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EP 0 336 189 A2 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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11.10.1989 Patentblatt 1989/41 |
(22) |
Anmeldetag: 18.03.1989 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)4: B21C 1/14 |
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Benannte Vertragsstaaten: |
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BE CH DE ES FR GB IT LI NL SE |
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Priorität: |
07.04.1988 DE 3811608 27.09.1988 DE 3832706
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Anmelder: Feldmühle Aktiengesellschaft |
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D-40547 Düsseldorf (DE) |
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Erfinder: |
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- Eichas, Heinz
D-7066 Baltmannsweiler (DE)
- Friederich, Kilian, Dr. Dipl.-Ing.
D-7310 Plochingen (DE)
- Dworak, Ulf, Dr. Dipl.-Min.
D-7066 Hohengehren (DE)
- Fingerle, Dieter, Dr. Dipl.-Ing.
D-7311 Hochdorf (DE)
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Entgegenhaltungen: :
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Verwendung eines Drahtziehwerkzeuges aus Siliziumkarbid |
(57) Bei einem Verfahren zum Ziehen von beschichtetem Metalldraht werden Drahtziehwerkzeuge
aus Siliciumcarbid zusammen mit ölarmer Ziehflüssigkeit verwendet.
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung eines Drahtziehwerkzeuges aus Siliziumkarbid
in einem Verfahren zum Ziehen von Metalldraht. Unter den in Patentansprüchen und Beschreibung
der vorliegenden Anmeldung genannten Drahtziehwerkzeugen sollen die sogenannten Drahtziehkonen
aber auch die aus einer Vielzahl von einzelnen mit separatem Antrieb versehenen Ziehringen
bestehenden Tandem-Einrichtungen verstanden werden.
[0002] Bei dieser letztgenannten Einrichtung umschlingt der zu verformende Draht einen jeden
Ziehring, passiert einen Ziehstein und wird dann zum nächsten Ziehring, der mit höherer
Geschwindigkeit umläuft, gezogen. Die Drahtziehkonen werden ebenfalls angetrieben
und sind entweder massiv ausgebildet oder durch Montage aus mehreren Ziehringen zusammengesetzt.
Der zu verformende Draht wird durch einen Ziehstein auf den kleinsten Durchmesser
des Drahtziehkonus und von dort durch einen weiteren Ziehstein auf den kleinsten Durchmessers
des zweiten Drahtziehkonus geführt. Von dort gelangt der Draht durch den nächsten
Ziehstein auf den nächstgrößeren Durchmesser des ersten Drahtkonus, durch einen weiteren
Ziehstein auf den nächstgrößeren Durchmesser des zweiten Drahtziehkonus usw., bis
der gewünschte Drahtdurchmesser erzielt ist. In der Regel besteht eine Drahtziehvorrichtung
dabei aus mehreren Drahtziehkonenpaaren.
[0003] In eigenen Anmeldungen hat die Anmelderin entsprechend der DE-PS 1241781 Aluminiumoxid
und entsprechend der DE-OS 2307655 teilstabilisiertes Zirkoniumdioxid für diese Drahtziehwerkzeuge
vorgeschlagen. Gemäß der DE-AS 2119039 wurde neben dem als besonders bevorzugt genannten
Aluminiumoxid ebenfalls Zirkoniumoxid und u.a. Siliziumkarbid vorgeschlagen. Insbesondere
Aluminiumoxid und Zirkoniumdioxid werden seither mit großem wirtschaftlichen Erfolg
eingesetzt. Die DE-Zeitschrift "Draht", 1974, Nr. 9, Seiten 487 bis 490, hat Zirkoniumdioxid
auch bereits für den Drahtzug von Reifencord und plattierten Drähten vorgeschlagen.
