(19)
(11) EP 0 325 891 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
02.08.1989  Patentblatt  1989/31

(21) Anmeldenummer: 88810035.1

(22) Anmeldetag:  25.01.1988
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D21C 3/04, D21C 3/26, D21C 9/153, D21C 9/16, D21C 11/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT DE ES FR GB SE

(71) Anmelder: KUNZ HOLDING GMBH & CO. KG
D-7162 Gschwend (DE)

(72) Erfinder:
  • Nimz, Horst H., Prof. Dr.
    D-2050 Hamburg 80 (DE)
  • Berg, Alex, Dipl.-Ing.
    D-2050 Hamburg 80 (DE)
  • Casten, Reinhard
    D-2057 Reinbek (DE)

(74) Vertreter: Seifert, Helmut E. (CH) 
Ritscher & Seifert Patentanwälte VSP Kreuzstrasse 82
CH-8032 Zürich
CH-8032 Zürich (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Gewinnung von gebleichtem Zellstoff


    (57) Zur Gewinnung von Zellstoff aus einem Cellulose enthaltenden Material wird eine Aufschlussflüssigkeit mit überwiegendem Anteil mindestens einer, Wasser enthaltenden C, -3-Fettsäure und mindestens einer flüchtigen Mineralsäure, wie HCI, in einem Anteil von unter 1 Gew.% bei erhöhter Temperatur zur Gewinnung von aufgeschlossener Cellulosemasse behandelt; die aufgeschlossene Cellulosesmasse wird in zerteiltem Zustand zur Extraktion von restlichen Lignin-Anteilen mit heisser, Wasser enthaltender C, -3-Fettäure oder Mischung solcher Säuren behandelt, bis eine Kappa-Zahl von weniger als 25 bei Nadelhölzern und von weniger als 10 bei Laufhölzern erreicht ist. Durch anschliessende mehrstufige Bleiche mit Ozon und Wasserstoffperoxid in derselben Fettsäure lassen sich Zellstoffe mit Weissgraden über 80 und guten Fertigkeiten erhalten. Die Rückgewinnung der Fettsäure erfolgt durch aceotrope Destillation.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff (engl.: pulp), worunter hier allgemein technische Cellulose-Produkte von mehr oder weniger hoher Reinheit verstanden werden, wie man sie typisch zur Herstellung insbesondere von Papier oder von Produkten aus regenerierter oder chemisch modifizierter Cellulose verwendet.

    [0002] Die klassischen und grosstechnisch angewandten Verfahren zur Zellstoffgewinnung aus den typischen Rohstoffen, insbesondere das Sulfit- und das Sulfatverfahren, sind aus Gründen der Umweltbelastung problematisch, und zwar hauptsächlich wegen der für die konventionellen Aufschlussflüssigkeiten nötigen Schwefelverbindungen, der chlorhaltigen Bleichmittel und der Schwierigkeiten bei der Beseitigung bzw. Verwertung der Nebenprodukte, wie Lignin.

    [0003] In der DE-A-3'445'132 ist ein Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff beschrieben, das auf der Verwendung einer mindestens überwiegend, d.h. zu mindestens 50 Gew.% aus Essigsäure bestehenden Aufschlussflüssigkeit beruht und daher auch als Acetosolv-Verfahren bezeichnet wird. Diese bekannte Aufschlussflüssigkeit enthält ausser Essigsäure noch geringe Anteile, d.h. typisch solche von weniger als 1 Gew.%, an Salzsäure. Der Aufschluss der Cellulose enthaltenden Rohstoffe erfolgt beim Acetosolv-Verfahren allgemein unter erhöhten Temperaturen und praktisch bei Normaldruck.

