[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren für den Betrieb einer Webmaschine mit einem
Schusseintragssystem mittels eines strömenden Mediums, beispielsweise Luft, und mit
einem Schusseintragsregelsystem, mit dem die Schussfadengeschwindigkeit gemessen
werden kann und je nach der gemessenen Geschwindigkeit Komponenten des Schusseintragssystems,
welche die Schussfadengeschwindigkeit beeinflussen, gesteuert werden können.
[0002] Im europäischen Patent Nr. 0 105 561 wird ein Schusseintragsregelsystem beschrieben,
bei dem die Geschwindigkeit des Schussfadens jedesmal in der Anfangsphase des Schusseintrags
gemessen wird und in Abhängigkeit des gemessenen Werts der Schussfadengeschwindigkeit
das Schussfördersystem so beeinflusst wird, dass der Schusseintrag in einem vorher
bestimmten Zeitpunkt vollendet ist, wobei der Zeitpunkt des Ein- bzw. Ausschaltens
des Schussfördersystems geändert werden kann. Mit dieser Regeleinrichtung ist eine
exakte Einhaltung einer vorgegebenen Eintragszeit nicht möglich, da gerade zu Anfang
des Schusseintrages, wenn das Schusseintragssystem erst eine relativ kurze Zeit lang
auf den Schussfaden einwirkt, grössere Schwankungen der Schusseintragsgeschwindigkeit
auftreten können, die mit zunehmender Länge des eingetragenen Schussfadens in den
meisten Fällen ganz von selbst bis zu einem gewissen Grade ausgeglichen werden.
[0003] In einer anderen Patentschrift, der EP-0 164 773, wird eine Methode zur Steuerung
einer Luftdüsenwebmaschine vorgestellt, wobei die momentane Position des Schussfadenendes
während des Eintrages überwacht wird und die Betätigungsdauer der Düsen entsprechend
der momentanen Position geregelt wird. Um dies durchzuführen, bedarf es geeigneter
Mittel zur Bestimmung der momentanen Position des Fadenendes, welche vermutlich über
den Eintragsweg des Schussfadens verteilt angeordnet sein müssen. Dies ist nur mit
einem beträchtlichen Aufwand geeigneter Messeinrichtungen zu erreichen. Genauere Angaben
fehlen in der Schrift. Durch Kenntnis der Position des Schussfadenendes zu bestimmten
Zeitpunkten soll eine Optimierung der zeitlichen Folge der Schusseintragssteuerung
ermöglicht werden. Es ist dabei unklar, ob die Düsen für den Schusseintrag nur so
gesteuert werden sollen, dass sie sich dem Schussfadenlauf anpassen, oder ob die Bewegung
des Schussfadens an sich optimiert werden soll. Kriterien hierfür werden nicht angegeben.
Diese Methode scheint für die Praxis zu aufwendig. Ausserdem ist nicht klar, welche
Geschwindigkeit bzw. welcher Geschwindigkeitsverlauf für den Schussfaden als geeignet
angesehen wird.
[0004] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Betrieb einer Webmaschine
bzw. eine Webmaschine zu schaffen, bei der die Variation der Schusseintragszeit möglichst
gering bleibt und bei der ein im voraus bestimmter Geschwindigkeitsverlauf eines
Schussfadens während des Eintrages erzielt wird.
