[0001] Die Erfindung betrifft eine Gummiwalze für ein Walzenpaar, bei welchem die Gummiwalze
in einer Kontaktzone entlang gemeinsamer Mantellinien der Gummiwalze und einer weiteren
Walze an die weitere Walze angestellt ist und ein Flüssigkeitsvorrat vorgesehen ist,
der in einem oberhalb der Kontaktzone befindlichen Zwickel zwischen der Gummiwalze
und der weiteren Walze mittels Abdichtmitteln an den Enden dieser Walzen eingeschlossen
ist, wobei die Abdichtmittel wenigstens in bezug auf die Gummiwalze an je eine Stirnseite
einer betreffenden Walze angestellt sind, und ferner ein Verfahren zur Umwandlung
der Zustandsform an den Stirnseiten einer derartigen Gummiwalze.
[0002] Ein Walzenpaar der genannten Art ist beispielsweise bekannt aus der US-PS 4,455,938,
und zwar als Bestandteil eines Feuchtwerks für eine Offset-Druckmaschine. Hierbei
dient die mit elastischer Oberfläche ausgestattete Auftragwalze, die der Gummiwalze
des Erfindungsgegenstandes entspricht, zum Auftragen von Feuchtmittel auf einen Plattenzylinder
der Offset-Druckmaschine. Im oberen Zwickel zwischen der Auftragwalze und einer gegen
diese angestellten Dosierwalze ist ein Feuchtmittelvorrat mittels Abdichtmitteln an
den Enden dieser Walzen eingeschlossen. Diese Abdichtmittel weisen an jedem Ende des
Walzenpaares eine Dichtplatte auf, die mit einer flachen Seite gegen eine Stirnseite
der Auftragwalze und mit einer kreisbogenförmig ausgebildeten Dichtplattenstirnseite
gegen die Mantelfläche der Dosierwalze jeweils unter der Anpreßkraft einer Feder angestellt
ist.
[0003] Dichtplatten der genannten Art werden im allgemeinen aus einem Kunststoff mit niedrigem
Reibungskoeffizienten wie beispielsweise PTFE hergestellt. Mit derartigen Dichtplatten
zusammenwirkende Dosierwalzen von Feuchtwerken sind im allgemeinen an ihren Enden
mit Stahlringen versehen, gegen welche eine jeweilige kreisbogenförmig ausgebildete
Dichtplattenstirnseite angestellt ist, so daß ein relativ geringer Verschleiß an der
Dosierwalze und an der Dichtplattenstirnseite auftritt, insbesondere wenn plasmabeschichtete
Stahlringe verwendet werden.
[0004] Bei der stirnseitigen Abdichtung einer als Gummiwalze ausgebildeten Auftragwalze
kommt es jedoch durch die erforderliche Andruckkraft der Dichtplatte und den hohen
Reibungskoeffizienten des Gummis zu sehr hohen Reibkräften. Diese führen zu einem
unzulässigen Temperaturanstieg, der bei hoher Maschinengeschwindigkeit Temperaturen
bis zu 130 °C zur Folge haben kann, und zu einer starken Abnutzung sowohl der Gummiwalze
als auch der Dichtplatte bis hin zur Zerstörung derselben. Die erforderliche Abdichtung
ist dabei nicht mehr gewährleistet.
[0005] Die Aufgabe der Erfindung besteht nun darin, eine Abdichtung einer Gummiwalze an
deren Stirnseiten mittels gegen diese Stirnseiten angestellter Dichtplatten über einen
verlängerten Zeitraum und bei relativ hohen Drehzahlen der Gummiwalze zu gewährleisten.
[0006] Diese Aufgabe wird gelöst mit einer im Anspruch 1 angegebenen Gummiwalze und einem
in Anspruch 2 angegebenen Verfahren zur Umwandlung der Zustandsform an den Stirnseiten
einer Gummiwalze gemäß Anspruch 1.
[0007] In den Fällen, in denen im Stand der Technik Gummi oder gummielastische Werkstoffe
verwendet werden, macht man sich stets deren besondere Elastizität und/oder deren
relativ hohen Reibungskoeffizienten zunutze. Bei nachlassender Elastizität und bei
Versprödung werden Bauteile aus entsprechenden Werkstoffe wie beispielsweise Dichtringe
oder Puffer durch neue ersetzt.
[0008] Für die Verwendung von Gummi für eine Auftragwalze eines Feuchtwerks einer Offsetdruckmaschine
ist unter anderem ebenfalls die Elastizität ausschlaggebend. Der als bevorzugter Dichtungswerkstoff
bekannte Gummi ließ auch befriedigende Ergebnisse bei der stirnseitigen Abdichtung
einer als Gummiwalze ausgebildeten Auftragwalze erwarten.
[0009] Die Erfindung beschreitet jedoch den Weg, die Elastizität der Mantelfläche der Auftragwalze
beizubehalten und in Abkehr von der Ausnutzung der Elastizität und des relativ hohen
Reibungskoeffizienten zum Zweck einer Abdichtung die abzudichtenden Stirnseiten einer
Gummiwalze mit verminderter Elastizität und vermindertem Reibungskoeffizienten auszubilden.
[0010] Zu diesem Zweck bedient sich die Erfindung einer im Stand der Technik unerwünschten
Zustandsform von Gummi und sieht diese Zustandform an den Stirnseiten der Gummiwalze
vor.
[0011] Eine im Stand der Technik unerwünschte Zustandsform von Gummi liegt zwischen einer
gummielastischen und einer glasartigen Zustandform und tritt mit fortgeschrittener
Molekülvernetzung auf, mit welcher eine zunehmende Aushärtung des Gummis sowie eine
zunehmende Glättung seiner Oberfläche einhergeht. Diese als Alterungserscheinungen
bekannten Eigenschaften macht sich die Erfindung zunutze. Hierbei wird ein künstlich
verkürzter Alterungsprozeß lokal an den Stirnseiten der Gummiwalze vorgesehen und
die dabei erfolgende Aushärtung und Glättung der Stirnseiten zur Verbesserung von
deren Verschleißfestigkeit und zur Verringerung von deren Reibwiderstand herangezogen,
während die gummielastischen Eigenschaften der übrigen Bereiche der Gummiwalze beibehalten
werden.
[0012] Der künstlich verkürzte Alterungsprozeß wird gemäß der Erfindung mittels einer UV-Bestrahlung
hervorgerufen. Diese wird weiterhin gemäß der Erfindung auf die Stirnseiten der Gummiwalzen
beschränkt.
[0013] Die gemäß der Erfindung vorgesehenen, künstlich gealterten Stirnseiten der Gummiwalze
gewährleisten nun dank der erhöhten Verschleißfestigkeit und der geglätteten Oberfläche
eine stirnseitige Abdichtung der Gummiwalze mittels gegen deren Stirnseiten angestellter
Dichtplatten über einen verlängerten Zeitraum und bei relativ hohen Drehzahlen der
Gummiwalze.
[0014] Bei einer Gummiwalze mit einer Härte in der Größenordnung von 50 bis 60 Shore werden
günstige Dichtungseigenschaften in Verbindung mit an die Stirnseiten der Gummiwalze
angestellten Dichtplatten erzielt, wenn diese Stirnseiten über eine Zeitdauer in der
Größenordnung von 60 Stunden einer UV-Strahlung mit einer Wellenlänge von etwa 300
bis 400 nm ausgesetzt werden, wobei die Mantelfläche der Gummiwalze gegen die UV-Strahlung
abgeschirmt ist, die UV-Strahlung mit einer sogenannten Schwarzlichtlampe erzeugt
wird, pro Quadratzentimeter einer Stirnseite eine Leistung der Schwarzlichtlampe in
der Größenordnung von 0,1 Watt installiert ist und die Schwarzlichtlampe unter einem
Abstand in der Größenordnung von 10 cm zur jeweils zu bestrahlenden Stirnseite angeordnet
ist.
[0015] Ein Ausführungsbeispiel einer Einrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens ist
in der Zeichnung dargestellt.
[0016] Hierin sind erste Stirnseiten 1.1, 2.1, ..., n.1 einer Mehrzahl von Gummiwalzen 1,
2, ..., n in einer ersten Ebene angeordnet, die von einer Außenfläche 10 einer Abschirmung
11 für die Mantelflächen der Gummiwalzen 1, 2, ..., n gegen die UV-Strahlung dargestellt
wird. Die Abschirmung 11 ist mit Durchbrüchen 12 versehen, die an den jeweiligen Durchmesser
der Gummiwalzen 1, 2, ..., n angepaßt sind. Die Längsachsen 20.1, 20.2, ..., 20.n
der Gummiwalzen 1, 2,..., n liegen in einer gedachten zweiten Ebene 21. In derselben
Ebene 21 ist eine stabförmige Schwarzlichtlampe 22 parallel zur Außenfläche 10 der
Abschirmung 11 unter einem Abstand a von den Stirnflächen 1.1, 2.1, ..., n.1 der Gummiwalzen
1, 2, ..., n angeordnet. Die Abschirmung 11 schützt die Mantelflächen der Gummiwalzen
1, 2,..., n vor der von der Schwarzlichtlampe 22 abgegebenen UV-Strahlung.
