(19)
(11) EP 0 377 061 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
11.07.1990  Patentblatt  1990/28

(21) Anmeldenummer: 89100049.9

(22) Anmeldetag:  03.01.1989
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5A61G 15/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE

(71) Anmelder: SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT
80333 München (DE)

(72) Erfinder:
  • Jöckel, Klaus
    D-6140 Bensheim (DE)
  • Müller, Lothar, Dipl.-Ing.
    D-6520 Worms (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Schrank für die Zahnarztpraxis


    (57) Es wird ein Schrank für die Zahnarztpraxis vorgeschlagen, bei dem wenigstens ein Behältnis (14, 16) zur Aufnahme von zur Behandlung benötigten Arbeitsmitteln, insbesondere zur Auf­nahme von Instrumentarium, in vertikaler Richtung derart ver­stellbar im Schrank (1, 2) gehaltert ist, daß es aus einer die Arbeitsmittel verschließenden Nichtgebrauchsstellung in eine den Zugang zu den Arbeitsmitteln freigebenden Gebrauchs­stellung bringbar ist. In einer vorteilhaften Ausführungsform ist das Behältnis (16) als ein zumindest an der Vorderseite des Schrankes offener Kasten (16) ausgebildet, der mittels einer Heb- und Senkeinrichtung (20 bis 24) in die Gebrauchsstellung bringbar ist.




    Beschreibung


    [0001] In Zahnarztpraxen ist es üblich, Schränke aufzustellen, die sich vom Fußboden bis zu einer Arbeitshöhe von etwa 70 cm erstrecken und mit einer Arbeitsplatte abschließen. Solche, auch als Unter­schränke zu bezeichnende Schränke nehmen die für eine Behand­lung notwendigen Arbeitsmittel, wie Instrumente, Materialien, Handtücher etc., auf, wobei die Instrumente in der Regel in sogenannten Trays abgelegt sind, die in Schubladen der Unter­schränke bereitgestellt werden.

    [0002] Eine solche Bereitstellung ist mit dem Nachteil verbunden, daß der Benutzer keinen Gesamtüberblick über den Inhalt der Trays hat; weiterhin erfordert der Zugang zu den Trays und damit zu den Instrumenten ein Abrücken vom Schrank, um zunächst die Schubladen öffnen und danach die Trays entnehmen zu können.

    [0003] Ein weiterer Nachteil ist darin zu sehen, daß solche Unter­schränke nicht mit den Knien unterfahrbar sind bzw. wenn man sie unterfahrbar machen wollte, dann der Stauraum der Schränke sehr klein sein würde, da man in diesem Fall nur eine, höch­stens zwei sehr schmale Schubladen unterhalb der Arbeitsplatte anordnen könnte.

    [0004] Wollte man die Arbeitsmittel in Oberschränken, die in der Regel ebenfalls entweder mit schwenk- oder kippbaren Türen oder mit Schubladen versehen sind, unterbringen, so würde ebenfalls der bereits erwähnte Nachteil bestehen, daß kein Gesamtüberblick über die dort untergebrachten Arbeitsmittel gegeben ist. Außer­dem wären die Arbeitsmittel für den Benutzer in der heute übli­chenden sitzenden Behandlungsweise zum großen Teil nicht oder nur schlecht erreichbar.

    [0005] Der im Anspruch 1 angegebenen Erfindung liegt deshalb die Auf­gabe zugrunde, einen gegenüber dem Stand der Technik verbesser­ten Schrank anzugeben, insbesondere mit dem Ziel, einen Schrank zu schaffen, mit dem ein verbesserter Arbeitsablauf sowohl bei der Bestückung der für eine Behandlung verwendeten Arbeits­mittel als auch bei der Benutzung der Arbeitsmittel, also auch bei deren Entnahme, erzielt werden kann.

    [0006] Der gemäß der Erfindung vorgeschlagene Schrank ist nach neuesten Erkenntnissen und ergonomischen Gesichtspunkten in bezug auf eine Gestaltung des Arbeitsplatzes konzipiert und verbessert den Arbeitsablauf sowohl bei einer Behandlung als auch bei Be­stückung des Schrankes mit den zu verwendenden Arbeitsmitteln.

    [0007] Dadurch, daß die Arbeitsmittel in Behältnissen bereitgestellt werden, die aus einer geschützten, geschlossenen Nichtge­brauchsstellung senkrecht nach unten in eine zur Darreichung der Arbeitsmittel günstigen Gebrauchsstellung ausfahrbar sind, bleibt der Raum vor den Schränken von den normalen Behandlungs­abläufen unberührt, d.h. bei Entnahme der Arbeitsmittel werden die Verkehrswege vor den Schränken nicht versperrt, wie dies bei den bisher bekannten Schränken der Fall ist.

