[0001] Die Erfindung betrifft einen Knetmischer für die Durchführung mechanischer, chemischer
und thermischer Prozesse entsprechend dem Oberbegriff in Patentanspruch 1.
[0002] Nach CH-PS 506 322 ist eine mehrspindelige Misch- und Knetmaschine bekannt, deren
eine Welle mit radialen Scheibenelementen und zwischen den Scheiben angeordneten axial
ausgerichteten Knetbarren versehen ist (Scheibenwelle), in die auf einer zweiten
parallelen Rührwelle Knetwelle) angeordnete rahmenartige Knetelemente eingreifen,
die die Scheiben und Knetbarren der Scheibenwelle abreinigen. Die durch diese Knetelemente
auf der Knetwelle in Zusammenarbeit mit den Scheiben und Knetbarren der Scheibenwelle
auf das verarbeitete Produkt ausgeübten Scherkräfte und Mischbewegungen haben sich
für einen Makromischeffekt als sehr gut erwiesen, aber oft ungenügend bzw. sehr zeitaufwendig
für den Mikrokneteffekt, der bei vielen Produkten für das Zerstören der Agglomerate
benötigt wird.
[0003] Die vorliegende Erfindung ergibt eine bedeutende Verbesserung des Mikrokneteffekts
und damit eine wesentliche Erweiterung der Anwendung.
[0004] Die Erfindung ist in der beiliegenden Zeichnung dargestellt; diese zeigt in
Fig. 1 eine Seitenansicht des Knetmischers;
Fig. 2 eine Draufsicht auf den Knetmischer, mit teilweise aufgeschnittenem Gehäuse.
Fig. 3 eine perspektivische Darstellung des Arbeitsprinzips mit Knetrahmen auf der
Knetwelle;
Fig. 4 eine Draufsicht auf einen Rühererabschnitt bei oben geöffnetem Gehäuse;
Fig. 5 einen Querschnitt nach Linie I-I der Fig. 4;
Fig. 6 einen Querschnitt nach Linie II-II der Fig. 4;
Fig. 7 einen Querschnitt nach Linie III-III der Fig. 4;
Fig. 8 eine Abwicklungs-Skizze zur Darstellung der Funktion der Knetelemente mit radialem
Knetspalt in rahmenartiger Ausführung;
Fig. 9 eine Draufsicht auf einen Rührerabschnitt bei oben geöffnetem Gehäuse;
Fig. 10 einen Querschnitt nach Line IV-IV der Fig. 9;
Fig. 11 einen Querschnitt nach Linie V-V der Fig. 9;
Fig. 12 einen Querschnitt nach Linie VI-VI der Fig. 9;
Fig. 13 eine Abwicklungs-Skizze zur Darstellung der Funktion der Knetelemente mit
freifliegend angeordneten Knetbarren.
[0005] Der Aufbau des Mischkneters ist in den Fig. 1 und 2 dargestellt, wobei Abschnitte
zur besseren Darstellung der Rührer mit einem geschnittenen Gehäuse gezeichnet sind.
[0006] Entsprechend den beiden ineinandergreifenden Rührwellen hat das Gehäuse im Querschnitt
die Form einer Acht wie dies aus den Fig. 5 bis 7 ersichtlich ist. Das Gehäuse besteht
aus den Gehäuseteilen 2 und 3, sowie dem Auslaufgehäuse 4, die mittels Flanschen zusammengeschraubt
sind. Es ist stirnseitig jeweils mit den Stirnwänden 5 und 6 abgeschlossen, an die
sich die Laternen 7 und 8 mit den Rührwellenlagern 9 und 10 sowie 11 und 12 anschliessen.
Der Durchtritt der Rührwellenzapfen durch die Stirnwände ist mittels Stopfbüchsen
13 bekannter Bauart versehen. Die Abstützung des Knetmischers erfolgt mit den Füssen
14. 15 ist ein Getriebe, das die beiden Wellen 22 und 29 im gewünschten Drehzahlverhältnis
miteinander koppelt. Der Antriebswellenzapfen 16 kann in beliebiger Weise wiederum
von einem Getriebe und einem Antriebsaggregat angetrieben werden. 17 ist der Aufgabestutzen
für das Produkt, das die Maschine am Auslaufstutzen 18 verlässt. 19 ist ein Stutzen
für den Abzug von Gasen und Dämpfen, während mit 20 verschiedene Stutzen für die
Entleerung der Maschine bezeichnet sind.
