[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Impfen von Gußeisen nach dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1.
[0002] Es ist bekannt, Metallschmelzen in der Form mit Zusatzmitteln zu behandeln. Aus DE-OS-19
36 153 ist ein Verfahren zur Herstellung von Gußeisen mit Kugelgraphit in der Form
bekannt. Die im vorbekannten Verfahren verwendete Vorrichtung besteht aus einem horizontal
verlaufenden Gießkanal, an den sich eine nach unten abgesetzte, rechteckförmige Kammer
anschließt. Die Kammer ist mit vertikal verlaufenden Trennwänden ausgerüstet, die
mit Abstand zueinander angeordnet sind und eine Durchlaßöffnung bilden. Die Trennwände
sorgen dafür, daß das in die Kammer einschießende Gußeisen sich gut mit dem Impfmittel
vermischt, um somit eine große Kontaktfläche zwischen Gußeisen und dem Impfmittel
zu bilden.
[0003] Aus FR-PS-2 034 907 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Behandeln von geschmolzenem
Metall bekannt, die mit einem vertikal verlaufenden Einlaufteil einen sich an diesen
anschließenden, horizontal verlaufenden, einteiligen Gießkanal versehen ist, der mit
einer den Querschnitt des Gießkanals erweiternden, das Impfmittel aufnehmenden Reaktionskammer
versehen ist.
[0004] Bei der aus DE-PS-24 10 109 bekannten Vorrichtung zur Herstellung von Gußeisen mit
Kugelgraphit mit einem Einlaufteil, einem sich an diesen anschließenden horizontal
verlaufenden Gießkanal ist das Impfmittel im Boden des Gießkanals in eine flache,
die laminare Strömung nicht unterbrechende Aussparung eingebracht.
[0005] Gemäß der aus DE-OS-19 01 366 bekannten Einrichtung zum Impfen, Legieren oder behandeln
von Metallguß wird im Einlauf für die Schmelze und/oder in dem von der Schmelze auszufüllenden
Raum ein Impfmittelgranulat und/oder Legierungselemente enthaltender, durch die Schmelze
auflösbarer Körper angeordnet. Beispielsweise ist der Körper aus mit Impfmittel angereichertem
Schaumpolystyrol hergestellt.
[0006] Ein aus DE-AS-12 48 239 bekanntes weiteres Verfahren zur Impfung von Gußeisen besteht
darin, daß die Gußeisenschmelze beim Durchströmen des Anguß- bzw. Anschnittsystems
mit einem darin eingeformten Impfmittel in Berührung gebracht wird. Das Impfmittel
kann in Gestalt eines Formkörpers oder eines Rohrstückes verwendet werden.
[0007] Mit den vorbekannten Verfahren bzw. Einrichtungen hat man nicht in allen Fällen zufriedenstellende
Ergebnisse erzielen können; sei es, daß die Formkörper der einströmenden Schmelze
zu kleine Flächen zur Auflösung anbieten, unerwünschte Turbulenzen auftreten, aus
ihrer Verankerung gerissene ungelöste Teile des Behandlungsmittels als Einschlüsse
im Gußstück auftreten oder zu viel ungelöstes Behandlungsmittel in unwirtschaftlicher
Weise im Angußsystem der Form verbleibt.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Impfen von Gußeisenschmelzen
bereitzustellen, bei dem die Gußeisenschmelze weitgehend turbulenzfrei und in möglichst
laminarer Strömung ausreichende Impfmittelmengen abträgt.
[0009] Ausgehend von einem Verfahren zum Impfen von Gußeisenschmelzen in der Form, wobei
die Gußeisenschmelze in der Form beim Durchströmen des Anguß- bzw. Anschnittsystems
der Form mit dem darin angeordneten Impfmittelformkörper in Berührung gebracht wird,
besteht in Lösung der Aufgabe das Verfahren gemäß der Erfindung darin, daß der Formkörper
an beiden Enden in gegenüberliegenden Ausnehmungen (Kernmarken) der Wandung des Anguß-
bzw. Anschnittsystems gelagert ist.
