[0001] Die Erfindung betrifft einen Sitz, insbesondere Arbeitssitz, bspw. Bürostuhl oder
Fahrersitz, mit einem Sitzträger und einem Rückenlehnenträger, der in der Seitenansicht
L-förmig ausgebildet ist, wobei der eine Schenkel des Rückenlehnenträgers unter den
Sitzträger greift und auf dessen Unterseite mit diesem über eine Schwenkachse verschwenkbar
verbunden ist.
[0002] Ein derartiger Sitz ist bspw. aus dem europäischen Patent 0 022 933 bekannt. Bei
diesem Sitz wird die Neigung der Rückenlehne mit Hilfe einer Gasfeder eingestellt,
die zwischen dem unter den Sitzträger greifenden Schenkel und dem Sitzfuß wirksam
ist. Zum Verstellen der Rückenlehnenneigung muß die Gasfeder mittls eines Betätigungshebel
geöffnet werden.
[0003] Es sind auch Sitze bekannt, bei denen der gegenüber dem Sitzträger verschwenkbare
Rückenlehnenträger federnd abgestützt ist, so daß sich die Neigung der Rückenlehne
der jeweiligen Sitzposition anpaßt. Diese Sitze haben zwar den Vorteil, daß eine Handbetätigung
zur Verstellung der Rückenlehnenneigung entfällt, jedoch auch den Nachteil, daß die
Rückenlehne dem Sitzbenutzer keinen starren Halt bietet. Der Sitzbenutzer hat beim
Sitzen ein "schwammiges" Gefühl , weil die Rückenlehne bei entsprechender Beaufschlagung
in der Neigung nachgibt und den Rücken des Sitzbenutzers nicht starr abstützt.
[0004] Ferner sind Reisesitze für Schienenfahrzeuge bekannt, bei denen der Rückenlehnenträger
gegenüber dem Sitzträger um eine am hinteren Ende des Sitzträgers befindliche Schwenkachse
nach Art eines Klappmessers verschwenkbar ist. Der Rückenlehnenträger ist also hier
nicht in der Seitenansicht L-förmig ausgebildet, sondern besteht vielmehr nur aus
dem einen Schenkel verglichen mit dem L-förmigen Rückenlehnenträger. Der Sitzträger
und der Rückenlehnenträger sind in Schienen derart geführt, daß bei einer Vorwärtsbewegung
des Sitzträgers der Rückenlehnenträger in Richtung der horizontalen Erstreckung abklappt,
bis aus dem Sitz eine Liege wird. Dabei bewegt sich das obere Ende des Rückenlehnenträgers
vertikal nach unten, so daß am Ende der Abklappbewegung der Sitzträger um die Länge
des Rückenlehnenträgers nach vorne verschoben ist. Ein derartiger Reisesitz ist aus
dem deutschen Patent 20 54 817 bekannt.
[0005] Ein solcher Reisesitz eignet sich grundsätzlich nicht als Arbeitssitz, bspw. als
Bürostuhl, weil die für das Erreichen einer bestimmten Rückenlehnenneigung erforderliche
Vorwärtsbewegung des Sitzträgers zu groß ist. Die Neigung der Rückenlehne bzw. des
Rückens des Sitzbenutzers wird ausschließlich dadurch erzielt, daß der Sitzbenutzer
mit dem Sitzträger um ein entsprechend großes Stück nach vorne rutscht. Auf einem
Bürostuhl angewandt hätte dies zur Folge, daß der Sitzbenutzer den Bürostuhl um ein
entsprechend großes Stück nach hinten verschieben muß, wenn er den Abstand zu einer
Arbeitsplatte nicht ändern möchte. Außerdem müßte der Bürostuhl über eine sehr große
Fläche am Boden abgestützt werden, damit er der großen horizontalen Wanderung des
Schwerpunktes bei einer Neigungsverstellung der Rückenlehne Rechnung tragen kann.
[0006] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, einen auch als Arbeitssitz geeigneten
Sitz zu schaffen, bei dem die Neigung der Rückenlehne ohne Handbetätigung allein durch
eine Änderung der Position des Sitzbenutzers verstellbar ist und bei dem trotzdem
die Rückenlehne in jeder Neigung, abgesehen von einer eventuellen Polsterung, dem
Sitzbenutzer eine starre Abstützung des Rückens bietet.
