[0001] Die Erfindung betrifft ein fotografisches Trägermaterial für lichtempfindliche Schichten
in Form eines kunststoffbeschichteten Papiers oder in Form einer Kunststoffolie mit
einer beschreibbaren antistatischen Rückseitenbeschichtung.
[0002] Im Gegensatz zu den früheren barytbeschichteten fotografischen Papieren werden in
neuerer Zeit als Träger für die lichtempfindlichen Schichten, insbesondere für die
lichtempfindlichen Schichten für die Farbfotografie, Papiere verwendet, die auf ihren
Oberflächen, d. h. Vorderseite und Rückseite, mit Polyolefinen beschichtet sind. Die
Beschichtung erfolgt vorzugsweise unter Verwendung von Polyethylen, welches durch
Schmelzextrusion über eine Breitschlitzdüse auf die Papieroberflächen aufextrudiert
ist. Ein solcher fotografischer Träger ist beispielsweise beschrieben in der DE-PS
23 44 367.
[0003] Bei den klassischen fotografischen Papieren besteht der Papierträger normalerweise
aus einem naßfesten geleimten Zellstoffpapier mit einer einseitig aufgebrachten sogenannten
Barytschicht und der darüber befindlichen lichtempfindlichen Emulsion.
[0004] Nach der Belichtung werden die Papiere entwickelt, fixiert und gewässert und anschließend
getrocknet. Für diesen Vorgang ist ein großer Zeitaufwand erforderlich. Aus Gründen
der Rationalisierung der Bildentwicklung ging man daher von den klassischen Fotopapieren
ab und kam zur Einführung der wasserfesten Papiere, die auf beiden Seiten mit thermopla
stischen Kunststoffschichten, insbesondere Polyolefinschichten, überzogen sind und
so den Papierkern flächig gegen das Eindringen von Entwicklungs-, Fixier- und Wässerungsbädern
schützen.
[0005] Die Polyolefine haben nun aber auch Eigenschaften, die für die Herstellung bzw. für
die Behandlung solcher Papiere nachteilig sind. Abgesehen von den Haftungsproblemen
zwischen der Polyolefinoberfläche und den lichtempfindlichen Emulsionen, die durch
zusätzliche Maßnahmen und Mittel behebbar sind, muß diese Kunststoffbeschichtung bestimmte
Eigenschaften im Laufe der Herstellung und der Entwicklung derartiger fotografischer
Papiere erfüllen, bzw. es müssen Eigenschaften, die diese Kunststoffe von Haus aus
besitzen, unterdrückt oder völlig eliminiert werden.
[0006] So ist es z. B. notwendig, daß die zu entwickelnden fotografischen Materialien auf
derartigen Trägern auf der Rückseite durch Beschreiben oder Bedrucken zu kennzeichnen
sind, damit sie bestimmten Auftraggebern und Kunden zugeordnet werden können. Die
aus einem thermoplastischen Kunststoff bestehende, den Papierkern abdichtende hydrophobe
Beschichtung läßt sich aber so wie sie ist nicht beschreiben oder kennzeichnen. Es
sind spezielle Maßnahmen und Mittel erforderlich, damit die notwendige Bedruck- oder
Beschreibbarkeit bei der maschinellen Verarbeitung des blattförmigen fotografischen
Materials ermöglicht wird. Solche Vorschläge sind beispielsweise beschrieben in der
europäischen Patentanmeldung 0 160 912.
[0007] Es ist ferner erforderlich, daß das beschichtete fotografische Material beim Durchgang
durch die verschiedenen Behandlungsbäder, wie Entwicklungs- und Fixierbäder, keine
Schmutzteilchen auf seiner Oberfläche aufnimmt und festhält, die sich in diesen fotografischen
Behandlungsbädern durch Oxidation und Kondensationsvorgänge im Laufe der Zeit bilden
können.
[0008] Ferner ist es erforderlich zu verhindern, daß die Entwicklerlösung oder -bäder durch
die Mittel, die Beschreibbarkeit, Bedruckbarkeit und dgl. wünschenswerte Eigenschaften
bewirken, verunreinigt oder verfärbt werden.
[0009] Eine andere Notwendigkeit bei der Herstellung eines derartigen fotografischen Trägermaterials
ist eine Ausbildung der Beschichtung, die eine gute Haftung von Klebebändern sicherstellt.
