(19)
(11) EP 0 359 199 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
21.03.1990  Patentblatt  1990/12

(21) Anmeldenummer: 89116861.9

(22) Anmeldetag:  12.09.1989
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5E04G 23/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB LI LU NL SE

(30) Priorität: 16.09.1988 DE 8811773 U

(71) Anmelder: STADTWERKE MÜNSTER GMBH
D-48155 Münster (DE)

(72) Erfinder:
  • Gaupels, Hermann
    D-4417 Altenberge (DE)

(74) Vertreter: Goetz, Rupert, Dipl.-Ing. et al
Wuesthoff & Wuesthoff Patent- und Rechtsanwälte Schweigerstrasse 2
81541 München
81541 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Fahrbares Gerüst zur Bearbeitung von Wänden


    (57) Das Gerüst hat ein Fahrgestell (10) mit einer Vorderseite (12), die in Gebrauchsstellung wenigstens annähernd wand­parallel angeordnet ist. Am Fahrgestell (10) ist ein Mast (30) um eine der Vorderseite (12) benachbarte, zu dieser wenigstens annähernd parallele waagerechte Achse (40) neigbar abgestützt. Am Mast (30) ist ein Geräteträger (70) geführt und mittels einer Hubvorrichtung (60) auf- und abwärtsbewegbar. Das Fahrgestell (10) weist nahe seiner Vorderseite (12) zwei Laufräder (14, 16) auf, von denen ein Laufrad (12) antreibbar ist und zur Vorderseite (12) parallele Laufrichtung hat, und das zweite Laufrad (16) eine zur Vorderseite (12) spitzwinklige Laufrichtung hat.




    Beschreibung


    [0001] Fahrbare Gerüste zur Bearbeitung von Wänden sind in viel­fältigen Ausführungsformen bekannt. Sie sind im allgemei­nen als in sich starre Einheit ausgeführt und haben eine oder mehrere Plattformen, die mit Leitern erreichbar sind und als Standflächen für arbeitende Personen sowie als Ab­stellflächen für Arbeitsgeräte und -materialien dienen. Außerdem sind Fahrzeuge bekannt, die einen um waagerechte und senkrechte Achsen schwenkbaren und in manchen Fällen auch teleskopartig ausfahrbaren Ausleger aufweisen, an dessen vom Fahrzeug entfernten Ende eine Arbeitsbühne angeordnet ist. Die Bewegungen des Auslegers können von der Arbeitsbühne aus gesteuert werden, nicht aber die Fahrbewegungen des gesamten Fahrzeugs.

    [0002] Bei den bekannten fahrbaren Gerüsten und Fahrzeugen mit Arbeitsbühne an einem Ausleger ist deshalb neben der auf dem Gerüst bzw. der Arbeitsbühne arbeitenden Person im allgemeinen eine zweite Person zum Steuern der Fahrbe­wegungen nötig. Außerdem ist es im allgemeinen erfor­derlich, bekannte Gerüste oder mit Auslegern versehene Fahrzeuge nach jeder Fahrbewegung aufzubocken, damit sie auch auf unebenem Grund hinreichend standsicher sind. Bewegungen von einem Standort zum nächsten sind deshalb zeitraubend.

    [0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein fahrbares Gerüst zur Bearbeitung von Wänden, insbes. zum Reinigen der Innenwände von Trinkwasserbehältern, derart zu ge­stalten, daß es von einer einzigen Person leicht und zeitsparend benutzt werden kann.

    [0004] Das als Lösung dieser Aufgabe erfindungsgemäß vorgesehene Gerüst ist gekennzeichnet durch
    - ein Fahrgestell mit mehreren Laufrädern
    - einen Mast, der am Fahrgestell abgestützt und gegen die Senkrechte neigbar ist,
    - einen Geräteträger, der am Mast auf- und abwärtsbewegbar geführt ist, und
    - eine Hubvorrichtung für Bewegungen des Geräteträgers längs des Mastes.

