[0001] Die Erfindung betrifft ein Horhilfegerät gemäss dem Oberbegriff von Anspruch 1.
Insbesondere bei Kanalhörgeräten, welche direkt in den Gehörgang eingesetzt werden,
ist eine manuelle Regelung der Funktionen wie Z.B. der Lautstärke infolge der Miniaturisierung
sämtlicher Bauteile äusserst schwierig. Die drahtlose Fernsteuerung bezweckt somit
eine Erleichterung der Bedienung der Hörhilfe, und sie ist vor allem für die heute
üblichen Miniaturhörgeräte geeignet.
[0002] Durch die DE-A-34 31 584 ist ein Hörhilfegerät bekanntgeworden, bei dem als Medium
zur Uebertragung der Steuersignale Ultraschall eingesetzt wird, wobei das Mikrophon
der Hörhilfe auch noch die Funktion eines Empfangselements für die Steuersignale
übernimmt. Eine ganz ähnliche Vorrichtung ist auch durch die AT-A-379 929 bekanntgeworden.
Andere bekannte Vorrichtungen verwenden Radiowellen für die Uebertragung der Steuersignale
wie Z.B. die DE-A-19 38 381. Die bekannten Vorrichtungen haben den Nachteil, dass
sie eine relativ grosse Störanfälligkeit aufweisen. Insbesondere bei der Anwendung
von Radiowellen treten Schwierigkeiten mit der zu grossen Reichweite, mit Schwingkreisen
und mit Modulationsverfahren auf. Ausserdem muss das Steuergerät so ausgebildet werden,
dass es in der Hand gehalten und leicht bedient werden kann. Dies erfordert eine
gewisse Gehäusegrösse, was dem Benützer das Mittragen erschwert. Wird das Steuergerät
vergessen, so ist eine individuelle Einstellung der Lautstärke nicht mehr möglich.
[0003] Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, ein Hörhilfegerät der eingangs genannten
Art zu schaffen, das eine geringe Störanfälligkeit aufweist und das bei minimalem
Energieverbrauch die Steuerung der wichtigsten Funktionen der Hörhilfe ermöglicht.
Ausserdem soll das Steuergerät möglichst klein und so ausgebildet sein, dass es zweckmässig
mitgetragen werden kann. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss mit einem Hörhilfegerät
gelöst, welches die Merkmale im Anspruch 1 aufweist.
[0004] Die kapazitive Fernsteuerung mit Hilfe des relativ starken elektrischen Feldes hat
den Vorteil, dass die Reichweite des Senders sehr begrenzt ist und dass keine Störungen
auftreten können. Ausserdem können hoch integrierte Bauteile verwendet werden, was
eine zweckmässige Bauform des Steuergerätes erlaubt. Der Energiebedarf des Steuergerätes
ist verhältnismässig klein. Die Empfangsvorrichtung am Gehäuse hat praktisch keine
äusseren Bedienungselemente mehr, so dass sämtliche Funktionen wie Ein/Aus, Lautstärke
und Tonfilter über die Fernsteuerung bedient werden können. Um eine für den Benutzer
zweckmässige Bedienungsdistanz des Steuergerätes zu erzielen, ist die Feldstärke zwischen
dem Steuergerät und der Empfangsvorrichtung vorzugsweise grösser als 0,05 V/cm. Dabei
wird eine Senderreichweite von etwa einem Meter erreicht.
[0005] Eine besonders günstige Funktion von Sender und Empfänger ergibt sich, wenn das Steuergerät
und die Empfangsvorrichtung wenigstens je zwei Kondensatorplatten aufweisen und wenn
wenigstens eine Kondensatorplatte elektrisch leitend oder kapazitiv gekoppelt mit
dem Körper des Trägers verbindbar ist. Die Kondensatorplatten können ersichtlicherweise
ausserst platzsparend untergebracht werden. Der Ausdruck "Platte" ist dabei im elektrotechnischen
Sinne zu verstehen, so dass die Platten nicht eben ausgebildet sein müssen. Die unmittelbare
Verbindbarkeit einer der Platten mit dem Korper des Trägers bewirkt, dass der Körper
als Kapazität mitverwendet wird. Besonders günstige Resultate ergeben sich, wenn
sowohl am Steuergerät, als auch an der Empfangsvorrichtung eine Kondensatorplatte
Körperkontakt hat.
