| (19) |
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(11) |
EP 0 314 667 B2 |
| (12) |
NEUE EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Veröffentlichungstag und Bekanntmachung des Hinweises auf die Entscheidung über den
Einspruch: |
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13.12.1995 Patentblatt 1995/50 |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
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08.04.1992 Patentblatt 1992/15 |
| (22) |
Anmeldetag: 24.10.1988 |
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| (54) |
Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung dünner Drähte, Stäbe, Rohre und Profile aus
Stählen und Legierungen mit geringem Formänderungsvermögen, insbes. aus härtbaren
Stählen
Process and apparatus for manufacturing thin wires, rods, pipes or sections made of
steels or alloys with a low deformability, particularly of hardenable steels
Procédé et dispositif pour la fabrication de fils, de barres, de tuyaux et de profilés
minces en aciers ou alliages difficilement déformables, notamment en aciers durcissables
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| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH DE FR GB IT LI LU NL SE |
| (30) |
Priorität: |
29.10.1987 AT 2846/87
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| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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03.05.1989 Patentblatt 1989/18 |
| (73) |
Patentinhaber: BÖHLER Gesellschaft m.b.H. |
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A-1010 Wien (AT) |
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| (72) |
Erfinder: |
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- Lösch, Hans, Dipl.-Ing.
A-8605 Kapfenberg (AT)
- Eilmer, Johann
A-8600 Bruck (AT)
- Rischka, Franz
A-8600 Bruck (AT)
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| (74) |
Vertreter: Wildhack, Helmut, Dipl.-Ing. Dr. et al |
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Patentanwälte Dipl.-Ing. Leo Brauneiss
Dipl.-Ing. Dr. Helmut Wildhack
Dipl.-Ing. Dr.Gerhard Jellinek
Landstrasser Hauptstrasse 50
Postfach 281 1031 Wien 1031 Wien (AT) |
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
CH-A- 415 511 DE-B- 1 104 915 DE-C- 398 402 GB-A- 798 652
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DE-A- 3 039 101 DE-C- 51 188 FR-A- 2 244 002 US-A- 2 400 866
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- Sonderdruck aus Neue Hütte 14, (1969), 8
"Warmverformung von Stählen auf dem Einstichwalzwerk"
- Sonderdruck aus Draht-Welt 54 (1968), 10
"Das Warmwalzen von Profilen aus Stahl in einem Stich"
- Sonderdruck aus Draht-Welt 52 (1966), 6
"Herstellung kleiner Profile auf dem Einstichwalzwerk"
- Dissertation H. Tzscheutschler 1982 "Untersuchungen der Einsatzmöglichkeiten des Halbwarmziehens"
S. 18-23, Bilder 1-4
- DRAHT Jahrgang 33 (1982), Heft 5, S. 255
- Das System Fe-C (Fig.1, nach Horstmann)
- Houdremont: Handbuch der Sonderstahlkunde, 1956, S. 122-124;628,629,1003,1028-1030
- Rapatz: Die Edelstähle (1962), Springer Verlag, S. 780-829
- Leitner Plöckinger: Die Edelstahlerzeugung, Springer Verlag 1965, S. 817-824
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[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verformung von draht- und stabförmigem Vormaterial
mit einer geringen Dicke von unter 10 mm aus lufthärtenden Werkzeugstählen, insbesondere
Schnellstählen mit geringem Formänderungsvermögen und/oder Formänderungsfestigkeit
bei Raumtemperatur, wobei das weichgeglühte Vormaterial auf eine Temperatur von mindestens
400 °C und höchstens AC1-Temperatur bzw. Umwandlungstemperatur in das Gammagefüge
der Legierung erwärmt und verformt wird sowie eine Vorrichtung zur Verformung von
draht-und stabförmigem Vormaterial mit einer geringen Dicke von unter 10 mm aus lufthärtenden
Werkzeugstählen und Schnellstählen mit geringem Formänderungsvermögen und/oder hoher
Formänderungsfestigkeit bei Raumtemperatur, bestehend im wesentlichen aus einer Erwärmungseinrichtung,
gegebenenfalls einer Temperaturregelungs- und Führungseinrichtung und einer Verformungseinrichtung
zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Drähte, Stäbe, Rohre und Profile mit geringem Durchmesser bzw. mit einer geringem
Wandstärke werden hergestellt, indem nach dem Warmverformen des Vormaterials und gegebenenfalls
nach einem Weichglühen ein Kaltwalzen oder Kaltziehen erfolgt. Das Vormaterial weist
dabei meist eine Dicke von unter 10 mm auf.
[0003] Bei der Kaltumformung verfestigt sich das Material, wobei mit sinkender Duktilität
bzw. steigender Formänderungsfestigkeit prozentuell höhere Verfestigungsgrade gegeben
sind und das Verformungsvermögen des Werkstoffes bei geringen Umformgraden erschöpft
ist. Werkstoffe mit hoher Duktilität bei Raumtemperatur und somit hohem Kaltverformungsvermögen
können durch Kaltwalzen und Kaltziehen hoch veformt werden und es sind Querschnittsabnahmen
von beispielsweise 10:1 bzw. 90% und höher möglich. Verfestigt sich das Material im
Zuge der Formänderung auf Grund des geringen Kaltumformvermögens so stark, daß die
Weiterverarbeitung auf das gewünschte Endmaß nicht möglich ist und Risse und Brüche
durch erschöpftes Verformungsvermögen auftreten, so muß eine Entfestigung durch Erwärmen
auf höhere Temperaturen oder ein Zwischenglühen eingschaltet werden. Bei dieser Zwischenwärmebehandlung
werden die Verfestigungen im Werkstoff abgebaut. Für härtbare Stähle, insbesondere
Lufthärter, wie Werkzeugstähle und Schnellstähle kann diese Zwischenwärmebehandlung
eine Weichglühbehandlung sein. Aus wirtschaftlichen Gründen wird meist jedoch zur
Entfestigung ein Langzeitglühen, gegebenenfalls unter der Austenitisierungstemperatur
bzw. unter dem AC 1- Punkt der Legierung, durchgeführt.
