[0001] Die Erfindung betrifft ein Trägermaterial aus einem Substrat, das auf mindestens
einer Oberfläche mit einem Nadelnetzwerk aus Kristallnadeln eines Charge-Transfer-Komplexes
(CT-Komplex) aus einem Tetrathio-, Tetraseleno- oder Tetratelluronaphthalin oder -tetracen
und einem Elektronenacceptor beschichtet ist; Polymerfilme, in denen ein solches Nadelnetzwerk
in einer Oberfläche eingebettet ist; Verfahren zur Herstellung dieser Materialien
und deren Verwendung als elektrische Leiter.
[0002] J.C. Stark et al. beschreiben in Organometallics, 3, S. 732 - 735 (1984), peri-dichalkogenierte
Polyacene, von denen bestimmte Salze eine hohe elektrische Leitfähigkeit besitzen.
In US-PS 4 384 025, US-PS 4 522 754, DE-OS 3 510 072, DE-OS 3 635 124 und EP-A-0 153
905 sind solche Halogenide beschrieben. Diese Halogenide weisen im allgemeinen einen
Schmelzpunkt über 300°C auf. Ferner sind sie in organischen Lösungsmitteln praktisch
unlöslich. Wegen dieser Eigenschaften können die Halogenide nur in Form von Pulvern
in Polymere eingearbeitet oder auf Substrate aufgebracht werden. Solche Polymerzusammensetzungen
bzw. beschichteten Substrate weisen nur eine geringe elektrische Leitfähigkeit auf,
da die leitenden Teilchen in der Polymermatrix isoliert sind bzw. die Schicht auf
einem Substrat viele Kontaktstellen aufweist, die den Widerstand erhöhen.
[0003] Ein Gegenstand der Erfindung ist ein Trägermaterial, das auf mindestens einer der
Oberflächen eines Substrats mit einem Nadelnetzwerk eines CT-Komplexes aus
a) einer Verbindung der Formel I oder Ia oder Mischungen davon als Donor

worin X für S, Se oder Te steht, R¹, R², R³, und R⁴ unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom
oder Cl bedeuten oder R¹ und R² sowie R³ und R⁴ zusammen je

R¹, R², R³ und R⁴ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
darstellen, R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ unabhängig voneinander H oder F bedeuten, R⁵ für CH₃
und R⁶, R⁷ und R⁸ für H oder R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ für CH₃ stehen, R⁵ und R⁶ für CH₃ oder
Cl und R⁷ und R⁸ für H stehen oder R⁵ und R⁶ für H, R⁷ für -COR⁹ und R⁸ für H oder
-COR⁹, oder R⁵ und R⁶ für H und R⁷ und R⁸ zusammen für -CO-O-CO oder -CO-NR¹⁰-CO-
stehen, worin R⁹ Halogen, -OH, -NH₂, oder den Rest eines Alkohols, primären oder sekundären
Amins darstellt, oder -OM ist, wobei H ein Kation bedeutet, und R¹⁰ H oder der um
die NH₂-Gruppe verminderte Rest eines primären Amins ist, und
b) einem Elektronenacceptor beschichtet ist.
[0004] Einige Verbindungen der Komponente a) und ihre Herstellung sind in den zuvor erwähnten
Publikationen beschrieben. Bevorzugte Verbindungen der Komponente a) sind Tetrathiotetracen,
Tetraselenotetracen, 2-Fluor- oder 2,3-Difluortetraselenotetracen. Bevorzugte Mischungen
sind solche aus Verbindungen der Formeln I und Ia, wobei die Verbindung der Formel
I besonders 2,3,6,7-Tetrathiophenyl-tetrathionaphthalin ist. Besonders bevorzugt stellt
Komponente a) Tetraselenotetracen dar. Die neuen Verbindungen der Formeln II oder
IIa

worin R¹⁵ und R¹⁶ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
oder worin R¹⁵ und R¹⁶ zusammen

