(19)
(11) EP 0 303 720 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.02.1989  Patentblatt  1989/08

(21) Anmeldenummer: 87111789.1

(22) Anmeldetag:  14.08.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4A61F 2/30
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE ES FR GB GR IT LI NL SE

(71) Anmelder: GRAMMER AG
D-92224 Amberg (DE)

(72) Erfinder:
  • Meiller, Hermann
    D-8450 Amberg (DE)

(74) Vertreter: LOUIS, PÖHLAU, LOHRENTZ & SEGETH 
Postfach 3055
90014 Nürnberg
90014 Nürnberg (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Sitz, insbesondere Arbeitssitz, bspw. Bürostuhl oder Fahrersitz


    (57) Bei einem Sitz, bei dem der eine Schenkel (10a) eines Rücken­lehnenträgers (10) unter einen Sitzträger (12) greift, sind zur Verstellung der Rückenlehnenneigung die Schwenkachse (14) in einem Schienenpaar (16) und der Schenkel (10a) an einer an­deren Stelle (18) derart geführt, daß bei einer Vorwärtsbewe­gung des Sitzträgers das obere Ende des Rückenlehnenträgers sich in entgegengesetzter Richtung und nach unten bewegt.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft einen Sitz, insbesondere Arbeitssitz, bspw. Bürostuhl oder Fahrersitz, mit einem Sitzträger und einem Rückenlehnenträger, der in der Seitenansicht L-förmig ausgebil­det ist, wobei der eine Schenkel des Rückenlehnenträgers unter den Sitzträger greift und auf dessen Unterseite mit diesem über eine Schwenkachse verschwenkbar verbunden ist.

    [0002] Ein derartiger Sitz ist bspw. aus dem europäischen Patent 0 022 933 bekannt. Bei diesem Sitz wird die Neigung der Rücken­lehne mit Hilfe einer Gasfeder eingestellt, die zwischen dem unter den Sitzträger greifenden Schenkel und dem Sitzfuß wirk­sam ist. Zum Verstellen der Rückenlehnenneigung muß die Gas­feder mittls eines Betätigungshebel geöffnet werden.

    [0003] Es sind auch Sitze bekannt, bei denen der gegenüber dem Sitz­träger verschwenkbare Rückenlehnenträger federnd abgestützt ist, so daß sich die Neigung der Rückenlehne der jeweiligen Sitzposition anpaßt. Diese Sitze haben zwar den Vorteil, daß eine Handbetätigung zur Verstellung der Rückenlehnenneigung entfällt, jedoch auch den Nachteil, daß die Rückenlehne dem Sitzbenutzer keinen starren Halt bietet. Der Sitzbenutzer hat beim Sitzen ein "schwammiges" Gefühl , weil die Rückenlehne bei entsprechender Beaufschlagung in der Neigung nachgibt und den Rücken des Sitzbenutzers nicht starr abstützt.

    [0004] Ferner sind Reisesitze für Schienenfahrzeuge bekannt, bei de­nen der Rückenlehnenträger gegenüber dem Sitzträger um eine am hinteren Ende des Sitzträgers befindliche Schwenkachse nach Art eines Klappmessers verschwenkbar ist. Der Rückenlehnenträ­ger ist also hier nicht in der Seitenansicht L-förmig ausge­bildet, sondern besteht vielmehr nur aus dem einen Schenkel verglichen mit dem L-förmigen Rückenlehnenträger. Der Sitz­träger und der Rückenlehnenträger sind in Schienen derart geführt, daß bei einer Vorwärtsbewegung des Sitzträgers der Rückenlehnenträger in Richtung der horizontalen Erstreckung abklappt, bis aus dem Sitz eine Liege wird. Dabei bewegt sich das obere Ende des Rückenlehnenträgers vertikal nach unten, so daß am Ende der Abklappbewegung der Sitzträger um die Länge des Rückenlehnenträgers nach vorne verschoben ist. Ein der­artiger Reisesitz ist aus dem deutschen Patent 20 54 817 be­kannt.