[0007] Diese Aufgabe wird ausgehend von einem Sitz der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
dadurch gelöst, daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung die Enden der Schwenkachse
in einem Schienenpaar und der unter den Sitzträger greifende Schenkel an einer von
der Schwenkachse entfernten Stelle derart geführt sind, daß bei einer Vorwärtsbewegung
des Sitzträgers das freie Ende des anderen Schenkels sich in entgegengesetzter Richtung
und nach unten bewegt.
[0008] Bei einem solchen Sitz, bei dem die Neigung des Rückenlehnenträgers gegenüber dem
Sitzträger für jede Position des Sitzträgers zwangsläufig fest vorgegeben ist, so
daß ein schwammiges Gefühl beim Zurücklehnen vermieden wird, wird die Neigungsbewegung
der Rückenlehne, die erforderlich ist, um dem Sitzbenutzer in die gewünschte geneigte
Sitzstellung zu überführen, zwischen Sitzträger und Rückenlehnenträger aufgeteilt.
Das obere Ende des Rückenlehnenträgers bewegt sich ja entgegengesetzt zur horizontalen
Bewegungsrichtung des Sitzträgers, so daß verglichen mit dem Reisesitz aus dem deutschen
Patent 20 54 817 nur eine geringe Vorwärtsbewegung des Sitzträgers zur Erzielung der
gleichen Rückenlehnenneigung erforderlich ist. Daraus ergibt sich erstens, daß der
Schwerpunkt kaum wandert, so daß ein solcher Sitz nur eine geringe Standfläche benötigt
und damit auch leicht als Bürostuhl ausgebildet werden kann, und ergibt sich zweitens,
daß der Drehpunkt, um den sich der Sitzbenutzer bei einer Verstellung der Rückenlehnenneigung
dreht, praktisch ortsfest in Bauchnähe gehalten werden kann, so daß sich der Abstand
des Sitzbenutzers von einer Arbeitsplatte oder einem sonstigen Arbeitsgerät praktisch
nicht ändert, wenn der Sitzbenutzer die Rückenlehnenneigung ändert.
[0009] Ferner ist die von Haus aus einfache Mechanik beim erfindungsgemäßen Arbeitssitz
hervorzuheben sowie der Umstand, daß die Führungseinrichtungen alle unterhalb des
Sitzträgers liegen, wo sie nicht stören.
[0010] Mit der Erfindung wird also ein Arbeitssitz geschaffen, dessen Rückenlehnenneigung
sich automatisch verstellt, wenn der Sitzbenutzer mit dem Sitzträger ein wenig nach
vorne oder nach hinten rückt, wobei zusätlich zu dieser bequemen Verstellmöglichkeit
bei gleichzeitig starrer Abstützung des Rückens des Sitzbenutzers noch der Vorteil
besteht, daß der Drehpunkt, um den sich der Sitzbenutzer bei Verstellung der Rückenlehnenneigung
dreht, weitgehend ortsfest in Brust- oder Bauchhöhe in einem kurzen Abstand vor dem
Sitzbenutzer gehalten werden kann.
[0011] Vorteilhafterweise ist die Schwenkachse zwischen Sitzträger und Rückenlehnenträger
vom hinteren Ende des Sitzträgers derart weit beabstandet, daß der Drehpunkt zwischen
dem die eigentliche Rükkenlehne bildenden aufrechten Schenkel des Rückenlehnenträgers
und dem Sitzträger in einem Bereich zu liegen kommt, in dem der Drehpunkt des Rückens
des Sitzbenutzers bei einer Änderung der Neigung des Rückens liegt. Auf diese Weise
wird der Nachteil vermieden, daß einem Sitzbenutzer das Hemd ausgezogen wird, wenn
er das Rückenlehnenteil nach hinten neigt und dabei sitzen bleibt und sich mit seinem
Rücken an der Rückenlehne anlehnt. Dieser Auszieheffekt, der bei Sitzen auftritt,
deren Drehpunkt zwischen Sitzfläche und Rückenlehne sich genau an der Stelle befindet,
wo beide zusammenstoßen, erklärt sich dadurch, daß der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers
sich am Gesäß des Sitzbenutzers in einem Abstand von der Rückenlehne befindet, so
daß ein Punkt am Rücken des Sitzbenutzers bei der Neigungsverstellung einen größeren
Radius um den Drehpunkt des Rückens als der gleiche Punkt des Rückenlehnenträgers
um den Drehpunkt des Rückenlehnenträgers beschreibt.