bedeuten, R¹¹ für -CH₃ und R¹², R¹³ und R¹⁴ für H, R¹¹ und R¹² für Cl oder CH₃ und
R¹³ und R¹⁴ für H stehen oder R¹¹, R¹², R¹³ und R¹⁴ für -CH₃ oder F stehen, und X
S, oder Te darstellt, können z.B. wie nachfolgend beschrieben hergestellt werden:
a) Tetramethylierte Tetracene
[0005] Man setzt die bekannten Ausgangsverbindungen 4,5-Dimethylphthalsäureanhydrid und
2,3-Dimethyl-6,7-dihydroxynaphthalin in Gegenwart von B₂O₃ zu 2,3,8,9-Tetramethyl-5,12-dihydroxy-6,12-dioxo-tetracen
(A) um. Diese Reaktion und die weitere Chlorierung und Reduktion zum in 5,6,11,12-Stellung
tetrachlorierten Produkt sind in der DE-OS 3635124 beschrieben. Die Umsetzung mit
Na₂X₂ führt zum entsprechenden tetrachalkogenierten Tetracen. In einer Variante kann
das 2,3,8,9-Tetramethyl-5,5,6,11,12,12-hexachlordihydrotetracen (das bei der Chlorierung
mit PCl₅/POCl₃ erhalten wird) mit 1 Val Na₂Se₂ und 2 Val Na₂Se direkt zum entsprechenden
Tetraselenotetracen umgesetzt werden. Die Verbindung A kann auch mit Dimethylsulfat
zum 5,12-Dimethoxyderivat alkyliert werden [vgl. Chem. Pharm. Bull. 20(4), 827 (1972)].
Die Umsetzung dieses Derivates mit P₄S₁₀ in Tetrahydrofuran, die nachfolgene Oxidation
mit Br₂ und anschliessende Reduktion mit TiCl₃ führt zum 2,3,8,9-Tetramethyl-5,6,11,12-tetrathiotetracen.
b) 2-Methyltetracene
[0006] Entsprechend der Vorschrift in Chem. Ber. 64, 1713 (1931) wird 2-Methyl-5,12,dioxo-dihydrotetracen
erhalten. Die Reduktion mit Zn in alkalischer Lösung führt zum 2-Methyl-5,12-tetrahydrotetracen,
das mit Chloranil zum 2-Methyltetracen dehydriert werden kann. Die Umsetzung mit S
(siehe US-PS 3 723 417) ergibt das 2-Methyl-5,6,11,12-tetrathiotetracen. Man kann
auch wie in a) beschrieben das 2-Methyl-5,6,11,12-tetrachlortetracen herstellen und
mit Na₂X₂ umsetzen.
c) Tetrafluortetracene
[0007] Gemäss der Vorschrift in Chem. Ber 31, 1159 und 1272 (1898) wird durch Kondensation
von 2,3-Difluorphthalsäureanhydrid mit Bernsteinsäure und anschliessende Behandlung
des Kondensationsproduktes mit Natriumethylat in Ethanol 2,3,8,9-Tetrafluor-5,12-dihydroxy-6,12-dioxo-tetracen
(B) erhalten. Die weitere Umsetzung mit PCl₅ und anschliessend mit SnCl₂/CH₃COOH zum
2,3,8,9-Tetrafluor-5,6,11,12-tetrachlortetracen erfolgt analog der Vorschrift in Zhuv.
Org. Khim. 15(2), 391 (1979). Die Umsetzung mit Na₂X₂ ergibt die entsprechenden 2,3,8,9-Tetrafluortetrachalkogentetracene.
Die Reduktion von Verbindung B mit Al in Cyclohexanol führt zum 2,3,8,9-Tetrafluortetracen,
das mit Schwefel [siehe Bull. Soc. Chim. 15, 27 (1948)] zum 2,3,8,9-Tetrafluor-5,6,11,12-tetrathiotetracen
reagiert.
d) Naphthaline
[0008] Ausgehend von bekannten (siehe US-PS 3 769 276) 2,3,6,7-Tetrachlortetrachalkogennaphthalinen
können durch die Umsetzung mit den Kaliumsalzen von Thiophenol, 4-Methylthiophenol,
4-Methoxythiophenol, 4-Mercaptopyridin, 1,2-Benzodithiol bzw. Pyrazin-2,3-dithiol
die entsprechenden 2,3,6,7-substituierten Tetrachalkogennaphthaline erhalten werden.
e) Dimethyl- und Dichlortetracene
[0009] Man verfährt analog wie unter a) beschrieben, setzt aber als Ausgangsverbindungen
4,5-Dimethyl- bzw. 4,5-Dichlorphthalsäureanhydrid mit 6,7-Dihydroxynaphthalin um und
chloriert mit PCl₅/POCl₃.
[0010] In den Formeln I, Ia, II und IIa stellt X bevorzugt S oder Se dar. R⁹ ist als Halogen
besonders Chlor.
[0011] In dem Rest -OM kann M ein Metall- oder Ammoniumkation sein. Als Metallkation kommen
insbesondere solche der Alkali- und Erdalkalimetalle in Frage, z.B. LiO
⊕, Na
⊕, K
⊕ Mg
2⊕, Ca
2⊕, Sr
2⊕ und Ba
2⊕. Ferner sind Zn
2⊕ und Cd
2⊕ geeignet. Als Ammoniumkationen kommen z.B. NH₄
⊕ und primäres, sekundäres, tertiäres oder quaternäres Ammonium in Frage, die vorzugsweise
C₁-C₁₂-Alkyl-, Cyclohexyl-, Cyclopentyl-, Phenyl- oder Benzylgruppen enthalten können.
Die Ammoniumkationen können sich auch von 5- oder 6-gliedrigen heterocyclischen Aminen
ableiten, z.B. Piperidin, Pyrrol und Morpholin.
[0012] Bei R⁹ als Rest eines Alkoholes handelt es sich bevorzugt um C₁-C₆-Alkoxy oder C₂-C₆-Hydroxyalkoxy,
Benzyloxy, Phenoxy, Cyclopentyloxy oder Cyclohexyloxy.
[0013] R⁹ als Rest eines primären oder sekundären Amins leitet sich bevorzugt von Alkylaminen
