[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff (engl.: pulp), worunter
hier allgemein technische Cellulose-Produkte von mehr oder weniger hoher Reinheit
verstanden werden, wie man sie typisch zur Herstellung insbesondere von Papier oder
von Produkten aus regenerierter oder chemisch modifizierter Cellulose verwendet.
[0002] Die klassischen und grosstechnisch angewandten Verfahren zur Zellstoffgewinnung aus
den typischen Rohstoffen, insbesondere das Sulfit- und das Sulfatverfahren, sind aus
Gründen der Umweltbelastung problematisch, und zwar hauptsächlich wegen der für die
konventionellen Aufschlussflüssigkeiten nötigen Schwefelverbindungen, der chlorhaltigen
Bleichmittel und der Schwierigkeiten bei der Beseitigung bzw. Verwertung der Nebenprodukte,
wie Lignin.
[0003] In der DE-A-3'445'132 ist ein Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff beschrieben,
das auf der Verwendung einer mindestens überwiegend, d.h. zu mindestens 50 Gew.% aus
Essigsäure bestehenden Aufschlussflüssigkeit beruht und daher auch als Acetosolv-Verfahren
bezeichnet wird. Diese bekannte Aufschlussflüssigkeit enthält ausser Essigsäure noch
geringe Anteile, d.h. typisch solche von weniger als 1 Gew.%, an Salzsäure. Der Aufschluss
der Cellulose enthaltenden Rohstoffe erfolgt beim Acetosolv-Verfahren allgemein unter
erhöhten Temperaturen und praktisch bei Normaldruck.
[0004] Das Acetosolv-Verfahren bietet erhebliche Vorteile in Bezug auf verminderte Umweltbelastung,
ist aber in wirtschaftlicher Hinsicht noch nicht optimal; nachteilig ist neben einem
relativ hohen Essigsäureverbrauch insbesondere die Verwendung von Natronlauge oder/und
organischen Lösungsmitteln für das auch als "Extraktion" bezeichnete abschliessende
Waschen des aufgeschlossenen Zellstoffs zur mehr oder weniger vollständigen Entfernung
des Lignins; nachteilig ist auch der relativ hohe Verbrauch des als Bleichmittel dienenden
Peroxids bei Laubholz-Zellstoff und eine oft ungenügende Weisse von Nadelholz-Zellstoff.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist nun ein Verfahren der in DE-A-3'445'132 beschriebenen Art,
das die Vorteile des Acetosolv-Verfahrens in Bezug auf verminderte Umweltbelastung
beibehält, dabei aber eine verbesserte Wirtschaftlichkeit bietet. Es wurde gefunden,
dass diese Aufgabe überraschenderweise nicht nur ohne Verlust an Umweltschonung, sondern
sogar unter weiterer Verminderung der Umweltbelastung durch ein Verfahren mit den
in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen erreicht werden kann. Bevorzugte Ausführungsformen
des erfindungsgemässen Verfahrens haben die in den Ansprüchen 2 bis 12 angegebenen
Merkmale.
[0006] Zur Durchführung der Aufschluss-Stufe des erfindungsgemässen Verfahrens können die
üblichen, Cellulose enthaltenden Rohstoffe, wie Nadel- und Laubhölzer oder Einjahrespflanzen,
verwendet und in an sich bekannter Art vorbereitet, z.B. mechanisch zerkleinert werden.
Die Aufschlussflüssigkeit kann anstelle von oder zusätzlich zu Essigsäure auch Ameisensäure
oder/und Propionsäure in solchen Anteilen enthalten, dass insgesamt über 50 Gew.%
und vorzugsweise mindestens 70 Gew.%, insbesondere 85 bis 98 Gew.% der Aufschlussflüs
sigkeit aus einer C, -s-Fettsäure oder Mischung solcher Säuren mit praktisch beliebigen
relativen Anteilen der einzelnen Säuren bestehen.
[0007] Als Mineralsäure, die typisch in Mengen von unter 1 Gew.% in der Aufschlussflüssigkeit
verwendet wird, z.B. in Anteilen von 0,05 bis 0,5 Gew.%, können anstelle von oder
zusätzlich zu HCI auch andere und vorzugsweise flüchtige Mineralsäuren verwendet werden,
die für Cellulose nicht oxidierend wirken.
