Technisches Gebiet
[0001] Gasturbinen für höchste Ansprüche. Kritisches Bauteil ist die Schaufel, wobei Schutzschichten
gegen Erosion, Verschleiss Korrosion und Oxydation bei hohen Temperaturen an Bedeutung
gewinnen. Die Schutzschicht hat meist eine geringere Lebensdauer als der Kernwerkstoff
der Schaufel, weshalb die Erneuerbarkeit der ersteren mehr und mehr in den Vordergrund
rückt.
[0002] Die Erfindung bezieht sich auf die Weiterentwicklung von Verfahren zur Reparatur,
Instandstellung und Erneuerung von durch Erosion, Verschleiss, Korrosion, Oxydation
oder mechanische Beschädigung unbrauchbar gewordenen, mit Schutzschichten versehenen
Bauteilen thermischer Maschinen. Dabei muss zunächst die alte bestehende Schutzschicht
entfernt werden, was grundsätzlich mechanisch oder chemisch erfolgen kann.
[0003] Die elektrochemische Methode als umgekehrter Vorgang zur galvanischen Beschichung
nimmt dabei eine Sonderstellung ein.
[0004] Insbesondere betrifft sie ein Verfahren zum elektrolytischen Ablösen einer einen
hohen Cr- und Ni- und/oder Co-Gehalt aufweisenden Oberflächenschutzschicht vom Grundkörper
eines aus einer Nickel- oder Kobaltbasis-Superlegierung bestehenden Bauteils.
Stand der Technik
[0005] Die Entfernung von Schutzschichten auf Substraten aus Superlegierungen wird unter
anderem auf chemischem Wege durchgeführt. Das elektrolytische Auflösen ist für derartige
Legierungen bisher praktisch nicht angewandt worden. Es sind einige Verfahren bekannt,
durch Umkehrung der Methode des galvanischen Auftragens Metalle von ihren Substraten
abzulösen. Aus der US-A-2 907 700 ist bekannt, Ueberzüge von Metallen (Ag, Ni, Cd,
Zn, In) von einem Plutonium-Substrat elektrolytisch zu entfernen. Als Elektrolyt wird
Schwefelsäure oder Natriumphosphatlösung verwendet. Aus der DE-B-21 46 828 ist ein
elektrolytisches Verfahren bekannt, um Metallüberzüge (Cr, Au, Cd, Cu, Ag, Zn, Sn,
Ni) von rostfreiem Cr/Ni-Stahl abzulösen. Als Elektrolyte werden bromhaltige Lösungen
von Nitraten, Azetaten, Chloriden etc. verwendet. Angeblich soll der Angriff auf das
Substrat gering sein. Gemäss DE-C-25 27 152 sollen Ueberzüge aus Metallen (Ni, Cr,
Zn, Sn, Cu, Cd, Ag) von Stahl elektrolytisch entfernt werden, indem Salpetersäure
oder nitrathaltige Lösungen mit Jodgehalt als Elektrolyte benutzt werden, denen zusätzlich
organische Chlorverbindungen zugesetzt werden.
[0006] Diese bekannten Verfahren, welche auf der genügenden Verschiedenheit des Auflösungspotentials
des Metallüberzugs gegenüber demjenigen des Substrats beruht, sind in der vorliegenden
Form nicht auf Schutzschichten auf Nickelbasis- Superlegierungen übertragbar. Die
enge Verwandtschaft des chemischen Aufbaus zwischen Schutzschicht und Substrat ermöglicht
normalerweise ein elektrolytisches Auflösen der ersteren nicht, ohne dass das Substrat
gleichzeitig in unzulässiger Weise angegriffen wird. Auch ein Ausweichen auf komplexbildende
Zusätze zum Elektrolyten schafft keine Abhilfe.