mit einer bzw. 2 C₁-C₆-Alkylgruppen ab. R¹⁰ stellt bevorzugt H, C₁-C₁₈-Alkyl, Phenyl
oder Benzyl dar.
[0014] R¹⁰ enthält als Alkyl bevorzugt 1 bis 12 und besonders 1 bis 6 C-Atome. Beispiele
für Alkyl, das linear oder verzweigt sein kann, sind: Methyl, Ethyl, n- oder i-Propyl,
n-, i- oder t-Butyl, Pentyl, Hexyl, 2-Ethylhexyl, Heptyl, Octyl, Nonyl, Decyl, Undecyl
und Dodecyl.
Beispiele für Alkoxy und Hydroxyalkoxy sind: Methoxy, Ethoxy, Propoxy, Butoxy, Pentoxy,
Hexoxy, β-Hydroxyethoxy, γ-Hydroxypropoxy, δ-Hydroxybutoxy und ω-Hydroxyhexoxy.
[0015] Bei dem Elektronenacceptor kann es sich z.B. um elementares Halogen (Cl₂, Br₂, I₂)
handeln oder bevorzugt um eine halogenhaltige organische Verbindung, welche gegebenenfalls
unter Zufuhr von Energie Halogen abspaltet und mit einer Verbindung der Formel I und/oder
Ia (Donor) einen Charge-Transferkomplex (Donor)(Halogen)
x bildet, wobei 0,3 >x< 0,9 ist. Bevorzugt ist 0,3 >x< 0,8 und besonders x gleich 0,5
für Halogen gleich Cl und Br und x gleich 0,76 für Halogen gleich 1. Bei der Energie
kann es sich z.B. um thermische Energie oder Strahlungsenergie handeln. Thermische
Energie bedeutet zum Beispiel eine Temperatur von Raumtemperatur bis 300°C, insbesondere
50 bis 250°C, und ganz besonders 80 - 170°C.
[0016] Bei der halogen-, besonders Cl-, Br- oder I-haltigen organischen Verbindung kann
es sich um eine halogenierte, gesättigte oder ungesättigte, aliphatische, cycloaliphatische,
aliphatisch-heterocyclische, aromatische oder heteroaromatische organische Verbindung
handeln, die durch -CN, HO-, =O, C₁-C₄-Alkyl, C₁-C₄-Alkoxy, -CO-C₁-C₄-Alkyl, -COOC₁-C₄-Alkyl
substituiert sein kann. Die Halogenverbindungen können einzeln oder in Gemischen eingesetzt
werden. Die organische Verbindung ist bevorzugt chloriert, bromiert und/oder iodiert.
Die Verbindungen können einfach halogeniert sein, wie z.B. N-bromierte oder N-chlorierte
Dicarbonsäureimide. C-halogenierte Verbindungen weisen zweckmässig einen höheren
Halogenierungsgrad auf; bevorzugt sind diese Verbindungen zu mindestens 80 % C-halogeniert,
besonders C-bromiert und/oder C-chloriert. Verbindungen, deren Halogenatome durch
elektronenziehende Gruppen aktiviert sind, sind besonders günstig. Besonders bevorzugt
handelt es sich bei der halogenhaltigen Verbindung um perchlorierte C₃-C₅-Alkane,
C₃-C₅-Alkene oder organische Verbindungen mit Trichlormethylgruppen.
[0017] Beispiele für halogenierte organische Verbindungen sind Tetrabrommethan, Bromoform,
Trichlorbrommethan, Hexachlorpropen, Hexachlorcyclopropan, Hexachlorcyclopentadien,
Hexachlorethan, Octachlorpropan, n-Octachlorbutan, n-Decachlorbutan, Tetrabromethan,
Hexabromethan, Tetrabrom-o-benzochinon, 2,4,4,6-Tetrabrom-2,5-cyclohexadienon, Hexabrombenzol,
Chloranil, Hexachloraceton, 1,4,5,6,7,7-Hexachlor-5-norbornen-2,3-dicarbonsäure,
1,2,5,6,9,10-Hexabromcyclododecan, Tetrachlorethylen, Perchlorcyclopentadien, Perchlorbutadien,
Dichloracetaldehyd-diethylacetal, 1,4-Dichlor-2-buten, 1,3-Dichlor-2-buten, 3,4-Dichlor-1-buten,
Tetrachlorcyclopropen, 1,3-Dichloraceton, 2,3,5,6-Tetrachlor-p-xylol, 1,4-Bis(trichlormethyl)-benzol,
1,3-Dibrompropan, 1,6-Dibromhexan, 3-Chlorpropionsäureethylester, 3-Chlortoluol, 2-Chlorpropionsäuremethylester,
2-Chloracrylnitril, Trichloressigsäureethylester, Tris(trichlormethyl)-triazin, 1,2,3-Trichlorpropan,
1,1,2-Trichlorethan, Chlorameisensäurebutylester, Trichlorethylen, 2,3-Dichlormaleinsäureanhydrid,
1,12-Dibromdodecan,α,α′-Dibrom-p-xylol, α,α′-Dichlor-o-xylol, Phenacylchlorid oder
-bromid, 1,10-Dibromdecan, α,α′-Dichlor-p-xylol, α,α′-Dibrom-m-xylol, Iodacetonitril,
2,3-Dichlor-5,6-dicyanobenzochinon, 2,3-Dichlorpropionsäuremethylester, 1-Brom-2-chlorethan,
1-Brom-2- chlorpropan, Chlorameisensäure-2-bromethylester, Iodessigsäureethylester,
N-Chlor-, N-Brom- oder N-Iodsuccinimid oder -phthalsäureimid, oder Mischungen aus
zwei oder mehreren dieser halogenierten Verbindungen.
[0018] Weitere geeignete Elektronenacceptoren sind z.B. O₂ oder Salze von oxidativ wirkenden
Kationen mit nicht nucleophilen Anionen, wie z.B. Halogen (F
⊖, Cl
⊖), BF

, SbF

, AsF

und PF

. Beispiele für Kationen sind solche von Uebergangsmetallen oder seltenen Erdmetallen
[Fe(III), Co(III), Ce(IV)] oder Nichtmetallkationen wie z.B. NO
⊖. Beispiele sind NOBF₄, FeCl₃ oder Co(PF₆)₃.
[0019] Als Substrate können unterschiedliche feste Materialien Verwendung finden, z.B. Metalle,
Glas, Keramik, Papier und Polymere. Bevorzugt wird Glas als Substrat verwendet. Handelt
es sich bei dem Substrat um ein quellbares Polymer, so kann das Nadelnetzwerk teilweise
in der Oberfläche eingebettet sein.
[0020] Das Nadelnetzwerk kann ferner mit einem Metall beschichtet sein, z.B. einem Halbedel-
oder Edelmetall. Beispiele für Metalle sind Cu, Ag, Au, Pt, Ir, Co, Hi und Cr.
[0021] Auf dem Nadelnetzwerk kann eine Schutzschicht aufgebracht sein, besonders Schutzschichten
aus linearen, verzweigten oder strukturell vernetzten Polymeren, z.B. Duroplaste,
Thermoplaste oder Elastomere.
Beispiele für Polymere sind:
[0022]
1. Polymere von Mono- und Diolefinen, beispielsweise Polypropylen, Polyisobutylen,
Polybuten-1, Polymethylpenten-1, Polyisopren oder Polybutadien sowie Polymerisate
von Cycloolefinen wie z.B. von Cyclopenten oder Norbornen; ferner Polyethylen, z.B.
Polyethylen hoher Dichte (HDPE), Polyethylen niederer Dichte (LDPE), lineares Polyethylen
niederer Dichte (LLDPE).
2. Mischungen der unter 1) genannten Polymeren, z.B. Mischungen von Polypropylen mit
Polyisobutylen, Polypropylen mit Polyethylen (z.B. PP/HDPE, PP/LDPE) und Mischungen
verschiedener Polyethylentypen (z.B. LDPE/HDPE).
3. Copolymere von Mono- und Diolefinen untereinander oder mit anderen Vinylmonomeren,
wie z.B. Ethylen-Propylen-Copolymere, Propylen-Buten-1-Copolymere, Propylen-Isobutylen-Copolymere,
Ethylen-Buten-1-Copolymere, Ethylen-Hexen-Copolymere, Ethylen-Methylpenten-Copolymere,
Ethylen-Hepten-Copolymere, Ethylen-Octen-Copolymere, Propylen-Butadien-Copolymere,
Isobutylen-Isopren-Copolymere, Ethylen-Alkylacrylat-Copolymere, Ethylen-Alkylmethacrylat-Copolymere,
Ethylen-Vinylacetat-Copolymere, sowie Terpolymere von Ethylen mit Propylen und einem
Dien, wie Hexadien, Dicyclopentadien oder Ethylidennorbornen; ferner Mischungen solcher
Copolymere untereinander und mit unter 1) genannten Polymeren, z.B. Polypropylen/Ethylen-Propylen-Copolymere,
LDPE/Ethylen-Vinylacetat-Copolymere, LDPE/Ethylen-Acrylsäureester-Copolymere, LLDPE/Ethylen-Vinylacetat-Copolymere
und LLDPE/Ethylen-Acrylsäureester-Copolymere.
4. Polystyrol, Poly-(p-methylstyrol), Poly-(α-methylstyrol).
5. Copolymere von Styrol oder α-Methylstyrol mit Dienen oder Acrylderivaten, wie
z.B. Styrol-Butadien, Styrol-Acrylnitril, Styrol-Alkylmethacrylat Styrol-Butadien-Alkylacrylat
Styrol-Maleinsäureanhydrid, Styrol-Acrylnitril-Methylacrylat; Mischungen von hoher
Schlagzähigkeit aus Styrol-Copolymeren und einem anderen Polymer, wie z.B. einem Polyacrylat,
einem Dien-Polymeren oder einem Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymeren; sowie Block-Copolymere
des Styrols, wie z.B. Styrol-Butadien-Styrol, Styrol-Isopren-Styrol, Styrol-Ethylen/Butylen-Styrol,
Styrol-Ethylen/Propylen-Styrol oder Styrol-4-Vinylpyridin-Styrol.
6. Pfropfcopolymere von Styrol oder α-Methylstyrol, wie z.B. Styrol auf Polybutadien,
Styrol auf Polybutadien-Styrol- oder Polybutadien-Acrylnitril-Copolymere, Styrol
und Acrylnitril (bzw. Methacrylnitril) auf Polybutadien; Styrol, Acrylnitril und Methylmethacrylat
auf Polybutadien; Styrol und Maleinsäureanhydrid auf Polybutadien; Styrol, Acrylnitril
und Maleinsäureanhydrid oder Maleinsäureimid auf Polybutadien; Styrol und Maleinsäureimid
auf Polybutadien, Styrol und Alkylacrylate bzw. Alkylmethacrylate auf Polybutadien,
Styrol und Acrylnitril auf Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymeren, Styrol und Acrylnitril
auf Polyalkylacrylaten oder Polyalkylmethacrylaten, Styrol und Acrylnitril auf Acrylat-Butadien-Copolymeren,
sowie deren Mischungen mit den unter 5) genannten Copolymeren, wie sie z.B. als sogenannte
ABS-, MBS-, ASA- oder AES-Polymere bekannt sind.
7. Halogenhaltige Polymere, wie z.B. Polychloropren, Chlorkautschuk, chloriertes oder
chlorsulfoniertes Polyethylen, Epichlorhydrinhomo- und -copolymere, insbesondere Polymere
aus halogenhaltigen Vinylverbindungen, wie z.B. Polyvinylchlorid, Polyvinylidenchlorid,
Polyvinylfluorid, Polyvinylidenfluorid; sowie deren Copolymere, wie Vinylchlorid-Vinylidenchlorid,
Vinylchlorid-Vinylacetat oder Vinylidenchlorid-Vinylacetat.
8. Polymere, die sich von Derivaten α,β-ungesättigter Säuren ableiten, wie Polyacrylate,
Polymethacrylate und Polyacrylnitrile.
9. Copolymere der unter 8) genannten Monomeren untereinander oder mit anderen ungesättigten
Monomeren, wie z.B. Acrylnitril-Butadien-Copolymere, Acrylnitril-Alkylacrylat-Copolymere,
Acrylnitril-Alkoxyalkylacrylat-Copolymere, Acrylnitril-Vinylhalogenid-Copolymere,
Acrylnitril-Alkylmethacrylat-Butadien-Terpolymere oder Alkylmethacrylat-4-Vinylpyridin-Copolymere.
10. Polymere, die sich von Acylderivaten oder Acetalen ungesättigter Alkohole ableiten,
wie Polyvinylacetat, -stearat, -benzoat, -maleat, Polyvinylbutyral, Polyallylphthalat;