[0008] Eine typische Aufschlussflüssigkeit zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens
besteht somit aus 85 bis 95 Gew.% Ci-s-Fettsäure oder -Mischung (berechnet auf die
wasserfreie Säure oder Säuren), 0,05 bis 0,5 Gew.% HCI (wasserfrei berechnet) und
aus Wasser als restlichem Anteil.
[0009] Die Aufschlusstemperatur liegt meist zwischen 50 C und dem Siedepunkt der Aufschlussflüssigkeit
unter Verfahrensdruck. Vorzugsweise wird so gearbeitet, dass für den Aufschluss nicht
wesentlich mehr als 300 min Behandlungsdauer nötig sind, was in der Regel bei Temperaturen
von 100°C bis 115°C erreicht werden kann. Die Aufschluss-Stufe des erfindungsgemässen
Verfahrens kann praktisch bei Normaldruck durchgeführt werden; erhöhte Drücke können
angewendet werden, bringen aber in der Regel keine Vorteile, welche die höheren Kosten
der dann erforderlichen Druckanlagen rechtfertigen würden. Im allgemeinen wird der
Aufschluss bei Umgebungsdruck und generell bei Drücken von nicht über 1,5 bar durchgeführt;
typische bevorzugte Aufschlusstemperaturen liegen zwischen 105 und 112 C.
[0010] Die Arbeitsbedingungen der Extraktionsstufe des erfindungs gemässen Verfahrens werden
allgemein so gewählt, dass der Kappa-Wert des durch die Extraktionsbehandlung erhaltenen
Zellstoffs unter 25 liegt. Dieser Wert wird in üblicher Weise (siehe Merkblatt IV/37/80
des Fachausschusses für chemische Zellstoff-und Papierprüfung im Verein der Zellstoff-und
Papierchemiker und -Ingenieure, BR Deutschland) bestimmt und gilt allgemein als Mass
für den Rest-Ligningehalt von Zellstoffen.
[0011] Es war nicht zu erwarten, dass die bisher für erforderlich angesehene und in DE-A-3'445'132
beschriebene Extraktion mit wässriger Natronlauge oder organischem Lösungsmittel mit
gutem Erfolg durch eine Behandlung mit C1-3-Fettsäure, ersetzt werden kann, zumal
die Vorteile einer Extraktion mit der auch für den überwiegenden Teil der Aufschlussflüssigkeit
verwendeten Säure leicht einsehbar ist.
[0012] Im allgemeinen können in der Extraktionsstufe des erfindungsgemässen Verfahrens Kappa-Zahlen
von unter 25 mit wässriger C1-3-Fettsäure bei Temperaturen im Bereich von 50 bis 110°C,
vorzugsweise zwischen 100 und 105. C, praktisch unter Normaldruck bei einer Extraktionsdauer
von typisch zwischen 10 und 100 min erreicht werden. Erhöhte Arbeitsdrücke sind wie
beim Aufschluss möglich, bieten aber auch für die Extraktion meist keine besonderen
Vorteile. Der Wassergehalt der C, -3-Fettsäure in der Extraktionsstufe liegt zwischen
5 und 10%, bezogen auf das Gewicht der Extraktionsflüssigkeit.
[0013] Bei Verwendung von Laubholz als Rohstoff wird der damit gewonnene aufgeschlossene
Zellstoff vorzugsweise bis zum Erreichen von Kappa-Zahlen von nicht über 10 erfindungsgemäss
extrahiert.
[0014] Allgemein wesentlich für die erfindungsgemässe Extraktionsstufe ist, dass die vorgängig
aufgeschlossene Masse bei der Extraktion in zerteiltem Zustand vorliegt. Zweckmässigerweise
wird der durch Aufschluss erhaltene Zellstoff dazu einer mechanischen Zerfaserungsbehandlung,
z.B. mit einem Rührer oder Refiner, unterzogen, und zwar vorzugsweise in Gegenwart
einer flüssigen Phase, die wiederum mit Vorteil die C, -
3-Fettsäure bzw. -Mischung ist, welche auch für den vorangehenden Aufschluss und die
nachfolgende Extraktionsbehandlung verwendet worden ist, bzw. verwendet werden soll.