    [0005] Der Mast des erfindungsgemäßen Gerüstes läßt sich wegen seiner Neigbarkeit stets parallel zu der zu bearbeitenden Wand einstellen, auch wenn der Boden, auf dem das Fahr­gestell steht, nicht waagerecht ist, sondern beispiels­weise, wie bei Trinkwasserbehältern üblich, ein Gefälle von der Wand weg aufweist. Auf dem Geräteträger können der Art der auszuführenden Arbeiten entsprechende Geräte ange­ordnet werden, beispielsweise Bürstenwalzen und/oder Hoch­druck-Wasserstrahldüsen oder Sandstrahldüsen. Der Benutzer des Geräts steuert sowohl die Fahrbewegungen des Fahrge­stells wie die Hubbewegungen des Geräteträgers im allge­meinen vom Boden aus in sicherer Entfernung vom Gefahren­bereich am und rings um den Geräteträger, mit gutem Überblick über die zu bearbeitende Wand.

    [0006] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.

    [0007] Ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen fahrbaren Gerüstes wird im folgenden anhand schematischer perspek­tivischer Zeichnungen erläutert; dabei zeigt

    Fig. 1 eine Seitenansicht des ganzen Gerüstes,

    Fig. 2 eine Gesamtansicht in Richtung des Pfeils II in Fig. 1,

    Fig. 3 eine Teilansicht im Bereich III der Fig. 1,

    Fig. 4 eine Teilansicht in Richtung des Pfeils IV in Fig. 1,

    Fig. 5 eine Teilansicht im Bereich V in Fig. 1,

    Fig. 6 eine Teilansicht in Richtung des Pfeils VI in Fig. 1,

    Fig. 7 eine Teilansicht im Bereich VII in Fig. 1 und

    Fig. 8 eine Teilansicht in Richtung des Pfeils VIII in Fig. 2.



    [0008] Das dargestellte fahrbare Gerüst hat ein Fahrgestell 10, das von einem in Draufsicht im wesentlichen dreieckigen, waagerechten Rahmen gebildet ist und eine Vorderseite 12 aufweist, die in Gebrauchstellung parallel zu der zu bear­beitenden Wand angeordnet ist. An der Vorderseite 12 sind zwei Laufräder 14 und 16 gelagert; ein drittes Laufrad 18 ist an dem von der Vorderseite 12 entfernten Ende des Fahrgestells 10 gelagert.

    [0009] Das Laufrad 14 hat eine zur Vorderseite 12 parallele Lauf­richtung und ist mittels eines Fahrmotors 20 derart an­treibbar, daß das Laufrad 14 als vorderes Laufrad das gesamte Gerät zieht. Das Laufrad 16 ist in einer Gabel 22 gelagert, die um eine senkrechte Lenkachse 24 einstellbar ist und normalerweise in einer Stellung fixiert ist, in der sich die Laufrichtung des Laufrades 16 unter einem spitzen Winkel in Fahrtrichtung zu der zu bearbeitenden Wand hin erstreckt, das Fahrgestell 10 also bestrebt ist, sich der Wand zu nähern.

    [0010] Am Fahrgestell 10 ist nahe den beiden Laufrädern 14 und 16 je ein Ausleger 26 befestigt, der sich rechtwinklig zur Vorderseite 12 nach vorne erstreckt und eine einstellbare Länge hat. Am freien Ende der beiden Ausleger 26 ist je eine Abweisrolle 28 um eine senkrechte Achse drehbar gelagert. Wegen der beschriebenen Einstellung des Lauf­rades 16 wird das Fahrgestell 10 bei Vorwärtsfahrt stets so bewegt, daß die Abweisrollen 28 an die zu bearbeitende Wand angedrückt werden und an ihr entlang rollen.

    [0011] Von der Vorderseite 12 des Fahrgestells 10 erstreckt sich ein Mast 30 senkrecht nach oben. Der Mast 30 besteht aus zwei parallelen Holmen 32, die wie bei einer Leiter durch Quersprossen 34 miteinander verbunden sind. Der Mast 30 ist in mehrere Abschnitte 36 unterteilbar, die je zwei Quersprossen 34 aufweisen und in Gebrauchsstellung derart ineinandergreifen, daß der Mast insgesamt biegesteif ist.