sowie deren Copolymere mit in Punkt 1 genannten Olefinen.
11. Homo- und Copolymere von cyclischen Ethern, wie Polyalkylenglykole, Polyethylenoxyd,
Polypropylenoxyd oder Polybutylenglykol.
12. Polyacetale, wie Polyoxymethylen, sowie solche Polyoxymethylene, die Comonomere,
wie z.B. Ethylenoxid, enthalten; Polyacetale, die mit termoplastischen Polyurethanen,
Acrylaten oder MBS modifiziert sind.
13. Polyphenylenoxide und -sulfide und deren Mischungen mit Styrolpolymeren.
14. Polyurethane, die sich von Polyethern, Polyestern und Polybutadienen mit endständigen
Hydroxylgruppen einerseits und aliphatischen oder aromatischen Polyisocyanaten andererseits
ableiten, sowie deren Vorprodukte.
15. Polyharnstoffe, Polyimide und Polybenzimidazole. Unter den Polyimiden sind besonders
lösliche Polyimide bevorzugt wie sie z.B. in DE-AS 1962588, EP-A-132221, EP-A-134752,
EP-A-162017, EP-A-181837 und EP-A-182745 beschrieben sind.
16. Polycarbonate, Polyester, z.B. Polyalkylenterephthalate, und Polyestercarbonate.
17. Polysulfone, Polyethersulfone und Polyetherketone.
18. Polyvinylcarbazol.
19. Vernetzte Acrylharze, die sich von substituierten Acrylsäureestern ableiten, wie
z B. von Epoxyacrylaten, Urethan-acrylaten oder Polyester-acrylaten, z.B. Ester von
Polyolen wie Glykolen, Trimethylolpropan, Pentaerythrit oder Polyepoxiden.
20. Vernetzte Epoxidharze, die sich von Polyepoxiden ableiten, z.B. von Bis-glycidylethern
oder von cycloaliphatischen Diepoxiden. Sie können z B. mit Anhydriden, thermisch
unter Verwendung von Härtungsbeschleunigern oder durch Einwirkung von UV-Strahlung
vernetzt sein.
21. Polymerhomolog chemisch abgewandelte Derivate von Cellulose, wie Celluloseacetate,
-propionate und -butyrate, bzw. die Celluloseether, wie Methylcellulose.
22. Mischungen (Polyblends) der vorgenannten Polymeren, wie z.B. PP/EPDM, PVC/EVA,
PVC/ABS, PVC/MBS/ PC/ABS, PC/ASA, PC/PBT, PVC/CPE, PVC/Acrylate, POM/thermoplastisches
PUR, PC/thermoplastisches PUR, POM/Acrylat, POM/MBS, PPO/HIPS.
23. Mit Schwefel vernetzte (vulkanisierte) Produkte aus Doppelbindungen enthaltenden
Polymeren wie z.B. Naturkautschuk, Synthesekautschuk, Butadien- bzw. Isoprenpolymerisate
oder -copolymerisate.
24. Polyaddukte aus Epoxidverbindungen mit zwei Epoxidgruppen und Diolen, disekundären
Diaminen, primären Aminen oder Dicarbonsäuren, z.B. solche aus Bisphenol-A-Diglycidylether
und Bisphenol-A.
[0023] Eine bevorzugte Gruppe von thermoplastischen Polymeren sind Polyvinylalkohol, Polyolefine,
Polystyrol, Polyvinylchlorid, Polyvinylidenchlorid, Polyvinylidenfluorid, Polyacrylate,
Polymethacrylate, Polycarbonate, aromatische Polysulfone, aromatische Polyether, aromatische
Polyethersulfone, Polyimide und Polyvinylcarbazol.
[0024] Die Polymeren können zusätzlich für die Verarbeitung und Anwendung benötigte Hilfsmittel
enthalten, z.B. Weichmacher, Verlaufmittel, Formtrennmittel, Füllstoffe, Flammschutzmittel,
Antioxidantien und Lichtschutzmittel, Stabilisatoren, Farbstoffe, Pigmente und Leitsalze.
[0025] Die Schutzschicht kann auch aus photovernetzten Polymersystemen bestehen. Photovernetzbare
Systeme sind z.B. von G.E. Green et al. im J. Macro, Sci.-Revs. Macro. Chem. C21(2),
187-273 (1981-82) beschrieben.
[0026] Die Schutzschicht kann nach allgemein üblichen Beschichtungsverfahren für härtbare
Mischungen bzw. Polymerlösungen aufgebracht werden, z.B. Streichen, Giessen oder
Rakeln, gegebenenfalls Entfernung von Lösungsmitteln und anschliessende thermische
und/oder strahlungsinduzierte Härtung.
[0027] Geeignete Lösungsmittel für die genannten Polymeren sind z.B. polare, aprotische
oder protische Lösungsmittel, die alleine oder in Mischungen aus mindestens zwei Lösungsmitteln
verwendet werden können. Beispiele sind: Wasser, Alkanole wie Methanol, Ethanol, Propanol,
Butanol, Ethylen glykolmonomethylether, Diole wie Ethylenglykol, Propylenglykol und
Diethylenglykol, Ether wie Dibutylether, Tetrahydrofuran, Dioxan, Dimethylethylenglykol,
Dimethyldiethylenglykol, Diethyldiethylenglykol, Dimethyltriethylenglykol, halogenierte
Kohlenwasserstoffe wie Methylenchlorid, Chloroform, 1,2-Dichlorethan, 1,1,1,-Trichlorethan,
1,1,2,2-Tetrachlorethan, Carbonsäureester und Lactone wie Essigsäureethylester, Propionsäuremethylester,
Benzoesäureethylester, 2-Methoxyethylacetat, γ-Butyrolacton, δ-Valerolacton und Pivalolacton,
Carbonsäureamide und Lactame wie N-Methylformamid, N,N-Dimethylformamid, N,N-Diethylformamid,
N,N-Dimethylacetamid, N,N-Diethylacetamid, γ-Butyrolactam, ε-Caprolactam, N-Methylpyrrolidon,
N-Acetylpyrrolidon, N-Methylcaprolactam, Tetramethylharnstoff, Hexamethylphosphorsäuretriamid,
Sulfoxide wie Dimethylsulfoxid, Sulfone wie Dimethylsulfon, Diethylsulfon, Trimethylensulfon,
Tetramethylensulfon, N-Methylpyrrolidin, N-Methylpiperidin, N-Methylmorpholin, substituierte
Benzole wie Benzonitril, Chlorbenzol, o-Dichlorbenzol, 1,2,4-Trichlorbenzol, Nitrobenzol,
Toluol und Xylol.
[0028] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist eine Zusammensetzung, enthaltend
a) eine Verbindung der Formel I oder Ia oder Mischungen davon,

