[0001] In Zahnarztpraxen ist es üblich, Schränke aufzustellen, die sich vom Fußboden bis
zu einer Arbeitshöhe von etwa 70 cm erstrecken und mit einer Arbeitsplatte abschließen.
Solche, auch als Unterschränke zu bezeichnende Schränke nehmen die für eine Behandlung
notwendigen Arbeitsmittel, wie Instrumente, Materialien, Handtücher etc., auf, wobei
die Instrumente in der Regel in sogenannten Trays abgelegt sind, die in Schubladen
der Unterschränke bereitgestellt werden.
[0002] Eine solche Bereitstellung ist mit dem Nachteil verbunden, daß der Benutzer keinen
Gesamtüberblick über den Inhalt der Trays hat; weiterhin erfordert der Zugang zu den
Trays und damit zu den Instrumenten ein Abrücken vom Schrank, um zunächst die Schubladen
öffnen und danach die Trays entnehmen zu können.
[0003] Ein weiterer Nachteil ist darin zu sehen, daß solche Unterschränke nicht mit den
Knien unterfahrbar sind bzw. wenn man sie unterfahrbar machen wollte, dann der Stauraum
der Schränke sehr klein sein würde, da man in diesem Fall nur eine, höchstens zwei
sehr schmale Schubladen unterhalb der Arbeitsplatte anordnen könnte.
[0004] Wollte man die Arbeitsmittel in Oberschränken, die in der Regel ebenfalls entweder
mit schwenk- oder kippbaren Türen oder mit Schubladen versehen sind, unterbringen,
so würde ebenfalls der bereits erwähnte Nachteil bestehen, daß kein Gesamtüberblick
über die dort untergebrachten Arbeitsmittel gegeben ist. Außerdem wären die Arbeitsmittel
für den Benutzer in der heute üblichenden sitzenden Behandlungsweise zum großen Teil
nicht oder nur schlecht erreichbar.
[0005] Der im Anspruch 1 angegebenen Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, einen
gegenüber dem Stand der Technik verbesserten Schrank anzugeben, insbesondere mit
dem Ziel, einen Schrank zu schaffen, mit dem ein verbesserter Arbeitsablauf sowohl
bei der Bestückung der für eine Behandlung verwendeten Arbeitsmittel als auch bei
der Benutzung der Arbeitsmittel, also auch bei deren Entnahme, erzielt werden kann.
[0006] Der gemäß der Erfindung vorgeschlagene Schrank ist nach neuesten Erkenntnissen und
ergonomischen Gesichtspunkten in bezug auf eine Gestaltung des Arbeitsplatzes konzipiert
und verbessert den Arbeitsablauf sowohl bei einer Behandlung als auch bei Bestückung
des Schrankes mit den zu verwendenden Arbeitsmitteln.
[0007] Dadurch, daß die Arbeitsmittel in Behältnissen bereitgestellt werden, die aus einer
geschützten, geschlossenen Nichtgebrauchsstellung senkrecht nach unten in eine zur
Darreichung der Arbeitsmittel günstigen Gebrauchsstellung ausfahrbar sind, bleibt
der Raum vor den Schränken von den normalen Behandlungsabläufen unberührt, d.h. bei
Entnahme der Arbeitsmittel werden die Verkehrswege vor den Schränken nicht versperrt,
wie dies bei den bisher bekannten Schränken der Fall ist.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den
Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispieles. Dieses
Ausführungsbeispiel ist vorteilhafterweise für eine sitzende Arbeitsweise und für
eine freistehende Aufstellung im Praxisraum konzipiert.
[0009] Es zeigen:
Figur 1 eine vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung,
Figur 2 einen Ausschnitt aus dem in Figur 1 gezeigten Schrank in vergrößerter Darstellung,
Figur 3 ein Gestell zur Aufnahme von Instrumententabletts in schaubildlicher Darstellung.
[0010] Die Figur 1 zeigt in einer schaubildlichen Darstellung eine vorteilhafterweise frei
im Praxisraum aufstellbare Schrankanordnung, bestehend aus zwei Einzelschränken 1,
2, von denen der im Bild linke Schrank ortsfest aufstellbar ist und der daneben abgebildete
um einen Winkelbetrag bis etwa 45° zum ortsfesten Schrank geschwenkt werden kann.