[0005] Die Erfindung, welche diese Aufgabe löst, besteht darin, dass ein Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät
die Schussfadengeschwindigkeit während des Schusseintrags wiederholt misst und die
Messwerte an ein Steuergerät weiterleitet, wo diese Messwerte mit vorgegebenen Sollwerten
verglichen werden und falls erforderlich Einstellungsänderungen an den Komponenten
des Schusseintragssystems veranlasst werden, um den Verlauf der Schussfadengeschwindigkeit
über der Zeit dem vorgegebenen Verlauf anzupassen. Das Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät
kann die Schussfadengeschwindigkeit auch kontinuierlich registrieren und die registrierten
Geschwindigkeitswerte an das Steuergerät übermitteln, in welchem die Geschwindigkeitswerte
des Schussgarns in einer Recheneinheit verarbeitet werden, wodurch die Durchschnittsgeschwindigkeit
des Schussfadens jederzeit bekannt ist und von dieser Durchschnittsgeschwindigkeit
im Vergleich mit der Sollgeschwindigkeit ausgehend Korrekturwerte für die Einstellung
der Komponenten im Steuergerät generiert werden und an diese Komponenten übermittelt
werden mit dem Ziel, dass der Schusseintrag zu einem vorgegebenen Zeitpunkt innerhalb
eines Webzyklus beendet ist, wobei die Einstellung der Komponenten laufend zu ändern
ist. Die Webmaschine zur Durchführung des Verfahrens weist im Bereich des Garnvorlagesystems
ein die Schussgarngeschwindigkeit kontinuierlich registrierendes Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät
auf, das mit einem Steuergerät für den Schusseintrag über mindestens eine Signalleitung
verbunden ist und mittels Steuerleitungen an die die Schusseintragsgeschwindigkeit
beeinflussenden Komponenten angeschlossen ist, wobei im Steuergerät eine die registrierten
Geschwindigkeitswerte des Schussgarns verarbeitende Recheneinheit untergebracht ist,
welche kontinuierlich Steuerwerte über das Steuergerät an die Komponenten abgeben
kann. Im Steuergerät kann auch eine Speichereinheit untergebracht sein, die einen
den Sollwert-Verlauf der Schussfadengeschwindigkeit über der Zeit speichernden Teil
enthält. Der Sollwert-Verlauf der Schussfadengeschwindigkeit kann durch einen elektronischen
Datenträger in die Webmaschine eingesetzt werden und je nach dem zu verwebenden Schussgarn
geändert werden. Die Komponenten zur Beeinflussung der Schussfadengeschwindigkeit
können beispielsweise eine Hauptblasdüsen vor dem Eintritt in das Webfach oder die
Hilfsblasdüsen sein, wobei auch beispielsweise die Schussfadenbremse oder ein Antriebsmotor
eines Schussgarnspeichers bei der Regelung der Schussgarngeschwindigkeit mitwirken
können. Die Beeinflussung beispielsweise der Hauptdüse kann dadurch geschehen, dass
an einem zwischen dem Steuergerät und der Hauptdüse angebrachten Druckreduzierventil
eine Einstellungsänderung zu einem höheren Druck vorgenommen wird, wenn der Schussfaden
zu langsam eingetragen wird.
[0006] Die Hauptdüse der Webmaschine bleibt nur während eines Bruchteils des Zeitabschnittes
für einen Schusseintrag eingeschaltet, wodurch die Schussfadengeschwindigkeit gegen
das Ende des Schusseintrages absinkt, bevor der Schussfaden am Ende des Eintrages
schliesslich abrupt abgebremst wird. Dabei wird darauf geachtet, dass zum Zeitpunkt
des Abbremsens des Schussfadens eine kritische Garngeschwindigkeit v
K nicht überschritten wird, wobei die Spannungswerte im Schussfaden infolge des Bremsens
in einem zulässigen Rahmen bleiben. Andererseits kann eine Erhöhung des Betriebsdruckes
in den Düsen notwendig werden, wenn die Blaszeit reduziert wird, damit der Schusseintrag
insgesamt während einer vorgegebenen maximalen Zeitspanne abgeschlossen ist.
[0007] Durch die laufende Ueberwachung des Schusseintrages kann eine absolute Kontrolle
und Steuerung des Schussfadenlaufs in jedem Augenblick des Eintrages erreicht werden,
wodurch die Betriebssicherheit der Webmaschine erhöht wird. Andererseits kann die
Drehzahl der Webmaschine gesteigert werden, wenn die Ankunftszeit des Schussfadens
auf der anderen Seite des Webfaches exakter vorausbestimmt werden kann, da praktisch
keine zeitliche Reserve für einen möglicherweise zu spät ankommenden Schussfaden während
eines Webzyklus im gesamten Bewegungsablauf eingeplant werden muss.
[0008] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren näher erläutert.
[0009] Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Ansicht einer Luftdüsenwebmaschine,
Fig. 2 einen Teil einer Luftdüsenwebmaschine mit einem Garnvorlagesystem anderer Bauart
und
Fig. 3 ist ein Diagramm mit Geschwindigkeitsverlauf v und Wegverlauf t des Schussfadens
über der Zeit.