worin X für S, Se oder Te steht, R¹, R², R³ und R⁴ unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom
oder Cl bedeuten oder R¹ und R² sowie R³ und R⁴ zusammen je

R¹, R², R³ und R⁴ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
darstellen, R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ unabhängig voneinander H oder F bedeuten, R⁵ für CH₃
und R⁶ R⁷ und R⁸ für H oder R⁵ R⁶ R⁷ und R⁸ für CH₃ stehen, R⁵ und R⁶ für CH₃ oder
Cl und R⁷ und R⁸ für H stehen oder R⁵ und R⁶ für H, R⁷ für -COR⁹ und R⁸ für H oder
-C0R⁹, oder R⁵ und R⁶ für H und R⁷ und R⁸ zusammen für -CO-O-CO oder -CO-NR¹⁰-CO-
stehen, worin R⁹ Halogen, -OH, -NH₂, oder den Rest eines Alkohols, primären oder sekundären
Amins darstellt, oder -0M ist, wobei M ein Kation bedeutet, und R¹⁰ H oder der um
die NH₂-Gruppe verminderte Rest eines primären Amins ist, und
b) eine halogenhaltige, organische Verbindung, die unter Zufuhr von Energie Halogen
abspaltet.
[0029] In einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Zusammensetzung zusätzlich ein
inertes Lösungsmittel, z.B. polare, aprotische Lösungsmittel, wie sie zuvor erwähnt
wurden. Bevorzugtes Lösungsmittel ist Dimethylformamid.
[0030] Die Komponente a) ist bevorzugt in einer Menge von 0,001 bis 5 Gew.-% besonders 0,01
bis 2 Gew.-% und insbesondere 0,01 bis 1 Gew.-% enthalten, bezogen auf die Komponente
b) und gegebenenfalls einem inerten Lösungsmittel.
[0031] Die Komponente b) ist bevorzugt im Ueberschuss enthalten, besonders wenn sie gleichzeitig
als Lösungsmittel dient. Der Ueberschuss bei Mitverwendung eines Lösungsmittels kann
z.B. die zwanzigfache, vorzugsweise zehnfache und besonders fünffache Menge betragen,
bezogen auf die Komponente a).
[0032] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemässen
Trägermaterials, bei dem man eine erfindungsgemässe Zusammensetzung auf ein Substrat
aufbringt, darauf unter Energiezufuhr die halogenhaltige Verbindung auf die Verbindung
der Formel I und/oder Ia einwirken lässt und die halogenhaltige Verbindung entfernt.
[0033] Das Aufbringen auf das Substrat kann z.B. durch Giessen erfolgen. Die Energiezufuhr
erfolgt bevorzugt durch thermische Energie, z.B. durch Erwärmen von Raumtemperatur
bis 300°C bevorzugt 50 bis 250°C und besonders 80 bis 170°C, gegebenenfalls im Vakuum.
In der erfindungsgemässen Zusammensetzung ist die Komponente b) bevorzugt im Ueberschuss
enthalten.
[0034] Ist der Elektronenacceptor ein Gas (z.B. O₂, Halogene), so wird das Erwärmen zweckmässig
in einer entsprechenden Gasatmosphäre vorgenommen und ein Lösungsmittel für die Verbindungen
der Formel I und/oder Ia mitverwendet. Wenn der Elektronenacceptor ein Salz eines
oxidativ wirkenden Kations ist, wird das Trägermaterial nach der Wärmebehandlung zweckmässig
gereinigt z.B. durch Waschen mit Wasser.
[0035] Das erfindungsgemässe Trägermaterial weist eine hohe elektrische Leitfähigkeit auf
und eignet sich hervorragend zur Verwendung als elektrischer Leiter. Das Trägermaterial
kann mittels Metallisierung in hochleitende Materialien übergeführt werden, indem
man z B. das Trägermaterial in einem Elektrolysebad als Kathode schaltet und elektrolysiert.
[0036] Es ist auch möglich, vom erfindungsgemässen mit einem Polymer beschichteten Material
das Polymer als Film abzulösen. Hierbei erhält man einseitig elektrisch leitende Polymerfilme,
die ebenfalls als elektrische Leiter verwendet werden können.
[0037] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Polymerfilm, dadurch gekennzeichnet,
dass in einer Oberfläche des Films ein Nadelnetzwerk eines CT-Komplexes aus
a) einer Verbindung der Formel I oder Ia oder Mischungen davon als Donor

