[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abnehmen der Fasern von der Ausstoßwalze
der Spinneinheit einer Offen-End-Spinnmaschine, besonders mit vertikaler Achse der
Ausstoßwalze.
[0002] Für den Spinnvorgang ist es sehr wichtig, daß in die Spinnkammer ein gleichmäßiger
Strom an aufgelockerten bzw. vereinzelten Fasern gelangt. Dazu ist es notwendig, daß
die von der Ausstoßwalze und dem Luftstrom in die Spinnkammer geförderten Fasern
von der gezackten Oberfläche der Ausstoßwalze zuverlässig abgelöst und in den Eingangsteil
der in der Spinnkammer mündenden Faserführung gelenkt werden. Das Abtrennen der Fasern
von der gezackten Oberfläche der Ausstoßwalze wird durch einen Unterdruck in der Zone
der Spinnkammer und durch eine Abtrennkante am Eingangsteil der Faserausführung wesentlich
unterstützt. Es sind verschiedene Formen des Eingangsteils der Faserausführung bekannt,
wobei ihre jeweilige Ausführung von der Gesamtkonstruktion der Spinneinheit, von
der Breite der Ausstoßwalze, vom Durchmesser des Spinnrotors und von der Länge der
Faserausführung abhängt. Je breiter die Ausstoßwalze bzw. kleiner der Durchmesser
des Spinnrotors bzw. kürzer die Faserausführung sind, desto schwieriger ist eine zufriedenstellende
Lösung dieses wichtigen Abschnitts des Spinnvorgangs. Falls ein zuverlässiges Abnehmen
der Fasern von der gesamten Arbeitsbreite der Ausstoßwalze nicht erreicht werden
kann, werden die anhaftenden Fasern von der gezackten Oberfläche der Ausstoßwalze
mitgenommen und machen den ganzen Zyklus wiederholt durch. Der wiederholte Durchgang
dieser nicht abgetrennten Fasern durch die Auflöse- und Kämmzonen führt zur Beschädigung
der Fasern und beeinträchtigt die Homogenität des Faserstroms, was Ursache für eine
verminderte Garnqualität und insbesondere für Fehler im Garn ist.
[0003] Eine weitere ungünstige Folge besteht in der erhöhten Beanspruchung der Abtrennkante
durch Faserabrieb und in der dadurch verminderten Lebensdauer. Diese negativen Erscheinungen
werden gravierender mit der Steigerung der Drehzahl der Spinnrotoren, die dann entsprechend
kleinere Durchmesser haben. So betragen z. B. für Drehzahlbereiche von 60.000 min⁻¹
die Rotordurchmesser 54 mm, für 70.000 min⁻¹ 45 mm, für 100.000 min⁻¹ 34 mm usw. Durch
Verminderung des Rotordurchmessers verkleinert sich auch der Raum für die Fasereinführung
in die Faserkammer, die möglichst tangential oder wenigstens schräg in Richtung der
Bewegung der Gleitwand des Rotors der Spinnkammer ausgerichtet sein sollte. Der Eingangsteil
der Faserführung soll daher so ausgeführt sein, daß sich der Faserstrom verjüngt.
Bei einer Auflösewalze mit vertikaler Achse sollte der Faserstrom zum oberen Teil
der Arbeitsbreite gelenkt und durch die Führung in die Spinnkammer eingeführt werden.
Je kleiner der Rotordurchmesser, desto schwieriger ist diese Fasereinführung, weil
sich durch die erhöhte Drehzahl auch die durch den verjüngten Raum strömende Fasermenge
erhöht. Ein wesentlicher Fortschritt wurde durch Verwendung einer schrägen Abtrennkante
und durch eine Biegung der oberen Wand der Faserführung schräg nach oben erreicht.
