(19)
(11) EP 0 319 007 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.06.1989  Patentblatt  1989/23

(21) Anmeldenummer: 88120095.0

(22) Anmeldetag:  01.12.1988
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D04B 15/78
(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE ES GB IT LI

(30) Priorität: 04.12.1987 CH 4745/87

(71) Anmelder: SIPRA Patententwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH
D-72461 Albstadt (DE)

(72) Erfinder:
  • Vermot-Gaud, Jacques
    CH-1258 Perly (CH)
  • Cottenceau, Rémi
    F-74580 Viry (FR)
  • Zuercher, Erwin
    CH-1219 Le Lignon (CH)

(74) Vertreter: Freiherr von Schorlemer, Reinfried 
Karthäuser Strasse 5A
D-34117 Kassel
D-34117 Kassel (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zum Antrieb der Selektions-Nadelstösser einer Strickmaschine und Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens


    (57) Dieses Verfahren besteht darin, einen Selektions-Na­delstößer (2) zwischen zwei Grenzpositionen einer Stricknadel (5) anzutreiben, um diese mit einem Nok­ken in Eingriff zu bringen, der den Nadelstößer in seine zweite Grenzposition befördert. Dieser Zwei-­Etappen-Antrieb des Selektions-Nadelstößers ermög­licht eine Reduzierung der durch das Antriebsorgan bewikten Verschiebung und eine Erhöhung der Selek­tionsfrequenz. Zu diesem Zweck und im Hinblick auf eine praktisch vollständige Vermeidung von Reibung zwischen dem Antriebsorgan und dem Nadelstößer wird eine feine Nadel (1) vom Typ einer Nadel eines Nadel­druckers verwendet, die einen Stoß auf den Nadelstö­ßer (2) ausübt, wobei der Stoß mittels einer Bewe­gungsübertragung mit erhöhtem Wirkungsgrad zum Aus­druck kommt und den Nadelstößer (2) in eine Zwischen­position verschiebt, aus der der Nocken diesen Na­delstößer in seine zweite Grenzposition mitnimmt.




    Beschreibung


    [0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Antrieb der Selektions-Nadelstößer einer Strickma­schine, sowie eine Vorrichtung zur Durchführung die­ses Verfahrens, wobei die Selektions-Nadelstößer zwei Grenzpositionen einnehmen können, und wobei mit dem Verfahren der Weg von der ersten zur zweiten dieser Grenzpositionen in zwei Etappen zurückgelegt wird, von denen die erste Etappe darin besteht, ein Element des Nadelstößers mit einem Nocken in Eingriff zu bringen, und die zweite Etappe sich aus der relativen Verschiebung des Nockens und des Nadelstößers quer zur Ebene der Schwingungsbahn des Nadelstößers ergibt.

    [0002] Zur Steigerung der Selektionsgeschwindigkeit von Strickmaschinen sah man sich, sowohl aus Gründen des Raumbedarfs als auch zur Beschränkung der Antriebs­frequenz, die im allgemeinen bei einem Maximum von ungefähr 150 Hz liegt, datz veranlaßt, die Selek­tionsniveaus zu vervielfachen. Diese Steigerung der Anzahl der Selektionsniveaus ist durch die zahlenmä­ßige Zunahme der Elektromagneten zu Lasten des Raum­bedarfs und zu Lasten des Preises erfolgt. Außerdem ist die Anzahl dieser Niveaus auf jeden Fall begrenzt und ermöglicht es, die Selektionsfrequenzen von maxi­mal 600 bis 800 Hz über die Gesamtheit der Niveaus zu addieren.

    [0003] In der CH-476.880 hat man bereits einen Selektions-­Mechanismus vorgeschlagen, in dem alle Selektionsor­gane eine erste, am Anfang jeder Inbetriebnahme der Strickmaschine festgelegte Position einnehmen und in dieser Position in den Luftspalt eines Elektromagne­ten gelangen, wo die Selektionsorgane durch einen der Pole des Elektromagneten angezogen werden. Eine durch einen Permanentmagneten gebildete Rampe folgt jedem Pol dieses Elektromagneten, so daß das von dem einem der Pole angezogene Selektionsorgan der Rampe folgt, welche das Selektionsorgan in eine zweite Position entlang einer Richtung verschiebt, welche in einer zur relativen Bewegungsbahn zwischen dem Selektions­organ und den magnetischen Rampen senkrechten Ebene angeordnet ist. Wenn das Selektionsorgan dieser zwei­ten Position zugeführt wurde, wirkt es oder wirkt es nicht auf ein Kipp-Schaltelement ein, das dazu dient, selektiv eine Nadel mit einem Stricknocken in Ein­griff zu bringen, je nachdem, welcher Pol des Elek­tromagneten das Selektionsorgan angezogen hat.

    [0004] Das elektromagnetische Selektionsorgan erzeugt nur eine sehr geringe Verschiebung der Selektionsorgane, wobei der Rest der Verschiebung durch die magneti­schen Rampen erfolgt. Unter Berücksichtigung dieser geringen, durch den elektromagnetischen Selektions­mechanismus gesteuerten Verschiebung kann die Selek­tionsfrequenz, welche eine Funktion der zu realisie­renden Bewegungsamplitude ist, wesentlich gesteigert werden.

