TECHNISCHES GEBIET
[0001] Oxyddispersionsgehärtete Superlegierungen auf der Basis von Nickel, welche dank ihrer
hervorragenden mechanischen Eigenschaften bei hohen Temperaturen beim Bau thermischer
Maschinen Verwendung finden. Bevorzugte Verwendung als Schaufelwerkstoff für Gasturbinen.
[0002] Die Erfindung bezieht sich auf die Verbesserung der mechanischen Eigenschaften von
oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierungen mit insgesamt optimalen Eigenschaften
bezüglich Hochtemperaturfestigkeit, Langzeitstabilität, Duktilität und Lebendauer.
Dabei spielen die die Ermüdung, das Kriechverhalten und die Neigung zur Versprödung
regierender Mechanismen beim Durchlaufen von Temperatur- und Belastungszyklen eines
Bauteils eine wesentliche Rolle.
[0003] Insbesondere betrifft sie ein Verfahren zur Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit und
Verminderung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen eines
Temperaturzyklus eines Werkstücks aus einer oxyddispersionsgehärteten, in Form von
groben längsgerichteten Stengelkristallen oder in Form eines Einkristalls vorliegenden
Nickelbasis-Superlegierung.
STAND DER TECHNIK
[0004] Gasturbinenschaufeln sind im Betrieb einer komplizierten thermischen und mechanischen
Beanspruchung ausgesetzt. Die stark wechselnde Belastung und das Abstellen und wieder
Anfahren der Gasturbine stellt an die Schaufeln extrem hohe Anforderungen. Der Schaufelwerkstoff
wird auf Kriechen, statische und dynamische Spannungen, auf verschiedene Arten der
Ermüdung und Thermoschock in einem weiten Temperaturbereich beansprucht. Dabei zeigt
sich, dass die bei kleinen Lastwechselzahlen aber grossen Amplituden bei den mechanisch
und thermisch durchlaufenen Zyklen auftretende Ermüdung besonders gefährlich ist und
die Lebensdauer des Werkstücks in scheinbar unverhältnismässiger Weise herabsetzt.
[0005] Diese Erscheinungen sind weitgehend durch mangelhafte Duktilität der Werkstoffe
in einem kritischen Temperaturbereich bedingt. Es kommt zu Dislokationen im Kristallverband,
die nicht ausgeheilt werden und zu nachteiligen irreversiblen Veränderungen führen,
die vom Werkstoff nicht beliebig lang ertragen werden. Vergl. "Thermal fatigue of
materials and components" ASTM Special technical publication 612, Symposium Philadelphia,
17. - 18. Nov. 1975.
[0006] Die hochwarmfesten oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierungen zeichnen
sich insbesondere im Zustand grober, längsgerichteter Stengelkristalle durch geringe
Duktilität, vor allem in der Querrichtung der Kristalle aus. Es konnte gezeigt werden,
dass die Rissbildung unter Ermüdungsbeanspruchung bei hohen Temperaturen und beim
Durchlaufen eines kriti schen Temperaturbereiches stets ihren Anfang an der Oberfläche
des Werkstücks nimmt (vgl. "Thermal fatigue of materials and components", S. 123-140).
Die Eigenschaften und das Verhalten der Oberflächenzone der hochbeanspruchten Gasturbinenschaufel
sind somit für deren Lebensdauer von ausschlaggebender Bedeutung.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit
und Verminderung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen
von kritischen Temperatur- und Lastzyklen eines Werkstücks aus einer oxyddispersionsgehärteten
Nickelbasis-Superlegierung anzugeben. Das Verfahren soll einfach und kostengünstig
sein und sich auf beliebig geformte Werkstücke anwenden lassen.
[0008] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass im eingangs erwähnten Verfahren die Duktilität
der Oberflächenzone des Werkstücks erhöht wird, indem sie bis auf eine Tiefe von mindestens
100 µm um mindestens einen Wert, der einer plastischen Dehnung von 2 % entspricht,
bei Raumtemperatur kaltverformt wird.