Dadurch wurden unerwünschte Turbulenzen der Strömung abgebaut und der Querschnitt
des Eingangsteils der Faserführung konnte auf ein Maß vergrößert werden, das der strömenden
Luftmenge und dem in der Spinnkammer verwendeten Unterdruck adäquat ist. Trotzdem
mußten gewisse Probleme festgestellt werden, die u. a. einer geringeren Zuverlässigkeit
der Faserabnahme von den Zacken der Auflöse- bzw. Ausstoßwalze, insbesondere im unteren
Sektor ihrer Arbeitsbreite, auftraten. Als Folge blieb ein gewisser Anteil an Fasern
in diesem Sektor haften und verursachte im Garn Noppen.
[0004] Die Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, diese Probleme zu lösen und die Nachteile
der bekannten Ausführungen, bzw. Vorrichtungen zu beseitigen. Das Prinzip des erfindungsgemäßen
Verfahrens besteht darin, daß vor der Abnahmezone der Fasern von der gezackten Oberfläche
der Ausstoßwalze, die strömende Mischung aus Luft und Fasern zwischen zwei außerhalb
der Arbeitsbreite der gezackten Oberfläche strömenden Luftströmen geführt wird, wobei
wenigstens der entlang des unteren Außerarbeitsteils der Breite der gezackten Oberfläche
der Ausstoßwalze geführte Luftstrom in der Zone der Faserabnahme schräg nach oben
entlang der Abtrennkante des Eingangsteils der Faserausführung gelenkt wird.
[0005] Zu dieser Lenkung des entlang des unteren Außerarbeitsteils geführten Luftstroms
kann entweder eine schräg orientierte Leitfläche oder ein anderer Luftstrom verwendet
werden, der vor der Abtrennkante zugeführt wird und entlang ihr schräg nach oben gerichtet
ist. Der Effekt der Erfindung kann weiter verstärkt werden, wenn in der Zone der Faserabnahme
die im unteren Teil der Arbeitsbreite der Ausstoßwalze strömende Luftmenge größer
als die in ihrem oberen Teil strömende Luftmenge ist. Der größte Effekt entsteht,
wenn die relativ größte Luftmenge, bezogen auf eine Breiteneinheit, durch den unteren
Außerarbeitsteil der Transportzone. bzw. Beförderungszone fließt und dieser vergrößerte
Luftstrom entlang der Abtrennkante schräg nach oben gelenkt wird. Der Vorteil des
erfindungsgemäßen Verfahrens besteht in der Zuverlässigkeit der Faserabnahme, die
zur Stabilität des Spinnvorgangs und zur Reduktion der Fehleranzahl im hergestellten
Garn beiträgt. Die Vorrichtung ist vorteilhaft durch ihre einfache Konstruktion und
auch dadurch, daß die schräge Stromorientierung vorteilhafter ist für die Faserabnahme
und für die Erhöhung der Lebensdauer der Abtrennkante, die sonst durch die strömenden
Fasern intensiv auf Abrieb beansprucht wird, so daß nach einer gewissen Betriebszeit
dieser Teil der Spinneinheit ausgewechselt werden muß.
[0006] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der Zeichnung und der
folgenden Beschreibung mehrerer Ausführungsbeispiele. Es zeigen:
Fig. 1 schematisch eine Spinneinheit in Draufsicht,
Fig. 2 bis 4 eine Vorderansicht des Eingangsteils der Faserausführung,
Fig. 5 einen Schnitt durch die Auflösewalze und die Förderzone in der Zone der Faserabnahme,
Fig. 6 ein Geschwindigkeitsprofil des strömenden Mediums in der Zone der Faserabnahme,
Fig. 7 eine axonometrische Ansicht der Spinneinheit ohne Ausstoßwalze, mit einer
modifizierten Abtrennkante.
