(57) Bei einem Verfahren zur Erzeugung von Phosphatüberzügen auf mindestens teilweise
aus Eisen oder Stahl bestehenden Metalloberflächen mittels Phosphatierungslösungen,
die schichtbildende Kationen enthalten und auf der Eisenseite betrieben werden, bei
dem der Gehalt an Eisen II-Ionen durch Oxidation mit sauerstoffhaltigen Gasen und
Fällung von Eisenphosphat begrenzt wird, führt man zwecks Beschleunigung der Oxidation
der Eisen II-Ionen die Oxidation bei einer Temperatur von max. 50°C in Gegenwart von
Eisen II-oxidierenden Mikroorganismen, insbesondere von Thiobazillus-Arten, wie des
Stammes Thiobazillus ferrooxidans, durch.
Besonders zweckmäßig ist es, hierbei einen Teilstrom der Phosphatierungslösung aus
dem Phosphatierbehälter abzuzweigen und die Oxidation und Eisenphosphatabtrennung
in einer von der Phosphatierungszone abgetrennten Zone, insbesondere in einer mit
Füllkörpern versehenen, von unten mit sauerstoffhaltigem Gas beaufschlagten und im
Aufwärtsstrom betriebenen Kolonne vorzunehmen.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung von Phosphatüberzügen auf mindestens
teilweise aus Eisen oder Stahl bestehenden Metalloberflächen mittels Phosphatierungslösungen,
die schichtbildende Kationen enthalten und "auf der Eisenseite" betrieben werden,
bei dem der Gehalt an Eisen II-Ionen durch Oxidation mit sauerstoffhaltigen Gasen
und Fällung von Eisenphosphat begrenzt wird.
[0002] Bei der Herstellung von Phosphatüberzügen auf Metalloberflächen mit z.B. einer Zinkphosphatlösung
ist es generell üblich, zur Beschleunigung der Schichtausbildung der Phosphatierungslösung
sogenannte Beschleuniger zuzusetzen. Soweit die Herstellung von Phosphatüberzügen
auf Eisen- oder Stahloberflächen betroffen ist, ergeben sich aus der hiermit verbundenen
Auflösung von Eisen, das zunächst in Form von Eisen II-Ionen in Lösung geht, besondere
Probleme.
[0003] Bei einer Kategorie von Phosphatierungsverfahren arbeitet man mit Phosphatierungslösungen,
die Eisen II in Eisen III überführende Oxidationsmittel, wie z.B. Chlorat oder Nitrit,
enthalten, so daß unlösliches Eisenphosphat gebildet wird. Mit zunehmendem Durchsatz
an behandelten Oberflächen entstehen dann erhebliche Schlammengen, die physikalisch
entfernt werden müssen. Bei einigen Verfahren bereitet jedoch die physikalische Schlammentfernung
Schwierigkeiten bzw. ist schwer durchführbar, so daß es vorteilhafter ist, das Phosphatierverfahren
so zu leiten, daß praktisch kein oder nur wenig Schlamm gebildet wird.
[0004] Bei dieser Kategorie von Phosphatierverfahren, die "auf der Eisenseite" arbeiten,
wird die Phosphatierungslösung aus Chemikalien formuliert, die das in Lösung gehende
Eisen nicht in den dreiwertigen Zustand überführen. Dies gelingt beispielsweise durch
Verwendung von Nitrat oder ähnlich schwachen Oxidationsmitteln als Beschleuniger.
Neben des geringen Schlammanfalles haben die auf der Eisenseite arbeitenden Phosphatierverfahren
den Vorzug eines geringeren Chemikalienverbrauchs und der Ausbildung dicker Schichten,
die insbesondere für den Korrosionsschutz in Verbindung mit Korrosionsschutzölen oder
Wachsen und für die Kaltumformung geeignet sind. Obgleich die auf der Eisenseite arbeitenden
Phosphatierverfahren zahlreiche Vorzüge aufweisen, wirft die Anreicherung von Eisen
II-Ionen in der Phosphatierungslösung gewisse Probleme auf. Bei einem zu hohen Eisengehalt
ist eine Neigung zu einer spontanen Oxidation des gesamten Eisen II zu Eisen III und
somit zu einer derartig starken Schlammbildung vorhanden, daß meist das Phosphatierbad
nicht mehr verwendbar ist. Bei einem zu hohen Eisen II-Gehalt der Phosphatierungslösung
ist zudem eine Tendenz zur Ausbildung grobkörniger Phosphatschichten gegeben.