    [0005] Ein solcher Reisesitz eignet sich grundsätzlich nicht als Ar­beitssitz, bspw. als Bürostuhl, weil die für das Erreichen einer bestimmten Rückenlehnenneigung erforderliche Vorwärts­bewegung des Sitzträgers zu groß ist. Die Neigung der Rücken­lehne bzw. des Rückens des Sitzbenutzers wird ausschließlich dadurch erzielt, daß der Sitzbenutzer mit dem Sitzträger um ein entsprechend großes Stück nach vorne rutscht. Auf einem Bürostuhl angewandt hätte dies zur Folge, daß der Sitzbenutzer den Bürostuhl um ein entsprechend großes Stück nach hinten verschieben muß, wenn er den Abstand zu einer Arbeitsplatte nicht ändern möchte. Außerdem müßte der Bürostuhl über eine sehr große Fläche am Boden abgestützt werden, damit er der großen horizontalen Wanderung des Schwerpunktes bei einer Nei­gungsverstellung der Rückenlehne Rechnung tragen kann.

    [0006] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, einen auch als Arbeitssitz geeigneten Sitz zu schaffen, bei dem die Neigung der Rückenlehne ohne Handbetätigung allein durch eine Änderung der Position des Sitzbenutzers verstellbar ist und bei dem trotzdem die Rückenlehne in jeder Neigung, abgesehen von einer eventuellen Polsterung, dem Sitzbenutzer eine starre Abstützung des Rückens bietet.

    [0007] Diese Aufgabe wird ausgehend von einem Sitz der eingangs genann­ten Art erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung die Enden der Schwenkachse in einem Schienenpaar und der unter den Sitzträger greifende Schenkel an einer von der Schwenkachse entfernten Stelle derart geführt sind, daß bei einer Vorwärtsbewegung des Sitzträgers das freie Ende des anderen Schenkels sich in entgegengesetzter Richtung und nach unten bewegt.

    [0008] Bei einem solchen Sitz, bei dem die Neigung des Rückenlehnen­trägers gegenüber dem Sitzträger für jede Position des Sitz­trägers zwangsläufig fest vorgegeben ist, so daß ein schwam­miges Gefühl beim Zurücklehnen vermieden wird, wird die Nei­gungsbewegung der Rückenlehne, die erforderlich ist, um dem Sitzbenutzer in die gewünschte geneigte Sitzstellung zu über­führen, zwischen Sitzträger und Rückenlehnenträger aufgeteilt. Das obere Ende des Rückenlehnenträgers bewegt sich ja entge­gengesetzt zur horizontalen Bewegungsrichtung des Sitzträgers, so daß verglichen mit dem Reisesitz aus dem deutschen Patent 20 54 817 nur eine geringe Vorwärtsbewegung des Sitzträgers zur Erzielung der gleichen Rückenlehnenneigung erforderlich ist. Daraus ergibt sich erstens, daß der Schwerpunkt kaum wandert, so daß ein solcher Sitz nur eine geringe Standfläche benötigt und damit auch leicht als Bürostuhl ausgebildet werden kann, und ergibt sich zweitens, daß der Drehpunkt, um den sich der Sitzbenutzer bei einer Verstellung der Rückenlehnenneigung dreht, praktisch ortsfest in Bauchnähe gehalten werden kann, so daß sich der Abstand des Sitzbenutzers von einer Arbeitsplatte oder einem sonstigen Arbeitsgerät praktisch nicht ändert, wenn der Sitzbenutzer die Rückenlehnenneigung ändert.

    [0009] Ferner ist die von Haus aus einfache Mechanik beim erfindungs­gemäßen Arbeitssitz hervorzuheben sowie der Umstand, daß die Führungseinrichtungen alle unterhalb des Sitzträgers liegen, wo sie nicht stören.