[0010] Bei der Webmaschine 1 nach Fig. 1 wird der Schussfaden 20 von einer Garnspule 20′
dem Garnvorlagesystem 2 über eine Garnzumesseinrichtung 21, die kontinuierlich läuft,
über ein Zuführrohr 22 und eine Zuführdüse 22′ auf einem Schussgarnspeicher 23′ in
Schlaufenform abgelegt. Dieser speichert das Schussgarn auf einer horizontal liegenden
Scheibe 23 ′′′, die von einem Antriebsmotor 26 angetrieben wird. Das Garn kann von
der Scheibe des Schussgarnspeichers 23′ über eine Oese 24 an einer Fadenbremse 25
vorbei einem Schusseintragssystem 3, bestehend aus einer Hauptdüse 16 und Hilfsdüsen
15, zugeführt werden. Zwischen Oese 24 und Fadenbremse 25 befindet sich ein Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät
31, das die Schussgarngeschwindigkeit laufend misst. Der Schussfaden 20 wird parallel
zu einem Riet 13, das zusammen mit Hilfsdüsen 15 auf einer Weblade 14 montiert ist,
in die Webmaschine eingetragen. Von der Webmaschine 1 sind im übrigen das Gestell
11, ein Warenbaum 12 und eine Maschinensteuerung 33 dargestellt, welche getrennt
von einem Steuergerät 32 für den Schusseintrag untergebracht sein kann. Das Steuergerät
32 ist mit anderen Komponenten des Schusseintragsregelsystems über Steuerleitungen
326, 326′und 325 sowie über eine Signalleitung 312 verbunden. An das Steuergerät 32
kann auch ein Fadensensor 34 auf der Fangseite der Webmaschine angeschlossen sein,
welcher mindestens einen Tastkopf enthält und feststellt, ob der Schussfaden angekommen
ist und ob die gewünschte Schussfadenlänge im Webfach liegt. Nach dem Eintragen wird
der Schussfaden durch eine Schere 35 auf der Eintragsseite abgeschnitten und mittels
des Rietes 13 an den nicht gezeichneten Geweberand angeschlagen. Während des Schusseintrages
wird die Schussfadenspitze 20′ von einem Strömungsfeld von Luft aus Hilfsdüsen 15
gestreckt gehalten. Auf der rechten Seite der Webmaschine, der sogenannten Fangseite,
befindet sich ein Absaugkanal 18 mit einem Injektor 18′. Die zum Weben benötigte Druckluft
wird in einem Druckluftsystem 17 erzeugt und über eine Druckleitung 17 der Weblade
14 zugeführt, die als Luftverteilrohr ausgebildet ist und einerseits die Hauptdüse
16 über ein Druckreduzierventil 16′, im mittleren Bereich die Hilfsdüsen 15 und andererseits
den Absaugkanal 18 mit Durckluft versorgt. Das Steuergerät 32 für den Schusseintrag
kann in eine Recheneinheit 32′ und eine Speichereinheit 32′′ aufgeteilt sein. In
das Steuergerät 32 kommen Informationen über die jeweilige Garngeschwindigkeit während
des Schusseintrages. Die Garngeschwindigkeit kann im Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät
31 beispielsweise mittels zwei Sensoren 31′ und 31˝ bestimmt werden, welche die Oberflächenstruktur
des vorbei laufenden Schussfadens abtasten, wobei durch Vergleich der Oberflächenstrukturen
fortlaufend der Zeitunterschied des Vorbeilaufens einer bestimmten Garnpartie an den
Sensoren und somit auch die Garngeschwindigkeit bestimmt werden kann. In der Recheneinheit
32′ werden die Informationen vom Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät 31 verarbeitet,
indem beispielsweise die übermittelten Geschwindigkeitswerte über der Zeit integriert
werden und somit die zu jedem Zeitpunkt eingetragene gesamte Schussgarnlänge bekannt
wird. In der Speichereinheit 32˝ kann der Geschwindigkeitsverlauf über der Zeit bzw.
der Wegverlauf des Schussgarns eingegeben sein, wie er für den Schusseintrag für eine
bestimmte Garnsorte gewünscht wird. Wenn im Steuergerät 32 Abweichungen zwischen den
Sollwerten und den ermittelten Geschwindigkeitswerten bzw. der eingetragenen Schussgarnlänge
festgestellt werden, können Korrekturwerte für die Einstellung beispielsweise der
Hauptdüse 16 oder der Hilfsdüsen 15 generiert werden, die dann über die Steuerleitungen
325,326,326′ zu den einzelnen Komponenten des Schusseintragssystems 3 übermittelt
werden. Wenn beispielsweise festgestellt wird, dass die Schussgarngeschwindigkeit
zu gering ist, kann das Druckreduzierventil 16′ verstellt werden, so dass mehr Luft
und höherem Druck in die Hauptdüse 16 gelangt und das Schussgarn 20 beschleunigt wird.
