[0001] Es handelt sich um ein Verfahren zur Wärmebehandlung von Metallen mit zunächst in
verflüssigter Form vorliegenden, kalten Ausgangsgasen und Abgasen und/oder anderen
verunreinigten Prozeßgasen.
[0002] Wärmebehandlungen von Metallen in Öfen werden in aller Regel unter Schutzgasatmosphären
bei Temperaturen von etwa 500 bis 1200 °C durchgeführt, wobei die hohen Temperaturen
häufig mit Gasbrennern erzeugt werden. Sowohl verbrauchtes Schutzgas als auch die
Abgase der Heizbrenner werden heute in der Regel ungenutzt abgeleitet. Dies ist aus
ökonomischer Sicht nicht unbedingt sinnvoll und vor allem nicht umweltfreundlich.
[0003] Aus der DE-PS 31 04 280 sind Verfahren bekannt, die durch geeignete Verbrennung der
Brennerheizgase ein aufbereitbares Abgasgemisch erzeugen, das dann mit einer üblichen
Gasaufbereitungsanlage zu Schutzgas aufbereitet wird. Diese Verfahren setzen aber
einen nicht unbeträchtlichen Aufwand voraus.
[0004] Ein weiteres Problem in der Wärmebehandlung von Metallen besteht darin, daß bei speziellen
Wärmebehandlungen besonders hochwertige Schutzgase, z.B. mit sehr niedrigen CO₂- und
H₂O-Anteilen notwendig sind, z.B. beim Kohlungsneutralglühen. Diese Forderung ist
mit einem Gasgenerator oder einer im Ofen liegenden, Schutzgas erzeugenden Retorte,
z.B. einem Katalysatoreinsatz, unter Umständen nicht erreichbar, so daß das erzeugte
Schutzgas vor Einführung in den Ofen einer Vorreinigung unterzogen werden muß. Diese
ist bisher nur mit sehr teuren MEA-Waschanlagen oder Molekularsiebeinrichtungen möglich.
[0005] Die Aufgabenstellung der vorliegenden Erfindung besteht deshalb darin, ein wirtschaftliches
und effektives Verfahren zur Reinigung von Abgasen und und anderen verunreinigten
Prozeßgasen bereitzustellen.
[0006] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß zumindest ein Teil der Abgase und/oder der
verunreinigten Prozeßgase durch direkten und/oder indirekten Wärmetausch mit mindestens
einem der in verflüssigter Form vorliegenden Ausgangsgase so gekühlt wird, daß die
darin enthaltenen Verunreinigungen kondensieren oder ausfrieren und die kondensierten
oder ausgefrorenen Verunreinigungen vom so entstehenden Produktgas abgetrennt werden.
[0007] Das beschriebene Verfahren ist besonders vorteilhaft, da ein in verflüssigter Form
vorrätig gehaltenes Prozeßgas, wie es bei vielen Wärmebehandlungsverfahren der Fall
ist, zur Lösung einer zusätzlichen Aufgabe dient. Es wird die zur Vergasung des Flüssiggases
notwendige latente Wärme bzw. Kälte genutzt, die bei bekannten Verfahren einfach der
Umgebung entnommen wird, also ungenutzt bleibt, um die Reinigung eines ebenfalls im
Prozeßablauf auftretenden Gases, z.B. Heizbrennerabgase oder verbrauchtes Schutzgas,
über Kondensation und Ausfrieren von unerwünschten Stoffen zu erreichen. Dabei werden
insbesondere Kohlendioxid, Wasserdampf und Kohlenwasserstoffe "herausgefiltert". Das
Verfahren liefert so ein, den heutigen Umweltschutz-anforderungen gerecht werdendes
Abgas oder gegebenenfalls ein weiter verwendbares Produktgas.
[0008] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird zumindest ein Teil
des gereinigten Gases für die laufende Wärmebehandlung verwendet.
