aus über eine Welle 718 von einem Zahnriementrieb
719 angetrieben, dessen Antriebsrad konzentrisch mit dem Warenbaum 51 im Seitenteil
20a gelagert ist. Durch Drehen der Welle 718 wälzt sich das Zahnrad 717 auf dem fest
angeordneten Zahnrad 802 ab, wodurch das Gehäuse 710 in eine Schwenkbewegung um die
Achse des Warenbaums 51 versetzt wird. Eine Kurvenbahn 714 ist am Seitenteil 20b befestigt.
Sie gelangt in einem bestimmten Winkelbereich des Gehäuses 710 während seiner Verdrehung
in Kontakt mit der Rolle 713, die am Hebel 711 befestigt ist, der auf dem Zapfen 716
am Gehäuse 710 gelagert ist. Beim Auflaufen der Rolle 713 auf dem Kurvensegment 714
bewegt sie sich mit dem entsprechenden Teil des Hebels 711 in Richtung auf die Achse
des Warenbaums 51, wobei die Druckfeder 712 mehr gespannt wird. Die Mulde 715 auf
der anderen Seite des Hebels wird dabei nach aussen geschwenkt. In dieser Lage kann
sie den von unten emporgehobenen Anwickelbaum 70 übernehmen. Beim Zurückschwenken
des Hebels nach dem Einlegen des Anwickelbaums gerät die Mulde 715 unter einen Vorsprung
710′ des Gehäuses 710, wodurch der eingelegte Zapfen des Anwickelbaumes verriegelt
ist. Die Anwickeloperation ist bereits anhand der Figuren 3a - 3h beschrieben worden.
Im unteren Teil des Transportgerätes ist ein Manipulator 72 dargestellt, der den Anwickelbaum
aus seiner Ruheposition in der Mulde 720′ in die Position der Mulde 720 bringt, in
der der Anwickelbaum 70 durch die Greifer 40a, 40b emporgehoben wird. Das Anheben
des Anwickelbaums von der Position 720′ in die Position 720 mit Hilfe des Hebelarms
721 geschieht durch Einschalten des Spindelantriebes 724, an dem ein Hebelarm 723
angelenkt ist, der über eine Welle 722 mit dem Hebelarm 721 verbunden ist.
[0015] Der Manipulator 72 ist ebenso wie der Manipulator 71 auf beiden Seiten der Trageinheit
angeordnet.
[0016] In Fig. 5 ist die Tuchfaltvorrichtung 11 im Detail dargestellt. An der Traverse
21 des Transportgerätes sind Lagerplatten 21′ befestigt, an welchen über eine Parallelogrammführung
22 die Tuchfaltvorrichtung 11 geführt wird. Sie wird durch einen Spindelantrieb 23
auf- und abbewegt, der an einem Führungsschenkel 22 angelenkt ist. Das sogenannte
Schwert 110, welches beim Faltvorgang mit dem Gewebe 510 in Berührung steht, ist über
einen Teil der Vorrichtung durchgehend ausgeführt und über den übrigen Teil der Vorrichtung
in Segmente 110′ gegliedert. Bei einer Breitenverstellung des Transportgerätes 102
mittels der Teleskopstangen 225 gemäss Fig. 1 wird die in Fig. 5 rechts gezeichnete
Lagereinrichtung 21˝ mit der dazugehörigen Parallelogrammführung gegenüber der übrigen
Tuchfaltvorrichtung 11 in Längsrichtung verschoben. Die Segmente 110′ des Schwerts
rücken dabei näher zusammen bzw. bewegen sich voneinander weg, indem sie auf einer
Schiene 111 über Rollen 112 gleiten. Der gleichmässige Abstand der einzelnen Segmente
110 wird durch ein elastisches Band 114 eingehalten, das an jedem Segment befestigt
wird.
[0017] Die Schneideinrichtung 10 ist gemäss Fig. 6 ebenfalls an der Traverse 21a befestigt.
Ein Antriebsmotor 101 treibt über einen Riemen 102′ einen Antriebsriemen 102 an, der
über die ganze Breite des Transportgerätes verläuft. Ueber Führungsrollen 104 ist
ein Schneidschlitten 103 an der Traverse 21 geführt. Im oberen Teil des Schneidschlittens
103 ist der Riemen 102 durch Klemmrollen 105 festgehalten. Bei Bewegung des Riemens
102 läuft der Schneidschlitten entlang der Traverse 21. Hinter den Klemmrollen sind
zwei Umlenkrollen 109 für den hinteren Teil des Riemens 102a sowie eine dazwischen
angeordnete Antriebsrolle 106, welche über eine Welle mit der Schneidscheibe 107
drehfest verbunden ist. Ueber einen Teil des Umfangs der Schneidscheibe erstreckt
sich eine Gewebeführung 108. Das Gewebe wird geschnitten, indem der Schneidschlitten
entlang der Traverse 21a bewegt wird, während das Gewebe an der Einlauföffnung 108′
zwischen Gewebeführung 108 und Schneidscheibe 107 in den Schneidschlitten 103 einläuft.