    [0004] Das Acetosolv-Verfahren bietet erhebliche Vorteile in Bezug auf verminderte Umweltbelastung, ist aber in wirtschaftlicher Hinsicht noch nicht optimal; nachteilig ist neben einem relativ hohen Essigsäureverbrauch insbesondere die Verwendung von Natronlauge oder/und organischen Lösungsmitteln für das auch als "Extraktion" bezeichnete abschliessende Waschen des aufgeschlossenen Zellstoffs zur mehr oder weniger vollständigen Entfernung des Lignins; nachteilig ist auch der relativ hohe Verbrauch des als Bleichmittel dienenden Peroxids bei Laubholz-Zellstoff und eine oft ungenügende Weisse von Nadelholz-Zellstoff.

    [0005] Aufgabe der Erfindung ist nun ein Verfahren der in DE-A-3'445'132 beschriebenen Art, das die Vorteile des Acetosolv-Verfahrens in Bezug auf verminderte Umweltbelastung beibehält, dabei aber eine verbesserte Wirtschaftlichkeit bietet. Es wurde gefunden, dass diese Aufgabe überraschenderweise nicht nur ohne Verlust an Umweltschonung, sondern sogar unter weiterer Verminderung der Umweltbelastung durch ein Verfahren mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen erreicht werden kann. Bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemässen Verfahrens haben die in den Ansprüchen 2 bis 12 angegebenen Merkmale.

    [0006] Zur Durchführung der Aufschluss-Stufe des erfindungsgemässen Verfahrens können die üblichen, Cellulose enthaltenden Rohstoffe, wie Nadel- und Laubhölzer oder Einjahrespflanzen, verwendet und in an sich bekannter Art vorbereitet, z.B. mechanisch zerkleinert werden. Die Aufschlussflüssigkeit kann anstelle von oder zusätzlich zu Essigsäure auch Ameisensäure oder/und Propionsäure in solchen Anteilen enthalten, dass insgesamt über 50 Gew.% und vorzugsweise mindestens 70 Gew.%, insbesondere 85 bis 98 Gew.% der Aufschlussflüs sigkeit aus einer C, -s-Fettsäure oder Mischung solcher Säuren mit praktisch beliebigen relativen Anteilen der einzelnen Säuren bestehen.

    [0007] Als Mineralsäure, die typisch in Mengen von unter 1 Gew.% in der Aufschlussflüssigkeit verwendet wird, z.B. in Anteilen von 0,05 bis 0,5 Gew.%, können anstelle von oder zusätzlich zu HCI auch andere und vorzugsweise flüchtige Mineralsäuren verwendet werden, die für Cellulose nicht oxidierend wirken.

    [0008] Eine typische Aufschlussflüssigkeit zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens besteht somit aus 85 bis 95 Gew.% Ci-s-Fettsäure oder -Mischung (berechnet auf die wasserfreie Säure oder Säuren), 0,05 bis 0,5 Gew.% HCI (wasserfrei berechnet) und aus Wasser als restlichem Anteil.

    [0009] Die Aufschlusstemperatur liegt meist zwischen 50 C und dem Siedepunkt der Aufschlussflüssigkeit unter Verfahrensdruck. Vorzugsweise wird so gearbeitet, dass für den Aufschluss nicht wesentlich mehr als 300 min Behandlungsdauer nötig sind, was in der Regel bei Temperaturen von 100°C bis 115°C erreicht werden kann. Die Aufschluss-Stufe des erfindungsgemässen Verfahrens kann praktisch bei Normaldruck durchgeführt werden; erhöhte Drücke können angewendet werden, bringen aber in der Regel keine Vorteile, welche die höheren Kosten der dann erforderlichen Druckanlagen rechtfertigen würden. Im allgemeinen wird der Aufschluss bei Umgebungsdruck und generell bei Drücken von nicht über 1,5 bar durchgeführt; typische bevorzugte Aufschlusstemperaturen liegen zwischen 105 und 112 C.