Zwichenzeitlich hat sich jedoch gezeigt, daß die Gefügefestigkeit von Aluminiumoxid
und Zirkoniumoxid gegenüber der auftretenden Flächenpressung und -reibung noch zu
gering ist und diese Werkstoffe vor allem bei zusätzlich einwirkender Temperatur noch
nicht in jedem Fall einsetzbar sind. Die nicht befriedigende Gefügefestigkeit der
keramischen Werkstoffe ist die Ursache für die noch nicht in jedem Fall voll befriedigende
Verschleißfestigkeit. So kommt es selbst bei minimalen Beschädigungen im oberflächennahen
Bereich bei aus keramischen Werkstoffen bestehenden Drahtziehwerkzeugen als Folge
dieser Beschädigungen zu Beschädigungen im Oberflächenbereich des über die Drahtziehwerkzeuge
gezogenen Drahtes, wobei sich diese Beschädigungen insbesondere, wenn es sich um beschichtete
Drähte handelt, in sehr nachteiliger Weise auswirken können. Bei der Herstellung von
sogenanntem Reifencord, der zumeist aus messingbeschichtetem Stahldraht hergestellt
wird, besteht noch eine zusätzliche Forderung der Reifenindustrie, wonach die ausgelieferten
Metalldrähte an ihrer Oberfläche nur noch über minimale Fett- und Ölreste verfügen
dürfen. Die Fett-und Ölreste resultieren in unvermeidbarer Weise aus den beim Drahtzug
verwendeten Ziehflüssigkeiten. Überschreiten die Fett- und Ölreste den geforderten
niedrigen Wert, treten bei der Reifenherstellung Probleme auf, weil die Metalldrähte
nicht in der gewünschten Weise in der Gummimasse eingebunden werden können. Man verwendet
daher bei der Herstellung von Reifencord Ziehflüssigkeiten mit einem erheblich reduzierten
Fett- und/oder Ölgehalt. Dadurch wird aber die Einsetzbarkeit von Drahtziehwerkzeugen
aus Zirkoniumdioxid so beeinträchtigt, daß infolge des hohen Verschleißes ein wirtschaftliches
Arbeiten nicht mehr möglich ist. Man behilft sich daher in diesem speziellen Zweig
der Drahtziehindustrie dadurch, daß man Drahtziehwerkzeuge aus gehärtetem Stahl oder
mit Hartmetallbeschichtung verwendet. Nachteilig bei diesen Drahtziehwerkzeugen ist
aber die nicht ausreichende Korrosionsbeständigkeit.
[0004] Es besteht daher das Problem für ein Verfahren zum Ziehen von metallbeschichteten
Drähten - sogenannter Reifencord - ein Drahtziehwerkzeug zur Verfügung zu stellen,
das über die bekannt hohe Verschleißfestigkeit von keramischen Werkstoffen verfügt,
korrosionsbeständig ist und außerdem ein Arbeiten mit öl- und fettarmen Flüssigkeiten
erlaubt, ohne daß die Verschleißfestigkeit sich verschlechtert.
[0005] Die vorliegende Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, das vorliegende Problem
zu lösen und sieht dazu die Merkmale von Patentanspruch 1 vor.
[0006] Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind durch die Unteransprüche gekennzeichnet.
[0007] Die hervorragende Eignung von Drahtziehwerkzeugen aus Siliziumkarbid in einem Drahtziehverfahren
von beschichtetem Metalldraht ist vermutlich auf die gute Wärmeleitfähigkeit und die
hohe Härte von Siliziumkarbid zurückzuführen. Die gute Wärmeleitfähigkeit führt zur
Ableitung der in unvermeidbarer Weise entstehenden Wärme an die Ziehflüssigkeit, so
daß Wärmespannungen, die zur Beschädigung der Gefügestruktur führen, praktisch nicht
auftreten. Die glatte Oberfläche, die bei Inbetriebnahme der Drahtziehwerkzeuge vorzugsweise
einen Wert, ausgedrückt als Mittenrauhigkeit R
a < 0,05 µm aufweisen soll, bleibt dadurch nicht nur erhalten, sondern wird während
des Drahtziehprozesses weiter erhöht. Die einwandfrei erhalten bleibende glatte Oberfläche
der Drahtziehwerkzeuge bewirkt, daß ein mit hochempfindlichen und verformbaren - sogenannten
duktilen Metallen - beschichteter Metalldraht, insbesondere Stahldraht mit einer Beschichtung
auf Basis von Kupfer/Zinklegierungen, an seiner Oberfläche glatt und unbeschädigt
die Drahtzieheinrichtung verläßt.