[0015] Meist wird der Zellstoff nach der Extraktionsbehandlung einer Bleichbehandlung in
der nachfolgend noch eingehender beschriebenen modifizierten Weise unter Verwendung
von Ozon unterworfen; für die Bleichbehandlung wird vorzugsweise wiederum die bereits
in den vorangehenden Schritten eingesetzte Ci-3-Fettsäure oder/und ein diese verdrängendes
flüssiges Medium verwendet, das bei der Rückgewinnung der Fettsäure durch azeotrope
Destillation als Schleppmittel für Wasser dient, wie insbesondere ein Ester von C
1-
3-Fettsäure mit C1-6-Alkanol, z.B. Butylacetat.
[0016] Mit oder ohne eine derartige Bleichbehandlung kann der gewonnene Zellstoff gewünschtenfalls
auch ohne Waschen mit Wasser von der Fettsäure bzw. dem Fettsäureester befreit und
diese in vergleichsweise umweltschonender Weise zurückgewonnen werden.
[0017] Vorzugsweise wird bei Aufschluss und Extraktion, gegebenenfalls auch bei einer nachfolgenden
Bleichbehandlung, im Sinne eines Gegenstroms derart gearbeitet, dass die aus einer
nachfolgenden Verarbeitungsstufe ablaufende Fettsäure ohne besondere Zwischenverarbeitung
für die vorangehende Verfahrensstufe verwendet und lediglich mit den jeweils erforderlichen
Zusätzen versehen wird. Besonders bevorzugt wird für die Durchführung des Verfahrens
ein an sich bekannter Karussell-Reaktor verwendet.
[0018] Eine allgemeine, bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens umfasst
somit folgende Schritte:
(A) Aufschluss mit Ci-3-Fettsäure, insbesondere konzentrierte Essigsäure, mit geringen
Anteilen flüchtiger Mineralsäure, insbesondere HCI;
(B) Extraktion mit derselben konzentrierten Fettsäure wie in Schritt (A) nach vorangehender
Zerfaserung;
(C) kombinierte Bleichbehandlung mit Peroxid bzw. Peressigsäure und mit Ozon;
(D) Rückgewinnung der C, -3-Fettsäure mit einem organischen Lösungsmittel, das mit
Wasser ein Azeotrop bildet.
[0019] Das erfindungsgemässe Verfahren kann praktisch schadstoffrei durchgeführt werden,
weil es keine Abwässer und keine schadstoffhaltigen Rauchgase produziert. Da weder
beim Aufschluss noch bei der Bleiche feste anorganische Chemikalien verwendet werden,
wie dies bei herkömmlichen Verfahren in hohem Masse der Fall ist, erübrigt sich die
Wäsche mit Wasser. Die verwendeten Aufschlusschemikalien, vorzugsweise Essigsäure
und Salzsäure, können durch Verdampfen zurückgewonnen werden. Peressigsäure und Ozon
zerfallen bei der Bleiche in Essigsäure und Sauerstoff. Das Lignin ergibt, falls es
zur Deckung des Energiebedarfs verbrannt wird, keine S0
2-haltigen Rauchgase.
[0020] Der Aufschluss erfolgt vorzugsweise nach der in DE-A-3'445'132 beschriebenen Methode
kontinuierlich oder diskontinuierlich. Für Laborversuche ist ein diskontinuierlicher
Aufschluss durch Kochen unter Rückfluss mit der fünffachen Menge 93%iger Essigsäure,
die 0,16 bis 0,2% HCI enthält, zweckmässig, für den technischen Betrieb wird die Gegenstromextraktion,
z.B. mit einem Karussellextraktor, wegen des geringeren Essigsäureverbrauchs bevorzugt.
[0021] Die Extraktion des aufgeschlossenen Zellstoffes erfolgt zweckmässig mit heisser wässriger
C, -
3-Fettsäure der gleichen Konzentration, wie sie für den Aufschluss verwendet wird.
Bei Anwendung einer Gegenstromextraktion lässt sich die Fettsäure, wie bereits angedeutet,
zunächst als Extraktionsmittel und anschliessend als Aufschlussmittel verwenden, ohne
zwischenzeitliche Destillation der Fettsäure, wobei eine mechanische Zerfaserung des
weichgekochten Zellstoffes vor der Extraktion zweckmässig ist. Die Zerfaserung kann
im Labor durch Aufschlagen mit einem starken Rührer in überschüssiger Essigsäure erfolgen,
während in technischem Massstab meist ein Refiner geeigneter ist.