[0012] Vorzugsweise ist das Schienenpaar, in dem die Enden der gemeinsamen Schwenkachse
von Rückenlehnenträger und Sitzträger verschiebbar sind, in seiner Neigung verstellbar.
Dadurch kann naturgemäß der Weg, den der Rückenlehnenträger, insbesondere sein oberstes
Ende, bei einer Neigungsverstellung zurücklegt, geändert werden. Insbesondere kann
die Anordnung derart getroffen werden, daß in einer Einstellung des Schienenpaares
bei der Neigungsverstellung der Rückenlehne das oberste Ende der Rückenlehne nach
hinten ausgreift, während sich der Sitzträger nach vorne verschiebt (Aufteilung der
Neigungsveränderung in zwei entgegengesetzte Bewegungsrichtungen), wohingegen in
einer anderen Einstellung des Schienenpaares sich bei einer Neigungsverstellung des
Rückenlehnenträgers das oberste Ende des Rückenlehnenträgers nicht nach hinten hinausbewegt,
sondern vielmehr sich entlang einer Vertikalen nach unten bewegt, wie dies bspw. bereits
aus dem deutschen Patent 20 54 817 bekannt ist. Durch eine einfache Maßnahme, nämlich
Verstellung der Neigung des Schienenpaares, läßt sich also ein Sitz schaffen, der
bspw. als sogenannter Reihensitz in Personentransportmitteln wie der Eisenbahn verwendbar
ist, wo die Sitzreihen nacheinander angeordnet sind und es erwünscht ist, daß sich
der Drehpunkt, um den sich der Sitzbenutzer bei einer Neigungsverstellung dreht, praktisch
nicht ändert, der sich aber andererseits auch als sogenannter Abteilsitz in Personenbeförderungsmittel
wie der Eisenbahn einsetzen läßt, der an einer Wand des Abteils angeordnet ist und
dessen Rückenlehne dann nicht mehr hinten ausschwenken kann, wie dies auch in dem
bereits genannten deutschen Patent 20 54 817 beschrieben ist.
[0013] Zweckmäßigerweise ist der unter den Sitzträger greifende Schenkel an der von der
Schwenkachse entfernten Stelle in einem wieteren Schienenpaar geführt.
[0014] Der Sitzträger ist an einer von der gemeinsamen Schwenkachse von Sitzträger und Rückenlehnenträger
entfernten Stelle ebenfalls geführt. Diese Führung besteht vorzugsweise in einem
stationären Auflager, das in einer besonderen Ausführungsform eine drehbare Rolle
ist, auf die der Sitzträger mit seinem von der gemeinsamen Schwenkachse von Sitzträger
und Rückenlehnenträger entfernten Ende aufliegt.
[0015] In die beiden Schienenpaare, die den Rückenlehnenträger führen, greifen vorzugsweise
Führungszapfen oder noch besser Führungsrollen.
[0016] Weitere Vorteile, Einzelheiten und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachstehenden
Beschreibung, die anhand der beiliegenden Zeichnung erfolgt. In der Zeichnung stellen
dar:
Fig. 1 schematisch eine Seitenansicht des erfindungsgemäßen Sitzes in zwei Stellungen,
Fig. 2a die Bewegung eines Sitzbenutzers bei der Rückenlehnenverstellung eines herkömmlichen
Sitzes und
Fig. 2b die Bewegung eines Sitzbenutzers bei der Rückenlehnenverstellung des erfindungsgemäßen
Sitzes,
Fig. 3 eine perspektivische Ansicht eines Grundgestells für einen als Eisenbahnsitz
verwendeten erfindungsgemäßen Sitz,
Fig. 4 und 5 zwei verschiedene Postionen eines als Eisenbahnsitz mit einem Grundgestell
nach Fig. 3 verwendeten erfindungsgemäßen Sitzes, wenn dieser als sogenannter Reihensitz
eingesetzt wird, und
Fig. 6 und 7 zwei verschiedene Positionen eines als Eisenbahnsitz mit einem Grundgestell
nach Fig. 3 verwendeten erfindungsgemäßen Sitzes, wenn dieser als sogenannter Abteilsitz
eingesetzt wird.
[0017] In Fig. 1 ist das Konstruktionsprinzip eines erfindungsgemäßen Sitzes schematisch
dargestellt. Ein L-förmiger Rückenlehnenträger 10 greift mit seinem unteren Schenkel
10a unter einen Sitzträger 12. Um eine Strecke x vom hinteren Ende des Sitzträgers
beabstandet ist unterhalb des Sitzträgers eine Schwenkachse 14 vorgesehen, um die
der Sitzträger 12 und der Rückenlehnenträger 10 gegeneinander verschwenkbar sind.
