[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Beseitigung von Geruchsstoffen in Gasen
oder Dämpfen gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] In jüngerer Zeit ist man immer mehr bemüht, neben der Vermeidung von Luftverunreinigung
jeder Art auch eine Verminderung von Geruchsbelästigungen durch Geruchsemission industrieller
Anlagen herbeizuführen. Ein Beispiel dafür sind die Dämpfe, die bei der Maischebereitung
und Würzekochung in einer Brauerei auftreten.
[0003] Bisher wurden die geruchsstoffbeladenen Dämpfe in den meisten Fällen ohne besondere
Behandlung in die Atmosphäre entlassen, was zu einer Geruchsbelästigung in der Umgebung
führte.
[0004] Bekannt sind zur Entfernung bzw. Beseitigung von Geruchsstoffen aus Dämpfen Filter,
Wäscher oder Nachverbrennungsanlagen.
[0005] In Brauereien werden die beim Kochen der Würze aus der Würzepfanne austretenden Dämpfe
häufig zur Wärmerückgewinnung einem Pfannendunstkondensator zugeführt, in dem der
Wasserdampf weitgehend kondensiert. Diese Kondensation führt zwar zu einer Verringerung
der Abgabe von geruchsaktiven Substanzen, weit mehr als die Hälfte der besonders geruchsintensiven
Substanzen gelangen jedoch in die Abluft und führen daher zu Geruchsbelästigungen,
wie man sie aus Aufenthalten in der Nähe von Brauereianlagen kennt.
[0006] Zur Beseitigung dieser in den Dämpfen enthaltenen Geruchsstoffe wurde von der Anmelderin
bereits in der DE-A 30 15 220 ein Verfahren vorgeschlagen, bei dem die die Geruchsstoffe
enthaltende Abluft durch Eindüsen von Waschwasser gereinigt wird. Dem Waschwasser
müssen ganz bestimmte Verbindungen zugesetzt werden, um die Geruchsstoffbeseitigung
herbeiführen zu können. Derartige Gaswäscher sind sowohl in der Herstellung als auch
in der Wartung teuer und müssen darüber hinaus durch entsprechende Zusätze an die
jeweilige Anwendung angepaßt werden.
[0007] Ferner sind zur Beseitigung von in Dämpfen enthaltenen Geruchsstoffen sogenannte
Nachverbrennungsanlagen bekannt, bei denen geruchsbeladene Gase in einer speziellen
Feuerungsanlage nur zum Zweck der Zersetzung oder Verbrennung der Geruchsstoffe höheren
Temperaturen ausgesetzt werden. Dabei tritt ein erheblicher Energieverlust ein, wenn
die erhitzten Gase nicht wieder in einem Wärmetauscher zurückgekühlt werden und die
dabei ausgetauschte Wärme in der Anlage genutzt werden kann. Entsprechende Anlagen
sind deshalb in Brauereien überhaupt noch nicht vorhanden.
[0008] Aus der DE-A 24 28 666 ist ein Verfahren zur Reinigung durch Farbstofflösemitteldämpfe
bekannt. Die durch die Lösemitteldämpfe verunreinigte Luft wird in einer speziellen
Verbrennungsanlage thermisch zersetzt. Die dabei entstehende Wärmeenergie wird zum
Heizen einiger Einheiten des Systems genutzt und die gereinigte Luft wird ins Freie
abgeblasen. Aus der DE-OS 26 15 552 ist eine Flammrohrkesselanlage bekannt, bei der
ein zusätzlicher Brenner für thermische Nachverbrennung verunreinigter Luft angebaut
ist. Aus der Druckschrift DE-A 30 09 860 ist eine Einrichtung für Prozeßwärmeerzeugung
und Abgasreinigung bekannt. Zum Reinigen des Abgases und zum gleichzeitigen Erzeugen
von Prozeßwärme ist eine spezielle Nachverbrennungsanlage vorgesehen.
[0009] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein Verfahren der eingangs genannten Art anzugeben, mit dem in äußerst einfacher und
äußerst wirkungsvoller Weise Geruchsstoffe aus Dämpfen entfernt werden können.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch den Patentanspruch gelöst.
[0011] Dem erfindungsgemäßen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, daß die organischen
Geruchsstoffe, wie sie in den Sudhausdämpfen enthalten sind, bei höheren Temperaturen
zersetzt werden, wobei vorwiegend Wasserdampf und Kohlendioxid entstehen. Bei Erhitzen
über die Verbrennungstemperatur oxidieren die Geruchsstoffe in Anwesenheit von Luftsauerstoff
ebenfalls weitgehend zu Wasserdampf und Kohlendioxid. Die entstehenden Gase können
dann mit den Rauchgasen der Feuerungsanlage über den Schornstein abgeleitet werden,
ohne daß eine Geruchsbelästigung für die Umgebung auftritt.
