[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zum Druckverdüsen von Metallen oder
Metallegierungen, mit einem in einem geschlossenen Verdüsungskessel aus Schmelzraum
und Verdüsungsraum angeordneten Schmelztiegel, einem Gießtrichter und einer diesem
zugeordneter Zerstäuberdüse, mittels der die flüssige Metallschmelze durch aus einem
Vorratsbehälter über eine Druckpumpe entnommene Druckflüssigkeit als Verdüsungsmedium
verdüst und in dem einen mit dem Schmelzraum verbundenen Verdüsungsraum aufgefangen
wird.
[0002] Vorrichtungen zum Herstellen von metallischen Pulvern sind vom Stand der Technik
bekannt: Aus der DE-A-1 558 370 ist speziell ein Verfahren zur Herstellung von Metallpulver
mit beispielsweise besonders niedrigen Oxidgehalten bekannt, bei dem die Metallschmelze
mittels Inertgas, beispielsweise Argon, zerstäubt und die so erhaltenen Metallpartikel
danach einer, ebenfalls unter Schutzgas stattfindenden Flüssigkeitsbenetzung ausgesetzt
werden. Weiterhin ist aus der DE-B-3 104 003 ein Verfahren zum Herstellen von Pulver
aus Metallegierungen mit Blei und/oder Cadmium als Schwermetallkomponenten, die an
Luft Oxide bilden, bekannt, bei dem das Erschmelzen unter Schutzgas erfolgt, beim
Abguß die Schmelze über einen schutzgasgespülten Zwischenraum in die Zerstäuberdüse
geleitet, dort durch Druckwasser zerstäubt, das erzeugte Pulver in Wasser aufgefangen
und das Wasser im Kreislauf als Druckwasser zur Zerstäuberdüse zurückgeführt wird.
[0003] Bei letzterem Verfahren sollen die durch das Verdüsen mit Wasser angesaugten Gasmengen
durch den entstehenden Unterdruck an der Zerstäuberdüse kleingehalten werden, wobei
gleichermaßen die Oxidation an der Oberfläche der Pulver weitgehend vermieden wird.
Durch den geschlossenen Wasserkreislauf für das Zerstäuben und Auffangen des Pulvers
wird angestrebt, die Umweltprobleme insbesondere bei der Herstellung von toxische
Schwermetalle enthaltenden Pulvern beherrschbar zu machen, da nur ein einziger Abluftkanal
mit Gas-Dampf-Austritt und Filter erforderlich ist.
[0004] Bei einer gemäß der DE-B-3 104 003 aufgebauten Vorrichtung erfolgt die Abfuhr des
Gemisches von zugeführtem Schutzgas, Wasserdampf und Pulverfeinststaub über ein Filtersystem
mit Ventilator als Abluft. Dabei ergibt sich beispielsweise bei Verdüsung einer
60 kg Schmelze etwa 150 m³ Abluft, die innerhalb einiger Minuten gefiltert abgeführt
werden müssen.
[0005] Es hat sich gezeigt, daß die nach dem bekannten Verfahren aufgebauten Vorrichtungen
nicht mehr den gestiegenen Anforderungen hinsichtlich verringerten Umweltbelastungen
genügen. Vor allem bei der Verarbeitung solcher Metallegierungen mit niedrigen MAK-Werten
(MAK
Maximale
Arbeitsplatz-
Konzentration) nach der neuen TA-Luft (TA-Luft
Technische
Anleitung zur Reinhaltung der Luft) 1986 soll die Abluft weiter verringert werden.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Vorrichtung der eingangs genannten Art
derart zu verbessern, daß Emissionen weiter verringert werden.
[0007] Die Aufgabe ist erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Zerstäuberdüse einzelne
diskrete Flussigkeitsaustrittsöffnungen, die symmetrisch um den fallenden Schmelzstrahl
angeordnet sind, aufweist und daß eine Ausgleichsleitung zwischen Verdüsungskessel
und Flüssigkeitsvorratsbehälter vorhanden ist, über die das durch die Verdüsungsflüssigkeit
verdrängte Gasvolumen aus dem Verdüsungsraum in den Vorratsbehälter, aus dem die Flüssigkeit
entnommen wird, zurückgeführt wird. Dabei sind wenigstens zwei diskrete Flüssigkeitsaustrittsöffnungen
vorhanden, die dem fallenden Schmelzstrahl gegenüberliegend angeordnet sind. Vorzugsweise
hat die Zerstäuberdüse vier Flüssigkeitsaustrittsöffnungen, die um 90° versetzt paarweise
gegenüberliegen.
[0008] Düsenanordnungen mit diskreten Austrittsöffnungen sind an sich bekannt, beispielsweise
aus Metals Handbook 9th Ed. (Vol. 7, 1984) Powder Metallurgy, S. 29. Erst im Rahmen
der Erfindung wurde aber erkannt, daß bei Verwendung einer solchen Düsenanordnung
überraschenderweise in dem geschlossenen System aus Verdüsungskessel, der aus dem
Schmelzraum und Verdüsungsraum besteht, und Flüssigkeitsvorratsbehälter einschließlich
Druckpumpe, während des Zerstäubens kein Überdruck auftritt. Messungen zeigen, daß
das bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung aus dem Verdüsungskessel verdrängte Gasvolumen
bei Zerstäubung einer 5 kg-Schmelze nur etwa 40 1 beträgt und damit ebenso hoch war
wie das von der Druckpumpe über das Düsensystem in den Verdüsungskessel eingepumpte
Wasservolumen. Da offenbar der entstehende Wasserdampf so schnell kondensiert, daß
keine Druckerhöhung im geschlossenen System auftritt, kann dieses Gasvolumen in einem
geschlossenen Kreislauf beherrscht werden.
[0009] Bei einer Vorrichtung gemäß der Erfindung muß also im Normalfall keine Abluft mehr
nach außen abgeführt werden. Nur noch im Störfall, beispielsweise bei Überdruck durch
Kühlwassereinbruch, kann überhaupt Abluft entstehen, die über ein aus Sicherheitsgründen
zusätzlich vorhandenes Überdruckventil, Filter und Ventilator gereinigt wird.
[0010] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Figurenbeschreibung eines Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnung in Verbindung
mit den Unteransprüchen.
[0011] Es zeigen in schematischer Darstellung
Fig. 1 ein Ablaufschema einer neuen Verdüsungsvorrichtung und
Fig. 2 die dabei verwendete Düsenanordnung.
[0012] Die Vorrichtung besteht aus einem abgeschlossenen Verdüsungskessel, der einen Schmelzraum
1 und einen Verdüsungsraum 6 umfaßt. Im Schmelzraum 1 ist in einer Induktionsspule
2 ein Schmelztiegel 3 zum Erschmelzen von Metallen oder Metallegierungen angeordnet.
Der Schmelztiegel 3 ist kippbar ausgebildet, so daß eine Schmelze in einen Gießtrichter
4 abgegossen werden kann.
[0013] Der Gießtrichter 4 weist im Boden eine Öffnung auf, über die der Schmelzraum 1 mit
dem Verdüsungsraum 6 verbunden ist. Der Behälter 1 ist durch einen Deckel 7 mit einer
Chargiereinrichtung 8 abgeschlossen.
[0014] In der Verbindung zwischen Schmelzraum 1 und Verdüsungsraum 6 ist eine Zerstäuberdüse
5 angeordnet. Die Zerstäuberdüse 5 ist beispielsweise mit Druckwasser als Verdüsungsmedium
beaufschlagbar, so daß die fallende Schmelze zerteilt und somit verdüst wird. Statt
Wasser kann in bekannter Weise auch eine andere Flüssigkeit, insbesondere Öl, als
Verdüsungsmedium verwendet werden.
[0015] Das verdüste Metallpulver wird in einem Pulversammelbehälter 9 am unteren Ende des
Verdüsungsraumes 6 aufgefangen. Der Pulversammelbehälter 9 kann zur Entnahme des
Pulvers geöffnet werden. Der Schmelzraum 1 und der Verdüsungsraum 6 können über eine
Leitung mit Stellventil verbunden sein.
[0016] Das im Verdüsungsraum 6 nach dem Verdüsen bzw. Auffangen des Pulvers vorhandene
Wasser soll nach dem Absetzen des Metallpulver in einen Vorratsbehälter zurückgeführt
werden und erneut als Verdüsungsflüssigkeit zur Verfügung stehen. Hierzu wird das
Wasser über einen Rücklauf 10 mit Filter 11 durch eine Wasserpumpe 12 in einen Wassertank
16 als Vorratsbehälter gepumpt. Von dort gelangt es über die Wasserleitung 13 und
eine Hochdruckpumpe 14 als Druckwasser zur Zerstäuberdüse 5.
[0017] Ein geschlossener Wasserkreislauf mit Verwendung des Wassers gleichermaßen als Druckwasser
und als Auffangmedium für das Pulver ist vom Stand der Technik bekannt. In der Anlage
nach Fig. 1 ist nun eine Ausgleichsleitung 17 vorhanden, die den Verdüsungsraum 6
bei der Verdüsung entstehende Gasvolumen in den Wasserbehälter 16 zurückgeführt werden.
[0018] In den einzelnen Leitungen können jeweils noch Ventile vorhanden sein, auf die in
diesem Zusammenhang im einzelnen nicht eingegangen wird. Insbesondere kann aber der
Schmelzraum 1 zum Schmelzen der Legierung über ein Drei-Wege-Ventil alternativ mit
einer Vakuumpumpe 15 oder mit einem Schutzgasreservoir 19 verbunden werden, so daß
das Erschmelzen der Metalle bzw. Metalllegierungen unter Vakuum bzw. Schutzgas möglich
ist.
[0019] In Fig. 2 ist ein Schmelzstrahl mit 50 bezeichnet, der beim Anfluß aus dem Gießtrichter
4 gemäß Fig. 1 entsteht. Die in Fig. 1 nur schematisch angedeutete Zerstäuberdüse
für Druckwasser als Zerstäubungsmedium besteht gemäß Fig. 2 aus zwei Wasseraustrittsöffnungen
51 und 52, die symmetrisch zum Schmelzstrahl 50 einander gegenüberliegend angedeutet
sind. Von den Wasseraustrittsöffnungen wird ein erster Wasserstrahl 53 und ein zweiter
Wasserstrahl 54 erzeugt, die den Schmelzstrahl 50 teilen und so die Verdüsung des
flüssigen Metalls bei gleichzeitiger Abkühlung bewirken.
[0020] Fig. 2 kann in der Papierebene mit einer identischen Düsenanordnung ergänzt werden,
so daß die gesamte Zerstäuberdüse 5 vier Flussigkeitsaustrittsöffnungen, die um je
90° versetzt einander gegenüberliegen, aufweist.
[0021] Wesentlich ist bei Fig. 2, daß in Abweichung zum Stand der Technik keine Ringdüse
verwendet wird. Bei Zerstäuben mit Wasser druck durch eine Düse mit durchgehendem,
konzentrisch den fallenden Schmelzstrahl umgebenden Wasseraustrittsringschlitz müßte
nämlich aufgrund des durch den Wasserstrahlpumpeneffekt erzeugten Unterdruckes ein
kontinuierlicker Druckausgleich im Raum zwischen Gießtrichter 4 und Düse 5 vorgenommen
werden, wozu bisher Schutzgas oder Umgebungsluft zugeführt wurde. Dadurch würden aber
die zu beherrschenden Gasmengen in unerwünschter weise vergrößert.
[0022] Letzterer Wasserstrahlpumpeneffekt tritt bei einer Ausbildung der Düse gemäß Fig.
2 nicht auf; es braucht daher auch kein Druckausgleich mit Schutzgaszuführung oberhalb
der Zerstäuberdüse 5 zwischen Schmelzraum 1 und Verdüsungsraum 6 vorgenommen zu werden.
[0023] Bei Ausbildung der Zerstäuberdüse 5 in Fig. 1 entsprechend Fig. 2 tritt also im System:
Verdüsungskessel (Schmelzraum 1 und Verdüsungsraum 6) - Wasservorratsbehälter 16
- Wasserpumpe 12 kein Überdruck auf, da auch eventuell entstehender Wasserdampf sofort
wieder kondensiert. Da das Volumen des in den Verdüsungskessel einströmenden Wassers
gleich dem des aus dem Verdüsungskessel entweichenden Gasvolumens ist, das wiederum
dem aus dem Vorratsbehälter 16 entnommenen Wasservolumens entspricht, kann nunmehr
auch mit einem geschlossenen Gaskreislauf gearbeitet werden.
[0024] Zur Realisierung des geschlossenen Gaskreislaufes wird das durch die Verdüsungsflüssigkeit
verdrängte Gasvolumen aus dem Verdüsungsraum 6 über die Ausgleichsleitung 17 in den
Vorratsbehälter 16, aus dem die Verdüsungsflüssigkeit entnommen wird, zurückgeführt.
Lediglich diskontinuierlich wird das Gasvolumen im Verdüsungskessel aus Schmelzraum
1 und Verdüsungsraum 6 sowie Behälter 16 von Feinststaub durch Gasumwälzung über Filter
vor dem Öffnen der Anlage gereinigt. Dafür ist der Ausgleichsleitung 17 eine weitere
Leitung 27 parallel geschaltet, die das System mit geschlossenem Gaskreislauf ergänzt.
Über die Leitung 27 ist ein Filter 28 und ein Ventilator 29 zuschaltbar, über welche
die Reinigung des Gasvolumens erfolgen kann.
[0025] Bei der Anlage gemäß Fig. 1 mit einer Düsenanordnung gemäß Fig. 2 kann ein Druckanstieg
nur im Störfall, beispielsweise bei kühlwassereinbruch oder ähnlichem, entstehen.
Um einen unzulässigen, zu hohen Druck in diesem Fall zu vermeiden, ist aus Sicherheitsgründen
ein überdruckventil 18, ein Wasserabscheider 20, ein Absolutfilter 21, ein Lüfter
22 und eine Abluftleitung vorhanden, über die der Überdruck im Störfall abgebaut werden
kann.
1. Vorrichtung zum Druckverdüsen von Metallen oder Metallegierungen, mit in einem
geschlossenen Verdüsungskessel aus Schmelzraum und Verdüsungsraum angeordnetem Schmelztiegel,
einem Gießtrichter und einer diesem zugeordneter Zerstäuberdüse, mittels der die
flüssige Metallschmelze durch aus einem Vorratsbehälter über eine Druckpumpe entnommene
Druckflüssigkeit als Verdüsungsmedium verdüst und in den mit dem Schmelzraum verbundenen
Verdüsungsraum aufgefangen wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Zerstäuberdüse (5) einzelne diskrete Flüssigkeitsaustrittsöffnungen (51,
52), die symmetrisch um den fallenden Schmelzstrahl (50) angeordnet sind, aufweist
und daß eine Ausgleichsleitung (17) zwischen Verdüsungskessel (1, 6) und flüssigkeitsvorratsbehälter
(16) vorhanden ist, über die das durch die Flüssigkeit verdrängte Gasvolumen aus dem
Verdüsungskessel (1, 6) in den Vorratsbehälter (16), aus dem die Flüssigkeit entnommen
wird, zurückgeführt wird.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Zerstäuberdüse (5) mindestens zwei Flüssigkeitsaustrittsöffnungen (51, 52),
die dem fallenden Schmelzstrahl (50) gegenüberliegend angeordnet sind, hat.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Zerstäuberdüse (5) vier Flüssigkeitsaustrittsöffnungen, die um 90° versetzt
paarweise gegenüberliegen, hat.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Flüssigkeitskreislauf gebildet ist und im Rücklauf (10) zum Vorratsbehälter
(16) ein Filter (11) sowie eine Förderpumpe (12) eingebaut sind.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausgleichsleitung (17) durch eine weitere Leitung (27), die Mittel zur Reinigung
des Gasvolumens vom Feinststaub aufweist, zu einem geschlossenen Gaskreislauf ergänzt
wird.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Verdüsungskessel (1, 6) über ein Überdruckventil (18), ein Filter (21) und
einen Ventilator (22) mit der Atmosphäre verbunden ist, wobei das Überdruckventil
(18) nur im Störfall aktiviert wird.