[0010] Mit der beidseitigen Lagerung bzw. Stützung des Impfmittelkörpers in Aussparungen
der Wandung bzw. in sogenannten "Kernmarken" wird, auch bei relativ geringer Tiefe
der Aussparung, ein sicherer Sitz des Formkörpers gewährleistet, wozu ggf. noch eine
Verankerung mittels eines Klebers beiträgt. Die Aussparungen bzw. Kernmarken werden
vorteilhaft der Form des Impfmittelkörpers in solcher Weise angepaßt, daß sich eine
Art Voll-Lagerschale für die einzulegenden Enden des Impfmittelkörpers ergibt. Auf
diese Weise kann praktisch keine Schmelze in die Fuge zwischen Form und Impfmittelkörper
eindringen.
[0011] Zweckmäßig liegen die in der Wandung vorgesehenen lagerartigen Aussparungen für den
Impfmittelkörper in der Teilungsebene des Formkastens. Dabei kann die Form vertikal
oder horizontal geschnitten sein.
[0012] Die neue Lagerungsart gemäß dem Verfahren der Erfindung erfordert einen Impfmittelkörper,
dessen Längsachse länger als die Querachse ist. Beispielsweise eignen sich als Formkörper
Massivstäbe von rundem oder kantigem Querschnitt, wobei diese Stäbe in der Mitte zweckmäßig
noch elliptische oder kugelförmige Verdickungen aufweisen können. Ferner kann der
Impfmittelkörper die Form eines schmalen Konus aufweisen. Insbesondere eignen sich
Impfmittelkörper in Form eines Doppelkonus oder einer Doppelpyramide. Nach einer weiteren
Ausgestaltung der Impfmittelkörper des Verfahrens der Erfindung ist es nicht erforderlich,
daß diese rotationssymmetrisch ausgebildet sind; vielmehr können diese auch quaderförmig
ausgebildet sein und mit ihrer Schmalseite in der Strömungsrichtung der Gußeisenschmelze
stehen. Zwecks weitgehender Vermeidung von Turbulenzen ist eine Anpassung der Form
im Angußteil an die Gestalt des Impfmittelkörpers zweckmäßig, so daß ein strömungsgünstiger
Fluß der Gußeisenschmelze herbeigeführt wird.
[0013] Nach einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die Ausbildung eines Staus
der Gußeisenschmelze im Bereich des Impfmittelkörpers vorgesehen, so daß dieser quasi
in der im Einguß stehenden Schmelze liegt und reagiert. Hierzu wird unmittelbar unterhalb
des Impfmittelkörpers eine Verengung des kreisförmigen Querschnitts des Eingußkanals
auf einen schlitzförmigen Querschnitt vorgenommen, der sich nachfolgend wiederum auf
den ursprünglichen kreisförmigen Querschnitt erweitert.
[0014] Das Verfahren der Erfindung weist Vorteile auf. In dem erfindungsgemäßen Impfverfahren
wird der Impfmittelkörper von der Metallschmelze praktisch vollständig umströmt und
nur ein relativ kleiner Teil der jeweiligen Enden ist in der Wandung gelagert und
von keramischem Material abgedeckt. Aufgrund der beidseitigen Lagerung kann die Lagerschale
auch kleiner sein. Hierdurch steht mehr Impfmitteloberfläche pro Gewichtseinheit strömender
Schmelze zur Verfügung. Darüber hinaus braucht die Mantelfläche des Impfmittelkörpers
in der Kernmarke (Sackloch) nicht auf Pressung zu sitzen. Die beidseitige Lagerung
gibt, gegenüber einer einseitigen Lagerung, einen sicheren Schutz des Körpers gegen
Ausbruch, da keine Drehmomentwirkung eintreten kann, die durch den Strömungsdruck
der Gußeisenschmelze verursacht wird. Mit besonderem Vorteil kann das Impfverfahren
der Erfindung auf das Formmaskenverfahren angewendet werden, weil in die relativ dünnen
Wandungen der (Halb-)Masken die Lagerschalen gut einzuformen sind und außerdem in
die Kernmarken der druckempfindlichen Masken der Impfmittelkörper nur lose eingelegt
und nicht eingepreßt zu werden braucht, wodurch unnötiger Ausschuß durch Zerstörung
vermieden wird.
