[0001] Die Erfindung betrifft ein- und mehradrige isolierte, elektrische Leitungen, insbesondere
solche mit einer extrudierten, vernetzten, wärmebeständigen, flammwidrigen Isolation
bzw. einem solchen Schutzmantel und einer vorzugsweise im elektrostatischen Pulverbeschichtungsverfahren
aufgebrachten äusseren Schutzschicht zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegen
flüssige Medien und mechanische Beanspruchungen.
[0002] Im CH-Patent 664.230 ist eine isolierte elektrische Leitung beschrieben, deren innere
Isolation aus halogenfreiem, vernetztem Polyolefin-Copolymer und deren äussere Schutzschicht
aus einem Polyamid oder einem thermoplastischen halogenfreien Polyesterelastomer oder
einem halogenfreien aromatischen Polyäther besteht. Diese äussere Schutzschicht wird
im Extrusionsverfahren aufgebracht. Eine innige Verbindung der inneren Isolations-
mit der äusseren Schutzschicht besteht nicht. Dies führt zur Faltenbildung der Schutzschicht,
wenn die fertige Leitung um kleine Biegeradien gebogen wird, besonders bei Leitungsdurchmessern
grösser als 5 mm.
[0003] Ziel der Erfindung ist es, die Nachteile der bekannten doppelschichtig extrudierten
Isolationen, nämlich die mangelnde Haftung zwischen der inneren und äusseren Isolationsschicht
sowie Faltenbildung der äusseren Schicht bei Biegung um scharfe Kanten, zu beheben.
Dies wird dadurch erreicht, dass die beiden Schichten miteinander verschmolzen werden,
z.B. indem die äussere Schicht im elektrostatischen Pulverbeschichtungsverfahren aufgebracht
und unmittelbar danach durch Hitzeeinwirkung, z.B. im Durchlaufofen aufgeschmolzen
wird. Dabei entsteht eine innige Verbindung der äusseren Schutzschicht mit der inneren
Isolationsschicht, die nur durch Zerstörung einer der beiden Schichten gelöst werden
kann. Die Schutzschichtdicke beträgt im allgemeinen 0,05 bis 0,2 mm. Das elektrostatische
Pulverbeschichtungsverfahren wurde bisher zum Beschichten von blanken Metallteilen
angewendet, unter anderem auch zum Beschichten von Metalldrähten als Korrosionsschutz.
Das Aufschmelzen bzw. Aushärten der Pulverschicht erfolgt dabei durch die durch Vorheizen
vor dem Beschichten im Werkstück gespeicherte Eigenwärme oder durch Nachheizen des
mit Pulver beschichteten Werkstückes Je nach Zusammensetzung des Pulvers liegen die
Schmelz- bzw. Härtetemperaturen zwischen 100 und 300°C.
[0004] Gegenstand dieser Erfindung ist eine Leitung, wie in den Patentansprüchen 1 bis 8
definiert. Die ein- und mehradrigen elektrischen Leitungen bestehen aus kunststoffisolierten
metallischen Leitern. Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zu deren
Herstellung nach dem Pulverbeschichtungsverfahren, wie in Patentanspruch 9 definiert.
[0005] Ein Beschichten bereits isolierter, metallischer Leiter nach dem elektrostatischen
Pulverbeschichtungsverfahren stellt hohe Anforderungen an das Isoliermaterial bezüglich
Wärme- und Formbeständigkeit. Dieses muss kurzzeitig Temperaturen zwischen 100 und
300°C ohne Beeinträchtigung der mechanischen und elektrischen Eigenschaften aushalten.
Thermoplastische Isoliermaterialien sind für dieses Verfahren nicht geeignet.
[0006] Bei den bevorzugt für die innere Isolationsschicht verwendeten Isoliermaterialien
handelt es sich um strahlenvernetzte Kunststoffe aus hitzebeständigem Polyolefin-Copolymer,
z.B. "Radox" 125 und "Radox" 155. Für "Radox" 125 beträgt die Dauer-Temperaturbeständigkeit
(20'000 h) 120°C und die kurzzeitige Temperaturbeständigkeit (5 bis 10 s) 260°C.