Es kommt dazu, dass die Bedingungen für das Nichtangreifen des Substrats im Falle
von Bauteilen aus einer Superlegierung (Gasturbinenschaufel) viel strenger sind als
für irgendwelche andere, z.B. oben genannte Gegenstände. Eine auch nur leicht im
Kernwerkstoff veränderte Gasturbinenschaufel wäre in den wenigsten Fällen wieder verwendbar.
Es besteht daher ein starkes Bedürfnis, die obigen Mängel weitgehend zu beseitigen
und Wege zur erfolgreichen Anwendung eines elektrolytischen Ablöseverfahrens für auf
Nickelbasis-oder Kobaltbasis-Superlegierungen aufgetragene Oberflächenschutzschichten
aufzuzeigen.
Darstellung der Erfindung
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Ablösen einer auf einer
Ni- und/oder Co-Legierung mit hohem Cr-Gehalt basierenden Oberflächenschutzschicht
vom Grundkörper eines Bauteils anzugeben, der aus einer chromhaltigen Ni- und/oder
Co-Basislegierung besteht. Dabei soll die Oberflächenschicht vollständig entfernt
werden, ohne dass der Werkstoff des Grundkörpers angegriffen, abgetragen oder beschädigt
oder in seinen chemisch-physikalischen Eigenschaften und in seinem Verhalten bezüglich
Verträglichkeit insbesondere beim nachträglichen Wiederaufbringen (Erneuern) einer
Oberflächenschutzschicht beeinträchtigt oder verändert wird.
[0008] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass im eingangs erwähnten Verfahren das mit einer
Schutzschicht überzogene Bauteil zunächst zur Aktivierung in eine Lösung von 20 %
NaOH und anschliessend bei 40 °C während 2 h in eine solche von konzentrierter HCl
getaucht wird, dass das Bauteil mit seiner aktivierten Schutzschicht als Anode in
einen Sauerstoff abgebende, oxydierende Bestandteile enthaltenden Elektrolyt gebracht
und bis zum völligen Auflösen und Abfallen der Schutzschicht der Elektrolyse unterworfen
wird.
Weg zur Ausführung der Erfindung
[0009] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden, durch Figuren näher erläuterten Ausführungsbeispiele
beschrieben. Dabei zeigt:
Fig. 1 einen schematischen Querschnitt durch den aktiven Teil einer Elektrolysezelle
zur Durchführung des Verfahrens,
Fig. 2 den stark schematisierten Verlauf des Cr- und Ni-Gehalts in der Oberflächenschutzschicht
und der darunter liegenden Zone des Grundkörpers,
Fig. 3 ein Fliessdiagramm (Blockschema) einer Ausführungsart des Verfahrens.
[0010] In Fig. 1 ist ein schematischer Querschnitt durch den aktiven Teil einer Elektrolysezelle
zur Durchführung des Verfahrens dargestellt. Die unwesentlichen, am prinzipiellen
Verfahrensablauf nicht aktiv beteiligten Teile wie Gefäss, Stromzuführungen, Klemmen,
Rühreinrichtungen, Steuergeräte etc. sind der Uebersichtlichkeit halber weggelassen
worden. 1 ist die Kathode (in der Regel ein Blech aus korrosionsbeständigem Cr/Ni-Stahl),
2 der Elektrolyt (durch horizontale Striche angedeutet), 3 die aus Grundkörper und
Oberflächenschutzschicht bestehende Anode. Der Grundkörper (Substrat) 4 besteht aus
einer Nickel- oder Kobaltbasis-Superlegierung, der normalerweise überweigend als
unveränderter Teil 5 (Kernwerkstoff) vorliegt. An der Grenze zur Oberflächenschutzschicht
7 befindet sich eine Diffusionszone 6 im Grundkörper 4.