    [0005] Diese Lösung weist jedoch eine Reihe von Nachteilen auf. Angenommen, daß das Selektionsorgan aus einem weichen Stahl mit schwacher magnetischer Remanenz be­steht, kann die Selektion nur für ein von der Nadel verschiedenes Organ erfolgen, welches lediglich zur Steuerung der Verschiebung des Nadelschaftes bestimmt ist, der aus Federstahl bestehen muß. Ein weiterer Nachteil dieser Lösung ist, daß nur zwei Positionen gesteuert werden können. Tatsächlich soll das Selek­tionsorgan beim Eintritt in den Luftspalt des den beiden magnetischen Rampen benachbarten Elektromagne­ten von dem einen oder anderen der Pole angezogen werden. Das Selektionsorgan kann nicht in einer unge­führten Zwischenposition belassen werden, wo es Ge­fahr laufen würde, trotzdem von der einen oder der anderen der magnetischen Rampen angezogen zu werden, welche an ihren dem Elektromagneten benachbarten En­den dem Selektionsorgan sehr nahe sind. Da dieses dann nicht geführt ist, besteht bei einer sehr klei­nen Dezentrierung die Möglichkeit, daß das Selek­tionsorgan der nächststehenden Rampe zugeführt und dadurch ein Selektionsfehler bwirkt wird. Das ist der Grund dafür, daß bei dieser Lösung die dritte Posi­tion manuell gesteuert wird und somit während des Strickens nicht geändert werden kann. Ein weiterer Nachteil dieser Lösung ergibt sich daraus, daß die Verschiebung des Selektionsorgans durch Anziehen die­ses Organs erfolgt, entsprechend seiner Verschiebung entlang der magnetischen Rampen. Falls sich ein unge­wöhnlicher Widerstand bei der Verschiebung des Selek­tionsorgans bemerkbar macht, kann sich dieses von der magnetischen Rampe lösen.

    [0006] Außerdem wurde in der DE-A-18 04 350 vorgeschlagen, die hinteren Enden von Kipp-Schaltelementen zur Se­lektion mit Hilfe eines Mechanismus' anzutreiben, der durch ein Antriebsorgan bewegt wird, welches unter der Wirkung eines elektrischen Stromes oder eines elektrischen Feldes dimensionale Verformungen er­fährt, um die Erscheinungen der magnetischen Remanenz zu umgehen, die sich durch Aneinanderhaften der festen und beweglichen Teile äußern. Diese Erschei­nungen treten über den direkten Kontakt zwischen den festen und beweglichen Armaturen eines elektromagene­tischen Kreises auf. Indessen wird aus diesem Doku­ment klar, daß die Verschiebung des Kipp-Schaltele­mentansatzes über den Eingriff mit dem Ausrichtungs­nocken eine direkte Funktion der Amplitude der Ver­formungen des Antriebsorgans ist, was jegliche Ver­schiebung nach einem elastischen Stoß ausschließt. Gemäß der Theorie der Dynamik von Stößen impliziert die Übertragung einer Bewegung mittels eines elasti­schen Stoßes, daß nach einer unendlich kurzen Zeit des Kontaktes zwischen den stoßendem und den gesto­ßenen Organen die Geschwindigkeiten dieser Organe ei­ne endliche Änderung erfahren. Es ist bekannt, daß bei einer Übertragung von Bewegungen zwischen zwei Organen mittels eines elastischen Stoßes der die Ge­schwindigkeitskomponenten jedes Organes verbindende Stoßkoeffizient zu Beginn und am Ende des Stoßes un­gefähr gleich eins ist. Das bedeutet, daß das Stoßor­gan plötzlich seine ganze oder den größten Teil sei­ner Geschwindigkeit zugunsten des gestoßenen Organs verliert, etwa so, wie es zwischen zwei Billard-Ku­geln abläuft. Unter diesen Umständen ist es offen­sichtlich, daß die Verschiebung des gestoßenen Organs in keinem Falle von der Amplitude des Stoßorgans ab­hängen würde, wie es in der DE-A-18 04 350 der Fall ist. Ferner nimmt dieses Dokument nirgends Bezug auf eine Verschiebung in zwei Etappen, bei der das An­triebsorgan nur einen Teil der Bewegung des ausge­wählten Organs erzeugt, wobei diese Bewegung an­schließend durch das Zusammenwirken eines Nockenpro­fils und der Relativverschiebung zwischen dem Strick­kopf und dem Nockenträger verstärkt wird, was den An­trieb der Strickmaschine erzeugt.

    [0007] Das Ziel der vorliegenden Erfindung ist, wenigstens einem Teil der oben genannten Nachteile abzuhelfen.

    [0008] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist hierzu zu­nächst ein Verfahren zum Antrieb der Selektions-Na­delstößer in einer Strickmaschine, wie er durch den Anspruch 1 definiert ist. Ebenfalls Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäß Anspruch 2.

    [0009] Dieses Verfahren besitzt zahlreiche Vorteile für eine Vorrichtung zur Selektion von Nadeln mit hoher Fre­quenz. Es gestattet, wie nachfolgend gezeigt wird, eine Selektion auf einem einzigen Niveau mit einer Frequenz von mindestens 1000 Hz. Der Stoß bewirkt ei­ne Verhinderung von Reibung zwischen dem Antriebsor­gan und dem angetriebenen Organ. Angenommen, die Übertragung der Energie zwischen den beiden Organen erfolgt in einem sehr kurzen Moment, kann der Hub des Antriebsorgans sehr gering sein. Sobald die Stoß­energie an das angetriebene Organ übertragen wurde, verschiebt sich dieses bis zur Aufzehrung dieser Energie, so daß das Antriebsorgan während der Ver­schiebung des angetriebenen Organs zurückgezogen wer­den kann. Der energetische Wirkungsgrad einer derar­tigen Bewegungsübertragung ist hervorragend. Das An­triebsorgan kann beispielsweise vom Typ einer Nadel eines Nadeldruckers sein, die es gestattet, den An­triebsmotor dieses Organs nach außen zurückzustoßen, wobei im Falle einer Rundstrickmaschine der verfügba­re Platz vergrößert wird, in dem der Motor radial entfernt vom Strickkopf angeordnet ist, und wobei das Volumen und die Leistung des Motors verbesserbar sind.