[0004] Vormaterial mit geringem Kaltumformvermögen und mit geringer Dicke kann meist nicht
im schmiedeheißen duktilen Zustand bis auf das Endmaß verformt werden, weil der Energieverlust
durch Abstrahlung von der Oberfläche , der mit der 4. Potenz der Temperatur steigt,
zu niedrigen Temperturen in der oberflächennahen Zone führt und bei härtbaren Stählen
und Legierungen auch Gefügeumwandlungen bzw. Härtung des Materials erfolgen. Die rasche
Abkühlung entsteht deshalb, weil auf Grund des geringen Querschnittes der Wärmegehalt
des Materials niedrig ist.
[0005] Weiters ist nach einer Verformung von z.B. härtbaren Legierungen im schmiedeheißen
Zustand eine Weichglühbehandlung durchzuführen.
[0006] Um gegebenenfalls eine Härtung oder eine an die Verformung anschließende Wärmebehandlung
zu vermeiden und trotzdem eine Erhöhung des Verformungsvermögens und damit eine Vergrößerung
der Querschnittsabnahme zu erreichen, wurde vorgeschlagen, das Verformen bei erhöhter
Temperatur, gegebenenfalls jedoch unterhalb der Austenitisierungstemperatur bzw. unterhalb
des AC 1-Punktes der Legierung,durchzuführen. Dabei darf jedoch die eingebrachte Verformungsenergie
in keinem Querschnittsbereich zu einer Temperaturerhöhung über den AC 1- Punkt führen.
[0007] Das Ziehen hat sich für den Verformungsprozeß bei erhöhter Temperatur als vorteilhaft
erwiesen, weil die Energieeinbringung durch die Reibung im Ziehhohl und durch die
Hauptverformung in der oberflächennahen Zone erfolgt und dadurch die Abstrahlverluste
weitgehend kompensiert werden. Die verbesserte Temperaturverteilung über den Querschnitt
ermöglicht, dabei auch größere Querschnittsabnahmen je nach Verformungsschritt anzuwenden
und bei insgesamt hoher Abnahme des Ausgangsquerschnittes durch mehrmaliges Ziehen
eine Verringerung der Anzahl der Züge und der dazwischenliegenden Entfestigungsbehandlungen
zu erreichen. Aus der US-A- 2 400 866 ist ein Verfahren zum Ziehen von Draht aus härtbaren
Legierungen bekannt geworden, bei welchem das Vormaterial in einer Induktionsspule
oder einem Ofen auf eine Temperatur von über 482°C, jedoch unterhalb des AC 1- Punktes
erwärmt, mit einer Oberflächenbeschichtung aus Graphit als Schmiermittel versehen
und durch ein feststehendes Werkzeug bzw. einen Ziehstein gezogen wird. Zur Verbesserung
der Erwärmungsverhältnisse wurde vorgeschlagen (DE-B- 1 104 915), daß nach dem Einbau
des Ziehgutes in die Ziehbank zunächst durch den im ruhenden Zustand in der Heizzone
befindlichen Gutabschnitt Strom geleitet und dieser erwärmt wird, sodann mit gleichbleibender
Stromstärke und geringer Ziehgeschwindigkeit bis zur Einstellung eines konstanten
Temperaturgefälles über die Erwärmungsstrecke gezogen und schließlich die Stromstärke
und die Ziehgeschwindigkeit gesteigert werden. Die Ziehgeschwindigkeit bei erhöhter
Temperatur des Materials muß jedoch niedrig, beispielsheise bie 0,2 bis 2 m/sec gehalten
werden, weil bei höheren Werten der Ziehsteinverschleiß durch das Abreißen des Schmierfilmes
zu groß wird und die Zeit für die vorherige Durchwärmung und Entfestigung des Materials
lange ist und deshalb unwirtschaftliche Aufwärmstrecken erfordert.
[0008] Beispielsweise kann ein weichgeglühter Schnellstahldraht (Werkstoff DIN Nr. 1.3343)
mit einem Durchmesser von 5,5 mm kontinuierlich von einer Haspel abgezogen in einem
Bleibad mit einer Länge von 10 m und einer Bleibadtemperatur von 700°C während einer
Durchlaufzeit von 20 sec erwärmt und entspannt werden, worauf eine Verformung im Ziehstein
auf einen Durchmesser von 4,7 mm mit einer Geschwindigkeit von 0,5 m/sec erfolgt,
wonach der Draht wieder aufgehaspelt wird. Die Verformung beträgt in diesem Falle
ca. 27%. In sieben weiteren gleich durchgeführten Schritten mit gegebenenfalls vier
dazwischenliegenden Entfestigungsglühungen bei Oxidationsschutz mit einer Temperatur
von ca. 800 C und einer Glühdauer von ca. 1 Stunde wird der Draht auf einen Durchmesser
von 1,6 mm gebracht, wobei das Aufwärmen auf Temperatur und der weitere Abbau der
Verfestigung in den Bleibädern vor der jeweiligen Verformung erfolgen.
[0009] Als Nachteile der Verformung durch Ziehen bei erhöhter Temperatur von Stählen und
Legierungen, insbesondere von härtbaren Stählen, mit geringen Vormaterialdicken sind
die erforderliche aufwendige Verarbeitung in mehreren Schritten mit dazwischenliegenden
Entfestigungsglühungen, die geringe Ziehgeschwindigkeit und die Probleme mit den Hochtemperaturziehmitteln
sowie der Ziehsteinverschleiß zu sehen.
[0010] Ausgehend von diesem Stand der Technik lag der Erfindung die Aufgabe zugrunde, obige
Nachteile zu vermeiden und ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, mit welchen
in einem Arbeitsgang insgesamt hohe Querschnittsabnahmen vorgenommen und der gewünschte
Endquerschnitt mit weitgehend beliebigen Abmessungen erreicht werden können.