    [0010] Die Arbeitsbedingungen der Extraktionsstufe des erfindungs gemässen Verfahrens werden allgemein so gewählt, dass der Kappa-Wert des durch die Extraktionsbehandlung erhaltenen Zellstoffs unter 25 liegt. Dieser Wert wird in üblicher Weise (siehe Merkblatt IV/37/80 des Fachausschusses für chemische Zellstoff-und Papierprüfung im Verein der Zellstoff-und Papierchemiker und -Ingenieure, BR Deutschland) bestimmt und gilt allgemein als Mass für den Rest-Ligningehalt von Zellstoffen.

    [0011] Es war nicht zu erwarten, dass die bisher für erforderlich angesehene und in DE-A-3'445'132 beschriebene Extraktion mit wässriger Natronlauge oder organischem Lösungsmittel mit gutem Erfolg durch eine Behandlung mit C1-3-Fettsäure, ersetzt werden kann, zumal die Vorteile einer Extraktion mit der auch für den überwiegenden Teil der Aufschlussflüssigkeit verwendeten Säure leicht einsehbar ist.

    [0012] Im allgemeinen können in der Extraktionsstufe des erfindungsgemässen Verfahrens Kappa-Zahlen von unter 25 mit wässriger C1-3-Fettsäure bei Temperaturen im Bereich von 50 bis 110°C, vorzugsweise zwischen 100 und 105. C, praktisch unter Normaldruck bei einer Extraktionsdauer von typisch zwischen 10 und 100 min erreicht werden. Erhöhte Arbeitsdrücke sind wie beim Aufschluss möglich, bieten aber auch für die Extraktion meist keine besonderen Vorteile. Der Wassergehalt der C, -3-Fettsäure in der Extraktionsstufe liegt zwischen 5 und 10%, bezogen auf das Gewicht der Extraktionsflüssigkeit.

    [0013] Bei Verwendung von Laubholz als Rohstoff wird der damit gewonnene aufgeschlossene Zellstoff vorzugsweise bis zum Erreichen von Kappa-Zahlen von nicht über 10 erfindungsgemäss extrahiert.

    [0014] Allgemein wesentlich für die erfindungsgemässe Extraktionsstufe ist, dass die vorgängig aufgeschlossene Masse bei der Extraktion in zerteiltem Zustand vorliegt. Zweckmässigerweise wird der durch Aufschluss erhaltene Zellstoff dazu einer mechanischen Zerfaserungsbehandlung, z.B. mit einem Rührer oder Refiner, unterzogen, und zwar vorzugsweise in Gegenwart einer flüssigen Phase, die wiederum mit Vorteil die C, -3-Fettsäure bzw. -Mischung ist, welche auch für den vorangehenden Aufschluss und die nachfolgende Extraktionsbehandlung verwendet worden ist, bzw. verwendet werden soll.

    [0015] Meist wird der Zellstoff nach der Extraktionsbehandlung einer Bleichbehandlung in der nachfolgend noch eingehender beschriebenen modifizierten Weise unter Verwendung von Ozon unterworfen; für die Bleichbehandlung wird vorzugsweise wiederum die bereits in den vorangehenden Schritten eingesetzte Ci-3-Fettsäure oder/und ein diese verdrängendes flüssiges Medium verwendet, das bei der Rückgewinnung der Fettsäure durch azeotrope Destillation als Schleppmittel für Wasser dient, wie insbesondere ein Ester von C1-3-Fettsäure mit C1-6-Alkanol, z.B. Butylacetat.

    [0016] Mit oder ohne eine derartige Bleichbehandlung kann der gewonnene Zellstoff gewünschtenfalls auch ohne Waschen mit Wasser von der Fettsäure bzw. dem Fettsäureester befreit und diese in vergleichsweise umweltschonender Weise zurückgewonnen werden.

    [0017] Vorzugsweise wird bei Aufschluss und Extraktion, gegebenenfalls auch bei einer nachfolgenden Bleichbehandlung, im Sinne eines Gegenstroms derart gearbeitet, dass die aus einer nachfolgenden Verarbeitungsstufe ablaufende Fettsäure ohne besondere Zwischenverarbeitung für die vorangehende Verfahrensstufe verwendet und lediglich mit den jeweils erforderlichen Zusätzen versehen wird. Besonders bevorzugt wird für die Durchführung des Verfahrens ein an sich bekannter Karussell-Reaktor verwendet.