[0009] Aufgrund der Reinigung bestimmter Prozeßgase ist zumindest eine teilweise Verwendung
des daraus entstehenden Produktgases, z.B. zur Schutzgasbildung oder als Fluidisierungsgas
für den Betrieb von Wirbelschichtöfen, möglich. Dies führt zum Teil zu erheblichen
Einsparungen, z.B. bei der Verwendung zur Schutzgasbildung zu Einsparungen bis zu
50 % bei den ansonsten noch zur Schutzgaserzeugung notwendigen Ausgangsmedien.
[0010] In einer günstigen Ausgestaltung des Verfahrens werden die zu reinigenden Gase mit
Hilfe mindestens eines Injektors, in dem das Flüssiggas unter Erzeugung des Wasserstrahlpumpeneffekts
eingedüst wird, angesaugt und direkt mit dem Flüssiggas in Berührung gebracht.
[0011] Durch den Einsatz eines Injektors kann auf ein eigenständiges Pumpaggregat verzichtet
werden und es wird durch die direkte Berührung zwischen Flüssiggas und zu reinigendem
Gas ein schnelles Abkühlen, Kondensieren und Ausfrieren erreicht.
[0012] Besonders vorteilhaft ist es, wenn zur Abscheidung der Kondensate und Ausfrierprodukte
zwei vertauschbar geschaltete Abscheider verwendet werden, von denen jeweils einer
abscheidet, während der andere regeneriert wird.
[0013] Dieses Vorgehen ermöglicht eine kontinuierliche Verfahrensführung mit einfacher Entnahme
der angefallenen Verunreinigungen während der Regenerationszeit eines Abscheiders.
[0014] Die Ansprüche 5 bis 8 enthalten Verfahrensvarianten, in denen das erfindungsgemäße
Verfahren besonders vorteilhaft Anwendung findet oder besonders vorteilhafte Ausgestaltungen
in speziellen Anwendungsfällen.
[0015] Im folgenden sollen Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen Verfahrens anhand
der Figuren näher erläutert werden.
[0016] Es zeigen:
Figur 1 Schema zur Brennerabgasreinigung mit Weiterverwendung des gereinigten Abgases
als Schutzgas
Figur 2 Schema zur Herstellung hochreinen Schutzgases bei Schutzgaserzeugung mit Erzeugungsretorte.
[0017] In Figur 1 ist der Einsatz des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Reinigung und Aufbereitung
des Abgases der Heizbrenner bei einer Wärmebehandlungseinrichtung dargestellt. Das
von einem Heizbrenner 1 aus einem Wärmebehandlungsofen 2 kommende Abgas wird über
einen Vorkühler 3 durch einen, die Wirkung einer Wasserstrahlpumpe besitzenden Flüssiggasinjektor
4 angesaugt und in einen von zwei parallel angeordneten Abscheidern 5, 6 weitertransportiert.
In der in der Zeichung dargestellten Einstellung ist Abscheider 5 als Abscheider geschaltet,
wogegen sich Abscheider 6 im Regenerationszustand befindet. Der als Filter geschaltete
Abscheider 5 wird mit flüssigem Stickstoff gekühlt, so daß darin Schadstoffe kondensieren
und ausfrieren bzw. kondensiert und ausgefroren bleiben. Ihn verläßt ein weitgehend
verunreinigungsfreies Produktgas, das problemlos in die Atmospäre entlassen werden
kann, oder zumindest teilweise zur Bildung von Schutzgas unter geeigneter Beimischung
weiterer Ausgangsgase oder Alkohole, z.B. Stickstoff oder Wasserstoff bzw. Methanol
oder Äthanol, in einer Mischeinheit 7 einsetzbar ist. Der zur Kühlung verwendete Flüssigstickstoff,
der sich danach in gasförmigen Zustand befindet, wird in die Versorgung mit gasförmigem
Stickstoff eingespeist und gelangt so zu seiner eigentlichen Anwendung. Der zur Regeneration
geschaltete Abscheider 6 wird währenddessen "aufgetaut" und die angesammelten Schadstoffe
werden in flüssiger Form abgeführt oder in gasförmiger Form mit einem geringen Gasstrom
ausgetrieben und geeignet entsorgt.
[0018] Das gesamte, eben beschriebene Verfahren ist so abzustimmen¸ daß möglichst die gesamte
Abgasmenge einer Reinigung unterzogen wird. Entsprechende Kriterien sind auch bei
den anderen Verfahrensvarianten anzulegen.
[0019] Figur 2 zeigt ein Schema zur Herstellung von hochreinem Schutzgas, das mit einer
im Wärmebehandlungsofen 2 liegenden Retorte 9 erzeugt wird und das vor seiner eigentlichen
Einspeisung in den Ofen 2 vorgereinigt wird. Das geringfügig Verunreinigungen enthaltende
Schutzgas wird nach seiner Synthese in der Retorte 2 abgesaugt und dann, wie im vorhergehenden
Ausführungsbeispiel beschrieben, gereinigt, wobei eine beliebige Verdünnung mit Stickstoff
einerseits durch den Injektor und andererseits durch anderweitige Zugabe von gasförmigem
Stickstoff erfolgen kann. Dieses Produktgas wird dann als hochreines Schutzgas dem
Ofen 2 zugeführt. Auch bei Schutzgaserzeugung mit einem Gasgenerator kann das Schutzgas
einer solchen Reinigung direkt nach der Erzeugung im Generator unterzogen werden.
Parallel zur jetzt beschriebenen Vorreinigung von Schutzgas kann natürlich auch eine
Abgasreinigung und Wiederverwendung durchgeführt werden.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren stellt durch seine geschickte, vernetzte Ausnutzung
vorhandener Eigenschaften und Möglichkeiten, wie z.B. die Ausnutzung der latenten
Wärme des Flüssiggases einerseits und andererseits gleichzeitig die Herstellung von
gasförmigem Gas aus flüssigem Gas sowie die Bereitstellung von weiter verwendbarem
Gas aus Abgas oder verbrauchtem Schutzgas, ein sowohl wirtschaftliches, weil sparsam
im Verbrauch von Ausgangsgasen sowie umweltfreundliches, weil verunreinigungsarmes
Abgas, Verfahren dar.
Verfahren zur Wärmebehandlung von Metallen mit zunächst in verflüssigter Form vorliegenden,
kalten Ausgangsgasen und Abgasen und/oder anderen verunreinigten Prozeßgasen, dadurch
gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil der Abgase und/oder der verunreinigten Prozeßgase
durch direkten und/oder indirekten Wärmetausch mit mindestens einem der in verflüssigter
Form vorliegenden Ausgangsgase so gekühlt wird, daß die darin enthaltenen Verunreinigungen
kondensieren oder ausfrieren und die kondensierten oder ausgefrorenen Verunreinigungen
vom so entstehenden Produktgas abgetrennt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil des Produktgases
für die laufende Wärmebehandlung verwendet wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das zu
reinigende Gas mit Hilfe mindestens eines Flüssiggassinjektors angesaugt und direkt
mit dem Flüssiggas in Berührung gebracht wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zur Abscheidung
der Kondensate und Ausfrierprodukte zwei vertauschbar geschaltete Abscheider vorgesehen
sind, wovon jeweils einer abscheidet, während der andere regeneriert wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Abgase
der Heizbrenner der Wärmebehandlungseinrichtung und/oder verbrauchtes Schutzgas gereinigt
oder aufbereitet werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1, 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß unverbrauchtes,
Verunreinigungen enthaltendes Schutzgas, z.B. von einem Gasgenerator oder einer Schutzgas-Erzeugungs-Retorte,
zu hochreinem Schutzgas gereinigt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß bei Sauerstoffeinsatz
bei einer Wärmebehandlung, z.B. bei Verwendung von Sauerstoffheizbrennern, auch Sauerstoff
zum Kondensieren und Ausfrieren von Verunreinigungen eingesetzt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß
das Abgas vor der Reinigung durch Kondensieren und Ausfrieren zur Entfernung von brennbaren
Verunreinigungen, wie Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffen und Wasserstoff, einer Verbrennung
unterzogen wird, wobei Sauerstoff oder sauerstoffhaltige Gase zugesetzt werden.