    [0010] Diese vorteilhaften Unterschiede sowie andere werden anhand der nachfolgenden Beschreibung und der dazuge­ hörigen Zeichnung verdeutlicht, welche sehr schema­tisch und beispielhaft sowohl eine Durchführungsform des Verfahren als auch eine Ausführungsform der Vor­richtung zur Durchführung des Verfahrens illustriert.

    Fig. 1 zeigt schematisch die Postion mit dem zu lösenden Problem;

    Fig. 2 zeigt eine diametrale bzw. transversale Teilschnittdarstellung dieser Ausführungs­form der Vorrichtung, je nachdem, ob es sich um eine runde oder eine rechteckige Maschine handelt;

    Fig. 3a-d zeigen Diagramme des allgemeinen theore­tischen Ablaufs einer Selektionsbewegung;

    Fig. 4 zeigt eine schematische Darstellung der Grenzpositionen relativ zum Antriebsorgan und zum angetriebenen Organ;

    Fig. 5 zeigt ein Diagramm des relativen Bewe­gungsablaufs des Antriebsorgans und des angetriebenen Organs; und

    Fig. 6 zeigt eine stark vergrößerte Schnittdar­stellung eines Details der Fig. 2.



    [0011] Das zu erreichende Ziel ist die Ermöglichung der Se­lektion der Nadeln des Zylinders und der (Ripp-) Scheibe einer Maschine mit einem Durchmesser von 76,2 cm (30"), die 72 Stricksysteme der Feinheitsnummer 28 beinhaltet und eine Umfangsgeschwindigkeit von 1 m/s besitzt, mit der Möglichkeit der gleichzeitigen Se­lektion dreier Abläufe, nämlich Maschen, Kulieren, Null. Bis auf die Probleme des Raumbedarfs, die die Selektion der Nadeln einer derartigen Maschine mit sich bringen, ist die Realisierung der Maschine vor allem der Möglichkeit untergeordnet, die Selektions-­Nadelstößer mit einer praktisch vollständigen Sicher­heit zu selektionieren.

    [0012] In dieser Beschreibung wird nicht näher auf die Pro­bleme eingegangen, die mit dem Antrieb der Selek­tions-Nadelstößer zu tun haben, welche gelenkig in Sitzen des Nadelschaftes montiert sind, womit sie ei­nen bekannten Typ eines Selektionsorgans bilden, son­dern es wird einzig und allein eingegangen auf die Antriebsmöglichkeiten dieser Nadelstößer unter Be­rücksichtigung der oben genannten Parameter. In be­kannter Weise wird die Kippbewegung des Selektionsor­gans in zwei Etappen ausgeführt, von denen die erste mittels einer geringen Verschiebung darin besteht, den Nadelstößer in Wirkkontakt mit dem Nocken zu bringen. Genau diese erste Etappe bildet den Gegen­stand der Erfindung.

    [0013] Fig. 1 zeigt die unterschiedlichen miteinander zusam­menspielenden Parameter für die Vorselektion der Na­delstößer. In dieser Figur bezeichnet die Bezugszif­fer 1 eine Antriebsnadel der Nadelstößer 2. Diese An­triebsnadel 1 ist longitudinal zu ihrer Achse ver­schiebbar. Im Ruhezustand nimmt sie die dargestellte Stellung ein, wobei das vordere Ende dieser Nadel 1 bis an die Grundlinie 3 reicht. Die Grundlinie 4 ent­spricht der Position, die die Nadelstößer 2 nach der Vorselektion einnehmen sollen.

    [0014] Für die noch folgenden theoretischen Berechnungen werden folgende Werte zugelassen:

    [0015] Der Abstand zwischen zwei Seitenflächen 2a zweier be­nachbarter Nadelstößer 2 mit einer Feinheitsnummer 28 beträgt 0,9 mm und setzt sich aus der Dicke des Na­delstößers von 0,4 mm und aus dem Abstand zwischen den Nadelstößern von 0,5 mm zusammen. Bei einer Bewe­gung des Strickkopfes von 1 m/s beträgt die Zeit zwi­schen dem Vorbeilaufen der zwei Seitenflächen 2a zweier aufeinanderfolgender Nadelstößer 0,9 ms. Die Entfernung zwischen der Stirnseite 2b des Nadelstö­ßers 2 und der Grundlinie 4 beträgt 0,6 mm. Die Masse eines Nadelstößers beträgt 0,3 g, was unter Berück­sichtigung des Trägheitsmoments einer Äquivalenzmasse von 0,1 g entspricht.

    [0016] Eine vollständige Analyse der unter Berücksichtigung der oben genannten Parameter möglichen unterschiedli­chen Antriebsarten der Nadelstößer 2 zeigt, daß man sowohl mit einem Stoß-Antrieb des Nadelstößers als auch mit einer durch seitliches Stoßen gegen eine schräge Oberfläche des Nadelstößers wirkende An­triebsnadel im wesentlichen mit zwei Problemen kon­frontiert sieht. Diese Probleme bestehen in der Rei­bung in den beiden Fällen und im Fehlen der Sicher­heit beim Antrieb durch reinen Stoß. Man hat auch ei­nen Antrieb analysiert, bei dem die beiden in Kontakt tretenden Flächen angeschrägt und parallel zueinander sind, wodurch der Antrieb teilweise durch die Ver­schiebung der Antriebsnadel und teilweise durch die Umfangsgeschwindigkeit des durch den Strickkopf an­getriebenen Nadelstößers erzeugt wird. Der Nachteil dieser Lösung besteht in der Änderung der Antriebs­konditionen des Nadelstößers nach der Inbetriebnahme der Maschine, derart, daß der Antrieb der Nadelstößer in diesem Stadium nicht gewährleistet ist.

    [0017] Das ist der Grund dafür, daß sich als die Lösung der Probleme, welche eine Verbindung der Sicherheitskon­ditionen mit einer Umgehung von Reibung ermöglicht, der Antrieb des Nadelstößers allein durch Stoß erwie­sen hat, was im folgenden näher erläutert wird.