Hierzu ist der Schrank mit Rollen 3 versehen und mittels zweier Gelenke 4 mit dem
ortsfesten Schrank 1 verbunden. Die Einzelschränke 1, 2 bestehen jeweils aus zwei
rohrförmigen Ständern 5, 6; 7, 8, zwischen denen einerseits jeweils eine Arbeitsplatte
9 bzw. 10 und andererseits als Oberschränke zu bezeichnende Schrankelemente 11, 12
befestigt sind. Die Arbeitsplatten 9, 10 sind so angeordnet, daß bei sitzender Arbeitsweise
ein Unterfahren mit den Knien des Behandlers möglich ist. Die Arbeitsplatten enthalten,
wie an sich bekannt, ein (nicht gezeichnetes) Waschbecken und die notwendigen Elektro-,
Luft- und Wasseranschlüsse für beispielsweise ein mit 13 bezeichnetes Behandlungsgerät
oder weitere, nicht dargestellte Zusatzgeräte. Ferner können die Einzelschränke mit
ein oder mehreren, nebeneinander und unterhalb der Tischplatte angeordneten Schubladen
versehen sein.
[0011] Die beiden Schrankelemente 11, 12 enthalten jeweils vier Behältnisse, die, wie nachfolgend
noch näher erläutert, aus einer Nichtgebrauchsstellung in eine Gebrauchsstellung
nach unten ausfahrbar sind. In der Figur sind zwei dieser mit 14 und 16 bezeichneten
Behältnisse in der nach unten ausgefahrenen Gebrauchsstellung gezeichnet; die übrigen,
nicht weiter bezeichneten Behältnisse befinden sich in einer in den Schrankelementen
11, 12 eingefahrenen Nichtgebrauchsstellung. Das Behältnis 14 nimmt einen Filmbetrachter
15 auf, an dem in bekannter Weise Röntgenfilme betrachtet werden können. Das Behältnis
16 ist als ein sowohl von der Vorderseite als auch von der Rückseite des Schrankes
her gesehen offener Kasten ausgebildet. Dieser beidseitig offene Kasten kann sowohl
zur direkten Aufnahme von Arbeitsmitteln bzw. Gebrauchsgegenständen, wie z.B. von
Handtüchern, als auch zur indirekten Aufnahme der Arbeitsmittel dienen. So kann es
vorteilhaft sein, in einen solchen Kasten ein in Figur 3 mit 17 bezeichnetes Gestell
abzustellen, in dem diverse, mit Instrumenten bestückte Tabletts (Trays 18, 19) gehaltert
sind.
[0012] In Betrachtung der Figuren 1 und 2 sei zunächst am Beispiel des Behältnisses 16 die
Führung und Halterung sowie die Mittel zur Verstellung der Behältnisse näher erläutert.
[0013] Wie bereits erwähnt, ist das Behältnis als an der Vorder- und Rückseite offener Kasten
ausgebildet. Dieser Kasten ist beidseitig mittels geeigneter handelsüblicher Führungselemente
20 im Schrankelement 12 vertikal verstellbar geführt. An der Oberseite des Kastens
ist eine Halterung 21 vorgesehen, in die das eine Ende eines Seil- oder Bandzuges
22 eingehängt ist, dessen anderes Ende (Figur 1) mit der Wickelrolle 23 eines motorischen
Seil- oder Bandzugantriebes 24 verbunden ist. Die so geschaffene Heb- und Senkeinrichtung,
die mittels eines an der Frontseite des Schrankelements angeordneten Schalters 25
in beide Richtungen verstellbar betätigt werden kann, läßt sich der Kasten 15 aus
der Nichtgebrauchsstellung in die in Figur 1 dargestellte Gebrauchslage motorisch
absenken. Der Schalter 25 ist zweckmäßigerweise als nur während der Betätigungsdauer
wirksamer Schalter vorgesehen, so daß der Kasten sehr leicht in jeder beliebigen Heb-
oder Senkstellung angehalten werden kann. Endschalter 26, 27 schalten den Antrieb
bei Erreichen der unteren bzw. oberen Endstellung ab.