[0009] Es wurde beobachtet, dass in einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung
eine plastische Vordehnung (Kaltverformung) bei Raumtemperatur die Bruchdehnung unter
Kriechbeanspruchung bei höheren Temperaturen hinaufsetzt. Dies kann als Mass für
die Verformbarkeit des Werkstoffs d.h. seiner Duktilität betrachtet werden. Damit
wird der im Anlieferungszustand (meist grobkristallin) sonst hochwarmfeste, aber
spröde Werkstoff befähigt, Spannungsspitzen abzubauen und sonst irreversible Verschiebungen
in der Kristallstruktur plastisch aufzunehmen und auszuheilen. Diese Erholung ist
für das Langzeitverhalten im Betrieb ausschlaggebend. Gleichzeitig mit der Erhöhung
der Duktilität geht natürlich ein Verlust an Festigkeit einher: Die Zeit bis zum Erreichen
der Bruchdehnung unter Kriechbeanspruchung wird drastisch herabgesetzt. Da jedoch
nur eine dünne Oberfächenzone von diesem Abfall der Warmfestigkeit betroffen ist,
fällt dies praktisch nicht ins Gewicht. Der Gewinn durch die wirksame Herabsetzung
der Rissanfälligkeit des Werkstücks überwiegt.
WEG ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0010] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden, durch Figuren näher erläuterten Ausführungsbeispiele
beschrieben.
[0011] Dabei zeigt:
Fig. 1 ein Diagramm mit dem Verlauf der Bruchdehnung δR beim Kriechversuch in Funktion der Kaltverformung (Vordehnung ε),
Fig. 2 ein Diagramm mit dem Verlauf der Zeit tR bis zum Bruch beim Kriechversuch in Funktion der Kaltverformung (Vordehnung ε),
Fig. 3 ein schematisches Diagramm der Kriechkurven Dehnung in Funktion der Zeit für
verschiedene Grade der Kaltverformung (Vordehnung ε),
Fig. 4 eine schematische perspektivische Darstellung einer im Schaufelblatt quer durchgeschnittenen
Gasturbinenschaufel,
Fig. 5 ein Diagramm der Prüfbedingungen Belastung und Temperatur in Funktion der
Zeit für die Durchführung der Versuche "thermische Ermüdung".
[0012] In Fig. 1 ist ein Diagramm dargestellt, in dem der Verlauf der beim Kriechversuch
erhaltenen Bruchdehnung in Funktion des Kaltverformungsgrades dargestellt ist. Das
Diagramm bezieht sich auf die oxyddispersionsgehärtete Nickelbasis-Superlegierung
mit der Handelsbezeichnung MA 6000 von INCO mit folgender Zusammensetzung:
| Cr = |
15 Gew.-% |
| W = |
4,0 Gew.-% |
| Mo = |
2,0 Gew.-% |
| Al = |
4,5 Gew.-% |
| Ti = |
2,5 Gew.-% |
| Ta = |
2,0 Gew.-% |
| C = |
0,05 Gew.-% |
| B = |
0,01 Gew.-% |
| Zr = |
0,15 Gew.-% |
| Y₂O₃ = |
1,1 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0013] Die Legierung lag in Form grober, längsgerichteter Stengelkristalle von durchschnittlich
15 mm Länge, 3,5 mm Breite und 1,5 mm Dicke vor. Der Kaltverformungsgrad ist auf der
Abszisse in Form der plastischen Vordehnung ε unter Zugbeanspruchung aufgetragen.
Die Kriechversuche wurden bei der konstanten Temperatur von 950 °C unter der konstanten
Zugbeanspruchung von 230 MPa durchgeführt. Auf der Ordinate ist die jeweilige Bruchdehnung
δ
R beim Zerreissen der Proben aufgetragen. Die Erhöhung von δ
R in Funktion der Vordehnung ε ist markant. Sie ist ein Mass für die Duktilität des
Werkstoffs in diesem Zustand, was völlig überrascht, da vergleichsweises nichtdispersionsgehärtete
Superlegierungen das gegenteilige Verhalten zeigen.