Die Schwenkachse 14 ist, wie schematisch dargestellt, mit ihren Enden in einem in
der horizontalen Blickrichtung des Sitzbenutzers nach unten verlaufenden stationären
Schienenpaar 16 geführt. Das freie Ende des unter den Sitzträger 12 greifenden Schenkels
10a des Rückenlehnenträgers 10, das von der Schwenkachse 14 beabstandet ist, ist mittels
Führungszapfen oder - rollen 18 in einem weiteren stationären Schienenpaar 20 geführt,
das in der horizontalen Blickrichtung des Sitzbenutzers nach oben verläuft. Am Ende
des Schienenpaars 20 ist ein vorzugsweise in Form einer drehbaren Rolle ausgebildetes
stationäres Auflager 22 vorgesehen, auf dem der Sitzträger 12 vorne abgestützt ist.
[0018] Die ausgezogenen Linien geben die Stellung von Rückenlehnenträger und Sitzträger
in der aufrechten Position des erfindungsgemäßen Sitzes wieder, während in gestrichelten
Linien die Ruheposition des erfindungsgemäßen Sitzes gezeigt ist, d.h. die Position
mit der größten Rückenlehnenneigung. Aus dieser schematischen Zeichnung wird deutlich,
daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung der Sitzträger 12 nach vorne bewegt werden
muß, was eine daraufsitzende Person leicht vornehmen kann, worauf sich dann zwangsläufig
der Rückenlehnenträger 10 nach hinten ausschwenkend wie dargestellt neigt. Das oberste
Ende des Rückenlehnenträgers 10 bewegt sich also verglichen mit dem vordersten Ende
des Sitzträgers 12 in entgegengesetzter Richtung. Die Neigungsbewegung der Rückenlehne
des erfindungsgemäßen Sitzes wird also in zwei entgegengesetzt gerichtete Bewegungen
von Sitzträger und Rückenlehnenträger aufgeteilt, was unter anderem eine platzsparende
Anordnung derartiger Sitze als Reihensitze in Personenfortbewegungsmitteln wie Flugzeugen
und Eisenbahnen erlaubt. Wie man außerdem ohne weiteres sieht, wandert der Schwerpunkt
bei einer Verstellung der Rückenlehnenneigung durch die Aufteilung der Neigungsbewegung
in zwei entgegengesetzt gerichtete Bewegungen kaum, so daß ein solcher Sitz, wenn
er bspw. als Bürostuhl verwendet werden soll, zur Abstützung keine weit auskragenden
Ausleger am Fuße benötigt.
[0019] Ein weiterer Vorteil,der durch die Aufteilung der Neigungsbewegung der Rückenlehne
in zwei entgegengesetzte Bewegungsrichtungen erzielt wird, geht aus einem Vergleich
der Figuren 2a und 2b hervor. In Fig. 2a ist die Verstellung der Rückenlehnenneigung
bei einem herkömmlichen Sitz gezeigt, bei dem die Neigungsbewegung der Rückenlehne
nicht in zwei zueinander entgegengesetzt gerichtete Bewegungen von Sitzträger und
Rükkenlehnenträger aufgeteilt wird. Das hat, wie man aus Fig. 2a sieht, zur Folge,
daß sich der Sitzbenutzer bei einer Verstellung der Rückenlehnenneigung von einer
Arbeitsplatte wegbewegt. Der Drehpunkt, um den sich sein Oberkörper bewegt, wandert
also mit der nach hinten gerichteten Bewegung der Rükkenlehne mit. Grundlegend anders
liegen jedoch die Verhältnisse beim erfindungsgemäßen Sitz, die in Fig. 2b gezeigt
sind. Die nach hinten gerichtete Bewegung der Rückenlehne wird sozusagen von der nach
vorne gerichteten Bewegung des Sitzträgers kompensiert, so daß der Drehpunkt des
Oberkörpers des Sitzbenutzers bei einer Verstellung der Rückenlehnenneigung kaum wandert
und dieser in Bauchhöhe nahe seiner Arbeitsplatte bleibt. Der Ort des Drehpunkts D
und sein Weg, den er bei einer Verstellung der Rückenlehne beschreibt, wird, wie der
Fachmann erkennt, durch den Verlauf der Schienenpaare 16 und 20, in denen der Rückenlehnenträger
10 an zwei voneinander beabstandeten Stellen (14 und 18) geführt wird, festgelegt.
