[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von Bodenbelägen aus anorganischen
Materialien, wie insbesondere eines schwimmenden Estrichs.
[0002] Schwimmende, in den einschlägigen DIN-Normen (vgl. DIN 4109) festgelegte Estriche
haben sich vor allem im Wohnungsbau als Tritt-, Luft-, Schall- und Wärmeschutz seit
langem bewährt. Der schwimmende Estrich dient bei Decken mit nicht ausreichender Luftschalldämmung
als Tragschicht über beispielsweise Trittschalldämmatten. Seine Wirkung hängt vor
allem von der Dicke und einer möglichst geringen dynamischen Steifigkeit der Dämmatten
ab. Um diese Wirkung nicht zu beeinträchtigen, sind Schallbrücken des Estrichs zu
den Wänden oder zu der Rohdecke zu vermeiden, die beispielsweise bei fehlerhafter
Verlegung oder im Bereich von Rohrleitungen auftreten können. Bei einem schwimmenden
Estrich handelt es sich um eine nach Ausführung und Art bauliche Maßnahme, die - unbeeinflußt
von der Zeit und Intensität der Beanspruchung - ihre Eigenschaften für die gesamte
Lebensdauer eines Gebäudes behält.
[0003] Der Aufbau und die Herstellungsweise derzeit gebräuchlicher schwimmender Estriche
erfordern jedoch ein beträchtliches Maß an Erfahrung und handwerklichem Können, so
daß für diese Arbeiten nur erfahrene Fachleute infrage kommen. Der verwendete Estrichmörtel
wird in der Regel steifplastisch hergestellt, durch Tatschen, Stampfen oder vorzugsweise
durch Rüttelbohlen verdichtet, mit Richtscheiten abgezogen und so geglättet, daß sich
an der Oberfläche kein Wasser und Feinmörtel anreichern. Bei der Verwendung von Fließmitteln
entsteht ein gießfähiger Mörtel, der ohne Verdichten und Glätten lediglich abgezogen
zu werden braucht.
[0004] Dehnungsfugen des Bauwerks müssen über die ganze Estrichdicke einschließlich einer
Ausgleichsschicht hindurchgehen und nach vorheriger Säuberung mit geeigneten Fugenvergußmassen
gefüllt werden. Je nach Art des Bindemittels und des Estrichs (z.B. Zementestrich,
Hartstoffestrich, Anhydritestrich oder Magnesiaestrich) sowie je nach der Temperatur
darf der Estrich frühestens nach ein bis sieben Tagen begangen, bzw. frühestens nach
einer halben Woche bis drei Wochen beansprucht, d.h. belastet werden. Während der
Dauer dieser Abbindezeit sind im Bereich des Estrichs keine weiteren Baumaßnahmen
möglich.
[0005] Große Schwierigkeiten bereitet auch die Qualitätsprüfung vor Ort, die sich im wesentlichen
auf eine Probennahme des Estrichmörtels vor dem Abbinden beschränkt. Beispielsweise
wird die Biegezugfestigkeit einer aus der Estrichmasse am Bau entnommenen Probe geprüft.
[0006] Trotz anerkannten Niveaus ergibt sich für einen nach dem derzeitigen Stand der Technik
ausgelegten und ausgeführten schwimmenden Estrich ein großer Nachteil, vor allem in
Anbetracht seiner herstellungs- und materialbedingten, den Baufortschritt erheblich
verzögernden sowie den Baukostenanteil erhöhenden Abbindezeit, die in einem zu etwa
80% fertiggestellten Gebäude im Bereich des Estrichs jegliche weitere Baumaßnahmen
ausschließt. Schließlich lassen sich weder die notwendigen Abbindezeiten einschließlich
der daraus resultierenden Materialeigenschaften noch die Beeinflussung der Folgegewerke
objektiv kontrollieren, und auch eine Prüfung des verlegten Estrichs vor Ort ist -
wenn überhaupt - nur mit einem außerordentlichen Aufwand möglich.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Verlegen von Bodenbelägen aus anorganischen
Materialien, insbesondere eines schwimmenden Estrichs, ohne die vorgenannten Nachteile
zu ermöglichen.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß Platten mit einer umlaufenden
Nut vorgefertigt und mittels in Nuten eingesetzter Federn zu einer geschlossenen Oberfläche
miteinander verbunden werden. Der Erfindung liegt somit der Gedanke zugrunde, einen
schwimmenden Estrich aus vorgefertigten Teilen wie beispielsweise Platten aus Zement-,
Gips-, Trass- und Kalkmörtel, Gußasphalt, Steinholz oder Lehm herzustellen, wobei
die aneinandergrenzenden, durch Nut und Feder miteinander verbundenen Stirnflächen
benachbarter Platten unmittelbar, d.h. fugenlos aufeinanderstoßen. Da sich die vorgefertigten
Einzelplatten nach ihrem Abbinden, noch vor dem Verlegen an der Baustelle, auf Maßhaltigkeit
und Festigkeit prüfen lassen, werden an der Baustelle nur solche Platten verlegt,
die die von dem schwimmenden Estrich zu gewährleistenden Eigenschaften auch tatsächlich
erfüllen. Die Abbindezeit vor Ort, d.h. an der Baustelle entfällt völlig, so daß der
Baufortschritt nicht behindert wird. Der auf diese Weise hergestellte schwimmende
Estrich ist schon unmittelbar nach dem Verlegen der Platten voll belast- und begehbar.
