(19)
(11) EP 0 318 887 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.06.1989  Patentblatt  1989/23

(21) Anmeldenummer: 88119778.4

(22) Anmeldetag:  28.11.1988
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4C22F 1/10
(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE GB LI NL

(30) Priorität: 01.12.1987 CH 4674/87

(71) Anmelder: BBC Brown Boveri AG
CH-5401 Baden (CH)

(72) Erfinder:
  • Ebeling, Wilhelm
    CH-5400 Ennetbaden (CH)
  • Nazmy, Mohamed Yousef, Dr.
    CH-5442 Fislisbach (CH)
  • Staubli, Markus
    CH-5605 Dottikon (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit und Verminderung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen eines Werkstücks aus einer oxyddisperionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung


    (57) Die Ermüdungsfestigkeit bei hohen Temperaturen und beim Durch­laufen eines Temperaturzyklus eines aus einer oxyddispersions­gehärteten Nickelbasis-Superlegierung bestehenden Werkstücks (2) wird durch Verbesserung der Duktilität seiner Oberflächenzone (5) erhöht, indem letztere bis auf eine Tiefe von mindestens 100 µm um mindestens einen Betrag, der einer plastischen Dehnung von 2 % entspricht, bei Raumtemperatur kaltverformt wird. Gleichzeitig wird die Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen vermindert.




    Beschreibung

    TECHNISCHES GEBIET



    [0001] Oxyddispersionsgehärtete Superlegierungen auf der Basis von Nickel, welche dank ihrer hervorragenden mechanischen Eigen­schaften bei hohen Temperaturen beim Bau thermischer Maschinen Verwendung finden. Bevorzugte Verwendung als Schaufelwerk­stoff für Gasturbinen.

    [0002] Die Erfindung bezieht sich auf die Verbesserung der mechanischen Eigenschaften von oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Super­legierungen mit insgesamt optimalen Eigenschaften bezüglich Hochtemperaturfestigkeit, Langzeitstabilität, Duktilität und Lebendauer. Dabei spielen die die Ermüdung, das Kriechverhalten und die Neigung zur Versprödung regierender Mechanismen beim Durchlaufen von Temperatur- und Belastungszyklen eines Bau­teils eine wesentliche Rolle.

    [0003] Insbesondere betrifft sie ein Verfahren zur Erhöhung der Ermü­dungsfestigkeit und Verminderung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen eines Temperaturzyklus eines Werkstücks aus einer oxyddispersionsgehärteten, in Form von groben längsgerichteten Stengelkristallen oder in Form eines Einkristalls vorliegenden Nickelbasis-Superlegierung.

    STAND DER TECHNIK



    [0004] Gasturbinenschaufeln sind im Betrieb einer komplizierten thermi­schen und mechanischen Beanspruchung ausgesetzt. Die stark wechselnde Belastung und das Abstellen und wieder Anfahren der Gasturbine stellt an die Schaufeln extrem hohe Anforderungen. Der Schaufelwerkstoff wird auf Kriechen, statische und dynami­sche Spannungen, auf verschiedene Arten der Ermüdung und Thermo­schock in einem weiten Temperaturbereich beansprucht. Dabei zeigt sich, dass die bei kleinen Lastwechselzahlen aber grossen Amplituden bei den mechanisch und thermisch durchlaufenen Zyklen auftretende Ermüdung besonders gefährlich ist und die Lebensdauer des Werkstücks in scheinbar unverhältnismässiger Weise herabsetzt.

    [0005] Diese Erscheinungen sind weitgehend durch mangelhafte Duktili­tät der Werkstoffe in einem kritischen Temperaturbereich be­dingt. Es kommt zu Dislokationen im Kristallverband, die nicht ausgeheilt werden und zu nachteiligen irreversiblen Verände­rungen führen, die vom Werkstoff nicht beliebig lang ertragen werden. Vergl. "Thermal fatigue of materials and components" ASTM Special technical publication 612, Symposium Philadelphia, 17. - 18. Nov. 1975.

