[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Direktreduktion von eisenoxidhaltigen Materialien
mittels fester kohlenstoffhaltiger Reduktionsmittel zu Eisenschwamm im Drehrohrofen,
wobei grobkörniges eisenoxidhaltiges Material in das Beschickungsende des Drehrohrofens
chargiert wird und feinkörniges eisenoxidhaltiges Material in die Reduktionszone eingeblasen
wird.
[0002] Bei der Direktreduktion von Stückerzen oder Pellets im Drehrohrofen zu Eisenschwamm
unterhalb des Erweichungspunktes der Beschickung unter Verwendung von festen, kohlenstoffhaltigen
Reduktionsmitteln wird vor dem Einsatz in den Drehrohrofen meistens eine Absiebung
der feinen Körnung unter etwa 5 mm vorgenommen. Diese Absiebung des feinen Kornanteiles
ist deshalb notwendig, weil der Feinanteil auf dem Wege durch den Drehrohrofen schneller
aufgeheizt und reduziert wird als das grobstückige Material und daher leicht zur Überhitzung
bzw. zur Reoxidation neigt. Dies führt dann, insbesondere in Verbindung mit der Kohlen-Asche,
zur Erweichung der Beschickung und zur Ansatzbildung. Bei der Verarbeitung von Stückerzen
wird oft ein vorgebrochenes Material, z.B. mit einer Korngröße von 60 bis 100 mm,
angeliefert, das dann auf die vorgesehene obere Korngröße von etwa 15 bis 25 mm zerkleinert
wird. Der hierbei anfallende Feinanteil unter 5 mm kann bis zu etwa 25 % des Ausgangsmaterials
betragen. Dieser Feinanteil kann nur unter Preisabschlägen verkauft werden oder muß
deponiert werden und belastet so die Herstellungskosten für den Eisenschwamm.
[0003] Aus der GB-PS 1 098 157 ist ein Verfahren zur Direktreduktion feinkörniger Eisenerze
bekannt, bei dem evtl. vorhandene Anteile mit einer Korngröße über 5 mm oder über
2 mm abgesiebt werden und in das Beschickungsende des Drehrohrofens chargiert werden,
während das feinkörnige Erz vom Austragsende des Drehrohrofens eingeblasen und mindestens
auf einer Länge von 4 m auf der Beschickung verteilt wird. Bevorzugt wird aus dem
feinkörnigen Erz der Feinstanteil mit einer Korngröße unter 0,06 mm abgesiebt, pelletiert
oder brikettiert und dann in das Beschickungsende chargiert. Wenn nur geringe Anteile
mit einer Korngröße über 5 mm oder 2 mm vorliegen, wird das gesamte Erz eingeblasen.
Auch der stückig gemachte Feinstanteil kann eingeblasen werden. Eine Anwendung dieses
Verfahrens auf den Feinanteil von stückigen Erzen führt jedoch nicht zu befriedigenden
Betriebsergebnissen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei der Verarbeitung von stückigen, eisenoxidhaltigen
Materialien den Feinanteil möglichst wirtschaftlich ohne Nachteil für das Verfahren
zu verwerten.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß dadurch, daß das stückige eisenoxidhaltige
Material vor der Aufgabe in den Drehrohrofen bei einem Siebschnitt von 3 bis 6 mm
und einem Siebschnitt von 0,8 bis 1,5 mm in eine grobe Fraktion, eine feine Fraktion
und eine Feinst-Fraktion getrennt wird, die grobe Fraktion in das Beschickungsende
des Drehrohrofens chargiert wird, und die feine Fraktion vom Austragsende des Drehrohrofens
in die Reduktionszone eingeblasen und auf der Beschickung verteilt wird. Der Ausdruck
"stückiges eisenoxidhaltiges Material" umfaßt sowohl stückiges Eisenerz als auch pelletiertes
Eisenerz oder andere Eisenoxid enthaltende Stoffe wie z.B. Stäube aus der Stahlherstellung.
