[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung multifunktionaler Schaltungen
nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Die Erfindung findet Verwendung bei der Herstellung von dreidimensionalen Halbleiterschaltungen.
Sie eignet sich insbesondere zum Aufbau von integrierten mm-Wellenschaltungen und
Si-Mikrowellenschaltungen (Si-MMICs).
[0003] Die Herstellung von multifunktionalen Schaltungen erfolgt bisher in zweidimensionaler
integrierter oder hybrider Bauweise. Das hat den Nachteil, daß Koppelverluste zwischen
den einzelnen Bauteilen der Schaltung entstehen. Die Herstellung herkömmlicher hybrider
und integrierter, multifunktionaler Schaltungen ist kostenintensiv, und die zweidimensionale
Bauweise erfordert einen hohen Platzbedarf. Die Zuleitungen zwischen den in verschiedenen
Ebenen angeordneten aktiven und/oder passiven Bauelementen bestehen aus Metallen
oder Metall-Halbleiter Verbindungen.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung multifunktionaler
Schaltungen anzugeben, bei dem durch selective Epitaxie-Verfahren dreidimensionale
Schaltungsanordnungen hoher Packungsdichte und mit kurzen, verlustarmen, elektrischen
Zuleitungen kostengünstig hergestellt werden.
[0005] Diese Aufgabe wird gelöst durch die im kennzeichneden Teil des Patentanspruchs 1
angegebenen Merkmale. Vorteilhafte Ausgestaltungen und/oder Weiterbildungen sind den
Unteransprüchen zu entnehmen.
[0006] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung einer multifunktionalen Schaltung
ist von Vorteil, daß Halbleiterbauelemente und die für ihre Steuerung und/oder Verstärkung
notwendigen integrierten Schaltkreise, sowie deren elektrische Verbindungen aus einem
gemeinsamen Substrat und einer darauf aufgewachsenen Halbleiterschichtenfolge hergestellt
werden. Es entsteht eine dreidimensionale Schaltungsanordnung, bei der eine hohe
Packungsdichte von Halbleiterbauelementen erreicht wird. Die in verschiedenen Ebenen
der dreidimensionalen Schaltung angeordneten Schaltkreise und mehr schichtigen Halbleiterbauelemente
werden durch Kontaktschichten und einkristalline, vertikale Kontaktzonen elektrisch
miteinander verbunden. Die Bauelementstruktur und die elektrischen Zuleitungen werden
gemeinsam in einem Epitaxieverfahren hergestellt. Die elektrischen Zuleitungen bestehen
zum Teil aus einkristallinem Halbleitermaterial. Es werden dadurch kurze, verlustarme,
elektrische Verbindungen zwischen den einzelnen Halbleiterbauelementen gebildet.
[0007] Die Mehrschicht-Halbleiterbauelemente können unterschiedlich in die multifunktionale
Schaltung integriert werden. Die Mehrschicht-Halbleiterbauelemente können
a) auf einer im Substrat vergrabenen, hochdotierten Halbleiterzone,
b) auf einem Kontaktbereich eines im Substrat befindlichen aktiven oder passiven Bauelementes,
c) auf einer elektrisch leitenden Schicht der Halbleiterschichtenfolge, die als elektrische
Verbindung für die Bauelemente in verschiedenen Ebenen der dreidimensionalen Schaltung
ausgebildet ist,
angeordnet werden.
[0008] Die in die Halbleiterschichtenfolge integrierten, vertikalen Kontaktzonen, die für
die elektrischen Verbindungen zwischen den Bauelementen der multifunktionalen Schaltung
notwendig sind, können ebenfalls auf
a) Kontaktbereichen von aktiven und passiven Bauelementen,
b) im Substrat vergrabenen, leitenden Halbleiterzonen,
c) elektrisch leitenden Schichten der Halbleiterschichtenfolge
aufgebracht werden.
[0009] Die Erfindung wird im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf schematische Zeichnungen näher erläutert.
[0010] Fig. 1 und Fig. 2 zeigen die Verfahrensschritte zur Herstellung einer multifunktionalen,
dreidimensionelen Schaltung.