[0007] Die in Fig. 1 dargestellte Spinneinheit hat eine Speisevorrichtung, gebildet durch
eine sich in Richtung des Pfeils 2 drehende Speisewalze 1, die das Faserband 3 fördert,
gegen das ein um einen Zapfen 5 schwenkbares Glied 4 durch Einwirkung einer Feder
6 drückt. Der Speisewalze 1 ist eine sich in Richtung des Pfeils 8 hochtourig drehende
Auflöse- bzw. Ausstoßwalze 7 zugeordnet. Ein Tangentialkanal 9 zur Ableitung von
Verunreinigungen in Richtung des Pfeils 10 steht mit einem Kanal 11 für die Luftzufuhr
in Richtung des Pfeils 12 aus der Umgebung in Strömungssverbindung. An der Engstelle
zwischen der Wand 13 und der Oberfläche der Auflösewalze beginnt eine Abtrennzone
200 der Fasern von der gezackten Oberfläche der Auflösewalze 7, die in einer Abtrennkante
14 am Eingangsteil der Faserausführung 15 endet. Die Fasern werden dann weiter in
Richtung des Pfeils 16 gegen die Gleitwand 17 des auf einer Welle 19 befestigten Spinnrotors
18 gelenkt. Von der Sammelrinne 20 wird das gesponnene Garn 21 durch eine Öffnung
22 aus dem Rotor 18 herausgeführt und auf eine nicht dargestellte Spule aufgewickelt.
In Fig. 2 kennzeichnet die Linie A - A die Engstelle zwischen der Wand 13 und der
Oberfläche der Auflösewalze 7.
[0008] Die maximale Arbeitsbreite der Auflösewalze 7 wird durch zwei Randflansche 71 und
72 bestimmt, die in Fig. 5 dargestellt sind. Die Breite H1 des Faserbands 3 wird
durch die Breite eines Ausschnitts 99 im freien Endteil des Schwenkglieds 4 bestimmt
und ist stets kleiner als die maximale Arbeitsbreite der Auflösewalze 7. Durch diesen
Ausschnitt 99 strömen die Fasern im Luftstrom zum wirksamen Förderbereich 100 der
Auflösewalze 7, wobei sich ihre Breite geringfügig auf den Wert H in der Abtrennzone
200 vergrößern kann.
[0009] Innerhalb der Arbeitsbreite H ist der Luftstrom durch die Pfeile 23 und außerhalb
durch die Pfeile 24 und 25 gekennzeichnet. Der mit dem Pfeil 25 (Fig. 2) bezeichnete
Luftstrom wird durch eine Führungswand 26 gelenkt, die im Abschnitt der Arbeitsbreite
H in eine Abtrennkarte 27 übergeht. Die Faserausführung 15 mündet in die Spinnkammer
im Rotor 18.
[0010] Bei der Ausführung nach Fig. 3 ist gegen den Luftstrom 25 unter der Arbeitsbreite
H der Auflösewalze 7 eine Führungswand 261 vorgesehen. die im Bereich der Arbeitsbreite
H in die Abtrennkante 27 übergeht.
[0011] Bei der Ausführung nach Fig. 4 wird neben dem Luftstrom 25 durch einen vor der Abtrennkante
27 angeordneten Kanal 250 ein weiterer Luftstrom 251 zugeführt.
[0012] Bei der Ausführung nach Fig. 5 wird der Auflösewalze 7 in der Arbeitsbreite H1 ein
Faserband vorgelegt, wobei auch die Arbeitsbreite H in der Abtrennzone 200 der Faserabnahme
der gezackten Oberfläche der Auflösewalze 7 analog ist. Die Gesamtbreite der Auflösewalze
7 ist durch die innere lichte Weite zwischen den Randflanschen 71, 72 bestimmt. In
der Abtrennzone 200 der Fasern ist im unteren Teil das Profil durch die Schräge 131
der Wand 13 vergrößert.
