[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zum Abbremsen des Stößels einer insbesondere
für das Formteilverpressen von faserverstärkten Kunststoffen eingesetzten hydraulischen
Presse, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Bei hydraulischen Pressen, die für die Verarbeitung von faserverstärkten Kunststoffen
eingesetzt werden, ist ein genauer Parallellauf der beiden Werkzeughälften während
des Preßvorgangs erforderlich. Ein solcher genauer Parallellauf ist durch die bekannten
mechanischen Führungen nicht erzielbar.
[0003] Es sind deshalb Pressen entwickelt worden, bei denen nach einer schnellen Schließgeschwindigkeit
des Stößels durch sogenannte Gegenhaltezylinder ein Abbremsen des Stößels bei gleichzeitiger
Einstellung eines Parallellaufs erzielt werden. Ein Problem beim Formteilverpressen
von faserverstärkten Kunststoffen tritt bei solchen Pressen dadurch auf, daß die zur
Verarbeitung kommenden hochreaktiven Harzmatten nur eine sehr kurze drucklose Liegezeit
des Materials in dem beheizten Werkzeugunterteil zulassen. Die Zeit vom Einlegen des
Materials bis zum Schließen der Presse muß deshalb so kurz wie möglich gehalten werden.
Es sind daher bereits extrem hohe Geschwindigkeiten für das schnelle Schließen des
Werkzeugs, z.B. bis zu 1 m/s, eingesetzt worden, die praktisch nicht mehr zu steigern
sind, weil eine solche Steigerung mit einem unverhältnismäßig großen Mehraufwand verbunden
wäre. Danach muß jedoch vor der Verbindung des durch mindestens einen Preßzylinder
betätigten Stößels mit den Gegenhaltezylindern die Geschwindigkeit des Stößels auf
nahezu 0 verringert werden, um diese kraft- und/oder formschlüssige Verbindung zu
ermöglichen. Dadurch kann aber so viel Zeit verlorengehen, daß die Vorteile des schnellen
Schließens wieder beseitigt werden.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Einrichtung der eingangs genannten
Art zu schaffen, die den Zeitverlust beim Verbinden des Stößels mit den Gegenhaltezylindern
erheblich verringert.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe besteht in den Merkmalen des kennzeichnenden Teils des
Anspruchs 1.
[0006] Die Einrichtung nach der Erfindung kann für die verschiedenen, mit Gegenhaltezylinder
arbeitenden hydraulischen Pressensysteme eingesetzt werden. Sie bringt dabei nicht
nur den Vorteil eines schnellen Verbindens und wirksamen Abbremsens von Stößel und
Gegenhaltezylindern, sondern trägt auch zur Lärmminderung beim Betrieb dieser Pressen
bei.
[0007] Ferner werden Erschütterungen beim Auftreffen des Stößels erheblich gemindert. Vor
allem braucht jedoch die Geschwindigkeit vor dem Auftreffen des Stößels wesentlich
weniger verringert zu werden und ist auch nach dem Dämpfungshub noch groß genug, um
Zeitverluste für die anschließend erforderliche Beschleunigung des Stößels klein zu
halten.
[0008] Bei Pressen, bei denen die Gegenhaltezylinder gleichzeitig dem Öffnen des Werkzeugs
nach dem Preßvorgang dienen, wird diese Funktion durch die erfindungsgemäße Einrichtung
in keiner Weise beeinträchtigt.
[0009] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Ansprüche 2 bis 10.
[0010] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung im Schnitt schematisch
dargestellt und nachfolgend näher erläutert.
[0011] Der mit einem Kolben 1 versehene Gegenhaltezylinder 2 ist mit dem nicht dargestellten
Pressentisch einer hydraulischen Presse mit seinem unteren flanschartig ausgebildeten
Ende 3 durch Anschrauben über eine Höhenverstelleinrichtung verbunden. In der Regel
sind vier solcher Gegenhaltezylinder so angeordnet, daß ihre senkrecht verlaufenden
Achsen 4 außerhalb des Werkzeugsbereichs im Rechteck zueinander angeordnet sind.