    [0010] Mit der Erfindung wird also ein Arbeitssitz geschaffen, dessen Rückenlehnenneigung sich automatisch verstellt, wenn der Sitz­benutzer mit dem Sitzträger ein wenig nach vorne oder nach hin­ten rückt, wobei zusätlich zu dieser bequemen Verstellmöglich­keit bei gleichzeitig starrer Abstützung des Rückens des Sitz­benutzers noch der Vorteil besteht, daß der Drehpunkt, um den sich der Sitzbenutzer bei Verstellung der Rückenlehnenneigung dreht, weitgehend ortsfest in Brust- oder Bauchhöhe in einem kurzen Abstand vor dem Sitzbenutzer gehalten werden kann.

    [0011] Vorteilhafterweise ist die Schwenkachse zwischen Sitzträger und Rückenlehnenträger vom hinteren Ende des Sitzträgers derart weit beabstandet, daß der Drehpunkt zwischen dem die eigentliche Rük­kenlehne bildenden aufrechten Schenkel des Rückenlehnenträgers und dem Sitzträger in einem Bereich zu liegen kommt, in dem der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers bei einer Änderung der Neigung des Rückens liegt. Auf diese Weise wird der Nachteil vermieden, daß einem Sitzbenutzer das Hemd ausgezogen wird, wenn er das Rückenlehnenteil nach hinten neigt und dabei sitzen bleibt und sich mit seinem Rücken an der Rückenlehne anlehnt. Dieser Auszieheffekt, der bei Sitzen auftritt, deren Drehpunkt zwischen Sitzfläche und Rückenlehne sich genau an der Stelle befindet, wo beide zusammenstoßen, erklärt sich dadurch, daß der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers sich am Gesäß des Sitzbenutzers in einem Abstand von der Rückenlehne befindet, so daß ein Punkt am Rücken des Sitzbenutzers bei der Neigungs­verstellung einen größeren Radius um den Drehpunkt des Rückens als der gleiche Punkt des Rückenlehnenträgers um den Drehpunkt des Rückenlehnenträgers beschreibt.

    [0012] Vorzugsweise ist das Schienenpaar, in dem die Enden der gemein­samen Schwenkachse von Rückenlehnenträger und Sitzträger ver­schiebbar sind, in seiner Neigung verstellbar. Dadurch kann na­turgemäß der Weg, den der Rückenlehnenträger, insbesondere sein oberstes Ende, bei einer Neigungsverstellung zurücklegt, geändert werden. Insbesondere kann die Anordnung derart getroffen werden, daß in einer Einstellung des Schienenpaares bei der Neigungsver­stellung der Rückenlehne das oberste Ende der Rückenlehne nach hinten ausgreift, während sich der Sitzträger nach vorne ver­schiebt (Aufteilung der Neigungsveränderung in zwei entgegen­gesetzte Bewegungsrichtungen), wohingegen in einer anderen Ein­stellung des Schienenpaares sich bei einer Neigungsverstellung des Rückenlehnenträgers das oberste Ende des Rückenlehnenträgers nicht nach hinten hinausbewegt, sondern vielmehr sich entlang einer Vertikalen nach unten bewegt, wie dies bspw. bereits aus dem deutschen Patent 20 54 817 bekannt ist. Durch eine einfa­che Maßnahme, nämlich Verstellung der Neigung des Schienenpaares, läßt sich also ein Sitz schaffen, der bspw. als sogenannter Reihensitz in Personentransportmitteln wie der Eisenbahn ver­wendbar ist, wo die Sitzreihen nacheinander angeordnet sind und es erwünscht ist, daß sich der Drehpunkt, um den sich der Sitzbenutzer bei einer Neigungsverstellung dreht, praktisch nicht ändert, der sich aber andererseits auch als sogenannter Abteilsitz in Personenbeförderungsmittel wie der Eisenbahn einsetzen läßt, der an einer Wand des Abteils angeordnet ist und dessen Rückenlehne dann nicht mehr hinten ausschwenken kann, wie dies auch in dem bereits genannten deutschen Patent 20 54 817 beschrieben ist.

