[0001] Verfahren zur Herstellung eines Werkstoffes mit einer hartmagnetischen Phase aus
pulverförmigen Ausgangskomponenten
[0002] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung eines Werkstoffes mit
einer hartmagnetischen Phase, bei dem ein Pulvergemisch aus den elementaren und/oder
als Verbindungen oder Legierungen vorliegenden pulverförmigen Komponenten des Werkstoffes
einem Mahlprozeß nach Art des mechanischen Legierens unterzogen wird und die hartmagnetische
Phase in den so entstandenen Pulverpartikeln mittels einer Wärmebehandlung ausgebildet
wird. Ein derartiges Verfahren geht aus der EP-A-0 243 641 hervor.
[0003] Seit einiger Zeit sind Magnetwerkstoffe bekannt, die hinsichtlich der wichtigsten
hartmagnetischen Größe, nämlich des Energieproduktes, alle bisher bekannten Materialien
weit übertreffen. Besonderes Interesse gilt dabei einem Werkstoff, der zumindest
weitgehend eine hartmagnetische tetragonale Phase der Zusammensetzung Nd₂Fe₁₄B aufweist.
Hierbei sind eine partielle Substitution der einzelnen Elemente des Werkstoffes und/oder
leichte Abweichungen von der Stöchiometrie der tetragonalen Phase möglich, um so die
Mikrostruktur des Werkstoffes zu optimieren. Da die magnetischen Werte wie die Remanenz
und insbesondere das Energieprodukt für magnetisch anisotrope Werkstoffe wesentlich
besser sind als für magnetisch isotrope Werkstoffe, ist man bestrebt, Verfahren zu
entwickeln, mit denen das hergestellte Pulver magnetisch anisotrop gemacht werden
oder aus diesem Pulver ein magnetisch anisotroper kompakter Körper hergestellt werden
kann.
[0004] Für eine großtechnische Herstellung entsprechender Magnetwerk stoffe kommen insbesondere
zwei Verfahren zur Anwendung:
Gemäß einem aus der EP-A-0 126 802 bekannten Verfahren wird zunächst eine Legierung
der gewünschten Zusammensetzung erschmolzen, anschließend zu feinem Pulver zerkleinert,
in einem Magnetfeld magnetisch ausgerichtet und schließlich durch eine Druck- und
Sinterbehandlung kompaktiert.
[0005] Bei einem weiteren, aus der EP-A-0 144 112 bekannten Verfahren wird zunächst ein
Zwischenprodukt durch schnelles Abschrecken aus der Schmelze der Ausgangskomponenten
hergestellt, das dann durch Heißpressen kompaktiert und schließlich in einem weiteren
Verfahrensschritt, dem sogenannten "Die-Upsetting", einem Stauchpressen, in der magnetischen
Vorzugsrichtung ausgerichtet wird (vgl.z.B. "Appl.Phys.Lett.", Vol. 46, No. 8, 15.6.1985,
Seiten 790 und 791). Bei diesem letzteren Verfahren wird zunächst in einer Heißpresse
das Pulver bei hoher Temperatur kompaktiert. Der Preßling wird dann wiederum bei
hoher Temperatur von etwa 700°C in einer aufgeweiteten Matrize verformt, wobei sich
eine magnetische Anisotropie mit der leichten Richtung parallel zur Preßrichtung einstellt.
[0006] Allerdings sind diese beiden Verfahren verhältnismäßig aufwendig. Denn mit ihnen
werden jeweils kompakte Blöcke aus dem Werkstoff mit der hartmagnetischen Phase ausgebildet,
die zerkleinert werden müssen, um ein magnetisch anisotropes Pulver zu erhalten.