[0007] Für eine klare Darstellung des Arbeitsprinzips ist in allen Figuren und in der Beschreibung
eine Ausführung gezeigt, bei der die angetriebene schnellerlaufende Knetwelle vier
Mal rascher umläuft als die über das Getriebe 15 angetriebene Scheibenwelle. Selbstverständlich
ist es ohne Schwierigkeiten möglich, auch andere zweckmässige Uebersetzungen zwischen
den beiden Wellen vorzusehen.
[0008] Die erste oder Scheibenwelle 22 besteht aus einem Zentralrohr 23 mit seitlich angesetzten
Wellenzapfen 24 und 25, die in den Lagern 10 und 12 abgestützt sind. Das Zentralrohr
23 trägt in radialen Ebenen die Scheibenelemente 26, die am äusseren Durchmesser
durch die Knetbarren 27 miteinander verbunden sind. Diese Knetbarren 27, aber oft
auch die Scheibenelemente 26, sind für den besseren Transport des Produktes durch
die Maschine meist auf Schneckenlinien angeordnet. Wird für den Prozess ein längeres
Verweilzeitspektrum gewünscht, können einzelne Knetbarren auch mit einer Neigung für
einen Rücktransport angeordnet sein. Mit den Knetbarren 27 dieser Scheibenwelle kämmen
die auf der Knetwelle 29 angeordneten Knetelemente. Die Knetwelle 29 besteht aus
einem Zentralrohr 30 in das die Wellenzapfen 31 und 32, die in den Lagern 9 und 11
abgestützt sind, eingesetzt sind. Auf dem Zentralrohr 30 sind, meist ebenfalls auf
einer Schneckenlinie, die Knetelemente 34 angeordnet, von denen jedes aus den radialen
Teilen 35 und 36, sowie dem diese beiden radialen Elemente verbindenden Knetbarren
37 besteht.
[0009] Zwischen dem Gehäuseteil 3 und dem Auslaufteil 4 ist eine Niveauplatte 21 eingesetzt,
die die Füllung der Maschine in der Art eines Ueberlaufwehres reguliert.
[0010] Das im Stutzen 17 dem Knetmischer aufgegebene Produkt wird durch die Neigung der
Knetbarren 27, 37 auf den beiden Rührwellen erfasst und gegen das Auslaufgehäuse hin
transportiert. Nach Ueberwindung der Niveauplatte 21 fällt das Produkt in das Auslaufgehäuse
4 und wird dort durch den Stutzen 18 ausgetragen.
[0011] In Fig. 3 ist der Bewegungsablauf am einfachsten zu erkennen. Während eines Umlaufs
der Scheibenwelle 23 greifen die Knetelemente 34 der Knetwelle 29 vier Mal in die
[0012] Scheibenelemente 26 der Scheibenwelle ein, wobei auch jeweils die Knetbarren 37 der
Knetwelle mit den Knetbarren 27 der Scheibenwelle kämmen und hierbei das Produkt intensiv
durchkneten. Gleichzeitig werden die meist beheizten Flächen der Scheibenelemente,
sowie die Rührwelle 23 selbst abgereinigt. Bei diesem Vorgang wird das Material zwischen
zwei gegenüberliegenden Scheibenflächen in erster Linie radial bewegt, wobei jedoch
jeweils ein Teil des Produktes durch Verdrängung gegen die Scheibenelemente gepresst
wird. Diese Verdrängung des Produktes durch Knetelemente ergibt eine ausgezeichnete
Makromischung und Knetung. Die eigentliche Mikroknetung zur Zerstörung der Agglomerate
wird jedoch erfindungsgemäss wesentlich durch die besondere Form der radialen Knetelementteile
35 und 36 auf der Knetwelle intensiviert.
[0013] Wie Fig. 4 bis 8 zeigen, werden diese radialen Knetelemente 35, 36 so ausgeführt,
dass beim Bewegungsablauf zunächst das Produkt mit der Schabkante 41 bzw. 45 von den
Scheiben 26 abgeschabt wird und von den Ableitflächen 42 bzw. 46 in den Knetspalt
43 bzw. 47 geführt und gepresst wird. In bekannter Weise treten in diesem verengten
Raum 43 bzw. 47 zwischen Knetelement und der gegenüberliegenden Scheibe sehr hohe
Scherkräfte auf, die zu einer ausgezeichneten Mikroknetung und Agglomeratzerstörung
führen. Auch zur Makromischung trägt dieser Bewegungsablauf wesentlich bei, da das
Produkt zwischen den beiden gegenüberliegenden Scheibenflächen axial hin und her bewegt
wird. Der Bewegungsablauf selbst ist durch den Längsschnitt Fig. 4, sowie den dazugehörigen
Querschnitten 5, 6 und 7 ersichtlich gemacht. In diesen Querschnitten zeigen die radialen
Knetelemente 35 und 36 die Form einer Evolvente, die sich aus der kinematischen Abwicklung
des Bewegungsablaufs zwischen den beiden Rührwellen ergibt.
[0014] Die Querschnitte der Fig. 5, 6 und 7 stellen eine Scheibenwelle dar, auf der vier
Scheibenelemente 26 angeordnet sind, zwischen denen Lücken für den Transport des Produktes
bestehen. Jeweils vor einer Lücke sind die Scheibenelemente durch die Knetbarren 27
verbunden. Die Knetwirkung lässt sich jedoch dadurch erhöhen, dass man nur eine Lücke
pro Scheibenfläche für den Transport des Produktes vorsieht und die anderen Scheibenteile
als volle Fläche ausbildet. Dadurch ergibt sich eine grössere Knetfläche für die Zusammenarbeit
zwischen den radialen Knetarmen 35, 36 und den Scheiben 26. Dies führt zu einer Intensivierung
der Knetwirkung. Sie wird noch dadurch unterstützt, dass das geknetete Produkt weniger
ausweichen kann.
[0015] Die Intensität der Knetung hängt - wie schon bei der Reduzierung der Lücken zwischen
den Scheiben vermerkt - von der Scheibenfläche ab, die von den Knetelementen der Knetwelle
bestrichen wird. Diese Scheibenfläche kann noch dadurch vergrössert werden, dass gemäss
Fig. 4 bis 7 in den Lücken zwischen den umlaufenden Knetelementen 35, 36 im Gehäuse
der Knetwelle radiale Scheibenelemente 60 als Knetgegenelemente eingesetzt werden.
Die Draufsicht Fig. 9 auf zwei Rührwellen in einem teilweise aufgeschnittenen Gehäuse,
die dazugehörigen Querschnitte Fig. 10 bis 12 und die Abwicklung Fig. 13 der Scheibenwelle
mit den dazugehörigen Stellungen der radialen Knetelemente der Knetwelle zeigen eine
noch effektivere Anwendung des Erfindungsprinzips. 50 ist die Scheibenwelle mit den
Scheibenelementen 51 und den Knetbarren 52 und 53. 54 ist die Knetwelle, auf der
die Knetelemente 55 und 56 mit den axialen Knetbarren 57 und 58 befestigt sind. Das
Kennzeichnende dieser Ausführung sind die axialen Knetbarren 52, 53 auf der Scheibenwelle,
sowie die axialen Knetbarren 57, 58 auf der Knetwelle, die sich jeweils nur etwa über
die Hälfte der Distanz zwischen den Scheibenebenen erstrecken. Während bei der zuerst
geschilderten Ausführung nach den Fig. 4 bis 8 die Anordnung der beiden radialen
Knetelemente zwischen den Scheibenflächen an die verhältnismässig flache Schneckenlinie
des Knetbarrens 27 gebunden ist, ermöglicht die ca. halbe Länge der Knetbarren auf
beiden Wellen eine Anordnung der beiden radialen Knetarme 55, 56 auf der Knetwelle,
bei der sich jeweils ein radialer Knetspalt für den freien Durchgang des Produkts
zwischen der Ableitfläche des Knetarms und der gegenüberliegenden Scheibe ergibt.
[0016] Wie auf den Fig. 10 bis 12 ersichtlich, sind bei der gezeigten Ausführung die radialen
Knetelemente der Knetwelle um 180 Grad versetzt. Dies macht es möglich, den radialen
Knetspalt entweder durch den Abstand der Scheibenflächen durch die axiale Ausdehnung
der Knetelemente beliebig zu verengen oder zu verbreitern, um die Knetwirkung auf
bestimmte Produkte zu optimieren. Ausserdem wird der Freiraum für das Hin- und Herschieben
des Produkts zwischen zwei Scheibenebenen und damit auch die Makromischung verbessert.
[0017] Auch die axiale Transportrichtung für das Produkt lässt sich beeinflussen, wenn die
Länge der Knetbarren einseitig verlängert und der gegenüberliegende Knetbarren entsprechend
verkürzt wird.
[0018] In der Ausführung der Knetelemente gemäss den Fig. 9 bis 12 sind die axialen Knetbarren
57, 58 auf den radialen Knetelementen 55, 56 aufgesetzt. Es ist jedoch auch möglich,
die Knetelemente 55, 56 in der Breite der Knetbarren auszuführen, so dass ein kompakter
Knetzahn entsteht.