    [0013] Zweckmäßigerweise ist der unter den Sitzträger greifende Schen­kel an der von der Schwenkachse entfernten Stelle in einem wie­teren Schienenpaar geführt.

    [0014] Der Sitzträger ist an einer von der gemeinsamen Schwenkachse von Sitzträger und Rückenlehnenträger entfernten Stelle eben­falls geführt. Diese Führung besteht vorzugsweise in einem sta­tionären Auflager, das in einer besonderen Ausführungsform eine drehbare Rolle ist, auf die der Sitzträger mit seinem von der gemeinsamen Schwenkachse von Sitzträger und Rückenlehnenträger entfernten Ende aufliegt.

    [0015] In die beiden Schienenpaare, die den Rückenlehnenträger führen, greifen vorzugsweise Führungszapfen oder noch besser Führungs­rollen.

    [0016] Weitere Vorteile, Einzelheiten und Merkmale der Erfindung er­geben sich aus der nachstehenden Beschreibung, die anhand der beiliegenden Zeichnung erfolgt. In der Zeichnung stellen dar:

    Fig. 1 schematisch eine Seitenansicht des erfindungsgemäßen Sitzes in zwei Stellungen,

    Fig. 2a die Bewegung eines Sitzbenutzers bei der Rückenleh­nenverstellung eines herkömmlichen Sitzes und

    Fig. 2b die Bewegung eines Sitzbenutzers bei der Rückenleh­nenverstellung des erfindungsgemäßen Sitzes,

    Fig. 3 eine perspektivische Ansicht eines Grundgestells für einen als Eisenbahnsitz verwendeten erfindungsgemäßen Sitz,

    Fig. 4 und 5 zwei verschiedene Postionen eines als Eisenbahnsitz mit einem Grundgestell nach Fig. 3 verwendeten er­findungsgemäßen Sitzes, wenn dieser als sogenannter Reihensitz eingesetzt wird, und

    Fig. 6 und 7 zwei verschiedene Positionen eines als Eisenbahnsitz mit einem Grundgestell nach Fig. 3 verwendeten er­findungsgemäßen Sitzes, wenn dieser als sogenannter Abteilsitz eingesetzt wird.



    [0017] In Fig. 1 ist das Konstruktionsprinzip eines erfindungsgemäßen Sitzes schematisch dargestellt. Ein L-förmiger Rückenlehnen­träger 10 greift mit seinem unteren Schenkel 10a unter einen Sitzträger 12. Um eine Strecke x vom hinteren Ende des Sitz­trägers beabstandet ist unterhalb des Sitzträgers eine Schwenk­achse 14 vorgesehen, um die der Sitzträger 12 und der Rücken­lehnenträger 10 gegeneinander verschwenkbar sind. Die Schwenk­achse 14 ist, wie schematisch dargestellt, mit ihren Enden in einem in der horizontalen Blickrichtung des Sitzbenutzers nach unten verlaufenden stationären Schienenpaar 16 geführt. Das freie Ende des unter den Sitzträger 12 greifenden Schenkels 10a des Rückenlehnenträgers 10, das von der Schwenkachse 14 beabstandet ist, ist mittels Führungszapfen oder - rollen 18 in einem weiteren stationären Schienenpaar 20 geführt, das in der horizontalen Blickrichtung des Sitzbenutzers nach oben ver­läuft. Am Ende des Schienenpaars 20 ist ein vorzugsweise in Form einer drehbaren Rolle ausgebildetes stationäres Auflager 22 vorgesehen, auf dem der Sitzträger 12 vorne abgestützt ist.