[0005] Es hat nicht an Versuchen gefehlt, die Eisen II-Konzentration in Phosphatierbädern,
die auf der Eisenseite arbeiten, derart zu begrenzen, daß keine Nachteile entstehen.
So ist es bekannt, bei der Herstellung von Phosphatüberzügen auf Eisen- oder Stahloberflächen
im Tauch- oder Flutverfahren mit wäßrigen sauren Zinkphosphatlösungen bestimmter Zusammensetzung
zu arbeiten, bei der man durch geeignete Bemessung von Chlorat oder einem gleichwirkenden
Eisen II zu Eisen III oxidierenden Beschleuniger einen Eisen II-Gehalt von 0,05 bis
1 Gew.% einstellt (EP-Bl 45 110). Die Verwendung von Chlorat als Oxidationsmittel
hat jedoch den Nachteil, daß der bei der Oxidation gebildete Schlamm voluminös ausfällt.
Darüber hinaus entsteht bei der Oxidation von Eisen II zu Eisen III aus dem Chlorat
Chlorid, das sich im Bad anreichert und die korrosionsschützenden Eigenschaften des
Phosphatüberzuges beeinträchtigen kann.
[0006] Schließlich ist es bekannt, die Eisen II-Konzentration von auf der Eisenseite arbeitenden
Phosphatierungslösungen durch Oxidation des Eisen II mittels Luft zu begrenzen (DE-Al-33
45 498). Dieses Verfahren hat jedoch den Nachteil, daß die Oxidationsgeschwindigkeit
relativ gering ist. Bei Phosphatierbädern, die eine hohe Durchsatzleistung aufweisen,
d.h. durch die große Oberfläche pro Badvolumen durchgesetzt werden, ist die in Lösung
gehende Menge an Eisen II-Ionen in der Regel höher, als die durch Oxidation mit sauerstoffhaltigem
Gas in Eisen III überführbare Menge. Eine Begrenzung der Eisen II-Konzentration auf
einen bestimmten Maximalwert ist bei derartigen Verfahren praktisch nicht durchführbar.
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Erzeugung von Phosphatüberzügen auf
mindestens teilweise aus Eisen oder Stahl bestehenden Metalloberflächen bereitzustellen,
das auf der Eisenseite arbeitet und die bekannten, insbesonderen vorgenannten, Nachteile
nicht aufweist.
[0008] Die Aufgabe wird gelöst, indem das Verfahren der eingangs genannten Art entsprechend
der Erfindung derart ausgestaltet wird, daß man die Oxidation bei einer Temperatur
von max. 50°C in Gegenwart von Eisen II-oxidierenden Mikroorganismen vornimmt.
[0009] Zwar ist aus der DE-AS 24 30 776 ein Mittel zur Reinigung und nichtschichtbildenden
Phosphatierung von Eisenoberflächen in einem Arbeitsgang mit Hilfe von Lösungen, die
Phosphorsäure und/oder Phosphat, Oxidationsmittel sowie eine Reinigungswirkung zeigende
Kultursuspension von lithotropen Stämmen von Eisenbakterien (Ferrobazillus) und/oder
des Thiobazillus ferrooxidans enthalten, bekannt. Jedoch bewirken hierbei die Mikroorganismen
neben der Reinigung entsprechend den Ausführungen in Spalte 5, Zeilen 50ff eine komplette
Oxidation der Eisen II-Ionen zu Eisen III-Ionen. Eine Begrenzung des Eisengehaltes
auf bestimmte Höchstwerte im Sinne einer Steuerung der Eisen II-Konzentration wie
bei der vorliegenden Erfindung, ist nicht vorgesehen. Damit entfällt auch die Möglichkeit
des Arbeitens auf der Eisenseite, was übrigens bei Verfahren der nichtschichtbildenden
Phosphatierung begrifflich unsinnig ist.
[0010] Die Einstellung einer Temperatur von maximal 50°C bei der Oxidationsbehandlung der
Phosphatierungslösung ist dadurch vorgegeben, daß bei höheren Temperaturen die Mikroorganismen
absterben.
