[0001] Der Erfindung betrifft ein Verfahren zum elektrolytischen Beizen von Edelstahlband,
insbesondere von Edelstahl-Warmband, bei welchem das Edelstahl-Warmband vorerst in
einer wässrigen neutralen Lösung von Na₂SO₄ abwechselnd anodisch und kathodisch gebeizt
wird.
[0002] Verfahren zum elektrolytischen Beizen von Edelstahl in verschiedenen Säuren, wie
beispielsweise Schwefelsäure oder Salpetersäure, sind seit vielen Jahren bekannt und
haben sich bereits weltweit durchgesetzt. Derartige Verfahren benötigen jedoch als
nachfolgenden Schritt eine Behandlung in einer Mischsäure, wie beispielsweise einer
Mischung von Salpetersäure und Flußsäure, um die chromverarmte Schicht an der Oberfläche
zu entfernen. Ein seit längerer Zeit bekanntes Problem bei diesen Verfahren liegt
nun darin, daß bei dieser Säurenachbehandlung gefährliche Gase,wie nitrose Gase, frei
werden.
[0003] Infolgedessen wurden verschiedene Verfahren entwickelt, um diese nitrosen Gase durch
Zusatz von Harnstoff oder Wasserstoffperoxid zur Mischsäure zu vermeiden.
[0004] Des weiteren wurde versucht, den Edelstahl in einer wässrigen Neutralsalzlösung vorzubehandeln
und anschließend mit Mischsäure fertigzubeizen. So beschreiben etwa die AT-PS 252
685 und die AT-PS 240 674 zweistufige elektrolytische Beizverfahren, wobei das erste
Beizbad eine wässrige Lösung eines neutralen Alkalisalzes einer Mineralsäure, vorzugsweise
Natriumsulfat ist. Anschließend folgt eine elektrolytische Beize in wässrigen Lösungen
von Mineralsäuren, wofür Schwefel-, Salpeter-, Salz- oder Mischsäuren als Beispiele
angegeben werden. In all diesen genannten Verfahren ist es jedoch nicht oder nur unzureichend
gelungen, die Bildung giftiger Dämpfe, unter anderem nitroser Gase, wirksam zu verhindern.
[0005] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung liegt nun darin, ein Verfahren zu elektrolytischen
Beizen von Edelstahlbändern zu schaffen, bei welchem in der Nachbehandlung die Bildung
nitroser Gase vollständig vermieden wird, welches des weiteren mit einem geringen
Kosten- und Arbeitsaufwand arbeitet und ein zunderfreies, hell glänzendes Edelstahlband
liefert.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
dadurch gelöst, daß das Edelstahl-Warmband anschließend in einer wässrigen Neutralsalzlösung,
welche die selben Anionen enthält wie die herkömmliche HNO₃/HF-Mischsäure, abwechselnd
anodisch und kathodisch gebeizt wird, wobei nach einem weiteren Merkmal die wässrige
Neutralsalzlösung eine Lösung von NaNO₃ und NaF ist.
[0007] Ein weiteres Merkmal des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin, daß die Konzentration
an NaNO₃ zwischen 100 und 400 g/l, vorzugsweise 200 bis 300 g/l und die Konzentration
von NaF Zwischen 10 und 100 g/l, vorzugsweise zwischen 40 und 60 g/l beträgt.
[0008] Nach einem weiteren Merkmal des erfindungsgemäßen Verfahrens beträgt die Temperatur
in der Lösung von NaNO₃ und NaF zwischen 20 und 90°C, vorzugsweise zwischen 60 und
80°C.
[0009] Als weiteres Merkmal des erfindungsgemäßen Verfahrens ist vorgesehen, daß die anodische
und die kathodische Stromdichte beim elektrolytischen Beizen in der Lösung von NaNO₃
und NaF zwischen 1 und 50 A/dm², vorzugsweise zwischen 10 und 30 A/dm² beträgt.