Die Klebebänder dienen u. a. zur Befestigung der in Form von aufgewickelten langen
Streifen vorliegenden fotografischen Papiere aneinander, um einen glatten Durchlauf
durch die Entwicklungsmaschine zu gewährleisten und schließlich soll bei all dem
möglichst noch die antistatische Aufladung einer solchen hydrophoben Beschichtung
des fotografischen Trägermaterials verhindert werden, denn beim Abwickeln und beim
Durchgang des kunststoffbeschichteten fotografischen Trägermaterials durch die Emulsionsgießmaschinen
und beim Stapelabzug nach der Entwicklung findet eine elektrostatische Aufladung statt,
die sich beim Erreichen eines bestimmten Wertes oder an entsprechenden Stellen an
den Einrichtungen unter Blitzbildung entlädt, was natürlich zur Unbrauchbarkeit der
lichtempfindlichen Emulsion bzw. zur Zerstörung des zu entwickelnden latenten Bildes
führen kann.
[0010] All diese Eigenschaften sind bekannt. Es war bisher schwierig, sie insgesamt zu verwirklichen,
weil die zur Lösung angebotenen Maßnahmen und Mittel einander oft widersprechen.
So ist es z. B. bekannt, aus der oben zitierten europäischen Patentanmeldung 0 160
912, ein solches mit Polyethylen beschichtetes fotografisches Material auf seiner
Rückseite mit einer antistatischen Schicht zu versehen, die aus einem Natrium-Magnesium-Silikat,
einem Natriumpolystyrolsulfonat und bestimmten Bernsteinsäurehalbestern besteht.
Diese Beschichtung soll die elektrostatische Aufladung verhindern und außerdem das
Material gegen Schmutzaufnahme schützen.
[0011] Hydrophobe Komponenten haben den Nachteil einer hohen Schmutzaufnahme und geringer
antistatischer Wirksamkeit aber starke elektrostatische Aufladbarkeit, während hydrophile
Komponenten die Klebebandhaftung nachteilig beeinflussen, schlecht bedruckbar sind
und in den Behandlungsbädern sich leicht ablösen oder aufquellen.
[0012] Andererseits zeigen polare Oberflächen gute Leitfähigkeit, also antistatische Eigenschaften,
und eine geringe Schmutzaufnahme, aber mit zunehmender Polarität, also guten antistatischen
Eigenschaften, wird wiederum die Abriebfestigkeit und die Klebebandhaftung durch die
Einwirkung der Bäder nachteilig beeinflußt.
[0013] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, bei einem fotografischen Trägermaterial
der eingangs beschriebenen Art eine Rückseitenbeschichtung bzw. einen Rückseitenstrich
vorzuschlagen, der in optimaler Weise all den oben aufgeführten Forderungen nach Bedruckbarkeit
mit den auf dem Markt befindlichen Druckbändern, einer Beschreibbarkeit mit Bleistift,
möglichst geringer Schmutzaufnahme, einer Verhinderung der Verfärbung der Rückseite
im Colorentwickler, einer guten Klebebandhaftung während des Entwicklungsprozesses
entspricht sowie ausreichende antistatische Eigenschaften aufweist.
[0014] Erreicht wird das durch einen Rückseitenstrich folgender Zusammensetzung:
a) Ein Terpolymer-Latex aus Styrol-Butadien-Methacrylat,
b) Kieselsäure (SiO₂) mit einer Teilchengröße von 3 bis 6 µm,
c) ein aluminiummodifiziertes kolloidales Kieselsäuresol sowie
d) eine wäßrige Lösung eines Salzes einer organischen Polysäure sowie Wasser,
wobei die Mengen der Stoffe a) bis d) so getroffen sind, daß optimale Bedruckbarkeit
mit Bändern, Beschreibbarkeit mit Bleistiften, geringste Verschmutzung in alten oxidierten
Entwicklungsbädern, geringste Verfärbung im Colorentwickler, optimale Klebebandhaftung
und antistatische Eigenschaften erhalten werden.
[0015] Das Terpolymer aus Styrol-Butadien-Methacrylat in wäßriger Suspension mit einem
Festkörpergehalt von vorzugsweise 30 bis 55 Gew.-% ist ein Latex, der speziell die
Erfüllung optimaler Bedruckbarkeit, Klebebandhaftung und minimaler Verschmutzung
(Tar Stain) des Rückseitenstriches des Basispapiers bewirkt. Er ist der wichtige Bestandteil
in der Rezeptur, da er zwischen unpolaren Eigenschaften, was für optimale Ergebnisse
bei Bedruckbarkeit und Klebebandhaftung wichtig ist, und polaren Eigenschaften, was
für Tar Stain-Reduzierung wichtig ist, die Balance hält. Die Menge, die dem Rückseitenstrich
zugemischt wird, ist so zu wählen, daß der Strich noch seine Festigkeit und Unangreifbarkeit
bei der Behandlung in den Bädern behält und andererseits nur so groß ist, daß die
Rezeptur nicht ihre Stabilität verliert. Diese Mengen liegen zwischen 10 und 30 Gew.-%,
bezogen auf die Gesamtmischung.