[0011] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung nimmt man die Oxidation in Gegenwart
von Thiobazillus-Arten, insbesondere des Stammes Thiobazillus ferrooxidans, vor. In
der Literatur wird dieser Stamm auch als Ferrobazillus ferrooxidans oder Ferrobazillus
sulfooxidans bezeichnet, wodurch unterschieden wird, an welches Medium die Art adaptiert
ist. Im folgenden wird die Bezeichnung Thiobazillus ferrooxidans verwendet.
[0012] Die Effektivität der Oxidation der Eisen II-Ionen mittels Thiobazillus ferrooxidans
in Phosphatierlösungen ist am größten, wenn diese Lösungen auf einen pH-Wert von 1,8
bis 4, vorzugsweise 2,0 bis 3,0 eingestellt sind. Demzufolge sieht eine weitere bevorzugte
Ausführungsform der Erfindung vor, die Oxidation der Eisen II-Ionen bei einem pH-Wert
der Lösung von 1,8 bis 4, vorzugsweise 2,0 bis 3,0 vorzunehmen.
[0013] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird der Gehalt an Eisen II-Ionen
auf höchstens 10 g/l begrenzt.
[0014] Thiobazillus ferrooxidans kann direkt dem Phosphatierbad zugesetzt werden. Gemäß
einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung zweigt man jedoch einen Teilstrom der
Phosphatierungslösung aus dem Phosphatierbehälter ab und nimmt die Oxidation des Eisen
II und die Eisenphosphatabtrennung in einer, von der Phosphatierungszone abgetrennten
Zone vor. Die von Eisenphosphatschlamm befreite Lösung wird dann, ggf. nach einer
Ergänzung der wirksamen Lösungsbestandteile auf den Sollwert, in den Phosphatierbehälter
zurückgeführt. Bei dieser Arbeitsweise ist es prinzipiell möglich, die Phosphatierung
selbst bei einer Temperatur oberhalb 50°C vorzunehmen, wenn für eine hinreichende
Kühlung der Phosphatierungslösung vor ihrer Regenerierung gesorgt wird. Diese Kühlung
könnte in einfachster Weise im Wärmeaustausch gegen bereits regenerierte Lösung erfolgen.
[0015] Sowohl bei der Oxidation im Phosphatierungsbad selbst wie in einer separaten Zone
ist es zweckmäßig, den Mikroorganismen ausreichend Oberfläche, z.B. in Form von Füllkörpern,
wie Raschigringen, zur Besiedelung zur Verfügung zu stellen, damit sie ihre Tätigkeit
voll entfalten können.
[0016] Optimale Bedingungen sind dann gegeben, wenn man entsprechend einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung die Oxidation des abgetrennten Teilstromes der Phosphatierungslösung
in einer mit Füllkörpern versehenen, von unten mit sauerstoffhaltigem Gas beaufschlagten
und im Aufwärtsstrom betriebenen Kolonne vornimmt und das gebildete Eisenphosphat
anschließend von der Phospatierungslösung abtrennt. Durch die Gleichstromführung von
sauerstoffhaltigem Gas und Phosphatierungslösung sind einerseits die Lebensbedingungen
für die Mikroorganismen besonders günstig, andererseits wird der bei der Oxidation
gebildete Eisenphosphatschlamm mit der Phosphatierungslösung nach oben ausgetragen,
so daß es nicht zu Verstopfungen oder Schlammansammlungen in einzelnen Apparatebereichen
kommen kann.
[0017] Als sauerstoffhaltiges Gas empfiehlt sich insbesondere die Verwendung von Luft, ggf.
auch von mit Sauerstoff angereicherter Luft. Durch den Kohlendioxidgehalt der Luft
wird dabei der für die Mikroorganismen unerläßliche Kohlenstoffbedarf gedeckt. Die
weiteren, für die Vermehrung und für das Wachstum erforderlichen Elemente Stickstoff,
Kalzium und Phosphor, liegen in der Phosphatierungslösung in der Regel vor. Ggf. kann
es zweckmäßig sein, weitere Zusätze, z.B. an Magnesium-, Ammonium- und/oder Sulfationen,
vorzunehmen, sofern die Phosphatierungslösung diese Komponenten nicht ohnehin enthält.