worin X für S, Se oder Te steht, R¹ R² R³ und R⁴ unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom
oder Cl bedeuten oder R¹ und R² sowie R³ und R⁴ zusammen je

R¹ R² R³ und R⁴ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
darstellen, R⁵ R⁶ R⁷ und R⁸ unabhängig voneinander H oder F bedeuten, R⁵ für CH₃ und
R⁶ R⁷ und R⁸ für H oder R⁵ R⁶ R⁷ und R⁸ für CH₃ stehen, R⁵ und R⁶ für CH₃ oder Cl
und R⁷ und R⁸ für H stehen oder R⁵ und R⁶ für H, R⁷ für -COR⁹ und R⁸ für H oder -C0R⁹
oder R⁵ und R⁶ für H und R⁷ und R⁸ zusammen für -CO-O-CO oder -CO-NR¹⁰-CO- stehen,
worin R⁹ Halogen, -OH, -NH₂, oder den Rest eines Alkohols, primären oder sekundären
Amins darstellt, oder -OM ist, wobei M ein Kation bedeutet, und R¹⁰ H oder der um
die NH₂-Gruppe verminderte Rest eines primären Amins ist, und
b) einem Elektronenacceptor eingebettet ist.
[0038] Als Polymere kommen die zuvor erwähnten Polymere in Frage, einschliesslich der Bevorzugungen.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Nadelnetzwerk mit einem Metall beschichtet.
[0039] Die Polymerfilme können hergestellt werden, indem man ein erfindungsgemässes Trägermaterial
mit einem Polymerfilm beschichtet und darauf den Polymerfilm vom Substrat ablöst.
Als Substrat ist besonders Glas geeignet.
[0040] Die erfindungsgemässen Polymerfilme können zu mehrlagigen Schichten mit mehreren
elektrisch leitenden Ebenen laminiert werden.
[0041] Mit photovernetzbaren Polymeren beschichtete erfindungsgemässe Trägermaterialien
können auch in bekannter Weise unter einer Bildmaske bestrahlt und danach entwickelt
werden, wobei in den entwickelten Bereichen die gebildeten CT-Komplexe gegebenenfalls
mechanisch, z.B. mittels Abwischen, entfernt werden. Auf diese Weise können Leiterstrukturen
erzeugt werden.
[0042] Ein bevorzugter Anwendungsbereich ist neben der Herstellung von antistatischen und
elektrisch leitenden Beschichtungen und Polymerfilmen für die elektrostatische Abschirmung
die Verwendung als Elektroden, die je nach verwendetem Polymer transparent sein können.
[0043] Die erfindungsgemässen, einen CT-Komplex enthaltenden Zusammensetzungen und Polymerfilme
zeichnen sich durch eine hohe chemische Stabilität und Temperaturbeständigkeit und
eine geringe Migration der CT-Komplexe aus. Ferner werden überraschend hohe Leitfähigkeiten
erzielt, die bis zu 25 % der Leitfähigkeit der reinen CT-Komplexe betragen können.
Die CT-Komplexe bilden unter den Herstellungsbedingungen überraschend ein Netzwerk
(Nadelfilz) aus elektrisch leitenden Kristallnadeln.
[0044] Die nachfolgenden Beispiele erläutern die Erfindungen näher. Der spezifische Widerstand
wird nach der Vierpunktmethode bestimmt.
Beispiel 1 :
[0045] 1,6 mg Tetraselenotetracen werden in 10 ml D m/l bei 120°C gelöst. Dann gibt man
3,5 µl Perchlorpropen zu und giesst die Lösung auf eine vorgeheizte Glasplatte. Nach
Abdampfen des Lösungsmittels bei Temperaturen zwischen 90 - 130°C verbleibt ein transparentes
Nadelnetzwerk aus elektrisch leitenden Kristalliten. Der spezifische Widerstand beträgt
0,4 Ωcm.
Beispiel 2:
[0046] Das Trägermaterial gemäss Beispiel 1 wird mit einer Lösung eines Polymers in einem
Lösungsmittel überschichtet. Nach Abdampfen des Lösungsmittels und Ablösen von der
Glasunterlage verbleibt ein einseitig elektrisch leitender Polymerfilm mit unveränderter
Leitfähigkeit. Die Herstellungsbedingungen sind in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1:
| Polymer |
Lösungsmittel |
Konzentration Polymer (w/w) |
Abdampftemperatur (°C) |
| Poly(bisphenol-A-carbonat) |
Methylenchlorid |
10 % |
50 |
| Poly(vinylalkohol) |
Wasser |
5 % |
80 |
| Poly(bisphenol-A-carbonat) |
Methylenchlorid |
14 % |
50 |
| Polyethylen |
Xylol |
5 % |
80 |
| Poly(imid)1) |
DMF |
15 % |
100 |
| Poly(vinylcarbazol) |
Nitrobenzol |
5 % |
120 |
| Poly(vinylcinnamat) |
THF |
10 % |
80 |
| 1) Polyimid aus Benzophenontetracarbonsäuredianhydrid, Diaminodurol und 3,3˝-Dimethyl-5,5′-diethyl-4,4′-diaminodiphenylmethan
(Mw= 40 000) |
Beispiel 3:
[0047] Beispiel 1 wird mit einer Polyethylenterephthalatfolie anstelle der Glasunterlage
wiederholt. Auch in diesem Fall wird ein transparentes Nadelnetzwerk aus elektrisch
leitenden Kristalliten erhalten, das in der aufgequollenen Oberfläche der Folie gewachsen
ist. Der spezifische Widerstand beträgt 3,2 Ωcm.
Beispiel 4:
[0048] Beispiel 1 wird mit einer chrombedampften Glasunterlage wiederholt. Auch in diesem
Fall wird ein Nadelnetzwerk aus elektrisch leitenden Kristalliten erhalten. Der spezifisch
Widerstand des in einem Film aus Polyvinylalkohol übertragenen Nadelnetzwerks beträgt
0,4 Ωcm.
Beispiel 5:
[0049] Ein Trägermaterial gemäss den Beispielen 1 und 3 wird als Kathode in einem handelsüblichen
schwefelsauren Kupferelektrolysebad geschaltet. Auf dem Nadelnetzwerk scheidet sich
Kupfer ab. Die spezifische Leitfähigkeit beträgt 0,08 Ωcm.
Beispiel 6:
[0050] Ein Trägermaterial gemäss Beispiel 4 wird als Kathode in einem sauren Goldelektrolysebad
geschaltet. Auf dem Nadelnetzwerk scheidet sich Gold ab, während der Chromträger nicht
metallisiert wird. Das metallisierte Nadelnetzwerk wird mit einer 10 %igen Lösung
von Polycarbonat in Methylenchlorid überschichtet. Nach Abdampfen des Lösungs mittels
und Ablösen von der Unterlage verbleibt eine einseitig elektrisch leitende Polymerfolie.
Ihr spezifischer Widerstand beträgt 10⁻² Ωcm, der spezifische Widerstand einer in
identischer Weise hergestellten Folie ohne Vergoldung 0,4 Ωcm.
Beispiel 7:
[0051] 1,65 mg 2-Fluortetraselenotetracen werden bei 150°C in 7,5g Nitrobenzol unter Rühren
gelöst. Man versetzt die Lösung mit 2 ml Tribrommethan. Dann gibt man jeweils 1,5
ml dieser Lösung in thermostatisierte Petrischalen, die auf 130, 140, 150, 160 und
170°C thermostatisiert sind. Nach Abdampfen des Lösungsmittels verbleibt in allen
Fällen ein elektrisch leitendes Nadelnetzwerk.
Beispiel 8:
[0052] In analoger Weise werden leitende Nadelnetzwerke aus 2,3-Difluoro-tetraselenotetracen
mit Tribrommethan sowie Hexachlorpropen mit Nitrobenzol als Lösungsmittel hergestellt.
Beispiel 9:
[0053] Das Nadelnetzwerk gemäss Beispiel 7 wird mit einer Lösung von 10 g Poly(vinylcinnamat)
und 0,5g Thioxanthon in 50 ml THF in 100 µm Nassfilmdicke beschichtet. Nach Abdampfen
des Lösungsmittels wird der entstandene Film mit einer 5 kW Quecksilberhochdrucklampe
durch eine Maske 30 s lang belichtet und mit THF entwickelt. Man erhält ein elektrisch
leitendes Muster.
1. Trägermaterial, das auf mindestens einer der Oberflächen eines Substrats mit einem
Nadelnetzwerk eines CT-Komplexes aus
a) einer Verbindung der Formel I oder Ia oder Mischungen davon als Donor