[0011] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
mit der Maßgabe, daß die Erwärmung des Vormaterials als kontinuierliche Schnellerwärmung
mittels direkten Stromdurchganges durchgeführt und nach der kontinuierlichen Schnellerwärmung
des Vormaterials und vor dem ersten Verformungsschritt eine Zeitspanne von mindestens
0,5 sec zwecks Temperaturausgleiches vorgesehen und anschließend eine mehr als zweistufige
Verformung durch Walzen mit einer Einlaufgeschwindigkeit des Vormaterials von mindestens
0,2 m/sec und mit einer Querschnittsverminderung von mindestens 10% je Verformungsstufe
und insgesamt von mindestens 40 % durchgeführt wird, gelöst. Bevorzugt ist es, wenn
die Erwärmungsstrecke bzw. der Abstand der elektrischen Kontaktelemente variiert wird
und die für die Erhöhung der Temperatur auf mindestsns 400 °C, höchstens auf AC1-Temperatur
erforderliche elektrische Leistung proportional dem Quotienten gebildet aus Vormaterialgeschwindigkeit
und Erwärmungsstrecke geregelt wird und die Endenvorwärmung des Vormaterials für den
Beginn des Verformungsverfahrens bei kurzer Erwärmungsstrecke durchgeführt wird.
[0012] Besonders vorteilhaft und von wirtschaftlicher Bedeutung ist es, wenn die Verformung
des Vormaterials durch Walzen erfolgt und eine Querschnittsabnahme von insgesamt mindestens
60 % vorgenommen wird. Die Walzverformung in den einzelnen Stichen soll dabei derart
erfolgen, daß eine Querschnittsabnahme von mindestens 15 % oder eine Höhenabnahme
von mindestens 20 % , vorzugsweise mindestens 30 %, am Walzgut vorgenommen wird. Die
gegebenenfalls vorteilhaft anzuwendende Kühlung des Walzgutes soll größenordnungsmäßig
entsprechend der in Wärme umgesetzten Verformungsleistung des vorangegangenen Stiches
bzw. der vorangegangenen Stiche geregelt werden. Weiters ist das Verfahren besonders
gut und wirtschaftlich einsetzbar, wenn die Einlaufgeschwindigkeit des Vormaterials
in das erste Walzenkaliber mindestens 0,5 m/sec beträgt. Gegebenenfalls kann die Verformung
des Vormaterials vorteilhaft auch in einem Mehrrollenwalzwerk erfolgen. Weiters besteht
die Erfindung in einer Vorrichtung zur Verformung von draht- oder stabförmigem Vormaterial
geringer Dicke aus lufthärtenden Werkzeugstählen und Schnellstählen mit geringem Formänderungsvermögen
und/oder hoher Formänderungsfestigkeit bei Raumtemperatur, bestehend im wesentlichen
aus einer Erwärmungseinrichtung, gegebenenfalls einer Temperaturregelungs- und Führungseinrichtung
und einer Verformungseinrichtung zur Durchführung des Verfahrens, wobei in Richtung
des Materialdurchlaufes im wesentlichen nach der Schnellerwärmungseinrichtung zur
Einstellung einer Temperatur von mindestens 400 °C und höchstens AC1-Temperatur bzw.
Umwandlungstemperatur in das Gammagefüge der Legierung des weichgeglühten Vormaterials
eine als Leit- und als Temperaturausgleichsstrecke dienende Einrichtung, z.B. Ausgleichstunnel,
angeordnet ist, nach welcher Einrichtung zumindest eine Verformungseinrichtung eine
mehr als zweistufige Verformung durch Walzen angeordnet ist, und daß die Schnellerwärmungseinrichtung
als Einrichtung mit direktem Stromdurchgang durch das Vormaterial bzw. Walzgut ausgebildet
ist.
[0013] Vorteilhaft sind die elektrische Erwärmungseinrichtung als Einrichtung mit direktem
Stromdurchgang durch das Wärmgut mit variierbarer Erwärmungsstrecke, die Leit- und/oder
die Temperaturausgleichseinrichtung mit Schutzgasatmosphäre zur Verhinderung der Oxidation
und das zwei- oder mehrgerüstige Walzwerk, als Kassettenwalzwerk ausgebildet, und
gegebenenfalls regelbare Kühleinrichtungen zwischen den Walzgerüsten angeordnet. Als
vorteilhaft einsetzbar hat sich die Vorrichtung dann erwiesen, wenn die Einrichtung
zum Temperaturausgleich und zur Vormaterialführung beheizbar ist und in welcher eine
Schutzgasatmosphäre einstellbar ist. Um besonders gute Walzergebnisse zu erreichen,
ist es für Flachprodukte und Profile vorteilhaft, eine abwechselnd offene und geschlossene
Kaliberform anzuwenden, wobei das letzte Kaliber ein geschlossenes Kaliber zur Maßkalibrierung
ist. Bei der Herstellung von Erzeugnissen mit rundem Querschnitt, beispielsweise Drähten,
ist vorteilhafterweise an allen Walzgerüsten eine geschlossene Kaliberform einzusetzen.
Besonders gute Ergebnisse verbunden mit hoher Wirtschaftlichkeit sind dann erreichbar,
wenn zwischen den Walzgerüsten jeweils Kühleinrichtungen angeordnet sind, durch welche
regelbar die Walzenoberflächen und/oder das Walzgut mit Kühlmedium beaufschlagbar
sind. Besonders hohe Wirtschaftlichkeit ist auch dann gegeben, wenn die Walzen aus
Hartmetall oder aus vergütetem Schnellstahl bestehen und gegebenenfalls eine Hartstoffschicht
besitzen, die aus Oxid und/oder Nitrid und/oder Karbid und/oder deren Verbindung,
beispielsweise Oxikarbonitrid, gebildet ist. Für bestimmte Querschnittsformen der
Produkte weist die Vorrichtung vorteilhafterweise ein Mehrrollenwalzwerk als Verformungseinheit
auf.
[0014] Durchaus überraschend hat sich gezeigt, daß die beim Walzprozeß auftretende tiefreichende
Verformung nur eine geringe Temperaturerhöhung im Kern des Materials hervorruft, sodaß
z.B. bei härtbaren Stählen ein Überschreiten der AC 1- Temperatur, insbesondere im
Zentrum, nicht eintritt. Dieser Effekt ist auch bei Walztemperaturen knapp unterhalb
der AC 1-Temperatur der Legierung gegeben, wobei die Durchlaufgeschwindigkeit des
Materials durch die Walzen wesentlich größer sein kann als jene durch den Ziehstein.