Für "Radox" 155 liegen diese Werte bei 135°C bzw. 280°C ("Radox" ist das eingetragene
Warenzeichen der Fa. Huber & Suhner AG. für strahlenvernetzte flammwidrige Polyolefin-Copolymere).
[0007] Isolationsschichten aus solchen Materialien wurden bisher im Extrusionsverfahren
auf den metallischen Leiter aufgebracht. Es lassen sich jedoch auch Isolationsschichten
aus hitzebeständigen, organischen oder anorganischen Materialien, z.B. mit Glimmer
beschichtetem Glasgewebe, als Bänder im Wickelverfahren auf die metallischen Leiter
aufbringen und anschliessend im elektrostatischen Pulverbeschichtungsverfahren mit
einer Schutzschicht bedecken.
[0008] Als Kunststoffe für die Bildung einer Schutzschicht im Sinne der Erfindung haben
sich folgende Materialien als besonders geeignet erwiesen:
- Polyamid 6.6, d.h. Polyhexamethylenadipamid
- Polyamid 11, d.h. Polyundecanamid
- Polyamid 12, d.h. Polylaurinlactam
- Polyurethan
- Polyvinylidenfluorid
- Polyätheräthylketon
- Epoxydharze
- Polyesterharze.
[0009] Die innere Isolationsschicht wird in der Regel in einer Schichtdicke von 0,2 bis
3 mm aufgebracht, während die äussere Schicht relativ dünn in einer Dicke von vorzugsweise
0,05 bis 0,15 mm aufgebracht wird.
[0010] Für die vorliegende Erfindung haben sich folgende Kombinationen von innerer und
äusserer Schicht als besonders geeignet erwiesen.
"Radox" 125 + PA11 einadrige Leitung
"Radox" 125 + PA11 mehradrige Leitung
"Radox" 155 + PVDF einadrige Leitung
Glas/Glimmer + PEEK einadrige Leitung
Beispiel 1
[0011] Einadrige Leitung, Isolation aus "Radox" 125, beschichtet mit PA11. Eine Kupferlitze
aus 50 Einzeldrähten von 0,25 mm Durchmesser mit einem Gesamtquerschnitt von 2,5
mm² und einem Durchmesser von 2,1 mm wurde im Extrusionsverfahren auf bekannte Art
mit einer inneren Isolationsschicht aus mit bis zu ca. 50 % mit Aluminiumoxydtrihydrat
gefüllten "Radox" 125-Copolymer ("Radox" 125 ist die Bezeichnung der Firma Huber &
Suhner AG. für strahlenvernetzte, halogenfreie Polyolefin-Copolymere) versehen, so
dass der Aussendurchmesser der isolierten Leitung 3,6 mm betrug. Die Isolationsschicht
wurde dann durch Einwirkung energiereicher Elektronenstrahlen mit einer Dosis von
5 bis 20 Mrad vernetzt. Auf die so erhaltene elektrische Leitung wurde im elektrostatischen
Beschichtungsverfahren eine Pulverschicht aus Polyamid 11 (z.B. "Rilsan B" Lieferant
Atochem) aufgebracht und diese Schicht unmittelbar anschliessend durch Temperatureinwirkung
von ca. 200°C während 5 bis 10 Sekunden auf die innere Isolationsschicht aufgeschmolzen.
Der Aussendurchmesser, der auf diese Art doppelschichtig isolierten Leitung betrug
3,7 mm.
[0012] Die erhaltene doppelschichtig isolierte Leitung wurde während 72 Stunden in Mineralöl
des Typs ASTM Nr. 2 bei einer Temperatur von 100°C und in Dieselöl bei einer Temperatur
von 70°C während 168 Stunden gelagert. Anschliessend wurde die Leitung einer Wickelprüfung
um einen Metalldorn, dessen Durchmesser dem dreifachen Leitungsdurchmesser entsprach,
unterzogen, ohne, dass die Proben eine Veränderung aufwiesen. Im weiteren wurde die
doppelschichtige Leitung auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Einwirkung von Wasser
mit einer Temperatur von 75°C gemäss der Publikation ICEA-S-68 geprüft (ICEA = Insulated
Cable Engineers Association, USA) wobei alle verlangten elektrischen Eigenschaftswerte
eingehalten wurden.