[0007] Ferner ist es aus der eingangs erwähnten EP-A-0 243 641 bekannt, Pulver mit der
hartmagnetischen Phase Nd₂Fe₁₄B herzustellen. Hierzu werden zunächst Pulver der jeweils
beteiligten Elemente, die auch in Form von Vorlegierungen oder als Verbindungen vorliegen
können, durch Mahlen in einer Pulvermühle in ein Mischpulver überführt. Dieses Mischpulver
reagiert dann in einer nachfolgenden Glühbehandlung zu der gewünschten NdFeB-Legierung
mit hoher Koerzitivkraft. Das so entstandene Pulver ist allerdings magnetisch isotrop,
da jedes Pulverpartikel aus einer Vielzahl von Körnern mit willkürlicher Kristallorientierung
besteht.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, das Verfahren der eingangs genannten
Art dahingehend auszugestalten, daß mit ihm auf verhältnismäßig einfache Weise auch
magnetisch anisotrope Pulver hergestellt werden können.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Wärmebehandlung zur Ausbildung
der hartmagnetischen Phase während des Mahlprozesses vorgesehen wird und daß die dabei
entstandenen Pulverpartikel der hartmagnetischen Phase dem Mahlprozeß weiterhin bei
erhöhter Temperatur derart unterzogen werden, daß sich in ihnen ein magnetisch anisotropes
Gefüge ergibt.
[0010] Der Erfindung liegt zum einen die Erkenntnis zugrunde, daß sich bei dem bekannten
Mahlprozeß in-situ die gewünschte hartmagnetische Phase erzeugen läßt, wenn man für
eine gleichzeitige Wärmebehandlung sorgt. Zum anderen kann durch Fortsetzung des Mahlprozesses
bei hoher Temperatur eine Verformung der Pulverpartikel mit der hartmagnetischen
Phase hervorgerufen werden, die zu einer magnetischen Anisotropie des Materials mit
der leichten Richtung der Magnetisierung parallel zur Verformungsrichtung führt.
Die Erwärmung der einzelnen Pulverpartikel während des erfindungsgemäßen Verfahrens
kann entweder direkt aufgrund von Stoßprozessen der Mahlkugeln und/oder durch eine
externe Heizung erfolgen. Selbstverständlich müssen dabei die Mindesttemperaturen
zur Ausbildung der hartmagnetischen Phase bzw. der Texturierung in den Pulverpartikeln
berücksichtigt werden. Die mit dieser Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens
verbundenen Vorteile sind demnach in der Kompaktheit des Verfahrensablaufes zur Ausbildung
der gewünschten hartmagnetischen Phase und deren gewünschter Anisotropie zu sehen.
[0011] Vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens gehen aus den Unteransprüchen
hervor.
[0012] Die Erfindung wird nachfolgend noch weiter anhand eines Ausführungsbeispieles zur
Herstellung der ternären hartmagnetischen NdFeB-Legierung erläutert. Dabei sind nicht
näher beschriebene Verfahrensschritte allgemein bekannt und können insbesondere
gemäß der eingangs genannten EP-A-0 243 641 durchgeführt werden.
[0013] Zur Herstellung von Pulvern aus der gewünschten NdFeB-Legierung wird von Pulvern
der beteiligten Ausgangskomponenten ausgegangen. Vorteilhaft werden elementare Pulver
verwendet. Daneben können aber auch die beteiligten Elemente in Form von Legierungen
und/oder Verbindungen vorliegen. Die pulverförmigen Ausgangskomponenten werden mit
gehärteten Stahlkugeln in eine geeignete Mahlvorrichtung gegeben, wobei das Mengenverhältnis
der drei Pulversorten des Pulvergemisches durch die vorbestimmte resultierende atomare
Konzentration des aus diesen Pulvern herzustellenden hartmagnetischen Materials bestimmt
ist. Diese drei Pulver mit vorbestimmten, allgemein geläufigen Partikelgrößen werden
dann einem Mahlprozeß unterzogen, wie er von Verfahren des mechanischen Legierens
her prinzipiell bekannt ist. Die Dauer des Mahlprozesses hängt insbesondere von den
Mahlparametern ab. Wichtige Parameter sind der Kugeldurchmesser, die Kugelanzahl
sowie die verwendeten Materialien der Mahlvorrichtung. Auch die Mahlgeschwindigkeit
und das Verhältnis der Stahlkugeln zur Pulvermenge sind weitere Parameter, welche
die notwendige Mahldauer bestimmen. Für das erfindungsgemäße Verfahren ist außerdem
von entscheidender Bedeutung, daß es bei dem Mahlprozeß zu einer erheblichen Erwärmung
der Pulver kommt. Es sollten für die zunächst angestrebte Ausbildung der hartmagnetischen
Phase Temperaturen von mindestens 500°C, vorzugsweise mindestens 600°C vorhanden sein.