[0017] Eine für die stirnseitige Abdichtung im Sinne der Erfindung günstige Beschaffenheit
der Stirnfläche einer Gummiwalze mit einer Härte in der Größenordnung von 50 bis 60
Shore ergibt sich bei Anwendung der in der Zeichnung dargestellten Einrichtung, wenn
eine Schwarzlichtröhre von etwa 120 cm Länge mit einer Leistung von etwa 36 Watt in
einem Abstand a von etwa 10 cm angeordnet wird, diese Schwarzlichtröhre den Stirnflächen
einer Anzahl von n = 15 Gummiwalzen mit einem Durchmesser von etwa 60 mm zugeordnet
wird und eine Bestrahlungszeit von etwa 60 Stunden vorgesehen wird.
[0018] Hierbei ist in der Schwarzlichtröhre pro Quadratzentimeter einer Stirnseite einer
Gummiwalze eine Leistung in der Größenordnung von 0,1 Watt installiert.
[0019] In der Zeichnung ist eine Einrichtung zur Durchführung des beschriebenen Verfahrens
dargestellt, welche die Bestrahlung jeweils erster Stirnseiten 1.1, 2.1, ..., n.1
der Gummiwalzen 1, 2, ..., n ermöglicht. Eine entsprechende Einrichtung kann auch
für die zweiten Stirnseiten 1.2 der Gummiwalzen 1, 2, ..., n vorgesehen und gleichzeitig
mit der dargestellten benutzt werden, so daß eine erfindungsgemäße Umwandlung der
Zustandsform an beiden Stirnseiten einer Mehrzahl von Gummiwalzen gleichzeitig erfolgen
kann.
| BEZUGSZEICHENLISTE |
| a |
Abstand |
| 1, 2, ..., n |
Gummiwalze |
| 1.1, 2.1, ..., n |
Stirnseite einer Gummiwalze |
| 10 |
Außenfläche der Abschirmung |
| 11 |
Abschirmung |
| 12 |
Durchbruch |
| 20.1, 20.2, ..., 20.n |
Längsachse einer Gummiwalze |
| 21 |
zweite Ebene |
| 22 |
Schwarzlichtlampe |
1. Gummiwalze für ein Walzenpaar, bei welchem die Gummiwalze in einer Kontaktzone
entlang gemeinsamer Mantellinien der Gummiwalze und einer weiteren Walze an die weitere
Walze angestellt ist und ein Flüssigkeitsvorrat vorgesehen ist, der in einem oberhalb
der Kontaktzone befindlichen Zwickel zwischen der Gummiwalze und der weiteren Walze
mittels Abdichtmitteln an den Enden dieser Walzen eingeschlossen ist, wobei die Abdichtmittel
wenigstens in bezug auf die Gummiwalze an je eine Stirnseite einer betreffenden Walze
angestellt sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Gummiwalze (1, 2, n) an ihren Stirnseiten (1.1, 2.1, n.1; 1.2) eine mittels
UV-Bestrahlung erzielte Zustandsform aufweist, die zwischen einer gummielastischen
und einer glasartigen Zustandsform liegt.
2. Verfahren zur Umwandlung der Zustandsform an den Stirnseiten einer Gummiwalze gemäß
Anspruch 1, wobei die Gummiwalze eine Härte in der Größenordnung von 50 bis 60 Shore
aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stirnseiten (1.1, 2.1, n.1; 1.2) der Gummiwalze (1, 2, n) über eine Zeitdauer
in der Größenordnung von 60 Stunden einer UV-Strahlung mit einer Wellenlänge von etwa
300 bis 400 nm ausgesetzt wird, wobei die Mantelfläche der Gummiwalze (1, 2, n) gegen
die UV-Strahlung abgeschirmt ist, die UV-Strahlung mit einer sogenannten Schwarzlichtlampe
(22) erzeugt wird, pro Quadratzentimeter einer Stirnseite (1.1, 2.1, n.1; 1.2) eine
Leistung der Schwarzlichtlampe (22) in der Größenordnung von 0,1 Watt installiert
ist und die Schwarzlichtlampe (22) unter einem Abstand (a) in der Größenordnung von
10 cm zur jeweils zu bestrahlenden Stirnseite (1.1, 2.1, n.1; 1.2) angeordnet ist.
3. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stirnseiten (1.1, 2.1, n.1; 1.2) einer Mehrzahl von Gummiwalzen (1, 2, n)
in einer ersten Ebene (10) angeordnet sind und eine parallel zur ersten Ebene (10)
angeordnete stabförmige Schwarzlichtlampe (22) in einer zweiten Ebene (21) liegt,
die von den Längsachsen (20.1, 20.2, 20.n) der Gummiwalzen (1, 2, n) bestimmt ist,
wobei ersten Stirnseiten (1.1, 2.1, n.1) der Gummiwalzen (1, 2, n) eine erste und
zweiten Stirnseiten (1.2) der Gummiwalzen (1, 2, n) eine zweite stabförmige Schwarzlichtlampe
(22) zugeordnet ist.