Es konnte auch nicht angenommen werden, daß durch mehrgerüstiges Walzen in einem Arbeitsgang
und/oder bei größerer Verformungsgeschwindigkeit, gegebenenfalls bei Oberflächenkühlung,
zwischen den Walzschritten die Temperaturverteilung im Walzgut derart einstellbar
ist, daß in keinem Bereich ein Überschreiten der gewünschten Temperatur, z.B. der
AC 1-Temperatur, eintritt. Auch weitere Vorurteile der Fachwelt und zwar, daß bei
mehrmaligem Walzen hintereinander in einem Arbeitsgang eine Materialverfestigung eintritt
sowie das Verformungsvermögen erschöpft wird, und daß die Zeit zwischen den Einzelwalzverformungen
auf Grund der mit abnehmendem Querschnitt sich erhöhenden Walzgeschwindigkeit nicht
ausreicht, um Entfestigungsvorgänge im Werkstoff ablaufen zu lassen, konnten keine
Bestätigung finden.
[0015] Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind der nachfolgenden Beschreibung, den
Unteransprüchen und den Zeichnungen zu entnehmen.
[0016] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Zeichnungen näher erklärt. Es zeigen
Fig. 1 bis 3 eine Vorrichtung zur Herstellung eines Flachprofiles aus Rundmaterial,
wobei in der
Fig.l 1 schematisch ein zweigerüstiges Walzwerk nach dem Stand der Technik mit vorgeschalteter
Erwärmungs- und Temperaturausgleichseinrichtung dargestellt ist und in
Fig. 2 der erste Stich mit freier Breitung, in
Fig. 3 der zweite Stich im geschlossenen Kaliber, in
Fig. 4 eine erfindungsgemäße Walzstraße für Rundprofile mit Kassettenwalzwerk, in
Fig. 5 ein Dreiwalzen-Dreikantkaliber, in
Fig. 6 ein Dreiwalzen- Rundkaliber, in
Fig. 7 Querschnittsformen des Walzgutes in einer zwölfgerüstigen Walzenstraße und
in
Fig. 8 eine Kühlvorrichtung für Walzen und Walzgut schematisch dargestellt sind.
[0017] In Fig. 1 ist schematisch ein auf einem Fundament A montiertes Walzwerk zur Erzeugung
eines Breitflachprofiles mit den Abmessungen von 8 mm x 1 mm aus Runddraht-Vormaterial
mit einem Durchmesser von 2,8 mm dargestellt. Dabei wird aus einer Vorratshaspel 2
von einer Trommel 21 , welche drehbar mittels Bolzens 23 in einer Trageinrichtung
22 befestigt ist, Vormaterial 1 abgezogen, in einer Schnellerwärmungseinrichtung 3
erwärmt, durch eine Temperaturausgleichs- und Führungseinrichtung 4 einer dem Stand
der Technik entsprechenden zweigerüstigen Verformungseinrichtung 5 zugeführt und damit
gewalzt, worauf in einer Endhaspel 7 das maßgerechte Flachprofilband auf einer Trommel
71, welche mittels einer Welle 73 angetrieben und drehbar in einer Abstützung 72 gelagert
ist, aufgewickelt wird.
[0018] Beim Beginn der Walzung wird das Kontaktrollengerüst 31 , welches verschiebbar mit
einer Auflage 33 verbunden ist, in eine Position 31' und nahe einem Kontaktrollengerüst
32 gebracht, wodurch die Erwärmungsstrecke verkürzt ist. Das drahtförmige Vormaterial
1 mit einem Durchmesser von 3,8 mm ist beispielsweise ein Schnellarbeitsstahl, Werkstoff
Nr. 1.3343, in weichgeglühtem Zustand und wird durch den Spalt von Kontaktrollen 311
bzw. 311' in der Position 31' durchgeführt, bis dieses eine elektrisch leitende Verbindung
mit einem Kontaktrollenpaar 322 bzw. 322' herstellt, worauf die Stomversorgung von
Klemmen 34 erfolgt. Der Stromdurchgang durch das Vormaterial erwärmt dieses und bei
Erreichen einer Temperatur von 800°C wird bei gleichzeitiger Verschiebung des Kontaktrollengerüstes
31 und damit der Verlängerung der Erwärmungsstrecke der Draht in einen Führungs- und
Temperaturausgleichstunnel 41, der über ein Anschlußrohr 42 vorgeheizt und mit Inertgas
versorgt werden kann, eingeschoben. Der Drahtvorschub kann durch ein eigenes nicht
dargestelltes Walzenpaar oder durch die Kontaktrollen des/der Kontaktrollengerüstes(e)
erfolgen. Nach dem Austreten aus dem Tunnel bzw. aus der Tunnelführung wird das eine
Temperatur von 500 °C aufweisende Vormaterial mit einem Durchmesser von 3,8 mm in
einem ersten Walzgerüst 51 auf eine Dicke von 2 mm und eine mittlere Breite von 5,3
mm verformt. Die Verformung erfolgt, wie in Fig. 2 dargestellt, bei freier Breitung
zwischen Walzen 511 und 512, wobei eine Höhenabnahme von ca. 47 % , eine Breitung
von ca. 40 % bei einem Verformungsgrad bzw. einer Verminderung der Querschnittsfläche
von ca. 6% gegeben sind. Dabei stellen in Fig. 2 die Ziffer 1 den Ausgangsquerschnitt
des Vormaterials und 1′ den gewalzten Querschnitt dar.
Unmittelbar nach diesem ersten Stich wird das im Kaliber des ersten Gerüstes 51 verformte
Material in einem zweiten geschlossenen Kaliber eines Walzgerüstes 52, welches in
Fig. 3 dargestellt ist, auf das gewünschte Querschnittsmaß von 1 x 8 mm verformt.
Eine Oberwalze 521 und eine Unterwalze 522 lassen dabei den Walzspalt von 1 mm frei,
wobei Seitenwalzen 523 und 524 auf die Seiten der Ober-und Unterwalzen angestellt
sind und dadurch die Breitung des Walzgutes über das gewünschte Maß von 8 mm verhindern.
Bei diesem Fertigstich bzw. Kalibrierungsstich beträgt die Höhenabnahme ca. 50%, die
Breitung ca.51% und die Flächenabnahme ca. 25%. Die Einlaufgeschwindigkeit des Vormaterials,
welches eine Temperatur 800°C aufweist, beträgt 0,8 m/sec, die Auslaufgeschwindigkeit
aus dem Walzgerüst 52 , mit der in weiterer Folge das Schnellstahlband aufgehaspelt
wird, ist ca. 1,13 m/sec, wobei unmittelbar nach den letzten Walzen eine Walzguttemperatur
von 810°C vorliegt.