[0013] Der Abriebtest nach der deutschen Norm VG 95218, Teil 2, mit einer 0,3 mm dicken
Klinge, belastet mit 0,6 kg ergab bei 1000 Abriebhüben eine Abriebtiefe von 0,2 gegenüber
0,5 bei der nicht mit PA11 beschichteten Leitung.
[0014] Die Anforderungen der Flammwidrigkeitsprüfung nach der IEC-Publikation 332-1 wurde
von der beschichteten Leitung sicher erfüllt.
Beispiel 2
[0015] Mehradrige Leitung, Mantel aus "Radox" 125, beschichtet mit PA11.
[0016] Zwölf mit "Radox" 125 isolierte Kupferlitzen (1,0 mm²) wurden als drei Viererbündel
verseilt und mit einem extrudierten Schutzmantel aus "Radox" 125, Mantelwandicke 1,5
mm, umgeben. Der Leitungsdurchmesser betrug 15,5 mm. Der Schutzmantel wurde dann durch
Einwirkung energiereicher Strahlung mit einer Dosis von 5 bis 20 Mrad vernetzt. Auf
die so ummantelte mehradrige Leitung wurde im elektrostatischen Beschichtungsverfahren
eine Pulverschicht aus Polyamid 11 ("Rilsan B", Lieferant Atochem) aufgebracht und
diese Schicht unmittelbar anschliessend durch Temperatureinwirkung von 220°C während
5 bis 10 Sekunden auf die Mantelschicht aus "Radox" 125 aufgeschmolzen. Der Aussendurchmesser
der auf diese Art beschichteten Leitung betrug 15,7 mm. Nach Lagerung in Mineralöl
und Dieselöl, wie im Beispiel 1 beschrieben, zeigte die Leitung keine Veränderungen.
[0017] Die Wasserbeständigkeitsanforderung bei 75°C, geprüft nach ICEA-S-68 wurde erfüllt.
[0018] Die Flexibilität der beschichteten Leitung unterschied sich nur unwesentlich von
der unbeschichteten Leitung, wenn nach der deutschen Norm VG 95218, Teil 2, geprüft
wurde.
[0019] Der Abriebtest, wie in Beispiel 1 beschrieben, zeigte nach 500 Hüben eine Abriebtiefe
von 0,2 mm gegenüber 0,5 mm bei der nicht mit PA11 beschichteten Leitung.
[0020] Beim Biegen der Leitung um einen Radius von fünfmal dem Leitungsdurchmesser blieb
die Oberfläche der Schutzschicht glatt und ohne Faltenbildung.
Beispiel 3
[0021] Einadrige Leitung, Isolation aus "Radox" 155, beschichtet mit PVDF.
[0022] Eine Kupferlitze aus fünzig Einzeldrähten von 0,25 mm Durchmesser und einem Gesamtquerschnitt
von 2,5 mm² und einem Durchmesser von 2,1 mm wurde im Extrusionsverfahren auf bekannte
Art mit einer inneren Isolationsschicht aus mit halogenhaltigem Flammwidrigkeitssystem
gefülltem "Radox" 155-Copolymer ("Radox" 155 ist die Bezeichnung der Firma Huber &
Suhner AG. für strahlenvernetzte Polyolefin-Copolymere der Wärmeklasse F) versehen,
so dass der Aussendurchmesser der isolierten Leitung 3,6 mm betrug. Die Isolationsschicht
wurde dann durch Einwirkung energiereicher Elektronenstrahlen mit einer Dosis von
5 bis 20 Mrad vernetzt. Auf die so erhaltene elektrische Leitung wurde im elektrostatischen
Beschichtungsverfahren eine Pulverschicht aus Polyvinylidenfluorid (z.B. "Kynar",
Lieferant Pennwalt Corporation) aufgebracht und diese Schicht unmittelbar anschliessend
durch Temperatureinwirkung von 280°C während 5 bis 10 Sekunden auf die innere Schicht
aufgeschmolzen. Der Aussendurchmesser der Leitung betrug 3,7 mm.
[0023] Die doppelschichtig isolierte Leitung wurde, wie in den Beispielen 1 und 2 beschrieben,
im Mineral- und Dieselöl gelagert ohne Beeinträchtigung der Eigenschaften.