[0011] Durch die laufende Ueberwachung der Schusseintragsgeschwindigkeit und die ebenso
laufende Regelung der Komponenten Hilfsdüse 15, Hauptdüse 16 etc. des Schusseintragssystems
3 besteht eine vollkommene Kontrolle über den Schussfaden, so dass Störungen des Schusseintrags
nicht nur laufend ausreguliert werden können, sondern auch eine Unterbrechung des
Schusseintrages beispielsweise aufgrund eines Staues im Garnvorlagesystem sofort
ermittelt wird und die Webmaschine über das Steuergerät 32 und die Maschinensteuerung
33 rasch abgestellt werden kann. Das Steuergerät 33 kann in seiner Speichereinheit
auf die für das zu verwebende Schussgarn gewünschte Eintragscharakteristik programmiert
werden, wobei auf einem Datenträger die Geschwindigkeitswerte des Schussgarns während
des Eintrages vorgegeben sind.
[0012] Fig. 2 zeigt noch ein anderes Schussgarnvorlagesystem 2′, wobei anstatt des Schussgarnspeichers
23′ mit Teller 23′′′ gemäss Fig. 1 ein Schussgarnspeicher mit Trommel 20′′ verwendet
wird. Der Antriebsmotor 27, der das Aufwickeln des Schussgarns 20 auf der Trommel
27′′ bewirkt, kann ebenfalls vom Steuergerät 32 aus in dem Sinne gesteuert werden,
dass die Gesamtlänge der vom Wickler 27′ gelieferten Schussgarnwindungen der einzutragenden
Gesamtlänge des Schussgarnes in der Webmaschine entspricht.
[0013] Auch bei dem Garnvorlagesystem 2 nach Fig. 1 kann es zweckmässig sein, die Drehgeschwindigkeit
des Antriebsmotors 26 für die Garnzumesseinrichtung 21 über das Steuergerät 32 zu
kontrollieren, da in der Regel ein Teil des einzutragenden Schussfadens gegen Ende
des Schusseintrages nicht mehr von dem Schussgarnspeicher 23′ abgezogen wird, sondern
direkt über die Garnzumesseinrichtung dem Schusseintragssystem 3 zugeführt wird. Wenn
über den Fadensensor 34 festgestellt wird, dass die eingetragene Schussfadenlänge
nicht dem erwarteten Wert entspricht, kann dies durch Drehzahländerung der Garnzumesseinrichtung
21 ausgeglichen werden. Um vor der Beendigung des Schusseintrages eine ruckartige
Verzögerung des Garnlaufs zu vermeiden, kann es zweckmässig sein, durch das Steuergerät
32 beispielsweise im Druckreduzierventil 16′ eine Absenkung des Betriebsdruckes zu
veranlassen, wodurch die von der Hauptdüse 16 auf den Schussfaden 20 übertragene Kraft
sukzessive abnimmt und eine Verzögerung des Schusseintrages auftritt. Um diesen Effekt
zu unterstützen, kann auch die Fadenbremse 25 allmählich in die Bremsposition geführt
werden, wobei das Steuergerät 32 die Bremsverzögerung gemäss den gemessenen Geschwindigkeitswerten
bestimmt. Bei der Ausführung des Garnvorlagesystems 2 gemäss Fig. 1 kann der Antriebsmotor
26 für den Schussgarnspeicher 23′ durch das Steuergerät 32 für den Schusseintrag
so gesteuert werden, dass auf dem Teller 23′′′ nach Beendigung des Schusseintrages
ein kleiner Restvorrat an Schussgarn übrig bleibt. Dies hat den Vorteil, dass während
des Schusseintrages kein Schussgarn über die Garnzumesseinrichtung 21 direkt in die
Hauptdüse 16 nachgeliefert werden muss, wobei die Schusseintragsgeschwindigkeit auf
einem niedrigeren Niveau im Vergleich zu einem System ist, in welchem die Eintragsgeschwindigkeit
am Ende des Schusseintrages durch dei Garnzumesseinrichtung 21 bestimmt wird.