[0011] In ein hochohmiges, einkristallines Substrat 1 aus z.B. Si wird ein Schaltkreis,
der z.B. einen Bipolartransistor 3 enthält, integriert. Der Bipolartransistor 3 ist
aus den in das Substrat integrierten Emitter, Basis- und Kollektorbereichen 91, 92,
94, 93 aufgebaut. Der Kollektorbereich 93 wird durch eine im Substrat 1 vergrabene,
leitende Halbleiterzone 8 kontaktiert. Auf das Substrat 1 ist eine erste Passivierungsschicht
7 aus z.B. Fließglas aufgebracht, damit etwaige Strukturunebenheiten der Substratoberfläche
eingeebnet werden. In der ersten Passivierungsschicht 7 werden durch bekannte Foto-
und Ätzprozesse Fenster geöffnet, so daß z.B. der Basisanschluß 94 des Bipolartransistors
3 und ein Teilbereich der vergrabenen, leitenden Halbleiterzone 8 freiliegen. Mit
einem Epitaxie-Verfahren, insbesondere mit der Molekularstrahlepitaxie, werden ganzflächig
auf der ersten Passivierungsschicht 7 und auf dem freigelegten Basisanschluß 94, sowie
auf der leitenden Halbleiterzone 8 Halbleiterschichten, beispielsweise Si-Schichten,
abgeschieden. Auf dem einkristallinen Basisanschluß 94 und auf der einkristallinen,
leitenden Halbleiterzone 8 entstehen einkristalline und auf der ersten Passivierungsschicht
7 polykristalline Halbleiterbereiche 2, 2a, 6 (Fig. 1a). Die Dotierung der epitaktisch
gewachsenen Halbleiterschichten muß so gewählt werden, daß einerseits der polykristalline
Bereich 6 hochohmig und andererseits die einkristallinen Bereiche 2, 2a elektrisch
leitend sind. Auf die ein- und polykristallinen Bereiche 2, 2a, 6 wird ganzflächig
eine zweite Passivierungsschicht 7 aus z.B. Fließglas aufgebracht. In der zweiten
Passivierungsschicht 7a wird über dem einkristallinen Bereich 2a ein Fenster geöffnet.
In den einkristallinen Bereich 2a wird z.B. As implantiert oder diffundiert (Fig.
1b). Es entsteht eine vertikale Kontaktzone 5. In vertikaler Richtung ändert sich
die Leitfähigkeit der Kontaktzone 5, entsprechend den bekannten Implantations oder
Diffusionsprofilen. Durch die Wahl der Implantations- oder Diffusionsdosis, der ursprünglichen
Dotierung der Bauelementstruktur 2a und der geometrischen Abmessungen (Höhe und Querschnitt)
der Kontaktzone ist der Widerstand der Kontaktzone einstellbar.
[0012] Anschließend wird die zweite Passivierungsschicht 7a durch naßchemisches Ätzen oder
Trockenätzen abgetragen. Eine elektrisch leitende Schicht 4 aus einer Metall-Halbleiter
Verbindung, z.B. NiSi₂, wird derart aufgewachsen, daß eine geeignete elektrische Verbindung
zwischen Bauelement 2 und vertikaler Kontaktzone 5 entsteht (Fig. 1c). Durch eine
Wiederholung der Prozeßfolge (Fig. 1a bis 1c) werden weitere Bauelementstrukturen
und vertikale Kontaktzonen übereinander gewachsen.
[0013] Eine weitere Verfahrensvariante zur Herstellung einer dreidimensionalen, multifunktionalen
Schaltung ist in den Fig. 2a bis 2d dargestellt. Analog dem oben beschriebenen Verfahren
wird auf ein Substrat 1, aus z.B. einkristallinem, hochohmigen Si, das eine Bipolarschaltung
mit mindestens einem Bipolartransistor 3 enthält, eine erste Passivierungsschicht
7 aus z.B. Fließglas aufgebracht. Emitter-, Basis- und Kollektorbereiche 91, 94, 92,
93 des Bipolartransistors 3 sind im Substrat 1 integriert. Der Kollektorbereich 93
wird über eine im Substrat 1 vergrabene, elektrisch leitende Halbleiterzone 8 kontaktiert.
Durch bekannte Foto- und Ätzverfahren wird in der ersten Passivierungsschicht 7 über
dem Basisbereich 94 des Bipolartransistors 3 ein Fenster geöffnet. Mit z.B. der Molekularstrahlepitaxie
wird auf die erste Passivierungsschicht 7 und auf den Basisbereich 94 eine dicke
Halbleiterschicht aus beispielsweise Si gewachsen. Auf der ersten Passivierungsschicht
7 bilden sich polykristalline Bereiche 6 und auf dem einkristallinen Basisbereich
94 wächst ein einkristalline, vertikale Kontaktzone 5 auf. Die Dotierung der vertikalen
Kontaktzone 5 und der polykristallinen Bereiche 6 wird so gewählt, daß einerseits
ein geeigneter Widerstand in der Kontaktzone 5 einstellbar ist und andererseits die
polykristallinen Bereiche 6 hochohmig sind (Fig. 2a).