Soll bspw. die erfindungsgemäße Sitzkonstruktion als Fahrersitz in einem Auto verwendet
werden, so wird der Drehpunkt D durch einen entsprechenden Verlauf der Schienenpaare
16 und 20 so gelegt, daß er bei normaler Fahrerhaltung nahe den Armgelenken des Fahrers
liegt, so daß der Fahrer bei einer Verstellung der Sitzneigung die Arme nich anziehen
bzw. strecken muß, er also weitgehend die Position zum Lenkrad beibehält. Um dieses
Ziel zu erreichen mußte ja bislang der Fahrersitz längs verstellt werden.
[0020] Der in Fig. 1 gezeigte Abstand x der Schwenkachse 14 vom hinteren Ende des Sitzträgers
hat zur Folge, daß der Drehpunkt zwischen dem aufrechten Schenkel des Rückenlehnenträgers
10 und dem Sitzträger 12 in einem Bereich zu liegen kommt, in dem der Drehpunkt des
Rückens des Sitzbenutzers bei einer Änderung der Neigung des Rückens liegt. Auf diese
Weise wird der Nachteil vermieden, daß einem Sitzbenutzer das Hemd ausgezogen wird,
wenn er das Rückenlehnenteil nach hinten neigt und dabei sitzen bleibt und sich mit
seinem Rücken an der Rückenlehne anlehnt. Dieser Auszieheffekt, der bei Sitzen auftritt,
deren Drehpunkt am hinteren Ende des Sitzträgers 12 liegt, erklärt sich dadurch,
daß der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers sich am Gesäß des Sitzbenutzers in
einem Abstand von der Rücken lehne befindet, so daß ein Punkt am Rücken des Sitzbenutzers
bei einer Neigungsverstellung einen größeren Radium um den Drehpunkt des Rückens als
der gleiche Punkt des Rückenlehnentragers um den Drehpunkt des Rückenlehnenträgers
beschreibt.
[0021] Es sei nochmals hervorgehoben, daß bei dem erfindungsgemäßen Sitz eine Verstellung
der Rückenlehnenneigung erreicht wird, ohne daß der Sitzbenutzer hierfür irgendwelche
Handriffe vorzunehmen hat. Vielmehr erreicht er diese Neigungsverstellung durch eine
Verschiebung seines Körpers. Dabei ist festzuhalten, daß sein Rücken in jeder Neigungsposition
starr abgestützt wird, wenn er seinen Körper (Sitzträger!) nicht verlagert.
[0022] Die nach Fig. 1 getrennt voneinander ausgebildeten Schienenpaare 16 und 20 können
auch in Form eines einzigen durchgehenden Schienenpaares vorliegen, wie ohne weiteres
einzusehen ist, ohne die oben genannten Vorteile aufzugeben.
[0023] Der erfindungsgemäße Sitz kann als Bürostuhl, als Fahrersitz oder für irgendeine
andere Sitzart entsprechend ausgebildet werden. Auch sind für den Fachmann die Variationsmöglichkeiten
sehr groß. Von entscheidender Bedeutung bei jeder Sitzkonstruktion nach der Erfindung
ist lediglich, daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung die Enden der Schwenkachse
von Rückenlehnenträger und Sitzträger in einem Schienenpaar und der unter den Sitzträger
greifende Schenkel an einer von der Schwenkachse entfernten Stelle derart geführt
sind, daß bei einer Vorwärtsbewegung des Sitzträgers das freie Ende des anderen Schenkels
sich in die entgegengesetzte Richtung und nach unten bewegt.
[0024] In den Fig. 3 bis 7 ist ein nach der Erfindung konstruierter Eisenbahnsitz dargestellt,
der sowohl als sogenannter Reihensitz bei mehreren hintereinander angeordenten Sitzreihen
als auch als sogenannter Abteilsitz verwendet werden kann, der so nahe wie möglich
an einer Wand eines Zugabteils angeordnet ist. Der dargestellte Eisenbahnsitz hat
ein am Boden zu befestigendes Grundgestell 24 (sh. Fig. 3), an dem die beiden Schienenpaare
16 und 20 (vgl. Fig. 1) befestigt sind. Dabei besteht nun die Besonderheit, daß das
Schienenpaar 16 um eine an seinem oberen Ende vorgesehene Achse 26 herum verschwenkbar
ist, wobei das untere Ende mittels Zapfen 28 in Führungsschlitzen 30 geführt ist.