[0014] Im folgenden wird die Funktion des Schusseintragsregelsystems 30 mit Hilfe der Fig.
3 beschrieben, in welcher die Geschwindigkeit des einzutragenden Schussfadens v(t)
und die eingetragene Länge des Schussfadens l(t) jeweils über der Zeit aufgetragen
sind. Der ideale Verlauf der Schussfadengeschwindigkeit v(t) ist mit dem ausgezogenen
Linienzug dargestellt, ebenso die entsprechende eingetragene Schussfadenlänge l(t).
Der Schussfadeneintrag beginnt zum Zeitpunkt t = O, die Hauptdüse 16 zur Beschleunigung
des Schussfadens ist während der Zeit t
E eingeschaltet. Nach Ablauf des Zeitabschnittes t
E ist nur noch ein Teil der die Hilfsdüsen 15 eingeschaltet, welche den Schussfaden
im wesentlichen nur gestreckt halten, ihm aber keine zusätzliche Beschleunigung erteilen
können. Die Geschwindigkeit v(t) sinkt nach dem Zeitabschnitt t
E allmählich bis zum Ablauf des Zeitabschnittes t
S, wenn die Fadenbremse 25 betätigt wird. Nach ihrer Betätigung kann nur noch wenig
Garn in die Webmaschine 1 eingetragen werden, weshalb der Geschwindigkeitsabfall bis
zum Ablauf der Zeit t
W sehr steil ist. Die der Schussfadengeschwindigkeit v(t) entsprechendes Schussfadenlänge
l(t) steigt über der Zeit t
W bis zum Wert l = B an, wobei B die volle Eintragslänge entsprechend der Breite des
Gewebes bedeutet. Zum Zeitpunkt der Betätigung der Fadenbremse 25 hat der Schussfaden
20 die Geschwindigkeit v
S, welche kleiner als die kritische Geschwindigkeit v
K ist. Unter dieser Geschwindigkeit v
K wird diejenige Geschwindigkeit verstanden, welche noch zulässig ist, ohne dass unzulässig
hohe Fadenspannungen infolge des Rucks beim Abbremsen entstehen. Die Fadenbremse ist
gemäss Fig. 1 entweder zwischen dem Schussgarnspeicher 23 und der Hauptdüse 16 angeordnet,
oder sie kann in dem Schussgarnspeicher 23′′ gemäss Fig. 2 integriert sein. Eine
Garnzumesseinrichtung 21 für die Webmaschine 1 ist nicht zwingend nötig, wenn ein
Schussgarnspeicher 23′′ mit integrierter Fadenbremse 25 verwendet wird. In diesem
Fall kann je nach dem Zeitpunkt der Betätigung der Fadenbremse 25 die insgesamt eingetragene
Fadenlänge 1, auch in Abhängigkeit von den übrigen Betriebsbedingungen, variieren.
[0015] Je kleiner für ein bestimmtes Schussgarn der Wert von v
K ist, umso grösser müssen der Betriebsdruck der Düsen 15,16 und umso kleiner die Blaszeit
t
E gewählt werden, damit der Schusseintrag rechtzeitig abgeschlossen werden kann.
[0016] In Fig. 3 sind weiterhin Geschwindigkeitsverläufe und Wegverläufe v′(t), v′′(t) bzw.
l′(t), l′′(t) eingezeichnet. Der Geschwindigkeitsverlauf v′ liegt oberhalb des Geschwindigkeitsverlaufes
v entsprechend einem höheren Betriebsdruck des Mediums in der Hauptdüse 16. Die Blaszeit
t′
E der Hauptdüse 16 ist hier etwas länger gewählt, und die Stopzeit t′
S erreicht beinahe den Wert t
W, bei dem der Schussfadeneintrag abgeschlossen sein sollte, damit noch genügend zeitlicher
Abstand vor dem letzten Zeitpunkt der Ueberwachung des Schussfadens 20 durch den Fadensensor
34 besteht. Würde der Schussfaden 20 nach Ablauf des Zeitabschnittes t′
W am Fadensensor 34 vorbeilaufen, würde durch das Steuergerät 32 ein Abstellimpuls
für die Webmaschine 1 erzeugt werden, da ein zu spät beim Absaugkanal 18 ankommender
Faden nicht mehr richtig verarbeitet werden kann. Der Schussfaden mit dem Geschwindigkeitsverlauf
v′ hat zum Zeitpunkt t′
S gerade die kritische Geschwindigkeit v
K, wenn die Fadenbremse 25 betätigt wird. Bis zum Stillstand läuft noch mehr Faden
in die Webmaschine 1 ein, wobei die benötigte Fadenlänge B im Wegverlauf l′ des Schussfadens
überschritten wird.