[0018] Beispiele für Phosphatierungslösungen mit schichtbildenden Kationen im Sinne der
vorliegenden Erfindung sind insbesondere solche auf Basis Zink-, Zink/Nickel-, Zink/Mangan-
und Zink/Kalziumphosphat.
[0019] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Beispiele beispielsweise und näher erläutert.
Beispiel.
[0020] Es wurden zwei Phosphatierbäder mit folgender Zusammensetzung angesetzt:
| Zn |
16,5 g/l |
| P₂O₅ |
19,8 g/l |
| NO₃ |
21,1 g/l |
[0021] Die Gesamtsäure-Punktzahl betrug 60 Punkte und die Badtemperatur 40°C. Durch beide
Bäder wurden entfettete Stahlbleche der Qualität USt 1405 m durchgesetzt.
[0022] Die Belastung der Bäder betrug 0,12 m² pro Liter und Stunde.
[0023] Während des Durchsatzes wurde die Gesamtsäure-Punktzahl durch Zugabe von Ergänzungskonzentrat
auf 60 Punkte konstant gehalten.
[0024] Nachdem in beiden Bädern die Eisen II-Konzentration auf 8,2 g/l angestiegen war,
wurde Luft eingeleitet. Bad B erhielt einen Zusatz von ca. 1 g/l Thiobazillus ferrooxidans.
Hiernach wurden beide Bäder in gleicher Weise weiter belastet.
[0025] Der Verlauf der jeweiligen Eisen II-Konzentration ist aus Tabelle 1 zu entnehmen.
In der 1. Spalte ist der Durchsatz an der Metalloberfläche mit m²/l aufgeführt. In
der 2. Spalte ist die Eisen II-Konzentration von Bad A und in der 3. Spalte die Eisen
II-Konzentration von Bad B angegeben.
TABELLE 1
| m²/l |
Bad A g/l Fe(II) |
Bad B g/l Fe(II) |
| 0 |
0 |
0 |
| 1 |
2,4 |
2,4 |
| 2 |
4,5 |
4,5 |
| 3 |
6,5 |
6,5 |
| 4 |
8,2 |
8,2 |
| |
Einleiten von Luft |
Einleiten von Luft + Thiobazillus ferrooxidans |
| 5 |
9,4 |
8,6 |
| 6 |
10,4 |
8,9 |
| 7 |
11,3 |
9,2 |
| 8 |
12,0 |
9,3 |
| 9 |
12,6 |
9,2 |
[0026] Mit dem Bad A konnten bei 12 g/l Fe(II) keine hochwertigen Phosphatschichten mehr
erzeugt werden. Die mit dem Bad B entsprechend dem erfindungsgemäßen Verfahrenen erhaltenen
Phosphatüberzüge waren nach 9 m²/l Durchsatz noch excellent.
1. Verfahren zur Erzeugung von Phosphatüberzügen auf mindestens teilweise aus Eisen
oder Stahl bestehenden Metalloberflächen mittels Phosphatierungslösungen, die schichtbildende
Kationen enthalten und auf der Eisenseite betrieben werden, bei dem der Gehalt an
Eisen II-Ionen durch Oxidation mit sauerstoffhaltigen Gasen und Fällung von Eisenphosphat
begrenzt wird, dadurch gekennzeichnet, daß man die Oxidation bei einer Temperatur
von max. 50°C in Gegenwart von Eisen II-oxidierenden Mikroorganismen vornimmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Oxidation in Gegenwart
von Thiobazillus-Arten, insbesondere des Stammes Thiobazillus ferrooxidans, vornimmt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man die Oxidation
der Eisen II-Ionen bei einem pH-Wert der Lösung von 1,8 bis 4, vorzugsweise 2,0 bis
3,0 vornimmt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß man den Gehalt
an Eisen II-Ionen auf höchstens 10 g/l begrenzt.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß man einen Teilstrom der Phosphatierungslösung aus dem Phosphatierbehälter abzweigt
und die Oxidation und Eisenphosphatabtrennung in einer von der Phosphatierungszone
abgetrennten Zone vornimmt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß man die Oxidation des abgetrennten
Teilstromes der Phosphatierungslösung in einer mit Füllkörpern versehenen, von unten
mit sauerstoffhaltigem Gas beaufschlagten und im Aufwärtsstrom betriebenen Kolonne
vornimmt und das gebildete Eisenphosphat anschließend von der Phosphatierungslösung
abtrennt.