[0008] Überraschenderweise ermöglicht der Einsatz von aus Siliziumkarbid bestehenden Drahziehwerkzeugen
beim Ziehen von metallbeschichten Drähten auch den Einsatz der fett- und ölarmen Emulsionen,
wie sie üblicherweise beim Drahtzug dieser Drähte für die Reifenindustrie Verwendung
finden. Dadurch ist es möglich, daß die gezogenen Metalldrähte an ihrer Oberfläche
den gewünschten niedrigen Restgehalt an Öl oder Fett aufweisen und infolge ihrer unbeschädigten
Oberfläche auch über den gewünschten hohen Korrosionsschutz verfügen. Gleichzeitig
überwindet die Erfindung den Nachteil einer zu geringen Korrosionsbeständigkeit bei
Drahtziehwerkzeugen aus gehärtetem Stahl bzw. mit Hartmetallbeschichtung, wie sie
bisher beim Drahtzug von sogenanntem Reifencord eingesetzt wurden.
[0009] Als besonders geeignet hat sich zur Erzielung von besonders verschleißfesten Oberflächen
bei Drahtziehwerkzeugen ein Si-infiltriertes Siliziumkarbid mit einer mittleren Korngröße
von 3 bis 55 µm, vorzugsweise mit einer mittleren Korngröße von 5 bis 25 µm erwiesen,
bei drucklos gesintertem Siliziumkarbid hat sich eine mittlere Korngröße von < 10
µm als besonders geeignet gezeigt.
1. Verwendung eines aus Siliziumkarbid bestehenden Drahtziehwerkzeuges bei einem Verfahren
zum Ziehen von bei der Reifenherstellung verarbeitbarem beschichteten Metalldraht,
bei dem der zu ziehende Metalldraht durch mehrere, jeweils zwischen zwei Ziehwerkzeugen
angeordnete Ziehsteine geführt wird, unter gleichzeitiger Verwendung einer fett- und
ölarmen Ziehflüssigkeit mit nicht weniger als 92 Gew.-% Wasser.
2. Verwendung eines aus Siliziumkarbid bestehenden Drahtziehwerkzeuges, dadurch gekennzeichnet,
daß das Drahtziehwerkzeug aus Si-infiltriertem Siliziumkarbid besteht.
3. Verwendung eines Drahtziehwerkzeuges nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
das Si-infiltrierte Siliziumkarbid die nachfolgende Zusammensetzung aufweist:
5 bis 15 Gew.% metallisches Silizium
85 bis 95 Gew.% Siliziumkarbid
0 bis 3 Gew.% Kohlenstoff,
wobei sich alle Gewichtsteile auf 100 Gew.% ergänzen.
4. Verwendung eines Drahtziehwerkzeuges nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
ein drucklos gesintertes Siliziumkarbid zum Einsatz kommt.
5. Verwendung eines Drahtziehwerkzeuges nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
das drucklos gesinterte Siliziumkarbid die nachfolgende Zusammensetzung aufweist:
0,1 bis 4 Gew.% Bor oder Aluminium
weniger als 2 Gew.% Kohlenstoff,
Rest Siliziumkarbid,
wobei sich alle Gewichtsteile auf 100 Gew.% ergänzen.
6. Verwendung eines Drahtziehwerkzeuges nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß die Ziehflüssigkeit nicht weniger als 94 Gew.-% Wasser aufweist.