    [0018] Das Prinzip der Bewegungsübertragung durch Stoß ist:
    Vor dem Stoß V₁ V₂
    M₁ M₂
    Nach dem Stoß V′₁ V′₂
    M₁ M₂
    Der Stoß folgt den folgenden zwei Gesetzen, nämlich dem Geschwindigkeitserhaltungssatz:

    M₁ V₁ + M₂ V₂ = M₁ V′₁ + M₂ V′₂,

    und dem des Quotienten R der Wiederherstellung der Ge­schwindigkeiten:

    (V′₂ - V′₁) = - R (V₂ - V₁)

    Wenn R = 1 und V′₂= 0 ist, werden diese Gleichungen zu:

    M₁ V₁ = M₁ V′₁ + M₂ V′₂
    V′₂ - V′₁ = V₁

    Daraus ergibt sich:

    Gegeben sei ein Beispiel mit folgenden Werten:



    [0019] Im folgenden wird untersucht, was sich auf der Ebene der mechanischen Beanspruchungen nach dem Stoß ereig­net. Zu diesem Zweck wird die Methode von Hertz ver­wendet, gemäß Peter A. Engel "Impact Wear of Mate­rials", S. 47 Elsevier 1976. Im Augenblick des Stoßes werden die Materiale unter Erzeugung eines Kraftim­pulses F (t) gedrückt, welcher gemäß den Gleichungen für V′₁ und V′₂ eine Änderung der Bewegungsgröße der beiden gegenwärtigen Massen erzeugt und auf die Massen M₁, M₂ nach folgender Gleichung einwirkt:

    M₁ d² x₁/dt² = -M₂ d²x₂/dt² = - F(t)

    Der Kraftimpuls F(t) ist über dem Wert für die ela­stische Verformung Δx = x₁ - x₂ der Form der in Kontakt stehenden Körper und der Natur der Materiale (Elastizitätsmodul und Poisson-Koeffizient) verbun­den. Im quasi-stationären Zustand kann die Größe der Kraft mittels der Theorie von Hertz als Funktion der elastischen Verformung bestimmt werden. Im Falle zweier Eisenkugeln mit dem gleichen Radius R und ei­nem Elastizitätsmodul von 2 x 10¹¹ N/m² und einem Poisson-Koeffizienten 0,3:

    F = n (Δx)3/2
    mit n = 1,03 x 10¹¹ x R

    Die Differenzialgleichung für die elastische Verfor­mung und die relative Beschleunigung der beiden Mas­sen M₁ und M₂ ist dann:

    (1/n₁) d²(Δx)/dt² + F = 0
    mit n₁ = (M₁ + M₂)/M₁ M₂

    mit den Anfangsbedingungen:

    Δx = 0 und d(Δx)/dt = V₁ - V₂


    [0020] Die Lösung dieser Gleichung liefert die maximale Am­plitude und die Dauer der elastischen Verformung:

    (Δx) max = [1,25 (V₁ - V₂)²/n n₁] 2/5
    T = 2,9 (Δx) max / (V₁ - V₂)

    Die Maximalkraft Fmax, der maximale Radius rmax der Kontaktoberfläche sowie der entsprechende Druck Pmax sind dann:

    Fmax = n (Δxmax)3/2
    rmax = (Δxmax) R/2
    Pmax = 1,5 Fmax/πr



    Gegeben sei folgendes Zahlenbeispiel:

    R = 2 x 10⁻³m, V₁ = 2 m/s
    M₁ = 0,4 g, M₂ = 0,1 g

    Man erhält:
    (Δx)max = 6µm
    T = 8,6 µs
    Fmax = 67 N
    rmax = 80 µm
    Pmax = 5000 MPa


    [0021] Dieses Beispiel zeigt, daß das erfindungsgemäße An­triebsverfahren, welches zum Antrieb des Nadelstößers 2 einen Stoß verwendet, der die geforderten Bedingun­gen auf der Ebene der mechanischen Schnittstelle er­füllt. So kann die dem Nadelstößer gegebene Anfangs­geschwindigkeit größer sein, als 1 m/s, während die geforderte Geschwindigkeit 0,6 m/s beträgt. Der maxi­male Druck von 5000 MPa mit einem Biegeradius der miteinander in Kontakt stehenden Oberflächen von 2 mm ist akzeptabel. Dieser Druck kann außerdem durch Ver­größerung des Biegeradius' reduziert werden. Die Kon­taktzeit liegt in der Größenordnung von 10 µs. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Strickkopf, der die Stricknadeln mit den angelenkten Nadelstößern 2 trägt, sich mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s dreht, beträgt die relative Verschiebung zwischen der Antriebsnadel 1 und dem Selektions-Nadelstößer 2 wäh­ rend der Dauer des Kontaktes 10 µm, welche mit Leich­tigkeit von der Elastizität der Antriebsnadel 2 auf­genommen werden kann, genauso wie das Spiel des Na­delstößers in seiner Führungsnut. Folglich bestätigt es sich, daß mittels dieser Antriebsart durch Stöße jegliche Reibung zwischen der Antriebsnadel 1 und dem Nadelstößer 2 vermieden werden kann, wodurch die Ab­nutzung beträchtlich herabgesetzt und damit die War­tungsarbeiten an der Strickmaschine verringert werden können.

    [0022] Unter der Voraussetzung eines sehr geringen Eindrin­gens der Antriebsnadel in die Bewegungsbahn der An­sätze 2b der Nadelstößer 2 ist es relativ einfach, die Nicht-Zerstörung des Systems für den Fall sicher­zustellen, in dem eine Antriebsnadel 2 nicht ausrei­chend frühzeitig aus der Bewegungsbahn des nachfol­genden Nadelstößers zurückgezogen wird.