    [0018] Eine allgemeine, bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens umfasst somit folgende Schritte:

    (A) Aufschluss mit Ci-3-Fettsäure, insbesondere konzentrierte Essigsäure, mit geringen Anteilen flüchtiger Mineralsäure, insbesondere HCI;

    (B) Extraktion mit derselben konzentrierten Fettsäure wie in Schritt (A) nach vorangehender Zerfaserung;

    (C) kombinierte Bleichbehandlung mit Peroxid bzw. Peressigsäure und mit Ozon;

    (D) Rückgewinnung der C, -3-Fettsäure mit einem organischen Lösungsmittel, das mit Wasser ein Azeotrop bildet.



    [0019] Das erfindungsgemässe Verfahren kann praktisch schadstoffrei durchgeführt werden, weil es keine Abwässer und keine schadstoffhaltigen Rauchgase produziert. Da weder beim Aufschluss noch bei der Bleiche feste anorganische Chemikalien verwendet werden, wie dies bei herkömmlichen Verfahren in hohem Masse der Fall ist, erübrigt sich die Wäsche mit Wasser. Die verwendeten Aufschlusschemikalien, vorzugsweise Essigsäure und Salzsäure, können durch Verdampfen zurückgewonnen werden. Peressigsäure und Ozon zerfallen bei der Bleiche in Essigsäure und Sauerstoff. Das Lignin ergibt, falls es zur Deckung des Energiebedarfs verbrannt wird, keine S02-haltigen Rauchgase.

    [0020] Der Aufschluss erfolgt vorzugsweise nach der in DE-A-3'445'132 beschriebenen Methode kontinuierlich oder diskontinuierlich. Für Laborversuche ist ein diskontinuierlicher Aufschluss durch Kochen unter Rückfluss mit der fünffachen Menge 93%iger Essigsäure, die 0,16 bis 0,2% HCI enthält, zweckmässig, für den technischen Betrieb wird die Gegenstromextraktion, z.B. mit einem Karussellextraktor, wegen des geringeren Essigsäureverbrauchs bevorzugt.

    [0021] Die Extraktion des aufgeschlossenen Zellstoffes erfolgt zweckmässig mit heisser wässriger C, -3-Fettsäure der gleichen Konzentration, wie sie für den Aufschluss verwendet wird. Bei Anwendung einer Gegenstromextraktion lässt sich die Fettsäure, wie bereits angedeutet, zunächst als Extraktionsmittel und anschliessend als Aufschlussmittel verwenden, ohne zwischenzeitliche Destillation der Fettsäure, wobei eine mechanische Zerfaserung des weichgekochten Zellstoffes vor der Extraktion zweckmässig ist. Die Zerfaserung kann im Labor durch Aufschlagen mit einem starken Rührer in überschüssiger Essigsäure erfolgen, während in technischem Massstab meist ein Refiner geeigneter ist.