Das Schienenpaar 16 ist in den Endstellungen, die an den beiden Enden der Führungsschlitze
30 erreicht sind, arretierbar. Der Rückenlehnenträger 10 ist mit den Enden seiner
Schwenkachse 14 in das Schienenpaar 16 einsetzbar, wobei gleichzeitig die Führungszapfen
18 des unteren Schenkels 10a des Rük kenlehnenträgers 10 in das Schienenpaar 20 greifen.
[0025] Befindet sich das Schienenpaar 16 in der unteren Endstellung, so verhält sich der
Sitz so, wie es nach der Erfindung gefordert wird, d.h. seine Rückenlehne schwenkt
nach hinten aus, wenn seine Sitzfläche nach vorne verschoben wird, wie dies in den
Fig. 4 und 5 dargestellt ist. In dieser Stellung des Schienenpaars 16 kann der als
sogenannter Reihensitz verwendet werden.
[0026] In der oberen Endstellung des Schienenpaares 16 jedoch wird die Schwenkachse 14 bei
einder Vorwärtsbewegung der Sitzfläche derart weit mit nach vorne genommen, daß der
Rückenlehnenträger in seinem oberen Bereich sich gar nicht mehr nach hinten bewegen
kann, sondern vielmehr entlang einer Vertikalen etwa nach unten absinkt. Dieser Bewegungsverlauf
geht aus den Fig. 6 und 7 hervor. Der Sitz kann bei dieser Einstellung der Schwenkachse
16 dann als sogenannter Abteilsitz verwendet werden.
[0027] Der erfindungsgemäße Sitz kann als durch eine einfache technische Maßnahme als sogenannter
Reihensitz oder als sogenannter Abteilsitz verwendet werden.
1. Sitz, insbesondere Arbeitssitz, bspw. Bürostuhl oder Fahrersitz, mit einem Sitzträger
(12) und einem Rückenlehnenträger (10), der in der Seitenansicht L-förmig ausgebildet
ist, wobei der eine Schenkel (10a) des Rückenlehnenträgers (10) unter den Sitzträger
(12) greift und auf dessen Unterseite mit deisem über eine Schwenkachse (14) verschwenkbar
verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Verstellung der Rückenlehnenneigung die Enden der Schwenkachse (14) in einem
Schienenpaar (16) und der unter den Sitzträger (12) greifende Schenkel (10a) an einer
von der Schwenkachse (14) entfernten Stelle (18) derart geführt sind, daß bei einer
Vorwärtsbewegung des Sitzträgers (12) das freie Ende des anderen Schenkels (10b) sich
in entgegengesetzter Richtung und nach unten bewegt.
2. Sitz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schwenkachse (14) zwischen Sitzträger (12) und Rückenlehnenträger (10) vom
hinteren Ende des Sitzträgers (12) derart weit (x) beabstandet ist, daß der Drehpunkt
zwischen dem die eigentliche Rückenlehne bildenden aufrechten Schenkel (10b) des
Rückenlehnenträgers (10) und dem Sitzträger (12) in einem Bereich zu liegen kommt,
in dem der Drehpunkt des Rückens des Sitzbenutzers bei einer Änderung der Neigung
des Rückens liegt.
3. Sitz nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Abschnitt des Schienenpaares (16), innerhalb welchem sich die Enden der gemeinsamen
Schwenkachse (14) von Rückenlehnenträger (10) und Sitzträger (12) verschiebbar sind,
in seiner Neigung verstellbar ist.
4. Sitz nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der unter den Sitzträger (12) greifende Schenkel (10a) an der von der Schwenkachse
(14) entfernten Stelle (18) in einem zweiten Schienenpaar (20) geführt ist.
5. Sitz nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Sitzträger (12) an einer von der gemeinsamen Schwenkachse (14) von Sitzträger
(12) und Rückenlehnenträger (10) entfernten Stelle (22) ebenfalls geführt ist.
6. Sitz nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Führung in einem stationären Auflager (22), vorzugsweise einer drehbaren
Rolle, besteht, auf der der Sitzträger (12) mit seinem von der gemeinsamen Schwenkachse
(14) von Sitzträger (12) und Rückenlehnenträger (10) entfernten Ende aufliegt.
7. Sitz nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß in die Schienenpaare (16, 20), die den Rückenlehnenträger (10) führen, Führungszapfen,
vorzugsweise Führungsrollen, greifen.