[0015] Das Verfahren der Erfindung wird anhand der Abbildungen und des Beispiels näher und
beispielhaft erläutert.
In Fig. 1 a ist ein Schnitt durch den Einlauf (2) eines Formkastens (1) mit vertikaler
Kastenteilung (5) (Linie A-B) schematisch dargestellt. In der Wandung des Einlaufs
(2) befinden sich Kernmarken (3), in denen der konusförmige Impfmittelkörper (4) mit
seinen beiden Enden gelagert ist.
Fig. 1 b ist ein Schnitt entlang der Linie A-B (Teilungsebene) der Fig. 1 a.
Fig. 2 a zeigt eine weitere Ausführungsform der Erfindung. Dabei ist in den Kernmarken
(3) des Einlaufs (2) ein Impfmittelkörper in Form eines Doppelkonus (4) an beiden
Enden gelagert.
Fig. 2 b ist ein Schnitt entlang der Linie C-D (Teilungsebene) der Fig. 2 a.
Beispiel 1 (gemäß Stand der Technik)
[0016] Es wurden Kurbelwellen aus Gußeisen mit Kugelgraphit der Zusammensetzung 3,75 % C,
0,32 % Mn, 0,6 % Cu, 2,1 % Si, 0,009 % S und 0,042 % Mg in eine vertikal geteilte
Form vergossen. Die übliche sogenannte Nachimpfung erfolgte im Angußtrichter der Form
unter Verwendung eines kegelstumpfförmigen Impfmittelkörpers der Zusammensetzung 75
% Si, 0,6 % Ca, 1,8 % Al, Rest Fe bei einer Gießtemperatur von 1395°C. Das Gießgewicht
einschließlich Speiser und Angußsystem betrug 56 kg, der Impfmittelkörper wog 63 g.
Der Impfmittelkörper wurde in eine Kernmarke im Angußtrichter zu etwa 1/3 seiner Höhe
eingelassen und fixiert. Der Einguß wurde mit einem 2,5 mm dicken Eisenblech abgedeckt,
so daß die zur Füllung des Angußtrichters und zur Aktivierung des Impfmittelkörpers
erforderliche Verzögerung sich einstellte. Die Füllzeit der Form betrug 11 sec. Das
metallurgische Ergebnis der Impfung wurde an Schliffproben (aus dem sog. Zapfen der
Welle) ermittelt, wobei folgende Größen der Graphitkugeln im überwiegend perlitischen
Grundgefüge ermittelt wurden:
| Gefüge |
Sphärolithe pro mm² |
Größenverteilung ⌀ in µm |
| |
|
60-80 |
40-60 |
20-40 |
< 20 |
| bis ca. 3 % Zementit |
|
2,9 % |
2,9 % |
20,4 % |
73,8 % |
| ca. 15 % Ferrit |
205 |
|
|
|
|
| Rest Perlit |
|
|
|
|
|
[0017] Bei Überprüfung der chargenweise vergossenen Kurbelwellen in Losgrößen von 40 Stück
wurden in Einzelfällen im Gefüge geringe Zementitreste festgestellt, so daß die Kurbelwellen
einer nachträglichen Normalisierungsglühung unterworfen werden mußten, um ein einwandfreies
Gefüge sicherzustellen. Weitere Versuche, durch Veränderung der Anordnung des Impfmittelkörpers
im Angußtrichter eine reproduzierbare Produktionssicherheit im Hinblick auf Zementitfreiheit
des Wellenzapfens der Kurbelwelle zu erreichen, brachten keine Verbesserung.
