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EP 0 332 956 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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16.06.1993 Patentblatt 1993/24 |
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Anmeldetag: 04.03.1989 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)5: B24B 1/00 |
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Verfahren und Vorrichtung zum Schleifen und/oder Polieren einer Lackierung bei Temperaturen
unterhalb der Umgebungstemperatur
Method and apparatus for sanding and/or polishing a varnish coating at temperatures
lower than the ambient temperature
Procédé et dispositif pour poncer et/ou polir une laque à des températures inférieures
à la température ambiante
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Benannte Vertragsstaaten: |
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DE ES FR IT SE |
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Priorität: |
15.03.1988 DE 3808650
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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20.09.1989 Patentblatt 1989/38 |
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Patentinhaber: |
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- Linde Aktiengesellschaft
65189 Wiesbaden (DE)
- Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft
80788 München (DE)
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Erfinder: |
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- Hurnaus, Alfred, Dipl.-Kfm.
D-8183 Rottach-Egern (DE)
- Tristl, Hans
D-8021 Hohenschäftlarn (DE)
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Vertreter: Schaefer, Gerhard, Dr. |
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Linde Aktiengesellschaft
Zentrale Patentabteilung 82049 Höllriegelskreuth 82049 Höllriegelskreuth (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
EP-A- 0 328 963 US-A- 1 862 135
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BE-A- 439 364 US-A- 2 733 562
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Das Schleifen und Polieren von Lacken ist auf den Schleif- und Poliervorgang selbst
bezogen ein bereits in vielfacher Weise gelöstes Problem. Bei Lacksorten, die bei
Umgebungstemperatur eine hohe Elastizität aufweisen, ist jedoch ein Schleifen und
Polieren nicht ohne weiteres möglich. Derartige Lacksorten werden beispielsweise zur
Lackierung von in zunehmendem Maße verwendeten Kunststoffbauteilen, z.B. in der Autoindustrie,
eingesetzt, da Lacke auf solchen Untergründen eine größere Elastizität besitzen müssen,
als z.B. auf metallischen Untergründen. Zum Schleifen und/oder Polieren auch nur einer
fehlerhaften Stelle dieser bei Umgebungstemperatur elastischen Lackierung ist es bekannt,
das gesamte, die Lackierung tragende Bauteil in einer Kältekammer auf Temperaturen
abzukühlen, die ein Polieren der Lackierung zulassen. Das Abkühlen des gesamten Bauteils
in einer Kältekammer ist jedoch eine aufwendige, energetisch ungünstige und zeitraubende
Vorgehensweise.
[0003] Der Erfindung liegt daher ist Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Schleifen und/oder
Polieren insbesondere von Fehlstellen einer Lackierung bei Temperaturen unterhalb
der Umgebungstemperatur anzugeben, das die Nachteile der bekannten Vorgehensweise
möglichst weitgehend ausschaltet.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale von Anspruch 1 gelöst.
[0005] Durch die Verwendung eines gasförmigen Kälteträgers kann die Kälte genau an den Ort
ihres Bedarfs geführt und effizient übertragen werden.
[0006] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung wird als Kaltgas ein verdampfes Kryomedium
verwendet, das die notwendige Kälte bereits von vorne herein mitbringt und das auf
verschiedene Temperaturen eingestellt werden kann. Besonders geeignet sind aufgrund
ihrer sicheren Handhabbarkeit, ihres Inertgascharakters und der besonders tiefen Temperaturen
Flüssigstickstoff und -argon. Aber auch andere Kryomedien sind einsetzbar.
[0007] In einer weiteren vorteilhaften Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der
zu schleifende und/oder zu polierende Bereich der Lackierung gegen die Umgebung abgeschirmt
und das Kaltgas in die Abschirmung eingeführt und innerhalb der Abschirmung gleichmäßig
verteilt. Dadurch wird eine gleichmäßige und effiziente Abkühlung des gewünschten
Lackierungsbereichs erreicht und nur so viel Kaltgas verbraucht als unbedingt erforderlich
ist. Aufgrund der mit sinkender Temperatur abnehmenden Elastizität einer Lackierung
wird der zu bearbeitende Bereich vorteilhafterweise auf Temperaturen von -30 bis -50
°C abgekühlt.