[0011] Die Oberflächenschutzschicht 7 ihrerseits setzt sich aus einem ursprünglich unveränderten
Teil 8 und einer Diffusionszone 9 zusammen. Letztere bildet sich in der Regel nach
dem Aufbringen der Schutzschicht 7 durch eine Diffusionsglühung in der Fabrikation,
spätestens aber beim Erreichen der hohen Temperaturen im Betrieb aus. Sie zeichnet
sich in der Regel durch eine Verarmung an Chrom und eine Anreicherung an Nickel aus.
Im Elektrolyten 2 sind die im vorliegenden Beispiel in der Hauptsache vorhandenen
Ionen (H⁺; Ni²⁺; Co²⁺, NO

⁻) angedeutet. Der elektrochemische Angriff erfolgt zunächst an der Oberfläche der
Schutzschicht 7 durch NO

⁻-Ionen, welche vor allem das Nickel herauslösen (durch mit NO

⁻ und Ni²⁺ markierte Pfeile angedeutet). Dadurch wird die Schutzschicht 7 aufgelockert,
was durch Bildung der Poren 10 angedeutet ist. Auf diese Weise kann der Angriff des
Elektrolyten immer tiefer ins Innere der Schutzschicht 7 vorgetragen werden. Das Chrom
wird durch den oxydierenden Angriff zum überwiegenden Teil oxydiert und wirkt passivierend.
Die gebildeten Cr₂O₃-Partikel fallen sukzessive aus dem aufgelockerten Verband mechanisch
heraus (durch Pfeil angedeutet). Schliesslich wird die an Chrom verarmte und an Nickel
angereicherte, gegenüber den Nachbargebieten sich elektrochemisch negativ verhaltende
Diffusionszone 9 der Oberflächenschutzschicht 7 bevorzugt angegriffen, indem das Chrom
oxydiert wird und als Cr₂O₃ mechanisch herausfällt (durch Pfeil angedeutet).
[0012] Fig. 2 stellt den stark schematisierten Verlauf des Cr- und Ni-Gehalts in der Oberflächenschutzschicht
und der darunterliegenden Zone des Grundkörpers dar. Auf der Abszisse x ist die Tiefe,
gemessen von der Oberfläche in m aufgetragen, die Abszisse gibt den Cr- bzw. Ni-Gehalt
in Gew.-% wieder. 4 ist der sich am stärksten elektropositiv (angedeutet durch ++)
verhaltende Grundkörper. 7 ist die Oberflächenschutzschicht, deren ursprünglich unveränderter
Teil 8 sich unter den Bedingungen der Elektrolyse elektropositiv, jedoch weniger hoch
als der Grundkörper 4 einstellt (angedeutet durch +).
[0013] Die Diffusionszone 9 der Oberflächenschutzschicht 7 stellt sich gegenüber den ihr
benachbarten Bereichen elektronegativ ein (angedeutet durch -). Kurve "a" zeigt den
Verlauf des Chromgehalts, Kurve "b" denjenigen des Nickelgehalts in Funktion der Tiefe
x. Die Werte sind stark schematisierte Mittelwerte von zahlreichen Proben. Der Verlauf
kann quantitativ andere Werte annehmen, zeigt aber grundsätzlich stets das gleiche
Bild der Cr-Verarmung und der Ni-Anreicherung in der Diffusionszone 9.
[0014] In Fig. 3 ist ein Fliessdiagramm in Form eines Blockschemas einer möglichen Ausführungsart
des Verfahrens dargestellt. Das Diagramm erklärt sich von selbst und bedarf keiner
weiteren Erläuterungen.
[0015] Elektrolytische Trennverfahren beruhen auf der Verschiedenheit des Abscheide- bzw.