[0017] Die nicht ideal gewählten Parameter, nämlich Druck in der Hauptdüse 16, Blaszeit
t′
E und Stopzeit t′
S finden also im Geschwindigkeitsverlauf v′(t) ihren Niederschlag, wobei dies vom Schussgarngeschwindigkeitsmesser
31 gemäss der Erfindung registriert wird. Mittels des Vergleichs des Ist-Geschwindigkeitsverlaufes
v′ mit dem Soll-Geschwindigkeitsverlauf v werden die Einstellparameter durch das
Steuergerät für den Schusseintrag 32 automatisch verändert, wobei der Betriebsdruck
der Hauptdüse 16 gesenkt wird, damit die kritische Geschwindigkeit v
K beim Ansprechen der Fadenbremse 25 nicht mehr erreicht wird. Weiterhin wird die Blaszeit
t
E und die Stopzeit t
S reduziert, damit der Schusseintrag während der Zeit t
W abgeschlossen ist. Gleichzeitig kann es nötig sein, den Betriebsdruck der Hauptdüse
16 zu erhöhen, damit die Anfangsgeschwindigkeit des Schussfadens für eine rechtzeitige
Vollendung des Schusseintrages gross genug ist. Daneben wird durch den Fadensensor
34 kontrolliert, ob eine ausreichende Fadenlänge in die Webmaschine 1 bei der Veränderung
der Einstellparameter eingetragen ist.
[0018] Ein weiterer Geschwindigkeitsverlauf v′′ und der entsprechende Wegverlauf l′′ des
Schussfadens 20 ist ebenfalls in Fig. 3 zu sehen, wobei der Betriebsdruck der Hauptdüse
16 zu tief eingestellt ist und die Stopzeit t′′
S zu lange dauert. Bei diesem Beispiel würde der Fadensensor 34 feststellen, dass die
insgesamt eingetragene Schussfadenlänge l′′ nicht bzw. nicht bis zum Zeitpnkt t′
W den erforderlichen Wert B erreicht, wodurch das Steuergerät 32 die Webmaschine automatisch
anhalten würde. Gleichzeitig würde aber durch die Auswertung des Geschwindigkeitsverlaufes
v′′ eine Aenderung an den Betriebsparametern vorgenommen werden, so dass beim erneuten
Anlaufen der Webmaschine 1 der Geschwindigkeitsverlauf des Schussfadens näher beim
idealen Verlauf v(t) läge.
[0019] Der Geschwindigkeitsverlauf des Schussfadens muss nicht während des gesamten Eintrages
erfasst werden; es genügt die Erfassung einiger repräsentativer Werte der Schussfadengeschwindigkeit
v′ bzw. v′′, um die Abweichung gegenüber dem Sollverlauf v festzustellen und im Steuergerät
32 Einstellungsänderungen zu erzeugen.
[0020] Durch das Ausschalten der Hauptdüse 16 rechtzeitig vor dem Ende des Schusseintrages
wird erreicht, dass die Schussfadengeschwindigkeit v am Ende des Schusseintrages so
weit abgesenkt ist, dass beim Betätigen der Fadenbremse 25 keine allzu grosse Fadengeschwindigkeit
v mehr herrscht und somit der Schussfaden schonend ohne grosse Spannungsspitzen abgebremst
wird. Die Absenkung der Geschwindigkeit des Schussfadens wird vor allem durch die
Reibung beim Abzug vom Schussfadenspeicher 23′ bzw. 23′′ nach dem Abschalten der Hauptdüse
16 erreicht.