    [0022] Die Bleichebehandlung kann nach Holzart und Kappa-Zahl des extrahierten Zellstoffs gewählt werden. Die Verwendung von Essigsäure als Medium für die Zellstoffbleiche mit Wasserstoffperoxid, das sich hierbei in Peressigsäure umwandelt, ist bereits in der DE-A-3'445'132 beschrieben. Es wurde nun gefunden, dass auch Ozon als Bleichmittel in Ci -a-Fettsäure bzw. Essigsäure wesentlich wirksamer und selektiver ist als in wässrigen Medien. Ozon in Essigsäure eignet sich für die Delignifizierungsstufe, die bei der konventionellen Zellstoffbleiche mit Chlor durchgeführt wird und zu chlorierten organischen Verbindungen in den Bleichereiabwässern führt. z.B. ergibt Kiefernzellstoff mit 2% Ozon, bezogen auf Zellstoff, einen Abfall der Kappa-Zahl von 22,5 auf 4,2, ohne dass der DP-Wert dabei wesentlich abfällt. Geht man von Zellstoffen mit niedrigeren Kappa-Zahlen aus, was durch geeignete Extraktion mit Essigsäure möglich ist, so kommt man mit geringeren Ozonmengen aus. Durch anschliessende Bleiche mit 1 bis 2% H202 in C1-3-Fettsäure bzw. Essigsäure oder in Fettsäureester, z.B. Butylacetat, können bei Laubholzzellstoff Weissgrade von über 80% ISO erreicht werden, während bei Nadelholzzellstoffen meist eine dritte Bleichstufe mit bis zu 1,5% Ozon erforderlich sein kann. Die dritte Bleichstufe kann aber auch bei Nadelholzzellstoff unterbleiben, wenn von sehr niedrigen Kappa-Zahlen nach der Extraktion ausgegangen wird.

    [0023] Sowohl bei der Bleiche mit Wasserstoffperoxid als auch mit Ozon haben sich hohe Konzentrationen des Oxidationsmittels als vorteilhaft erwiesen. Bei der Ozonbleiche geht man zweckmässig von aufgeflufftem Zellstoff mit hoher Konsistenz, mit einer Zellstoffkonzentration zwischen 20 und 45 Gew.%, vorzugsweise 30 bis 40 Gew.%, aus, während die Bleiche mit H202 im Karussellextraktor mit hoher Anfangskonzentration des H202 erfolgen kann. Eine Bleiche mit Ozon bei niedriger Konsistenz (5 bis 20 Gew.% Zellstoff in Essigsäure) ist jedoch ebenfalls möglich, wenn ein Gradient für die Ozonkonzentration angewendet wird, z.B. in einem Gegenstromverfahren. Bei der Bleiche mit H202 kann als Lösungsmittel auch Butylacetat oder ein anderer Essigsäureester, der mit Wasserstoffperoxid ebenfalls Peressigsäure bildet, angewendet werden.

    [0024] Die Temperatur kann bei der Ozonbleiche bei Raumtemperatur liegen und sollte 50 C nicht überschreiten. Auch eine Absenkung der Temperatur durch Kühlung kann zweckmässig sein. De bevorzugte Temperatur bei der Ozonbleiche liegt zwischen 10 und 30 C, bei einer Bleichdauer von typisch zwischen 5 und 100 min, vorzugsweise 30 bis 60 min. Die Bleichtemperatur bei Verwendung von Wasserstoffperoxid liegt zwischen 50 und 100 ° C, vorzugsweise zwischen 60 und 80 C, bei einer Bleichdauer von zwei bis sechs Stunden.

    [0025] Nach der Bleichbehandlung kann der Zellstoff von der Fettsäure bzw. Essigsäure durch Abpressen und anschliessende Wäsche mit Fettsäureester bzw. Butylacetat und Wasser befreit werden. Anstelle des bevorzugten Butylacetats können auch andere organische Lösungsmittel, die mit Wasser ein niedrig siedendes Azeotrop bilden, verwendet werden. Die Entfernung des Butylacetats vom Zellstoff kann auch vorteilhaft mit überhitztem Wasserdampf vorgenommen werden. Das Butylacetat dient anschliessend bei der Reinigung der Fettsäure durch Destillation als Schleppmittel für Wasser.

    [0026] Das Verfahren der Erfindung wird in den nachfolgenden Beispielen weiter erläutert. Angaben in Prozent beziehen sich auf das Gewicht.