Auflösungspotentials der beteiligten Komponenten und/oder Phasen. Im vorliegenden
Fall liegen die Potentiale des Grundkörpers (Substrat) 4 und der Oberflächenschutzschicht
7 normalerweise nahe beisammmen, da es sich je um Nickellegierungen mit nicht wesentlich
voneinander abweichenden Chromgehalten handelt. Auf den ersten Blick scheint es deshalb
beinahe ausgeschlossen, dass eine Ablösung der Schutzschicht 7 ohne gleichzeitigen
Angriff des Grundkörpers 4 möglich sei, da es sich um gleiche Ionen handelt. Es konnte
jedoch gezeigt werden, dass durch die thermische Behandlng von beschichteten Bauteilen
auch bei sehr verwandten Legierungen für Schutzschicht und Grundkörper durch Diffusion
signifikante Konzentrations- und Potentialunterschiede auftreten. Durch Interdiffusion
bildet sich eine Zwischenschicht (Diffusionszone 9), welche (in einem oxydierenden
Elektrolysebad) gegenüber ihrer Umgebung ein negatives elektrochemisches Potential
annimmt und demzufolge leichter angegriffen und abgelöst wird.
Ausführungsbeispiel 1:
[0016] Es lag eine mit einer Oberflächenschutzschicht versehene, an ihrem Kopfende durch
Erosion teilweise beschädigte Gasturbinenschauel folgender Abmessungen des Schaufelblattes
vor:
| Länge = |
175 mm |
| Grösste Breite = |
90 mm |
| Grösste Dicke = |
23 mm |
| Profilhöhe = |
28 mm |
[0017] Der Kernwerkstoff der Gasturbinenschaufel bestand aus einer Nickelbasis-Knet-Superlegierung
mit dem Handelsnamen Nimonic 80A von folgender Zusammensetzung:
| Cr = |
19,5 Gew.-% |
| Al = |
1,4 Gew.-% |
| Ti = |
2,4 Gew.-% |
| Zr = |
0,06 Gew.-% |
| Mn = |
0,30 Gew.-% |
| Si = |
0,30 Gew.-% |
| B = |
0,003 Gew.-% |
| C = |
0,06 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0018] Die Oberflächenschutzschicht von 100 bis 150 µm Dicke war durch Plasmaspritzen auf
dem Kernwerkstoff aufgetragen worden und hatte folgende Zusammensetzung:
| Cr = |
17 Gew.-% |
| Si = |
4,5 Gew.-% |
| Fe = |
4,5 Gew.-% |
| B = |
3,5 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0019] Die Gasturbinenschaufel wurde gereinigt, indem sie bei einer Temperatur von 100 °C
während 2 h in eine Lösung von 20% NaOH eingelegt wurde, gespült und nochmals in konzentrierter
HCl nachbehandelt wurde. Dann wurde die Schaufel mit einer Stahlbürste gebürstet.
[0020] Nach der Reinigung wurde die Schaufel aktiviert. Zu diesem Zweck wurde sie nochmals
in 20% NaOH gebracht und anschliessend während 2 h in konzentrierte HCl eingelegt.
[0021] Die gereinigte und aktivierte Schaufel wurde als Anode in ein Elektrolysebad eingehängt.
Der Elektrolyt hatte die nachfolgende Zusammensetzung:
| 30 Teile |
konzentrierte HNO₃ |
| 2 Teile |
Ni(NO₃)₂ |
| 1 Teil |
Co(NO₃)₂ |
| 70 Teile |
H₂O |
[0022] Als Kathode diente ein Blech aus korrosionsbeständigem 18 Cr/8 Ni-Stahl.
[0023] Nun wurde unter einer Zellenspannung von 1000 mV bei einer anodischen Stromdichte
von 0,2 A/dm² während einer Zeit von 144 h elektrolysiert. Die Badtemperatur betrug
dabei 25 °C. Nach dieser Behandlung wurde die Schaufel aus dem Bad herausgenommen,
gespült, gebürstet und getrocknet.