    [0023] Da die Übertragung der Bewegung durch Stoß eine ge­wisse Trägheit und somit eine gewisse Masse des Stoß­organs, d. h. der Antriebsnadel, erfordert, erscheint es angebracht, die Bedingungen zu untersuchen, die der Antriebsmechanismus dieser Nadel erfüllen muß.

    [0024] Unter Berücksichtigung der oben genannten festen Vor­gaben für die Strickmaschine beträgt der verfügbare Platz für diesen Antriebsmechanismus 25 mm, die Masse der Nadel bewegt sich zwischen 0,1 und 0,5 g, ihre notwendige Dicke beträgt unter Berücksichtigung der zu beachtenden Sicherheitsmargen 0,4 bis 0,6 mm, die Eindringtiefe in die Bewegungsbahn der Nadelstößer beträgt zwischen 0,2 und 0,3 mm. Die zu erreichende Geschwindigkeit im Augenblick des Stoßes beträgt 1 m/s. Die verfügbare Zeit zum Erreichen dieser Ge­ schwindigkeit beträgt zwischen 0,2 und 0,4 ms, die erforderliche Beschleunigung liegt zwischen 2500 und 5000 m/s². Die Rückwärtsbewegung sollte ähnlich verlaufen, da ein Durchlauf für die Hin- und Rückbe­wegung der Nadel eine Dauer von weniger als 1 ms ha­ben soll.

    [0025] Diese Vorgaben führten in diesem Beispiel zur Wahl eines elektromagnetischen Zweifach-Antriebsmechanis­mus, wie er in Fig. 2 dargestellt ist. Eine nur teil­weise dargestellte Stricknadel 5 ist in einem Ab­schnitt eines Strickkopfes glagert. Ein Selektions­Nadelstößer 2 ist schwingend in einer Aufnahme 6 der Stricknadel 5 montiert. Die Seiten 6a bis 6b dieser Aufnahme 6 sind kreisbogenförmig ausgebildet und die­nen der Übertragung einer kreisbogenförmigen Bewe­gungsbahn auf die Ansätze 2b, 2e des Selektions-Na­delstößers 2 zwischen seinen beiden Grenzpositionen, welche einerseits durch seine beiden Seiten 2c, 2d und andererseits durch den Boden 6c der Aufnahme 6 gebildet werden. Ein Nocken 13 ist gegenüber dem Strickkopf 7 angeordnet. In bezug auf die senkrechte Ebene der Fig. 2 ist dieser Nocken bei einem runden Maschinentyp fest oder beweglich und bei einer recht­eckigen Maschine beweglich und ist dazu bestimmt, mit dem Ansatz 2b des Nadelstößers 2 in Eingriff zu kom­men, so daß der Nadelstößer 2 durch die Antriebsnadel 1 verschoben wird, um ihn in seine zweite Grenzposi­tion zu bringen. Die Antriebsnadel 1 ist in Längs­richtung durch ein Saphir-Gleitlager 8 geführt, wel­ches in einem den elektromagnetischen Mechanismus tragenden Gehäuse B befestigt und einstöckig mit dem Nocken 13 ausgebildet ist. Das hintere Ende dieser Antriebsnadel 1 ist an einer Hülse 9 befestigt, die in Eingriff mit einem Schieber 10 steht, welcher schwingend in dem Spalt zweier Elektromagneten 11 und 12 angeordnet ist. Eine koaxial zur Nadel 1 angeord­nete Rückstellfeder 14 stützt sich mit einem Ende auf einer Lagerfläche des Gehäuses B und mit dem anderen Ende an der Hülse 9 ab, drückt somit also die Hülse 9 gegen den Schieber 10. Ein einstellbares, aus einer Schraube bestehendes Widerlager 15 dient der Begren­zung des Schlupfes des Schiebers 10, um ihn vor einer Berührung mit dem Stator des Elektromagneten 12 zu bewahren und somit ein Hängenbleiben und die Rema­nenz-Erscheinungen zu umgehen. Ein zweites einstell­bares Widerlager 16 weist ein elastisches Element auf, das mit einer Stellschraube 17 verbunden ist, welche, durch ihre Federkraft das elastische Element mehr oder weniger verformen kann und es somit ermög­licht, die Position des Widerlagers einzustellen, um eine Berührung des Schiebers mit dem Stator des Elek­tromagneten 11 zu verhindern. Ferner ist beachtens­wert, daß im Falle eines Stromausfalls die Rückholfe­der 14 ein Zurückziehen der Nadel 1 aus der Bewe­gungsbahn der Nadelstößer ermöglicht.

    [0026] Das bei diesem Typ von Antriebsmechanismus bei seiner Verwendung bei hohen Frequenzen auftretende Problem liegt in der durch die Induktivität der Wicklung er­zeugten Verzögerung. Wenn an die Wicklung eine Ver­sorgungsspannung angelegt wird, fließt nicht sogleich Strom, sondern erst nach einer Zeitfunktion gemäß der Gleichung (für den Fall konstanter Spannung)

    i = (U/L)t,

    mit dem Strom i, der Spannung U, der Induktivität L = φ N/i, der Zeit t, der Wicklungszahl N, dem magne­tischen Fluß φ = BS, der magnetischen Induktion B, dem Querschnitt S des magnetischen Kreises.