[0014] Um das Herausfahren der einzelnen Behältnisse aus den Schrankelementen 11, 12 zu
ermöglichen, können diese an der Unterseite entweder durchgehend offen sein oder
nur der Größe der Behältnisse entsprechende Öffnungen aufweisen.
[0015] In den offenen Kasten 16 können, wie durch die Pfeile in Figur 2 angedeutet, die
für eine Behandlung benötigten Gegenstände von der Vorder- und auch von der Rückseite
her eingelegt und wieder entnommen werden. Besonders zweckmäßig ist es, in einen
solchen Kasten ein Gestell 17, wie in Figur 3 perspektivisch dargestellt, einzulegen,
welches mehrere übereinander angeordnete Halteschienen 28 für Instrumententrays 18,
19 unterschiedlicher Größe enthält. In diesen Instrumententrays werden in bekannter
Weise die für eine Behandlung vorbereiteten Instrumente bereitgestellt.
[0016] Die Schrankelemente 11, 12 sind zumindest an der Frontseite, vorzugsweise jedoch
auch an der Rückseite, mit transparenten Abdeckungen 29 versehen, die es ermöglichen,
den Füll- bzw. Bestückungsgrad der Behältnisse in der Nichtgebrauchsstellung zu kontrollieren
bzw. zu erkennen, so z.B., welches Instrumentarium in welchem Behältnis vorhanden
ist. Die transparente Abdeckung 29 ist zweckmäßigerweise einteilig und erstreckt sich
über sämtliche Behältnisse eines Schrankelementes. Dies ist jedoch nicht zwingend
erforderlich; denkbar ist auch, nur einen bestimmten vertikalen Flächenabschnitt der
Frontseite transparent zu gestalten und die dahinterliegenden Behältnisse bzw. die
in den Behältnissen bzw. in den Gestellen abgelegten Instrumententabletts mit entsprechenden
Markierungen zu versehen, die über den transparenten Teilausschnitt der Frontabdeckung
erkennbar sind. In Figur 3 enthält beispielsweise das Instrumententablett 19 an der
Stirnseite eine Markierung 30; diese Markierung 30 korrespondiert dann mit dem entsprechenden
vertikalen transparenten Abschnitt an der Frontseite der Schrankelemente.
[0017] Die Behältnisse sind getrennt voneinander motorisch ein- und ausfahrbar, wozu jedem
Behältnis eine Einrichtung der vorbeschriebenen Art zugeordnet ist. Die Bedienelemente
für die Einrichtungen sind vorteilhafterweise an Vorder-und Rückseite der Schrankelemente
vorgesehen, so daß bei freier Aufstellung der Schrankelemente im Praxisraum eine Entnahme
und Bestückung von beiden Seiten gegeben ist.
[0018] Besondere Vorteile der erfindungsgemäßen Schrankausführung sind, daß ein guter Gesamtüberblick
über den Inhalt des Schrankes bzw. der Behältnisse gegeben ist, daß in der ausgefahrenen
Arbeitsstellung der Inhalt der Behältnisse in eine gute Sichtposition gebracht wird,
die etwa der Augenhöhe des Benutzers in sitzender Arbeitsstellung entspricht, daß
der Raum zwischen der Arbeitsplatte und den Oberschränken ein ungehindertes Arbeiten
an der Arbeitsplatte ermöglicht; dieser Raum zeitweilig zur Bereitstellung des Schrankinhaltes
genutzt wird, wobei in der ausgefahrenen Position der Behältnisse ein direktes Ablegen
der Instrumente auf der Arbeitsplatte gegeben ist. Wie am Beispiel des ausfahrbaren
Filmbetrachtungsgerätes erkennbar ist, liegt ein weiterer Vorteil darin, Zusatzgeräte,
wie Filmbetrachtungsgeräte od. dgl. nicht, wie bisher üblich, auf der Arbeitsplatte
zu plazieren, sondern den Oberschränken zuzuordnen und sie nur bei Bedarf mittels
der Heb- und Senkeinrichtung in die Gebrauchsstellung zu fahren. Die Arbeitsplatte
bleibt dadurch frei von solchen Zusatzgeräten.