[0006] Eine vorteilhafte Bauform ergibt sich, wenn das Gehäuse mit den Elementen der Hörhilfe
als Bestandteil der Empfangsvorrichtung ausgebildet ist, in dem es ein in den Gehörkanal
einführbares Kanalteil aufweist, das wenigstens teilweise elektrisch leitend ausgebildet
ist, sowie einen vom Kanalteil elektrisch isolierten Deckel, der ebenfalls wenigstens
teilweise elektrisch leitend ausgebildet ist. Die bisher bekannte konventionelle
Bauform des Kanalteils, welche den anatomischen Bedingungen angepasst sein soll,
muss nur noch dahingehend verbessert werden, dass Deckel und Kanalteil elektrisch
isoliert verbunden werden müssen und dass eine elektrische Leitfähigkeit vorgesehen
sein muss. Diese Leitfähigkeit wird besonders einfach durch eine metallische Beschichtung,
insbesondere durch eine Beschichtung mit Edelmetall erzielt. Diese Beschichtung verändert
die Raumform des Gehäuses nicht. Sie gewährleistet jedoch beim Kanalteil zusätzlich
eine elektrisch leitende Verbindung mit dem Körper. Die Steuerkomponenten an der Empfangsvorrichtung
sind als Chip im Gehäuse untergebracht und benötigen nicht mehr Raum als die Empfangs-
und Steuerkomponenten bei konventionellen Hörhilfegeräten.
[0007] Eine besonders zweckmässig Ausbildung des Steuergerätes ergibt sich, wenn dieses
in eine Armbanduhr integriert ist, wobei wenigstens der Uhrenboden elektrisch leitend
ausgebildet ist und ein weiterer, vom Uhrenboden elektrisch isolierter, leitender
Bereich beispielsweise am Uhrenglas angeordnet ist. Die Integrationsmöglichkeit des
Steuergerätes in eine Armbanduhr hat den Vorteil, dass das Steuergerät praktisch immer
auf sich getragen wird und dass es von aussenstehenden Dritten nicht als Steuergerät
für eine Hörhilfe erkannt wird. Der Uhrenboden bildet dabei auf besonders einfache
Weise eine der beiden Kondensatorplatten, die so ohne besondere Vorkehrungen mit
dem Körper verbindbar ist. Das Anbringen einer Leiterbahn auf dem Uhrenglas lässt
sich besonders einfach realisieren, wobei das Glas selbst als Isolator gegenüber dem
Uhrenboden wirkt. Zur Erleichterung der Betätigung des Steuergerätes kann dieses mit
mehreren Drucktasten zur Eingabe der Steuerbefehle versehen sein. Die Drucktasten
können auch bei Dunkelheit oder von Sehbehinderten mühelos betätigt werden. Vorzugsweise
verbleibt jeweils die zuletzt gedrückte Taste in eingerasteter Position, damit die
gerade gültige Steuerstellung ermittelt werden kann. Insbesondere bei einer Armbanduhr
kann anstelle der Drucktasten auch ein an ihrem Umfangsbereich stufenlos oder stufenweise
drehbarer Ring zur Eingabe der Steuerbefehle verwendet werden.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt und wird
nachstehend genauer beschrieben. Es zeigen:
Figur 1 Eine als Steuergerät ausgebildete Armbanduhr und das Gehäuse eines Kanalhörgeräts
in stark vereinfachter Darstellung,
Figur 2 eine schematische Darstellung des Funktionsprinzips, wobei je eine Kondensatorplatte
elektrisch leitend mit dem Körper verbunden ist, und
Figur 3 eine alternative Darstellung des Funktionsprinzips, wobei je eine Kondensatorplatte
kapazitiv gekoppelt mit dem Körper verbunden ist.