    [0027] Der Fluß und die magnetische Induktion können als Funktion der angelegten Spannung ausgedrückt werden:

    φ = (U/N) t
    B = (U/NS) t

    Die Induktion nimmt proportional zur Zeit bis zur Sättigung des ferromagnetischen Materials zu, mit dem Ziel des Induktionswertes Bs nach einer Zeit T:

    Bs = (U/NS) T

    Die auf den beweglichen Schieber ausgeübte Kraft in Höhe der beiden Luftspalte beträgt

    F = B² S/µ₀,

    worin µ₀ die magnetische Feldkonstante für den luftleeren Raum ist. Als Funktion der Zeit ist die Kraft:

    Man sieht, daß die Kraft eine Funktion von t² ist, was eine gehörige Verzögerung beim Auftreten der Ge­schwindigkeit v mit sich bringt. Betrachtet man die Beschleunigung: F/m, wobei m die Masse des Schiebers 10 ist, so erhält man:

    dv / dt = F/m=(B

    S/T²µ₀m) t²
    v = (B

    S/T²µ₀m) (t³/3)

    Die Verschiebung e ist durch Integration des Aus­drucks v = de/dt erhältlich:

    e = (B

    S/T²µ₀m) (t⁴/12)

    Die Kraft erreicht ihr Maximum zum Zeitpunkt t=T. Die entsprechende Geschwindigkeit und Verschiebung sind:

    v (T) = (B

    S/3µ₀m) T
    e (T) = (B

    S/3µ₀m) (T²/4)


    [0028] Die Masse m ist abhängig von dem Querschnitt S des magnetischen Kreises, unter der Voraussetzung, daß der einen Teil dieses magnetischen Kreises bildende Schieber 10 auch den gleichen Querschnitt besitzt. Wird letzterer rechteckig mit der Seitenlänge a, wo­bei der Querschnitt dann überall = a² ist, und un­ter der Voraussetzung, daß die Länge des Schiebers 10 = 3a ist, wird seine Masse zu:

    m = 3 a³ d (d = Dichte)

    Schließlich:

    v (T) = (B

    /9µ₀ad) T
    e (T) = (B

    /9µ₀ad) (T ²/4)

    Das setzt voraus, daß die Induktion B überall den Wert Bs besitzt, wenn t = T. Daraus ergibt sich, daß U/NS = Bs/T ist. Folglich erhält man:

    U/N = S Bs/T = a² Bs/T


    [0029] Beispielhaft sollen jetzt die Werte für die Geschwin­digkeit und für die Verschiebung untersucht werden, welche mit folgenden Werten erreicht werden können:

    Bs = 1,5 Tesla, a = 4 x 10⁻³m, d = 8 x 10³ Kg/m³

    Dann ist:

    v (T) = 6200 T und e (T) = 1550 T²

    für T = 0,2 x 10⁻³ s ergibt sich dann:

    v = 1,25 m/s und e = 60µm


    [0030] Wenn die in diesem theoretischen Beispiel erreichte Geschwindigkeit ausreichend ist, so ist es die Ver­schiebung nicht. Um die nötigen 400 µm zu erreichen, ist unter diesen Bedingungen eine zusätzliche Zeit von 0,27 ms nötig, wodurch sich die Gesamtzeit auf 0,47 ms beläuft.

    [0031] Ferner ergibt sich theoretisch ein Verhältnis

    U/N = 0,12 Volt,

    welches den Streufluß nicht berücksichtigt. Nun liegt dieser in der gleichen Größenordnung wie der Haupt­fluß, so daß bei einer gleichmäßigen Durchflutung der erzeugte Fluß den doppelten Wert besitzt wie derjeni­ge, der die Kraft erzeugt. Die Induktivität ist somit doppelt so groß, so daß das zu berücksichtigende Ver­ hältnis U/N = 0,24 Volt beträgt.

    [0032] Wenn man berücksichtigt, daß der Schieber 10 drehbar angeordnet ist und daß deshalb seine Rotationsträg­heit nur zwischen 0,6 und 0,7 g liegt, und daß die elektromagnetische Kraft nur über einem Luftspalt (Fig. 2) ausgeübt wird, der diese Kraft durch zwei teilt, erreicht man die gewünschte Dimensionierung.

    [0033] Der Wert des verbrauchten Stromes liegt bei I = (U/L) T. Die Induktivität bewegt sich in der Größenordnung:

    L = N² /Reluktanz

    Wobei die Reluktanz = g/Sµ₀ = g/a²µ₀ ist. g entspricht dem Luftspalt, beispielsweise 0,5 mm, wodurch sich für die Reluktanz ergibt (unter Berück­sichtigung des Streuzuflusses):

    Reluktanz = 1,25 x 10⁷

    Schließlich erhält man mit:

    N = 100→L = 0,8 mH, U = 24 Volt, I = 6A
    N = 500→L = 20 mH, U = 120 Volt, I = 1,2A


    [0034] Die Rückbewegung der Antriebsnadel 1 nach dem Stoß gegen den Selektions-Nadelstößer 2 muß durch eine entgegenwirkende Kraft sichergestellt sein. Das ist die Aufgabe des Elektromagneten 12, der wie der Elek­tromagnet 11 dimensioniert ist, unter der Vorausset­zung, daß die Rückbewegung des Schiebers 10 identisch mit der Vorwärtsbewegung ist, unter der Bedingung, daß die Geschwindigkeit nach dem Stoß gleich Null sein soll und daß ein Widerlager die Geschwindigkeit vor der Rückholbewegung anuliert.

    [0035] Die Diagramme der Fig. 3a bis 3d zeigen jeweils über eine gleiche Zeitachse aufgetragen die Impulse der Spannung U und des Stromes I einerseits und der Ge­schwindigkeit v sowie der Verschiebung e andererseits für einen vollständigen Zyklus, wobei die Elektromag­neten 11 und 12 jeweils eine Wicklungszahl N = 100 besitzen.

    [0036] Zu entnehmen ist, daß die Bewegung der Antriebsnadel 1 theoretisch einen Wert von 400 µm bei 0,4 ms er­reicht. Zum Zeitpunkt t₁ überträgt sich der Stoß unter plötzlichem Verlust der Geschwindigkeit dieser Nadel, zum Zeitpunkt t₂ beendet ein Widerlager die Vorwärtsbewegung. Bei der Rückbewegung des Schiebers 10 wird die Antriebsnadel 1 mitgenommen. Ein hinteres Widerlager beendet diese Rückbewegung, und der gesam­te Zyklus dauerte 0,95 ms.