[0019] Der in einem Arbeitsgang bei zweistufiger Walzung erreichte Verformungsgrad beträgt
insgesamt ca. 30%. Die an dem Produkt, welches nach obigem Verfahren kontinuierlich
bzw. ohne Unterbrechung hergestellt wurde, durchgeführten Untersuchungen ergaben,
daß über die gesamte Länge des Breitflachbandes die geforderten Abmessungen mit den
entsprechenden Toleranzen vorlagen und Scharfkantigkeit ohne jegliche Kantenbrüche
gegeben war.
[0020] Versuche mit Vormaterialtemperaturen von unter 400 C bzw. bei Raumtemperatur haben
ergeben, daß bei der Walzung von z.B. härtbaren Stählen, insbesondere von Schnellstählen,
in diesem Temperaturbereich die Legierung so stark verfestigt, daß das Umformvermögen
zumindest stellenweise erschöpft ist, wodurch zusätzlich zu erhöhtem Walzenverschleiß
Brüche bzw. Materialtrennungen, insbesondere im Bereich der Kanten des Bandes, entstehen.
Weitere Versuche haben auch gezeigt, daß bei Temperaturen des Vormaterials von knapp
unterhalb der AC1-Temperatur der Legierung die Temperaturausgleichseinrichtung verkürzt,
gegebenenfalls auch weggelassen werden kann, wobei nur eine Führung den gewünschten
Drahteinlauf in das erste Walzgerüst sicherstellt.
[0021] Die Fig. 4 zeigt schematisch eine erfindungsgemäße auf einem Fundament A montierte
Vorrichtung zur Herstellung eines Runddrahtes mit einem Durchmesser von 1,8 mm aus
einem runden, einen Durchmesser von 5,5 mm aufweisenden Vormaterials, wobei eine zwölfgerüstige
Walzenstraße bzw. ein Kassettenwalzwerk eingesetzt wird.
Von der Haspel 2 mit der in einer Abstützung 22 drehbar mittels eines Bolzens 23 gelagerten
Trommel 21 wird das Vormaterial 1 abgezogen, in einer Schnellerwärmungseinrichtung
3 auf eine Temperatur von 780°C gebracht, durch die Temperaturausgleichs- und Führungseinrichtung
4 gefördert und in einem Kassettenwalzwerk 5 verformt, worauf in der Endhaspel 7 das
Aufwickeln des auf Endabmessung verformten Drahtes auf die Trommel 71, welche auf
der Abstützung 72 ruht und von der Welle 73 angetrieben ist, erfolgt. Das Walzgerüst
51 der Verformungseinrichtung 5 kann beispielsweise ein Dreiwalzen-Dreikantkaliber
aufweisen, wie dies in Fig. 5 schematisch dargestellt ist. Dabei ergeben die Arbeitsflächen
der Walzen 511, 512, 513 einen Walzquerschnitt 11, der eine konvex bombierte Dreiecksform
aufweist. In einem zugehörigen Folgewalzgerüst 51' können ebenfalls drei Walzen eingesetzt
werden, wie dies in Fig. 6 dargestellt ist, wobei die Form der Arbeitsflächen der
Walzen 511', 512', 513' einen kreisrunden Walzquerschnitt 12 erbringt. Die Walzgerüste
52 und 52', 53 und 53', 54 und 54', 55 und 55', 56 und 56' können Walzen mit den gleichen
Kaliberfolgen und abnehmenden Kaliberquerschnitt aufweisen. Bei der Walzung muß das
Dreiecks-Kaliber nicht vollkommen gefüllt sein, hingegen ist beim Rundkaliber wegen
der geforderten Produktabmessungen bzw. Abmessungstoleranzen eine vollkommene Kaliberfüllung
erforderlich.
[0022] Vormaterial, beispielsweise aus Werkstoff Nr. 1.3247, im weichgeglühten Zustand mit
einem Durchmesser von 5,5 mm, wird in einer oben prinzipiell beschriebenen Vorrichtung
auf einen Durchmesser von 1,8 mm gewalzt. Dabei erfolgt bei einer Geschwindigkeit
von 0,5 m/min in der Schnellerwärmungseinrichtung 3 mit direktem Stromdurchgang eine
Erwärmung auf eine Temperatur von 780°C, wobei dafür eine Leistung von ca. 45 kW dem
Stromnetz 34 entnommen wird. Die für das Erreichen unterschiedlicher Vormaterialtemperaturen
erforderliche elektrische Leistung ist dabei proportional dem Quotienten, gebildet
aus Wärmgutgeschwindigkeit und Erwärmungsstrecke, so daß ein Nachregeln bei geänderten
Parametern problemlos vorgenommen werden kann.
[0023] Beim Durchlaufen des Temperaturausgleichs-und-Führungstunnels 41, der mit inertem
Verbrennungsgas beaufschlagt ist und eine Länge von 2 mm aufweist, wird keine merkliche
linderung der Temperatur festgestellt. In der Verformungseinrichtung 5 bzw. im zwölfgerüstigen
Kassettenwalzwerk wird z.B. die Verformung mit einer Kalibrierung und einem jeweiligen
Verformungsgrad gemäß der Tabelle 1 vorgenommen.

[0024] Aus dem letzten Kaliber tritt Runddraht mit einer Geschwindigkeit von ca. 4,7 m/sec
aus, wobei die Gesamtquerschnittsverformung ca. 89 % beträgt.
Die jeweiligen Querschnitte, die auf Grund der Kalibrierung nach den einzelnen Stichen
vorliegen, sind anhand von Querschliffen des Walzgutes aus Fig. 7 ersichtlich, wobei
im Bild rechts oben der Ausgangsquerschnitt von 5,5 mm Durchmesser und links unten
der Endquerschnitt von 1,8 mm Durchmesser dargestellt sind. Untersuchungen des Walzmaterials
zeigten eine vollkommene Maßhaltigkeit und gute Oberflächenqualität der Runddrähte
über die gesamte Walzlänge, was auf den Erhalt des Umformvermögens des Materials bei
Temperaturen von mindestens 400 °C und höchstens AC1-Temperatur bei der Walzverformung
auch bei hohen Querschnittsabnahmen hinweist.