Ausführungsbeispiel 2:
[0024] Eine auf einem grossen Teil ihrer Oberflächenschutzschicht des Schaufelblattes abgenutzte
Gasturbinenschaufel mit den Abmessungen:
| Länge = |
180 mm |
| Grösste Breite = |
93 mm |
| Grösste Dicke = |
22 mm |
| Profilhöhe = |
29 mm |
wurde einer elektrolytischen Behandlung zur Entfernung der verbliebenen Schutzschicht
unterworfen. Der Kernwerkstoff hatte den Handelsnamen IN 939 von INCO, stellte eine
Nickelbasis-Guss-Superlegierung dar und hatte folgende Zusammensetzung:
| Cr = |
22,4 Gew.-% |
| Co = |
19,0 Gew.-% |
| Ta = |
1,4 Gew.-% |
| Nb = |
1,0 Gew.-% |
| Al = |
1,9 Gew.-% |
| Ti = |
3,7 Gew.-% |
| Zr = |
0,1 Gew.-% |
| C = |
0,15 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0025] Die ca. 120 µm im Durchschnitt messende Oberflächenschutzschicht hatte folgende
Zusammensetzung:
| Cr = |
49 Gew.-% |
| Si = |
6 Gew.-% |
| Fe = |
2 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0026] Zunächst wurde die Gasturbinenschaufel gemäss Beispiel 1 gereinigt, gebürstet und
aktiviert. Dann wurde die Schaufel als Anode in ein Elektrolysebad eingehängt. Der
Elektrolyt hatte folgende Zusammensetzung:
| 10 Teile |
konzentrierte HNO₃ |
| 5 Teile |
AgNO₃ |
| 90 Teile |
H₂O |
[0027] Als Kathode diente ein Blech aus korrosionsbeständigem Cr-Ni-Stahl. Die elektrolytische
Ablösung der Oberflächenschutz schicht wurde unter einer Zellenspannung von 1100
mV bei einer anodischen Stromdichte von 0,2 A/dm² während 120 h vorgenommen. Die Badtemperatur
betrug 20 °C.
Ausführungsbeispiel 3:
[0028] Eine mit einer Oberflächenschutzschicht versehene, an ihrem Kopfende stark beschädigte
Gasturbinenschaufel musste vor ihrer Reparatur zuerst von ihrer Schutzschicht befreit
werden. Die Abmessungen des Schaufelblattes waren die gleichen wie bei Beispiel 1.
Der Kernwerkstoff der Schaufel bestand aus einer Nickelbasis-Guss-Superlegierung mit
dem Handelsnamen IN 738 von INCO mit der folgenden Zusammensetzung:
| Cr = |
16,0 Gew.-% |
| Co = |
8,5 Gew.-% |
| Mo = |
1,75 Gew.-% |
| W = |
2,6 Gew.-% |
| Ta = |
1,75 Gew.-% |
| Nb = |
0,9 Gew.-% |
| Al = |
3,4 Gew.-% |
| Ti = |
3,4 Gew.-% |
| Zr = |
0,1 Gew.-% |
| B = |
0,01 Gew.-% |
| C = |
0,11 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0029] Die Schutzschicht wies eine mittlere Dicke von 100 µm auf und hatte folgende Zusammensetzung:
| Cr = |
20 Gew.-% |
| Fe = |
2 Gew.-% |
| B = |
3 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0030] Die Gasturbinenschaufel wurde gemäss Beispiel 1 gereinigt und aktiviert. Dann wurde
sie in eine elektrochemische Zelle gegeben und einem Elektrolyseprozess unterworfen.
Der Elektrolyt hatte folgende Zusammensetzung:
| 20 Teile |
CrO₃ |
| 80 Teile |
H₂O |
[0031] Als Kathode diente, wie bei Beispiel 1 ein Blech aus korrosionsbeständigem 18/8-Stahl.
Die Zellenspannung betrug 1050 mV, die Stromdichte an der Anode 0,2 A/dm². Bei einer
Badtemperatur von 22 °C wurde während 140 h elektrolysiert.
