(19)
(11) EP 0 376 008 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
04.07.1990  Patentblatt  1990/27

(21) Anmeldenummer: 89122476.8

(22) Anmeldetag:  06.12.1989
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B01F 3/04, B01F 5/02, B01F 13/02
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE ES FR LI NL

(30) Priorität: 10.12.1988 DE 3841618

(71) Anmelder: Linde Aktiengesellschaft
D-65189 Wiesbaden (DE)

(72) Erfinder:
  • Strigl, Reinhard, Dipl.-Ing.
    D-8000 München 50 (DE)
  • Rossmann, Manfred, Dr.-Ing.
    D-8000 München 71 (DE)

(74) Vertreter: Schaefer, Gerhard, Dr. 
Linde Aktiengesellschaft Zentrale Patentabteilung
D-82049 Höllriegelskreuth
D-82049 Höllriegelskreuth (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Gaseintragssystem


    (57) Die Erfindung betrifft ein Gaseintragssystem zum Begasen eines fließfähigen Mediums in einem Behälter 1. Um einen möglichst feinblasigen Gaseintrag zu ermöglichen, wird vorgeschlagen, auf dem Behälterboden 6 Bodendüsen 7 zum Eintragen von Gas in das Medium anzuordnen, die mit schnell öffnenden und schließenden Ventilen in Verbindung stehen.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Eintragen von Gas in ein fließfähiges Medium, das sich in einem Behälter befindet.

    [0002] Derartige Gaseintragssysteme sind weit verbreitet. So werden beispielsweise zum Eintragen von sauerstoffhal­tigem Gas in Abwasser Begasungskerzen verwendet, die am Boden eines Behandlungsbeckens angeordnet sind. Andererseits ist es auch bekannt, Gaseintragssysteme zum Spülen von Metallschmelzen in einer Pfanne zu verwenden. Beispielsweise werden Stahlschmelzen oder Aluminiumschmelzen durch Spülen mit Inertgas nachbehan­delt. Dabei wird das Gas über Lanzen auf die Schmelzen aufgeblasen oder durch Düsen oder Stopfen vom Boden der Pfanne aus von unten eingetragen. In den meisten Anwen­dungsfällen kommt es auf ein möglichst feinblasiges Eintragen des Gases in das fließfähige Medium an. Ins­besondere bei Medien mit hoher Dichte, z.B. Metall­schmelzen, ist ein feinblasiger Eintrag mit dem herkömm­lichen Gaseintragssystem aber nicht gewährleistet. Aufgrund der hohen Dichte des Mediums vereinigen sich unmittelbar hinter der Gaseintragsvorrichtung die ursprünglich kleinen Gasblasen zu einer großen, wodurch beispielsweise beim Nachbehandeln einer Metallschmelze die Spülwirkung verschlechtert wird.

    [0003] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung der eingangs genannten Art so auszugestalten, daß einfache und wirtschaftliche Weise ein feinblasiger Gaseintrag erreicht wird.

    [0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß auf dem Behälterboden Bodendüsen zum Eintragen von Gas in das Medium angeordnet sind, die mit schnellöffnenden und -schließenden Ventilen in Verbindung stehen.

    [0005] Die Bodendüsen geben Gas im wesentlichen in vertikaler Richtung nach oben pulsierend in das Medium ab. Durch eine möglichst hochfrequente Gaspulsation wird erreicht, daß die Gasblasen in kleiner Ausdehnung abreißen. Eine Konglomerierung kleiner Gasblasen zu großen wird verhindert. Zur Pulsierung des Gases können Flatterventile, schnellarbeitende Magnetventile, mit Motor angetriebene Kugelhähne oder anderweitig schnell öffnende und schließende Ventile verwendet werden. Die Ventile sind unmittelbar vor dem Gaseintritt in die Bodendüsen angeordnet.

    [0006] Bei einer zylinder- oder pfannenförmigen Ausbildung des Behälters mit im wesentlichen vertikaler Achse ist vorzugsweise zusätzlich mindestens eine Düse so angeordnet, daß ihre Austrittsöffnung in eine im wesentlichen horizontale Richtung zeigt, die mit der Behälterwand einen Winkel einschließt, der gleich oder größer als 0° und kleiner als 90° ist.

