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EP 0 340 761 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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05.01.1994 Patentblatt 1994/01 |
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Anmeldetag: 03.05.1989 |
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Treibladungen für grosskalibrige Geschosse
Propulsive charges for big calibre projectiles
Charges propulsives pour projectiles de gros calibre
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH DE ES FR GB GR IT LI NL SE |
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Priorität: |
06.05.1988 DE 3815436
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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08.11.1989 Patentblatt 1989/45 |
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Patentinhaber: |
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- Dynamit Nobel Aktiengesellschaft
53839 Troisdorf (DE)
- Muiden Chemie International B.V.
NL-1398 ZG Muiden (NL)
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Erfinder: |
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- Eich, Johannes
D-5210 Troisdorf (DE)
- Kobes, Johan, Dr.
NL-1184 VP Amstelveen (NL)
- Last, Harmen
NL-1184 VX Amstelveen (NL)
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Entgegenhaltungen: :
EP-A- 0 005 112 FR-A- 2 290 409 GB-A- 513 633 US-A- 3 049 454
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DE-B- 1 214 584 FR-A- 2 418 781 GB-A- 534 900
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- T.C. OHART: "Elements of Ammunition, 1946, Seiten 21-24, John Wiley& Sons, Inc., New
York, US; "Propellants"
- IDEM
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Treibladungen für großkalibrige Geschosse,
die als Pulverbestandteil Treibladungspulverkörner enthalten.
[0002] Es ist bekannt, Treibladungen für großkalibrige Munition in verbrennbaren Kartuschen
einzusetzen, wie sie beispielsweise in der DE 34 17 739-A1 oder der EP 0 157 211-A1
beschrieben sind. Solche Kartuschen verbrennen gleichzeitig während des Abbrands der
darin mit enthaltenen Treibladung, wodurch ein Ausstoßen der bisher üblichen Metallkartuschen
vermieden wird. Nachteilig bei diesen Kartuschen aus verbrennbarem Material wirkt
sich die ungenügende Festigkeit dieser Kartuschen aus. Diese ungenügende Festigkeit
tritt besonders dann ein, wenn der Gehalt an Nitrocellulose in diesem Kartuschenmaterial
genügend hoch ist, daß eine gute Verbrennung stattfindet. Eine Herabsetzung des Nitrocelluloseanteils
in dem Kartuschenmaterial führt zwar zu einer Verbesserung der Festigkeit, bewirkt
aber andererseits eine schlechtere Verbrennbarkeit.
[0003] Die FR-A-2 418 781 beschreibt kompakte, dichte Pulverelemente aus Sekundärsprengstoffkristallen
und Polymeren. Das Polymere muß den Abbrand des hochenergetischen Sprengstoffs lenken
und stabilisieren, damit keine Deflagration oder Detonation auftritt. Es ist somit
unverzichtbarer, phlegmatisierender Bestandteil der Treibladungspulvermasse.
[0004] Die EP-A-0 005 112 beschreibt Treibladungen besonders hoher Ladedichte. Die hohe
Ladedichte wird erreicht, in dem mindestens zwei, vorzugsweise drei Pulverkomponenten
verschiedener Dimensionen möglichst dicht gepackt werden. Um diesen Zustand zu fixieren,
werden Binder zugesetzt, die auch mit den Pulverkomponenten reagieren können. Die
hierdurch verursachte Veränderung der Pulveroberfläche führt zwar zu einer Verbesserung
der Festigkeit und zu der gewünschten hohen Ladedichte, auf der anderen Seite aber
zu einer Phlegmatisierung und damit zu schlechten Anzündeigenschaften der Treibladung.
[0005] Es bestand deshalb die Aufgabe, für großkalibrige Munition eine Treibladung aufzufinden,
die einschließlich ihrer Kartusche vollständig verbrennt und eine hohe mechanische
Festigkeit besitzt. Die aufzufindende Ladung soll zusätzlich die Möglichkeit bieten,
eine zentrale Anfeuerung darin zu integrieren und innenballistische Parameter aufweisen,
die ihren Einsatz als Treibmittel für großkalibrige Geschosse verschiedener Art ermöglichen.