    [0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispieles. Dieses Ausführungs­beispiel ist vorteilhafterweise für eine sitzende Arbeits­weise und für eine freistehende Aufstellung im Praxisraum konzipiert.

    [0009] Es zeigen:

    Figur 1 eine vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung,

    Figur 2 einen Ausschnitt aus dem in Figur 1 gezeigten Schrank in vergrößerter Darstellung,

    Figur 3 ein Gestell zur Aufnahme von Instrumententabletts in schaubildlicher Darstellung.



    [0010] Die Figur 1 zeigt in einer schaubildlichen Darstellung eine vorteilhafterweise frei im Praxisraum aufstellbare Schrank­anordnung, bestehend aus zwei Einzelschränken 1, 2, von denen der im Bild linke Schrank ortsfest aufstellbar ist und der daneben abgebildete um einen Winkelbetrag bis etwa 45° zum ortsfesten Schrank geschwenkt werden kann. Hierzu ist der Schrank mit Rollen 3 versehen und mittels zweier Gelenke 4 mit dem ortsfesten Schrank 1 verbunden. Die Einzelschränke 1, 2 bestehen jeweils aus zwei rohrförmigen Ständern 5, 6; 7, 8, zwischen denen einerseits jeweils eine Arbeitsplatte 9 bzw. 10 und andererseits als Oberschränke zu bezeichnende Schrank­elemente 11, 12 befestigt sind. Die Arbeitsplatten 9, 10 sind so angeordnet, daß bei sitzender Arbeitsweise ein Unterfahren mit den Knien des Behandlers möglich ist. Die Arbeitsplatten enthalten, wie an sich bekannt, ein (nicht gezeichnetes) Wasch­becken und die notwendigen Elektro-, Luft- und Wasseranschlüsse für beispielsweise ein mit 13 bezeichnetes Behandlungsgerät oder weitere, nicht dargestellte Zusatzgeräte. Ferner können die Einzelschränke mit ein oder mehreren, nebeneinander und unterhalb der Tischplatte angeordneten Schubladen versehen sein.

    [0011] Die beiden Schrankelemente 11, 12 enthalten jeweils vier Be­hältnisse, die, wie nachfolgend noch näher erläutert, aus ei­ner Nichtgebrauchsstellung in eine Gebrauchsstellung nach unten ausfahrbar sind. In der Figur sind zwei dieser mit 14 und 16 bezeichneten Behältnisse in der nach unten ausgefahrenen Gebrauchsstellung gezeichnet; die übrigen, nicht weiter be­zeichneten Behältnisse befinden sich in einer in den Schrank­elementen 11, 12 eingefahrenen Nichtgebrauchsstellung. Das Behältnis 14 nimmt einen Filmbetrachter 15 auf, an dem in be­kannter Weise Röntgenfilme betrachtet werden können. Das Be­hältnis 16 ist als ein sowohl von der Vorderseite als auch von der Rückseite des Schrankes her gesehen offener Kasten ausgebildet. Dieser beidseitig offene Kasten kann sowohl zur direkten Aufnahme von Arbeitsmitteln bzw. Gebrauchsgegenstän­den, wie z.B. von Handtüchern, als auch zur indirekten Auf­nahme der Arbeitsmittel dienen. So kann es vorteilhaft sein, in einen solchen Kasten ein in Figur 3 mit 17 bezeichnetes Ge­stell abzustellen, in dem diverse, mit Instrumenten bestückte Tabletts (Trays 18, 19) gehaltert sind.

    [0012] In Betrachtung der Figuren 1 und 2 sei zunächst am Beispiel des Behältnisses 16 die Führung und Halterung sowie die Mittel zur Verstellung der Behältnisse näher erläutert.

    [0013] Wie bereits erwähnt, ist das Behältnis als an der Vorder- und Rückseite offener Kasten ausgebildet. Dieser Kasten ist beid­seitig mittels geeigneter handelsüblicher Führungselemente 20 im Schrankelement 12 vertikal verstellbar geführt. An der Ober­seite des Kastens ist eine Halterung 21 vorgesehen, in die das eine Ende eines Seil- oder Bandzuges 22 eingehängt ist, dessen anderes Ende (Figur 1) mit der Wickelrolle 23 eines motorischen Seil- oder Bandzugantriebes 24 verbunden ist. Die so geschaffe­ne Heb- und Senkeinrichtung, die mittels eines an der Front­seite des Schrankelements angeordneten Schalters 25 in beide Richtungen verstellbar betätigt werden kann, läßt sich der Kasten 15 aus der Nichtgebrauchsstellung in die in Figur 1 dargestellte Gebrauchslage motorisch absenken. Der Schalter 25 ist zweckmäßigerweise als nur während der Betätigungsdauer wirksamer Schalter vorgesehen, so daß der Kasten sehr leicht in jeder beliebigen Heb- oder Senkstellung angehalten werden kann. Endschalter 26, 27 schalten den Antrieb bei Erreichen der unteren bzw. oberen Endstellung ab.