[0014] Fig. 2 stellt ein Diagramm dar, in dem der Verlauf der Zeit t
R bis zum Bruch beim Kriechversuch in Funktion des Kaltverformungsgrades (Vordehnung
ε) aufgetragen ist. Oberhalb einer Vordehnung von 2,5 % bricht die Probe unter der
Belastung von 230 MPa bei 950 °C in kürzester Zeit: Es ist praktisch keine Kriechfestigkeit
mehr vorhanden und man hat eigentlich die Bedingungen des Kurzzeit-Zerreissversuchs
bei erhöhter Temperatur vor sich. Dabei verhält sich der Werkstoff vollkommen duktil,
ganz im Gegensatz zu seinen Eigenschaften als warmfeste Legierung im Ausgangszustand.
Das extrem plastische Verhalten des Werkstoffs in diesem veränderten Zustand erlaubt
es ihm, Spannungsspitzen abzubauen und im Betrieb ansonst gefährliche, zu Rissbildung
führende Verformungen aufzunehmen.
[0015] In Fig. 3 ist ein Diagramm der Kriechkurven dargestellt. Als Parameter ist die Vordehnung
ε in % angegeben. Zwischen der bei Bruch erreichten Zeit und der entsprechenden Bruchdehnung
besteht unter Berücksichtigung verschieden hoher Vordehnung ein nahezu linearer Zusammenhang
bis zu einer kritischen Vordehnung von ca. 2,5 %. Wird die Vordehnung ε weiter erhöht
(in diesem Diagramm nicht eingezeichnet), so erhöht sich nur noch die Bruchdehnung
δ
R (siehe Fig. 1), die Zeit t
R bis zum Bruch spielt praktisch keine Rolle mehr (Kurzzeitversuch). Bei einer Vordehnung
ε von ca. 3 % ist die plastische Kaltverformbarkeit des Werkstoffs im Zustand grober
Stengelkristalle erschöpft. Eine weiter getriebene Kaltverformung würde zum Bruch
führen.
[0016] Fig. 4 bezieht sich auf eine schematische perspektivische Darstellung einer Gasturbinenschaufel,
deren Schaufelblatt quer durrhgeschnitten ist, um den Querschnitt zu zeigen. 1 ist
der Schaufelfuss, 2 das Schaufelblatt, dessen längsgerichtete Stengelkristalle 3 (beispielsweise
durch Makroätzung) sichtbar gemacht sind. 4 zeigt den unverformten Kern im Querschnitt
(ungeätzt). 5 ist die (beispielsweise durch Kugelstrahlen oder Rollen) kaltverformte
Oberflächenzone.
[0017] In Fig. 5 ist ein Diagramm der Prüfbedingungen für die Versuche "thermische Ermüdung"
dargestellt. Im oberen Teil ist mit Kurve "a" der Verlauf der dem Prüfkörper aufgedrückten
Spannung 6 (als Zugspannung mit +-Zeichen, als Druckspannung mit --Zeichen) in Funktion
der Zeit t, im unteren Teil mit Kurve "b" derjenige der Temperatur T in Funktion der
Zeit t aufgezeichnet. Die Zyklen laufen im vorliegenden Beispiel synchron. Ausserdem
befindet sich der Abschnitt mit der maximalen Zugspannung in Phase mit der maximalen
Temperatur, derjenige mit der maximalen Druckspannung in Phase mit der minimalen
Temperatur.
[0018] Für die Durchführung derartiger Prüfungen auf "thermische Ermüdung" können selbstverständlich
prinzipiell noch andere Programme gefahren werden: Zum Beispiel: Isotherm, verschobene
Phasen, Gegenphase, asynchrone Zyklen etc.
AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 1:
[0019] Aus einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung mit dem Handelsnamen
MA 6000 von INCO wurden plättchenförmige Prüfkörper mit den Abmessungen 15 mm x 40
mm x 2,5 mm herausgearbeitet. Die Legierung lag im grobkörnigen Zustand längsgerichteter
Stengelkristalle vor und hatte die nachfolgende Zusammensetzung:
| Cr = |
15 Gew.-% |
| W = |
4,0 Gew.-% |
| Mo = |
2,5 Gew.-% |
| Al = |
4,5 Gew.-% |
| Ti = |
2,5 Gew.-% |
| Ta = |
2,0 Gew.-% |
| C = |
0,05 Gew.-% |
| B = |
0,01 Gew.-% |
| Zr = |
0,15 Gew.-% |
| Y₂O₃ = |
1,1 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0020] Die Plättchen wurden nun in unterschiedlichem Masse kaltverformt, indem sie in der
Längsrichtung einer Zugbeanspruchung unterworfen wurden. Die verschiedenen Plättchen
wurden plastisch um den Wert ε = 1 %; 2,5 % und 3 % vorgedehnt (gererkt). Nun wurden
die Plättchen einem Kriechversuch unterworfen: Unter einer konstanten Zugbelastung
von 230 MPa und einer Temperatur von 950 °C wurde sowohl die Buchdehnung δ
R wie die Zeit t
R bis zum Bruch der Probe bestimmt. Die Resultate sind aus den Figuren 1, 2 und 3 ersichtlich.
Daraus kann entnommen werden, dass eine Vordehnung von ca. 2 % die Bruchdehnung δ
R auf beinahe den 3fachen Wert der unbehandelten Probe erhöht. Ande rerseits fällt
die Zeit t
R bis zum Eintreten des Bruchs auf weniger als die Hälfte ab. Da die Bruchdehnung δ
R ein Mass für die Duktilität, d.h. für das Verformungsvermögen ist, konnte daraus
geschlossen werden, dass die Rissanfälligkeit eines Bauteils im Betrieb unter werhselnden
Bedingungen deutlich verringert werden kann. Bei Kaltverformungsgraden die einer Vordehnung
ε von mehr als 2,5 % entsprechen, nahm das Material Praktisch "pseudo-superplastischen"
Charakter an: Die Proben brachen in sehr kurzer Zeit und wiesen Bruchdehnungen δ
R von über 10 % auf. Es versteht sich von selbst, dass damit die Warmfestigkeit des
Werkstoffs sozusagen aufgehoben war und dass aus dieser Erkenntnis heraus unbedingt
vermieden werden muss, dass Werkstücke über den ganzen tragenden Querschnitt während
der Herstellung oder im Betrieb um die oben angegebenen ε-Werte kaltverformt werden.
AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 2:
[0021] Aus der Legierung MA 6000 (Zusammensetzung siehe oben !) im Zustand längsgerichteter
Stengelkristalle wurden zylindrische Prüfkörper herausgearbeitet. Die Zylinderachse
verlief parallel zur Längsrichtung der Kristalle. Die Prüfkörper hatten einen Durchmesser
von 5 mm und eine Länge von 25 mm. Sie wurden auf einer Drehbank derart gerollt, dass
die Oberflärhenzone bis auf eine Tiefe von ca. 100 µm um durchschnittlich 2 % kaltverformt
wurde. Dementsprechend bestand der gesamte Querschnitt von 19,0 mm² zu 92 % (18,03
mm²) aus dem unverformten Kern und zu 8 % (1,57 mm²) aus der verformten Oberflächenzone.
[0022] Die Prüfkörper wurden nun einem Ermüdungsversuch unterworfen, wobei gleichzeitig
die Temperatur und die Belastung periodisch und synchron nach dem Schema der Fig.
5 verändert wurden. Dementsprechend lag die Zugspannung in Phase mit der oberen Grenztemperatur,
die Druckspannung dagegen in Phase mit der unteren Grenztemperatur. Die Belastung
wurde so eingestellt, dass im jeweiligen Prüfkörper eine maximale Zugspannung von
100 MPa bei 900°C mit einer maximalen Druckspannung von 100 MPa bis 300 °C abwechselte.
[0023] Der ganze Zyklus dauerte 10 min und wurde nach folgendem Schema durchgeführt:
| - Aufheizen von 300 °C auf 900 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von -100 MPa
auf +100 MPa: |
1 min |
| - Halten bei 900 °C und +100 MPa: |
4 min |
| |
| - Abkühlen von 900 °C auf 300 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von +100 MPa
auf -100MPa: |
1 min |
| - Halten bei 300 °C und -100 MPa: |
4 min |
| Total Zyklus: |
10 min |
[0024] Die unbehandelten Vergleichsproben brachen unter den genannten Bedingungen nach durchschnittlich
800 bis 1200 Lastwechseln, während die Probekörper mit kaltverformter Oberflächenzone
5000 und mehr Lastwechsel bis zum Bruch aushielten.
[0025] Die Versuche wurden bei anderen Temperaturgrenzen und unter anderen Belastungen wiederholt.
Es konnte gezeigt werden, dass die Proben mit kaltverformter Oberflächenzone in jedem
Fall eine um den Faktor 4 bis 6 höhere Lebensdauer (gemessen an der Anzahl der Lastwechsel)
aufwiesen.
AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 3:
[0026] Aus einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung wurden zylindrische
Prüfkörper herausgearbeitet. Die Legierung lag in grobkörnigem Zustand längsgerichteter
Stengelkristalle vor und hatte die nachfolgende Zusammensetzung:
| Cr = |
20,0 Gew.-% |
| Al = |
6,0 Gew.-% |
| Mo = |
2,0 Gew.-% |
| W = |
3,5 Gew.-% |
| Zr = |
0,19 Gew.-% |
| B = |
0,01 Gew.-% |
| C = |
0,01 Gew.-% |
| Y₂O₃ = |
1,1 Gew.-% |
| Ni = |
Rest |
[0027] Die Prüfkörper hatten einen Durchmesser von 6 mm und eine Länge von 35 mm. Sie wurden
rundherum während 6 min unter einem Strahldruck von 8 bar kugelgestrahlt. Die verwendeten
Stahlkugeln hatten einen Durchmesser von 0,3 bis 0,5 mm. Durch diese Behandlung wurde
die Oberflächenzone bis auf eine Tiefe von ca. 150 µm um durchschnittlich 2,5 % kaltverformt.
Der gesamte Querschnitt von 28,4 mm² bestand zu 90 % (25,57 mm²) aus dem unverformten
Kern und zu 10 % (2,83 mm²) aus der kaltverformten Oberflächenzone.
[0028] Die Probekörper wurden einem ähnlichen Ermüdudngsversuch wie unter Beispiel 2 angegeben
unterworfen. Der gesamte Zyklus dauerte jedorh 20 min statt 10 min (vgl. Fig. 5).
Die Aufheiz- und Abkühlungszeiten dauerten jeweils 4 min, die Haltezeiten 6 min. Die
obere Temperaturgrenze war 980 °C, die untere 350 °C. Im jeweiligen Prüfkörper herrrschte
eine maximale Zugspannung von 150 MPa bei der hohen und eine maximale Druckspannung
von 150 MPa bei der tiefen Temperatur.
[0029] Die nicht kaltverformten Vergleichsproben brachen unter den genannten Bedingungen
nach durchschnittlich 300 bis 500 Lastwechseln, während die Probekörper mit kaltverformter
Oberflächenzone mindestens 2000 Lastwechsel bis zum Bruch durchhielten.
[0030] Weitere Versuche unter anderen Bedingungen bestätigten den die Rissbildung herabsetzenden
Einfluss der Kaltverformung. Die Lebensdauer konnte durchschnittlich auf das 4fache
erhöht werden.
AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 4:
[0031] Eine Gasturbinenschaufel aus der Legierung MA 6000 im Zustand längsgerichteter Stengelkristalle
wurde einer Kaltverformung in der Oberflächenzone unterworfen. Die Schaufel hatte
folgende Abmessungen (Schaufelblatt):
| Länge = |
170 mm |
| Grösste Breite = |
88 mm |
| Grösste Dicke = |
22 mm |
| Profilhöhe = |
28 mm |
[0032] Die Oberfläche des Schaufelblattes wurde allseitig während 10 min unter einem Strahldruck
von 10 bar kugelgestrahlt. Die verwendeten Stahlkugeln hatten einen mittleren Durchmesser
von 0,4 mm. Die Oberflächenzone wurde bis auf eine Tiefe von 200 µm um durchschnittlich
3 % kaltverformt. Der gesamte Querschnitt von ca. 1150 mm² bestand demnach zu 96,5
% (1110 mm²) aus dem unverformten Kern und zu 3,5 % (40 mm²) aus der kaltverformten
Oberflächenzone.
[0033] Der Ermüdungsversuch bestand in einer Art Thermoschockprüfung unter gleichzeitigem
periodischem Aufbringen einer Zugbelastung bei der oberen und einer Druckbelastung
bei der unteren Temperatur. Der gesamte Zyklus dauerte 30 min. Die Aufheizzeit betrug
6 min, die Abkühlungszeit 4 min, die Haltezeiten jeweils 10 min. Die höchste, am Kopfende
des Schaufelblattes erreichte Temperatur betrug 1000 °C, die tiefste 400 °C. Am Fussende
des Schaufelblattes waren die Temperaturen 850 °C resp. 320 °C. Die maximalen Zugspannungen
bei den oberen Temperaturen betrugen 120 MPa, die maximalen Druckspannungen 80 MPa,
immer in Schaufellängsachse wirkend.
[0034] Es wurde eine nicht kaltverformte Gasturbinenschaufel als Vergleichskörper geprüft.
Hier zeigten sich die ersten deutlich sichtbaren Anrisse nach 400 bis 600 Zyklen,
während die kaltverformten Schaufeln noch nach 2000 Zyklen keine sichtbaren Risse
aufwiesen.
AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 5:
[0035] Von einer Gasturbinenschaufel aus der unter Beispiel 3 angegebenen oxyddispersionsgehärteten
Nickelbasis-Superlegierung wurde das Schaufelblatt abgetrennt und durch mehrmaliges
Abrollen einer gehärteten Stahlrolle von 30 mm Durchmesser entlang der Mantellinien
an der Oberfläche kaltverfestigt. Der Werkstoff lag in Form längsgerichteter grober
Stengelkristalle vor. Vom Schaufelblatt wurde ein Stück durch senkrecht zu, Längsachse
geführte Trennschritte abgeschnitten, so dass der Prüfkörper folgende Abmessungen
hatte:
| Länge = |
100 mm |
| Grösste Breite = |
85 mm |
| Grösste Dicke = |
22 mm |
| Profilhöhe = |
29 mm |
[0036] Durch das Rollen war eine kaltverformte Oberflächenzone von durchschnittlich 150
µm Tiefe erzeugt worden. Die Kaltverformung betrug ca. 2,5 %. Der gesamte Querschnitt
von ra. 1100 mm² bestand somit zu 97,3 % (1070 mm²) aus dem unverformten Kern und
zu 2,7 % (30 mm²) aus der kaltverformten Oberflächenzone.
[0037] Der Schaufelblattausschnitt wurde einer Ermüdungsprüfung ausgesetzt. Die Kraftangriffsrichtung
verlief parallel zur Schaufellängsachse, welche auch die Längsachse der Stengelkristalle
war. Der synchrone Temperatur- und Lastwechselzyklus dauerte insgesamt 60 min. Die
Spannung wurde zwischen 100 MPa Zug und 100 MPa Druck derart verändert, dass die maximale
Zugspannung mit der maximalen Temperatur von 1050 °C und die maximale Druckspannung
mit der minimalen Temperatur von 450 °C zusammenfiel.
[0038] Der Zyklus wurde somit nach folgendem Schema durchgeführt:
| - Aufheizen von 450 °C auf 1050 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von -100 MPa
auf +100 MPa: |
10 min |
| - Halten bei 1050 °C und +100 MPa: |
20 min |
| |
| - Abkühlen von 1050 °C auf 450 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von +100 MPa
auf -100MPa: |
10 min |
| - Halten bei 450 °C und -100 MPa: |
20 min |
| Total Zyklus |
60 min |
[0039] Die unbehandelten Vergleichsproben brachen unter den genannten Bedingungen nach durchschnittlich
250 bis 300 Lastwechseln, während die Prüfkörper mit kaltverformter Oberflärhe über
1000 Lastwechsel bis zum Bruch aushielten. Es ist also mit mindestens der 3- bis 4fachen
Lebendauer der unbehandleten Schaufeln, was thermische Ermüdung unter niedriger Lastwechselzahl
betrifft, zu rechnen.
[0040] Die Erfindung ist nirht auf die Auführungsbeispiele besrhränkt. Die Erhöhung der
Ermüdungsfestigkeit und die Verminderung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen
und beim Durchlaufen eines Temperaturzyklus eines aus einer oxyddispersionsgehärteten
Nickelbasis-Superlegierung bestehenden Werkstücks wird durch Erhöhung der Duktilität
(Verformbarkeit) seiner Oberflächenzone bewerkstelligt. Letztere wird bis auf eine
Tiefe von mindestens 100 µm bei Raumtemperatur um mindestens einem Wert kaltverformt,
der einer plastischen Dehnung von 2 % entspricht. Die Kaltverformung wird durch mechanische
Bearbeitung in Form von gezieltem Fräsen, Drehen oder Schleifen oder durch gezieltes
Strahlen mit festen (Kugelstrahlen) oder flüssigen Partikeln durchgeführt. Im Falle
des Kugelstrahlens werden Stahlkugeln von 0,3 bis 0,5 mm Durchmesser unter einem Druck
von 7 bis 10 bar während einer Zeit von 3 bis 10 min verwendet. Im Falle des Strahlens
mit flüsigen Partikeln wird die Kaltverformung der Oberflächenzone durch Aufschleudern
eines aus einzelnen Tropfen bestehenden Metallstahls mit einer Geschwindigkeit von
mindestens 100 m/s erzeugt.
1. Verfahren zur Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit und Verminderung der Rissanfälligkeit
bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen eines Temperaturzyklus eines Werkstücks
aus einer oxyddispersionsgehärteten, in Form von groben längsgerichteten Stengelkristallen
oder in Form eines Einkristalls vorliegenden Nickelbasis-Superlegierung, dadurch
gekennzeichnet, dass die Duktilität der Oberflächenzone des Werkstücks erhöht wird,
indem sie bis auf eine Tiefe von mindestens 100 µm um mindestens einen Wert, der einer
plastischen Dehnung von 2 % entspricht, bei Raumtemperatur kaltveformt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der
Oberflächenzone durch mechanische Bearbeitung in Form von gezieltem Fräsen, Drehen
oder Schleifen erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der
Oberflächenzone durch gezieltes Strahlen mit festen oder flüssigen Partikeln erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der
Oberflächenzone durch Kugelstrahlen mit Stahlkugeln von 0,3 bis 0,5 mm Durchmesser
unter einem Druck von 7 bis 10 bar während einer Zeit von 3 bis 10 min durchgeführt
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der
Oberflächenzone durch Aufschleudern eines aus einzelnen Tropfen bestehenden Metallstahls
mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 m/s bewerkstelligt wird.