[0006] In Erfüllung dieser Aufgabe wurde nun eine Treibladung für großkalibrige Geschosse
mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen gefunden.
[0007] Als organische Polymere eignen sich solche Polymere, die Klebeeigenschaften besitzen,
zu festen Produkten aushärten und im Kontakt mit Treibladungskörnern nicht angegriffen
werden. Sie müssen beständig gegenüber den in den Pulverkörnern anwesenden Weichmachern
und sonstigen Zuschlagstoffen wie Stabilisatoren oder Abbrandmoderatoren sein. Andererseits
dürfen sie auch keine Weichmacher, Lösungsmittel oder sonstige Zuschlagstoffe enthalten,
die die Pulverkörner angreifen. Polymere, die diese Eigenschaften haben, sind allgemein
bekannt. In Vorversuchen läßt sich leicht ermitteln, ob das Polymere diese gewünschten
Eigenschaften besitzt. Beispiele für einsetzbare Polymere sind die zu festen Produkten
aushärtenden Polyurethane, Polyolefine und Polyvinyl-verbindungen wie Polyvinylacetat
oder Polyvinylnitrat. Auch Copolymere können eingesetzt werden, wie z.B. Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere.
[0008] Bevorzugt liegen die Polymeren in aufgeschäumter Form als Hartschaum vor. Der Schaum
soll möglichst großporig sein, so daß er eine Dichte zwischen 15 und 20 kg/m³ besitzt.
Die bevorzugten Schäume sind Polyurethanschäume und Polyethylenschäume. Erstere werden
besonders bei einbasigen Treibladungspulvern, letztere bei mehrbasigen Treibladungspulvern
verwendet.
[0009] Die Menge der eingesetzten Polymeren liegt maximal bei 10 Gew.-%, bezogen auf den
Formkörper. Die Minimalmenge hängt von den Bindeeigenschaften des jeweiligen Polymeren
und den gewünschten Abbranddaten der Treibladung ab. Es ist demzufolge möglich, mittels
der Menge des Polymeren die Abbranddaten der Treibladung in einer gewünschten Richtung
zu modifizieren. Beim Einsatz von Schäumen kann die Obergrenze des Polymeren höher
sein als beim Einsatz von ungeschäumten Polymeren; letztere sind in den beanspruchten
Treibladungen vorzugsweise in Mengen zwischen 0,2 und 5 Gew.-% enthalten. Beim Vorliegen
der Polymeren in geschäumter Form liegen diese im allgemeinen zwischen 1,5 und 8 Gew.-%,
vorzugsweise zwischen 2,0 und 5 Gew.-%, bezogen auf die Ladung, vor.
[0010] Die Treibladungspulverkörner, die durch das organische Polymere verbunden werden,
sind an sich bekannte Treibladungspulverkörner, die als Treibladungen für großkalibrige
Geschosse eingesetzt werden. Sie können als ein basige oder mehrbasige Pulverkörner
vorliegen. Die geometrische Form kann ebenfalls beliebig sein; sie richtet sich nach
den gewünschten Abbrandcharakteristiken und dem Verwendungszweck der fertigen Ladungen.
Sie können demzufolge z. B. als Röhrenpulver, Mehrlochpulver, Blättchenpulver oder
Röhrchenpulver und Mischungen von diesen vorliegen.
[0011] In dem beanspruchten Formkörper liegen die einzelnen Treibladungskörner homogen verteilt
vor. Die Lage und Ausrichtung der einzelnen Körner zueinander spielt keine Rolle.