worin X für S, Se oder Te steht, R¹ R² R³ und R⁴ unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom
oder Cl bedeuten oder R¹ und R² sowie R³ und R⁴ zusammen je

R¹ R² R³ und R⁴ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
darstellen, R⁵ R⁶ R⁷ und R⁸ unabhängig voneinander H oder F bedeuten, R⁵ für CH₃ und
R⁶ R⁷ und R⁸ für H oder R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ für CH₃ stehen, R⁵ und R⁶ für CH₃ oder Cl
und R⁷ und R⁸ für H stehen oder R⁵ und R⁶ für H, R⁷ für -C0R⁹ und R⁸ für H oder -COR⁹,
oder R⁵ und R⁶ für H und R⁷ und R⁸ zusammen für -CO-O-CO oder -CO-NR¹⁰-CO- stehen,
worin R⁹ Halogen, -OH, -NH₂, oder den Rest eines Alkohols, primären oder sekundären
Amins darstellt, oder -0M ist, wobei H ein Kation bedeutet, und R¹⁰ H oder der um
die NH₂-Gruppe verminderte Rest eines primären Amins ist, und
b) einem Elektronenacceptor beschichtet ist.
2. Trägermaterial gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei Komponente
a) um Tetrathiotetracen, Tetraselenotetracen, 2-Fluor- oder 2,3-Difluortetraselenotetracen
handelt.
3. Trägermaterial gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem
Elektronenacceptor b) um eine halogenhaltige organische Verbindung handelt, die unter
Zufuhr von Energie Halogen abspaltet.
4. Trägermaterial gemäss Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der
halogenhaltigen Verbindung um eine halogenierte, gesättigte oder ungesättigte, aliphatische,
cycloaliphatische, aliphatisch-heterocyclische, aromatische oder heteroaromatische
organische Verbindung handelt.
5. Trägermaterial gemäss Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die organische Verbindung
chloriert, bromiert und/oder iodiert ist.
6. Trägermaterial gemäss Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der
halogenhaltigen Verbindung um perchlorierte C₃-C₅-Alkane, C₃-C₅-Alkene oder um organische
Verbindungen mit Trichlormethylgruppen handelt.
7. Trägermaterial gemäss Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der
halogenhaltigen organischen Verbindung um Tetrabrommethan, Bromoform, Trichlorbrommethan,
Hexachlorpropen, Hexachlorcyclopropan, Hexachlorcyclopentadien, Hexachlorethan, Octachlorpropan,
n-Octachlorbutan, n-Decachlorbutan, Tetrabromethan, Hexabromethan, Tetrabromo-o-benzochinon,
2,4,4,6-Tetrabromo-2,5-cyclohexadienon, Hexabrombenzol, Chloranil, Hexachloraceton,
1,4,5,6,7,7-Hexachlor-5-norbornen-2,3-dicarbonsäure, 1,2,5,6,9,10-Hexabromcyclododecan,
Tetrachlorethylen, Perchlorcyclopentadien, Perchlorbutadien, Dichloracetaldehyd-diethylacetal,
1,4-Dichlor-2-buten, 1,3-Dichlor-2-buten, 3,4-Dichlor-1-buten, Tetrachlorcyclopropen,
1,3-Dichloraceton, 2,3,5,6-Tetrachlor-p-xylol, 1,4-Bis(trichlormethyl)-benzol, 1,3-Dibrompropan,
1,6-Dibromhexan, 3-Chlorpropionsäureethylester, 3-Chlortoluol, 2-Chlorpropionsäuremethylester,
2-Chloracrylnitril, Trichloressigsäureethylester, Tris(trichlormethyl)-triazin, 1,2,3-Trichlorpropan,
1,1,2-Trichlorethan, Chlorameisensäurebutylester, Trichlorethylen, 2,3-Dichlormaleinsäureanhydrid,
1,12-Dibromdodecan, α,α′-Dibrom-p-xylol, α,α′-Dichlor-o-xylol, Phenacylchlorid oder
-bromid, 1,10-Dibromdecan, α,α′-Dichlor-p-xylol, α,α′-Dibrom-m-xylol, Iodacetonitril,
2,3-Dichlor-5,6-dicyanobenzochinon, 2,3-Dichlorpropionsäuremethylester, 1-Brom-2-chlorethan,
1-Brom-2- chlorpropan, Chlorameisensäure-2-bromethylester, Iodessigsäureethylester,
N-Chlor-, N-Brom- oder N-Iodsuccinimid oder -phthalsäureimid oder Mischungen hiervon
handelt.
8. Trägermaterial gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat aus
Glas besteht.
9. Trägermaterial gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Nadelnetzwerk
mit einem Metall beschichtet ist.
10. Trägermaterial gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf dem Nadelnetzwerk
eine Schutzschicht aufgebracht ist.
11. Trägermaterial gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat ein
quellbares Polymer ist, in das das Nadelnetzwerk teilweise in der Oberfläche eingebettet
ist.
12. Zusammensetzung, enthaltend
a) eine Verbindung der Formel I oder Ia oder Mischungen davon,

worin X für S, Se oder Te steht, R¹ R² R³ und R⁴ unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom
oder Cl bedeuten oder R¹ und R² sowie R³ und R⁴ zusammen je

R¹, R², R³ und R⁴ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
darstellen, R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ unabhängig voneinander H oder F bedeuten, R⁵ für CH₃
und R⁶, R⁷ und R⁸ für H oder R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ für CH₃ stehen, R⁵ und R⁶ für CH₃ oder
Cl und R⁷ und R⁸ für H stehen oder R⁵ und R⁶ für H, R⁷ für -COR⁹ und R⁸ für H oder
-COR⁹, oder R⁵ und R⁶ für H und R⁷ und R⁸ zusammen für -CO-O-CO oder -CO-NR¹⁰-CO-
stehen, worin R⁹ Halogen, -OH, -NH₂, oder den Rest eines Alkohols, primären oder sekundären
Amins darstellt, oder -OM ist, wobei M ein Kation bedeutet, und R¹⁰ H oder der um
die NH₂-Gruppe verminderte Rest eines primären Amins ist, und
b) eine halogenhaltige, organische Verbindung, die unter Zufuhr von Energie Halogen
abspaltet.
13. Zusammensetzung gemäss Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass sie zusätzlich
ein inertes Lösungsmittel enthält.
14. Zusammensetzung gemäss Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Komponente
a) in einer Menge von 0,001 - 5 Gew. % enthalten ist, bezogen auf Komponente b) und
gegebenenfalls einem inerten Lösungsmittel.
15. Verfahren zur Herstellung eines Trägermaterials gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass man eine Zusammensetzung gemäss Anspruch 12 auf ein Substrat aufbringt, darauf
unter Engergiezufuhr die halogenhaltige Verbindung auf die Verbindung der Formel
I und/oder Ia einwirken lässt und die halogenhaltige Verbindung entfernt.
16. Verfahren gemäss Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass man die Zusammensetzung
nach dem Aufbringen auf 50 bis 250°C erwärmt.
17. Polymerfilm, dadurch gekennzeichnet, dass in einer Oberfläche des Films ein Nadelnetzwerk
eines CT-Komplexes aus
a) einer Verbindung der Formel I oder Ia oder Mischungen davon als Donor

worin X für S, Se oder Te steht, R¹, R², R³ und R⁴ unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom
oder Cl bedeuten oder R¹ und R² sowie R³ und R⁴ zusammen je

R¹, R², R³, und R⁴ je Phenylthio, 4-Methyl- oder 4-Methoxyphenylthio oder 4-Pyridylthio
darstellen, R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ unabhängig voneinander H oder F bedeuten, R⁵ für CH₃
und R⁶, R⁷ und R⁸ für H oder R⁵, R⁶, R⁷ und R⁸ für CH₃ stehen, R⁵ und R⁶ für CH₃ oder
Cl und R⁷ und R⁸ für H stehen oder R⁵ und R⁶ für H, R⁷ für -C0R⁹ und R⁸ für H oder
-C0R⁹, oder R⁵ und R⁶ für H und R⁷ und R⁸ zusammen für -CO-O-CO oder -CO-NR¹⁰-CO-
stehen, worin R⁹ Halogen, -OH, -NH₂, oder den Rest eines Alkohols, primären oder sekundären
Amins darstellt, oder -OH ist, wobei H ein Kation bedeutet, und R¹⁰ H oder der um
die NH₂-Gruppe verminderte Rest eines primären Amins ist, und
b) einem Elektronenacceptor eingebettet ist.
18. Polymerfilm gemäss Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Nadelnetzwerk
mit einem Metall beschichtet ist.
19. Verfahren zur Herstellung eines Polymerfilms gemäss Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet,
dass man ein Trägermaterial gemäss Anspruch 1 mit einem Polymerfilm beschichtet und
darauf den Polymerfilm vom Substrat ablöst.
20. Verwendung eines Trägermaterials gemäss Anspruch 1 oder eines Polymerfilms gemäss
Anspruch 17 als elektrische Leiter.