    [0018] Die ausgezogenen Linien geben die Stellung von Rückenlehnen­träger und Sitzträger in der aufrechten Position des erfindungs­gemäßen Sitzes wieder, während in gestrichelten Linien die Ruheposition des erfindungsgemäßen Sitzes gezeigt ist, d.h. die Position mit der größten Rückenlehnenneigung. Aus dieser schematischen Zeichnung wird deutlich, daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung der Sitzträger 12 nach vorne bewegt werden muß, was eine daraufsitzende Person leicht vornehmen kann, worauf sich dann zwangsläufig der Rückenlehnenträger 10 nach hinten ausschwenkend wie dargestellt neigt. Das oberste Ende des Rückenlehnenträgers 10 bewegt sich also verglichen mit dem vordersten Ende des Sitzträgers 12 in entgegengesetzter Richtung. Die Neigungsbewegung der Rückenlehne des erfindungs­gemäßen Sitzes wird also in zwei entgegengesetzt gerichtete Bewegungen von Sitzträger und Rückenlehnenträger aufgeteilt, was unter anderem eine platzsparende Anordnung derartiger Sitze als Reihensitze in Personenfortbewegungsmitteln wie Flugzeugen und Eisenbahnen erlaubt. Wie man außerdem ohne weiteres sieht, wandert der Schwerpunkt bei einer Verstellung der Rückenlehnen­neigung durch die Aufteilung der Neigungsbewegung in zwei ent­gegengesetzt gerichtete Bewegungen kaum, so daß ein solcher Sitz, wenn er bspw. als Bürostuhl verwendet werden soll, zur Abstützung keine weit auskragenden Ausleger am Fuße benötigt.

    [0019] Ein weiterer Vorteil,der durch die Aufteilung der Neigungs­bewegung der Rückenlehne in zwei entgegengesetzte Bewegungs­richtungen erzielt wird, geht aus einem Vergleich der Figuren 2a und 2b hervor. In Fig. 2a ist die Verstellung der Rücken­lehnenneigung bei einem herkömmlichen Sitz gezeigt, bei dem die Neigungsbewegung der Rückenlehne nicht in zwei zueinander entgegengesetzt gerichtete Bewegungen von Sitzträger und Rük­kenlehnenträger aufgeteilt wird. Das hat, wie man aus Fig. 2a sieht, zur Folge, daß sich der Sitzbenutzer bei einer Ver­stellung der Rückenlehnenneigung von einer Arbeitsplatte weg­bewegt. Der Drehpunkt, um den sich sein Oberkörper bewegt, wandert also mit der nach hinten gerichteten Bewegung der Rük­kenlehne mit. Grundlegend anders liegen jedoch die Verhältnisse beim erfindungsgemäßen Sitz, die in Fig. 2b gezeigt sind. Die nach hinten gerichtete Bewegung der Rückenlehne wird sozusagen von der nach vorne gerichteten Bewegung des Sitzträgers kom­pensiert, so daß der Drehpunkt des Oberkörpers des Sitzbenutzers bei einer Verstellung der Rückenlehnenneigung kaum wandert und dieser in Bauchhöhe nahe seiner Arbeitsplatte bleibt. Der Ort des Drehpunkts D und sein Weg, den er bei einer Verstellung der Rückenlehne beschreibt, wird, wie der Fachmann erkennt, durch den Verlauf der Schienenpaare 16 und 20, in denen der Rückenlehnenträger 10 an zwei voneinander beabstandeten Stel­len (14 und 18) geführt wird, festgelegt. Soll bspw. die er­findungsgemäße Sitzkonstruktion als Fahrersitz in einem Auto verwendet werden, so wird der Drehpunkt D durch einen entspre­chenden Verlauf der Schienenpaare 16 und 20 so gelegt, daß er bei normaler Fahrerhaltung nahe den Armgelenken des Fahrers liegt, so daß der Fahrer bei einer Verstellung der Sitzneigung die Arme nich anziehen bzw. strecken muß, er also weitgehend die Position zum Lenkrad beibehält. Um dieses Ziel zu errei­chen mußte ja bislang der Fahrersitz längs verstellt werden.

    [0020] Der in Fig. 1 gezeigte Abstand x der Schwenkachse 14 vom hinte­ren Ende des Sitzträgers hat zur Folge, daß der Drehpunkt zwi­schen dem aufrechten Schenkel des Rückenlehnenträgers 10 und dem Sitzträger 12 in einem Bereich zu liegen kommt, in dem der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers bei einer Änderung der Neigung des Rückens liegt. Auf diese Weise wird der Nachteil vermieden, daß einem Sitzbenutzer das Hemd ausgezogen wird, wenn er das Rückenlehnenteil nach hinten neigt und dabei sitzen bleibt und sich mit seinem Rücken an der Rückenlehne anlehnt. Dieser Auszieheffekt, der bei Sitzen auftritt, deren Drehpunkt am hinteren Ende des Sitzträgers 12 liegt, erklärt sich da­durch, daß der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers sich am Gesäß des Sitzbenutzers in einem Abstand von der Rücken­ lehne befindet, so daß ein Punkt am Rücken des Sitzbenutzers bei einer Neigungsverstellung einen größeren Radium um den Drehpunkt des Rückens als der gleiche Punkt des Rückenlehnen­tragers um den Drehpunkt des Rückenlehnenträgers beschreibt.

    [0021] Es sei nochmals hervorgehoben, daß bei dem erfindungsgemäßen Sitz eine Verstellung der Rückenlehnenneigung erreicht wird, ohne daß der Sitzbenutzer hierfür irgendwelche Handriffe vor­zunehmen hat. Vielmehr erreicht er diese Neigungsverstellung durch eine Verschiebung seines Körpers. Dabei ist festzuhalten, daß sein Rücken in jeder Neigungsposition starr abgestützt wird, wenn er seinen Körper (Sitzträger!) nicht verlagert.

    [0022] Die nach Fig. 1 getrennt voneinander ausgebildeten Schienen­paare 16 und 20 können auch in Form eines einzigen durchgehen­den Schienenpaares vorliegen, wie ohne weiteres einzusehen ist, ohne die oben genannten Vorteile aufzugeben.

    [0023] Der erfindungsgemäße Sitz kann als Bürostuhl, als Fahrersitz oder für irgendeine andere Sitzart entsprechend ausgebildet werden. Auch sind für den Fachmann die Variationsmöglichkei­ten sehr groß. Von entscheidender Bedeutung bei jeder Sitz­konstruktion nach der Erfindung ist lediglich, daß zur Verstel­lung der Rückenlehnenneigung die Enden der Schwenkachse von Rückenlehnenträger und Sitzträger in einem Schienenpaar und der unter den Sitzträger greifende Schenkel an einer von der Schwenkachse entfernten Stelle derart geführt sind, daß bei einer Vorwärtsbewegung des Sitzträgers das freie Ende des an­deren Schenkels sich in die entgegengesetzte Richtung und nach unten bewegt.

    [0024] In den Fig. 3 bis 7 ist ein nach der Erfindung konstruierter Eisenbahnsitz dargestellt, der sowohl als sogenannter Reihen­sitz bei mehreren hintereinander angeordenten Sitzreihen als auch als sogenannter Abteilsitz verwendet werden kann, der so nahe wie möglich an einer Wand eines Zugabteils angeordnet ist. Der dargestellte Eisenbahnsitz hat ein am Boden zu be­festigendes Grundgestell 24 (sh. Fig. 3), an dem die beiden Schienenpaare 16 und 20 (vgl. Fig. 1) befestigt sind. Dabei besteht nun die Besonderheit, daß das Schienenpaar 16 um eine an seinem oberen Ende vorgesehene Achse 26 herum verschwenkbar ist, wobei das untere Ende mittels Zapfen 28 in Führungsschlitzen 30 geführt ist. Das Schienenpaar 16 ist in den Endstellungen, die an den beiden Enden der Führungsschlitze 30 erreicht sind, arretierbar. Der Rückenlehnenträger 10 ist mit den Enden seiner Schwenkachse 14 in das Schienenpaar 16 einsetzbar, wobei gleich­zeitig die Führungszapfen 18 des unteren Schenkels 10a des Rük kenlehnenträgers 10 in das Schienenpaar 20 greifen.