[0009] Wie in Figur 1 dargestellt, besteht ein Gehäuse 1 aus einem anatomisch geformten
Kanalteil 3, das mit einem Deckel 4 abgeschlossen ist. Die Aussenseite des Kanalteilss
3 und die Aussenseite des Deckels 4 sind mit einer metallischen Beschichtung versehen,
wobei die Beschichtung am Deckel 4 zur besseren Tarnung ohne weiteres mit einer elektrisch
isolierenden Farbschicht übermalt sein kann. Der Deckel 4 ist gegenüber dem Kanalteil
3 mit einer Isolation 5 elektrisch isoliert. Am Deckel 4 ist eine Mikrophonöffnung
11 angeord net. Alle Elemente der Hörhilfe wie Z.B. Verstärkerschaltung, Lautstärkeeinstellung,
Hörer und Batterie sind im Gehäuse 1 untergebracht. Am Gehäuse 1 brauchen somit keine
manuellen Bedienungselemente wie z.B. Schalter oder Potentiometer mehr angebracht
zu sein. Der Deckel 4 und das Kanalteil 3 bilden die beiden Platten eines Plattenkondensators
und sind somit unmittelbar Bestandteil der Empfangsvorrichtung, deren restliche Bauteile
für die Umsetzung der empfangenen Signale im Innern des Gehäuses untergebracht sind.
[0010] Das Steuergerät 2 ist als Armbanduhr ausgebildet, deren Uhrenboden 6 in der Regel
ohnehin aus Metall und damit als elektrischer Leiter ausgebildet ist. Rund um das
Uhrenglas 8 ist eine metallische Leiterbahn 9 angeordnet, die beispielsweise aufgedampft
sein kann. Der Uhrenboden 6 und die Leiterbahn 9 bilden physikalisch ebenfalls die
beiden Platten eines Plattenkondensators. Vorzugsweise wird auch das Armband 7 der
Uhr elektrisch leitend ausgebildet und mit dem Uhrenboden 6 elektrisch leitend verbunden,
so dass das Armband 7 ebenfalls als Kapazität benutzt wird und ausserdem der Körperkontakt
verbessert wird. Im Innern der Uhr sind die übrigen Bauteile für die Steuerung untergebracht,
insbesondere für die Pulscodemodulation (PCM) bzw. Pulspositionsmodulation (PPM der
zu sendenden Steuersignale. Diese Bauteile sind dem Fachmann jedoch bereits bekannt
und werden daher hier nicht näher dargestellt und erläutert. Die Steuerbefehle können
beispielsweise mit Steuertasten 10 am Uhrengehäuse gegeben werden. So können beispielsweise
mit den einzelnen Tasten bestimmte Lautstärkenbereiche der Hörhilfe durch Tastendruck
gewählt werden. Es wäre aber auch denkbar, die Steuerung so auszubilden, dass eine
stufenlose Lautstärkenveränderung erreicht werden kann.
[0011] Selbstverstandlich braucht das Steuergerät nicht notwendigerweise in eine Armbanduhr
integriert zu werden. Die nötigen Bauteile könnten auch in einem anderweitigen Gehäuse
unterge bracht werden, z.B. in einem um den Hals getragenen Amulett, einer in der
Hand gehaltenen Dose oder einem auf eine Armbanduhr aufsteckbaren Zusatzgehäuse.
Auch das Gehäuse 1 muss nicht unbedingt mit einem Kanalteil zum Einführen in den Gehörkanal
versehen sein. Die nötigen Bauteile liessen sich auch in einem Gehäuse bekannter Bauart
unterbringen, das hinter dem Ohr getragen wird.
[0012] In Figur 2 ist die Funktionsweise der oben beschriebenen Vorrichtung nochmals symbolisch
dargestellt. Das Steuergerät 2 ist als Plattenkondensator mit dem Uhrenboden 6 und
der Leiterbahn 9 als Platten ausgebildet. Die Empfangsvorrichtung 13 weist ebenfalls
einen Plattenkondensator mit dem Deckel 4 und dem Kanalteil 3 als Platten auf. Der
Uhrenboden 6 und das Kanalteil 3 sind elektrisch leitend mit dem Körper 12 des Trägers
verbunden und über diesen kurzgeschlossen. Am Steuergerät 2 wird eine Potentialdifferenz
Delta U erzeugt, wobei das elektrische Feld eine Feldstärke E von vorzugsweise mehr
als 0,5 V/cm aufweist. Innerhalb der Reichweite des Steuergeräts 2 wird durch das
elektrische Feld eine Spannung auf den Deckel 4 der Empfangsvorrichtung 13 induziert.