[0010] Nachdem das verzunderte Edelstahlband in einer wässrigen Lösung von Na₂SO₄ abwechselnd
anodisch und kathodisch gebeizt wurde, wird es gespült und mit Kunststoffbürsten gebürstet.
Hierauf wird es zur Entfernung des restlichen anhaftenden Zunders in einer wässrigen
Neutralsalzlösung, welche die selben Anionen enthält wie die herkömmliche Salpeter-Flußsäure-Mischung,
abwechselnd anodisch und kathodisch gebeizt. Vorzugsweise wird zu diesem Zweck eine
Lösung von NaNO₃ und NaF angesetzt. Nach der anschließenden Schlußspülung, welche
ebenfalls eine mechanische Bandreinigung mit Bürsten enthält, erhält man ein zunderfreies,
hell glänzendes Edelstahlband.
[0011] Die Neutralsalzlösung wird im allgemeinen durch Zugabe der jeweiligen Nitrate bzw.
Fluoride in der gewünschten Menge in Wasser hergestellt. Jedoch sind auch andere Herstellwege
möglich, insbesondere im Zuge von Versuchsanlagen kleiner Dimensionen, wo z.B. ein
Neutralisieren von HNO₃/HF-Mischsäure mit Alkalilaugen erfolgen kann. Wirtschaftliche
Überlegungen führen zur Verwendung der Natriumsalze, da diese preislich am günstigsten
sind, doch ist die Verwendung von Nitraten und Fluoriden mit anderen Kationen, wie
etwa Kalium, genausogut möglich.
[0012] Durch die elektrolytische Beize mit NaNO₃ und NaF wird die Bildung von nitrosen Gasen
vermieden, da das Edelstahlband nicht in Säure gebeizt wird, sondern die Säure nur
dort, wo sie benötigt wird, durch Elektrolyse hergestellt wird.
[0013] Ein weiterer Vorteil dieses erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin, daß der gelöste
Zunder nicht als Salz in Lösung geht und somit Säure verbraucht, sondern gleich als
Hydroxid ausfällt.
[0014] Dieser beim Beizen entstehende Metallhydroxidschlamm wird durch mechanische Methoden,
wie beispielsweise Filter, Eindicker oder Zentrifugen, von der Lösung abgetrennt.
Damit wird nicht nur der Chemikalienverbrauch reduziert, sondern es entstehen auch
leicht deponierbare Metallhydroxide.
[0015] Nachfolgend werden anhand von Ausführungsbeispielen weitere Einzelheiten bzw. Vorteile
des vorliegenden erfindungsgemäßen Verfahrens beschrieben:
Beispiel 1:
[0016] Ein Edelstahl-Warmband der Qualität AISI 304 wurde in einer kombinierten Glüh- und
Beizlinie vor dem Beizen bestrahlt, um den Zunder an der Oberfläche teilweise zu entfernen
und anschließend elektrolytisch in einer wässrigen Na₂SO₄-Lösung, einer Konzentration
von 150 g/l mit 10 A/dm² abwechselnd anodisch und kathodisch gebeizt, wobei die Temperatur
im Bereich zwischen 60 und 80°C gehalten wurde. Zum Vergleich mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren wurde das Edelstahlband zuerst auf rein chemische Weise im selben Temperaturbereich
in einer wässrigen Lösung von 150 g/l HNO₃ und 25 g/l HF zur Entfernung der chromverarmten
Schicht fertig gebeizt. Das Band war zunderfrei, doch entstanden beim Beizen in der
Säure nitrose Gase in einer Konzentration von 500 - 800 ppm, die in der Abgasreinigungsanlage
aus dem Abgas entfernt werden mußten.
Beispiel 2:
[0017] Bei der gleichen Anlage und unveränderten Parametern wurde zur Verringerung der Emission
an nitrosen Gasen dem zweiten Beizbad eine wässrige 10-20%ige Lösung von Harnstoff
zugesetzt, wodurch die Konzentration an nitrosen Gasen von 500 - 800 ppm auf 100 -
150 ppm verringert wurde, aber nicht vollständig vermieden werden konnte.