[0025] Zwischen den Walzgerüsten können Kühleinrichtungen 5 angeordnet sein. In Fig. 8 sind
derartige Kühleinrichtungen prinzipiell dargestellt, wobei zwischen den Walzen 511
bzw. 512 und 521 ein Kühlelement 61 positioniert ist. Die Kühlelemente bestehen, wie
am oberen Kühlelement dargestellt ist, beispielsweise aus einem Anschluß 611, einer
Kühlmediumszuleitung 612 und einem Düsenkopf 613. Mittels der Düsen 615 und 614 können
die Walzen 511 und 521 mit Kühlmedium beaufschlagt werden, wobei die Strahlen der
Düse 614 auf das Walzgut gerichtet sind. Die einzelnen Ströme der Kühlmedien können
getrennt regelbar ausgeführt sein, wobei die Regelungen in der Skizze nicht dargestellt
sind.
[0026] Eine Verwendung von Hartmetall oder vergütetem Schnellstahl als Walzenwerkstoff hat
sich aus wirtschaftlichen und technischen Gründen als vorteilhaft erwiesen. Die Aufbringung
von Hartstoffschichten auf Walzenarbeitsflächen zur Verminderung von Walzenverschleiß
wurde von der Fachwelt als nicht zielführend bzw.als den Walzprozeß behindernd angesehen,
weil Hartstoffschichten die Reibung zwischen Walzenarbeitsfläche und Walzgutoberfläche
verringert und deshalb kein Einzug des Walzgutes in das Kaliber erfolgen kann. Überraschenderweise
hat sich jedoch gezeigt, daß bei einer Vorrichtung mit mehr als zwei Walzgerüsten
hintereinander in Walzrichtung angeordnet und mit jeweils zwei oder mehreren Arbeitswalzen
eine Hartstoffbeschichtung der Walzenarbeitsflächen zu einer Beeinträchtigung des
Walzprozesses führt, daß jedoch eine wesentliche Verlängerung der Walzenstandzeit
bei verbesserter Walzgutqualität gegeben ist.
1. Verfahren zur Verformung von draht-und stabförmigem Vormaterial mit einer geringen
Dicke von unter 10 mm aus lufthärtenden Werkzeugstählen, insbesondere Schnellstählen,
mit geringem Formänderungsvermögen und/oder hoher Formänderungsfestigkeit bei Raumtemperatur,
wobei das weichgeglühte Vormaterial auf eine Temperatur von mindestens 400° C und
höchstens AC1-Temperatur bzw. Umwandlungstemperatur in das Gammagefüge der Legierung
erwärmt und verformt wird, mit der Maßgabe, daß die Erwärmung des Vormaterials als
kontinuierliche Schnellerwärmung mittels direkten Stromdurchganges durchgeführt und
nach der kontinuierlichen Schnellerwärmung des Vormaterials und vor dem ersten Verformungsschritt
eine Zeitspanne von 0,5 sec zwecks Temperaturausgleiches vorgesehen und anschließend
eine mehr als zweistufige Verformung durch Walzen mit einer Einlaufgeschwindigkeit
des Vormaterials von mindestens 0,2 m/sec und mit einer Querschnittsverminderung von
mindestens 10% je Verformungsstufe und insgesamt von mindestens 40 % durchgeführt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Erwärmungsstrecke bzw.
der Abstand der elektrischen Kontaktelemente variiert wird und die für die Erhöhung
der Temperatur auf mindestens 400 ° C, höchstens auf AC1-Temperatur, erforderliche
elektrische Leistung proportional dem Quotienten gebildet aus Vormaterialgeschwindigkeit
und Erwärmungsstrecke geregelt wird und die Endenvorwärmung des Vormaterials für den
Beginn des Verformungsverfahrens bei kurzer Erwärmungstrecke durchgeführt wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Verformung
des Vormaterials durch Walzen mit einer Querschnittsabnahme von insgesamt mindestens
60 % vorgenommen wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzverformung
in mehreren Schritten bzw. mehreren Stichen mit jeweils einer Querschnittsabnahme
von mindestens 15 % und/oder einer Höhenabnahme von mindestens 20 %, vorzugsweise
mindestens 30 %, vorgenommen wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß nach jeder
oder nach mehreren Walzverformungen eine Kühlung der Walzenoberfläche und/oder des
Walzgutes vorgenommen wird, wobei die Kühlleistung des Walzgutes größenordnungsmäßig
entsprechend der in Wärme umgesetzten Verformungsleistung des/der vorangegangenen
Stichs(e) geregelt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzung
des Vormaterials im ersten Stich bei einer Einlaufgschwindigkeit von mindestens 0,5
m/sec erfolgt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die mehr als
zweistufige Verformung mit großer Querschnittsverminderung in einem Mehrrollenwalzwerk
durchgeführt wird.