    [0025] Befindet sich das Schienenpaar 16 in der unteren Endstellung, so verhält sich der Sitz so, wie es nach der Erfindung gefor­dert wird, d.h. seine Rückenlehne schwenkt nach hinten aus, wenn seine Sitzfläche nach vorne verschoben wird, wie dies in den Fig. 4 und 5 dargestellt ist. In dieser Stellung des Schie­nenpaars 16 kann der als sogenannter Reihensitz verwendet werden.

    [0026] In der oberen Endstellung des Schienenpaares 16 jedoch wird die Schwenkachse 14 bei einder Vorwärtsbewegung der Sitzfläche derart weit mit nach vorne genommen, daß der Rückenlehnenträger in seinem oberen Bereich sich gar nicht mehr nach hinten bewe­gen kann, sondern vielmehr entlang einer Vertikalen etwa nach unten absinkt. Dieser Bewegungsverlauf geht aus den Fig. 6 und 7 hervor. Der Sitz kann bei dieser Einstellung der Schwenkachse 16 dann als sogenannter Abteilsitz verwendet werden.

    [0027] Der erfindungsgemäße Sitz kann als durch eine einfache tech­nische Maßnahme als sogenannter Reihensitz oder als sogenann­ter Abteilsitz verwendet werden.


    Ansprüche

    1. Sitz, insbesondere Arbeitssitz, bspw. Bürostuhl oder Fahrer­sitz, mit einem Sitzträger (12) und einem Rückenlehnenträger (10), der in der Seitenansicht L-förmig ausgebildet ist, wobei der eine Schenkel (10a) des Rückenlehnenträgers (10) unter den Sitzträger (12) greift und auf dessen Unterseite mit deisem über eine Schwenkachse (14) verschwenkbar ver­bunden ist,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung die Enden der Schwenkachse (14) in einem Schienenpaar (16) und der unter den Sitzträger (12) greifende Schenkel (10a) an einer von der Schwenkachse (14) entfernten Stelle (18) derart geführt sind, daß bei einer Vorwärtsbewegung des Sitzträgers (12) das freie Ende des anderen Schenkels (10b) sich in entgegen­gesetzter Richtung und nach unten bewegt.
     
    2. Sitz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schwenk­achse (14) zwischen Sitzträger (12) und Rückenlehnenträger (10) vom hinteren Ende des Sitzträgers (12) derart weit (x) beabstandet ist, daß der Drehpunkt zwischen dem die eigent­liche Rückenlehne bildenden aufrechten Schenkel (10b) des Rückenlehnenträgers (10) und dem Sitzträger (12) in einem Bereich zu liegen kommt, in dem der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers bei einer Änderung der Neigung des Rückens liegt.
     
    3. Sitz nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Abschnitt des Schienenpaares (16), innerhalb welchem sich die Enden der gemeinsamen Schwenkachse (14) von Rücken­lehnenträger (10) und Sitzträger (12) verschiebbar sind, in seiner Neigung verstellbar ist.
     
    4. Sitz nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeich­net, daß der unter den Sitzträger (12) greifende Schenkel (10a) an der von der Schwenkachse (14) entfernten Stelle (18) in einem zweiten Schienenpaar (20) geführt ist.
     
    5. Sitz nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge­kennzeichnet, daß der Sitzträger (12) an einer von der ge­meinsamen Schwenkachse (14) von Sitzträger (12) und Rücken­lehnenträger (10) entfernten Stelle (22) ebenfalls geführt ist.
     
    6. Sitz nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Füh­rung in einem stationären Auflager (22), vorzugsweise einer drehbaren Rolle, besteht, auf der der Sitzträger (12) mit seinem von der gemeinsamen Schwenkachse (14) von Sitzträger (12) und Rückenlehnenträger (10) entfernten Ende aufliegt.
     
    7. Sitz nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge­kennzeichnet, daß in die Schienenpaare (16, 20), die den Rückenlehnenträger (10) führen, Führungszapfen, vorzugs­weise Führungsrollen, greifen.
     




    Zeichnung

























    Recherchenbericht