[0012] Beim erfindungsgemäßen Verfahren werden die beim Kochen von Maische und Würze in
einer Brauereianlage entstehenden Dämpfe nicht einer speziellen Nachverbrennungsanlage
zugeführt, sondern der ohnehin in der Brauerei zur Energieversorgung des Bearbeitungsprozesses
vorhandenen Feuerungsanlage der Brauerei.
[0013] Mit der Rückführung der Dämpfe in diese Feuerungsanlage ist deshalb in der Regel
auch kein wesentlicher Energieverlust verbunden, weil die Eintrittstemperatur der
Dämpfe in die Feuerungsanlage in den meisten praktischen Anwendungsfällen nicht wesentlich
unter der Abgastemperatur liegen wird, mit der die Rauchgase in den Schornstein eingeleitet
werden.
[0014] Wenn die geruchsstoffbeladenen Dämpfe Sauerstoff enthalten und der Feuerungsanlage
mit der Verbrennungsluft zugeführt werden, kann der Einsatz des erfindungsgemäßen
Verfahrens sogar zu einem Energiegewinn führen, wenn die Dämpfe einen Teil der Verbrennungsluft
ersetzen, die sonst mit Umgebungstemperatur der Feuerungsanlage zugeführt wird.
[0015] Die geruchsstoffbeladenen Dämpfe können an jeder beliebigen Stelle dem Feuerraum
oder Rauchgastrakt der Feuerungsanlage zugeführt werden, soweit sichergestellt ist,
daß die geruchsstoffbeladenen Dämpfe nach Vermischen mit dem Verbrennungs- oder Rauchgas
der Feuerung noch eine Temperatur von wenigstens 400 °C erreichen, um die thermische
Zersetzung der Geruchsstoffe sicherzustellen.
[0016] Bei der als Industriekessel üblichen Bauart des Dreizugkessels bietet sich dafür
die hintere Wendekammer 17 der Rauchgase zwischen Flammrohr und erstem Rauchrohrzug
16 an, wo auch bei bestehenden Anlagen mit nur sehr geringen Aufwand ein Stutzen 15
zur Einführung der geruchsstoffbeladenen Gase oder Dämpfe angebracht werden kann und
wo im Rauchgas Temperaturen im Bereich 700 - 900 °C herrschen.
[0017] Eine konstruktiv ebenfalls sehr wenig aufwendige Möglichkeit der Zuführung der geruchsstoffbeladenen
Dämpfe in die Feuerungsanlage ist ihre Vermischung mit der Verbrennungsluft.
[0018] Da die beim Kochen von Maische und Würze in einer Brauereianlage entstehenden Dämpfe
der Feuerungsanlage der Brauerei zugeführt und dort erhitzt werden, und in Brauereien
das Sudhaus der Hauptwärmeverbraucher ist, und dieses Sudhaus über die Feuerungsanlage
beheizt wird, kann gewährleistet werden, daß während des Sudbetriebs die Feuerungsanlage
in Betrieb ist. Durch entsprechende Steuerung kann sichergestellt werden, daß während
des Entweichens der geruchsaktiven Stoffe aus der Maische- oder Würzepfanne die Feuerungsanlage
nicht abgeschaltet wird, sondern die Dämpfe erhitzt. Durch das Erhitzen der Dämpfe
in der Feuerungsanlage der Brauerei kann eine vollständige Beseitigung der Geruchsstoffe
in äußerst einfacher Weise herbeigeführt werden.
[0019] Bei der Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens in einer Brauereianlage
mit einem einen Dampfabzug 12 aufweisenden Behälter 1 zur Kochung von Maische und/oder
Würze und mit einer Feuerungsanlage 13, die die Energie für die Prozesse der Maischebereitung
und Würzekochung liefert, ist der Dampfabzug über eine Gasführung 5 mit der Feuerungsanlage
verbunden. An dem ohnehin an der Würze- bzw. Maischepfanne vorgesehenen Dampfabzug
2 und 12, in den noch ein Pfannendunstkondensator 3 einbezogen sein kann, beginnt
eine Rohrleitung 5, die zur Feuerungsanlage führt. Der Dampf wird somit vom Dampfabzug
zur Feuerungsanlage geleitet. Selbstverständlich kann im Dampfabzug eine entsprechende
Steuerklappe 4 vorhanden sein, die den Dampfabzug in einer Stellung mit der Umgebung
und in einer anderen Stellung mit der Rohrleitung zur Feinerungsanlage hin verbindet.