    [0037] Die Vorrichtung gemäß Fig. 2 wurde realisiert, um praktisch das in die Tat umzusetzen, was vorstehend theoretisch dargestellt wurde.

    [0038] Diese Vorrichtung wurde nach dem Prinzip eines Nadel­druckerkopfes realisiert, mit einem Wolframdraht mit einem Durchmesser von 0,35mm, der elastisch gegen den Schieber 10 gehalten und in dem Saphierlager 8 ge­führt ist.

    [0039] Der Versorgungskreis liefert der Wicklung des Elek­tromagneten 11, der die Vorwärtsbewegung der An­triebsnadel 1 bewirkt (Induktivität =5,5mH bei 1 KHz, Widerstand = 12 Ohm) einen Spannungspuls von 140 Volt für 0,12 ms und der Scheitelwert des Stromes beträgt 3,2 A.

    [0040] Vor dem Steuerbefehl zum Rückholen der Antriebsnadel liefert der Versorgungskreis an den Elektromagneten 12 (Induktivität = 0,4 mH bei 1 KHz, Widerstand = 0,5 Ohm) einen Spannungspuls von 40 Volt für 0,12 ms, 0,4 ms nach dem Steuerbefehl des Elektromagneten 11. Der Scheitelwert des Stromes liegt bei 11A.

    [0041] Das Verhalten dieser Vorrichtung war Gegenstand einer stroboskopischen Überwachung und die Verschiebungen wurden mittels einer im Beobachtungsmikroskop verbun­denen Feintriebskala gemessen. Die Dauer dieser Ver­schiebungen wird mit Hilfe der Speisestrompulse der Diode LED des Stroboskops gemessen, die auf Oscillo­graphen beobachtet werden. Durch Einstellung der Po­sition des Versorgungsimpulses dieser Diode LED in bezug auf den Steuerbefehl der Antriebsnadel 1 ist es möglich, das Diagramm der Fig. 5 aufzuzeichnen, wel­ches die Verschiebung der Nadel 1 anhand der durchge­zogenen Kurve und der des Nadelstößers anhand der ge­strichelten Kurve zeigt. Die Abschnitte A und B stel­len die Steuerimpulse dar. Zugelassen ist eine Ge­schwindigkeit der Nadel 1 im Augenblick des Stoßes in der Größenordnung von 1,5 m/s, so daß die Geschwin­digkeit des Nadelstößers unmittelbar nach dem Stoß in der Größenordnung von 1 m/s liegt, was die vorstehend berechnete erforderliche Geschwindigkeit von 0,6 m/s übertrifft.

    [0042] Zur Erläuterung wird angemerkt, daß diese Versuche unter Laborbedingungen durchgeführt wurden, mit einem einzigen Selektions-Nadelstößer 2 und unter fortwäh­render Einwirkung auf den gleichen Ansatz dieses Na­ delstößers, der durch eine Rückholfeder zurückgeholt wird, welche auf den anderen Ansatz des Nadelstößers einwirkt, die die Bewegung des Nadelstößers in bezug auf reelle Konditionen verlangsamt, welche vorteil­hafter wären. Inzwischen hat man eine Feder ausge­wählt, deren Härte so gering wie möglich ist, um die Störung auf ein Minimum zu reduzieren; die Wiederho­lungsfrequenz des Antriebs kann somit ausreichend hoch sein, um realitätsnahe Betriebsbedingungen zu reproduzieren.

    [0043] Fig. 4 zeigt die relativen Positionen der Antriebsna­del 1 und des Selektions-Nadelstößers 2 in ihren ent­sprechenden zwei extremen Positionen vor und nach dem Stoß. Der Nadelstößer 2 befindet sich im Ruhezustand in 0,2 mm Entfernung von dem Ende der Nadel 1. Nach dem Stoß bewegt sich die Nadel bis zu einem Abstand von 0,4 mm von ihrem Ruhepunkt und der Nadelstößer schwenkt in seiner Aufnahme 6, um eine Amplitude von 0,6 mm zu erreichen.

    [0044] Weitere Versuche wurden noch dahingehend durchge­führt, den magnetischen Fluß möglichst schnell auf­treten zu lassen, insbesondere den durch den Elektro­magneten 11 erzeugten Fluß, der die Vorwärtsbewegung der Antriebsnadel 1 bewirkt. Um dieses Ergebnis zu erreichen, ist ein größeres Verhältnis U/SN und eine größere Spannung erforderlich. Hier ist die Spannung U gleich 75 Volt, der Querschnitt S = 24 mm² und die Wicklungszahl N = 200.

    [0045] Der Scheitelwert des Stromes beträgt 4 A, die Impuls­dauer beträgt 100 µs und die Geschwindigkeit be­trägt ∼ 2,4 mS. Diese Werte wurden in die Diagramme der Fig. 3 und 5 in strichpunktierten Linien einge­ tragen, um sie von den theoretischen Werten zu unter­scheiden. Man stellt eine klare Verbesserung der Lei­stungswerte fest. Angenommen, daß sich noch ein Fluß rasch ändert und er außerdem erhöhte Verluste durch den Foucaultschen Strom erzeugt, ist es nötig, auf magnetisches Material erhöhter Resistivität zurück­greifen zu können, wie etwa auf Silicium-haltiges Ei­sen mit ausgerichteten Spänen, und den magnetischen Kreis mit einem derartigen Material in Form von dünn­blättrigen Blechen zu realisieren. Die für die festen Magnetanker der Elektromagneten 11 und 12 übernommene Lösung ist diese genannte des magnetischen Kreises C, der, wie die unter der Marke Trafoperm® im Handel befindlichen Kreise durch Vakuum-Schmelze getrennt sind. Der Schieber 10 besteht auch aus blattförmigen, wenigstens glatten Blechen, selbst an der Schnitt­stelle, was bevorzugt wird. Der Schieber ist zweifach einer Erwärmung ausgesetzt, indem er zweimal eine Än­derung des Flußes erfährt, nämlich während der Vor­wärts- und der Rückwärtsbewegungen.