[0018] Im Längsschnitt durch den Anwickelbaum 70 in Fig. 7 sind im linken Teil zwei Rohre
701 und 701′ ineinandergeschoben und durch Stifte 702 fest verbunden. Das Rohr 701′
sitzt auf der rechten Seite in einem Rohr 707 in Gleitlagern 708. Das Rohr 701′ weist
teilweise Längsschlitze 701˝ auf, durch welche einzelne Rohrsegmente 710 mit einem
elastischen Band 709 verbunden sind. Die Verbindung wird durch Schraubbolzen 720 hergestellt.
Auf diese Weise kann die Länge des Anwickelbaumes an die jeweilige Arbeitsbreite einer
Webmaschine 500 bzw. des Transportgerätes 102 angepasst werden. Bei Betätigung der
Verstellvorrichtung für die Breite im Transportgerät 102 mittels der Teleskopstangen
225 verschiebt sich das Rohr 701′ gegenüber dem Rohr 707. Die Rohre 701 und 707 sowie
die Rohrsegmente 710 tragen eine Oberflächenbeschichtung 706 aus weichem Kunststoff,
mit dem sie sich zeitweise auf dem Warenbaum 51 abstützen. An den Bunden 703 auf beiden
Seiten des Anwickelbaumes setzen die Greifarme 40a und 40b an. Der Anwickelbaum wird
über Kugellager 704 in Supporten 705 abgestützt.
1. Verfahren zum Anwickeln eines Warenbaums in einem Transportgerät für eine Weberei,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das freie Ende des Gewebes (510′) über einen neuen Warenbaum (51) in dessen
Drehrichtung beim Aufwickeln gelegt wird,
- dass eine blattförmige Faltvorrichtung (11) für das Gewebe (510) auf der Seite des
freien Gewebeendes (510′) tangential an den neuen Warenbaum (51) heranbewegt wird,
wobei das freie Ende der Vorrichtung (11) in Drehrichtung des Warenbaums (51) beim
Aufwickeln an diesem anliegt,
- dass der Anwickelbaum (70) entgegen der Drehrichtung des Warenbaums (51) um diesen
herumgeführt wird, wobei er die aufzuwickelnde Gewebebahn (510) so weit um den neuen
Warenbaum (51) legt, bis die dieser völlig durch das Gewebe (510) umhüllt ist und
bis das freie Ende (510) der Gewebebahn mit der aufzuwickelnden Gewebebahn (510)
an der dem Warenbaum (51) abgewandten Seite der Faltvorrichtung (11) anliegt,
- dass der neue Warenbaum dann angewickelt wird, indem über das anliegende freie Gewebeende
(510′) eine neue Gewebelage (510) gewickelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Umfahren des neuen
Warenbaums (51) durch den Anwickelbaum dieser unter Zwischenlage eines freien Endes
(110) der Faltvorrichtung (11) und des aufzuwickelnden Gewebes (510) gegen den Warenbaum
(51) gepresst wird, wobei das freie Ende (510′) des Gewebes V-förmig gefaltet ist,
und dass durch Drehen des neuen Warenbaums (51) in Richtung des freien Endes der anliegenden
Faltvorrichtung (11) das V-förmig gelegte freie Ende der Gewebebahn (510′) zwischen
der Oberfläche des neuen Warenbaums und der nächsten Gewebelage von der Faltvorrichtung
(11) abgezogen und fest an den Umfang des Warenbaums (51) angelegt wird.
3. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass ein auf der Achse des neuen Warenbaums (51) gelagerter Manipulator (71), in dem
der Anwickelbaum (70) vorübergehend gelagert ist, ein antreibbares Planetenzahnrad
(717) aufweist, das mit einem auf der Achse des Warenbaums (51) ortsfesten Sonnenrad
(802) kämmt.
4. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Faltvorrichtung (11) zur Anpassung an verschieden lange Warenbäume (51)
ein zum Teil durchgehendes Schwert (110), welches sich an den Warenbaum (51) anlegt,
und in Längsrichtung des Schwertes verstellbare Einzelsegmente (110′) aufweist, welche
innerhalb der Faltvorrichtung (11) verschiebbar angeordnet sind.
5. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass zur Anpassung an verschieden lange Warenbäume (51) der Anwickelbaum (70) teleskopartig
ausgebildet ist, wobei eine dünnere Teleskopstange (701′) in ein dickeres Teleskoprohr
(701) eingeschoben ist, und wobei auf der Teleskopstange einzelne längs der Stange
verschiebbare Rohrsegmente (710) vom Aussendurchmesser des dickeren Teleskoprohres
sitzen.
6. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass der Anwickelbaum (70) am äusseren Umfang, der mit dem Warenbaum (51) in Berührung
kommt, eine elastische Kunststoffbeschichtung (706) aufweist.