Ausführungsbeispiel 4:
[0032] Der Kernwerkstoff einer Gasturbinenschaufel mit den Schaufelblattabmessungen gemäss
Beispiel 2 bestand aus einer Nickelbasis-Knet-Superlegierung mit der Handelsbezeichnung
IN 105 von INCO mit der nachfolgenden Zusammensetzung:
| Cr = |
13,5 Gew.-% |
| Co = |
18 Gew.-% |
| Al = |
4,2 Gew.-% |
| Mo = |
4,5 Gew.-% |
| Ti = |
0,9 Gew.-% |
| Mn = |
1 Gew.-% |
| Si = |
1 Gew.-% |
| C = |
0,2 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0033] Die Schutzschicht hatte eine Dicke von durchschnittlich 140 µm und wies folgende
Zusammensetzung auf:
| Cr = |
10 Gew.-% |
| Si = |
6 Gew.-% |
| Fe = |
4 Gew.-% |
| Co = |
20 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0034] Nach der Reinigung und Aktivierung des Bauteils gemäss Beispiel 1 wurde das letztere
als Anode in ein Elektrolysebad eingehängt. Der Elektrolyt hatte folgende Zusammensetzung:
| 10 Teile |
H₂SO₄ |
| 10 Teile |
Na₂S₂O₈ |
| 80 Teile |
H₂O |
[0035] Als Kathode diente ein Blech aus korrosionsbeständigem 18 Cr/8 Ni-Stahl.
Es wurde unter einer Zellenspannung von 1100 mV mit einer anodischen Stromdichte von
0,18 A/dm² während 150 h elektrolysiert. Badtemperatur 24 °C. Nach der Behandlung
wurde das Bauteil in üblicher Weise gespült, gebürstet und getrocknet.
Ausführungsbeispiel 5:
[0036] Eine mit einer Oberflächenschutzschicht versehene, durch kombinierte Erosion und
Korrosion teilweise beschädigte Gasturbinenschaufel wurde gemäss Beispiel 1 zunächst
gereinigt und aktiviert. Die Schaufel hatte die gleichen Abmessungen wie in Beispiel
1. Der Kernwerkstoff bestand aus einer Nickelbasis-Guss-Superlegierung mit der Handelsbezeichnung
IN 738. Zusammensetzung siehe oben! Die Schutzschicht hatte eine Dicke von 150 µm
und entsprach in der Zusammensetzung derjenigen in Beispiel 1.
Nachdem das Bauteil gemäss Beispiel 1 gereinigt und aktiviert worden war, wurde es
in ein Elektrolysebad als Anode eingehängt. Der Elektrolyt hatte folgende Zusammensetzung:
| 30 Teile |
HNO₃ |
| 70 Teile |
H₂O |
| 10 g/l |
AgNO₃ |
| 20 g/l |
NH₄HF₂ |
[0037] Als Kathode diente ein Blech aus korrosionsbeständigem 18/8-Stahl. Nun wurde unter
einer Zellenspannung von 1100 mV bei einer anodischen Stromdichte von 0,2 A/dm² elektrolysiert.
Alle 20 min wurde die Zellenspannung während der Zeitdauer von 15 sec. auf den Wert
von 2800 mV erhöht (zusätzliche Ueberspannung von 1700 mV bezogen auf den stationären
Wert der Zelle). Dies führte zu einer rascheren Abtragung der schwer löslichen Oxyde
von der jeweiligen akitven Oberfläche der noch verbliebenen Schutzschicht. Auf diese
Weise wurde periodisch neuer Elektrolyt an die Oberfläche herangeführt. Nach einer
totalen Betriebszeit von 60 h war die Oberflächenschutzschicht vollständig abgetragen,
ohne dass der Grundkörper angegriffen worden war. Mit diesem Verfahren des gepulsten
Verlaufs der Zellenspannung kann somit die Zeit für das Ablösen der Schutzschicht
um 40 bis 70% verringert werden.