8. Vorrichtung zur Verformung von draht-oder stabförmigem Vormaterial mit einer geringen
Dicke von unter 10 mm aus lufthärtenden Werkzeugstählen und Schnellstählen mit geringem
Formänderungsvermögen und/oder hoher Formänderungsfestigkeit bei Raumtemperatur; bestehend
im wesentlichen aus einer Erwärmungseinrichtung, gegebenenfalls einer Temperaturregelungs-
und Führungseinrichtung und einer Verformungseinrichtung, zur Durchführung des Verfahrens
nach einem der Ansprüche 1 bis 7, mit der Maßgabe, daß in Richtung des Vormaterialdurchlaufes
im wesentlichen nach der Schnellerwärmungseinrichtung (3) zur Einstellung der Temperatur
von mindestens 400 ° C und von höchstens AC1-Temperatur bzw. Umwandlungstemperatur
in das Gammagefüge der Legierung des weichgeglühten Vormaterials (1) eine als Leit-
und Temperaturausgleichsstrecke dienende Einrichtung (4), z.B. Ausgleichstunnel (41),
angeordnet ist, nach welcher Einrichtung (4) zumindest eine Verformungseinrichtung
(5) für eine mehr als zweistufige Verformung durch Walzen angeordnet ist, und daß
die Schnellerwärmungseinrichtung (3) als Einrichtung mit direktem Stromdurchgang durch
das Vormaterial bzw. Walzgut (1) ausgebildet ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Schnellerwärmungseinrichtung
(3) zusätzlich mit variierbarer Erwärmungsstrecke ausgebildet ist.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Leit-
und/oder Temperaturausgleichseinrichtung (4) beheizbar und/oder in dieser (diesen)
eine Schutzgasatmosphäre einstellbar ist.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß zur Verformung
mindestens zwei Walzgerüste (51) und (52) bzw. (51) und (51'), gegebenenfalls bis
( 56') mit jeweils zwei oder mehreren Arbeitswalzen ( 511, 512, 521, 522, 523, 524)
hintereinander in Walzrichtung angeordnet sind.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzen
in Durchlaufrichtung abwechselnd eine offene und eine geschlossene Kaliberform aufweisen,
wobei das letzte Kaliber ein geschlossenes Kaliber, gegebenenfalls ein Maßkaliber,
ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Arbeitswalzen
in vorzugsweise allen Walzgerüsten, insbesondere im letzten Walzgerüst, eine geschlossene
Kaliberform aufweisen.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzen
in den Walzgerüsten einzeln mit entsprechender Drehzahlsteuerung oder gemeinsam mit
entsprechenden Drehzahlübersetzungen und Kaliberformfolgen antreibbar sind.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzgerüste
unabhängig voneinander fixiert und mit der Antriebseinrichtung verbunden sind, wobei
vorzugweise das mehrgerüstige Walzwerk als Kassettenwalzwerk ausgebildet ist.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen
den Walzgerüsten eine regelbare Kühleinrichtung (61, 62) angeordnet ist, mit welcher
Kühlmedium auf die Walzenoberflächen und/oder auf das Walzgut aufbringbar ist.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Walzen
aus Hartmetall oder vergütetem Schnellstahl gebildet sind und gegebenenfalls eine
Hartstoffbeschichtung aufweisen.
1. A process for deforming wire- and rod-like basic material having a low thickness of
less than 10 mm from air-hardenable tool steels, in particular high-speed steels,
having a low deformability and/or a resistance to deformation at room temperature,
the soft-annealed basic material being heated to a temperature of at least 400°C and
at most the Ac 1 temperature or temperature of transformation into the gamma structure
of the alloy and being deformed, with the proviso that heating of the basic material
is effected as continuous rapid heating by means of directly passing current and,
after the continuous rapid heating of the basic material and prior to the first deformation
stage, an interval of 0.5 seconds is provided for temperature equalization and then
a more than two-stage deformation is effected by rolling at an entry speed of the
basic material of at least 0.2 m/sec and with a reduction in cross-section of at least
10% per deformation stage and, in total, of at least 40%.
2. A process according to Claim 1, characterized in that the heating section or the spacing
of the electrical contact elements is varied, and the electrical power required to
increase the temperature to at least 400°C, but at most to the Ac 1 temperature, is
regulated in proportion to the quotient formed from the speed of the basic material
and the heating section, and the final preheating of the basic material for the start
of the deformation process is effected in a short heating section.
3. A process according to one of Claims 1 or 2, characterized in that the deformation
of the basic material is effected by rolling with a total reduction in cross-section
of at least 60%.
4. A process according to one of Claims 1 to 3, characterized in that the rolling deformation
is effected in a plurality of stages or a plurality of passes each with a reduction
in cross-section of at least 15% and/or a reduction in height of at least 20%, preferably
at least 30%.
5. A process according to one of Claims 1 to 4, characterized in that cooling of the
roll surface and/or of the rolled material is effected after each rolling deformation
or after a plurality of rolling deformations, the order of magnitude of the cooling
capacity of the rolled material being regulated according to the deformation power,
converted to heat, of the preceding pass(es).
6. A process according to one of Claims 1 to 5, characterized in that the rolling of
the basic material is effected in the first pass at an entry speed of at least 0.5
m/sec.
7. A process according to one of Claims 1 to 6, characterized in that the more than two-stage
deformation is effected with a large reduction in cross-section in a multi-roll rolling
mill.
8. An apparatus for deforming wire- or rod-like basic material having a low thickness
of less than 10 mm from air-hardenable tool steels and high-speed steels having a
low deformability and/or a high resistance to deformation at room temperature, substantially
comprising a heating device, optionally a temperature regulation and guide device
and a deformation device, for effecting the process according to one of Claims 1 to
7, with the proviso that a device (4) serving as a guide section and/or temperature
equalizing section, e.g. a temperature equalizing tunnel (41), is disposed, as viewed
in the direction of passage of the basic material, substantially downstream of the
rapid heating device (3) for adjusting the temperature to at least 400°C and at most
the Ac 1 temperature or the temperature of transformation into the gamma structure
of the alloy of the soft-annealed basic material (1) and there is provided, downstream
of the device (4), at least one deformation device (5) for a more than two-stage deformation
by rolling, and in that the rapid heating device (3) is constructed as a device with
direct passage of current through the basic material or rolled material (1).
9. An apparatus according to Claim 8, characterized in that the rapid heating device
(3) is additionally constructed to have a variable heating section.
10. An apparatus according to one of Claims 8 or 9, characterized in that the guide and/or
temperature equalizing device (4) is heatable and/or an inert gas atmosphere may be
established therein.
11. An apparatus according to one of Claims 8 to 10, characterized in that, for deformation,
at least two roll stands (51) and (52) or (51) and (51'), optionally up to (56'),
each having two or more working rolls (511, 512, 521, 522, 523, 524), are disposed
one behind the other in the direction of rolling.
12. An apparatus according to one of Claims 8 to 11, characterized in that, as seen in
the direction of passage, the rolls alternately have an open and a closed groove form,
the last groove being a closed groove, optionally a sizing groove.
13. An apparatus according to one of Claims 8 to 12, characterized in that the working
rolls in preferably all of the roll stands, in particular in the last roll stand,
have a closed groove form.
14. An apparatus according to one of Claims 8 to 13, characterized in that the rolls in
the roll stands may be driven individually with corresponding speed control or together
with corresponding speed transmission ratios and groove form sequences.