Entsprechende Temperaturen können beispielsweise aufgrund von Stoßprozessen der Mahlkugeln
mittels hinreichender Mahlintensität hervorgerufen werden. Die Erwärmung auf die
genannten Temperaturen kann aber auch durch eine externe Heizvorrichtung unterstützt
bzw. gewährleistet werden. So kann z.B. die Mahlvorrichtung auf etwa 300°C aufgeheizt
werden. Die erforderlichen höheren Temperaturen am Mahlgut werden dann aufgrund der
Stoßprozesse der Mahlkugeln erreicht.
[0014] Während des Mahlprozesses bilden sich zunächst Pulverpartikel eines Mischpulvers.
Diese Pulverpartikel bestehen aus einer innigen Vermengung von Fe und Nd mit eingelagerten
B-Teilchen, deren Teilchengröße deutlich kleiner als 1 µm ist. Die Pulverpartikel
selbst haben dabei einen Durchmesser von etwa 1 bis 200 µm. Mit fortschreitendem Mahlprozeß
werden dann aufgrund der erfindungsgemäßen Temperaturverhältnisse diese Pulverpartikel
des Mischpulvers durch eine Diffusionsreaktion in Pulverpartikel mit der gewünschten
hartmagnetischen Nd₂Fe₁₄B-Phase überführt. Die hierfür erforderliche Mahldauer läßt
sich ohne weiteres durch Untersuchung der Pulverpartikel ermitteln.
[0015] Gemäß der Erfindung ist vorgesehen, daß die Pulverpartikel der so entstandenen hartmagnetischen
Phase weiter bei hoher Temperatur mittels des Mahlprozesses so lange verformt werden,
bis sich aufgrund von Verformungs- und/oder Rekristallisationseffekten das gewünschte
anisotrope Gefüge (bzw. Texturierung) einstellt. Die hierbei wirkenden Ausrichtungsmechanismen
sind ähnlich denen bei dem sogenannten "Die-Upsetting" (vgl. "Appl.Phys.Lett.", Vol.
46, No. 8, 15.6.85, Seiten 790 und 791 oder Vol. 53, No. 4, 25.7.88, Seiten 342 und
343). Die für diesen Teil des Mahlprozesses vorzusehenden Temperaturverhältnisse
brauchen nicht unbedingt mit denen während der vorangegangenen Ausbildung der hartmagnetischen
Phase übereinzustimmen. Die zur Ausbildung der angestrebten Texturierung der Pulverpartikel
erforderliche Mindesttemperatur liegt nämlich vielfach höher als die Mindesttemperatur
zur Ausbildung der hartmagnetischen Phase. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren kann
deshalb eine entsprechende Steigerung der Temperatur vorgesehen werden. Es ist jedoch
ebensogut möglich, bereits die hartmagnetische Phase bei der jeweils höheren Temperatur
auszubilden. Im allgemeinen liegt die Mindesttemperatur zur Ausbildung des anisotropen
Gefüges bei etwa 650°C. Auch hier kann man die erforderliche Mahldauer durch experimentelle
Untersuchung der entstandenen Pulverpartikel ohne weiteres ermitteln.
[0016] Es kann davon ausgegangen werden, daß der Verfahrensschritt zur Ausbildung der hartmagnetischen
Phase und der Verfahrensschritt zur Ausbildung des anisotropen Gefüges nicht sukzessive
nacheinander ablaufen müssen. Vielmehr ist ein fließender Übergang zwischen diesen
beiden Verfahrensschritten zu beobachten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
der Maßprozeß so geführt wird, daß die Pulverteilchen während der Stoßprozesse Temperaturen
oberhalb der Mindesttemperatur von beispielsweise 650°C zur Ausbildung des anisotropen
Gefüges erreichen.