Bei einem aus Pellets bestehenden Einsatzmaterial besteht die feine Fraktion aus Pellet-Bruch
und Abrieb. Unter dem Ausdruck "Siebschnitt" ist eine Absiebung bei konstanter Sieböffnung
in dem angegebenen Bereich zu verstehen. Das Einblasen der feinen Fraktion in das
Austragsende des Drehrohrofens erfolgt mit einem gasförmigen Trägermedium, vorzugsweise
Luft. Dabei werden gröbere Partikel weiter in den Ofen geschleudert als feinere Partikel.
Die Menge und die Verteilung der feinen Fraktion des Materials werden so eingestellt,
daß das Material bis zum Austrag aufgeheizt und weitgehend reduziert wird. Das Einblasen
kann mittels einer oder mehrerer Einblasvorrichtungen erfolgen. Die Einblasweite kann
durch Veränderung des Einblaswinkels der Einblasvorrichtung und/oder Veränderung der
Einblasgeschwindigkeit eingestellt und geregelt werden. Die feine Fraktion kann separat
oder zusammen mit festem Reduktionsmittel eingeblasen werden. Der Drehrohrofen kann
sowohl im Gegenstrom als auch im Gleichstrom zwischen Strömungsrichtung der Beschickung
und Gasatmosphäre im Ofen betrieben werden. Beim Gegenstromverfahren wird die feine
Fraktion in Strömungsrichtung der Gasatmosphäre eingeblasen und beim Gleichstromverfahren
gegen die Strömungsrichtung der Gasatmosphäre. Die Reduktionszone des Drehrohrofens
ist die Zone, in der eine Reduktion zu metallischem Eisen erfolgt.
[0006] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß die feine Fraktion des eisenoxidhaltigen
Materials bis zu 40 % der Ofenlänge, gerechnet vom Austragsende des Drehrohrofens,
vorzugsweise 15 bis 20 % der Ofenlänge, eingeblasen wird. Bei dieser Einblaslänge
wird eine sehr gute und schnelle Reduktion des eingeblasenen Materials ohne Störung
des Ofenbetriebes erzielt.
[0007] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß die feine Fraktion des eisenoxidhaltigen
Materials ohne Zusatz von festem kohlenstoffhaltigem Reduktionsmittel in den Drehrohrofen
eingeblasen wird. Die separate Einblasung der feinen Fraktion ermöglicht eine besonders
gute und gleichmäßige Verteilung auf der Beschickung.
[0008] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß die feine eisenoxidhaltige Fraktion
im oberen Quadranten des Ofenquerschnittes auf die von der Wand des Ofens ablaufende
Beschickung verteilt wird. Wenn der Drehrohrofen nach links gedreht wird, wird die
feine Fraktion in den oberen, rechten Quadranten des Ofenquerschnittes auf die Beschickung
verteilt. Dadurch wird eine längere Verweilzeit des eingeblasenen Materials auf der
Oberfläche des abrollenden Beschickungsbettes erzielt, ehe das Material in das Bett
eingezogen wird. Das Material hat deshalb eine längere Verweilzeit zur Aufheizung
auf der Oberfläche der Beschickung zur Verfügung.
[0009] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß die Feinst-Fraktion des eisenoxidhaltigen
Materials zusammen mit dem aus dem Drehrohrofen ausgetragenen reduzierten Material
in den indirekten Kühler chargiert wird. Das aus dem Ofen ausgetragene, reduzierte
Material wird unter Luftabschluß in den indirekten Kühler chargiert. Der Kühler steht
mit der reduzierenden Gasatmosphäre am Austragsende des Drehrohrofens in Verbindung,
so daß die Kühlung unter reduzierenden Bedingungen erfolgt. Der Kühler wird auf seiner
Außenseite mit Wasser berieselt. Die Feinst-Fraktion wird im ersten, noch ausgemauerten
Teil des Kühlers noch weitgehend reduziert. Dadurch kann auch die Feinst-Fraktion
ohne zusätzlichen Aufwand und ohne Nachteile für das Verfahren weiterverarbeitet werden.
[0010] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß die Feinst-Fraktion des eisenoxidhaltigen
Materials in die Transfer-Schurre zwischen Austragsende des Drehrohrofens und Eintragsende
des indirekten Kühlers aufgegeben wird. Dadurch wird eine besonders gute Vermischung
in einfacher Weise erzielt, die Feinst-Fraktion bereits in der Transfer-Schurre aufgeheizt
und dementsprechend eine sehr gute Reduktion der Feinst-Fraktion im Kühler erzielt.
[0011] Bei einem im Gleichstrom betriebenen Drehrohrofen kann die Feinst-Fraktion auch in
das Austragsende des Drehrohrofens eingeblasen werden. Sie wird dann weitgehend von
der Ofenatmosphäre mitgerissen, aus dem Ofen ausgetragen und gelangt in den Kühler
oder Heißgutbunker.
[0012] Eine Ausgestaltung besteht darin, daß die Feinst-Fraktion vor dem Einsatz in den
Kühler mit Öl vermischt wird. Dadurch kann der Kohlenstoffgehalt im Eisenschwamm angehoben
werden.
[0013] Die Erfindung wird anhand eines Beispieles näher beschrieben.
[0014] Der Drehrohrofen hat eine Länge von 80 m und einen Innendurchmesser von 4,8 m. Auf
der Länge des Drehrohrofens sind, vom Beschickungsende gesehen, zunächst 3 Luftdüsensysteme
und dann 8 Lufteinblasrohre verteilt angeordnet. Jedes Luftdüsensystem besteht aus
ringförmig angeordneten Luftdüsen, welche die Ofenwand und Ofenauskleidung durchdringen,
jedoch nicht in das Innere des Drehrohrofens hineinragen. Die Lufteinblasrohre durchdringen
radial Ofenwand und Auskleidung. Ihre Austrittsöffnungen liegen etwa in der Ofenmittelachse
und sind in der Strömungsrichtung der Gasatmosphäre angeordnet. Am Austragsende des
Drehrohrofens sind eine Einblasvorrichtung für Kohle, eine Einblasvorrichtung für
die feine Erzfraktion sowie ein Zentralbrenner angeordnet. Der Zentralbrenner wird
nur zum Aufheizen des Drehrohrofens benötigt. Der Drehrohrofen wird im Gegenstrom
zwischen Strömungsrichtung der Beschickung und der Gasatmosphäre betrieben.
[0015] Das Eisenerz hat einen Fe-Gehalt von 67,0 % und eine Feuchtigkeit von 1,0 %. Das
Erz wird zunächst auf eine Korngröße unter 20 mm gebrochen und dann bei einem Siebschnitt
von 1,0 und bei einem Siebschnitt von 5,0 mm abgesiebt. Die grobe Fraktion mit einer
Korngröße über 5,0 mm wird in einer Menge von 30,5 t/h in das Beschickungsende des
Drehrohrofens chargiert. Die feine Fraktion mit einer Korngröße von 1,0 bis 5,0 mm
wird in einer Menge von 3,0 t/h mit Trägerluft durch die Einblasvorrichtung für das
Feinerz in das Austragsende des Drehrohrofens eingeblasen und auf 20 % der Ofenlänge,
gerechnet vom Austragsende, auf der Beschickung verteilt. Die Feinst-Fraktion mit
einer Korngröße unter 1,0 mm wird in einer Menge von 0,4 t/h mit 0,1 t/h Öl vermischt
und in die Transfer-Schurre zwischen dem Austragsende des Drehrohrofens und dem Eintragsende
des indirekten Kühlers aufgegeben.
[0016] Die als Reduktionsmittel verwendete Kohle hat folgende Zusammensetzung:
| Kohlenstoff |
51,0 % |
| flüchtige Bestandteile |
25,0 % |
| Asche |
24,0 % |
| Schwefel |
0,6 % |
| Feuchtigkeit |
10 % |
| Körnung |
0 bis 15 mm |
[0017] 12,5 t/h Kohle werden in das Eintragsende des Drehrohrofens chargiert und 7,8 t/h
werden mit Trägerluft durch die Einblasvorrichtung für die Kohle in das Austragsende
des Drehrohrofens eingeblasen.
[0018] Der aus dem Kühler ausgetragene Eisenschwamm fällt in einer Menge von 17,34 t/h mit
einer Korngröße über 3 mm und in einer Menge von 5,80 t/h in einer Korngröße unter
3 mm an. Die Metallisierung beträgt 92 bis 93 % und der Gehalt an Kohlenstoff beträgt
0,5 %.
[0019] Wenn die Feinst-Fraktion zusammen mit der feinen Fraktion in den Drehrohrofen eingeblasen
wird, treten Betriebsstörungen durch starke Ansatzbildung auf.
[0020] Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, daß die Herstellungskosten für den Eisenschwamm
um den Betrag gesenkt werden, der sonst mit dem nicht in den Drehrohrofen einsetzbaren
Anteil mit feiner Korngröße verloren geht, ohne daß eine Beeinträchtigung des Betriebes
des Drehrohrofens erfolgt. Die Durchsatzleistung des Drehrohrofens wird sogar erhöht,
da sich die sonstigen Betriebsbedingungen nicht ändern. Die spezifischen Investitionskosten
werden gesenkt. Der eingeblasene Anteil an feinem Material nimmt weniger Schwefel
auf, da ein großer Teil des von der Kohle eingebrachten Schwefels bereits ausgetrieben
oder abgebunden ist, wenn das feine Material auf die Beschickung auftrifft.
1. Verfahren zur Direktreduktion von eisenoxidhaltigen Materialien mittels fester
kohlenstoffhaltiger Reduktionsmittel zu Eisenschwamm im Drehrohrofen, wobei grobkörniges
eisenoxidhaltiges Material in das Beschickungsende des Drehrohrofens chargiert wird
und feinkörniges eisenoxidhaltiges Material in die Reduktionszone eingeblasen wird,
dadurch gekennzeichnet, daß das stückige eisenoxidhaltige Material vor der Aufgabe
in den Drehrohrofen bei einem Siebschnitt von 3 bis 6 mm und einem Siebschnitt von
0,8 bis 1,5 mm in eine grobe Fraktion, eine feine Fraktion und eine Feinst-Fraktion
getrennt wird, die grobe Fraktion in das Beschickungsende des Drehrohrofens chargiert
wird, und die feine Fraktion vom Austragsende des Drehrohrofens in die Reduktionszone
eingeblasen und auf der Beschickung verteilt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die feine Fraktion des eisenoxidhaltigen
Materials bis zu 40 % der Ofenlänge, gerechnet vom Austragsende des Drehrohrofens,
vorzugsweise 15 bis 20 % der Ofenlänge, eingeblasen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die feine Fraktion
des eisenoxidhaltigen Materials ohne Zusatz von festem kohlenstoffhaltigem Reduktionsmittel
in den Drehrohrofen eingeblasen wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die feine
eisenoxidhaltige Fraktion im oberen Quadranten des Ofenquerschnittes auf die von der
Wand des Ofens ablaufende Beschickung verteilt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Feinst-Fraktion
des eisenoxidhaltigen Materials zusammen mit dem aus dem Drehrohrofen ausgetragenen
reduzierten Material in den indirekten Kühler chargiert wird
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Feinst-Fraktion des
eisenoxidhaltigen Materials in die Transfer-Schurre zwischen Austragsende des Drehrohrofens
und Eintragsende des indirekten Kühlers aufgegeben wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Feinst-Fraktion
vor dem Einsatz in den Kühler mit Öl vermischt wird.