    [0014] Um das Herausfahren der einzelnen Behältnisse aus den Schrank­elementen 11, 12 zu ermöglichen, können diese an der Unter­seite entweder durchgehend offen sein oder nur der Größe der Behältnisse entsprechende Öffnungen aufweisen.

    [0015] In den offenen Kasten 16 können, wie durch die Pfeile in Figur 2 angedeutet, die für eine Behandlung benötigten Gegen­stände von der Vorder- und auch von der Rückseite her einge­legt und wieder entnommen werden. Besonders zweckmäßig ist es, in einen solchen Kasten ein Gestell 17, wie in Figur 3 perspektivisch dargestellt, einzulegen, welches mehrere über­einander angeordnete Halteschienen 28 für Instrumententrays 18, 19 unterschiedlicher Größe enthält. In diesen Instrumenten­trays werden in bekannter Weise die für eine Behandlung vor­bereiteten Instrumente bereitgestellt.

    [0016] Die Schrankelemente 11, 12 sind zumindest an der Frontseite, vorzugsweise jedoch auch an der Rückseite, mit transparenten Abdeckungen 29 versehen, die es ermöglichen, den Füll- bzw. Bestückungsgrad der Behältnisse in der Nichtgebrauchsstellung zu kontrollieren bzw. zu erkennen, so z.B., welches Instrumen­tarium in welchem Behältnis vorhanden ist. Die transparente Abdeckung 29 ist zweckmäßigerweise einteilig und erstreckt sich über sämtliche Behältnisse eines Schrankelementes. Dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich; denkbar ist auch, nur einen bestimmten vertikalen Flächenabschnitt der Front­seite transparent zu gestalten und die dahinterliegenden Be­hältnisse bzw. die in den Behältnissen bzw. in den Gestellen abgelegten Instrumententabletts mit entsprechenden Markierungen zu versehen, die über den transparenten Teilausschnitt der Frontabdeckung erkennbar sind. In Figur 3 enthält beispiels­weise das Instrumententablett 19 an der Stirnseite eine Markierung 30; diese Markierung 30 korrespondiert dann mit dem entsprechenden vertikalen transparenten Abschnitt an der Frontseite der Schrankelemente.

    [0017] Die Behältnisse sind getrennt voneinander motorisch ein- und ausfahrbar, wozu jedem Behältnis eine Einrichtung der vorbe­schriebenen Art zugeordnet ist. Die Bedienelemente für die Einrichtungen sind vorteilhafterweise an Vorder-und Rückseite der Schrankelemente vorgesehen, so daß bei freier Aufstellung der Schrankelemente im Praxisraum eine Entnahme und Bestückung von beiden Seiten gegeben ist.

    [0018] Besondere Vorteile der erfindungsgemäßen Schrankausführung sind, daß ein guter Gesamtüberblick über den Inhalt des Schrankes bzw. der Behältnisse gegeben ist, daß in der aus­gefahrenen Arbeitsstellung der Inhalt der Behältnisse in eine gute Sichtposition gebracht wird, die etwa der Augenhöhe des Benutzers in sitzender Arbeitsstellung entspricht, daß der Raum zwischen der Arbeitsplatte und den Oberschränken ein ungehindertes Arbeiten an der Arbeitsplatte ermöglicht; dieser Raum zeitweilig zur Bereitstellung des Schrankinhaltes genutzt wird, wobei in der ausgefahrenen Position der Behältnisse ein direktes Ablegen der Instrumente auf der Arbeitsplatte gegeben ist. Wie am Beispiel des ausfahrbaren Filmbetrachtungsgerätes erkennbar ist, liegt ein weiterer Vorteil darin, Zusatzgeräte, wie Filmbetrachtungsgeräte od. dgl. nicht, wie bisher üblich, auf der Arbeitsplatte zu plazieren, sondern den Oberschränken zuzuordnen und sie nur bei Bedarf mittels der Heb- und Senkeinrichtung in die Gebrauchsstellung zu fahren. Die Arbeitsplatte bleibt dadurch frei von solchen Zusatzgeräten.