    [0006] Die hochwarmfesten oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Super­legierungen zeichnen sich insbesondere im Zustand grober, längsgerichteter Stengelkristalle durch geringe Duktilität, vor allem in der Querrichtung der Kristalle aus. Es konnte gezeigt werden, dass die Rissbildung unter Ermüdungsbeanspru­chung bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen eines kriti­ schen Temperaturbereiches stets ihren Anfang an der Oberfläche des Werkstücks nimmt (vgl. "Thermal fatigue of materials and components", S. 123-140). Die Eigenschaften und das Verhalten der Oberflächenzone der hochbeanspruchten Gasturbinenschaufel sind somit für deren Lebensdauer von ausschlaggebender Bedeutung.

    DARSTELLUNG DER ERFINDUNG



    [0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit und Verminderung der Rissan­fälligkeit bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen von kritischen Temperatur- und Lastzyklen eines Werkstücks aus einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung anzugeben. Das Verfahren soll einfach und kostengünstig sein und sich auf beliebig geformte Werkstücke anwenden lassen.

    [0008] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass im eingangs erwähnten Verfahren die Duktilität der Oberflächenzone des Werkstücks erhöht wird, indem sie bis auf eine Tiefe von mindestens 100 µm um mindestens einen Wert, der einer plastischen Dehnung von 2 % entspricht, bei Raumtemperatur kaltverformt wird.

    [0009] Es wurde beobachtet, dass in einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung eine plastische Vordehnung (Kaltver­formung) bei Raumtemperatur die Bruchdehnung unter Kriechbean­spruchung bei höheren Temperaturen hinaufsetzt. Dies kann als Mass für die Verformbarkeit des Werkstoffs d.h. seiner Duktilität betrachtet werden. Damit wird der im Anlieferungs­zustand (meist grobkristallin) sonst hochwarmfeste, aber spröde Werkstoff befähigt, Spannungsspitzen abzubauen und sonst irre­versible Verschiebungen in der Kristallstruktur plastisch aufzunehmen und auszuheilen. Diese Erholung ist für das Lang­zeitverhalten im Betrieb ausschlaggebend. Gleichzeitig mit der Erhöhung der Duktilität geht natürlich ein Verlust an Festigkeit einher: Die Zeit bis zum Erreichen der Bruchdehnung unter Kriechbeanspruchung wird drastisch herabgesetzt. Da jedoch nur eine dünne Oberfächenzone von diesem Abfall der Warmfestigkeit betroffen ist, fällt dies praktisch nicht ins Gewicht. Der Gewinn durch die wirksame Herabsetzung der Rissan­fälligkeit des Werkstücks überwiegt.

    WEG ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG



    [0010] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden, durch Figuren näher erläuterten Ausführungsbeispiele beschrieben.

    [0011] Dabei zeigt:

    Fig. 1 ein Diagramm mit dem Verlauf der Bruchdehnung δR beim Kriechversuch in Funktion der Kaltverformung (Vordeh­nung ε),

    Fig. 2 ein Diagramm mit dem Verlauf der Zeit tR bis zum Bruch beim Kriechversuch in Funktion der Kaltverformung (Vordehnung ε),

    Fig. 3 ein schematisches Diagramm der Kriechkurven Dehnung in Funktion der Zeit für verschiedene Grade der Kalt­verformung (Vordehnung ε),

    Fig. 4 eine schematische perspektivische Darstellung einer im Schaufelblatt quer durchgeschnittenen Gasturbinen­schaufel,

    Fig. 5 ein Diagramm der Prüfbedingungen Belastung und Tempe­ratur in Funktion der Zeit für die Durchführung der Versuche "thermische Ermüdung".