[0016] Das Monomerverhältnis des Terpolymers aus Styrol-Butadien-Methacrylat liegt in den
folgenden Bereichen:
50 - 70 Gew.-% Styrol
25 - 40 Gew.-% Butadien und
5 - 15 Gew.-% Methacrylat
wobei das Polymer frei von Carboxyl- und Hydroxylgruppen ist.
[0017] Die Kieselsäure mit einer Teilchengröße von 3 bis 6 µm ist zuständig für die Beschreibbarkeit
mit Blei. Auch hier kann die Menge sowohl nach verwendeter Bleistifthärte als auch
in Abhängigkeit von den anderen Bestandteilen als auch von der Art des Kunststoffes
der Rückseitenbeschichtung variieren. Sie liegt vorzugsweise zwischen 0,1 und 3,0
Gew.-% Festkörpergehalt, bezogen auf die Gesamtmischung.
[0018] Die Wirkung wird schon erreicht bei Mengen von 0,1 Gew.-%. Bei oberhalb 3,0 Gew.-%
Festkörpergehalt wird der Verbund mit dem Bindemittel, was hier, wie bereits angedeutet,
der Latex ist, geschwächt, so daß die Wirkung nicht mehr insgesamt befriedigend ist.
[0019] Das aluminiummodifizierte kolloidale Kieselsäuresol, ein Sol unter Verwendung von
Wasser, enthält üblicherweise 30 Gew.-% Festkörper und ist bei Trocknung selbstbindend
durch Kondensation der Hydroxylgruppen. Diese Verbindung fördert die Bedruckbarkeit
des Rückseitenstriches und liefert einen Beitrag zur antistatischen Ausrüstung. Die
eingesetzte Menge liegt zwischen 2 und 25 Gew.-%.
[0020] Der Bestandteil d), nämlich die wäßrige Lösung des Alkalisalzes einer organischen
Polysäure ist eine Substanz, die die eigentliche antistatische Wirkung hervorruft,
vorzugsweise werden Alkalisalze organischer Polysulfonsäuren verwendet. In Verbindung
mit der aluminiummodifizierten kolloidalen Kieselsäure wird sowohl eine gute bis
sehr gute elektrische Oberflächenleitfähigkeit vor dem Bäderdurchgang als auch nach
dem Bäderdurchgang erreicht.
[0021] Die Verhinderung der Verfärbung in den Bädern ist insbesondere durch den Latex erreicht
und ist im erfindungsgemäßen Sinn angewandt gut bis sehr gut.
[0023] In Abb. 1 sind Streifen von fotografischen Basispapieren mit Rückseitenstrichen dargestellt,
in der das erfindungsgemäße Produkt mit den in Tabelle 1 aufgeführten am Markt befindlichen
rückseitenbeschichteten fotografischen Basispapieren verglichen ist. Es ist zu erkennen,
daß das erfindungsgemäße Produkt sehr gute Eigenschaften zur Verhinderung des Verschmutzens
(Tar Stain) der Rückseite besitzt.
[0024] Die erfindungsgemäße Mischung wird in einer solchen Menge auf das Papier aufgetragen,
daß sich ein Schichtauftrag ergibt, der getrocknet 0,15 bis 1,3 g/m² beträgt, insbesondere
aber zwischen 0,2 und 0,6 g/m² liegt.
[0025] Die Prüfung der Bedruckbarkeit und der Abriebfestigkeit bzw. Bäderfestigkeit wurde
anhand von Mustern mit handelsüblichen Farbbändern durchgeführt. Zur Prüfung der
Muster auf chemische und mechanische Beanspruchungen, wie sie während des Entwicklungsvorganges
auftreten können, wurden diese 30 Sekunden lang in Entwickler getaucht, mit dem Finger
gewischt und nach Spülung mit Wasser geprüft, ob Verwischungen oder Verfärbungen durch
Auswaschen einer Farbkomponente aufgetreten sind. Die Abriebfestigkeit wurde durch
stärkeres Reiben mit dem Finger festgestellt.