[0014] Anschließend wird ganzflächig auf die Kontaktzonen 5 und die polykristallinen Bereiche
6 eine zweite Passivierungsschicht 7a aufgebracht. In den polykristallinen Bereichen
6 wird ein Graben 10 geätzt, derart, daß die im Substrat 1 vergrabene, elektrisch
leitende Halbleiterzone 8 teilweise freiliegt (Fig. 2b). Auf die zweite Passivierungsschicht
7a und in den Graben 10 werden Halbleiterschichten einer gewünschten Bauelementstruktur
epitaktisch aufgewachsen. Auf der zweiten Passivierungsschicht 7a bilden sich die
polykristallinen Bereiche 6a und im Graben 10 entsteht ein Mehrschicht-Bauelement
2 (Fig. 2c). Durch einen sogenannten Stripp-Prozeß durch Unterätzen der Passivierungsschicht
7a werden die polykristallinen Bereiche 6a und die Passivierungsschicht 7a entfernt.
Eine elektrisch leitende Schicht 4 aus einer Metall-Halbleiterverbindung, z.B. NiSi₂,
wird auf die poly- und einkristallinen Bereiche aufgewachsen, so daß eine elektrische
Zuleitung zwischen vertikaler Kontaktzone 5 und Mehrschicht- Bauelement 2 hergestellt
wird (Fig. 2d).
[0015] Durch Wiederholung der Prozeßschritte werden weitere übereinander angeordnete Mehrschicht-Bauelemente
und entsprechende Kontaktzonen und elektrische Zuleitungen hergestellt. Zur Herstellung
der Halbleiterschichtenfolge eignen sich sowohl die differentielle Molekularstrahlepitaxie
sowie auch selektive, reaktive Epitaxieverfahren, z.B. CVD (chemical vapor deposition)
oder MOVPE (metal organic vapor phase epitaxy) -Verfahren
[0016] Durch geeignete Prozeßbedingungen (z.B. Unterdruck von 50 Torr bei der MOVPE) wird
erreicht, daß sich keine polykristallinen Bereiche 6a auf der zweiten Passivierungsschicht
7a bilden, und lediglich im Graben 10 einkristalline Halbleiterschichten aufwachsen.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren wird zur Herstellung von dreidimensionalen, multifunktonalen
Schaltungen verwendet, die z.B. in der gleichzeitig eingereichten Patentanmeldung
mit dem internen Aktenzeichen UL 88/20a beschrieben sind.
[0018] Die Erfindung ist nicht auf die in den Ausführungsbeispielen angegebenen Halbleiterstrukturen
und Halbleitermaterialien beschränkt. Das Substrat und die Halbleiterschichten für
eine dreidimensionale Schaltung können aus unterschiedlichen Halbleitermaterialien
hergestellt werden, z.B. aus Si, Ge, sowie aus III/V- und II/VI-Halbleiterverbindungen.
1. Verfahren zur Herstellung monolithisch integrierter, multifunktionaler Schaltungen,
bestehend aus mindestens einem integrierten Schaltkreis (3), der in ein einkristallines
Substrat (1) integriert wird, und zumindest einem mehrschichtigen Halbleiterbauelement,
dadurch gekennzeichnet,
- daß auf dem Substrat (1) eine Halbleiterschichtfolge strukturiert gewachsen wird,
- daß in der Halbleiterschichtenfolge Mehrschicht-Bauelemente (2) und entsprechende
elektrische Zuleitungen enthalten sind und eine planare, dreidimensionale Schaltungsanordnung
gebildet wird, und
- daß die elektrischen Zuleitungen aus epitaktisch gewachsenen, vertikalen Kontaktzonen
(5) und leitenden Schichten (4) gebildet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Halbleiterschichten
der Mehrschicht-Bauelemente (2) und die einkristallinen Halbleiterbereiche (2a) gleichzeitig
epitaktisch gewachsen werden (Fig. 1).
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die einkristallinen Halbleiterbereiche
(2a) durch nachträgliche Implantations- und/oder Diffusionsverfahren als vertikale
Kontaktzonen (5) eines einheitlichen Leitungstyps ausgebildet werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zuerst die vertikalen Kontaktzonen
(5) hergestellt werden und anschließend die Halbleiterschichten für die Mehrschicht-Bauelemente
(2) selektiv epitaktisch gewachsen werden (Fig. 2).
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche. dadurch gekennzeichnet, daß
die vertikalen Kontaktzonen (5) als nahezu widerstandslose Verbindungen zwischen den
in verschiedenen Ebenen angeordneten Halbleiterbauelementen ausgebildet werden.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die vertikalen Kontaktzonen (5) als Widerstände ausgebildet werden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die vertikalen Kontaktzonen (5) aus einkristallinem, dotiertem Halbleitermaterial
hergestellt werden.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die elektrisch leitenden Schichten (4) aus Metall-Halbleiter-Verbindungen hergestellt
werden.