Beispiel 2 (gemäß Erfindung)
[0018] Es wurden wiederum Kurbelwellen aus Gußeisen mit Kugelgraphit der Zusammensetzung
3,75 % C, 0,32 % Mn, 0,6 % Cu, 2,1 % Si, 0,009 % S und 0,042 % Mg in eine vertikal
geteilte Form bei 1395°C vergossen. Zur Nachimpfung wurde ein Impfmittelkörper der
Zusammensetzung gemäß Beispiel 1 verwendet. Hierzu wurden in der Wandung des Eingusses
in kleinem Abstand unterhalb des Eingußtrichters Aussparungen nach Art einer Kernmarke
vorgesehen. In diesen Aussparungen wurde der Impfmittelkörper in Form eines Kegelstumpfes
bzw. eines Doppelkegelstumpfes (s. Fig. 1 u. 2) mit seinen beiden Enden zapfenartig
gelagert. Die in den gegenüberliegenden Aussparungen gelagerten beiden Körperabschnitte
hatten eine Länge von jeweils etwa 1/8 der Gesamtkörperlänge. Unterhalb des Impfmittelkörpers
wurde durch Verengung des kreisförmigen Eingußquerschnitts auf einem schlitzförmigen
Querschnitt, mit nachfolgender Öffnung auf den Ausgangsquerschnitt, ein Stau der Eisenschmelze
erreicht, so daß der Impfmittelkörper quasi in der gestauten Schmelze lag und sich
etwa proportional zur durchströmenden Eisenmenge auflösen konnte.
[0019] Unter Verwendung von Impfmittelkörpern gemäß Fig. 1 und Fig. 2 war die Füllzeit der
Form mit 12 - 13 sec. nur unwesentlich länger als in Beispiel 1. Das Gewicht des Kegelstumpfes
betrug 63,8 g, das des Doppelkegelstumpfes 66,2 g. Beide Impfmittelkörper wiesen die
chemische Zusammensetzung des Impfmittelkörpers des Beispiels 1 auf. Unter Verwendung
des als Doppelkegelstumpf ausgebildeten, an beiden Enden in Aussparungen der Eingußwand
gelagerten Impfmittelkörpers wurde unmittelbar das zementitfreie Gefüge erzielt mit
einer Graphitkugel-Verteilung gemäß nachstehender Tabelle. Das metallurgische Ergebnis
der Impfung wurde an einer Charge von 40 Kurbelwellen geprüft. Hierzu wurden Proben
aus den sogenannten Wellenzapfen entnommen und hiervon Schliffe angefertigt und die
Gefügeausbildung überprüft. Zusätzlich wurde der Schliff auf Zementit hin geätzt.
| Gefüge |
Sphärolithe pro mm² |
Größenverteilung ⌀ in µm |
| |
|
60-80 |
40-60 |
20-40 |
< 20 |
| frei von Zementit |
|
|
|
|
|
| 20 % Ferrit |
235 |
- |
1,0 % |
34,6 % |
64,4 % |
| Rest Perlit |
|
|
|
|
|
[0020] Der Tabelle ist zu entnehmen, daß die Sphärolithen des Bereichs mit größtem Durchmesser
nunmehr fehlen, und daß der mittlere Kugeldurchmesser kleiner geworden ist. Diese
deutliche Verbesserung der Impfmittelbehandlung führt zu einer erhöhten Biegewechselfestigkeit
des Gußstücks bzw. der Kurbelwelle.
[0021] Neben der in den Beispielen genannten Impflegierung wurden mit ähnlichem Ergebnis
auch Impfkörper aus Impflegierungen auf Basis FeSi 45, FeSi 60 und FeSi 90, die mit
impfwirksamen Elementen wie Strontium, Kalzium, Zirkonium, Barium, Wismut und Seltene
Erdmetalle wie Ce, La u.a. legiert waren, verwendet.
1. Verfahren zum Impfen von Gußeisenschmelzen in der Form, wobei die Gußeisenschmelze
in der Form beim Durchströmen des Anguß- bzw. Anschnittsystems der Form mit dem darin
angeordneten Impfmittelformkörper in Berührung gebracht wird, dadurch gekennzeichnet,
daß der Formkörper an beiden Enden in gegenüberliegenden Ausnehmungen (Kernmarken)
der Wandung des Anguß- bzw. Anschnittsystems gelagert ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Formkörper in, in der
Teilungsebene der Form befindlichen Ausnehmungen der Wandung gelagert ist.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Formkörper
verwendet wird, dessen Längsachse länger als die Querachse ist.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein Körper in
Form eines Konus verwendet wird.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein Körper in
Form eines Doppelkonus verwendet wird.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß unmittelbar
unterhalb des Impfmittelkörpers eine Verengung des Durchströmungsquerschnitts vorgenommen
wird.