[0022] Die Bleichebehandlung kann nach Holzart und Kappa-Zahl des extrahierten Zellstoffs
gewählt werden. Die Verwendung von Essigsäure als Medium für die Zellstoffbleiche
mit Wasserstoffperoxid, das sich hierbei in Peressigsäure umwandelt, ist bereits in
der DE-A-3'445'132 beschrieben. Es wurde nun gefunden, dass auch Ozon als Bleichmittel
in Ci -a-Fettsäure bzw. Essigsäure wesentlich wirksamer und selektiver ist als in
wässrigen Medien. Ozon in Essigsäure eignet sich für die Delignifizierungsstufe, die
bei der konventionellen Zellstoffbleiche mit Chlor durchgeführt wird und zu chlorierten
organischen Verbindungen in den Bleichereiabwässern führt. z.B. ergibt Kiefernzellstoff
mit 2% Ozon, bezogen auf Zellstoff, einen Abfall der Kappa-Zahl von 22,5 auf 4,2,
ohne dass der DP-Wert dabei wesentlich abfällt. Geht man von Zellstoffen mit niedrigeren
Kappa-Zahlen aus, was durch geeignete Extraktion mit Essigsäure möglich ist, so kommt
man mit geringeren Ozonmengen aus. Durch anschliessende Bleiche mit 1 bis 2% H
20
2 in C
1-3-Fettsäure bzw. Essigsäure oder in Fettsäureester, z.B. Butylacetat, können bei Laubholzzellstoff
Weissgrade von über 80% ISO erreicht werden, während bei Nadelholzzellstoffen meist
eine dritte Bleichstufe mit bis zu 1,5% Ozon erforderlich sein kann. Die dritte Bleichstufe
kann aber auch bei Nadelholzzellstoff unterbleiben, wenn von sehr niedrigen Kappa-Zahlen
nach der Extraktion ausgegangen wird.
[0023] Sowohl bei der Bleiche mit Wasserstoffperoxid als auch mit Ozon haben sich hohe Konzentrationen
des Oxidationsmittels als vorteilhaft erwiesen. Bei der Ozonbleiche geht man zweckmässig
von aufgeflufftem Zellstoff mit hoher Konsistenz, mit einer Zellstoffkonzentration
zwischen 20 und 45 Gew.%, vorzugsweise 30 bis 40 Gew.%, aus, während die Bleiche mit
H
20
2 im Karussellextraktor mit hoher Anfangskonzentration des H
20
2 erfolgen kann. Eine Bleiche mit Ozon bei niedriger Konsistenz (5 bis 20 Gew.% Zellstoff
in Essigsäure) ist jedoch ebenfalls möglich, wenn ein Gradient für die Ozonkonzentration
angewendet wird, z.B. in einem Gegenstromverfahren. Bei der Bleiche mit H
20
2 kann als Lösungsmittel auch Butylacetat oder ein anderer Essigsäureester, der mit
Wasserstoffperoxid ebenfalls Peressigsäure bildet, angewendet werden.
[0024] Die Temperatur kann bei der Ozonbleiche bei Raumtemperatur liegen und sollte 50 C
nicht überschreiten. Auch eine Absenkung der Temperatur durch Kühlung kann zweckmässig
sein. De bevorzugte Temperatur bei der Ozonbleiche liegt zwischen 10 und 30 C, bei
einer Bleichdauer von typisch zwischen 5 und 100 min, vorzugsweise 30 bis 60 min.
Die Bleichtemperatur bei Verwendung von Wasserstoffperoxid liegt zwischen 50 und 100
° C, vorzugsweise zwischen 60 und 80 C, bei einer Bleichdauer von zwei bis sechs Stunden.
[0025] Nach der Bleichbehandlung kann der Zellstoff von der Fettsäure bzw. Essigsäure durch
Abpressen und anschliessende Wäsche mit Fettsäureester bzw. Butylacetat und Wasser
befreit werden. Anstelle des bevorzugten Butylacetats können auch andere organische
Lösungsmittel, die mit Wasser ein niedrig siedendes Azeotrop bilden, verwendet werden.