[0019] Obgleich die hier gezeigte Schrankanordnung besonders vorteilhaft als sogenannte
Hinterkopfschrankanordnung vorgesehen werden kann und diese vorteilhafterweise frei
im Praxisraum aufstellbar ist, so sind doch verschiedene Modifikationen denkbar und
im Rahmen der Erfindung. So ist es denkbar, eine ähnlich gestaltete Schrankanordnung
als direkt an eine Wand stellbare Schrankanordnung auszubilden. Ebenso ist es denkbar,
die Einzelschränke getrennt voneinander aufzustellen oder nur einen einzigen Schrank
vorzusehen.
1. Schrank für die Zahnarztpraxis, mit wenigstens einem Behältnis zur Aufnahme von
zur Behandlung benötigten Arbeitsmitteln, insbesondere zur Aufnahme von Instrumentarium,
dadurch gekennzeichnet, daß das Behältnis (14, 16) im Schrank (1, 2) in vertikaler Richtung verstellbar gehaltert
ist, derart, daß es aus einer die Arbeitsmittel verschließenden Nichtgebrauchsstellung
in eine den Zugang zu den Arbeitsmitteln freigebenden Gebrauchsstellung bringbar ist.
2. Schrank nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Behältnis (14, 16) als ein zumindest an der Vorderseite des Schrankes offener
Kasten (16) ausgebildet ist, der mittels einer Heb- und Senkeinrichtung (20 bis 24)
in die Gebrauchsstellung bringbar ist.
3. Schrank nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß eine Heb- und Senkeinrichtung mit motorischem Antrieb (24) vorgesehen ist.
4. Schrank nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Heb- und Senkeinrichtung einen Seil- oder Bandzug (22) enthält, dessen eines
Ende an einer Halterung (21) des Kastens (16) befestigt und dessen anderes Ende mit
einer Wickeltrommel (23) eines Elektroantriebsmotors (24) verbunden ist.
5. Schrank nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß dem Kasten (16) ein Gestell (17) mit Tragschienen (28) zur Ablage von Instrumentarium
aufnehmenden Tabletts (18, 19) zugeordnet ist.
6. Schrank nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Behältnis (14, 16) in einem als Oberschrank definierbaren Schrankelement
(11, 12) angeordnet ist.
7. Schrank nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Schrankelement (11, 12) eine Vielzahl von nebeneinander angeordneten Behältnissen
(14, 16) enthält.
8. Schrank nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß einer der Behältnisse (14) ein Filmbetrachtungsgerät (15) enthält.
9. Schrank nach eiem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Behältnis (14, 16) an seiner Bedienseite mit einer transparenten Abdeckung
(29) versehen ist, die so dimensioniert ist, daß der Inhalt des Behältnisses erkennbar
ist.
10. Schrank nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß bei mehreren, nebeneinander angeordneten Behältnissen eine gemeinsame transparente
Abdeckung (29) vorgesehen ist.
11. Schrank nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß er als frei aufstellbarer Schrank ausgebildet ist und die Behältnisse sowohl
von der Vorder- als auch von der Rückseite des Schrankes zugänglich sind.
12. Schrank nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß er als Doppelschrank (Fig. 1) ausgebildet ist und zwei vorzugsweise gleichartig
ausgebildete Einzelschränke (1, 2) enthält, von denen der eine (1) ortsfest und der
andere (2) mittels Stützrollen (3) und Scharniergelenk (4) in einem definierten Winkel
relativ zum ortsfesten Schrank schwenkbar ist.
13. Schrank nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Schrankelement (11, 12) von rohrförmigen Ständern (5, 6; 7, 8) getragen
wird.
14. Schrank nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß unterhalb der Schrankelemente (11, 12) eine mit den Knien unterfahrbare Arbeitsplatte
(9, 10) angeordnet ist.