Beim Einsatz von nicht aufgeschäumten Polymeren braucht das Polymere nicht den gesamten
Zwischenraum zwischen den Körnern auszufüllen; es können Hohlräume zwischen den Körnern
verbleiben. Eine solche Durchführungsform ist sogar bevorzugt und läßt sich dadurch
erreichen, daß die einzelnen Körner in einem ersten Arbeitsgang mit dem noch nicht
ausgehärteten Polymeren überzogen werden und darauf in eine gewünschte Form geschüttet
werden, in der die drucklose Aushärtung des Polymeren stattfindet.
[0012] Beim Einsatz von schäumfähigen Polymeren erfolgt die Herstellung zweckmäßigerweise
so, daß man in der gewünschten Form die Treibladungskörner auf eine Schicht des noch
nicht aufgeschäumten Polymeren schüttet und anschließend das Polymere in das Schüttpulver
aufschäumen läßt. Während des Aufschäumvorganges darf die Temperatur des Polymeren
100 °C nicht übersteigen. Der Schaum dringt dann während des Aufschäumens durch die
verbleibenden Zwischenräume des Schüttpulvers gleichmäßig hindurch und verbindet die
einzelnen Körner miteinander zu einer festen, formstabilen Ladung. Diese Ladung brennt
dann wie eine reine Schüttladung ab und hinterläßt keine Rückstände.
[0013] Die beanspruchten Formkörper haben vorzugsweise Zylinderform. Weiterhin können sie
eine zentrale Bohrung in der Zylinderachse aufweisen. In dieser Form eignen sie sich
als Module in einem Treibladungssystem für großkalibrige Geschosse, die mit einem
zentralen Anfeuerungssystem gezündet werden. Diese Module können direkt eingesetzt
werden und benötigen keine Kartusche oder Hülse aus verbrennbarem Material. Die Länge
der Zylinder entspricht dann der Länge der gewünschten Module.
[0014] Die Formkörper können jedoch auch als Stützringe in bekannten verbrennbaren Treibladungsbehältern
aus verbrennbarem Material eingesetzt werden, um diesen Behältern eine bessere Formbeständigkeit
zu verleihen. Ein solcher Stützring kann auch den Abschluß eines solchen bekannten
Treibladungsbehälters bilden; in diesem Fall ist eine zentrale Bohrung nicht notwendig.
[0015] Die zylindrischen oder zylinderförmigen Formkörper können weiterhin zusätzlich zu
der genannten zentralen Bohrung für eine Anfeuerung noch weitere durchgehende Bohrungen
parallel zu der Zentralbohrung aufweisen. Diese Durchführungsform eignet sich ebenfalls
bevorzugt für den Fall, daß die Formkörper als Stützringe eingesetzt werden.
[0016] Der Durchmesser einer zentralen Bohrung in einem zylinderförmigen Formkörper kann
bis zu 30 % des Durchmessers des Zylinders betragen. Auch weitere achsenparallele
Durchbohrungen können Durchmesser bis zu dieser Größe haben; jedoch sollte in diesen
Fällen, in denen ein erfindungsgemäßer Treibladungsring drei oder mehrere Durchbohrungen
aufweist, die Querschnittsfläche der Durchbohrungen nicht mehr als die halbe Querschnittsfläche
des Zylinders ausmachen.
[0017] Die Erfindung wird anhand der beigefügten Zeichnungen beispielhaft erläutert.
[0018] Figur 1 ist eine perspektivische Darstellung eines erfindungsgemäßen Zylinders, der
hergestellt wurde durch Aufschäumen von 150 g flüssigem, schäumbarem Polyurethan in
eine Schüttung von 3 000 g Treibladungspulverkörnern (Mehrlochpulver) in einem Rohr
von 157 mm Durchmesser. Die Treibladungskörner 1 sind in dem Schaum 2 nach dessen
Aufschäumen und Aushärten fest eingebettet. Die Höhe des erhaltenen zylindrischen
Treibladungskörpers betrug 185 mm.