[0012] Achsgleich zu den Gegenhaltezylindern 2 sind am ebenfalls nicht dargestellten durch
einen oder mehrere Preßzylinder betätigbaren Stößel der hydraulischen Presse nach
unten vorspringende, zapfenartige Anschläge 5 befestigt, die zur Anpassung an verschiedene
Höhenlagen, z.B. durch eine Gewindespindel, höhenverstellbar sind.
[0013] An seiner äußeren Stirnseite weist der Kolben 1 einen Bund 6 auf, in den ein am Kolben
1 angeschraubter ringförmiger Zylinder (7) schließend eingepaßt ist. An der vom Kolben
1 abgewandten Seite weist der Zylinder 7 einen nach innen weisenden flanschartigen
Anschlag 8 auf, der den Hub eines Dämpfungskolbens 9, der zusammen mit dem Zylinder
7 den Stoßdämpfer bildet, nach oben hin begrenzt. Durch diese Ausbildung wird auf
einfache Weise die Stirnwand des Stoßdämpfer-Zylinders eingespart.
[0014] Der Zylinder 7 ist mit einem oben offenen zylindrischen Aufsatz 10 gleichen Außendurchmessers
versehen, an dem im oberen Bereich eine kragenartige Manschette 11 befestigt ist,
die zur Abdichtung gegen etwa austretende Hydraulikflüssigkeit vorgesehen ist. Der
Zylinder 7 weist ferner drei radiale Bohrungen 12 auf, die im Bereich des sich zwischen
dem Kolben 1 und dem ausgefahrenen Dämpfungskolben 9 gebildeten relativ schmalen Spalts
13 in diesen einmünden. Die dem Hub des Stoßdämpfers entsprechende Weite des Spalts
13 beträgt etwa 5 mm und bestimmt zusammen mit dem Dämpfungskolben-Durchmesser von
etwa 80 mm den Stoßdämpfer-Hubraum.
[0015] Die außen verschlossenen Bohrungen 12 sind jeweils mit einer senkrecht nach oben
weisenden Leitung 14 verbunden, die über die obere Stirnseite des Zylinders 7 hinausreicht.
Der Dämpfungskolben 9 weist ferner eine zentrale, abgesetzte Bohrung 15 auf, in der
eine gegen die so gebildete untere Anschlagfläche abgestützte zylindrische Schraubendruckfeder
16 angeordnet ist, deren anderes Ende sich gegen eine koaxiale Sackbohrung 17 in der
Stirnfläche des Kolbens 1 abstützt.
[0016] Der Kolben 1 des Gegenhaltezylinders 2 und der Dämpfungskolben 9 sind jeweils in
der oberen Endlage, also in ausgefahrenem Zustand dargestellt. In dieser Stellung
trifft am Ende der schnellen Schließbewegung des Stößels der hydraulischen Presse
der Anschlag 5 mit seinem unteren zylindrischen Teil 18 auf den Dämpfungskolben 9
auf. Da der Gegenhaltezylinder 2 so eingestellt ist, daß seine Kraft größer ist als
die Dämpfungskraft des durch den Zylinder 7 und den Dämpfungskolben 9 gebildeten Stoßdämpfers,
wird die im Spalt 13 befindliche Hydraulikflüssigkeit durch die Bohrungen 12 und die
Leitungen 14 in das tassenartige Innere des Aufsatzes 10 so lange verdrängt, bis der
Dämpfungskolben auf dem Kolben 1 zum Anschlag kommt und der Stoßdämpfer damit ausgeschaltet,
also unwirksam geworden ist und der Gegenhaltezylinder seine Tätigkeit aufnimmt.