    [0012] In Fig. 1 ist ein Diagramm dargestellt, in dem der Verlauf der beim Kriechversuch erhaltenen Bruchdehnung in Funktion des Kaltverformungsgrades dargestellt ist. Das Diagramm bezieht sich auf die oxyddispersionsgehärtete Nickelbasis-Superlegie­rung mit der Handelsbezeichnung MA 6000 von INCO mit folgender Zusammensetzung:
    Cr = 15 Gew.-%
    W = 4,0 Gew.-%
    Mo = 2,0 Gew.-%
    Al = 4,5 Gew.-%
    Ti = 2,5 Gew.-%
    Ta = 2,0 Gew.-%
    C = 0,05 Gew.-%
    B = 0,01 Gew.-%
    Zr = 0,15 Gew.-%
    Y₂O₃ = 1,1 Gew.-%
    Ni = Rest


    [0013] Die Legierung lag in Form grober, längsgerichteter Stengel­kristalle von durchschnittlich 15 mm Länge, 3,5 mm Breite und 1,5 mm Dicke vor. Der Kaltverformungsgrad ist auf der Abszisse in Form der plastischen Vordehnung ε unter Zugbean­spruchung aufgetragen. Die Kriechversuche wurden bei der kon­stanten Temperatur von 950 °C unter der konstanten Zugbean­spruchung von 230 MPa durchgeführt. Auf der Ordinate ist die jeweilige Bruchdehnung δR beim Zerreissen der Proben aufge­tragen. Die Erhöhung von δR in Funktion der Vordehnung ε ist markant. Sie ist ein Mass für die Duktilität des Werkstoffs in diesem Zustand, was völlig überrascht, da vergleichsweises nichtdispersionsgehärtete Superlegierungen das gegenteilige Verhalten zeigen.

    [0014] Fig. 2 stellt ein Diagramm dar, in dem der Verlauf der Zeit tR bis zum Bruch beim Kriechversuch in Funktion des Kaltver­formungsgrades (Vordehnung ε) aufgetragen ist. Oberhalb einer Vordehnung von 2,5 % bricht die Probe unter der Belastung von 230 MPa bei 950 °C in kürzester Zeit: Es ist praktisch keine Kriechfestigkeit mehr vorhanden und man hat eigentlich die Bedingungen des Kurzzeit-Zerreissversuchs bei erhöhter Temperatur vor sich. Dabei verhält sich der Werkstoff voll­kommen duktil, ganz im Gegensatz zu seinen Eigenschaften als warmfeste Legierung im Ausgangszustand. Das extrem plastische Verhalten des Werkstoffs in diesem veränderten Zustand erlaubt es ihm, Spannungsspitzen abzubauen und im Betrieb ansonst gefährliche, zu Rissbildung führende Verformungen aufzunehmen.

    [0015] In Fig. 3 ist ein Diagramm der Kriechkurven dargestellt. Als Parameter ist die Vordehnung ε in % angegeben. Zwischen der bei Bruch erreichten Zeit und der entsprechenden Bruchdehnung besteht unter Berücksichtigung verschieden hoher Vordehnung ein nahezu linearer Zusammenhang bis zu einer kritischen Vor­dehnung von ca. 2,5 %. Wird die Vordehnung ε weiter erhöht (in diesem Diagramm nicht eingezeichnet), so erhöht sich nur noch die Bruchdehnung δR (siehe Fig. 1), die Zeit tR bis zum Bruch spielt praktisch keine Rolle mehr (Kurzzeitversuch). Bei einer Vordehnung ε von ca. 3 % ist die plastische Kalt­verformbarkeit des Werkstoffs im Zustand grober Stengelkristalle erschöpft. Eine weiter getriebene Kaltverformung würde zum Bruch führen.

    [0016] Fig. 4 bezieht sich auf eine schematische perspektivische Darstellung einer Gasturbinenschaufel, deren Schaufelblatt quer durrhgeschnitten ist, um den Querschnitt zu zeigen. 1 ist der Schaufelfuss, 2 das Schaufelblatt, dessen längsgerichtete Stengelkristalle 3 (beispielsweise durch Makroätzung) sichtbar gemacht sind. 4 zeigt den unverformten Kern im Querschnitt (ungeätzt). 5 ist die (beispielsweise durch Kugelstrahlen oder Rollen) kaltverformte Oberflächenzone.