[0019] Figur 2 zeigt einen Zylinder, der in gleicher Weise wie derjenige von Figur 1 hergestellt
wurde, teilweise aufgeschnitten. Er enthält zusätzlich noch eine zentrale Bohrung
3, die dadurch erhalten wurde, daß in dem Rohr, in das das Polyurethan und die Pulverkörner
eingegeben wurden, zentral ein Zylinder mit dem Durchmesser der Bohrung 3 angeordnet
war, der nach dem Aushärten des Schaums entfernt wurde. Dieser Körper enthält Treibladungspulverkörner
unterschiedlicher Geometrie.
1. Treibladung für großkalibrige Geschosse, wobei Treibladungspulverelemente durch organische
Polymere zu einem Formkörper verbunden sind, dadurch gekennzeichnet, daß als organisches Polymer ein schäumfähiges Polymer, das in aufgeschäumter Form
als duroplastischer Schaum im Formkörper vorliegt, in Mengen zwischen 0,2 und 10 Gew.-%,
bezogen auf den Formkörper, eingesetzt wird.
2. Treibladung gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Schaum ein Polyurethanschaum
ist.
3. Treibladungskörper gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß er als Zylinder ausgebildet ist.
4. Treibladungskörper gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß er eine zentrale
Bohrung in der Zylinderachse aufweist, deren Durchmesser bis zu 30% des Durchmessers
des Zylinders beträgt.
5. Treibladungskörper gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß er zusätzlich zu einer zentralen Bohrung noch Bohrungen parallel zu dieser Zentralbohrung
aufweist.
6. Verwendung von Treibladungskörpern gemäß Anspruch 5 als Stützring in Kartuschenbehältern
für Treibladungspulver.
1. Propellent charge for large calibre projectiles wherein propellent charge powder elements
are bound by organic polymers to form a shaped body, characterised in that as organic
polymer a foamable polymer that in the foamed form is present in the shaped body as
thermosetting foam is used in amounts between 0.2 and 10% by weight, based on the
shaped body.
2. Propellent charge according to claim 1, characterised in that the foam is a polyurethane
foam.
3. Body of propellent charge according to one of the preceding claims, characterised
in that it is in the form of a cylinder.
4. Body of propellent charge according to claim 3, characterised in that it exhibits,
in the axis of the cylinder, a central bore having a diameter up to 30% of the diameter
of the cylinder.
5. Body of propellent charge according to one of the preceding claims, characterised
in that in addition to a central bore it also exhibits bores parallel to this central
bore.
6. Use of bodies of propellent charge according to claim 5 as supporting rings in cartridge
cases for propellent charge powder.
1. Charge propulsive pour projectiles de gros calibre dans laquelle les éléments de poudre
de la charge propulsive sont liés par des polymères organiques pour former un corps
moulé, caractérisé par le fait que l'on utilise comme polymère organique un polymère
expansible qui, sous sa forme expansée est présent comme mousse duroplastique dans
le corps moulé, en des quantités comprises entre 0,2 et 10% en poids, rapporté au
corps moulé.
2. Charge propulsive selon la revendication 1, caractérisée par le fait que la mousse
est une mousse de polyuréthane.
3. Elément de charge propulsive selon l'une des revendications précédentes, caractérisé
par le fait qu'il se présente sous la forme d'un cylindre.
4. Elément de charge propulsive selon la revendication 3, caractérisé par le fait qu'il
comporte un trou central concentrique à l'axe du cylindre, dont le diamètre représente
jusqu'à 30% du diamètre du cylindre.
5. Elément de charge propulsive selon selon l'une des revendications précédentes, caractérisé
par le fait qu'il comporte en plus d'un trou central, des trous qui sont parallèles
audit trou central.
6. Utilisation d'éléments de charge propulsive selon la revendication 5 comme anneaux-supports
dans des étuis de cartouches pour de la poudre de charge propulsive.