    [0007] Auf diese Weise kann das Gas so in das fließfähige Medium eingeblasen werden, daß das Medium in eine Rotation um die vertikale Zylinder- bzw. Pfannenachse versetzt wird. Die in das rotierende Medium eingetragenen Gasblasen erfahren Scherkräfte, die ein Entstehen von großen Gasblasen verhindern.

    [0008] Es ist vorteilhaft, das Gas nahezu parallel zur Behälter­wand in das fließfähige Medium einzublasen, um dieses in Rotation zu versetzen. Hierzu ist die Düse zweckmäßiger­weise so angeordnet, daß ihre Austrittsöffnung in eine im wesentlichen horizontale Richtung zeigt, die mit der Be­hälterwand einen Winkel von ca. 0° bis ca. 30° einschließt.

    [0009] Vorzugsweise ist die Düse an der Behälterwand oder in un­mittelbarer Nähe der Behälterwand im Behälter so instal­liert, daß die Austrittsöffnung in das Medium eintaucht. Durch diese Anordnung kann einerseits das Medium durch Einblasen von Gas leicht in Rotation versetzt werden, an­dererseits stehen dem rotierenden Medium keine störenden Düsen im Behälterinneren im Wege. In einer besonders vor­teilhaften Ausführungsform werden mehrere Düsen entlang der Behälterwand so im Behälter angebracht, daß ihre Aus­trittsöffnungen im wesentlichen parallel zur Behälterwand zeigen.

    [0010] Weiterhin ist es zweckmäßig, die Düse unmittelbar über dem Behälterboden anzuordnen. Auf diese Weise wird der gesamte Behälterinhalt durch die rotierenden und aufsteigenden Gasblasen erfaßt.

    [0011] Der Behälter kann z.B. als Belebungsbecken zur Abwasser­behandlung ausgebildet sein oder als Pfanne zum Nachbe­handeln einer Metallschmelze. Insbesondere im letzteren Fall ist es zweckmäßig, die Düse mit einem Düsenkopf aus porösem Material zu versehen, um einerseits einen fein­blasigen Gaseintrag zu gewährleisten und andererseits vor hohen thermischen Belastungen durch die heiße Metall­schmelze gewappnet zu sein. Um ein Verstopfen der Aus­trittsöffnungen zu verhindern, wird bevorzugt ein poröser Stein mit gerichteter Porösität verwendet. Auch die Bo­dendüsen sind vorzugsweise mit Düsenköpfen aus porösem Material versehen.

    [0012] Besonders beim Spülen von Metallschmelze ist es vorteil­haft, die Düse mit hohem Gasdruck zu beaufschlagen. Hierzu steht die Düse mit einer Druckleitung für hochver­dichtetes Gas in Verbindung. Die Beaufschlagung kann kontinuierlich oder pulsierend erfolgen.

    [0013] Auch die Bodendüsen stehen mit Druckleitungen für hoch­verdichtetes Gas in Verbindung. In den Druckleitungen sind unmittelbar vor den Bodendüsen die erwähnten schnell öffnenden und schließenden Ventile angeordnet.

    [0014] Das erfindungsgemäße Gaseintragssystem eignet sich ins­besondere zum Einsatz bei der sogenannten Pfannen­metallurgie, also beim Nachbehandeln von Metall in der Pfanne. Mit dem Gaseintragssystem können auch Stahl­schmelzen, die aufgrund ihrer besonders hohen Dichte mit herkömmlichen Gasspülsystemen nur unzureichend behandelt werden können, wirksam mit Gas gespült werden. Die Erfin­dung kann aber auch bei der Abwasserreinigung verwendet werden, um beispielsweise Sauerstoff feinblasig in das Abwasser einzutragen. Auch beim Strippen von Flüssigkei­ten in der Abwassertechnik, Lebensmitteltechnik oder chemischen Industrie kann das erfindungsgemäße Gasein­tragssystem mit Vorteil eingesetzt werden.

    [0015] Neben dem Vorteil eines besonders feinblasigen Gasein­trags weist das erfindungsgemäße Gaseintragssystem auch den entscheidenden Vorzug auf, ohne mechanisch bewegte Teile auszukommen. Dies stellt einen bedeutenden Vorteil gegenüber Rührsystemen dar, die zudem beispielsweise bei der Stahlbehandlung wegen der hohen Dichte der Stahl­schmelze nicht eingesetzt werden können.