    [0017] In Fig. 5 ist ein Diagramm der Prüfbedingungen für die Versuche "thermische Ermüdung" dargestellt. Im oberen Teil ist mit Kurve "a" der Verlauf der dem Prüfkörper aufgedrückten Spannung 6 (als Zugspannung mit +-Zeichen, als Druckspannung mit --Zei­chen) in Funktion der Zeit t, im unteren Teil mit Kurve "b" derjenige der Temperatur T in Funktion der Zeit t aufgezeichnet. Die Zyklen laufen im vorliegenden Beispiel synchron. Ausserdem befindet sich der Abschnitt mit der maximalen Zugspannung in Phase mit der maximalen Temperatur, derjenige mit der maxi­malen Druckspannung in Phase mit der minimalen Temperatur.

    [0018] Für die Durchführung derartiger Prüfungen auf "thermische Ermüdung" können selbstverständlich prinzipiell noch andere Programme gefahren werden: Zum Beispiel: Isotherm, verschobene Phasen, Gegenphase, asynchrone Zyklen etc.

    AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 1:



    [0019] Aus einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegie­rung mit dem Handelsnamen MA 6000 von INCO wurden plättchen­förmige Prüfkörper mit den Abmessungen 15 mm x 40 mm x 2,5 mm herausgearbeitet. Die Legierung lag im grobkörnigen Zustand längsgerichteter Stengelkristalle vor und hatte die nachfolgen­de Zusammensetzung:
    Cr = 15 Gew.-%
    W = 4,0 Gew.-%
    Mo = 2,5 Gew.-%
    Al = 4,5 Gew.-%
    Ti = 2,5 Gew.-%
    Ta = 2,0 Gew.-%
    C = 0,05 Gew.-%
    B = 0,01 Gew.-%
    Zr = 0,15 Gew.-%
    Y₂O₃ = 1,1 Gew.-%
    Ni = Rest


    [0020] Die Plättchen wurden nun in unterschiedlichem Masse kaltver­formt, indem sie in der Längsrichtung einer Zugbeanspruchung unterworfen wurden. Die verschiedenen Plättchen wurden plastisch um den Wert ε = 1 %; 2,5 % und 3 % vorgedehnt (gererkt). Nun wurden die Plättchen einem Kriechversuch unterworfen: Unter einer konstanten Zugbelastung von 230 MPa und einer Temperatur von 950 °C wurde sowohl die Buchdehnung δR wie die Zeit tR bis zum Bruch der Probe bestimmt. Die Resultate sind aus den Figuren 1, 2 und 3 ersichtlich. Daraus kann entnommen werden, dass eine Vordehnung von ca. 2 % die Bruchdehnung δR auf beinahe den 3fachen Wert der unbehandelten Probe erhöht. Ande­ rerseits fällt die Zeit tR bis zum Eintreten des Bruchs auf weniger als die Hälfte ab. Da die Bruchdehnung δR ein Mass für die Duktilität, d.h. für das Verformungsvermögen ist, konnte daraus geschlossen werden, dass die Rissanfälligkeit eines Bauteils im Betrieb unter werhselnden Bedingungen deutlich verringert werden kann. Bei Kaltverformungsgraden die einer Vordehnung ε von mehr als 2,5 % entsprechen, nahm das Material Praktisch "pseudo-superplastischen" Charakter an: Die Proben brachen in sehr kurzer Zeit und wiesen Bruchdehnungen δR von über 10 % auf. Es versteht sich von selbst, dass damit die Warmfestigkeit des Werkstoffs sozusagen aufgehoben war und dass aus dieser Erkenntnis heraus unbedingt vermieden werden muss, dass Werkstücke über den ganzen tragenden Quer­schnitt während der Herstellung oder im Betrieb um die oben angegebenen ε-Werte kaltverformt werden.

    AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 2:



    [0021] Aus der Legierung MA 6000 (Zusammensetzung siehe oben !) im Zustand längsgerichteter Stengelkristalle wurden zylindrische Prüfkörper herausgearbeitet. Die Zylinderachse verlief parallel zur Längsrichtung der Kristalle. Die Prüfkörper hatten einen Durchmesser von 5 mm und eine Länge von 25 mm. Sie wurden auf einer Drehbank derart gerollt, dass die Oberflärhenzone bis auf eine Tiefe von ca. 100 µm um durchschnittlich 2 % kaltverformt wurde. Dementsprechend bestand der gesamte Quer­schnitt von 19,0 mm² zu 92 % (18,03 mm²) aus dem unverformten Kern und zu 8 % (1,57 mm²) aus der verformten Oberflächenzone.

    [0022] Die Prüfkörper wurden nun einem Ermüdungsversuch unterworfen, wobei gleichzeitig die Temperatur und die Belastung periodisch und synchron nach dem Schema der Fig. 5 verändert wurden. Dementsprechend lag die Zugspannung in Phase mit der oberen Grenztemperatur, die Druckspannung dagegen in Phase mit der unteren Grenztemperatur. Die Belastung wurde so eingestellt, dass im jeweiligen Prüfkörper eine maximale Zugspannung von 100 MPa bei 900°C mit einer maximalen Druckspannung von 100 MPa bis 300 °C abwechselte.

    [0023] Der ganze Zyklus dauerte 10 min und wurde nach folgendem Schema durchgeführt:
    - Aufheizen von 300 °C auf 900 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von -100 MPa auf +100 MPa: 1 min
    - Halten bei 900 °C und +100 MPa: 4 min
     
    - Abkühlen von 900 °C auf 300 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von +100 MPa auf -100MPa: 1 min
    - Halten bei 300 °C und -100 MPa: 4 min
    Total Zyklus: 10 min


    [0024] Die unbehandelten Vergleichsproben brachen unter den genannten Bedingungen nach durchschnittlich 800 bis 1200 Lastwechseln, während die Probekörper mit kaltverformter Oberflächenzone 5000 und mehr Lastwechsel bis zum Bruch aushielten.

    [0025] Die Versuche wurden bei anderen Temperaturgrenzen und unter anderen Belastungen wiederholt. Es konnte gezeigt werden, dass die Proben mit kaltverformter Oberflächenzone in jedem Fall eine um den Faktor 4 bis 6 höhere Lebensdauer (gemessen an der Anzahl der Lastwechsel) aufwiesen.

    AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 3:



    [0026] Aus einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung wurden zylindrische Prüfkörper herausgearbeitet. Die Legierung lag in grobkörnigem Zustand längsgerichteter Stengelkristalle vor und hatte die nachfolgende Zusammensetzung:
    Cr = 20,0 Gew.-%
    Al = 6,0 Gew.-%
    Mo = 2,0 Gew.-%
    W = 3,5 Gew.-%
    Zr = 0,19 Gew.-%
    B = 0,01 Gew.-%
    C = 0,01 Gew.-%
    Y₂O₃ = 1,1 Gew.-%
    Ni = Rest


    [0027] Die Prüfkörper hatten einen Durchmesser von 6 mm und eine Länge von 35 mm. Sie wurden rundherum während 6 min unter einem Strahldruck von 8 bar kugelgestrahlt. Die verwendeten Stahlkugeln hatten einen Durchmesser von 0,3 bis 0,5 mm. Durch diese Behandlung wurde die Oberflächenzone bis auf eine Tiefe von ca. 150 µm um durchschnittlich 2,5 % kaltverformt. Der gesamte Querschnitt von 28,4 mm² bestand zu 90 % (25,57 mm²) aus dem unverformten Kern und zu 10 % (2,83 mm²) aus der kalt­verformten Oberflächenzone.

    [0028] Die Probekörper wurden einem ähnlichen Ermüdudngsversuch wie unter Beispiel 2 angegeben unterworfen. Der gesamte Zyklus dauerte jedorh 20 min statt 10 min (vgl. Fig. 5). Die Aufheiz- und Abkühlungszeiten dauerten jeweils 4 min, die Haltezeiten 6 min. Die obere Temperaturgrenze war 980 °C, die untere 350 °C. Im jeweiligen Prüfkörper herrrschte eine maximale Zugspannung von 150 MPa bei der hohen und eine maximale Druckspannung von 150 MPa bei der tiefen Temperatur.

    [0029] Die nicht kaltverformten Vergleichsproben brachen unter den genannten Bedingungen nach durchschnittlich 300 bis 500 Last­wechseln, während die Probekörper mit kaltverformter Oberflä­chenzone mindestens 2000 Lastwechsel bis zum Bruch durchhielten.

    [0030] Weitere Versuche unter anderen Bedingungen bestätigten den die Rissbildung herabsetzenden Einfluss der Kaltverformung. Die Lebensdauer konnte durchschnittlich auf das 4fache erhöht werden.

    AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 4:



    [0031] Eine Gasturbinenschaufel aus der Legierung MA 6000 im Zustand längsgerichteter Stengelkristalle wurde einer Kaltverformung in der Oberflächenzone unterworfen. Die Schaufel hatte folgende Abmessungen (Schaufelblatt):
    Länge = 170 mm
    Grösste Breite = 88 mm
    Grösste Dicke = 22 mm
    Profilhöhe = 28 mm


    [0032] Die Oberfläche des Schaufelblattes wurde allseitig während 10 min unter einem Strahldruck von 10 bar kugelgestrahlt. Die verwendeten Stahlkugeln hatten einen mittleren Durchmesser von 0,4 mm. Die Oberflächenzone wurde bis auf eine Tiefe von 200 µm um durchschnittlich 3 % kaltverformt. Der gesamte Quer­schnitt von ca. 1150 mm² bestand demnach zu 96,5 % (1110 mm²) aus dem unverformten Kern und zu 3,5 % (40 mm²) aus der kalt­verformten Oberflächenzone.

    [0033] Der Ermüdungsversuch bestand in einer Art Thermoschockprüfung unter gleichzeitigem periodischem Aufbringen einer Zugbelastung bei der oberen und einer Druckbelastung bei der unteren Tempera­tur. Der gesamte Zyklus dauerte 30 min. Die Aufheizzeit betrug 6 min, die Abkühlungszeit 4 min, die Haltezeiten jeweils 10 min. Die höchste, am Kopfende des Schaufelblattes erreichte Temperatur betrug 1000 °C, die tiefste 400 °C. Am Fussende des Schaufelblattes waren die Temperaturen 850 °C resp. 320 °C. Die maximalen Zugspannungen bei den oberen Temperaturen betrugen 120 MPa, die maximalen Druckspannungen 80 MPa, immer in Schaufel­längsachse wirkend.

    [0034] Es wurde eine nicht kaltverformte Gasturbinenschaufel als Vergleichskörper geprüft. Hier zeigten sich die ersten deutlich sichtbaren Anrisse nach 400 bis 600 Zyklen, während die kaltver­formten Schaufeln noch nach 2000 Zyklen keine sichtbaren Risse aufwiesen.

    AUSFÜHRUNGSBEISPIEL 5:



    [0035] Von einer Gasturbinenschaufel aus der unter Beispiel 3 angege­benen oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung wurde das Schaufelblatt abgetrennt und durch mehrmaliges Ab­rollen einer gehärteten Stahlrolle von 30 mm Durchmesser ent­lang der Mantellinien an der Oberfläche kaltverfestigt. Der Werkstoff lag in Form längsgerichteter grober Stengelkristalle vor. Vom Schaufelblatt wurde ein Stück durch senkrecht zu, Längsachse geführte Trennschritte abgeschnitten, so dass der Prüfkörper folgende Abmessungen hatte:
    Länge = 100 mm
    Grösste Breite = 85 mm
    Grösste Dicke = 22 mm
    Profilhöhe = 29 mm


    [0036] Durch das Rollen war eine kaltverformte Oberflächenzone von durchschnittlich 150 µm Tiefe erzeugt worden. Die Kaltverformung betrug ca. 2,5 %. Der gesamte Querschnitt von ra. 1100 mm² bestand somit zu 97,3 % (1070 mm²) aus dem unverformten Kern und zu 2,7 % (30 mm²) aus der kaltverformten Oberflächenzone.