[0013] In der graphischen Darstellung der Fig. 6 ist in der Y-Achse die Höhe der Wand 13
und in der X-Achse die Menge der strömenden Luft aufgetragen. Die Faserabnahme bei
den Ausführungsbeispielen nach den Fig. 1 bis 6 verläuft so, daß die aufgelockerten
Fasern im Bereich der Arbeitsbreite H mit der Luft ein Strömungsgemisch zwischen den
Luftströmen 24, 25 bilden. Der Gesamtstrom muß nach oben in die schmale Faserausführung
15 in den relativ kleinen Spinnrotor 18 gelenkt werden. Der untere Luftstrom 25 muß
relativ am meisten abgelenkt werden. Insbesondere muß eine wirksame Faserabnahme
vom unteren Teil der Arbeitsbreite H der gezackten Oberfläche der Auflösewalze 7 sichergestellt
werden, indem der untere Luftstrom 25 entlang der Abtrennkante 27 entweder durch
die Führungswand 26, 261 oder durch einen weiteren Luftstrom 251 schon an der unteren
Grenze der Arbeitsbreite H umgelenkt wird. Dadurch wird gleichzeitig erzielt, daß
die Abtrennkante 27 die Fasern schon in diesem unteren Teil zuverlässig abnimmt.
1. Verfahren zum Abnehmen der Fasern von der Auflöse- bzw. Ausstoßwalze in einer Spinneinheit
einer Offen-End-Spinnmaschine, insbesondere mit vertikaler Achse der Auflösewalze,
wobei Luft aus der äußeren Umgebung in den Strom der aufgelockerten Fasern zugeführt
und die Mischung aus Fasern und Luft von der Faserabnahme über eine Faserführung in
die Spinnkammer geführt wird,
dadurch gekennzeichnet,
daß die strömende Mischung aus Luft und Fasern vor der Zone der Faserabnahme von der
gezackten Oberfläche der Auflösewalze zwischen zwei außerhalb der wirksamen Arbeitsbreite
der gezackten Oberfläche der Auflösewalze strömenden Luftströmen geführt wird, wobei
wenigstens der entlang dem unteren Außerarbeitsteil der Breite der gezackten Oberfläche
der Auflösewalze geführte Luftstrom in der Zone der Faserabnahme schräg nach oben
entlang der Abtrennkante des Eingangsteils der Faserführung gelenkt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Luftstrom im unteren Außerarbeitsteil durch eine schräge Führungsfläche gelenkt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß in der Zone der Faserabnahme durch den unteren Teil des Fasertransportraums eine
im Vergleich mit seinem oberen Teil größere Luftmenge strömt.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß durch den unteren Außerarbeitsteil des Fasertransportraums eine relativ maximale
Luftmenge strömt, bezogen auf die Einheit seiner Breite.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß in den unteren Außerarbeitsteil des Fasertransportraums ein weiterer, schräg
nach oben strömender Luftstrom zugeführt wird.
6. Vorrichtung zum Einführen eines Faserstroms in einen Spinnrotor einer Offen-End-Spinnmaschine,
bestehend aus einer Speisewalze mit Gegenhalter, einer Auflöse- bzw. Ausstoßwalze,
einer Fasereinführung und einer Luftzufuhr,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Eingangsteil der Fasereinführung (15) in die Spinnkammer (18) eine schräg
nach oben orientierte Abtrennkante (27) aufweist, an die ein Mittel (26) zum Lenken
des Luftstroms unter der unteren Grenze der Arbeitsbreite der Auflösewalze anknüpft.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Fasereinführung (15) in die Spinnkammer (18) als auswechselbare Einlage des
Körpers der Spinneinheit ausgebildet ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß im Körper der Spinneinheit ein an die äußere Umgebung angeschlossener Luftkanal
(250) vorgesehen ist, der im Außerarbeitsteil der Breite des Fasertransportraums
vor der Abtrennkante (27) des Eingangsteils der Fasereinführung in die Spinnkammer
schräg nach oben mündet.
9. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor der Abtrennkante (27) des Eingangsteils der Fasereinführung in die Spinnöffnung
eine an eine DruckLuftquelle oder an ein Milieu mit erhöhtem Druck angeschlossene
Ausgangsquelle mündet.