Diese Steuerspannung wird durch geeignete Verstärker verstärkt und für die Steuerung
der einzelnen Elemente der Hörhilfe eingesetzt. Es ist ohne weiteres möglich, mit
dem Steuergerät 2 Impulse mit beliebigem zeitlichen Abstand zu übertragen. Die Pulscodemodulation
oder die Pulspositionsmodulation kann somit direkt eingesetzt werden.
[0013] Figur 3 zeigt eine ähnliche Anordnung wie bei Figur 2, wobei jedoch das Kanalteil
3 und der Uhrenboden 6 kapazitiv mit dem Körper 12 gekoppelt sind. Diese Anordnung
entspricht praktisch einer Serieschaltung der Kondensatoren.
1. Hörhilfegerät mit einem am Kopf tragbaren Gehäuse (1) mit den elektrischen und
akustischen Elementen der Hörhilfe und mit einem vom Gehäuse getrennten Steuergerät
(2) zur drahtlosen Fernsteuerung wenigstens eines Teils der Funktionen der Hörhilfe,
wobei die Signale des Steuergerätes (2) mit einer im Gehäuse angeordneten Empfangsvorrichtung
(13) empfangbar sind, dadurch gekennzeichnet, dass das Steuergerät (2) und die Empfangsvorrichtung
(13) als Kondensatoren ausgebildet sind und dass als Medium für die Signalübertragung
am Steuergerät (2) ein elektrisches Feld erzeugbar ist, dessen Feldstärke (E) ausreicht,
um eine Signalspannung auf die Empfangsvorrichtung (13) zu induzieren.
2. Hörhilfegerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Feldstärke zwischen
dem Steuergerät (2) und der Empfangsvorrichtung (13) grösser ist als 0,05 V/cm.
3. Hörhilfegerät nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Steuergerät
(2) und die Empfangsvorrichtung (13) wenigstens je zwei Kondensatorplatten (3, 4
bzw. 6, 9) aufweisen.
4. Hörhilfegerät nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der
Kondensatorplatten elektrisch leitend mit dem Körper des Trägers verbindbar ist.
5. Hörhilfegerät nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der
Kondensatorplatten kapazitiv gekoppelt mit dem Körper des Trägers verbindbar ist.
6. Hörhilfegerät nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das
Gehäuse (1) mit den Elementen der Hörhilfe als Bestandteil der Empfangsvorrichtung
(13) ausgebildet ist, in dem es ein in den Gehörkanal einführbares Kanalteil (3)
aufweist, das wenigstens teilweise elektrisch leitend ausgebildet ist, sowie einen
vom Kanalteil (3) elektrisch isolierten Deckel (4), der ebenfalls wenigstens teilweise
elektrisch leitend ausgebildet ist.
7. Hörhilfegerät nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Kanalteil (3) auf
seiner Aussenseite mit einer Edelmetallschicht versehen ist, und dass der elektrisch
leitende Deckel (4) mit einer elektrisch isolierenden Farbschicht überzogen ist.
8. Hörhilfegerät nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das
Steuergerät (2) in eine Armbanduhr integriert ist, wobei wenigstens der Uhrenboden
(6) elektrisch leitend ausgebildet ist und ein weiterer, vom Uhrenboden elektrisch
isolierter, leitender Bereich (9) angeordnet ist.
9. Hörhilfegerät nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der weitere leitende
Bereich (9) am Uhrenglas (8) angeordnet ist.
10. Hörhilfegerät nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass am Steuergerät
mehrere Drucktasten (10) zur Eingabe der Steuerbefehle angeordnet sind.
11. Hörhilfegerät nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Armbanduhr
an ihrem Umfangsbereich einen stufenlos oder stufenweise drehbaren Ring zur Eingabe
der Steuerbefehle aufweist.