[0021] Das Regelverfahren kann auch so ablaufen, dass nicht alle Parameter gleichzeitig
verändert werden, sonder beispielsweise während einer gewissen Anzahl Webzyklen nur
der Betriebsdruck der Hauptdüse 16 bzw. der Hilfsdüsen 15, um ein rechtzeitiges Ende
des Schusseintrages zum Zeitpunkt t
W zu erreichen, wobei der Geschwindigkeitsverlauf des Schussfadens im Detail nicht
beachtet wird, also auch nicht die Geschwindigkeit v
S zum Zeitpunkt der Betätigung der Fadenbremse 25. Anschliessend können während eines
zweiten Regelabschnittes die Zeiten t
E und t
S und möglicherweise nochmals der Betriebsdruck der Düsen 15,16 verändert werden, damit
die kritische Garngeschwindigkeit v
K beim Abbremsen des Schussfadens 20 genügend weit unterschritten wird.
[0022] Das Schusseintragsregelsystem 30 bzw. einzelne Komponenten davon, z.B. der Schussgarngeschwindigkeitsmesser
31 und das Steuergerät 32, könnten auch nur zeitweise für Einstellarbeiten an eine
Webmaschine angeschlossen werden.
Positionsliste
[0023]
1 Webmaschine
2 Garnvorlagesystem
11 Gestell
12 Warenbaum
13 Riet
14 Weblade
15 Hilfsdüse
16 Hauptdüse
16′ Druckreduzierventil
17 Druckluftsystem
17′
18 Absaugkanal
18′ Injektor
20 Schussfaden
20′ Schussfadenspule
21 Garnzumesseinrichtung
22 Zuführrohr
22′ Zuführdüse
23′ Schussgarnspeicher mit Teller
23′′ Schussgarnspeicher mit Trommel
23′′′Teller
24 Oese (Faden-)
25 Fadenbremse
26 Antriebsmotor für 23′ 21′
27 Antriebsmotor für 23′′
27′ Garnwickler
30 Schusseintragsregelsystem
315 Steuerleitung von 32 zu 15
31 Schussgarngeschwindigkeitsmesser
31′ Sensor
31′′ Sensor
312 Signalleitung von 31 zu 32
32 Steuergerät für Schusseintrag
32′ Recheneinheit
32′′ Speichereinheit
326 Steuerleitung v. 32 zu 26
325 Steuerleitung v. 32 zu 25
326′ Steuerleitung v. 32 zu 16′
33 Maschinensteuerung
332 Steuerleitung v. 33 zu 32
34 Fadensensor
35 Schere
[0024]
tE |
Blaszeit |
tS |
Stopzeit |
tW |
längste Eintragszeit |
tW′ |
Wächterzeit |
vK |
kritische Stopgeschwindigkeit |
VS |
ideale Stopgeschwindigkeit |
v(t) |
Geschwindigkeitsverlauf des Fadens, ideal |
v′(t) |
Geschwindigkeitsverlauf des Fadens, zu schnell |
v˝(t) |
Geschwindigkeitsverlauf des Fadens, zu langsam |
l(t) |
Wegverlauf des Fadens |
l′(t) |
" " " |
l˝(t) |
" " " |
B |
Webbreite (Sollänge des Fadens) |
1. Verfahren für den Betrieb einer Webmaschine mit einem Schusseintragssystem mittels
eines strömenden Mediums, beispielsweise Luft, und mit einem Schusseintragsregelsystem,
mit dem die Schussfadengeschwindigkeit gemessen werden kann und je nach der gemessenen
Geschwindigkeit Komponenten des Schusseintragssystems, welche die Schussfadengeschwindigkeit
beeinflussen, gesteuert werden können, dadurch gekennzeichnet, dass ein Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät (31) die Schussfadengeschwindigkeit
während des Schusseintrags wiederholt misst und die Messwerte mit vorgegebenen Sollwerten
verglichen werden und falls erforderlich Einstellungsänderungen an den Komponenten
(15,16) des Schusseintragssystems (3) veranlasst werden, um den Verlauf der Schussfadengeschwindigkeit
über der Zeit dem vorgegebenen Verlauf anzupassen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Schussgarngeschwindigkeits-Messgerät
(31) die Schussfadengeschwindigkeit kontinuierlich registriert, und dass die registrierten
Geschwindigkeitswerte an ein Steuergerät (32) übermittelt werden, in welchem die
Geschwindigkeitswerte des Schussgarns in einer Recheneinheit (32′) verarbeitet werden,
wodurch die Durchschnittsgeschwindigkeit des Schussfadens jederzeit bekannt ist und
von dieser Durchschnittsgeschwindigkeit im Vergleich mit der Sollgeschwindigkeit
ausgehend Korrekturwerte für die Einstellung der Komponenten (15,16,25,26) im Steuergerät
(32) generiert werden und an diese Komponenten übermittelt werden mit dem Ziel, dass
der Schusseintrag zu einem vorgegebenen Zeitpunkt innerhalb eines Webzyklus beendet
ist, wobei die Einstellung der Komponenten laufend zu ändern ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in einer Speichereinheit
(32′′) des Steuergeräts (32) die Sollwerte der Schussfadengeschwindigkeit über der
Zeit abgespeichert sind und die Komponenten (15,16,25, 26) so beeinflusst werden,
dass die Schussfadengeschwindigkeit über der Zeit dem Sollverlauf entspricht.