[0024] Der Abriebtest, wie in Beispiel 1 beschrieben, zeigte nach eintausend Hüben eine
Abriebtiefe von 0,2 mm gegenüber 0,5 mm bei der nicht mit PVDF-beschichteten Leitung.
[0025] Beim Biegen der Leitung um einen Radius von fünfmal dem Leitungsdurchmesser blieb
die Oberfläche der Schutzschicht glatt und ohne Falten.
[0026] Die Flammprüfung nach der IEC-Publikation 332-1 wurde von der beschichteten Leitung
sicher erfüllt.
Beispiel 4
[0027] Eine vernickelte Kupferlitze aus sieben Einzeldrähten von 0,673 mm und einem Gesamtquerschnitt
von 2,5mm² wurde mit 0, 1 mm dicken, mit Glimmer beschichte ten Glasgewebebändern
und mit 2 mm Ueberlappung bewickelt. Der Leitungsdurchmesser betrug 2,4 mm. Auf die
so erhaltene Leitung wurde im elektrostatischen Beschichtungsverfahren eine Pulverschicht
aus Polyätheräthylenketon PEEK (Lieferent ICI) aufgebracht und diese Schicht unmittelbar
anschliessend durch Temperatureinwirkung von 340°C auf die Glasgewebebewicklung aufgeschmolzen.
Der Aussendurchmesser der Leitung betrug 2,8 mm.
[0028] Die beschichtete Leitung erfüllte die Prüfanforderungen der folgenden Spezifikationen:
- Medienbeständigkeit nach MIL-W-22759
- Wasserbeständigkeit nach ICEA-S-68
- Flammwidrigkeit nach IEC 332-1 bzw. UL 1581 VW1.
1. Ein- oder mehradrige isolierte elektrische Leitung, dadurch gekennzeichnet, dass
sie eine innere Isolationsschicht aus hitzebeständigem Polymer oder aus anorganischem
Material und eine äussere, unlösbar mit der inneren Schicht verbundene Schutzschicht
aus einem schwer brennbaren thermoplastischen oder duroplastischen Kunststoff aufweist.
2. Leitung nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die äussere Schutzschicht
im Pulverbeschichtungsverfahren aufgebracht ist.
3. Leitung nach Patentanspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie einadrig
ist und eine innere extrudierte Isolationsschicht aus hitzebeständigem, strahlenvernetztem
Polyolefin-Copolymer und eine äussere Schicht aus schwerbrennbarem thermoplastischem
oder duroplastischem Kunststoff aufweist.
4. Leitung nach Patentanspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie mehradrig
ist und einen Mantel aus einer inneren, extrudierten Schicht aus hitzebeständigem
Polyolefin-Copolymer und einer äusseren, im elektrostatischen Pulverbeschichtungsverfahren
aufgebrachten Schutzschicht aus einem schwerbrennbaren, thermoplastischen oder duroplastischen
Kunststoff aufweist.
5. Leitung nach Patentanspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die innere
Isolationsschicht aus einer oder mehreren Lagen gewickelter Bänder aus mit Glimmer
beschichtetem Glasgewebe besteht und die Schutzschicht vorzugsweise halogenfrei ist.
6. Leitung nach einem der Patentansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
äussere Schicht aus Polyhexamethylenadipamid (Polyamid 6.6), Polyundecanamid (Polyamid
11) oder Polylaurinlactam (Polyamid 12) besteht.
7. Leitung nach einem der Patentansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
äussere Schicht aus einem aromatischen Polyäther, einem Polyurethan, einem Polyvinylidenfluorid,
einem Epoxydharz oder einem Polyesterharz besteht.
8. Leitung nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die
Dicke der äusseren Isolationsschicht 0,05 bis 0,15 mm beträgt.
9. Verfahren zur Herstellung einer Leitung nach einem der Patentansprüche 2 bis 8,
dadurch gekenn zeichnet, dass man einen ein- oder mehrdrahtigen metallischen Leiter
zuerst mit einer Isolationsschicht aus hitzebeständigem Polymer oder aus anorganischem
Material versieht, auf diese Isolationsschicht im Pulverbeschichtungsverfahren eine
äussere Schicht aus einem schwerbrennbaren thermoplastischen oder duroplastischen
Kunststoff aufbringt und durch Hitzeeinwirkung die äussere Schicht mit der inneren
Schicht unlösbar verschmilzt.