    [0037] Der Schaufelblattausschnitt wurde einer Ermüdungsprüfung ausge­setzt. Die Kraftangriffsrichtung verlief parallel zur Schaufel­längsachse, welche auch die Längsachse der Stengelkristalle war. Der synchrone Temperatur- und Lastwechselzyklus dauerte insgesamt 60 min. Die Spannung wurde zwischen 100 MPa Zug und 100 MPa Druck derart verändert, dass die maximale Zugspan­nung mit der maximalen Temperatur von 1050 °C und die maximale Druckspannung mit der minimalen Temperatur von 450 °C zusammen­fiel.

    [0038] Der Zyklus wurde somit nach folgendem Schema durchgeführt:
    - Aufheizen von 450 °C auf 1050 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von -100 MPa auf +100 MPa: 10 min
    - Halten bei 1050 °C und +100 MPa: 20 min
     
    - Abkühlen von 1050 °C auf 450 °C bei gleichzeitigem Spannungswechsel von +100 MPa auf -100MPa: 10 min
    - Halten bei 450 °C und -100 MPa: 20 min
    Total Zyklus 60 min


    [0039] Die unbehandelten Vergleichsproben brachen unter den genannten Bedingungen nach durchschnittlich 250 bis 300 Lastwechseln, während die Prüfkörper mit kaltverformter Oberflärhe über 1000 Lastwechsel bis zum Bruch aushielten. Es ist also mit mindestens der 3- bis 4fachen Lebendauer der unbehandleten Schaufeln, was thermische Ermüdung unter niedriger Lastwech­selzahl betrifft, zu rechnen.

    [0040] Die Erfindung ist nirht auf die Auführungsbeispiele besrhränkt. Die Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit und die Verminderung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen eines Temperaturzyklus eines aus einer oxyddispersionsgehärteten Nickelbasis-Superlegierung bestehenden Werkstücks wird durch Erhöhung der Duktilität (Verformbarkeit) seiner Oberflächenzone bewerkstelligt. Letztere wird bis auf eine Tiefe von mindestens 100 µm bei Raumtemperatur um mindestens einem Wert kaltver­formt, der einer plastischen Dehnung von 2 % entspricht. Die Kaltverformung wird durch mechanische Bearbeitung in Form von gezieltem Fräsen, Drehen oder Schleifen oder durch gezieltes Strahlen mit festen (Kugelstrahlen) oder flüssigen Partikeln durchgeführt. Im Falle des Kugelstrahlens werden Stahlkugeln von 0,3 bis 0,5 mm Durchmesser unter einem Druck von 7 bis 10 bar während einer Zeit von 3 bis 10 min verwendet. Im Falle des Strahlens mit flüsigen Partikeln wird die Kaltverformung der Oberflächenzone durch Aufschleudern eines aus einzelnen Tropfen bestehenden Metallstahls mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 m/s erzeugt.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Erhöhung der Ermüdungsfestigkeit und Verminde­rung der Rissanfälligkeit bei hohen Temperaturen und beim Durchlaufen eines Temperaturzyklus eines Werkstücks aus einer oxyddispersionsgehärteten, in Form von groben längs­gerichteten Stengelkristallen oder in Form eines Einkri­stalls vorliegenden Nickelbasis-Superlegierung, dadurch gekennzeichnet, dass die Duktilität der Oberflächenzone des Werkstücks erhöht wird, indem sie bis auf eine Tiefe von mindestens 100 µm um mindestens einen Wert, der einer plastischen Dehnung von 2 % entspricht, bei Raumtemperatur kaltveformt wird.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der Oberflächenzone durch mechanische Bearbeitung in Form von gezieltem Fräsen, Drehen oder Schlei­fen erfolgt.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der Oberflächenzone durch gezieltes Strahlen mit festen oder flüssigen Partikeln erfolgt.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der Oberflächenzone durch Kugelstrahlen mit Stahlkugeln von 0,3 bis 0,5 mm Durchmesser unter einem Druck von 7 bis 10 bar während einer Zeit von 3 bis 10 min durchgeführt wird.
     
    5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kaltverformung der Oberflächenzone durch Aufschleudern eines aus einzelnen Tropfen bestehenden Metallstahls mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 m/s bewerkstelligt wird.
     




    Zeichnung













    Recherchenbericht