[0038] Die Erfindung ist nicht auf die Ausführungsbeispiele beschränkt. Das Verfahren bezieht
sich speziell auf das elektrolytische Ablösen von Oberflächenschutzschichten mit
hohem Cr-Gehalt und mit hohem Ni- oder Co-Gehalt oder gleichzeitig hohem Ni- und Co-Gehalt.
Es handelt sich also um hochchromhaltige Nickel- oder Kobaltbasis-Legierungen oder
solche, die auf einer Nickel/Kobalt-Mischung basieren. Die Aktivierung erfolgt durch
20%ige NaOH und nachfolgendes Einlegen in konzentrierte HCl während 2 h bei 40 °C.
Das Bauteil wird hierauf als Anode in einen Elektrolyten gebracht, der Sauerstoff
abgebende, oxydierende Bestandteile enthält. Dort wird es bis zum völligen Auflösen
und Abfallen der Oberflächenschutzschicht der Elektrolyse unterworfen. Die Oberflächenschutzschicht
wird gegebenenfalls vor dem Elektrolysieren durch Schleifen und/oder Sand- oder Kugelstrahlen
vorbehandelt. In hartnäckigen Fällen wird mit gepulster Zellenspannung gearbeitet.
Der stationären Zellenspannung wird intermittierend in Intervallen von 10 bis 30 min.
während einer jeweiligen Zeitdauer von 5 bis 10 sec eine zur Zellenspannung zusätzliche
Ueberspannung von 1500 bis 2000 mV überlagert.
1. Verfahren zum elektrolytischen Ablösen einer einen hohen Cr- und Ni- und/oder Co-Gehalt
aufweisenden Oberflächenschutzschicht (7) vom Grundkörper (4) eines aus einer Nickel-
oder Kobaltbasis-Superlegierung bestehenden Bauteils, dadurch gekennzeichnet, dass
das mit einer Schutzschicht (7) überzogene Bauteil zunächst zur Aktivierung in eine
Lösung von 20% NaOH und anschliessend bei 40 °C während 2 h in eine solche von konzentrierter
HCl getaucht wird, dass das Bauteil mit seiner aktivierten Schutzschicht (7) als Anode
in einen Sauerstoff abgebende, oxydierende Bestandteile enthaltenden Elektrolyt (2)
gebracht und bis zum völligen Auflösen und Abfallen der Schutzschicht (7) der Elektrolyse
unterworfen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Elektrolyt (2) die
nachfolgende Zusammensetzung hat:
| 30 Teile |
konzentrierte HNO₃ |
| 2 Teile |
Ni(NO₃)₂ |
| 1 Teil |
Co(NO₃)₂ |
| 70 Teile |
H₂O. |
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzschicht (7) durch
Schleifen und/oder Sand- oder Kugelstrahlen vor dem Eintauchen in den Elektrolyt (2)
vorbehandelt wird und dass der letztere die nachfolgende Zusammensetzung hat:
| 10 Teile |
konzentrierte HNO₃ |
| 5 Teile |
AgNO₃ |
| 90 Teile |
H₂O. |
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Elektrolyt (2) die
nachfolgende Zusammensetzung hat:
| 20 Teile |
CrO₃ |
| 80 Teile |
H₂O. |
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Elektrolyt (2) die
nachfolgende Zusammensetzung hat:
| 10 Teile |
H₂SO₄ |
| 10 Teile |
Na₂S₂O₈ |
| 80 Teile |
H₂O. |
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Elektrolyt (2) die
nachfolgende Zusammensetzung hat:
| 30 Teile |
HNO₃ |
| 70 Teile |
H₂O |
| 10 g/l |
AgNO₃ |
| 20 g/l |
NH₄HF₂. |
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während des Elektrolyseprozesses
der stationären Zellenspannung intermittierend in Intervallen von 10 bis 30 min während
einer jeweiligen Zeitdauer von 5 bis 10 sec eine zusätzliche Ueberspannung von 1500
bis 2000 mV überlagert wird.