Die Entfernung des Butylacetats vom Zellstoff kann auch vorteilhaft mit überhitztem
Wasserdampf vorgenommen werden. Das Butylacetat dient anschliessend bei der Reinigung
der Fettsäure durch Destillation als Schleppmittel für Wasser.
[0026] Das Verfahren der Erfindung wird in den nachfolgenden Beispielen weiter erläutert.
Angaben in Prozent beziehen sich auf das Gewicht.
Beispiel 1
[0027]
(A) 666 g Pappelholz-Hackschnitzel (30 x 30 x 7 mm) (Populus tremuloides) mit einem
Feuchtigkeitsgehalt von 10% werden mit 2790 g Eisessig, 144 g Wasser und 12 ml 37%iger
HCI vier Stunden rückfliessend gekocht, danach auf einer Fritte abgesaugt und mit
heisser 93%iger Essigsäure nachgewaschen. Ausbeute: 45,8%; Splitteranteil: 0,2%; Kappa-Zahl:
17,8; DPw: 3619; Reisslänge: 9390 m (Mahlgrad 45°SR).
(B) Der Zellstoff wird in sechs Anteilen in je 2 1 93%iger Essigsäure 7 min bei 20°C
mit einem starken Rührer aufgeschlagen, danach auf einer Fritte abgesaugt und mit
heisser Essigsäure nachgewaschen. Kappa-Zahl: 7,7.
(C-1) Der in einem Refiner aufgefluffte Zellstoff (Konsistenz 35%) wird bei 20 C mit
2% Ozon, bezogen auf Zellstoff, (0,05 g Ozon pro min, 0,06 g Ozon pro 1 02) 20 min begast. Der Zellstoff wird auf einer Fritte mit Essigsäure gewaschen. Kappa-Zahl:
unter 0,5.
(C-2) 50 g (atro) dieses Zellstoffes werden mit 250 ml 93%iger Essigsäure und 3 cm3 33%igem H202 (2%, bezogen auf Zellstoff) sechs Stunden bei 70°C im Rundkolben rotiert. Nach Absaugen
und Waschen mit heisser Essigsäure und Wasser hat der Zellstoff die folgenden Kennzahlen:
DPw: 1697; Weissgrad: 77,9% ISO.
Beispiel 2
[0028] (A + B) Kiefernholz-Hackschnitzel (Pinus sylvestris) werden, ähnlich wie in Abschnitt
A von Beispiel 1, jedoch während sechs Stunden, aufgeschlossen und mit heisser Essigsäure
gewaschen. Danach hat der Zellstoff die folgenden Kennzahlen:
[0029] Ausbeute: 50,0%; Kappa-Zahl: 22.5; Reisslänge: 10150 m (Mahlgrad 30, Mahldauer 8
min); Berstfläche: 63,3 m
2; Durchreissfestigkeit 65,2 cN; DP
w: 3420.
[0030] (C-1) Die anschliessende Bleichbehandlung mit 2% Ozon nach Abschnitt C-1 von Beispiel
1 ergibt folgende Werte: Ausbeute: 45,8%; Kappa-Zahl: 4,2; Reisslänge: 9190 m; (Mahlgrad
26); Berstfläche: 53,2 m
2 Durchreissfestigkeit: 61,6 cN.
[0031] (C-2) Der mit Ozon vorgebleichte Zellstoff wurde mit 1% H
20
2 in 93%iger Essigsäure bei einer Konsistenz von 12% Zellstoff 6 Stunden bei 70 C gebleicht.
Ausbeute: 45,5%; Kappa-Zahl: unter 1,5; Weissgrad: 40% ISO; Reisslänge: 8930 m (Mahlgrad
27); Berstfläche: 57,1m
2; Durchreissfestigkeit: 58,8 cN.
[0032] (C-3) Danach wurde nochmals mit 0,6% Ozon wie in Abschnitt C-1 von Beispiel 1 gebleicht.
Ausbeute: 45,0%; Weissgrad: 62% ISO; Reisslänge: 9440 m (Mahlgrad 30); Berstfläche
56,6 m
2; Durchreissfestigkeit: 56,3 cN.