Die Nut- und Federverbindung benachbarter Platten unterstützt das fugenlose Aneinanderreihen
der Platten dicht an dicht.
[0009] Die verwendeten, erfindungsgemäßen Platten besitzen somit keine Federn und folglich
keine vorspringenden, beim Transport sowie bei der Lagerung und der Handhabung besonders
bruchgefährdeten Kanten. Beispielsweise lassen sich vorteilhaft nach DIN 485 gefertigte
Gehwegplatten aus Beton mit einer solchen umlaufenden Stirnnut versehen und zu einem
schwimmenden Estrich verlegen. Allerdings sind die Platten auch zum Herstellen von
Terrassen, Einfahrten, Zuwegen, Auffahrten, Garagen oder beliebigen anderen, dauerhaft
verlegte Plattenflächen benötigenden Bodenbelägen geeignet. Eine fugenlos geschlossene
Oberfläche ergibt sich dabei vorteilhaft dadurch, daß die Platten gegen Begrenzungswände
verkeilt werden. Die Gegenflächen darstellenden Begrenzungen können in Gebäuden die
Raumwände, oder bei Einfahrten, Terrassen etc. sonstige seitliche Begrenzungen beliebiger
Art sein, die eine dauerhafte Befestigung der Einzelplatten ermöglichen.
[0010] Es sollten beim Verlegen unterschiedlich lange Federn in die Nuten benachbarter Platten
eingesetzt werden. Durch die Kombination längerer und kürzerer Federn läßt sich sicherstellen,
daß die ohne Federn vorgefertigten Platten dennoch immer an mindestens drei Seiten
mittels Nut und Federn miteinander verbunden und Unebenheiten der Oberfläche einer
Plattenreihe bzw. des gesamten Bodens, insbesondere in Verlegerichtung, vermieden
sind. Die Abmessungen der Nuten und der Federn werden vom Material der Federn - beispielsweise
Holz, Kunststoff, Stahl oder Aluminium - bestimmt. Bei der Dimensionierung der Federn,
die erst vor Ort, somit unmittelbar beim Verlegen in die Nuten der Platten eingesetzt
werden, ist zu berücksichtigen, daß an den Stoßflächen, d.h. den unmittelbar aufeinanderstoßenden
Stirnseiten der Platten die Kräfte bzw. Belastungen aufgenommen und übertragen werden
müssen, wie sie durch die einschlägigen Regelwerke für den Wohnungs- und Industriebau
für die Flächen- und Einzellasten vorgegeben sind. Die Summe der beiden sich addierenden
Nuttiefen aneinanderstoßender Platten sollte größer sein als die Breite der eingesetzten
Feder. Auf diese Weise ist ein Verlegen der Platten dicht an dicht sichergestellt.
[0011] Die Federn lassen sich dauerhaft mit ihren zugehörigen Nuten verbinden, vorteilhaft
einkleben. Dies geschieht nach dem Einpassen der Feder, vor und während des Verlegens
der Einzelplatte und verhindert ein Verrutschen der Feder in der Nut.
[0012] Alternativ zur Nut- und Federverbindung lassen sich die Platten miteinander verdübeln.
Dies gilt bevorzugt bei Böden geringer Beanspruchung.
[0013] Wenn vorteilhaft Platten mit unterschiedlichen Abmessungen verlegt werden, wie mindestens
zwei unterschiedliche Plattengrößen von beispielsweise 300 x 300 mm und 500 x 500
mm als Standardgrößen, lassen sich abhängig von den jeweiligen Raumgrößen bzw. Untergrundflächen
durch ein Optimierungsverfahren diejenigen Plattenabmessungen auswählen, die beim
Verlegen den geringsten Abfall erfordern.
[0014] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
des näheren erläutert. In der Zeichnung zeigen:
Fig. 1 eine erfindungsgemäß mit einer umlaufenden Stirnnut versehene, durch eine Nut- und
Federverbindung in eine teilweise dargestellte Nachbarplatte eingreifende Einzelplatte,
perspektivisch dargestellt;
Fig. 2 als Einzelheit eine perspektivische Darstellung einer in eine Stirnnut der Platte
gemäß Fig. 1 einzusetzende Feder; und
Fig. 3 ein mittels erfindungsgemäßen Einzelplatten hergestellter Bodenbelag, in der Draufsicht
und schematisch dargestellt.