    [0012] An der Vorderseite 12 des Fahrgestells 10 ist ein Paar senkrechter Ständer 38 befestigt, in deren oberen Endbe­reichen der Mast 30 um eine zur Vorderseite 12 parallele waagerechte Achse 40 schwenkbar gelagert ist. Am von der Vorderseite 12 entfernten Ende des Fahrgestells ist mit­tels eines Gelenks 42 ein Rohr 44 angelenkt; in diesem ist eine Stange 46 gehalten, die durch ein weiteres Gelenk 48 mit dem oberen Endbereich des Mastes 30 verbunden ist. Auf diese Weise ist eine Stütze 50 gebildet, die den Mast 30 in einer gewählten, entsprechend der zu bearbeitenden Wand mehr oder weniger genau senkrechten Stellung hält.

    [0013] Die Stütze 50 hat eine Längeneinstellvorrichtung 52, damit die gewünschte Stellung des Mastes 30 auch dann erreicht und eingehalten werden kann, wenn das Fahrgestell 10 wegen einer Neigung des Bodens, auf dem die Laufräder 14, 16 und 18 stehen, nicht genau waagerecht angeordnet ist. Die Län­ geneinstellvorrichtung 52 ist im dargestellten Beispiel eine Gewindespindel, die sich um ihre eigene Achse drehbar am Gelenk 42 abstützt und in ein Muttergewinde am unteren Ende des Rohrs 44 eingeschraubt ist.

    [0014] Unabhängig von der Einstellung der Längeneinstellvorrich­tung 52 ist die Stütze 50 in bestimmten Grenzen längsela­stisch. Zu diesem Zweck enthält das Rohr 44 eine nicht im einzelnen dargestellte Federung 54, beispielsweise eine Schrauben-Druckfeder, an der die Stange 46 innerhalb des Rohrs 44 abgestützt ist. Die Stange 46 ist also, ausgehend von der abgebildeten Stellung, gegen stetig zunehmenden Widerstand weiter in das Rohr 44 hineinschiebbar. Ein unbeabsichtigtes vollständiges Herausziehen der Stange 46 aus dem Rohr 44 ist durch Mittel üblicher Art, beispiels­weise Flansch und Kragen, verhindert.

    [0015] Am unteren Ende des Mastes 30 ist ein Hubmotor 56 angeord­net, mit dem eine an den beiden Holmen 32 gelagerte, zur Achse 40 parallele untere Welle 58 einer Hubvorrichtung 60 antreibbar ist. Auf der Welle 58 ist nahe den beiden Hol­men 32 je ein unteres Kettenrad 62 befestigt. Eine ent­sprechende Welle 64 mit einem Paar Kettenräder 66 ist am oberen Ende des Mastes 30 in den beiden Holmen 32 gela­gert. Jedes Paar übereinander angeordneter Kettenräder 62 und 66 ist von einer endlosen Rollenkette 68 umschlungen.

    [0016] Die beiden Holme 32 bilden Führungen für einen längs des Mastes 30 auf- und abbewegbaren Geräteträger 70. Im dar­gestellten Beispiel sind am Geräteträger 70 zwei Bür­stenwalzen 72 gelagert, die parallel zur Achse 40 über­einander angeordnet und von einem gemeinsamen, ebenfalls am Geräteträger 70 angeordneten Motor 74 antreibbar sind.

    [0017] Am oberen Ende des Mastes 30 ist ein weiteres Paar nach vorne ragender Ausleger 76 befestigt, an denen ebenfalls je eine Abweisrolle 78 mit ungefähr senkrechter, zum Mast 30 paralleler Drehachse gelagert ist.

    [0018] Auf dem Fahrgestell 10 ist ferner ein Aggregat 80 ange­ordnet, das über Leitungen 82 die Bürstenwalzen 72 oder in deren Nähe am Geräteträger 70 angeordnete Düsen mit Wasser versorgt, dessen Druck der Reinigungsaufgabe entsprechend einstellbar ist.