4. Webmaschine zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass im Bereich des Garnvorlagesystems (2) ein die Schussgarngeschwindigkeit kontinuierlich
registrierender Schussgarngeschwindigkeitsmesser (31) angeordnet ist, der mit einem
Steuergerät (32) für den Schusseintrag über eine Signalleitung (312) verbunden ist,
und dass das Steuergerät mittels Steuerleitungen (315, 325, 326, 326′) an die die
Schusseintragsgeschwindigkeit beeinflussenden Komponenten (15, 16, 25, 26) angeschlossen
ist, wobei im Steuergerät (32) eine die registrierten Geschwindigkeitswerte des Schussgarns
verarbeitende Recheneinheit (32′) untergebracht ist, welche kontinuierlich Steuerwerte
über das Steuergerät (32) an die Komponenten abgebend ausgebildet ist.
5. Webmaschine nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Steuergerät eine Speichereinheit
(32′′) angeordnet ist, die einen den Sollwertverlauf der Schussfadengeschwindigkeit
über der Zeit speichernden Teil enthält.
6. Webmaschine nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Komponenten zur Beeinflussung
der Schussfadengeschwindigkeit mindestens eines der Aggregatteile Hauptdüsen (16),
Hilfsdüsen (15), Schussfadenbremsen (25), Antriebsmotoren (26) für den Schussgarnspeicher
(23′) umfassen.
7. Webmaschine nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Steuergerät
und der Hauptdüse (16) ein Druckreduzierventil (16′) angeordnet ist.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schussgarngeschwindigkeit
insbesondere so geregelt wird, dass bei Betätigung einer Fadenbremse (25) gegen das
Ende des Schusseintrages die Geschwindigkeit des Fadens kleiner oder höchstens gleich
einer kritischen Geschwindigkeit (vK) des Schussfadens (20) ist, bei welcher die Fadenspannungen infolge des Rucks beim
Abbremsen noch in einem zulässigen Bereich liegen, wobei die Einschaltzeit (tE) der Hauptdüsen bei einem gegebenen Betriebsdruck kurz genug gewählt wird, dass nach
Ende der Blasdauer der Hauptdüse die Fadengeschwindigkeit höchstens bis zum Wert (vK) abgesunken ist, und wobei der Betriebsdruck der Düsen (16) so hoch gewählt wird,
dass die Beschleunigung des Schussfadens für seine rechtzeitige Ankunft an der der
Hauptdüse gegenüberliegenden Seite der Webmaschine ausreicht.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Betriebsdruck der Hauptdüse
(16) erhöht wird, wenn die Blasdauer reduziert wird.
10. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass über eine gewisse Anzahl
von Webzyklen in einem ersten Regelabschnitt der Betriebsdruck der Hauptdüse (16)
bzw. der Hilfsdüsen (15) verändert wird, um ein rechtzeitiges Ende des Schusseintrages
zu erreichen, und dass in einem zweiten Regelabschnitt während einer Anzahl von Webzyklen
die Blasdauer bzw. der Betriebsdruck der Düsen (15, 16) so lange verändert wird, dass
die kritische Garngeschwindigkeit (vK) beim Abbremsen des Schussfadens erreicht bzw. genügend weit unterschritten wird.