[0017] Der Gegenhaltezylinder braucht beim Auftreffen des Anschlags 5 nicht auf maximale
Gegenhaltekraft eingestellt zu sein. Die Gegenhaltekraft des Gegenhaltezylinders kann
auch durch Kraftschluß mit einer entsprechenden Einrichtung hergestellt werden, die
nach der Ausschaltung des Stoßdämpfers entfernt werden kann. Das Entfernen einer derartigen
Zusatzeinrichtung kann durch einen entsprechenden Endschalter bewirkt werden. Die
Kraft des Stoßdämpfers kann zur Anpassung an verschiedene Betriebsbedingungen auf
einfache Weise dadurch verändert werden, daß in die Bohrungen 12 austauschbare Düsen
19 mit verschiedenen Öffnungsdurchmessern eingeschraubt werden, so daß die Drosselwirkung
entsprechend einstellbar ist. Die Einstellung der Drosselwirkung kann auch durch Änderung
des Stoßdämfer-Hubraums bewirkt werden. Das kann auf einfache Weise dadurch erzielt
werden, daß der flanschartige Anschlag 8 als mit Außengewinde versehener Stellring
ausgebildet ist, der mit einem Innengewinde des Zylinders 7 zusammenwirkt und in bestimmten
Lagen feststellbar ist.
[0018] Nachdem der Preßhub beendet ist, fährt der Stößel der Presse im Schnellgang wieder
in die obere Endlage und nimmt dabei den Anschlag 5 mit. Dadurch wird der Dämpfungskolben
9 durch die Feder 16 wieder in seine obere Endlage gedrückt und das aus dem Spalt
13 verdrängte Öl kann durch die vom Anschlag 5 freigegebene Bohrung 15 wieder in den
Spalt 13 zurückfließen. Der untere Teil 18 des Anschlags 5 weist etwa den gleichen
Durchmesser wie das außen vorstehende Ende des Dämpfungskolbens 9 auf und bildet an
seinem oberen Ende mit dem Anschlag 5 einen Bund 20, an den sich die Manschette 11
beim Auftreffen des Anschlags auf den Dämpfungskolben 9 anlegt. Zwischen dem Gegenhaltezylinder
2 und dem Stößel ist ein den Stoßdämpfer umschließender Dehnungsbalg 21 zur Abdichtung
der Einrichtung vorgesehen.
1. Einrichtung zum Abbremsen des Stößels einer insbesondere für das Formteilverpressen
von faserverstärkten Kunststoffen eingesetzten hydraulischen Presse, deren Stößel
durch mindestens zwei vorzugsweise parallellaufgesteuerte hydraulische Gegenhaltezylinder
beaufschlagt wird, dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen Stößel und jedem Gegenhaltezylinder ein über einen bestimmten Hub durch
Drosselung wirksamer rückstellbarer hydraulischer Stoßdämpfer eingechaltet ist, dessen
Dämpfungskraft kleiner als die Kraft des Gegenhaltezylinders (2) eingestellt ist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stoßdämpfer durch
mindestens ein Federelement (16) rückstellbar ist.
3. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Stoßdämpfer
auf den Gegenhaltezylinder (2) aufgesetzt ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Stoßdämpfer auf den
Kolben (1) des Gegenhaltezylinders (2) aufgesetzt ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Stoßdämpfer einen
auf dem Kolben (1) des Gegenhaltezylinders (2) befestigten ringförmigen Zylinder (7)
und einen zwischen dem Kolben und einem Anschlag (8) des Zylinders (7) bewegbaren
Dämpfungskolben (9) aufweist.
6. Einrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Stoßdämpfer
mit einem oben offenen zylindrischen Aufsatz (10) versehen ist, in den ein nach unten
vorspringender, zapfenartiger Anschlag (5) des Stößels zentrisch eingreift und das
tassenartige Innere des Aufsatzes (10) mit dem Hubraum des Stoßdämpfers über mindestens
eine Leitung (Bohrung 12) als Drossel verbunden ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Aufsatz (10) mit einer
kragenartigen, den zapfenartigen Anschlag umschließenden Manschette (11) versehen
ist.
8. Einrichtung nach Anpsruch 5,6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Dämpfungskolben
(9) eine durchgehende zentrische Bohrung (15) aufweist.
9. Einrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Drosselung einstellbar ist.
10. Einrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Hub der Stoßdämpfer einstellbar ist.