15. An apparatus according to one of Claims 8 to 14, characterized in that the roll stands
are fixed independently of one another and are connected to the drive device, the
multiple-stand rolling mill preferably being constructed as a cassette-type rolling
mill.
16. An apparatus according to one of Claims 8 to 15, characterized in that there is disposed
between the roll stands a regulable cooling device (61, 62) by means of which coolant
may be applied to the roll surfaces and/or to the rolled material.
17. An apparatus according to one of Claims 8 to 16, characterized in that the rolls are
formed from hard metal or quenched and tempered high-speed steel and optionally have
a hard material coating.
1. Procédé de mise en forme d'ébauche en forme de fil ou de barre de faible épaisseur
(inférieure à 10 mm), en aciers pour outils trempants à l'air, notamment en aciers
rapides, à faible capacité de déformation et/ou à forte résistance à la déformation
à température ambiante, dans lequel on chauffe et on met en forme l'ébauche précuite
à une température d'au moins 400°C et d'au plus la température du point AC1 ou température
de transformation de l'alliage en phase gamma, sous réserve qu'on prévoit d'effectuer
l'échauffement de l'ébauche selon un échauffement rapide continu au moyen d'un passage
direct de courant et, après l'échauffement rapide continu de l'ébauche et avant la
première étape de mise en forme, on prévoit un intervalle de temps d'au moins 0,5
s dans le but d'équilibrer la température et, ensuite, on effectue une mise en forme
en plus de deux étapes par laminage avec une vitesse d'entrée de l'ébauche d'au moins
0,2 m/s et une réduction de section d'au moins 10% à chaque étape de déformation et
en tout d'au moins 40%.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'on fait varier la longueur
d'échauffement ou l'écartement des éléments de contact électriques, on règle la puissance
électrique nécessaire à l'échauffement à une température d'au moins 400°C et d'au
plus la température du point AC1, à une valeur proportionnelle au quotient formé à
partir de la vitesse de l'ébauche et de la longueur d'échauffement et on effectue
le préchauffage des extrémités de l'ébauche pour commencer le procédé de mise en forme
au moyen d'une courte longueur d'échauffement.
3. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que la
mise en forme de l'ébauche est effectuée par laminage avec une diminution de section
totale d'au moins 60%.
4. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la
mise en forme par laminage est effectuée en plusieurs étapes ou plusieurs passes avec,
à chaque fois, une diminution de section d'au moins 15% et/ou une diminution de hauteur
d'au moins 20%, de préférence d'au moins 30%.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, caractérisé en ce qu'après
chaque ou après plusieurs laminages, on effectue un refroidissement de la surface
de cylindre et/ou de la pièce à laminer, dans lequel on règle la puissance de refroidissement
de la pièce à laminer à une valeur d'un ordre de grandeur correspondant à la puissance
de déformation transformée en chaleur de la ou des passe(s) précédente(s).
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que le
laminage de l'ébauche lors de la première passe s'effectue avec une vitesse d'entrée
d'au moins 0,5 m/s.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que l'on
exécute la mise en forme en plus de deux étapes avec une forte diminution de section
dans un laminoir à plusieurs cylindres.
8. Dispositif de mise en forme d'ébauche en forme de fil ou de barre de faible épaisseur
(inférieure à 10 mm), en aciers pour outils trempants à l'air et aciers rapides à
faible capacité de déformation et/ou à forte résistance à la déformation à température
ambiante, comprenant essentiellement une installation d'échauffement, éventuellement
une installation de réglage de température et de guidage et une installation de déformation
pour la mise en oeuvre du procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 7,
sous réserve que, dans le sens de passage du matériau, l'on ait disposé sensiblement
après l'installation (3) d'échauffement rapide pour établir une température d'au moins
400°C et d'au plus la température du point AC1 ou température de transformation en
phase gamma de l'alliage de l'ébauche (1) précuite une installation (4) servant de
parcours de guidage et d'équilibrage de température, par exemple un tunnel d'égalisation
(41), installation (4) après laquelle on a disposé au moins une installation de mise
en forme (5) pour effectuer une déformation en plus de deux étapes par laminage et
que l'installation d'échauffement rapide (3) soit en forme d'installation à passage
direct de courant à travers l'ébauche ou le produit à laminer (1).
9. Dispositif selon la revendication 8, caractérisé en ce que l'installation (3) d'échauffement
rapide est de plus conformée avec une longueur d'échauffement variable.
10. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 ou 9, caractérisé en ce que
l'installation (4) de guidage et/ou d'équilibrage de température peut être chauffée
et/ou que l'on peut y installer une atmosphère de gaz de protection.
11. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 10, caractérisé en ce que
pour la mise en forme, on dispose d'au moins deux cages de laminoirs (51) et (52)
ou (51) et (51'), éventuellement jusqu'à (56'), avec à chaque fois deux ou plusieurs
cylindres de travail (511, 512, 521, 522, 523, 524) les uns à la suite des autres
dans le sens de laminage.
12. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 11, caractérisé en ce que
les cylindres dans le sens du passage présentent alternativement une forme de calibrage
ouverte et fermée, le dernier calibre étant un calibre fermé, éventuellement un calibre
de mesure.
13. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 12, caractérisé en ce que
les cylindres de travail, de préférence dans toutes les cages, en particulier dans
la dernière cage, présentent une forme de calibrage fermée.
14. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 13, caractérisé en ce que
les cylindres à l'intérieur des cages peuvent être entraînés individuellement avec
un pilotage de nombre de tours correspondant, ou ensemble avec des suites de formes
de calibrage et des démultiplications de vitesse correspondantes.
15. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 14, caractérisé en ce que
les cages de laminoir sont fixées indépendamment l'une de l'autre et sont reliées
à l'installation d'entraînement, le train de laminoir à plusieurs cages étant de préférence
sous la forme d'un train de laminoir à cassettes.
16. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 15, caractérisé en ce que,
entre les cages, on dispose une installation de refroidissement (61, 62) réglable,
dont le moyen de refroidissement peut être transféré sur les surfaces de cylindre
et/ou la pièce à laminer.
17. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 8 à 16, caractérisé en ce que
les cylindres sont constitués en métal dur ou en acier rapide traité et présentent
éventuellement un revêtement en matériau dur.