[0017] Das erfindungsgemäß hergestellte hartmagnetische Pulver kann anschließend in bekannter
Weise weiterverarbeitet werden. So läßt es sich z.B. nach einer magnetischen Ausrichtung
kompaktieren. Insbesondere kann auch ohne besonderen Kompaktierungsschritt aus dem
hartmagnetischen Pulver durch Verguß mit einem Kunststoff ein kunststoffgebundener
anisotroper Dauermagnet erstellt werden.
[0018] Gemäß bekannten Verfahren kann die Zusammensetzung des dem Ausführungsbeispiel zugrundegelegten
Materials bei der Einwaage von der stöchiometrischen Zusammensetzung Nd₂Fe₁₄B abweichen.
Darüber hinaus ist eine partielle oder sogar vollständige Substitution eines oder
mehrerer der drei beteiligten Elemente möglich. So kann etwa Nd durch ein Element
aus der Gruppe der schweren Seltenen Erden wie z.B. durch Dy oder Tb partiell oder
auch durch Pr vollständig ersetzt werden. Statt Fe kann man ein anderes Element aus
der Gruppe der späten Übergangsmetalle wie z.B. Co oder Ni vorsehen. Auch eine Substitution
des Fe durch Zr oder Ti kann vorteilhaft sein. Daneben ist auch eine partielle Ersetzung
durch Al möglich. Schließlich kann B durch ein anderes Metalloid partiell substituiert
werden. Das erfindungsgemäße Verfahren ist jedoch nicht auf diese Materialien beschränkt.
Es läßt sich ebensogut auch auf andere Typen von hartmagnetischen Materialien anwenden,
vorausgesetzt, daß sich diese ebenfalls durch mechanisches Legieren herstellen lassen.
Ein entsprechendes Beispiel sind Materialien mit ThMn₁₂-Struktur wie etwa aus dem
Stoffsystem Fe-Mo-Sm (vgl. z.B. die EP-A-0 278 342).
1. Verfahren zur Herstellung eines Werkstoffes mit einer hartmagnetischen Phase,
bei dem ein Pulvergemisch aus den elementaren und/oder als Verbindung oder Legierung
vorliegenden pulverförmigen Komponenten des Werkstoffes einem Mahlprozeß nach Art
des mechanischen Legierens unterzogen wird und die hartmagnetische Phase in den so
entstandenen Pulverpartikeln mittels einer Wärmebehandlung ausgebildet wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmebehandlung zur Ausbildung der hartmagnetischen Phase während des Mahlprozesses
vorgesehen wird und daß die dabei entstandenen Pulverpartikel der hartmagnetischen
Phase dem Mahlprozeß weiterhin bei erhöhter Temperatur derart unterzogen werden,
daß sich in ihnen ein magnetisch anisotropes Gefüge ergibt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Mahlprozeß zur Ausbildung der hartmagnetischen Phase bei einer ersten Temperatur
und zur Ausbildung des magnetisch anisotropen Gefüges in den erzeugten hartmagnetischen
Pulverpartikeln bei einer zweiten, vergleichsweise höheren Temperatur durchgeführt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Ausbildung der hartmagnetischen Phase der Mahlprozeß bei einer Temperatur
von mindestens 500°C, vorzugsweise mindestens 600°C durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Mahlprozeß zumindest zur Ausbildung des magnetisch anisotropen Gefüges in
den erzeugten hartmagnetischen Pulverpartikeln bei einer Temperatur oberhalb von 650°C
durchgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erhöhten Temperaturverhältnisse während des Mahlprozesses durch Stoßprozesse
von Mahlkugeln einer entsprechenden Pulvermahlvorrichtung hervorgerufen werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erhöhten Temperaturverhältnisse während des Mahlprozesses sowohl durch Stoßprozesse
von Mahlkugeln einer entsprechenden Pulvermahlvorrichtung wie auch durch eine externe
Heizvorrichtung hervorgerufen werden.