[0026] Die Prüfung der Klebebandhaftkraft wurde an Mustern mit einem handelsüblichen Klebeband,
z.B. einem 3M-Klebeband 8422, durchgeführt. Das Klebeband wurd aufgedrückt und mit
einem Gewicht von 3 kg belastet. Anschließend wurde das Muster in 1,5 cm breite Streifen
geschnitten und das Klebeband eines jeden Musters in einen Bruchlasttester eingespannt,
in welchem das Klebeband von der Unterlage in einem Winkel von 180° mit einer Geschwindigkeit
von 20 cm/Min. abgezogen wird. Die zum Abziehen benötigte Kraft wird gemessen.
[0027] Zur Prüfung der Schmutzaufnahmefähigkeit (Tar Stain) wird eine handelsüblicher Colorentwickler
ca. 2 cm hoch in eine offene Schale gefüllt und eine Woche an der Luft stehen gelassen.
Nach dieser Zeit hat sich auf der Oberfläche eine dunklere teerartige Schicht aus
Oxidationsprodukten gebildet. Diese teerartige Oberfläche wird mit dem zu prüfenden
Muster abgezogen, anschließend das Muster unter fließendem Wasser gewaschen und an
der Luft getrocknet. Das Ausmaß der Schmutzaufnahme wird visuell durch die Verfärbung
der Rückseite beurteilt.
1. Fotografisches Trägermaterial für lichtempfindliche Schichten in Form eines kunststoffbeschichteten
Papiers oder einer Kunststoffolie mit einer beschreibbaren antistatischen Rückseitenbeschichtung
unter Verwendung von silikatischen Verbindungen, dadurch gekennzeichnet, daß der Rückseitenstrich
folgende Zusammensetzung hat:
a) Ein Terpolymer-Latex aus Styrol-Butadien-Methacrylat,
b) Kieselsäure (SiO₂) mit einer Teilchengröße von 3 bis 6 µm,
c) ein aluminiummodifiziertes kolloidales Kieselsäuresol sowie
d) eine wäßrige Lösung eines Salzes einer organischen Polysäure sowie Wasser,
wobei die Mengen der Stoffe a) bis d) so getroffen sind, daß optimale Bedruckbarkeit
mit Bändern, Beschreibbarkeit mit Bleistiften, geringste Verschmutzung in alten oxidierten
Entwicklungsbädern, geringste Verfärbung im Colorentwickler, optimale Klebebandhaftung
und antistatische Eigenschaften erhalten werden.
2. Fotografisches Trägermaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der
Rückseitenstrich die folgende Zusammensetzung hat:
Terpolymer-Latex aus Styrol-Butadien-Methacrylat in Wasser mit einem Festkörpergehalt
zwischen 30 und 55 Gew.-% |
10 - 30 Gew.-% |
Kieselsäure (SiO₂) in einer Teilchengröße von 3 bis 6 µm |
0,1 - 3.0 Gew.-% |
aluminiummodifiziertes Kieselsäurehydrosol |
8 - 30 Gew.-% |
Alkalipolystyrolsulfonat, 30%ige wäßrige Lösung |
0,5 - 5 Gew.-% |
|
Rest entsalztes Wasser in einer Menge, die eine gute streichfähige Konsistenz ergibt. |
|
3. Fotografisches Trägermaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der
Rückseitenstrich die folgende Zusammensetzung hat:
Entsalztes Wasser |
67,0 Gew.-% |
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Terpolymer-Latex aus Styrol-Butadien-Methacrylat in wäßriger Form mit 50 % Festkörpergehalt |
20,0 Gew.-% |
Kieselsäure, Teilchengröße 3 bis 6 µm |
1,0 Gew.-% |
|
aluminiummodifiziertes kolloidales Kieselsäuresol, 30%ig in Wasser, mittlere Teilchengröße
10 bis 15 nm |
10,0 Gew.-% |
|
Natriumsalz einer Polystyrolsulfonsäure MG 20 000, 30%ige wäßrige Lösung |
2,0 Gew.-% |
|
100,0 Gew.-% |
4. Trägermaterial nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Monomerverhältnis
im Terpolymer in den folgenden Bereichen liegt:
50 - 70 Gew.-% Styrol
25 - 40 Gew.-% Butadien und
5 - 15 Gew.-% Methacrylat
und das Polymer frei von Carboxyl- und Hydroxylgruppen ist.