[0008] Eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist gekennzeichnet
durch einen nach Aufsetzen auf den zu bearbeitenden Bereich mit diesem einen Hohlraum
bildenden Aufsatz mit Auslaßöffnungen für verbrauchtes Kaltgas, der mit einer Kaltgasquelle
verbunden ist. Besonders vorteilhaft ist es, wenn der auf der Lackierung aufsitzende
Rand des Aufsatzes mit Auslaßöffnungen bildenden Einkerbungen versehen ist. Ein derartiger
Aufsatz Schafft eine geeignete Abschirmung des zu polierenden Bereiches mit einer
effizienten Kälteübertragung. Durch die Auslaßöffnungen bildenden Einkerbungen am
aufsitzenden Rand des Aufsatzes wird auch die Umgebung der direkt mit dem Kaltgas
beaufschlagten Fläche mit Kaltgas in Berührung begracht und abgekühlt. Dadurch werden
zu große Temperaturunterschiede und damit Spannungen in der Lackierung an dem zu polierenden
Bereich und seiner Umgebung vermieden.
[0009] Besonders vorteilhaft ist die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Beseitigung
von Lackierungsfehlern in fertigen Lackierungen, denn es wird das in der Beschreibungseinleitung
beschriebene Verfahren ersetzt und eine Zweitlackierung überflüssig oder erst möglich
gemacht.
[0010] Mit Hilfe der schematischen Zeichnung soll im folgenden das erfindungsgemäße Verfahren
beispielhaft näher erläutert werden.
[0011] Die Figur zeigt einen Aufsatz 1, der mit einer Kaltgasquelle 2 verbunden ist. Der
Aufsatz 1 besteht im wesentlichen aus einem hohlzylinderförmigen Grundkörper, der
mit einem Verbindungselement 3 an eine Versorgungsleitung 4 gekoppelt ist. Am offenen
Ende des hohlzylinderförmigen Grundkörpers sind am Rand, auf dem der Aufsatz auf eine
Fläche 5 aufsetzbar ist, Einkerbungen 6 angebracht, die ein Ausströmen des in den
aufgesetzten Aufsatz 1 eingeleiteten Kaltgases ermöglichen, wobei das ausströmende
Kaltgas auf die den Aufsatz umgebenden Lackierungsbereiche verteilt wird.
[0012] Wird auf einer mit bei Raumtemperatur elastischem Lack lackierten Fläche ein Lackierungsfehler,
z.B. ein aufsitzendes Staubkorn, festgestellt, so kann das Verfahren gemäß der Erfindung
zur Anwendung kommen. Zunächst wird das Staubkorn entfernt. Auf die entstehende sichtbare
Fehlstelle wird der Aufsatz 1 aufgesetzt und in diesen kalter Stickstoff mit einer
Temperatur von -50 bis -196 °C, vorzugsweise -70 bis -150 °C, für eine Zeit von 3
bis 10 sec. eingeleitet. Die mit Kaltgas beaufschlagte Lackfläche unterhalb des Aufsatzes
wird so auf eine Temperatur von etwa -30 bis -50 °C abgekühlt. Bei dieser Tempertur
weist der Lack nur noch eine geringe Elastizität auf und es ist möglich die so abgekühlte
Fläche zu polieren und die Fehlstelle somit zu beseitigen.
[0013] Bei Lackierungsfehlern, die durch Polieren allein nicht zu beseitigen sind, z.B.
bei stellenweiser, ungleichmäßiger dicker Lackschicht mit nicht glatter Oberfläche,
kann die Fehlstelle ebenfalls in der eben beschriebenen Art abgekühlt und anschließend
abgeschliffen werden. Auch beim Schleifen selbst ist das Anblasen mit Kaltgas vorteilhaft,
um die entstehende Reibungswärme abzuführen und die Schleiffähigkeit der Lackierung
zu erhalten. Mit einer so abgeschliffenen Lackierungsfehlstelle kann das Bauteil dann
problemlos, auch mehrfach, einer weiteren Lackierung zugeführt werden.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren liefert also eine schnelle, einfach durchführbare
und auch ökonomische Möglichkeit bestimmte Lacksorten schleif- und polierfähig zu
machen.