[0019] Die Misch- und Knetwirkung der radialen Knetelemente lässt sich bei vielen Produkten
noch dadurch verbessern, dass die Schabkanten und die anschliessenden Ableitflächen
für das Produkt so aufgeteilt werden, dass zwei oder mehr Produktströme entstehen,
die erst wieder im eigentlichen Knetspalt zusammenkommen und dort unter dem Druck
der Scherkräfte wieder zusammengeknetet werden.
[0020] Der Erfindungsgegenstand, die Anordnung von wirksamen zusätzlichen Knetspalten für
eine bessere Mikroknetungdes Produkts kann vieler Art variiert werden, sei es durch
Aenderung des Drehzahlverhältnisses zwischen beiden Rührwellen, sei es durch Variation
der Scheibenflächen, der Anzahl der radialen Knetelemente oder der Anzahl der axialen
Knetbarren. Ebenso kann das Arbeitsprinzip variiert werden, wenn die beiden Rührwellen
entweder gegeneinanderlaufende oder gleichlaufende Drehrichtungen haben.
[0021] Sämtliche mit dem Produkt in Berührung kommenden Flächen der Maschine sind nach bekanntem
System mindestens teilweise heiz- oder kühlbar.
1. Mehrspindeliger Knetmischer zur Durchführung von mechanischen, chemischen und/oder
thermischen Prozessen mit mindestens zwei achsparallelen rotierenden Wellen, wobei
auf der einen Welle Scheibenelemente mit daran befestigten annähernd axial ausgerichteten
Knetbarren und auf der anderen Welle Knetelemente angeordnet sind und die Scheibenelemente
und Knetelemente ineinandergreifen, dadurch gekennzeichnet, dass die Knetelemente
einen radialen Teil (35, 36, 55, 56) aufweisen, der eine Schabkante (41) zum Abschaben
der Scheibenelemente (22, 50) besitzt, an welche eine Ableitfläche (46) zum Ableiten
des abgeschabten Produkts axial in einen Knetspalt (43, 47) anschließt, der durch
die Ableitfläche (46) und die Wand der gegenüberliegenden Scheibenelemente (22, 50)
gebildet ist.
2. Knetmischer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Knetelemente der
Knetwelle (29, 54) in der Form eines Rahmens ausgebildet sind, mit einem radialen
Teil (35), der das eine Scheibenelement (26) und einem zweiten radialen Teil (36),
der das gegenüberliegende Scheibenelement (26) abreinigt und einen Knetbarren (37),
der die beiden radialen Teile (35, 36) an ihrem äusseren Durchmesser miteinander verbindet,
wobei dieser axiale Knetbarren (37) mit dem axialen Knetbarren (27) zwischen den Scheibenelementen
(26) der Welle (22) zusammen kämmt.
3. Knetmischer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die einen radialen Teile
(55) auf der Knetwelle versetzt angeordnet sind und ihre axialen Knetbarren (57) auf
ihrem Aussendurchmesser jeweils nur einen Teil der Distanz zwischen den Scheibenelementen
(51) der Scheibenwelle (50) bestreichen, während der nachfolgende radiale Teil (56)
mit seinen Knetbarren (58) auf der Knetwelle (54) den verbleibenden Raum zwischen
den Scheibenelementen (51) bestreicht, wobei die damit zusammenkämmenden Knetbarren
(52, 53) auf der Scheibenwelle (50) in der axialen Länge ebenfalls entsprechend verkürzt
und auf den Scheibenelementen (51) freiliegend abgestützt sind.
4. Knetmischer nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die
Knetelemente (35, 36, 55, 56) auf der Knetwelle (29, 54) zahnartig aus vollem Material
ausgebildet sind.
5. Knetmischer nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass die Ableitflächen (46) hinter den Schabkanten (45) der Knetelemente das Produkt
in mehrere Produktströme verschiedener Richtung aufteilen, die nach der Teilung wiederum
zusammenfließen.
6. Knetmischer nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Knetelemente auf der Knetwelle (29, 54) zur Vermeidung von Toträumen in
der radialen Ebene bestmöglich in einer Evolventen- Form konstruiert sind, die dem
Bewegungsablauf zwischen beiden Wellen (22, 50, 29, 54) geometrisch entspricht.
7. Knetmischer nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass zwischen den radialen Teilen (35, 36) im Gehäuse der Knetwelle (29, 54) radiale
Schweibenelemente (60) befestigt sind.
8. Knetmischer nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass alle mit dem Produkt in Berührung kommenden Flächen der Maschine mindestens teilweise
heiz- oder kühlbar sind.