    [0046] Fig. 6 zeigt eine Ausführungsform dieses Schiebers 10, der aus einem Blech 10a in U-Form gebildet ist, in welches flache Bleche 10b geschichtet sind. Um diesen Schieber leichter zu gestalten, kann die Länge der Bleche 10b auf die Länge des Luftspalts der Elek­tromagneten 11, 12 beschränkt sein, wobei der aus dem Luftspalt hervortretende Abschnitt des Schiebers 10, an dem die Nadel befestigt ist, nur durch das U-Pro­fil 10a gebildet ist.

    [0047] Ein wesentliches Element dieser Erfindung ist die sehr wichtige Kraftkonzentration auf die Nadel 1. Be­trägt beispielsweise die Oberfläche des Schiebers 10 in dem Luftspalt 24 mm², wobei eine Nadel mit nur 0,3 mm Durchmesser dann nur eine Oberfläche 0,1 mm² aufweist, ergibt sich ein Verhältnis von 240, wobei die gesamte Energie auf diese Oberfläche von 0,1 mm² konzentriert wird.

    [0048] Es wird noch darauf hingewiesen, daß zur Reduzierung der Erwährmung des Schiebers 10 die Spannung an der Wicklung 12 auf 50 Volt reduziert werden kann, so daß der Spitzenstrom auf 2 A sinkt. Unter Berücksichti­gung der erhaltenen Leistungsdaten kann die Vorrich­tung 2000 Hz erreichen. Angenommen, daß man aus me­chanischen Gründen nicht über ∼ 1100 Hz hinausgehen will, kann man die Rückholgeschwindigkeit der Nadel reduzieren. Die Langzeitversuche mit dem Stoß (10 aufeinanderfolgende Stunden) haben keinerlei Abnut­zungserscheinungen an der Nadel 1 oder an dem Ansatz 2b des Nadelstößers 2 gezeigt. Jedenfalls ist die Kraftausübung durch ein gewisses Ausknicken der Nadel 1 begrenzt.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Antrieb der Selektions-Nadelstößer einer Strickmaschine, die zwei Grenzpositionen ein­nehmen können, wobei mit dem Verfahren der Weg von der ersten zur zweiten dieser Grenzpositionen in zwei Etappen zurückgelegt wird, von denen die erste Etappe darin besteht, ein Element des Nadelstößers mit einem Nocken in Eingriff zu bringen, und die zweite Etappe sich aus der relativen Verschiebung des Nockens und des Nadelstößers quer zur Schwingungsbahn-Ebene des Nadelstößers ergibt,
    dadurch gekennzeichnet, daß, um das Element des Na­delstößers mit dem Nocken in Eingriff zu bringen, der Nadelstößer verschoben wird, indem auf eine seiner Oberflächen, die einen Hebelarm mit seinem Anlenk­punkt bildet, eine Bewegungsübertragung mit Hilfe ei­nes elastischen Stoßes ausgeübt wird.
     
    2. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß der Stoßmechanismus des Nadelstößers eine schlanke, in Längsrichtung geführte Nadel aufweist, deren hinteres Ende mit dem freien Ende einer beweglichen Armatur verbunden ist, welcher mit seinem anderen Ende gelenkig verbunden und zwei Elektromagneten zugeordnet ist, die abwechselnd ge­gensinnige Kräfte auf diese bewegliche Armatur aus­üben.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß auf die Oberfläche des Nadelstößers ein Stoß ausgeübt wird, der ausreicht, dem Nadelstößer eine Minimalgeschwindigkeit von 0,6 m/s zu übertragen.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß der elastische Stoß aus­geübt wird, indem einem Stoßorgan eine Beschleunigung größer als 2500 m/s² übertragen wird.
     
    5. Verfahren nach Anspruch 4,
    dadurch gekennzeichnet, daß das Eindringen des Stoß­organs in bezug auf die erste Stellung der stoßbeauf­schlagten Oberfläche des Nadelstößers nach dem Stoß und nach der Separation der an dem Stoß beteiligten Organe auf weniger als 0,3 mm begrenzt.
     
    6. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß der elastische Stoß aus­geübt wird, indem ein Stoßorgan sowohl in Vorlauf­richtung als auch in Rücklaufrichtung angetrieben wird.
     
    7. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß die durch den Stoß be­dingte Verschiebung der Oberfläche des Nadelstößers, auf die der Stoß ausgeübt wird, in der Größenordnung von 0,6 mm liegt.
     
    8. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß Stöße auf die Nadelstößer aufeinanderfolgender Nadeln der Strickmaschine ausge­übt werden, welche sich bei einer Frequenz in der Größenordung von 1000 Hz auf einem gleichen Selek­tionsniveau befinden.
     
    9. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis zwischen der Oberfläche der beweglichen Armatur zwischen den zwei Elektromagneten und des Nadelquerschnitts größer als 200 ist.
     
    10. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet, daß der Magnetkreis jedes Elektromagneten und die bewegliche Armatur aus ge­blechtem Material bestehen.
     
    11. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet, daß die schlanke Nadel im we­sentlichen senkrecht zu einem Stricknadeln tragendem Strickkopf angeordnet ist.
     
    12. Vorrichtung nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet, daß eine Rückholfeder mit der schlanken Nadel verbunden ist, die ständig bestrebt ist die Nadel an die bewegliche Armatur zu ziehen.
     




    Zeichnung










    Recherchenbericht