1. Verfahren zum Schleifen und/oder Polieren einer fertigen (= ausgehärteten) Lackierung
aus einer Lacksorte mit hoher Elastizität, wobei bei Temperaturen unterhalb der Umgebungstemperatur
Geschliffen oder Poliert wird, dadurch gekennzeichnet,
daß zunächst der zu schleifende und/oder zu polierende Bereich der Lackierung durch
Anblasen mit Kaltgas auf -30 bis -50 °C abgekühlt wird
und anschließend dieser abgekühlte Bereich geschliffen und/oder poliert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Kaltgas ein verdampftes
Kryomedium (=tiefkaltes Flüssiggas),insbesondere verdampfter Flüssigstickstoff, verwendet
wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß der zu schleifende
und/oder zu polierende Bereich der Lackierung gegen die Umgebung abgeschirmt, das
Kaltgas in die Abschirmung eingeführt und innerhalb der Abschirmung gleichmäßig verteilt
wird
4. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 3, gekennzeichnet
durch einen mit einer Kaltgasquelle verbundenen Aufsatz, der nach Aufsetzen auf den
zu schleifenden und/oder zu polierenden Bereich mit diesem einen Hohlraum bildet und
der mit Auslaßöffnungen für das verbrauchte Kaltgas versehen ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der auf der Lackierung aufsitzende
Rand des Aufsatzes mit Auslaßöffnungen bildenden Einkerbungen versehen ist.
6. Anwendung der Verfahren bzw. der Vorrichtungen nach den Ansprüchen 1 bis 5 zur Beseitigung
von Lackierungsfehlern in fertigen Lackierungen.
1. A process for smoothing and/or polishing a finished (= fully hardened) lacquer coating
composed of a type of lacquer possessing a high degree of elasticity, wherein the
smoothing or polishing is carried out at temperatures below the ambient temperature,
characterised in that firstly that area of the lacquer coating which is to be smoothed
and/or polished is cooled to -30 to -50C in that it is blasted with cold gas, whereupon
this cooled area is smoothed and/or polished.
2. A process as claimed in Claim 1, characterised in that a vaporized cryogenic medium
(= low-temperature liquid gas), in particular vaporized liquid nitrogen, is used as
cold gas.
3. A process as claimed in one of Claims 1 to 2, characterised in that the area of the
lacquer coating which is to be smoothed and/or polished is shielded from the environment,
the cold gas is introduced into the shield, and is uniformly distributed within the
shield.
4. A device for implementing the process as claimed in one of Claims 1 to 3, characterised
by an attachment which is connected to a cold gas source and which, having been applied
to the area which is to be smoothed and/or polished, forms a cavity therewith, and
which is provided with outlet openings for the spent cold gas.
5. A device as claimed in Claim 4, characterised in that the edge of the attachment positioned
on the lacquer coating is provided with indentations which form outlet openings.
6. The use of the processes and devices claimed in Claims 1 to 5 for the elimination
of lacquering faults in finished lacquer coatings.
1. Procédé pour poncer et/ou polir un laquage achevé (durci) obtenu à partir d'un type
de laque présentant une élasticité élevée selon lequel le ponçage ou polissage est
effectué à une température inférieure à la température ambiante, caractérisé en ce
que tout d'abord la zone du laquage à poncer ou polir est refroidie à une température
de -30 à -50°C par soufflage de gaz froid, puis en ce que cette zone refroidie est
ensuite poncée et/ou polie.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'en tant que gaz froid, on emploie
un milieu cryogénique vaporisé (gaz liquéfié sous refroidi), notamment de l'azote
liquéfié.
3. Procédé selon l'une des revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que la zone de laquage
à polir et/ou poncer est placée dans une chambre protégée de l'environnement, en ce
que le gaz froid est introduit dans ladite chambre et en ce qu'il est uniformément
réparti dans ladite chambre.
4. Dispositif pour la mise en oeuvre du procédé selon une quelconque des revendications
1 à 3, caractérisé en ce qu'il comporte une cloche reliée à une source de gaz froid,
qui présente des ouvertures pour l'évacuation du gaz froid employé et qui, lorsqu'elle
est appliquée sur la zone à polir et/ou poncer, y forme une chambre creuse.
5. Dispositif selon la revendication 4, caractérisé en ce que le bord de la cloche reposant
sur le laquage comporte des échancrures formant les ouvertures d'évacuation précités.
6. Application du procédé ou du dispositif selon les revendications 1 à 5, pour la suppression
des défauts de laquage présentés par un laquage.