    [0016] Im folgenden sei die Erfindung anhand eines in einer Zeichnung schematisch dargestellten Auführungsbeispiels näher erläutert.

    [0017] Die Figur zeigt eine Pfanne zur Nachbehandlung von Stahlschmelze.

    [0018] In der Pfanne 1 befindet sich Stahlschmelze 2, die durch Spülen mit Stickstoff nachbehandelt werden soll. Am Pfannenmantel 3 sind Düsen 4 mit Düsenköpfen 5 aus porösem Stein angeordnet. Um ein Verstopfen der Düsen 4 durch die Stahlschmelze 2 zu verhindern, weist der poröse Stein ein gerichtete Porösität auf. Die Düsen 4 sind so angeordnet, daß die Austrittsöffnungen der Düsenköpfe 5 im wesentlichen parallel zum Pfannenmantel 3 gerichtet sind. Zum Spülen der Stahlschmelze werden die Düsen 4 über eine nicht dargestellte Druckleitung mit hochverdichtetem Stickstoffgas beaufschlagt. Die Düsen 4 blasen das Gas so in die Stahlschmelze ein, daß diese in eine Rotation um die vertikale Pfannenachse versetzt wird. Über am Pfannenboden 6 installierte Bodendüsen 7 wird pulsierend Stickstoffgas von unten in die Stahlschmelze eingetragen. Hierzu stehen die Boden­düsen 7 mit nicht dargestellten Druckleitungen für hoch­verdichtetes Stickstoffgas in Verbindung. Unmittelbar vor den Bodendüsen 7 sind in den Druckleitungen schnell arbeitende Magnetventile angeordnet, die einen pulsie­renden Gaseintrag ermöglichen. Die Bodendüsen 7 sind als poröse Stopfensteine mit gerichteter Porösität ausge­bildet, um Verstopfungen durch die Stahlschmelze zu ver­hindern. Durch den pulsierenden Gaseintrag wird erreicht, daß die Gasblasen beim Kontakt mit der rotierenden Stahl­schmelze in kleiner Ausdehnung abreißen und von der rotierenden Stahlschmelze mitgenommen werden. Eine Konglomerierung der kleinen Gasblasen zu großen wird verhindert.


    Ansprüche

    1. Vorrichtung zum Eintragen von Gas in ein fließfähiges Medium, das sich in einem Behälter befindet, dadurch gekennzeichnet, daß auf dem Behälterboden (6) Boden­düsen (7) zum Eintragen von Gas in das Medium ange­ordnet sind, die mit schnellöffnenden und -schließen-­Ventilen in Verbindung stehen.
     
    2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei einer zylinder- oder pfannenförmigen Ausbil­dung des Behälters (1) mit im wesentlichen vertikaler Achse zusätzlich mindestens eine Düse (4) so angeord­net ist, daß ihre Austrittsöffnung (5) in eine im wesentlichen horizontale Richtung zeigt, die mit der Behälterwand (3) einen Winkel einschließt, der gleich oder größer als 0° und kleiner als 90° ist.
     
    3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Austrittsöffnung (5) in eine im wesentlichen horizontale Richtung zeigt, die mit der Behälterwand (3) einen Winkel von ca. 0° bis ca. 30° einschließt.
     
    4. Vorrichtung nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Düse (4) an der Behälterwand (3) oder in unmittelbarer Nähe der Behälterwand (3) im Behälter (1) so angeordnet ist, daß die Austrittsöffnung (5) in das Medium (2) eintaucht.
     
    5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Düse (4) unmittelbar über dem Behälterboden (6) angeordnet ist.
     
    6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Düse (4) einen Düsenkopf (5) aus porösem Material aufweist.
     
    7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Düse (4) mit einer Druckleitung für hochverdichtetes Gas in Verbindung steht.
     
    8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Behälter (1) als Pfanne zum Nachbehandeln einer Metallschmelze ausgebildet ist.
     
    Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Behälter (1) als Belebungsbecken zur Abwasserbehandlung ausgebildet ist.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht