[0001] Die Erfindung betrifft eine Preßzange insbesondere für Brikettierpressen mit mindestens
zwei Backen, die den Durchlaßquerschnitt für das Preßgut bilden, von den wenigstens
eine zum Verändern des Durchlaßquerschnitts im wesentlichen radial verstellbar ist
und die mit einem Stellglied in Verbindung steht.
[0002] Preßzangen sind allgemein bekannt und werden bei der Verdichtung und Brikettierung
einer Vielzahl von Stoffen, insbesondere Abfallstoffe, wie beispielsweise Staub und
Spänen aus Holz und Kunststoff, Stroh, Papier, Textilien, Pflanzenabfälle usw. eingesetzt.
Hierzu wird als Material einer als Kolbenstrangpresse arbeitenden Brikettierpresse
zugeführt, das Pressgut zunächst verdichtet, in Form eines Stranges ausgeschoben und
der Preßzange zugeführt. Dann erfolgt eine weitere Verdichtung dadurch, daß der Bewegung
des strangförmigen Preßgutes ein Widerstand entgegengesetzt wird, wobei die Eigenschaften
des fertigen Briketts durch entsprechende Einstellung der Preßzange beeinflußt und
bestimmt wird.
[0003] Um trotz Schwankungen in der Zusammensetzung, Verdichtbarkeit und den Gleiteigenschaften
des Preßgutes ein homogenes Endprodukt zu erreichen, ist wenigstens eine Backe der
Preßzange bewegbar gelagert, um den Durchlaßquerschnitt veränderbar zu gestalten.
Hierzu ist diese Backe um eine im Bezug auf den Durchlaß segmentartig verlaufende
Schwenkachse befestigt und über ein dahinter angreifendes Stellglied mehr oder weniger
nach unten gepreßt. Bei Erhöhung des Drucks des Preßgutes wird der durch die Backen
gebildete Durchlaßquerschnitt vergrößert. Umgekehrt wird bei Druckabnahme der Querschnitt
verkleinert, so daß man über die Querschnittsveränderung einen Druckausgleich und
als Resultat davon eine gleichmäßige Verdichtung des Preßstranges erhält. Bei derartigen
Konstruktionen wird im Eingangsbereich der Preßzange das ankommende Preßgut im Bereich
der Schwenkachse durch einen vergleichsweise engen Querschnitt gezwungen, was in
diesem Bereich einen sehr hohen Verschleiß der Preßzange zur Folge hat. Insbesondere
bei hochverdichtetem Preßgut, d.h. bei ausgangsseitig sich öffnender Zange wird der
Einlaßquerschnitt durch die äußeren, dann nach innen zu sich bewegenden Berandungen
der Backe zusätzlich noch verengt. Bedingt durch diese Verengung steigt der Preßdruck
an, was zur völligen Blockade und zum Ausschalten des Antriebsmotors führen kann.
Ähnliches gilt auch bei erneutem Einschalten der Brikettierpresse, da das als erstes
die Preßzange erreichende, in den Preßwerkzeugen abgekühlte Preßgut dann besonders
verfestigt ist, häufig zu Anlaufschwierigkeiten und Schäden an der Maschine führt.
[0004] Aus diesen Gründen hat sich die Erfindung die Verbesserung derartiger Preßzangen
dahingehend zur Aufgabe gemacht, daß trotz unterschiedlicher Materialien und inhomogenen
Preßgutes die gleiche Dichte des fertigen Briketts erzielt werden kann. Gelöst wird
diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch, daß das Stellglied in etwa mittig angreift,
daß der Backen um den Angriffspunkt des Stellgliedes pendelnd befestigt ist und daß
am Backen einlaßseitig eine im Öffnungssinn wirkende Kraft angreift.
[0005] Der Backen erfährt durch das Stellglied eine im wesentlichen in radialer Richtung
auf das Zentrum des Durchlaßquerschnitts zu wirkende Kraft, durch die letztlich die
Verdichtung des beaufschlagten Preßgutes erfolgt. Die Verbindung zwischen Backen
und Stellglied ist schwenkbar ausgebildet, so daß eine Pendelbewegung möglich wird.
Sie gestattet die Anpassung an über die gesamte Länge der Preßzange sich ändernde
Durchlaßquerschnitte. Befinden sich innerhalb der Preßzange Bereiche höherer Materialdichte,
kann allein aufgrund der Pendelbewegung während des Durchlaufens der Preßzange eine
Ausgleichsbewegung im Sinne eines in diesem Bereich größeren Querschnittes erfolgen.
Das Ergebnis ist ein Brikett homogener Dichte, jedoch mit geringfügigen Änderungen
des Durchmessers. Dabei ist eine Backe in radialer Richtung verstellbar, in axialer
Richtung hingegen festgehalten. Eine mögliche Realisierung ist die Anbringung eines
in den raumfesten Backen eingreifenden Bolzens. Eine Mitführung in Bewegungsrichtung
des Preßgutes ist dann mit Sicherheit ausgeschlossen.
[0006] Einlaßseitig wirkt eine den Backen öffnende Kraft. Während des Betriebes herrscht
ein Gleichgewicht zwischen dem durch das Stellglied auf den Backen ausgeübte Kraft
und andererseits der Summe der aus dem beaufschlagten Preßgut erzeugten und der einlaßseitigen
Gegenkräfte.
[0007] Bei geringer Kraftausübung mit Hilfe des Stellgliedes ist der Backen einlaßseitig
weit geöffnet. Dies hat den entscheidenden Vorteil, daß bei erneutem Einschalten
das gerade zu Beginn des Preßstranges befindliche Preßgut besonders problemlos in
die Preßzange gelangen kann. Die besondere Bedeutung besteht darin zu vermeiden, daß
das mit Einschalten anfänglich die Preßzange erreichende Preßgut in besonderer Weise
hart und verfestigt ist, sich leicht einlaßseitig in der Preßzange verklemmt und die
Maschine zum Stillstand bringt oder in besonders häufiger Weise Verschleißschäden
am Preßzangen-Oberteil bedingt.
[0008] Die durch die Erfindung erreichbaren Vorteile bestehen in der Möglichkeit der Anpassung
an unterschiedliche Preßgutdichten und der Homogenisierung des Brikettes über die
Änderung des Strangdurchmessers. Gegenüber herkömmlichen Maschinen wird der Regelbereich
wesentlich vergrößert sowie die Einsatzmöglichkeiten im Hinblick auf die verschiedenen
Materialien erweitert. Vor allem wird durch das einlaßseitige Öffnen im Einschaltmoment
ein Überlasten, Abwürgen oder Beschädigen der Maschine weitgehendst vermieden, der
Verschleiß wird erheblich reduziert, was die Lebensdauer entsprechend verlängert.
[0009] In vorteilhafter Weiterbildung wird im Hinblick auf die Steuerung des Stellgliedes
vorgesehen, den Durchlaßquerschnitt bei sich erhöhendem Durchflußwiderstand zu vergrößern.
Umgekehrt soll bei geringerem Durchflußwiderstand eine Verkleinerung des Durchflußquerschnittes
eintreten. Das Stellglied wird entsprechend dem Durchflußwiderstand und damit lastabhängig
gesteuert. Bei hoher Dichte des Preßgutes vergrößert sich der Durchflußwiderstand.
Bevorzugt ist, den Durchflußwiderstand mittelbar dadurch zu erfassen, daß die Leistungsaufnahme
des Antriebsmotors erfaßt und zur Steuerung des Stellgliedes benutzt wird. Hierbei
macht man sich zunutze, daß eine Vergrößerung des Durchflußwiderstandes eine Erhöhung
der Leistungsaufnahme des Antriebsmotors bewirkt, bzw. sich in einer höheren Belastung
bemerkbar macht. Die unmittelbare Erfassung des Durchflußwiderstandes ist dann nicht
erforderlich.
[0010] In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Bewegung des Backens nach außen über
einen Anschlag begrenzt. Für den Fall, daß sich der Anschlag einlaßseitig befindet,
wird sie durch die dort im Öffnungssinne wirkende Kraft anschlagmäßig begrenzt.
[0011] Mit Erreichen des Anschlages ergeben sich in kinematischer Hinsicht etwa die gleichen,
bei den bisher bekannten Preßzangen bereits vorliegende Verhältnisse.
[0012] Aufgrund der Pendelbewegungen des Backens und der unter Einwirkung des Stellgliedes
radialen Verschiebung ist die Rundung der Kontaktfläche des Anschlages von Vorteil,
weil dann eine großflächige Anlage und ein entsprechender Kraftfluß möglich wird.
Bevorzugt ist, den Krümmungsmittelpunkt der Rundung der Kontaktfläche mit der Drehachse
des Backens bei eingangsseitig maximaler Öffnung zusammenfallen zu lassen.
[0013] Als Stellglied können Hydraulik- oder Pneumatikzylinder oder Gewindespindeln oder
Federn Verwen dung finden, die im letzteren Fall zur Änderung der ausgeübten Kraft
axial verschiebbar sein müssen. Ähnliches gilt für die Realisierung der einlaßseitigen
Kraft, wobei die Verwendung von Federn jedoch besonders bevorzugt ist.
[0014] Schließlich wird noch zur weiteren Verminderung des Veschleißes und zur Erhöhung
der Lebensdauer vorgeschlagen, die Backen zumindest einlaßseitig mit Verschließschalen
und/oder -leisten auszurüsten oder mit Keramikmaterial bzw. Hartmetall auszukleiden.
Die Verschleißleisten bieten den Vorteil, daß sie herausgenommen, gedreht und erneut
eingesetzt werden können, so daß bis zum erforderlichen Austausch eine vierfache Lebensdauer
erreichbar wird. Keramikmaterial ist bekanntermaßen verschleißfest und eignet sich
in besonderer Weise für Bearbeitungsverfahren, die hohe Anforderungen an die Verschleißfestigkeit
der Werkzeuge stellen.
[0015] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung lassen sich dem nachfolgenden
Beschreibungsteil entnehmen, in dem anhand der Zeichnung ein Ausführungsbeispiel
der Erfindung näher erläutert wird. Es zeigen in prinzipienhafter Darstellung:
Figur 1 eine erfindungsgemäße Preßzange in Seitenansicht
Figur 2 die Preßzange gemäß Figur 1 in Vorderansicht.
[0016] Sie besteht in ihrem prinzipiellen Aufbau aus einer unteren, raumfesten Backe 1 und
einer obe ren, hiergegen relativ bewegbaren Backe 2. Die Preßzange in ihrer Gesamtheit
wird im wesentlichen durch diese beiden Backen 1,2 gebildet, die in ihrem Abstand
den vom Preßgut zu durchlaufenden Durchlaßquerschnitt definieren.
[0017] In der Mitte über der oberen Backe 2 befindet sich ein Zylinder 3, der über einen
Bolzen 4 im wesentlichen in radialer Richtung eine Kraft überträgt. Sie verschiebt
die obere Backe 2 in radialer Richtung und ändert hierdurch den Durchlaßquerschnitt.
Neben der Kraftübertragung besteht die Funktion des Bolzens 4 darin, eine Pendelbewegung
der oberen Backe 2 zuzulassen, um hierdurch lokale Dichteschwankungen des Preßgutes
ausgleichen zu können. Um trotz radialer Bewegung eine Verschiebung in Förderrichtung
zu unterbinden, ist an der oberen Backe 2 ein Preßzangenbolzen 5 befestigt, der in
einen entsprechend vertikal verlaufenden Schlitz 6 in der unteren Backe 1 eingreift
und verschieblich ist.
[0018] Die vertikale Beweglichkeit ist auch deshalb erforderlich, da die auf der unteren
Backe 1 sich abstützenden Federn 7 an der oberen Backe 2 bzw. dem Preßzangenbolzen
5 anliegen und im Öffnungssinne wirken. Die Federn 7 stellen sicher, daß die Preßzange
eingangsseitig zur besseren Aufnahme des in Pfeilrichtung geförderten Preßgutes stets
geöffnet ist. Die durch die Federn 7 radial nach außen erfolgende Verschiebung wird
in ihrer Amplitude durch einen verstellbaren Anschlag 8 begrenzt. Zur Erreichung
einer großflächigen Kraftübertragung in den unterschiedlichen Betriebsstellungen
des oberen Backens 2 ist die Kontaktfläche 9 gerundet und zwar vorzugsweise in Form
eines Kreisbogens, dessen Mittelpunkt mit der Achse der Drehung des Backens 2 um den
Preßzangenbolzen 5 zusammenfällt.
[0019] Zur Verhinderung frühzeitigen Verschleißes und zur Erhöhung der Lebensdauer sind
die besonders gefährdeten einlaßseitigen Berandungen des Durchlaßquerschnittes mit
Verschließschalen 10 und Verschleißleisten 11 ausgestattet.
[0020] Im Ergebnis erhält man eine Preßzange, die die Herstellung von Briketts homogener
Dichte auch bei unterschiedlichen Materialien und inhomogenen Preßgutes bei gleichzeitig
höherer Lebensdauer erlaubt.
1) Preßzange insbesondere für Brikettierpressen mit mindestens zwei Backen, die den
Durchlaßquerschnitt für das Preßgut bilden, von denen wenigstens eine zum Verändern
des Durchlaßquerschnitts im wesentlichen radial verstellbar ist und die mit einem
Stellglied in Verbindung steht, dadurch gekennzeichnet, daß das Stellglied in etwa mittig angreift, daß der Backen 2 um den Angriffspunkt
des Stellgliedes pendelnd befestigt ist und daß am Backen 2 einlaßseitig eine im
Öffnungssinn wirkende Kraft angreift.
2) Zange nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Stellglied bei sich erhöhendem Durchflußwiderstand den Durchlaßquerschnitt
vergrößert.
3) Zange nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Stellglied über die Antriebsmotorleistung gesteuert wird.
4) Zange nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Backen 2 eine die Bewegung nach außen begrenzenden Anschlag 8 aufweist,
der sich be vorzugt einlaßseitig befindet.
5) Zange nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Kontaktfläche 9 gerundet ist.
6) Preßzange nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Stellglied ein Hydraulik- oder Pneumatikzylinder oder eine Gewindespindel
oder eine Feder ist.
7) Zange nach einem der Ansprüche 1 bis 6 dadurch gekennzeichnet, daß die einlaßseitige Kraft eine Feder 7 erzeugt.
8) Zange nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß an die Backen 1, 2 mit Verschleißschalen 10 versehen und/oder in der Übergangszone
beider Backen 1,2 Verschleißleisten 11 angeordnet sind.
9) Zange nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Backen 1,2 zumindest einlaßseitig mit Keramikmaterial oder Hartmetall ausgekleidet
ist.