[0015] Eine Platte 1 weist in jeder Stirnfläche 2 eine Nut 3 auf, so daß sich eine umlaufende
Stirnnut ergibt. Benachbarte Platten 1 werden mit unmittelbar aneinandergrenzenden
Stoßstellen 4 eng an eng mittels in die Nuten 3 eingebrachten, in die Stirnflächen
2 eingreifenden Federn 5 (vgl. Fig. 2) verbunden. Die sich aus der Addition der Tiefen
der sich fluchtend gegenüberliegenden Nuten 3 ergebende gesamte Nutbreite 6 ist größer
als die Breite 7 der Feder 5.
[0016] Die Verlegung der Platten 1 zu einem schwimmenden Estrich in einem Raum wird in Fig.
3 dargestellt. Die in der äußersten Ecke links oben dargestellte erste Platte 1 der
ersten Plattenreihe wird unter Einhaltung der für schwimmenden Estrich vorgeschriebenen
Randstreifen 8 gegen die linke Begrenzungswand 9 gedrückt und anschließend mit der
in Verlegerichtung folgenden Platte 1a durch eine senkrecht zur Verlegerichtung eingebrachte,
gegenüber den Platten 1, 1a kürzere Feder 5 verbunden. Nachfolgend über die gesamte
Raumbreite bis zur vorletzten Platte 1n verlegte Einzelplat ten sind jeweils durch
senkrecht zur Verlegerichtung eingebrachte Federn 5 miteinander verbunden.
[0017] Die der Platte 1n folgende, die Raumbreite ausfüllende, in der ersten Reihe letzte
Platte 1
n+1 wird auf das verbleibende Maß zugeschnitten und unter Einhaltung des Randstreifens
8 gegen die rechte Begrenzungswand 10 gedrückt. Mit dem Reststück der letzten Platte
1
n+1 wird die zweite Plattenreihe an der linken Begrenzungswand 9 begonnen. Die Platten
der zweiten Reihe werden sowohl durch senkrecht zur Verlegerichtung eingebrachte
als auch sich in Verlegerichtung erstreckende Federn 5, 5a miteinander und den Platten
der ersten Reihe verbunden. Die sich in Verlegerichtung erstreckenden Federn 5a sind
dabei länger als die Platten 1, während die senkrecht zur Verlegerichtung verlaufenden
Federn 5 kürzer als die Platten sind. Dadurch wird erreicht, daß jeweils drei von
vier Plattenseiten durch Federn miteinander verbunden sind.
[0018] Auf die vorbeschriebene Weise wird weiter verfahren bis zur letzten, in Fig. 3 untersten,
zu verlegenden Plattenreihe. Beim Verlegen und Einpassen der Platten der letzten Reihe
sind sowohl die vertikal angeordneten als auch die sich in Verlegerichtung erstreckenden
Federn 5 kürzer als die Platten. Beim Verlegen der Platten kann jede einzelne Plattenreihe
mit Hilfe einer Spannvorrichtung stramm in den Raum zwischen den Begrenzungswänden
9, 10 eingepaßt werden. Ein strammes Verlegen der Platten, ohne ein Verkeilen oder
eine Spannvorrichtung zu erfordern, ergibt sich dann, wenn bei der letzten zu verlegenden
Plattenreihe die die Plattenlänge überbrückenden, sich somit in Verlegerichtung erstreckenden
Federn 5 erst nach dem Einsetzen der jeweiligen Platte 1, 1n, 1
n+1 von der Seite her, in Verlegerichtung eingeschoben wird. Die Platten lassen sich
dann nämlich schon von vornherein, noch vor dem Einschieben der Federn, stramm gegen
den Randstreifen, beispielsweise aus Mineralfaserfilz, drücken.
[0019] Mit dem vorbeschriebenen Verfahren zum Herstellen eines schwimmenden Estrichs aus
vorgefertigten Einzelplatten läßt sich eine erhebliche Vereinfachung bei der - auch
von angelernten Kräften durchzuführenden - Herstellung erreichen, durch eine Vorkontrolle
die Qualität verbessern und insbesondere die Bauzeit eines Gebäudes wesentlich verkürzen,
da Abbindezeiten völlig entfallen.
1. Verfahren zum Herstellen von Bodenbelägen aus anorganischen Materialien, wie insbesondere
eines schwimmenden Estrichs, dadurch gekennzeichnet, daß Platten mit einer umlaufenden Nut vorgefertigt und mittels in Nuten eingesetzter
Federn zu einer geschlossenen Oberfläche miteinander verbunden werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß beim Verlegen unterschiedlich lange Federn in die Nuten eingesetzt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Federn dauerhaft mit ihren zugehörigen Nuten verbunden werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Federn in ihre Nuten eingeklebt werden.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß verlegte Platten gegen Begrenzungswände verkeilt werden.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Platten miteinander verdübelt werden.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß Platten mit unterschiedlichen Abmessungen verlegt werden.