[0020] Wenn die Feuerungsanlage eine ansich bekannte Gas- oder Ölbrenneranlage ist, werden
die Dämpfe zusammen mit der Verbrennungsluft der Mischkammer 6 des Brenners zugeführt
und dann in der Brennkammer verbrannt. Zur Umrüstung bereits bestehender Anlagen genügt
somit ein einfacher Verbindungskanal zwischen dem Dampfabzug und dem Brenner, wobei
vor dem Brennereinlaß ein Gemisch aus Verbrennungsluft mit den Gasen oder Dämpfen
erzeugt wird, das dann in der Brennerkammer mit dem Brennstoff verbrannt wird.
[0021] Die Energie der Feuerungsanlage kann selbstverständlich zur direkten Beheizung oder
auch indirekt mittels Heißwasser oder Dampf an die Maische- und Würzepfannen abgegeben
werden.
[0022] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines in der Zeichnung schematisch dargestellten
Ausführungsbeispiels erläutert.
[0023] In der einzigen Figur der Zeichnung ist in einer Prinzipdarstellung eine mögliche
Ausführungsform einer Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
dargestellt.
[0024] Mit 1 ist dabei ein Behälter bezeichnet, beispielsweise eine Würzepfanne in einer
Brauereianlage. In diesem Behälter 1 wird Würze oder auch Maische mit Hilfe der Heizeinrichtung
11 in bekannter Weise gekocht. Bei diesem Kochvorgang entsteht Dampf, in dem stark
geruchsaktive Substanzen enthalten sind. Am Deckel des Behälters 1 ist ein Dampfabzug
2 vorgesehen, durch den der Dampf nach oben aus dem Behälter austritt. Der Dampf kann
über einen gestrichelt angedeuteten Pfannendunstkondensator 3 weiter nach oben steigen.
In der Dampfabzugsleitung 12 ist eine schwenkbare Klappe 4 untergebracht, die in der
dargestellten Stellung den Dampf mit den Geruchsstoffen in die Rohrleitung 5 umleitet.
Wenn die Klappe in vertikaler Richtung ausgerichtet ist, tritt der Dampf in Richtung
des Pfeiles P
u in die freie Atmosphäre aus. Wenn dagegen die Klappe 4 die dargestellte Stellung
einnimmt, wird der Dampf, wie erwähnt, in die Rohrleitung 5 eingeleitet und wird zu
der insgesamt mit 13 bezeichneten Feuerungsanlage geführt. Die Feuerungsanlage 13
ist in der Figur als Gas- oder Ölbrenneranlage angedeutet, die eine Mischkammer 6
und den eigentlichen Verbrennungsraum 7 aufweist. In der Mischkammer werden der Geruchsstoffe
enthaltende Dampf P
D und die Verbrennungsluft P
L gemischt. Der Brennstoff P
B wird in dem Brennraum 7 in einer Flamme 8 verbrannt. Üblicherweise liegt die Verbrennungstemperatur
der Flamme 8 oberhalb 1000 °C. Aufgrund der Temperatur der Flamme 8 zersetzen sich
die aus organischen Verbindungen wie Alkoholen, Aldehyden, Ketonen und Estern bestehenden
geruchsaktiven Substanzen und zerfallen überwiegend in Kohlendioxid und Wasserdampf.
Die Abgase können dann über den Abluftkamin 9 entweichen, ohne daß darin noch geruchsaktive
Stoffe enthalten wären. Die durch die Verbrennung im Brennraum 7 gewonnene Energie
wird über die Leitung 10 der Heizeinrichtung 11 zugeführt und dient zum Aufheizen
und Kochen des Mediums im Behälter 1. Es wird dadurch nicht nur eine Beseitigung der
geruchsaktiven Stoffe Dampf der erhitzten Substanz und damit eine Vermeidung der Belästigung
der Umwelt durch störende Gerüche, sondern auch eine teilweise Rückgewinnung der im
Dampf enthaltenen Wärme erreicht.
[0025] Das Verfahren und die geschilderte Vorrichtung lassen sich im Brauereibetrieb vorteilhaft
einsetzen, wobei auch bereits bestehende Anlagen äußerst einfach umgerüstet werden
können, indem lediglich zwischen der Dampfabzugsleitung 12 und einer Feuerungsanlage
13 eine entsprechende Gas- oder Dampfleitung 5 angeordnet wird. Auch ist selbstverständlich
das erfindungsgemäße Prinzip nicht nur bei Gas- und Ölbrennerfeuerungsanlagen anwendbar,
sondern bei allen Feuerungsanlagen, die mit einer ausreichend hohen Flammen- oder
Rauchgastemperatur arbeiten, so daß sich die Geruchsverbindungen zersetzen können.