    Beispiel 1



    [0027] 

    (A) 666 g Pappelholz-Hackschnitzel (30 x 30 x 7 mm) (Populus tremuloides) mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 10% werden mit 2790 g Eisessig, 144 g Wasser und 12 ml 37%iger HCI vier Stunden rückfliessend gekocht, danach auf einer Fritte abgesaugt und mit heisser 93%iger Essigsäure nachgewaschen. Ausbeute: 45,8%; Splitteranteil: 0,2%; Kappa-Zahl: 17,8; DPw: 3619; Reisslänge: 9390 m (Mahlgrad 45°SR).

    (B) Der Zellstoff wird in sechs Anteilen in je 2 1 93%iger Essigsäure 7 min bei 20°C mit einem starken Rührer aufgeschlagen, danach auf einer Fritte abgesaugt und mit heisser Essigsäure nachgewaschen. Kappa-Zahl: 7,7.

    (C-1) Der in einem Refiner aufgefluffte Zellstoff (Konsistenz 35%) wird bei 20 C mit 2% Ozon, bezogen auf Zellstoff, (0,05 g Ozon pro min, 0,06 g Ozon pro 1 02) 20 min begast. Der Zellstoff wird auf einer Fritte mit Essigsäure gewaschen. Kappa-Zahl: unter 0,5.

    (C-2) 50 g (atro) dieses Zellstoffes werden mit 250 ml 93%iger Essigsäure und 3 cm3 33%igem H202 (2%, bezogen auf Zellstoff) sechs Stunden bei 70°C im Rundkolben rotiert. Nach Absaugen und Waschen mit heisser Essigsäure und Wasser hat der Zellstoff die folgenden Kennzahlen: DPw: 1697; Weissgrad: 77,9% ISO.


    Beispiel 2



    [0028] (A + B) Kiefernholz-Hackschnitzel (Pinus sylvestris) werden, ähnlich wie in Abschnitt A von Beispiel 1, jedoch während sechs Stunden, aufgeschlossen und mit heisser Essigsäure gewaschen. Danach hat der Zellstoff die folgenden Kennzahlen:

    [0029] Ausbeute: 50,0%; Kappa-Zahl: 22.5; Reisslänge: 10150 m (Mahlgrad 30, Mahldauer 8 min); Berstfläche: 63,3 m2; Durchreissfestigkeit 65,2 cN; DPw: 3420.

    [0030] (C-1) Die anschliessende Bleichbehandlung mit 2% Ozon nach Abschnitt C-1 von Beispiel 1 ergibt folgende Werte: Ausbeute: 45,8%; Kappa-Zahl: 4,2; Reisslänge: 9190 m; (Mahlgrad 26); Berstfläche: 53,2 m2 Durchreissfestigkeit: 61,6 cN.

    [0031] (C-2) Der mit Ozon vorgebleichte Zellstoff wurde mit 1% H202 in 93%iger Essigsäure bei einer Konsistenz von 12% Zellstoff 6 Stunden bei 70 C gebleicht. Ausbeute: 45,5%; Kappa-Zahl: unter 1,5; Weissgrad: 40% ISO; Reisslänge: 8930 m (Mahlgrad 27); Berstfläche: 57,1m2; Durchreissfestigkeit: 58,8 cN.

    [0032] (C-3) Danach wurde nochmals mit 0,6% Ozon wie in Abschnitt C-1 von Beispiel 1 gebleicht. Ausbeute: 45,0%; Weissgrad: 62% ISO; Reisslänge: 9440 m (Mahlgrad 30); Berstfläche 56,6 m2; Durchreissfestigkeit: 56,3 cN.

    Beispiel 3



    [0033] 50 g Zellstoff, erhalten nach Beispiel 2, -werden auf einen Feuchtigkeitsgehalt von 35% abgepresst und anschliessend mechanisch zerkleinert. Der zerfaserte Stoff wird in einen Kolben gegeben und mit 1 bis 3,3% Ozon behandelt (0,05 g Ozon/min, 0,06 g Ozon/lt Sauerstoff). Nach einer Einwirkungsdauer von 10 bis 40 min wird der Zellstoff mit Essigsäure und anschliessend mit Wasser gewaschen.