Beispiel 3:
[0018] Um ein Band nunmehr nach dem Verfahren gemäß der Erfindung behandeln zu können, wurde
die Säure anschließend mit Natronlauge neutralisiert sodaß eine wässrige, neutrale
Lösung mit einer Konzentration von 200 g/l NaNO₃ und 50 g/l NaF erhalten wurde. Der
Beizbottich wurde mit Elektroden ausgestattet und diese an einen Gleichrichter angeschlossen.
Bei gleicher Behandlungsgeschwindigkeit in der Anlage wurde bei einer Stromdichte
von 20 A/dm² und in demselben Temperaturbereich wie in Beispiel 1 ebenfalls ein zunderfreies
Band erhalten, es kam jedoch zu keiner Emission von nitrosen Gasen in der Absauganlage.
Beispiel 4:
[0019] Die Versuche wurden mit identischen Parametern wie in den ersten drei Beispielen
bei einem ferritischen Warmband der Qualität AISI 430 wiederholt. Beim Beizen mit
Säure entstanden dabei 3000 -5000 ppm nitrose Gase, die durch Zugabe von Harnstoff
auf 500 - 750 ppm reduziert werden konnten. Wurde dagegen die Nachbehandlung mit einer
wässrigen NaNO₃- und NaF-Lösung durchgeführt, entstanden keine nitrogen Gase und das
Edelstahlband war bei gleicher Behandlungslänge und Anlagengeschwindigkeit ebenfalls
zunderfrei.
Beispiel 5:
[0020] Beide Edelstahlbänder wurden im Kaltwalzwerk gewalzt, anschließend geglüht und nochmals
gebeizt. Auch hier entstanden bei der Nachbehandlung in der NaNO₃-NaF-Lösung keine
nitrosen Gase, während beim Beizen in Säure bei AISI 304 300 - 500 ppm und bei AISI
430 800 - 1000 ppm nitroser Gase im Abgas gemessen wurden.
1. Verfahren zum elektrolytischen Beizen von Edelstahlband, insbesondere eines Edelstahl-Warmbander,
bei welchem das Edelstahl-Warmband vorest in einer wässrigen neutralen Lösung von
Na₂SO₄ abwechselnd anodisch und kathodisch gebeizt wird, wobei die Konzentration an
Na₂SO₄ in der wässrigen Lösung zwischen 50 und 300 g/l, vorzugsweise zwischen 100
und 200 g/l, die Temperatur zwischen 20 und 90°C, vorzugsweise zwischen 60 und 80°C,
und die anodische und die kathodische Stromdichte beim elektrolytischen Beizen zwischen
1 und 50 A/dm², vorzugsweise zwischen 10 und 30 A/dm², beträgt, dadurch gekennzeichnet,
daß das EdelstahlWarmband anschließend in einer wässrigen Neutralsalzlösung, welche
die selben Anionen enthält, wie die herkömmliche HNO₃/HF-Mischsäure, abwechselnd anodisch
und kathodisch gebeizt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die wässrige Neutralsalzlösung
eine Lösung von NaNO₃ und NaF ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Konzentration an NaNO₃
zwischen 100 und 400 g/l, vorzugsweise zwischen 200 und 300 g/l, und die Konzentration
von NaF zwischen 10 und 100 g/l vorzugsweise zwischen 40 und 60 g/l, beträgt.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur in der NaNO₃/NaF-Lösung
zwischen 20 und 90 °C, vorzugsweise zwischen 60 und 80°C beträgt.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die anodische und die kathodische
Stromdichte beim elektrolytischen Beizen in der NaNO₃/NaF-Lösung zwischen 1 und 50
A/dm², vorzugsweise zwischen 10 und 30 A/dm², beträgt.