    [0019] Obgleich die hier gezeigte Schrankanordnung besonders vor­teilhaft als sogenannte Hinterkopfschrankanordnung vorge­sehen werden kann und diese vorteilhafterweise frei im Praxisraum aufstellbar ist, so sind doch verschiedene Modifikationen denkbar und im Rahmen der Erfindung. So ist es denkbar, eine ähnlich gestaltete Schrankanordnung als direkt an eine Wand stellbare Schrankanordnung auszu­bilden. Ebenso ist es denkbar, die Einzelschränke getrennt voneinander aufzustellen oder nur einen einzigen Schrank vorzusehen.


    Ansprüche

    1. Schrank für die Zahnarztpraxis, mit wenigstens einem Behält­nis zur Aufnahme von zur Behandlung benötigten Arbeitsmitteln, insbesondere zur Aufnahme von Instrumentarium, dadurch gekennzeichnet, daß das Behältnis (14, 16) im Schrank (1, 2) in vertikaler Richtung verstellbar gehaltert ist, derart, daß es aus einer die Arbeitsmittel verschließenden Nichtgebrauchsstellung in eine den Zugang zu den Arbeitsmitteln freigebenden Gebrauchsstellung bringbar ist.
     
    2. Schrank nach Anspruch 1, dadurch gekenn­zeichnet, daß das Behältnis (14, 16) als ein zumindest an der Vorderseite des Schrankes offener Kasten (16) ausge­bildet ist, der mittels einer Heb- und Senkeinrichtung (20 bis 24) in die Gebrauchsstellung bringbar ist.
     
    3. Schrank nach Anspruch 2, dadurch gekenn­zeichnet, daß eine Heb- und Senkeinrichtung mit moto­rischem Antrieb (24) vorgesehen ist.
     
    4. Schrank nach Anspruch 3, dadurch gekenn­zeichnet, daß die Heb- und Senkeinrichtung einen Seil- oder Bandzug (22) enthält, dessen eines Ende an einer Halterung (21) des Kastens (16) befestigt und dessen anderes Ende mit einer Wickeltrommel (23) eines Elektroantriebs­motors (24) verbunden ist.
     
    5. Schrank nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß dem Kasten (16) ein Ge­stell (17) mit Tragschienen (28) zur Ablage von Instrumentarium aufnehmenden Tabletts (18, 19) zugeordnet ist.
     
    6. Schrank nach Anspruch 1, dadurch gekenn­zeichnet, daß das Behältnis (14, 16) in einem als Oberschrank definierbaren Schrankelement (11, 12) angeordnet ist.
     
    7. Schrank nach Anspruch 6, dadurch gekenn­zeichnet, daß das Schrankelement (11, 12) eine Viel­zahl von nebeneinander angeordneten Behältnissen (14, 16) enthält.
     
    8. Schrank nach Anspruch 7, dadurch gekenn­zeichnet, daß einer der Behältnisse (14) ein Film­betrachtungsgerät (15) enthält.
     
    9. Schrank nach eiem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Behältnis (14, 16) an seiner Bedienseite mit einer transparenten Abdeckung (29) versehen ist, die so dimensioniert ist, daß der Inhalt des Behältnisses erkennbar ist.
     
    10. Schrank nach Anspruch 9, dadurch gekenn­zeichnet, daß bei mehreren, nebeneinander angeord­neten Behältnissen eine gemeinsame transparente Abdeckung (29) vorgesehen ist.
     
    11. Schrank nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß er als frei aufstellbarer Schrank ausgebildet ist und die Behältnisse sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite des Schrankes zugänglich sind.
     
    12. Schrank nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß er als Doppelschrank (Fig. 1) ausgebildet ist und zwei vorzugsweise gleichartig ausgebildete Einzelschränke (1, 2) enthält, von denen der eine (1) ortsfest und der andere (2) mittels Stützrollen (3) und Scharniergelenk (4) in einem definierten Winkel relativ zum ortsfesten Schrank schwenkbar ist.
     
    13. Schrank nach Anspruch 6, dadurch gekenn­zeichnet, daß das Schrankelement (11, 12) von rohr­förmigen Ständern (5, 6; 7, 8) getragen wird.
     
    14. Schrank nach Anspruch 13, dadurch gekenn­zeichnet, daß unterhalb der Schrankelemente (11, 12) eine mit den Knien unterfahrbare Arbeitsplatte (9, 10) ange­ordnet ist.
     




    Zeichnung










    Recherchenbericht