    [0034] 




    Ansprüche

    1. Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff aus einem Cellulose enthaltenden Material durch Behandlung des Materials mit einer Aufschlussflüssigkeit, die einen überwiegenden Gewichtsanteil mindestens einer Wasser enthaltenden organischen Säure und mindestens eine Mineralsäure in einem Anteil von unter 1 Gew.%, bezogen auf das Gewicht der Aufschlussflüssigkeit, enthält, bei erhöhter Temperatur zur Gewinnung von aufgeschlossener Cellulosemasse, dadurch gekennzeichnet, dass die aufgeschlossene Cellulosemasse in zerteiltem Zustand zur Extraktion von restlichen Lignin-Anteilen mit heisser, Wasser enthaltender C1 -3-Fettsäure oder Mischung solcher Säuren behandelt wird, bis eine Kappa-Zahl von weniger als 25 erreicht ist.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Cellulose enthaltendes Material Nadel- oder Laubholz verwendet und bei einem aus Laubholz gewonnenen Material die Extraktion bis zum Erreichen einer Kappa-Zahl von weniger als 10 führt.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als C1-3-Fettsäure für die Aufschlussbehandlung und für die Extraktion Essigsäure oder eine überwiegend aus Essigsäure bestehende Mischung solcher Säuren verwendet wird.
     
    4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die durch Aufschlussbehandlung erhaltene Cellulosemasse vor der Extraktion mechanisch zerkleinert wird, vorzugsweise in Gegenwart von flüssigem Medium, insbesondere von C1 -3-Fettsäure.
     
    5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die erhaltene Cellulosemasse vor oder nach der Extraktion einer Bleichbehandlung mit Ozon oder/und Peroxidverbindung unterzogen wird.
     
    6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Cellulosemasse bei der Bleichbehandlung in C1-3-Fettsäure, vorzugsweise Essigsäure, verteilt ist und letztere bei Verwendung von Peroxidverbindung, insbesondere Wasserstoffperoxid, mindestens teilweise durch einen Ester von Essigsäure und einem C, -6-Alkanol, z.B. Butylacetat, ersetzt werden kann.
     
    7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die C. -3-Fettsäure bzw. Essigsäure weniger als 50 Gew.% Wasser, vorzugsweise weniger als 25 Gew.% und insbesondere 1 bis 10 Gew.% Wasser, enthält.
     
    8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Bleichbehandlung in mehreren Schritten mit jeweils gleichem oder unterschiedlichem Bleichmittel durchgeführt wird.
     
    9. Verfahren nach Anspruch 5 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Bleichbehandlung mit Ozon in Gasphase enthaltend 0,1 bis 10%, vorzugsweise 0,5 bis 3%, Ozon durchgeführt und die aufgeschlossene Cellulosemasse in einem flüssigen Medium, vorzugsweise C1-3-Fettsäure, insbesondere Essigsäure, in einer Konzentration von 1 bis 95%, vorzugsweise 55 bis 75%, bezogen auf das Gewicht des flüssigen Behandlungsmediums, der Bleichbehandlung unterzogen wird.
     
    10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Bleichbehandlung mit Peroxid bei erhöhten Temperaturen zwischen 50 und 100° C, vorzugsweise zwischen 60 und 800 C, und die Bleichbehandlung mit Ozon bei Temperaturen unter 50°C, vorzugsweise zwischen 15 und 25°C, durchgeführt wird.
     
    11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die verwendete C1-3-Fettsäure oder -Mischung durch Extraktion oder durch azeotrope Destillation in Gegenwart eines Schleppmittels für Wasser, z.B. Toluol oder ein Ester von Essigsäure und einem C1-6-Alkanol, beispielsweise Butylacetat, wiedergewonnen wird.
     
    12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die für die Extraktion verwendete Cl-3-Fettsäure mit der Mineralsäure versetzt und anschliessend als Aufschlussflüssigkeit verwendet wird.
     





    Recherchenbericht