Beispiel 3
[0033] 50 g Zellstoff, erhalten nach Beispiel 2, -werden auf einen Feuchtigkeitsgehalt von
35% abgepresst und anschliessend mechanisch zerkleinert. Der zerfaserte Stoff wird
in einen Kolben gegeben und mit 1 bis 3,3% Ozon behandelt (0,05 g Ozon/min, 0,06 g
Ozon/lt Sauerstoff). Nach einer Einwirkungsdauer von 10 bis 40 min wird der Zellstoff
mit Essigsäure und anschliessend mit Wasser gewaschen.
[0034]

1. Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff aus einem Cellulose enthaltenden Material
durch Behandlung des Materials mit einer Aufschlussflüssigkeit, die einen überwiegenden
Gewichtsanteil mindestens einer Wasser enthaltenden organischen Säure und mindestens
eine Mineralsäure in einem Anteil von unter 1 Gew.%, bezogen auf das Gewicht der Aufschlussflüssigkeit,
enthält, bei erhöhter Temperatur zur Gewinnung von aufgeschlossener Cellulosemasse,
dadurch gekennzeichnet, dass die aufgeschlossene Cellulosemasse in zerteiltem Zustand
zur Extraktion von restlichen Lignin-Anteilen mit heisser, Wasser enthaltender C1 -3-Fettsäure oder Mischung solcher Säuren behandelt wird, bis eine Kappa-Zahl von weniger
als 25 erreicht ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Cellulose enthaltendes
Material Nadel- oder Laubholz verwendet und bei einem aus Laubholz gewonnenen Material
die Extraktion bis zum Erreichen einer Kappa-Zahl von weniger als 10 führt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als C1-3-Fettsäure für die Aufschlussbehandlung und für die Extraktion Essigsäure oder eine
überwiegend aus Essigsäure bestehende Mischung solcher Säuren verwendet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die durch
Aufschlussbehandlung erhaltene Cellulosemasse vor der Extraktion mechanisch zerkleinert
wird, vorzugsweise in Gegenwart von flüssigem Medium, insbesondere von C1 -3-Fettsäure.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die erhaltene
Cellulosemasse vor oder nach der Extraktion einer Bleichbehandlung mit Ozon oder/und
Peroxidverbindung unterzogen wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Cellulosemasse bei
der Bleichbehandlung in C1-3-Fettsäure, vorzugsweise Essigsäure, verteilt ist und letztere bei Verwendung von
Peroxidverbindung, insbesondere Wasserstoffperoxid, mindestens teilweise durch einen
Ester von Essigsäure und einem C, -6-Alkanol, z.B. Butylacetat, ersetzt werden kann.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die C.
-3-Fettsäure bzw. Essigsäure weniger als 50 Gew.% Wasser, vorzugsweise weniger als 25
Gew.% und insbesondere 1 bis 10 Gew.% Wasser, enthält.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Bleichbehandlung
in mehreren Schritten mit jeweils gleichem oder unterschiedlichem Bleichmittel durchgeführt
wird.
9. Verfahren nach Anspruch 5 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Bleichbehandlung
mit Ozon in Gasphase enthaltend 0,1 bis 10%, vorzugsweise 0,5 bis 3%, Ozon durchgeführt
und die aufgeschlossene Cellulosemasse in einem flüssigen Medium, vorzugsweise C1-3-Fettsäure, insbesondere Essigsäure, in einer Konzentration von 1 bis 95%, vorzugsweise
55 bis 75%, bezogen auf das Gewicht des flüssigen Behandlungsmediums, der Bleichbehandlung
unterzogen wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Bleichbehandlung
mit Peroxid bei erhöhten Temperaturen zwischen 50 und 100° C, vorzugsweise zwischen
60 und 800 C, und die Bleichbehandlung mit Ozon bei Temperaturen unter 50°C, vorzugsweise zwischen
15 und 25°C, durchgeführt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die
verwendete C1-3-Fettsäure oder -Mischung durch Extraktion oder durch azeotrope Destillation in Gegenwart
eines Schleppmittels für Wasser, z.B. Toluol oder ein Ester von Essigsäure und einem
C1-6-Alkanol, beispielsweise Butylacetat, wiedergewonnen wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die
für die Extraktion verwendete Cl-3-Fettsäure mit der Mineralsäure versetzt und anschliessend als Aufschlussflüssigkeit
verwendet wird.