    [0019] Schließlich ist im hinteren Bereich des Fahrgestells 10 ein Steurungskasten 84 angeordnet, von dem aus sämtliche Funktionen des Gestells und der von ihm getragenen Geräte gesteuert werden.

    [0020] Zum Reinigen einer Wand wird der Geräteträger 70 auf- und abbewegt, während die Bürstenwalzen 72 sich drehen. Nach einer oder mehreren Auf- und Abwärtsbewegungen des Geräte­trägers 70, vorzugsweise in dessen unterer Endstellung, wird jeweils das Fahrgestell 10 um eine Strecke weiterbe­wegt, die etwas kleiner ist als die Länge der Bürstenwalze 72.


    Ansprüche

    1. Fahrbares Gerüst zur Bearbeitung von Wänden, gekennzeichnet durch
    - ein Fahrgestell (10) mit mehreren Laufrädern (12, 14, 16),
    - einen Mast (30), der am Fahrgestell (10) abgestützt und gegen die Senkrechte neigbar ist,
    - einen Geräteträger (70), der am Mast (30) auf- und ab­wärtsbewegbar geführt ist, und
    - eine Hubvorrichtung (60) für Bewegungen des Geräteträ­gers (70) längs des Mastes (30).
     
    2. Gerüst nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, daß
    - das Fahrgestell (10) eine Vorderseite (12) hat, die in Gebrauchsstellung wenigstens annähernd wandparallel ange­ordnet ist, und
    - der Mast (30) um eine der Vorderseite (12) benachbarte, zu dieser wenigstens annähernd parallele waagerechte Achse (40) neigbar ist.
     
    3. Gerüst nach Anspruch 2,
    dadurch gekennzeichnet, daß
    - das Fahrgestell (10) in einem von seiner Vorderseite (12) entfernten Endbereich ein Gelenk (42) aufweist,
    - der Mast (30) in einem oberen Endbereich ein Gelenk (48) aufweist, und
    - diese beiden Gelenke (42, 48) durch eine Stütze (50) von einstellbarer Länge miteinander verbunden sind.
     
    4. Gerüst nach Anspruch 3,
    dadurch gekennzeichnet, daß die Stütze (50) längselastisch ist.
     
    5. Gerüst nach einem der Ansprüche 2 bis 4,
    dadurch gekennzeichnet, daß das Fahrge­stell (10) nahe seiner Vorderseite (12) zwei Laufräder (14, 16) aufweist, von denen ein Laufrad (12) antreibbar ist und zur Vorderseite (12) parallele Laufrichtung hat, und das zweite Laufrad (16) eine zur Vorderseite (12) spitzwinklige Laufrichtung hat.
     
    6. Gerüst nach Anspruch 5,
    dadurch gekennzeichnet, daß das Fahr­gestell (10) in Draufsicht wenigstens annähernd die Form eines Dreiecks hat, dessen Basis die Vorderseite (12) ist, und nahe dessen von der Vorderseite (12) entfernter Ecke ein drittes Laufrad (18) mit zur Vorderseite (12) paral­leler Laufrichtung gelagert ist.
     
    7. Gerüst nach Anspruch 6,
    dadurch gekennzeichnet, daß die Laufrich­tung mindestens des zweiten Laufrades (14) veränderbar ist.
     
    8. Gerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
    dadurch gekennzeichnet, daß an der Vor­derseite (12) des Fahrgestells (10) und in einem oberen Endbereich des Mastes (30) Abweisrollen (28, 78) um je eine wenigstens annähernd senkrechte Achse drehbar gela­gert sind.
     
    9. Gerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
    dadurch gekennzeichnet, daß der Mast (30) zwei parallele Holme (32) aufweist, an denen der Geräte­träger (70) geführt ist, und die durch Quersprossen (34) in der Art einer Leiter miteinander verbunden sind.
     
    10. Gerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
    dadurch gekennzeichnet, daß der Mast (30) in mindestens zwei Abschnitte (36) zerlegbar ist, von denen keines länger ist als die größte Seitenlänge des Fahrgestelles (10).
     




    Zeichnung